Max Bane
Fiktive Autobiografie eines dunklen Charakters

Max Bane - Diary of a real THUGLIFE
Eine bewusst düstere, rohe und nicht jugendfreie Fiktion über einen extremen Charakter zwischen Gewalt, Selbstmythologie, Hooligan-Welt und innerem Kontrollverlust.
- Status
- Konzept-/Entwurfsfassung
- Ausrichtung
- Sehr harte, rohe Streetvariante - nicht jugendfrei.
Nicht jugendfrei: harte Sprache, Gewaltkontext und psychologisch dunkle Motive.
Manuskript & Analyse
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251019_Max-Bane_Diary-of-a-real-THUGLIFE_Entwurf-Fassung
Erstausgabe 2017 Alle Rechte vorbehalten Layout: C. Aßmann ISBN Contact: max.bane@terryflow.de // It was worth it in the end. C. Aßmann Printausgabe: 2017 Die Gedanken sind frei Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten? Sie fliegen vorbei wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen mit Pulver und Blei. Die Gedanken sind...
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Erstausgabe 2017
Alle Rechte vorbehalten
Layout: C. Aßmann
ISBN
Contact: max.bane@terryflow.de //
It was worth it in the end.
C. Aßmann
Printausgabe: 2017
Die Gedanken sind frei
Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten?
Sie fliegen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen
mit Pulver und Blei.
Die Gedanken sind frei!
Ich denke, was ich will
und was mich beglücket,
doch alles in der Still',
und wie es sich schicket.
Mein Wunsch und Begehren
kann niemand verwehren,
es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei!
Und sperrt man mich ein
im finsteren Kerker,
ich spotte der Pein
und menschlicher Werke;
denn meine Gedanken
zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei:
Die Gedanken sind frei!
Deutsches Volkslied,
Hoffmann von Fallersleben, 1841
„Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt - Glücklich allein Ist die Seele, die liebt.“
Ich würde Ihnen hier wirklich aufrichtig gerne etwas über Max Bane erzählen, dass Sie erheitert oder zumindest zum
Schmunzeln bringt, leider müsste ich Sie dann belügen, denn in der kompletten Zeit, die ich mit ihm im Laufe dieser
Bucherstellung verbrachte, gab es nicht eine einzige Episode, an die ich mich zurückerinnern könnte, welche dies auch
nur ansatzweise begründen könnte.
Gewiss habe ich sowohl bei den Recherchearbeiten als auch bei der tatsächlichen Erstellung des Buchskriptes sehr viele
Minuten, Stunden, Tage, Wochen u. Monate , sehr viele Facetten an der Seite von Max erfahren können / dürfen, die
unsereiner als Gefühl interpretieren könnte, ich weiß aber, das dem nicht so ist.
Falls bei mir der Eindruck einer Gefühlsregung seitens Max jemals entstanden sein sollte, dann nur, weil Max in dem
Moment wollte und steuerte, dass ich dies so empfinden sollte.
Seien Sie sich gewiss, dass Max Bane niemals Gefühle wie Zuneigung, Liebe, Verantwortung oder dergleichen
empfunden hat, da es diese Gefühlsregungen bei seinem Krankheitsbild schlicht nicht gibt und diese leider auch als
unheilbar gilt.
Erleben Sie in diesem Buch hautnah, die einzigartige Möglichkeit, detaillierte Eindrücke dieser gescheiterten
Persönlichkeit miterleben zu dürfen. Da Max während der Bucherstellung auf tragische Weise einfach spurlos
verschwand und auch von jetzt auf nachher keine Kontaktaufnahme mehr möglich ist, gehen die Erlöse des
Buchverkaufs an seinen behinderten jüngeren Bruder in München als direkten Erbberechtigten von Max Bane.
Für die 3 wichtigsten Personen, die meinem Leben einen Sinn geben.
Meine Frau Tina und meine Kinder Sophia und Tristan.
Damit Ihr Euch immer gerne an mich erinnert!
Max Bane - 100% Original Made In Germany
Diary of a real ThugLife…
(TimElinEBaSed ReCutVerSioN)
08/17
Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 1
Prolog 2
Kindheit: 5
Ein Unfall namens Max… 6
Kindheitserinnerungen aus den frühen Siebzigern 13
Diagnose „Verhaltensgestört“ 18
Frühe Kindheit in Zellerau 21
Umzug Heuchelhof 24
Jugend: 30
Sommer 1982 – Begegnung mit roher Gewalt 31
Geheimes Boxtraining ist Pflichtprogramm 38
Punker-Hetze durch Würzburg / Verlust meiner Unschuld 42
24. August 1984 / Mitten in der Nacht 50
16. September - 3. Oktober 1985 / Tagebucheinträge 55
Normal sind nicht die Anderen / Nachtwanderung 60
Sommer 1986 – Ich bin raus… 64
Kampfzone 1: 69
Meine besoffene Nazi-Oma und ich… 70
Begegnungen im Wald und 2 bleiben vergraben 78
13. Oktober 1988 / Urteilsverkündung: 85
Beschreitung neuer Wege: (1989 - 1991) 86
Big in Japan 87
Spätjahr 1991 / Jackenklau in Wiesbaden 92
Gegenwart Zwischengedanken mit Erinnerung 95
28. September 1991 Jackenklau Part 2 96
Rückblende 6 Std. früher 98
Kampfzone 2: 106
Gegenwart / kleiner Kurs des Phänomens „Hooligans“ 107
CB forever! 112
Gewalt ist doch die Lösung 127
Neujahrsnacht 1993 / Are you right to fight for party? 129
Sommer 1993 / Einmal Malle und zurück 137
PAIN – Jerry, der irre Ami! 148
Wald und Wiese… 155
Nächtliche Begegnungen mit mir selbst 162
Zwischenbilanz 169
Ausstieg: 170
Ich bin nicht ich, aber auch nicht Du! 171
Ich kann ja alles! 181
Genug ist genug! 197
Der Radikalschnitt! 203
Aus und vorbei – aber Frei 225
Familienbande: 227
Kann denn Liebe Sünde sein? 228
Alles auf Anfang 231
Ein Traum in Weiß 234
Unsere heile, kleine Welt 238
Ein kleiner Wunsch wird wahr 241
Max ist glücklich 242
Alltag und was der so mit sich bringt 246
19. Januar 2009 / Hilferuf 248
22. Januar 2009 (Ärger mit Unitymedia Part 2) 255
Zusammenbruch: 259
Unfassbar – aber wahr! 260
Schizo: 284
15. Mai 2012 / Sie ist weg? 285
08. Juli 2012 / Nur in meinem Kopf 289
23. März 2013 / Schmerzen im Bein 291
17. August 2013 / Zwischenspiel in Würzburg 296
Eine kontakt- und erfolglose Woche später 297
Im September desselben Jahres 298
Eskalationsstufe 9: 300
7. Dezember 2014 / Schriftwechsel mit einer Unbekannten 301
31. Dezember 2014 / Silvesternacht 307
09. Januar 2015 / Schriftwechsel mit einer Unbekannten 2 308
23. Januar 2015 / Der Weckruf 311
27. Januar 2015 / 3. Schriftwechsel mit einer Unbekannten 313
28. Januar 2015 / 4. Schriftwechsel mit einer Unbekannten 314
29. Januar 2015 / 5. Schriftwechsel mit einer Unbekannten 315
03. Februar 2015 / letzter Schriftwechsel mit der Unbekannten 316
14. Mai 2016 / Die Anderen 319
26.Mai 2017 / bei meinem Hausarzt 327
Sommer 2017 / genauso wie die Anderen 329
Des Dramas Grande Finale: (2017) 334
Der Pfad des Kriegers 335
Der Prozess 339
Blind Rage 348
Ich sehe Euch alle! 355
Gegenwart / Wo bin ich? Part 1 363
Gegenwart / Wo bin ich? Part 2 376
Zusammenfassung: 382
Was ist wohl die Wahrheit? 383
Die Anderen und so 385
Thug Life 407
Bonus-Material: 409
Verschiedene Zeitungsberichte 410
Dokumente und sonstiges 414
Dankeschön an alle Mitwirkenden, Inspirationen und moralisch Unterstützenden 420
Inhaltsangabe 422
1
"...ich hasse alle Menschen: die einen, weil sie schlecht sind und bösartig, und die anderen, weil sie
den Schlechten nachgeben..."
(Alceste in Molières Le Misanthrope ou l’Atrabilaire amoureux)
Einleitung
2
Prolog
Mit schmerzende Gliedern und leicht verschwommener Sicht öffne ich die verglaste
Tür. Augenblicklich schlägt mir der Geruch von Leid und Desinfektionsmittel
entgegen, was mich die Nase rümpfen lässt. Ich hasse Krankenhäuser, schnaube ich
innerlich und torkle, des Alkohols wegen, der noch immer durch meine Adern fließt,
auf den Empfang zu, der durch eine Glasscheibe geschützt wird. Hinter dem Glas, an
dem großen Schreibtisch, sitzt ein älterer Herr, mit dicker Lesebrille und ergrautem
Haar. Gelangweilt blätt ert er in einer zerknitterten Zeitung herum und bemerkt so
nicht, dass ich vor ihm stehen bleibe und auf seine Aufmerksamkeit warte. Nach
einigen Momenten, in denen er mich noch immer nicht bemerkt, räuspere ich mich
ungeduldig, ohne Erfolg. Genervt seufze ich und klopfe etwas zu heftig gegen die
Scheibe, weswegen der Alte erschrocken zusammenfährt. Mit großen Augen, sieht er
mich, über die Brille hinweg an, ehe er seinen Blick über mein malträtiertes Gesicht
wandern lässt. Noch immer scheint er erschrocken , doch nicht mehr, weil ich ihn
aufgeschreckt habe, sondern meines Anblickes wegen. Mein Gesicht ist übel
mitgenommen, von der Schlägerei, die keine Stunde hinter mir liegt. Auf dem Weg
hierher, den ich zu Fuß zurückgelegt habe, konnte ich in einem der zah lreichen
Schaufenster sehen, wie mitgenommen ich aussehe.
Mein linker Augenbrauenbogen ist geschwollen und erschwert mir die Sicht. Meine
Unterlippe ist aufgeplatzt und auf meiner rechten Schläfe prangt eine Platzwunde, die
unaufhörlich blutet. Außerdem wird meine rechte Wange von einer unschönen
Schramme geziert, die sich über mein halbes Gesicht zieht. Als er den ersten Schock
endlich verdaut hat, räuspert er sich und richtet seine Sehhilfe. "Wo befindet sich die
Notaufnahme?" brumme ich ihm zu und sehe ihn ungeduldig an, da ich hier so schnell
wie möglich raus will. Als Kind habe ich genug Zeit in einer solchen Einrichtung
verbracht. Viel zu oft habe ich Mist gebaut und bin deswegen hier gelandet oder
familiäre Probleme haben mich dazu getrieben, in einem Krankenhaus zu landen.
Noch immer sprachlos deutet er auf eine Tür, im rechten Eck des Empfangsraumes,
über welcher ein Schild mit der Aufschrift 'Notaufnahme' prangt.
Den Impuls unterdrückend, meine Hand auf die Stirn zu schlagen, mache ich kehrt
und durchquere den schmalen, steril weißen Gang. Als ich schließlich in der
Notaufnahme ankomme, trete ich an den kleineren Empfang, der in einer der Ecken
steht. Die Frau, die dahinter sitzt, mustert mich ebenfalls, ehe sie mir schweigend ein
Klemmbrett reicht, an welchem das Aufnahmeformular befestigt wurde. Stumm
3
schnappe ich mir noch einen Stift und gehe in den Wartebereich, in welchem sich drei
weitere Personen befinden. Da wäre eine Mutter, mit einem plärrendem Kind auf
dem Arm, welches sich den Bauch hält und ein Mann, der äußerlich nichts zu haben
scheint. Des sen ungeachtet nehme ich, weit von den Anderen entfernt, Platz und
mache mich daran, das Formular auszufüllen.
Das fällt mir denkbar schwer, da die unangenehm helle Stimme des Mädchens
regelrecht in meinen Ohren klingelt und meinen dröhnenden Schädel noch weiter
malträtiert. Krampfhaft versuche ich ihr Gejammer auszublenden und mich auf die
Zeilen vor mir zu konzentrieren. Unwillkürlich frage ich mich, wieso die meisten Kinder
so wehleidige kleine Arschlöcher sind. Natürlich, sie sind noch jung und empfinden
Schmerzen wohl schlimmer, als ein Erwachsener, doch erinnere ich mich daran, dass
ich früher nie so herum gejammert habe. Wenn ich mal Schmerzen, welcher Art auch
immer, hatte, habe ich still vor mich hin gelitten und versucht, mir nichts anmerken
zu lassen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, taucht eine, in weiß gekleidete Blondine auf und bittet
die Mutter, mit Kind, ihr zu folgen. Erleichtert seufze ich auf, als das, nicht gerade
zarte, Stimmchen, durch die Tür abgeblockt wird. "Kinder", nuschelt der Mann, der
einige Sitze von mir entfernt sitzt und ich stimme ihm, mit einem missbilligenden
Murren zu.
Kurz darauf habe ich alles Nötige ausgefüllt und erhebe mich, um das Klemmbrett
abzugeben. "Sie werden abgeholt, sobald man Zeit für sie hat", teilt mir die fette Frau,
mit den braunen Haaren mit und beäugt das Formular. Mit einem knappen Nicken
hacke ich diese Information ab und lasse mich wieder auf einem der ungemütlichen
Plastikstühle sinken. Stille herrscht, welche nur von dem beständigen Ticken der Uhr
unterbrochen wird, was mir das Gefühl gibt, das ich irgendwas verpasse, während ich
hier sitze. Es macht mich nervös und ich fühle mich dazu gedrängt, immer wieder auf
die schwarzen Zeiger zu blicken.
Die Minuten verstreichen und ich wippe ungeduldig mit dem Fuß, welchen ich auf
meinem Knie abgelegt habe. Genervt habe ich die Arme vor der Brust verschränkt und
starre Löcher an die weiße Wand vor mir. Nach unendlich erscheinende Minuten, tritt
erneut die Blondine in den Wartebereich und stiert angestrengt auf das Klemmbrett
in ihrer Hand.
"Herr Meyer, sie müssen noch einen Augenblick warten, da das Röntgengerät noch
besetzt ist. Haben sie etwas Verständnis", erklärt sie mit sanfter Stimme und lächelt
4
den Angesprochenen entschuldigend an. "Kein Thema", winkt dieser ab und erwidert
ihr Lächeln.
Danach schweift ihr Blick erneut auf das Blatt und schließlich zu mir, wobei sich ihre
Augenbrauen anheben. "Herr Bane, kommen sie bitte mit, es wird gleich ein Arzt für
sie Zeit haben", spricht sie mich schließlich an und ich erhebe mich von dem
unbequemen Stuhl.
Unmotiviert folge ich der Krankenschwester durch einen schmalen Gang, der von
Türen und leeren Betten gesäumt ist. Vor einer dieser Türen bleibt sie schließlich
stehen und bittet mich, darin Platz zunehmen, bis man Zeit für mich hat. Mit einem
Nicken betrete ich den Raum und setze mich auf das Bett, während ich mir das Regal
mit den Spritzen, Gummihandschuhen und Atemmasken ansehen.
Den inneren Impuls unterdrückend, mir ein paar von den Nadeln zu schnappen, um
später damit andere Leute zu verletzen, wende ich den Blick ab, bevor ich doch noch
in Versuchung gerate. Erneut vergehen kostbare Minuten meines Lebens, was mich
immer genervter macht. Können die sich nicht mal beeilen, mein Kopf dröhnt und ich
möchte einfach nur noch schlafen, knurre ich innerlich, als die Tür leise geöffnet wird.
Zum Vorschein kommt ein junger Mann, in einem weißen Kittel und mit kurzen,
schwarzen Haaren, der mir nur allzu bekannt ist. Sein Blick liegt auf den Unterlagen in
seiner Hand. "Tut mir leid, dass ich sie habe warten lassen, Herr Bane", murmelt seine
raue Stimme, während er den Raum betritt.
Als seine Augen sich schließlich auf mich richten, hält er inne und sieht mich
überrascht an. "Max, was machst du denn hier? Was ist passiert?" bringt er, fast schon
erschrocken heraus und mustert mein entstelltes Gesicht.
Es ist mein Nachbar, der 2. Stockwerke unter mir im selben Mietshaus wohnt, und mit
dem ich schon ein paarmal über Gott und die Welt geredet hatte.
Dass er Arzt ist hatte ich allerdings nicht gewusst…
5
„25 Prozent aller Straftäter und bis zu 4 Prozent der Gesamtbevölkerung sind psychopathisch.
Heute stuft die Weltgesundheitsorganisation die dissoziale Persönlichkeitsstörung, die antisoziale
Persönlichkeitsstörung oder die Soziopathie als Krankheit ein.
Egal, wie wir sie nennen, Psychopathen lassen keine normalen menschlichen Gefühle erkennen und
stellen einen kleinen Prozentsatz von Menschen, der für einen großen Prozentsatz von Verbrechen
verantwortlich ist. Diese Menschen sind außerordentlich gerissen und führen Doppelleben, sodass
selbst nahe stehende Freunde und Angehörige meist keine Ahnung haben, dass sich hinter der
liebenswürdigen Maske ein Ungeheuer verbirgt, das sich erst unmittelbar vor dem Angriff zu
erkennen gibt“.
Dr. H. Cross über Jack, the Ripper
Kindheit:
(1970 - 1980)
6
Ein Unfall namens Max…
Der erste Psychopath, den ich traf, war mein Vater.
Die Prügelorgien, die er abhielt, wenn er schlecht gelaunt war, endeten häufig damit,
dass lärmempfindliche Nachbarn bei der Polizei anriefen, und mein Vater, der dies
ahnte, pflegte irgendwann abrupt mit dem Verdreschen aufzuhören. Sein innerer
Alarm ging präzise wie eine Uhr. Wenn er anschlug, dann setzte er uns rund um seinen
Esstisch, und so kam es, dass wir alle, wenn die Polizisten schließlich klingelten, bei
einem fröhlichen Kartenspiel beisammensaßen.
Wie oft habe ich in ihre verdutzten Gesichter gesehen. Es waren mehr oder weniger
öfter dieselben Polizisten, die immer leicht misstrauisch waren, denn unsere
Nachbarn klingelten häufig wegen uns um Hilfe an, dies konnte nicht immerzu
grundlos sein, auch w enn das unschuldige Lamm, dass mein Vater gab, dies
behauptete.
Doch da auch wir nichts dazu sagten, machte sie das hilflos. Es setzte ihr gesundes
Misstrauen schachmatt.
Am Telefon hatten die Nachbarn von Geschrei und Geheule gesprochen, von
dumpfen Geräuschen – wie von Schlägen –, doch nun, da Hilfe nah war, da sie gar in
Uniform im Zimmer stand, fanden die Helfer ein vergnügtes Heim vor, eine nette
Runde bei Tisch, ein vereintes Familienleben. Was war nun wahr, was war Lüge? Wo
war das Geschrei geblieben?
Mein Vater konnte das gut: Uns vorführen!
Sein von Zorn verzerrtes Gesicht glättete sich in Sekundenbruchteilen und nahm
umgehend Lachfalten an. Er war ein Charmeur, nie um ein passendes Wort verlegen.
„Das muss ein Irrtum sein!“
Selbst ich nahm ihm die Verblüffung über den Vorwurf ab. Jedenfalls beinahe.
„Die Nachbarn sind doch Idioten! Allesamt pingelige Idioten! Vielleicht hatte jemand
den Fernseher zu laut an. Aber nicht bei uns! Wir spielen.“
Mit hoch erhobenem Kopf warf er einen Blick auf die Kulisse, die er zur Verwirrung
seiner ehemaligen Kollegen zusammengestellt hatte. Was für eine Familie, die noch
gemeinsam Karten spielt, und das in der heutigen Zeit!
Schon allein das hätte die Polizisten misstrauisch machen müssen.
7
„Verstehen einfach keinen Spaß, die sehr verehrten werten Nachbarn! Natürlich wird
das etwas lauter, wenn’s rund geht…“
Damals wusste ich noch nicht, was ein Psychopath ist. Ich kannte weder das Wort
noch seine Bedeutung. Ich wusste nicht, was Psychopathen machen, solange sie sich
nicht romanreif grauselig aufführen, ich wusste nicht, wozu sie sonst noch in der Lage
sind: Dass sie Chefs sind, zum Beispiel, und große Anführer. Dass sie hemmungslos
Charme versprühen, ihre Mitmenschen bezirzen, geschickt vorführen, welch
überragend sympathischer Typ in ihnen steckt…
Ich wusste nicht, für wie nett man einen Psychopathen halten kann, bevor man ihm
im Hinterzimmer begegnet.
„Und bei uns geht’s immer rund, nicht wahr?“
Mein Vater lachte offen und vergnügt. Wie gut er das konnte! Schauspielern,
heucheln, die ganze Palette! Er klopfte mir, der ich kaum auf meinem wunden, kreuz
und quer durchgeprügelten Hintern sitzen konnte, eine seiner Spielkarten hin. Ich
starrte auf die Tischplatte. Vor Angst brachte ich es kaum fertig, die Bedeutung der
Karte vor mir zu bewerten – wie sollte ich spieltechnisch reagieren, welche meiner
eigenen passte zur Situation? Welches Spiel spielten wir überhaupt?
War es Mau-Mau, Rommé, Schwarzer Peter, Elfer Raus, Skat oder Schafskopf? Oder
vielleicht eher Poker, Black Jack, oder Siebzehn und Vier?
Und doch blieb mir nichts Anderes übrig, als zu reagieren, vorzugsweise richtig, denn
sonst wäre ich, sobald die Polizei uns verlassen hätte, wieder dran gewesen: Mit dem
Hintern, versteht sich, nicht mit den Karten am Zug.
Die Polizisten lachten. Und ließen uns einmal wieder mit unserem Vater allein.
Ich wusste nicht, was mit mir passieren sollte. Als ich als Kind meinen Vater als
gefährlich empfunden hatte, hatte ich ihn mit den Augen eines Kindes gesehen, und
war die möglichen Strafen mit dem Hirn eines Kindes durchgegangen. Wie leicht ist
es, ein Kind zu bestrafen!
Er ließ mich vom ersten Tag an spüren, dass ich ihm seine Jugend versaute, da ich ja
immerhin nur „ein nicht gewollter Unfall“ war.
Ich ertrug Schläge mit der Hundeleine genauso wie mit seiner verfickten Peitsche.
Ich bekam Faustschläge in den Magen genauso wie Schläge mit der offenen Hand ins
Gesicht.
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Ich wurde wie der letzte Dreck behandelt, seit ich mich erinnern kann und wenn
meine Oma oder meine Mutter dazwischen eingriffen, wurden auch sie Gnade von
diesem Psychopathen geschlagen und getreten. Egal was ich machte, es war nie gut
genug! Ich wurde al s Heulsuse, Fettsack, Bastard, Glubschauge und weiteren
Schimpfwörtern betitelt, auch in Gegenwart von Freunden, die sich aber sehr schnell
rarmachten, da das so erniedrigend war, dass es auch für unbeteiligte Kinder nicht zu
ertragen war.
Heute bin ich erwachsen, und meine Ängste gelten nicht mehr einem Schlag aus
seiner Hand, einem versagten Abendessen oder einer Woche Fernsehverbot. Ein Blick
auf seine Mauer kann mich nicht mehr schrecken. Meine Welt war größer geworden.
Doch er kam mir noch immer gefährlich vor.
Er konnte mir noch immer gefährlich werden! Schon einmal hatte er es fast geschafft
mich bei den Anderen verrotten zu lassen. Allein, verzweifelt und mit so vielen
ungeklärten Fragen. Allein in der Anstalt!
Ich krallte die Finger um das kalte Metall des Schreibtisch -stuhls und versuchte, mir
kalt und nüchtern zu überlegen, was mein Vater mir heute antun konnte. Ich sortierte
in GAU und Super -GAU. Ich versuchte es wenigstens, gab mir Mühe. Ganz unten
stand, da s er als lächelnder Sieger hier aus dem Zimmer rausging, aber das blieb
unnotiert.
Da bist Du mit 35 Jahren Lebenserfahrung, als guter Bürger, unschuldig, mit
geordneten Gedanken nichtsahnend beim Amt, um einen Antrag für einen Bekannten
9
abzuholen, weil der keine Zeit hat, und dann sitzt Du plötzlich, ganz unverhohlen ohne
Vorwarnung, dem absoluten Bösen gegenüber.
Nach fast 20 Jahren ist der, den du schon so lange hasst, der an deinem ganzen Übel
Schuld ist, den Du schon soweit in Deinem Inneren begraben hattest und niemals nie
wieder hervorkommen lassen wolltest, den Du vergessen und verscharrt hattest, um
Deiner eigenen Willen und auch zum Schutz Deiner Familie, die von diesem Abschaum
nicht wissen und nichts wissen dürfen!
Da sitzt -Dein Erzeuger- und schaut dich an, als wäre diese Begegnung das Normalste
auf der Welt!
„Hallo Christian, lange nicht gesehen. Ich hoffe es geht dir gut! Ich hatte bei Deinem
Namen gleich mal in die Akten geschaut! Du bist jetzt verheiratet und hast 2 Kinder?
Meine Enkel, wie schön ist das denn. Wann können wir uns sehen und treffen? Ich
habe Euch so viel zu erzählen nach der lagen Zeit, die Du ja weg warst.“
Woher weiß er von meiner Familie, dieser Bastard? Von meinen Kindern? Was will er
erzählen?
Ich träume doch gerade hier diesen Drecksdumme Kuhntraum, hoffe ich zumindest.
Ich bringe kein einziges Wort heraus und schaue diesem Teufel in Menschengestalt
direkt in seine kalten Augen.
„Jetzt sag aber nicht, dass es Dir die Sprache verschlagen hat, mein Sohn…“
Er nennt mich doch tatsächlich seinen Sohn! Jetzt sind auf einmal so viele wirre
Gedanken bei mir im Kopf, die ich unmöglich auch nur irgendwie sortieren kann!
Bilder aus der Vergangenheit, die Gewaltausbrüche!
Bilder aus seinen verlogenen Besuchen damals in der Anstalt!
Bilder von meinen glücklichen Kindern, und meiner Frau!
Dann sehe ich ihn, diesen verfluchten Drecksbastard inmitten meiner glücklichen
Familie am Esstisch und ich als Statist daneben zuschauend, wie er uns vorgaukeln
will, dass wir alle glücklich Karten spielen, so wie damals in echt!
Ich merke, wie mir die Kotze hochkommt, meine Augen tränen und mir der Schweiß
plötzlich aus den Poren schießt und am Gesicht runterläuft.
10
Ich muss jetzt etwas sagen. Ich muss jetzt etwas tun. Sonst gerät die ganze Situation
absolut gleich hier völlig außer Kontrolle. Und dann hat er doch wiedergewonnen,
wenn ich wegen ihn hier und jetzt unter Zeugen ihn zerstöre und damit für immer und
ewig in den Knast muss und meine Kinder nicht aufwachsen sehen kann und, und,
und, …
Dann hat er doch gewonnen! Aber das will ich nicht!
Sollte ich den ganzen Tag lang hier stumm sitzen? Und was würde dann geschehen?
Wäre es nicht auffällig, mich hier länger aufzuhalten, als normal? Ich merkte, ich fiel
wieder drauf rein:
Ich überlegte, was mir lästig wäre, und hoffte, für ihn wäre es ebenso. Aber so konnte
es diesmal nicht enden!
Was konnte er mir antun? Mich hier im Büro oder im Amtsgebäude einsperren? Wie
lange? Wozu?
Ich war kein Kind mehr!
Ok, aber was konnte er mit meinen liebsten tun? Mit meinen Kindern? Mit meiner
Frau?
Was konnte er ihnen erzählen?
Und genau das war das wirkliche Problem! Ich kannte nur die Dimension, die er
damals für Kinder gesetzt hatte, sie war hoch genug – für Kinder!
Ich konnte mir nicht vorstellen, welche Latte er für mich heute setzen könnte. Was
würde er mir oder meinen Liebsten antun?
Es machte mir Angst, dass mir nichts einfiel. Meine Fantasie reichte nicht aus, mir die
Fantasien meines Vaters vorzustellen.
Mittlerweile war es draußen dunkel. Der Rollladen vor dem Fenster ließ durch die
ovalen Löcher das Restlicht der Straßenlaternen herein. Ab und zu wurde es etwas
heller im Zimmer, weil unten ein Auto gefahren kam.
Ich stellte mir vor, wie sie nach Hause kamen: Gute Familienväter, die oben von ihrer
Rasselbande in Empfang genommen wurden. In seiner Selbstdarstellung war mein
Vater immer wie sie gewesen, und wir stellten seine glückliche Familie dar!
Ich habe nie verstanden, warum niemand je bemerkt hatte, dass es nicht stimmt.
Oder ist es sehr wohl aufgefallen, und es hat nur nie jemand darüber ein Wort
11
verloren? Weil man sich nicht einmischt in fremder Leute Angelegenheiten… ist es
das?
Nie einzumischen hatte in das Leben der Anderen!
Aber dann überlagerte eine mächtige, lange weggewesene Stimme im Befehlston alle
Gedanken!
„Max, reiße Dich zusammen! Mach irgendwie eine gute Miene zum bösen Spiel!“ Die
Stimme in mir, die das sagt, ist jetzt dominierend über alle diese bösen und
verwirrenden Gedanken in mir.
Zum Glück!
„Max hör gut zu und mach jetzt sofort, genau, dass was ich jetzt sage und genauso
wie ich es jetzt sage…“
Dann auf einmal sind meine Gedanken wieder klar und ich kann wieder denken.
„Hallo Papa“ erwidere ich emotionslos „das ist ja wirklich eine gelungene
Überraschung. Wir müssen uns unbedingt sehen und haben so viel zu besprechen,
oder?“
12
Ich lächle jetzt den mir gegenübersitzenden Mann, der einst mein Erzeuger war, an
und rede weiter auf ihn ein um letztendlich einen Termin für unsere Wiedersehens -
Treffen am nächsten Abend zu vereinbaren.
Einem Wiedersehen, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, in seiner
Vorstellung ganz anders ausfallen wird, als in meiner….
13
Kindheitserinnerungen aus den frühen Siebzigern
Der rote Block oder Rote Bau war so ne Art Kasernenblock aus roten Backsteinen.
Ungefähr 100 – 200 Meter lang und 5-6 Stockwerke hoch
Aufgeteilt in 3 oder 4 Eingänge die alle mit einem Haupttreppenhause nach oben
gingen. In den einzelnen Stockwerken waren immer lange Flur, die alle durchgehend
miteinander verbunden waren bzw. gab es je Etage eigentlich nur immer einen langen
Flur.
Die Wohnungen waren extrem schlecht ausgestattet und die Toiletten und die Bäder
waren auf den Fluren als Gemeinschaftsräume angelegt.
Die Flure waren alle dreckig, die Deckenleuchten gingen auch nicht wirklich gut und
dadurch waren die auch sehr düster. So richtig ranzig und asozial.
In den Kellern waren eine Art Katakomben die in diverse Kellerverschläge und Gänge
und so unterteilt waren.
Hier ging man als Kind niemals runter, da dort die Räume von den ganzen Zuhältern,
Dealern und sonstigen komischen Kreaturen als alles Mögliche genutzt wurden:
illegale Spielräume zum Pokern, kleinere Puffs, Saufräumlichkeiten und ähnliches.
Auch waren dort im Bereich der Treppenaufgänge eine Art Waschkeller oder so.
Ich war einmal dort unten, warum auch immer, dass weiß ich nicht heute nicht mehr
und habe dabei jemanden beim Holzhacken zugeschaut. Ja jetzt fällt mir auch ein, das
die Wohnungen durch Holzöfen geheizt wurden.
14
Auf einmal gab es Streit zwischen dem, der Holz gehackt hatte und einem oder
mehreren anderen. Auf jeden Fall gab es eine wilde Schlägerei, in deren Verlauf auch
ich als kleiner Junge nicht ohne Blessuren davonkam, da ich ja auch da unten dabei
war.
Auf jeden Fall habe ich daher noch die Narbe auf meiner Nase, da ich hier wohl die
Rückseite des Beils aus welchen Gründen auch immer abkriegte.
Auf jeden Fall gab es da dann richtig Terror, weil ich ja nach oben rannte und blutend
rumschrie. Da auch immer irgendjemand irgendwo stand, sei es im Hof, im
Treppenhaus, in einem der Flure etc. hatten die Schläger auch keine Chance mich
mundtot zu machen, da ich von vielen Leuten gesehen wurde, die mich dann auch zu
meinen Eltern in die Wohnung brachten.
Zum Glück, denn, wenn ich hier den Begriff mundtot erwähne, dann ist das jetzt nicht
aus der Luft gegriffen, denn die Gegend, in der der rote Block stand, war wie gesagt
in den siebziger einer der übelsten Orte aus der eh schon verrufenen Zellerau. Hier
gab es keinerlei Ordnung oder Rechtswesen, wie man das heute kennt, jeder war sich
dort der nächst und wenn es galt einen unliebsamen Zeugen kaltzumachen, dann
wurde das jeder Strafe vorgezogen, und auch Kindern oder so wurde hier nicht anders
behandelt.
Immerhin war ja mein Vater zu diesem Zeitpunkt eh einer der übleren Genossen und
als Straßenschläger bekannt.
Leider war das so. Was mit den Typen vom Keller geschah weiß ich leider nicht mehr,
auf jeden Fall war kurze Zeit später alles geklärt und ich konnte mit gebrochener Nase
schon bald wieder die Wohnung verlassen. Diese Zeit ist auch schon sehr weit von mir
15
weg und bestimmt auch nicht grundlos in meinem innersten ganz tief verbuddelte
und begraben.
Diese Zeiten waren ja noch vor meiner Schulzeit.
Auf jeden Fall resultiert aus dieser Zeit auch mein blindes rechtes Auge, da ich hier bei
einer der üblichen Angelegenheiten irgendwie einen Schraubenzieher reinbekam.
Leider wahr und nicht lustig.
Schon krass, was da so alles los war. Wir hatten auch einen großen Wolfsschäferhund
namens Grauer, der so viel ich noch weiß zu unserem Schutz da war. Der war mächtig
groß und gut dressiert glaub ich. Alles in allem war das schon sehr unheimlich und
finster.
Soviel ich weiß, wohnte dort meine Mutter und erst ein paar Jahre nach der Adoption
meines Vaters durften die zusammenziehen in eine eigene Wohnung in die
Weißenburger Straße.
Die Weißenburger Straße war ja auch nicht gerade wirklich gut damals denn die
Blöcke in denen wir wohnten grenzten auf der anderen Seite auch an die berüchtigte
Benzstr. In der gab es noch so richtige Holzbaracken.
Danach kam glaub ich die Sedanstr die dann zum Main führte. Dort am alten
Waschplatz war auch der Straßen-strich damals.
In den Blöcken der Weißenburger Straße lebten sehr viele Zigeuner damals und auf
den Straßen herrschte echt ein raues Klima.
Ich erinnere mich auch hier nur an Bruchstücke. Z.B. hatte ich ein Dreirad oder Kettcar
oder ein ähnliches Gefährt, das mir von einen der größeren Zigeunerjungen
abgenommen wurde.
Auch Sandalen oder bessere Jacken waren schnell mal abgezogen.
Und wehe, wenn Du einer der gerippten warst und Vater hatte es rausgefunden, dann
gab es richtig fest eine Abfuhr, weil man damit ja ein Looser war. Vor allem bei
meinem Vater ging das gar nicht. Das waren willkommenen Gründe um mich zu
verhauen.
Man muss sich die Blöcke wie folgt vorstellen:
Das waren u-förmige große Gebäude die alle mit den Eingangstüren nach innen zum
Hof hinzeigten.
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Auf der einen Der Hof war aber in sich komplett geschlossen, da auf der vierten Seite
die Rückseite des nächsten Blockes war.
Zwischen diesem und dem Anfang des U -Blockes war dann eine Art offener
Zwischenraum, der quasi den Eingang zum Hof bildete.
Auf der andren Seite gegenüber am anderen Ende des Blockes war ein weiterer
Durchgang der dann zur Benzstr. führte.
Innerhalb des Hofes waren Dann irgendwelche Gebüsche, Wäschestangen und die
Mülltonnen.
Und so war halt jeder Block für sich ein eigenes Ghetto.
Erste Berührungen direkt mit der Polizei hatte ich damals so mit ca. 5 Jahren durch
meine erste richtige Gewaltaktion.
Da wie gesagt die Zigeuner uns ständig abzogen und wir dafür auch noch zuhause
Dresche bekamen war es jedes Mal, wenn wir unseren Hof verließen nur mit einer
permanenten Angst verbunden entweder auf der Straße verhauen zu werden oder
dann spätestens zu Hause.
Mit Glück ist man da schon durchgekommen aber halt nicht so oft.
Naja langer Rede kurzer Sinn, auf jeden Fall war man halt mit der Zeit auch vorbereitet
und ich z.B. hatte immer relativ große spitze Steine in meinen Hosentaschen, die man
dann in Richtung der Dreckszigeuner warf, wenn die versuchten einen abzurippen.
Eines Tages auf jeden Fall, ich hatte einen relativ neuen und noch guten Roller
geschenkt bekommen, fuhr ich mit dem so vor mich hin.
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Als plötzlich 2 große Jungs vor mir standen und mir das Teil abnehmen wollte.
Fast hätten die das auch geschafft.
Aber diesmal bewies ich Mut und haute im richtigen Moment dem Einen mit einem
faustgroßen Stein, den ich versteckt hatte voll auf den Schädel.
Und nicht nur einmal!
Der andere ist gleich weggelaufen.
Aber den, den ich erwischte, den ließ ich nicht weg.
Dem schlug ich immer wieder mit dem Stein auf seinen beschissenen Kopf, bis das
rote Blut schön Floss und der so nur noch dalag.
Natürlich wurde ich dabei gesehen, da das ja nicht gerade leise ablief, aber egal,
zumindest hatte ich meine Roller gerettet und war auch richtig stolz auf mich, wenn
ich ehrlich sein soll.
Denn das war ja etwas Positives in diesem ganzen von täglicher Gewalt beherrschten
Zeit und Gegend.
Leider besuchte uns schon am selben Abend die Polizei zuhause wegen diesem
Gewaltausbruch und dadurch bekam ich letztendlich doch wieder richtig Dresche
zuhause von meinem Vater, der wegen mir dann halt Stress mit den Bullen hatte. In
den nächsten Wochen b ekam ich auch nochmal richtig schön aufs Maul von den
Ziggies, so mit Schlüsselbeinbruch und allen Schikanen, aber dieses eine Mal war ich
Sieger!
Ist diese Episode wichtig?
Ich weiß es nicht, aber es ist halt ein Teil meiner wenigen Erinnerungen an meine ganz
frühen Kindestage und auch soviel ich weiß, meine erste aggressive Gewalttätigkeit.
Und irgendwie gehört es auch zu mir als Person, da ich aus dieser Zeit immerhin
zumindest die Narbe der Axt auf meiner Nase sowie das blinde rechte Auge bis heute
mit mir rumtrage.
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Diagnose „Verhaltensgestört“
Außer mir wusste natürlich keiner von den Stimmen in mir. Allerdings war meiner
Mutter bekannt, dass man bei mir eine Verhaltensstörung diagnostiziert hatte. Das
ist die höfliche Umschreibung dafür, dass ich ein Soziopath bin. Offiziell heißt es
eigentlich antisoziale Persönlichkeits-störung, aber so dürfen sie es nur bei Patienten
nennen, die mindestens achtzehn sind. Ich war ja erst 7 Jahre alt, also hatte ich eine
Verhaltensstörung.
Oder wie meine Mutter es zu sagen pflegte:
“Der Bub ist halt ein bisschen lebhaft.“
Schon früh stellte Sie mir gewisse Regeln auf, die ich unbedingt beachten musste:
Regeln:
Ich werde nichts verbrennen oder mutwillig zerstören.
Wenn ich schlecht über jemanden denke, schiebe ich die Gedanken weg und sage
etwas Nettes über den Betreffenden.
Ich werde Menschen nicht „ES“ nennen.
Wenn ich das Gefühl habe, das mich jemand verfolgt, versuche ich mich darauf zu
konzentrieren, was ich WIRKLICH vor mir sehe.
Ich werde niemanden bedrohen, auch nicht indirekt.
Wenn ich denke, dass mich jemand bedroht, werde ich mich zurückziehen.
Meine Regeln sollten andere Menschen schützen und mich davor bewahren, etwas
Falsches zu tun. Ich musste Situationen meiden, in denen ich jemandem wehtun
konnte. Das Potenzial dazu war eindeutig vorhanden.
Als ich mehr durch Zufall einen Bericht über Serienmörder las, stellte ich fest, wie
ähnlich sie einander und auch mir waren. Als ich mehr darüber las und einiges darüber
wusste, zählte ich bald im Kopf alle typischen Warnzeichen auf: chronisches
Bettnässen, Pyromanie, Tierquälerei. Hoher Intelligenzquotient und schlechte
Zensuren, eine einsame Kindheit ohne echte Freunde, schwierige Verhältnisse im
Elternhaus und ein gestörtes Familienleben. Diese und Dutzende weiterer Merkmale
können einen Serienmörder au szeichnen, und ich hatte sie alle. Es ist ein großer
Schock, wenn man erkennt, dass die einzigen Menschen, mit denen man
Gemeinsamkeiten hat, psychopathische Killer sind.
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Das Problem bei diesen Merkmalen ist die Tatsache, dass sie nicht in Stein gemeißelt
sind. Die meisten Serienmörder weisen sie als Kinder auf, doch die meisten Kinder,
die sie aufweisen, werden niemals zu Serienmördern. Der Übergang ist ein Weg, den
man schrittweise geht, man stolpert von einer falschen Entscheidung zur nächsten,
legt noch einmal nach oder geht noch ein Stück weiter, bis man am Ende lauter
genauso ist wie sie: ein Serienmörder eben!
Aber zurück zur Grundschule. In der 1. Klasse war für mich nicht das Schwierige, wie
wohl für die Meisten meiner Mitschüler, dass ich mit dem Schulstoff mitkam oder
dass ich die Aufgaben, die wir in den Fächern lösen mussten, verstand oder richtig
löste. Leider war es so, dass ich genau diese Aufgaben, für die wir z.B. eine
Schulstunde Zeit hatten, innerhalb kürzester Zeit richtig löste.
Da ich dadurch natürlich keine weiteren Aufgaben hatte, saß ich aber nicht still da,
sondern kam auf die absurdesten Ideen, um meine Langeweile zu beseitigen.
Ich rannte wild durch die Klassenreihen und warf Schulutensilien meiner Mitschüler
auf den Boden.
Ich schrie unkontrollierte Laute durch das Klassenzimmer.
Oder aber falls ich auf den Flur musste, um die Klassengemeinschaft nicht zu stören,
nahm ich Jacken, Mützen oder Schals von den Schulkameraden mit aufs Klo und
kackte drauf so als Spaß.
Auch war ich damals schon recht jähzornig, so dass ich meine Klassenlehrerin, die
meinte mich an den Armen packen zu können, heftigst schlug und kratzte. Ich war nie
zu bändigen und bald als absoluter Störenfried bekannt. Selbst die schlimmsten
Drohungen meiner Eltern halfen da wenig, denn sobald ich wieder in der Schule war,
da hatte ich diese auch schon wieder vergessen und spielte mein Spiel.
Natürlich ging das nicht lange gut, so dass ich vor Ablauf des 1. Schuljahres Tests
absolvieren musste, Intelligenztests wie meine Eltern mir erzählten.
Doch das stimmte nicht so ganz, denn nach Auswertung dieser Tests stand ein
eindeutiges Ergebnis fest, welches ich noch Jahre später mit mir herumtragen musste:
Ich wurde in eine Schule für schwer erziehbare Kinder mit Tagesheim behördlich
eingewiesen!
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Da dies natürlich auch gewisse Verfügungen seitens der Behörden gegenüber meinen
Eltern mit sich brachte, könnte Ihr Euch sicher schon denken, was das Zuhause
insbesondere bei meinem Vater für handfeste Folgen mir gegenüber einbrachte. Das
gipfelte darin, dass ich dann auch vorerst von meiner Oma zu ihr nach Hause geholt
wurde und meinem Vater gegenüber von Ihr mit Anzeigen und weiteren angedrohten
Maßnahmen untermalt wurde, so dass ich ab diesem Zeitpunkt bei meiner Oma
wohnen durfte. Für meinen Vater war ich dann auch spätestens ab diesen Zeitpunkt
glaube ich richtig gestorben, zumindest hatte ich mir das zusammengereimt, da ich in
den darauffolgenden 2 Jahren keinerlei Kontakt zu meinen Eltern hatte.
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Frühe Kindheit in Zellerau
Die Zellerau als Stadtteil, in dem lange das Militär residierte und später überwiegend
Arbeiter ihre Heimat fanden, zählte schon immer eher zu den problematischen
Stadtteilen von Würzburg. Bereiche wie die Weißenburg, - Sedan-, oder Benzstraße
sorgten mit i hren eher sozialschwachen Bewohnern für einen gewissen Ruf in der
Stadt. ES gibt so vielzählige Geschichten älterer Würzburger, die besagen, dass die
Polizei in den 1980er Jahren angeblich nicht freiwillig in die Benzstraße eingefahren
sei.
Aus diesen früheren Tagen der Zellerau stammt auch noch der so genannte
„Denckler“.
Zwischen der Frankfurter Straße und der Jägerstraße baute die Handwerker -
Baugenossenschaft als sozialen „Reform -Bau“ ab dem Jahr 1928 zwei große
Wohnblöcke mit insgesamt 164 Wohnungen um jeweils einen Innenhof. Zwischen
1928 und 1931 entstand der „untere D enckler“, zehn Jahre später – also ab 1941 –
wurde der „obere Denckler“ gebaut. In den Anfangsjahren waren die Bewohner
hauptsächlich Arbeiter und Beamte (Sozial- und Arbeiterwohnungen). Ab den späten
1970er Jahren wurden hier der sogenannte „letzte Abscha um“ oder eleganter
ausgedrückt, die Leute einquartiert, die selbst für die Blöcke der Weißenburger und
der Benzstr. als Mieter durchfielen.
In diesem Block wohnte meine Oma, als ich zu ihr zog. Sie war sozusagen die Königin
der Blöcke dort. Irgendwie hatte sie immer von allen die größte Klappe und wenn sich
die ganzen Bewohner wieder mal am späten Abend allesamt vollgesoffen nur noch
brabbelnde Wortfetzen gegenseitig herumstammelten, konnte meine Oma
wenigstens einigermaßen zusammenhängende Sätze lallen. Und das reichte aus, das
sie dort die Königin war.
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Die saßen ja fast jeden Tag im Innenhof und soffen, rauchten und hurten miteinander,
gegeneinander und aufeinander rum. Und mittendrin war ich, der dicke Zweitklässler,
der jetzt mit dem Bus jeden Tag zur Sonderschule abgeholt wurde.
Da die Wohnung meiner Oma ja nur aus einem schmalen Flur, einer kleinen Küche,
einer klitzekleinen Abstellkammer ohne Fenster, einem Mini -Bad das aus einer
Sitzbadewanne und einem Eimer, der das Klo darstellte, sowie einem Schlafzimmer,
das das uneingeschränkte Reich meiner Oma war und Ihr Wohnzimmer, dessen Couch
jeden Abend als mein Bett bzw. als mein Schlafort umgedeutet wurde. Ja da schlief
ich dann, während meine Oma mit ihren ganzen Saufkumpanen um mich he rum
weitersoffen und den ganzen Raum mit ihren qualmenden stinkenden Zigaretten etc.
ein stänkerten.
Wenn ich da heute zurückblicke, muss ich mich wirklich sehr wundern, dass ich bisher
noch keinen Lungenkrebsdiagnostiziert bekommen habe.
Das gute war aber, dass ich immer so viel Eiscreme essen durfte, wie ich wollte. Und
wann ich wollte! Die war immer im Haus!
Meinen Spielbereich hatte ich im schmalen Flur unter so einer alten Nähmaschine,
die noch mit Unterschrank war. Und da spielte ich dann mit meinen paar
jämmerlichen Matchboxautos.
Das war dann mein Reich!
Aber wenn Ihr jetzt denkt, dass ich hiermit unzufrieden war, dann muss ich Euch leider
enttäuschen. Denn das alles war um hunderttausend Prozent besser als vorher bei
meinen Eltern. Immerhin hatte ich bei meiner Oma das Gefühl, dass sie mich mochte
und ich wurde nicht täglich geschlagen, angeschrien oder aufs unwürdigste beleidigt.
Ach, wie sehr ich das genoss zwischen all den Säufern, Bastardn und asozialen
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Halbverwesten. Denn da meine Oma sozusagen die Königin vom Denckler war, war
ich damit der Prinz!
Und keine Sau interessierte sich darüber, wohin mich der tägliche Bus abholte oder
in welche Schule ich ging. Ok ich sollte nicht vergessen, dass meine Oma noch 2 so
komische Dackelähnliche Hunde hatte, mit denen ich mein Reich teilte, aber auch das
war ok, Hauptsache nicht bei meinem Vater in der Nähe!
Das ging auch so ca. 2 Jahre lang gut, doch wie meine Oma sich mit einem von den
Anwohnern mehr als anfreundete, und der bei uns einzog, war meine schöne Zeit
damit besiegelt und ich musste leider mit dem größten Bangen wieder zu meinen
Eltern ziehen, die aber mittlerweile aus der Zellerau weggezogen sind und nun in einer
Neubau-Wohnung mit eigenem Zimmer für mich in einer Hochhausneubausiedlung
wohnten. Wo genau sagte man mir nicht, das erfuhr ich erst, als ich sozusagen mit
meinen paar Sachen von Oma abgeholt und ins neue Zuhause hingefahren wurde.
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Umzug Heuchelhof
In diesem Abschnitt geht es um den Würzburger Stadtteil „Heuchelhof“ und im
Speziellen um das Wohngebiet „H1“. Hier habe ich selber von meinem 8. bis zum 11.
Lebensjahr gewohnt.
Manch ein Würzburger hat vielleicht schon einmal irgendwelche
„Schauergeschichten“ von angeblichem Waffenhandel, Russenmafia oder Ähnlichem
gehört. Wieviel davon wahr ist und ob diese Geschichten tatsächlich stimmen, ist eine
ganz andere Frage. Letztendlic h gibt es in diesem Stadtteil natürlich Probleme und
auch Kriminalität. Dies ist aber auch in anderen Würzburger Stadtteilen und in
anderen deutschen Städten so.
Sicherlich gibt es hier einen höheren Ausländeranteil als in anderen Stadtteilen – bei
manchen Würzburgern wird der Stadtteil Heuchelhof auch gerne als „Klein-Moskau“
bezeichnet, da hier sehr viele Spätaussiedler aus den ehemaligen GUS-Staaten leben
(laut Stadt Würzburg sind 60% der Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion).
Dies bedingt, dass es hier wohl auch mehr „sozial schwächere“ Familien gibt. Im
Umkehrschluss bedeutet dies aber nicht automatisch mehr Kriminalität. Denn
selbstverständlich ist nicht jeder „Russe“ gleich kriminell, wie manche Leute gerne
kolportieren.
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Da ich damals, als wir aus der Zellerau weg zum Heuchelhof hinzogen, lebte ich ja bei
meiner Oma im Denckler-Block. In dieser Zeit sah ich meine Eltern sowieso nur an den
Wochenenden, wenn sie mich besuchten oder auch mal zum Spazierengehen
abholten.
Deswegen hatte ich auch nie hinterfragt, als es plötzlich hieß, dass wir nicht mehr in
dem Block in der Weißenburger Str. wohnten, sondern in einem schicken Hochhaus
auf dem Heuchelhof und da wäre sogar ein Zimmer ganz für mich allein!
Später erfuhr ich, dass der wahre Grund des Umzuges eine Art Flucht war, da mein
Vater in einem nicht näher beschriebenen Handgemenge im Hof unseres
Wohnblockes bei einer Schlägerei mit ein paar von den Zigeunern einen davon mit
einem Messer lebensgefährlich verletzte und wir deswegen sofort von dort abhauen
mussten, da sich mehrere der Zigeunersippschaft nach Würzburg kamen, um das zu
vergelten. Da das anscheinend selbst meinem Vater zu gefährlich erschien, vor allem,
da die Zigeuner zu dieser Zeit auch an sämtliche Familienmitgliedern bei Fehden
rangingen, gemäß dem Motto Blut zu Blut, war die einzige Chance eben ein Umzug so
weit weg wie möglich.
Wir wohnten damals in einem der Hochhäuser in der Bonner Straße im zehnten Stock.
Der Hochhausbereich des H1, der nach dem Leitbild der modernen Stadt konzipiert
wurde, krankte in Realität sehr bald an seinen Idealen. Die Modeerscheinung, in einer
Großwohnsiedlung mit ihren Gemeinschaftseinrichtungen zu leben, ebbte sehr
schnell wieder ab. Gerade in einer eher traditionell und konservativ geprägten Region
strebten die meisten Menschen nach mehr Individualität, überschaubareren
Wohnanlagen und einem eigenen Haus mit Garten.
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Durch den Wegzug der mittelständischen Klientel füllten sich die Wohnkomplexe bald
mit sozial schwächer Gestellten. Das soziale Gleichgewicht im H1 fing an zu kippen.
Durch die Sozialwohnungen konnten die Wohnungsbaugesellschaften kaum Ertrag
erwirtschaften, weshalb Reparatur - und Instandhaltungsarbeiten auf das
Notwendigste reduziert wurden. Die einst hochmodernen Wohnungen alterten sehr
schnell und boten keinen Anreiz mehr, in den H1 zu ziehen. Außer man war aufgrund
seiner sozialen Lage dazu veranlasst.
Was ich über meine Zeit auf dem Heuchelhof sagen kann, ist, dass es definitiv eine
Zeit war, in der man viel draußen gespielt hat. Das Fernsehen lieferte in den 80er
Jahren noch keine Dauerberieselung und Computer und Handys gab es nicht.
Stattdessen war es ganz normal, dass wir als Kinder viel mit dem Fahrrad und zu Fuß
unterwegs waren oder auf dem großen Spielplatz an der Bonner Straße gespielt
haben.
Für uns Kinder war es sicherlich eine schöne Zeit. Wir waren oft stundenlang
unterwegs und sind mit dem Fahrrad bis nach Rottenbauer gefahren, waren im alten
Steinbruch hinter dem heutigen Athener Ring oder sind dem Schäfer mit seiner
ganzen Schafherde am Schafsbrunnen begegnet. Und im Sommer waren wir natürlich
wie alle anderen im „Dalle“ (Dallenbergbad). Da es eine Straßenbahn damals noch
nicht gab, und das Geld für die Busfahrkarte wollte man sich vom knappen
Taschengeld möglichst auch sparen, dauerte ei ne gefühlte „Ewigkeit“ das
Fahrradschieben, bergauf und zurück zum Heuchelhof.
Die Zeit, die ich in meinem eigenen Zimmer auf dem Heuchelhof wohnte, habe ich
nur sehr vage als relativ gut in Erinnerung. Eine der wenigen Erinnerungen die ich
habe, ist die das wir morgens mit dem Bus immer zur Schule abgeholt wurden und
abends auch von dem zurückgebracht wurden.
Das war allerdings kein Linienbus, sondern derselbe Bus, der mich schon bei meiner
Oma abholte. Ein Malteser -Bus, der von meiner „Schule für besonders begabte
Kinder“ wie man immer in meinem Beisein von der Elisabeth-Weber Sonderschule für
schwer erziehbare Kinder sprach, dafür sorgte, dass wir auch täglich in der Schule
ankamen.
Das wurde auch dadurch begünstigt, dass mein Vater nur die Wochenenden bei uns
verbrachte, und auch da mehr schlecht als recht. Also nicht das Ihr denkt, das hier
irgendwelche familienväterlichen Aktionen oder dergleichen angesagt waren. Ha,
sowas kannte ich zu der damaligen wie gesagt auch gar nicht. Ich hatte das ein paar
Mal bei einem meiner wenigen kurzfristigen Kameradschaften zwar mitgekriegt, aber
immer gedacht, dass die alle nur lügen würden und das es in Wahrheit bei allen gleich
beschissen war wie bei mir. Ich kannte es ja nicht anders!
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Im Großen und Ganzen liefen die Wochenenden ungefähr folgendermaßen ab:
Mein Vater, der ja keinen Führerschein besaß, wurde immer von meine Onkel
Christian, der mit ihm zusammenarbeitete, am späten Freitagnachmittag nach Hause
gebracht. Dort schlang er dann seine bereits fertigen Abendessen in sich hinein,
duschte sich ab, parfümierte sich mit Old -Spice After Shave ordentlich ein und fuhr
dann direkt wieder mit meinem Onkel in die Stadt zu ihrem allwöchentlichen Billard-
Abend, der ihnen heilig war. Wichtig für mich war es, dass ich mich in dieser Stunde,
in der er bei uns in der Wohnung war, auf keinen Fall blicken lassen durfte, dann hatte
ich zumindest diesen Freitagabend noch meine Ruhe.
Natürlich stritten in dieser Stunde dann noch oft meine Mutter mit ihm wegen allem
möglichen, aber sobald er weg war, konnten wir beide, meine Mutter und ich,
aufatmen!
Schlimm waren dann leider sehr oft die Nächte, in denen er besoffen vom
Billardabend kam. Wenn er an diesem Abend verloren hatte, dann war eins sicher:
Er riss dann meine Zimmertür auf und brüllte grundlos rein, dass ich Nichtsnutz an
allem schuld wäre. Gerne zog er dabei auch meine Decke weg und bewarf mich
entweder mit einem eiskalten Waschlappen oder noch schlimmer zerrte mich noch
aus dem Bett, aus dem ich dann auch, da ich ja schlief, hart auf den Boden fiel. Dann
lachte er mich aus, wenn ich weinte und warf mir vor was ich für eine lächerliche
Heulsuse war. So wie meine Mutter! Zum Glück spielte er anscheinend recht gut
Billard, denn so verhielt es sich nur an jedem 2. -3. Wochenende.
Ansonsten hörte ich nichts von ihm und konnte durchschlafen. Am Samstag schlief er
dann bis in den Mittag hinein seinen Rausch aus und lag dann tagsüber meistens
rumjammernd auf der Couch im Wohnzimmer und schikanierte nur meine Mutter
herum.
Auch hier galt für mich als oberstes Gebot, bloß keine zu lauten Mucks machen und
am besten nicht blicken lassen.
Ich hatte ja meine Aufgaben zu erledigen:
Müll runterbringen, Bierkästen hochschleppen aus dem Keller, Hausaufgaben
machen usw.
Nicht das ihr jetzt denkt, damit wäre der Samstag herumgegangen. Nein, von wegen!
Ich musste immer zu ihm zum Rapport antreten und berichten was ich alles gelernt
habe in meiner Idioten-Schule wie er die Elisabeth-Weber-Schule nannte.
Und dass ich da bei den ganzen Schwachsinnigen Idioten und Sonderschülern bestens
aufgehoben wäre etc.
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Dann äffte er mich bzw. meine Stimme nach und lachte mich aus.
Wenn es ihm zu blöd war oder irgendetwas nicht so von mir berichtet wurde, wie es
ihm gerade passte, bekam ich eh entweder eine Ohrfeige oder sonst ein paar
reingehauen, Hauptsache ich heulte dann. Und dann konnte er mich weiter aufziehen
mit Schimpfwörtern oder irgendwelchen Schlägen.
Aber diese Schläge waren ja nicht das schlimmste! Nein das absolut schlimmste für
mich war, wenn er meinte mit mir „kämpfen“ zu müssen um mir irgendwelche
Kampftechniken, die nicht wie die von Mädchen waren, zu zeigen.
Diese „Kampftechniken“ bestanden darin, dass er mich aufs übelste in den
Schwitzkasten nahm. So sehr, dass ich keine Luft mehr bekam und mich aufforderte
zu entweichen.
Da er naturgemäß wesentlich schwerer und auch viel stärker als ich war hatte ich
natürlich gar keine Chance.
Aber das machte ihm nichts aus, egal wie sehr ich keuchend unter ihm heulte,
jammerte und wimmerte, er hielt mich so sehr fest, dass ich ab und zu auch
ohnmächtig wurde.
Dadurch hatte ich im Laufe der Zeit, regelrecht Platzangst und wirklich Panikanfälle,
aber er lachte dabei nur dreckig über mir und beschimpfte mich als Oberpfeife und
Jammerlappen.
Ja, das war seine Lieblings- Quäl Methode, unter der ich auch heute noch leide, denn
die Platzangst ist in meinem Unterbewusstsein immer noch da.
Wenn ich dann völlig erschöpft vor Anstrengung und Todespanik am Boden lag und
er aufstand, gab er mir noch einen freundschaftlichen Tritt in die Seite und meinte,
dass ich nicht so rummachen solle, er meine es ja nur gut mit mir und wäre ja nicht so
schlimm gewesen etc.
Fakt ist, das ich dadurch selbstverständlich nicht gerade mit Selbstvertrauen um mich
herum glänzte, da ich ja so gut wie immer gesagt bekam, was ich für ein Versager war,
dass ich an allem schuld sei, ein dummer Schwachkopf wäre, zu fett, schwach wie ein
Mädchen etc.
Deswegen ging ich auch nicht oft vor die Haustür zu anderen Kindern in meinem Alter,
denn für mich war ja klar, dass die eh nix von mir wollten.
Und selbst wenn ich dann mal draußen war und Kontakt zu anderen Kindern hatte,
ging auch das nicht lange gut, da ich bei den kleinsten Schwierigkeiten so schnell
jähzornig wurde und komplett ausrastete, dass die anderen Kinder aus Angst vor
diesen Überreaktionen, auch nichts mit mir zu tun haben wollten.
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So verkroch ich mich in meinem Zimmer mit meinen Hörkassetten und versank dann
in meine „heile Welt“, in der ich Cowboy, Indianer, Detektiv oder auch
Internatsschüler auf Burg Schreckenstein war. Dabei aß ich tonnenweise Schokolade
und las und las und las.
Das ging dann solange, bis ich ins Gymnasium kam und dort Anschluss fand.
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- Blutgruppe "I"-
„Wir werden morgens mit dem Bus geholt, dem Bus geholt, dem Bus geholt…
…Tante Ottilie ist auch meine Schwester und in 2 Tagen nehm ich sie zur Frau!
…Mein Opa und Oma waren Geschwister!
…Wir singen Inzucht - Inzucht la la la la la la …
…Das Denken fällt uns allen schwer wir werden morgens mit dem Bus geholt…“
Mundstuhl - Wir werden morgens mit dem Bus geholt
Jugend:
(1981 - 1986)
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Sommer 1982 – Begegnung mit roher Gewalt
Unser Gymnasium war damals so ein alter baufälliger Schuppen und war permanent
überbelegt. D.h. nach meinem Dafürhalten waren immer irgendwelche Klassen oder
Jahrgänge ausgelagert. Wohin, das konnten wir Zwerge uns nicht vorstellen, es war
nur irgendwie et was, ich weiß nicht, wie man es am besten ausdrückt, das Wort
ausgelagert war irgendwie duster, dunkelgrau. Ja, so könnte man das Gefühl
beschreiben, das ich damit in Verbindung bringe.
Nun ja, nach den Sommerferien 1992, wir kamen da frisch in die 6. Klasse, war es dann
für uns soweit: 2 Wochen vor Beginn der Schule bekamen wir alle einen Brief nach
Hause, in dem Stand, dass die Schule „momentan zeitlich natürlich begrenzt und so
bla bla bla überfüllt ei, und von unseren 5 6. Klassen 2 leider für ein Halbjahr
ausgelagert werden müsste. Und juche, Sie haben den Hauptgewinn, Sie sind einer
der glücklichen Gewinner und dürfen Ihre Klassenräume im Obergeschoß der alten
Hauptschule in der Sanderau ab dem Klassenstart benutzen.
Wow, ausgerechnet die Sanderau, und dann auch noch Hauptschule, das hört sich gar
nicht gut an.
Mehr bzw. schlimmeres konnte ich mir damals in dem Alter nicht wirklich vorstellen.
Dazu muss man wissen, dass im Würzburg der Achtziger in den eigenen Stadtteilen
die anderen Gangs natürlich kleingeredet wurden. Es gab also wirklich in Hinterhöfen
dann so Gangkämpfe mit allem, was das (Gewalt-Herz) so begehrt. Fäuste, Flaschen,
Eisenstangen, Messer, Baseballschläger etc.) Wobei wir Kleinen, das immer nur von
den Großen hörten, weil das ja immer irgendwo passierte aber nicht bei uns im Kiez.
Hier hatten wir unsere eigenen Viertelinternen Schlachten zu bewältigen, das hatte
schon gereicht.
Jetzt muss man wissen, dass wir als Gymnasiumschüler schon bei uns im Viertel nicht
gut angesehen waren und als „was Besseres“, beschimpft und missachtet wurden von
den Anderen, die wenn’s gut lief, die Hauptschule besuchen durften, mehr schlecht
als recht, aber wenigstens in einer Schule. D.h. da die Gymnasien in der Innenstadt
angesiedelt waren, hatten wir da eigentlich unsere Ruhe, zumindest bis wir mittags
wieder mit dem Bus oder dem Fahrrad nach Hause kamen.
Bei mir lief es aber sehr gut, da ich 2 große Cousins hatte, die beide in unserer Gang
Führungsmitglieder waren und von denen man hörte, dass sie sogar in der
kompletten City geachtet und respektiert wurden.
Durch diese beiden hatte ich auch sozusagen Welpen - Schutz, was auch gut so war,
denn ich war weder sportlich noch war ich irgendwie in Raufereien gut. Da verlor ich
sogar gegen Mädchen ab und zu. Meine Stärke waren damals schon Hörkassetten und
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Wissensbücher, Matheaufgaben und Knobelspiele. Jaja, ich war wirklich kein großer
Freund von diesen ganzen doofen Straßenstreitereien und war auch deswegen sehr
froh über meine Cousins.
Soweit so gut, am 1. Schultag wurde ich dann auch sogar noch morgens von meiner
Mutter in das neue Schulgebäude gefahren. Das war ein Schuppen, so wie das Haus
in Amytiville Haunted House of Horror. Eine riesenhohe Mauer mit Stacheldraht
obendrauf!!!! Außen rum, das eigentliche Schulgebäude erst durch so einen dusteren
mit alten Bäumen unübersichtlichen Pausenhof erreichbar. Und dann noch im
Dachgeschoß!
Von einem 5-stöckigen Schulgebäude mit ca. 3,50 Meter hohen Räumen. D.h. um in
unser „neues“ Klassenzimmer zu kommen musste man erst durch den Haupteingang,
charmant mit Gittern an den Fenstern, dann durchs große Haupttreppenhaus bis in
den 3. Stock. Dort durch 2 ewig langen Fluren, die auch dimensioniert waren mit ca.
5 Meter Breite und 3,50 Metern Höhe aber bestimmt jeder 30 -40 Meter lang. So
genau weiß ich das nicht mehr. Dann über eine Art Nebentreppenhaus, das sehr eng
war, die letzten 2. Stockwerke bis zu unserem Klassenzimmer.
Hier oben waren 2 Klassenzimmer für uns vom Gymnasium und dann noch
verschiedene leere Räume, die mit irgendwelchen alten Möbeln und so vollgestellt
waren, jedoch ohne Schüler.
Hier waren wir also für die nächste Schulzeit.
Es lief auch Anfangs ganz passabel, wir wurden zwar misstrauisch in den Pausen und
auf den Schulwegen von den Hauptschülern beobachtet, aber das war’s dann auch
schon. Ich gehe heute davon aus, dass bestimmt einige Regelungen vorher an die
Hauptschüler rausgingen, dass die stillhielten.
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Das Drama begann so ca. 2 Monate später als ein Typ aus meiner Parallelklasse, bei
uns vorher war er einer der Klassenstärksten, hatte immer schon so Muskelshirts an
und die Haare John -Travolta mäßig zurückgegeelt und auch ich hatte schon meine
Abreibung a bbekommen in der 5. Klasse. Also dieser Typ meinte in seinem
Größenwahn, dass es schick sei, von den alten zermatschten heruntergefallenen
Äpfeln von den Bäumen im Pausenhof einem der Hauptschüler grundlos in den
Rücken zu schmeißen und dämlich zu lachen.
Der fiel hin, schaute überrascht und bevor er was sagen konnte, hatte er schon einen
2. Apfel ins Gesicht bekommen. Gar nicht gut! Und ich Dabbes stand ausgerechnet in
dem Haufen Schüler, die um den Irren aus der Parallelklasse herum ins Treppenhaus
drängten, relativ weit hinten, also von dem Hauptschüler aus gesehen vorne im Fokus.
Da der Pausengong uns rettete stürmten wir alle rein, bevor es groß Ärger geben
konnte. Wobei ich aus dem Augenwinkel heraus sah, dass sich echt viele der
Hauptschüler jetzt um den Beworfenen begaben und heftigste schrien und
diskutierten oder so. Da aber ein Lehrer dazwischen war habe ich das nicht so
mitbekommen.
Oh, und wie das Großmaul dann bis oben noch gelacht hatte und die Hauptschüler als
sowieso alle dämlich und beschränkt und als Mongos und so beschimpfte.
Und alle die mit hochgingen waren voll auf dem Höhenflug. Da war was los. Mir war
aber schlecht, da ich mir ausmalte, dass dies nicht gut enden konnte.
Ok, Schulgong letzte Stunde. Alle aufgesprungen, die Büchertaschen geschnappt und
ab nach Hause oder zur Bushalte.
Ich machte langsam, weil ich mächtig Schiß ehrlich gesagt hatte.
Ich war auch ganz aufgeregt und habe fast geheult, obwohl da ja noch nix war.
So also, der Tross der 2 Gymnasialklassen unten durch die Tür des
Nebentreppenhauses raus, da stoppte es schon brachial, weil der Erste direkt mal
‘nen Stock in die Fresse geschlagen gekriegt hatte. Ich stand zwar einen
Treppenabsatz weiter oben, habe aber gesehen, wie das Blut gespritzt ist und auch
abgebrochene Zähne flogen.
Jetzt hatte ich wirklich richtig Schiß und war komplett unfähig weiterzugehen.
Anscheinend hatten das aber gar nicht alle mitbekommen, denn die anderen rannten
mich fast um, um durch die Treppenhaustür in den Flur nach unten zu kommen.
Da das ja richtig viele waren, riss ich mich zusammen, um nicht später alleine
runterzumüssen und hielt mich in der Mitte bei den Mädchen.
Die haben von 2 Seiten mit Stöcken und Stuhlbeinen und so auf uns eingeschlagen.
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Vor mir hatte einer eine blutige Nase, es stolperten mehrere die dann an den Haaren
gezogen bekamen, ich bekam auch ein paar relativ harmlose Tritte von der Seite ab,
war aber durch die Mädchen, vor denen sie haltmachten, gut geschützt.
Dann diese elend langen Flure, da kriegten bestimmt 8 -10 Mitschüler so ihr Fett ab,
dass die heulten und bluteten und rannten. Ein Geschrei war das ohrenbetäubend.
Und das Großmaul hatte auch noch den Schmackes, um da vorauszurennen und ein
paar zu klatschen. Unglaublich!
Unten aus dem Schulgebäude raus, dachte ich wir haben es geschafft. Aber von
wegen. Da standen mind. 50-100 Jungs. Auch viele, viele Ältere in dem Alter meiner
Cousins und so und die ließen nur die Mädchen durch. Keine Jungs, somit keine
Chance für uns durchzukommen.
Und der Junge, der in der Pause die Äpfel abbekommen hatte, stand ganz vorn und
deutet auf uns.
Das Großmaul dachte auch mal das er locker durchkommen würde, hatte aber direkt
einen Basi von der Seite ins Kreuz geschlagen bekommen, so dass er hinfiel und dann
von 2 oder 3 Typen echt sowas von Tritte abbekommen, dass er sich nicht mehr groß
regte.
Dann kamen die Typen auf uns und jetzt war ein Geschreie und Geheule und so.
Ich bekam wieder ein paar Ohrfeigen ab.
Mein Schulranzen wurde heruntergerissen und ausgeleert und dann hatten sie noch
meinen Pulli an den Ärmeln so langgezogen und Knoten reingemacht.
Ich habe mir da echt und das ist kein Spruch, vor Todesangst in die Hose geschissen.
Das haben die mitgekriegt und gelacht und mich getreten und mich am Boden mit
dem Gesicht in Hundescheiße gedrückt und halt so weiter.
Ich habe vor lauter Geheule und so gar nicht mehr mitbekommen, was mit den
anderen Mitschülern alles gemacht wurde. Irgendwann waren die auf jeden Fall von
mir weg bei den anderen Schülern, um die zu verhauen, dass ich mich ohne
Schulranzen, verschissen unten von der eigenen Scheiße und im Gesicht mit
Hundescheiße, Nasenrotz und Blut, mit geschwollenen Backen und mit heftigsten
Schmerzen sowie zerrissenen Hosen abhauen konnte.
Ich lief um mein Leben an diesem Tag, an der Bushaltestelle vorbei zur Nächsten.
Ich war sowas von verstört, wie ich zuhause ankam und wie ich aussah wie der
allerletzte Dreckshaufen.
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Meine Mutter hatte mich dann erstmals versorgt, verständnisvoll wie immer und
getröstet, aber der Vater hatte gar kein Verständnis, schrie irgendwas von unfähige
Pfeife zu mir und haute mich auch nochmal so richtig durch, aus Schande, weil ich
mich nicht wehren konnte. Hilfe gab s da keine, nicht das ihr denkt.
So war ich jetzt daheim und wollte natürlich nicht mehr in die Schule am nächsten
Tag. Ich hatte da echt Panik, bis Moby, das war der jüngere meiner beiden Cousins
mich besuchte, und mir fest versprach, dass ich mich nicht sorgen müsse und ruhig
gehen könne. Er würde das schon regeln.
Am nächsten Tag stellte ich den Wecker 2 Stunden früher, nahm den ersten Bus und
war bereits 1 Stunde vor Schulbeginn vor dem verwaisten Schulgebäude versteckt
zwischen den Mülltonnen um darauf zu warten das der Hausmeister die Türen
aufschloss.
Das war auch sehr heftig und sehr beängstigend für mich, weil ich immer daran
dachte, wenn jetzt einer von den Hauptschülern käme und mich sieht.
Ich schaffte es dann aber wahrhaftig als erster im Schulgebäude und oben im
Klassenzimmer zu sein.
Irgendwie wurde das ganze Thema bei uns Schülern verdrängt und nicht groß
diskutiert, außer ein paar die sagten das Ihre Eltern Anzeigen bei der Polizei
aufgegeben hätten und so. In der Pause war dann auch alles ruhig, zu ruhig eigentlich.
Wobei ich das nur vom Klassenzimmerfenster gesehen hatte, da ich mich da nicht
rausgetraut hatte.
Das Großmaul war sogar im Gesicht genäht und laberte aber schon wieder große
Scheiße, von wegen das seine beiden großen Brüder heute nach der Schule denen mal
zeigen würden, mit wem sie sich angelegt hatten und so Sprüche. Unglaublich dabei
hatte der auch richtig sein Fett abbekommen.
Ok, Schulschluss alle relativ normal nach unten in den Pausenhof und siehe da, da
standen wirklich 2 Typen, mit Mopeds, älter als wir aber dem Großmaul wie aus dem
Gesicht geschnitten. Auch mit Mukkishirts und so.
Sie geleiteten das Großmaul auch durch den vermeintlich leeren Hof, aber da kamen
dann doch die Hauptschüler um die Ecke. Und was für eine Horde! Gar nicht gut!
Als der eine Bruder was sagen wollte, hatte der direkt sowas von in die Schnauze
gehauen gekriegt, dass er ohne Ansatz direkt umgegangen ist und wegkriechen
wollte. Nur hatte der Schläger der ihm eine reingehauen hatte ihn mit 2 festen harten
Tritten mind. ein paar Rippen gebrochen, so dass der regungslos liegenblieb.
Da hatte auch der 2. Bruder Respekt gekriegt, glaub ich.
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Sicher kann ich das nicht sagen, denn bevor der überhaupt was sagen konnte, wurde
er schon von einem der von der Seite gerannt kam umgerissen und von ner ganzen
Gruppe mit Tritten gestiefelt, das er fast seine ganzen Vorderen Zähne verlor,
Jochbeinbruch, Augenlid aufgeplatzt, schwere Gehirnerschütterung hatte und einen
gebrochenen Arm hatte (Das hörte ich erst später).
Das Großmaul selbst wurde auch mächtig auseinandergenommen, direkt vor mir fast.
Ich sehe das noch förmlich vor mir, wie er am Boden aufstehen wollte, den Arm so
abgestützt am Randstein und einer ihm so brutal in den Arm reingetreten hatte, dass
der komplett verdreht war, so in sich. Ich hörte später, dass das ein offener Bruch
gewesen wäre.
Auch zu mir kamen sie wieder näher, diese Wichser, aber dann hörte ich einen laut
rufen: “Stopp, lass den, des ist der kleine vom Moby, hörst! Lass den bloß gehen“.
„Wow“, mein Cousin hatte Wort gehalten, den der Typ der das rief, hatte anscheinend
Wortgewalt, da die anderen sofort auf den hörten. Dieser kam näher, grinste mich
schief an und zischte “Alles klar, mach dich vom Acker, hast Glück, ich kenn Dein
Cousin gut“ Später hörte ich dann, dass mein Cousin Drogengeschäfte mit dem
durchzog im größeren Stil, aber dazu später.
Ich nickte und wollte gerade abhauen, als er sagte „Stopp, das hier gilt für euch
Gymnasi-Klugscheißer alle!“ also auch für dich!
Dann zog er schnell ein Messer hinten aus seinem Hosenbund raus. Das war so eine
Art Rambo-Messer.
Dann kniete er sich zu dem halb bewusstlosen Großmaul, der jetzt mitsamt seinen
tollen Brüdern die Klappe hielt und wimmernd am Boden lag, packte den am Zopf,
den er hinten zurückgegeelt hatte, das hatte damals jeder so ein bisschen. Die Haare
kurz und hinten so eine Art Schwänzchen.
Der packte dem an seinen Haaren hinten und drohte dann allen die noch da waren,
das wir bloß die Mäuler halten sollten und so. Dann hatte er mit seinem Messer schön
langsam die Haare mehr rausgerissen als abgeschnitten. Du sahst förmlich die
Schmerzen vom Großmaul! Gehört hattest Du das aber auf jeden Fall, die Schreie,
jämmerlich!
Dann durfte ich abhauen. Mehr wollte ich auch gar nicht sehen.
Das Großmaul kam nie mehr zu uns in den Unterricht und es hieß offiziell, das die
Familie weggezogen wäre ohne nähere Angaben und das Thema wurde auch nie mehr
groß angesprochen bei uns in dem kompletten Schuljahr. Und es waren auch keine
nennenswerten Aus einandersetzungen zwischen uns Gymnasiasten und den
Hauptschülern mehr passiert.
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Wir kamen dann im nächsten Jahr wieder in unser normales Gymnasiumgebäude.
Ich begann in den, auf diese heftigen Gewalt Eskalationen darauffolgenden
Monaten, hinter dem Rücken meines Vaters mit meinem Cousin Moby zusammen
auch mit dem Boxen. Und das war gut so!
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Geheimes Boxtraining ist Pflichtprogramm
Mein Schulkamerad Harald und ich saßen im Schulbus und es stiegen vier türkische
Jungs ein. Sie steuerten sofort auf den hinteren Busteil, in dem wir saßen, zu und
pöbelten uns schon vom Eingang aus an. Harald und ich blickten uns nur kurz an,
nickten uns zu und standen von unseren Sitzen auf.
Wir wussten, was wir zu tun hatten!
Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, um unsere im Boxtraining erlangten neuen
Fähigkeiten zu testen. Immerhin waren wir seit fast 5 Monaten regelmäßig bei
meinem Cousin Moby heimlich im Boxtraining, ohne dass unsere Eltern davon etwas
wussten. Sie hätten auch nichts mitkriegen dürfen, da sie uns das auf jeden Fall
verboten hätten. War ich doch eh schon auf einem Auge blind!
Aber dadurch, dass ich Harald überzeugen konnte, mit ins Boxen zu gehen, konnten
wir immer erzählen, dass wir zum Nachmittagsschwimmen im Gymnasium gingen.
Wie sagte Moby doch immer zu mir: „Christian, egal was passiert, Du musst schauen,
dass Du den anderen als erster triffst, hörst Du? Das ist echt wichtig, denn wenn der
Schlag sitzt, haste schon so gut wie gewonnen. Da kannste selbst viel Größere
fertigmachen.
Und wenn du dann irgendwie mal soweit bist, dass der Gegner am Boden liegt, darfst
Du auch da keine Hemmungen haben! Tritt ihm am besten sofort, egal wohin du ihn
triffst, wichtig ist, dass er keine Chance hat, aufzustehen!
Hauptsache nicht mehr aufstehen lassen, hörst Du?
Denn eins ist sicher, wenn einer die Gelegenheit hat, nochmal aufzustehen und dann
dich irgendwie umzuhauen, wird er es tun.
Also als erster zuhauen, dann nachtreten und das am besten so lange, bis er sich am
Boden nicht mehr rührt!
Dann ist alles bestens!“
Mit diesen Worten nervte er mich regelmäßig so sehr, dass ich die auch im Schlaf
auswendig kannte. Nur eigentlich war das ja mal die Theorie, die er mir erklärte. Das
dann auch in dem Moment so zu tun, ist nochmal eine ganz andere Geschichte!
Sicher, die Kung-Fu Kämpfer in den Filmen, die taten das auch irgendwie, aber ich war
kein Kung-Fu Kämpfer oder so!
Trotzdem trainierten wir also regelmäßig beim Boxen und da waren wir auch echt
schon technisch sehr gut und durch das Workout-Training und Sparring auch fit.
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Da diese Türken bereits bekannt waren, war es klar, dass nun der Tag der Wahrheit
für uns gekommen war.
Die bisherigen Busfahrten, bei denen wir eingeschüchtert sitzen geblieben waren,
sollten ab jetzt der Vergangenheit angehören. Ab sofort würden wir ihnen zeigen, wer
künftig Angst vor dem Schulweg haben sollte. Auf jeden Fall nicht mehr wir!
Und dann ging es ganz schnell: Der erste Türke versuchte, Harald mit dem rechten
Arm vor die Brust zu stoßen. Doch der wich echt geschickt aus und knallte ihm
blitzschnell die rechte Faust aufs Auge. Voll geil! Da das Ganze so überraschend kam,
setzte er direkt eine Links-Rechts-Kombination nach, wie aus dem Trainingshandbuch
entnommen! Was die anderen drei Türken in eine Art Schockstarre versetzte. Ok, jetzt
ich! Der Türke, der mir am nächsten stand, bekam mit voller Wucht meine rechte
Faust auf die Nase, die in Sekundenschnelle am oberen Kamm platzte und sofort
blutete. Der Junge hielt seine blutende Nase, beugte sich nach vorne und wimmerte
vor Schmerzen. Seine beiden Kumpels starrten wie gelähmt auf diese bizarre
Szenerie, denn damit hatten sie diesmal s icher nicht gerechnet bei uns. Sie
schnappten die beiden verletzten Freunde am Arm und verließen an der folgenden
Haltestelle fluchtartig den Bus.
Was für ein Gefühl!
Wir hatten doch tatsächlich mit wenigem aufwand 4 von den Türken fertiggemacht.
„Haut bloß ab, ihr Scheiß Spastn!“ riefen wir jetzt laut und topmotoviert! Adrenalin
und Endorphine durchjagten unsere Körper. Völlig aufgeputscht blieben wir im Bus
stehen und blickten in die erschrockenen Gesichter der anderen Schüler.
Dann nickten uns die ersten anerkennend zu und der Busfahrer, der die
Auseinandersetzung im Rückspiegel beobachtet hatte, setzte – ohne ein Wort zu
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sagen – die Fahrt zur Schule fort. Harald und ich schauten uns schweigend und
grinsend an. Was war das? Hatten wir es getan? Hatten wir uns tatsächlich zur Wehr
gesetzt? Ja! Wir hatten es geschafft. Oder?
Wir waren nicht mehr die Looser vom Dienst! Nein, wir waren fast sowas wie „kleine
Helden“ für die anderen Mitschüler von uns!
Stolz erzählte ich das natürlich Moby bei der erst besten Gelegenheit und der strich
mir dann auch freundschaftlich über die Haare: „Siehste Christian, ich wusste doch
das Du es draufhast. Klasse gemacht!“ Oh Mann, wie stolz war jetzt!
Von meinem großen, überall von allen respektierten Cousin Moby ein richtiges
ehrliches Lob! Das war mein mit Abstand bestes Erlebnis überhaupt, an das ich mich
bis dahin erinnern konnte. Ich war jetzt nicht mehr der kleine Fettsack, der immer
eine draufbekam, und sich hinter den Mädchen verstecken musste!
Nein, ich hatte zusammen mit Harald die Türken besiegt! Mit meinem 12 Jahren!
Es war dann nach zwei Wochen ungefähr, als uns die Türken erneut zur Revanche für
die erlittene Schmach im Schulbus herausforderten. Das wurde uns von einem
anderen Jungen aus unserer Klasse, der bei denen im selben Block wohnte,
ausgerichtet.
Damals zu der Zeit gab es ja bei weitem nicht so viel Türken wie heute in Deutschland!
Bein uns im Dorf Gerbrunn zum Beispiel, gab es genau eine Gastarbeiterfamilie aus
der Türkei! Die kannte man im Ort, wusste genau wo die wohnten und ging aber
trotzdem denen aus dem Weg, da die halt komisch waren!
Es gab wohl viele Mischlingskinder, Zigeuner, Russen, Italiener und Griechen, aber die
Türken, die waren selten, und auch für unsereiner nicht berechenbar. Vor allem die
aus den Blöcken, denn die waren ein ganzes Rudel, die auch viel kräftiger, älter als wir
und auch streitsüchtig waren, zumindest gegenüber uns Kleineren! Die meisten
jungen Deutschen in unserem Alter hatten schon ähnliche Erfahrungen mit der
türkischen Bande gemacht und bewunderten unsere Gegenwehr. Wir wollten keine
Demütigungen mehr ertragen müssen. Damit war endgültig Schluss! Immerhin waren
wir beim letzten Kampf die Sieger! Und so sollte es auch in unseren Augen bleiben!
Bald zumindest, hofften wir.
Es stand jetzt aber noch der Rückkampf aus. Und an einem Freitag sollte es zum
Showdown auf unserem Schulhof kommen.
Die Anspannung stieg bis ins Unerträgliche. Die Tage davor hatten Harald und ich noch
öfter und härter trainiert. Der Freitag kam und niemand wusste, ob es tatsächlich zu
einer Schlägerei kommen würde. Wir fühlten die Angst in uns aufsteigen. Die Angst
vor einer Niederlage!
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Aber wir wollten uns dieser Sache auch stellen. Und so läutete es zur zweiten Pause.
Der Schulhof füllte sich, wir standen da und warteten. Wir waren bereit, die Türken
mussten nur noch kommen.
Und die Türken kamen. Sie stürmten den Lehrerparkplatz entlang, zwischen den
Gebüschen durch und rannten direkt auf uns zu. Wild johlend und in kürzester Zeit
entwickelte sich eine wüste Massenschlägerei. Absolutes Chaos.
Manche stolperten und fielen hin. Andere traten mit Füßen auf die Liegenden, Fäuste
krachten in Gesichter und in Rippen. Überall nur dumpfes Krachen, Schreie und
Gestöhne. Harald erwischte einen der Anführer der Gegenseite wieder direkt hart im
Gesicht. Dieser konnte sich nur noch taumelnd auf den Füßen halten. Harald kämpfte
dann hinten links im Getümmel, sodass ich ihn nicht richtig sehen konnte. Ich selbst
rang in einem großen Knäuel mit fünf, sechs Türken. Jeder schlug, würgte und trat
seinen Gegner. Me ine erlernten Boxkenntnisse konnte ich in der chaotischen
Schlägerei längst nicht mehr anwenden.
Das hier war ein hemmungsloser Straßenkampf, ohne jede Regel! Aber dank der
nervigen Vorbereitung meines Cousins, der mich ja immer wieder darauf verbal
vorbereitete, konnten wir wirklich auch diesen Straßenkampf für uns entscheiden!
Denn nachdem Harald den einen Anführer der Spastn umgenietet hatte und sich auf
andere von denen konzentrierte, nahm ich mir die Belehrungen von Moby zu Herzen
und trat immer wieder auf den Jungen am Boden ein, so dass der schon bald
blutüberströmt röchelnd davonzog und seine ganze Herde wilder Türken gleich mit!
Damit war jetzt ein für alle Mal, die Sache mit den Türken geklärt und wir wurden ab
dem Zeitpunkt nie mehr von denen belästigt!
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Punker-Hetze durch Würzburg / Verlust meiner Unschuld
Anfang der Achtziger Jahre waren ja auch überall auf einmal die ganzen dreckigen
Punker. Mit abgefuckten zerrissenen Klamotten, Irokesenhaarschnitten, in allen
Farbtönen gefärbten Haaren, die in großen Gruppen auf allen möglichen öffentlichen
Plätzen überall herumhängten, bevorzugterweise natürlich auf dem Marktplatz oder
auch dem Bahnhofsvorplatz diese No -Future-Typen pöbelten dann harmlose
Fußgänger oder Passanten an, bettelten um Geld, tranken öffentlich Alkohol und
waren von uns aus gesehen der letzte A bschaum. Zusätzlich hatten sie noch so halb
verwilderte, abgemagerte verlauste Drecksköter bei sich, Ratten auf ihren Schultern
und waren einfach nur widerlich. Ein richtig widerliches Pack Abschaum.
Gegenteilig gab‘s zu diesem Zeitpunkt natürlich auch die feinen Popper diese junge
Gesellschaftsgruppe war das genaue Gegenteil der Punker-Offensive:
Ihre modischen Trends waren daran zu erkennen, dass sie z.B. als Markenzeichen
einen auffallenden Haarschnitt hatten:
Vorne einen langen Pony, hinten einen akkurat ausrasierten Nacken. Dazu
Trenchcoat, weiße Jeans oder aber auch natürlich Markenjeans von Z.B. Benetton, S.
Oliver etc. Dazu gewissenhaft polierte College-Schuhe und natürlich farblich passende
Burlington-Strümpfe!
Für die Popper war der Pausenhof ein Laufsteg. Es gab einen strengen Dresscode. Wer
eine Levis - oder gar eine Wrangler -Jeans trug, galt als Prolet. Unter der Fiorucci -
Karottenjeans, am besten von den Eltern aus dem Skiurlaub in St. Moritz mitgebracht,
ging nicht viel. Dafür alle drei Wochen ab zum angesagten Frisör in der Stadt, um die
Popper-Tolle oder den Schrägpony - "Schwenker" neu zu stutzen. Sehr modisch war
dann auch, wenn man hinten zum ausrasierten Nacken dann ein Haarschwänzchen,
als eine Art Zopf trug. Das galt als besonders stylisch. Politik? Um Gottes Willen.
"Atomkraft? Nein Danke" -Buttons waren bei den Poppern im verschrien. Für die
Medien waren die sonderbaren Nobel -Teenager, die zunächst vor allem aus
wohlhabenden Ärzte -, Banker - und Anwaltsfamilien kamen und später dann aber
durch allen Gesellschaftssch ichten durch in allen Teilen Westdeutschlands in Disco
und Schule, hier vorzugsweise Gymnasium mit ihrem Auftreten erstaunten, ein
Phänomen.
"Die Avantgarde der Angepassten", schrieb "Die Zeit" 1980.
Für den SPIEGEL waren es die "Kaschmir-Kinder".
Der "Stern" nannte sie 1980 die "schicken Spießer von morgen".
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Eigentlich waren die Popper allesamt schicke Spießer. Es ging um eine apolitische
Haltung, also vor allem cool sein, rauchen, Berliner Weiße trinken und Spaß haben
und vor allem um die neuesten modischen Styles. Und darum, so zu tun, als sei man
erwachsen. Dieser Style wurde dann auch von den damals angesagten Pop -Bands
mitgetragen und forciert:
Wham! Duran-Duran, Depeche -Mode, Nick Kershaw, Pet -Shop-Boys, etc. die
vorzugsweise von England aus die deutschen Top -Ten und damit den eingängigen
Musikmarkt beherrschten!
Die Medien und Eltern reagierten darüber aber sehr freudig, da dies im krassen
Gegensatz zu den vorgenannten anderen Jugendgruppen wie etwa Punker oder
Rocker doch dann eher dem Sinnbild der Generation Spießbürgertum entsprach.
Die Punker ließen dann aber noch mehr zum Trotz absolut platte dumme Sprüche
verlauten:
"Warum die Zeit totschlagen, es gibt doch Popper"
"Haut die Popper platt wie'n Whopper"
Sprüche wie diese fanden sich auf jedem Schulklo. Die apolitische und betont
konservative Haltung der Bürgerzöglinge war in Zeiten der Anti -AKW-Bewegung und
Stationierung von Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik schlicht ein Affront,
zumindest in den Augen der Gegengeneration!
Obwohl der Ausdruck Popper aber beileibe kein Schimpfwort war, denn dieselbe
Jugendgruppierung hatte sich auch selbst stolz als Popper bezeichnet.
Die mediale Aufmerksamkeit erfüllten sie mit Stolz, begierig schlugen sie die
Zeitschriften, z.B. Bravo, Pop-Rocky etc. auf, um zu schauen, wen von den Pop-Bands
sie auf den Fotos ähnlich schauen würden.
Andererseits verspürten sie aber auch einen enormen sozialen und vor allem
gesellschaftlichen Druck.
"Wenn meine Eltern mir nur eine Jeans von C&A kauften, war das für mich ein Fiasko."
In der Tat zeichnete sich die Popper-Kultur vor allem auch durch eine bis ins kleinste
Detail ausgefeilte Markenlogik aus. Innerhalb dieser waren Namen wie Lacoste,
Docksider und Burlington nicht einfach nur Label, sondern gaben präzise Auskunft
über die eigenen finanziellen Möglichkeiten und definierten darüber den
gesellschaftlichen Stand. Und der extreme Gruppenzwang: die erhobenen Nasen und
die unverhohlene Distanzierung der Popper von der Mehrheit waren für die damals
15-Jährige unerträglich.
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"So ein Kashmirpullover hat ein Heidengeld gekostet. 300 D-Mark und mehr, das war
für mich unerreichbar."
Klaus Farin, Leiter des Berliner Archivs der Jugendkulturen, sieht in der Popper -
Bewegung rückblickend eher eine Schöpfung der Medien: "Es war weniger eine
Jugendbewegung als einfach nur ein Stil, sich zurechtzumachen.
Ist dieses fehlende Fundament vielleicht der Grund, warum sich heute kaum noch
jemand zu seinem Popper -Dasein bekennen mag? Popper - nur ein Stil, der längst
vergangen ist? Fakt ist: Spürt man den Poppern von einst hinterher, findet man viele
von ihnen heu te in den Chefetagen von Wirtschaftsunternehmen, Verlagshäusern
und Parteien.
Einer der wenigen prominenten Bekenner ist der ehemalige "Vanity Fair"-Macher und
heutige stellvertretende Chefredakteur der "Welt am Sonntag", Ralph Poschardt.
Bereitwillig erinnert er sich an seine Jugend mit aufgestelltem Polohemdkragen und
Karottenjeans in der fränkischen Provinz. Mit ihrem Hedonismus und ihrer anti -
idealistischen Grundtendenz haben die Popper in der Zeit von Friedensbewegung und
Überpolitisierung das Maximale an Provokation geleistet."
"Es gab und es gibt immer konservative oder teuer angezogene Jugendliche." Und
Mode als vom politischen Statement abgekoppelte Attitüde - das kehrt mehr und
mehr zurück. Genaugenommen hat sich der Lacoste-Look mit einem Umweg über die
Yuppies schon fest im Mainstream etabliert.
Ich bzw. meine damalige Clique waren eindeutig Popper, da gab es keinen Zweifel!
Wir trafen uns auch immer am Marktplatz. Ja wenn Du am Marktplatz mit dabei sein
durftest, dann warst Du in Würzburg angesagt! Tagsüber am Marktplatzbrunnen, im
Sommer im Dallenbergbad- Freibad vor dem 10er gelegen und abends dann im Café-
Franz meistens.
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Samstagabends waren wir dann immer im Bäulke zur Samstag Disco von 19.00 Uhr
bis 22.30 Uhr. Das war eine der vielen Tanzschulen in WÜ. Das Bäulke war jedoch
absolut „in“ und hauptsächlich von allen damals angesagten Jugendlichen aus ganz
Würzburg frequentiert.
Andere dagegen, wie z.B. das Hartung oder so waren mehr von den Bauern von den
Dörfern außen rum besucht. Zumindest für die, die halt nicht so angesagt waren. Ich
zum Beispiel wohnte in dieser Zeit ja auch außerhalb der Würzburger Stadt, aber ich
war zu dem Zeitpunkt ab 1984 bereits voll im Geschehen dabei! Zugegebenermaßen
war auch das wieder meinem älteren Cousin Moby zu verdanken, der damals eben in
ganz Würzburg einen extrem guten bzw. harten Ruf hatte!
Er kannte alle anderen bekannten Straßenschläger aus den verschiedensten
Stadtteilen und war vor allem bei denen allen auch genauso respektiert! Und da gab
es einige!
Da waren z.B. der Italiener Roberto und sein bester Kumpel Jogo, den Griechen aus
der Pleich. Ganz harte Typen, die schon im Alter von zarten 12 Jahren ganze
Discotheken auseinanderlegten. Das waren Legenden damals für uns.
Dann Typen aus der Lindleinsmühle, auch ganz harte Jungs!
Jürgen Martin und seine älteren Brüder aus dem Mainviertel, das der Zellerau
angeschlossen war. Und natürlich nicht zu vergessen, eben die Zellerauer mit meinem
Cousin Moby an der Spitze. Um nur einige zu nennen!
Die Freaks aus der Sanderau z.B. die, falls Ihr euch erinnert, den mächtigen Eindruck
bei mir als ausgelagerter Gymnasiumschüler hinterließen waren zu diesem Zeitpunkt
nicht mehr erwähnenswert! Ja wie gesagt, da die meisten der Vorgenannten auch bei
uns mit dabei waren, war es klar, dass ab dieser Zeit auch ich vorne mit dabei war.
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Die Punks waren eher in dem autonomen Jugendkeller oder wie dieser angeranzte
Treffpunkt in so einem Würzburger Hinterhof hieß, anzutreffen in dem sich auch
weiteres Gesindel herumtrieb. Sozusagen war das denen ihr Revier und nur selten
waren noch welche von denen an Plätzen, die wir besuchten. Es war klar, dass wir die
Punks verachteten und genauso klar war aber auch, dass die uns hassten und am
liebsten abgestochen hätten.
Wie genau es in diesem Sommer dann dazu kam, dass in Würzburg ein für alle Mal
geklärt wurde, wer denn von den jugendlichen Gruppen das Sagen hatte in Würzburg,
weiß ich leider nicht mehr, aber das ist auch nicht wichtig für den weiteren Verlauf.
Wichtig ist hier einzig und allein, der Tag überhaupt, mit all seinen Ausschreitungen
und Konsequenzen, die da vorgefallen sind.
Und bei denen ich natürlich auch voll mit im Geschehen dabei war! An diesem Tag
war soviel ich weiß, eine Demo und Demos gab es in den 80er Jahren jede Menge.
Doch die rund 70 Punker und nochmal so viel Anarchos, die am 9. August 1984
Würzburgs Haupteinkaufsstraße und den Marktplatz in der Innenstadt stürmen,
hatten keine politische Botschaft – nur viel zu viel Testosteron. Sie wollen Stärke
demonstrieren.
Es waren vor allem männliche Demonstranten, die damals monatelang davor in vielen
Stadtteilen Angst und Schrecken bei den Bürgern verbreiten. Ältere Leute wurden
überfallen, Grundschülern wurden ihre Sachen abgenommen, harmlose Passanten
wurden ohne Grund dumm angemacht und so weiter.
An diesem Tag bei der Demo wurden aber keine Parolen gerufen und auch keine
Spruchbänder gezeigt. Der spontane Aufmarsch des ganzen Gesocks in der
Würzburger Innenstadt war gespenstisch. Innerhalb kürzester Zeit formierten sich
dann aber auch schon in breiter Front verschiedene Mitglieder von Street-Gangs aus
allen Stadtteilen Würzburgs gemeinschaftlich auf dem Ma rktplatz. Und da Moby ja
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von den Zellerauern mit dabei war, kamen auch ich und weitere von der
Marktplatzclique mit dazu.
Auf die Frage eines Reporters, was sie wollten, sagt ein Punker: „Wir wollen keine
Randale. Aber es gibt jetzt in Würzburg mind. 8 Jugendgangs und wir haben uns halt
zu einem kleinen Kennenlern-Treffen verabredet, um diese Gangs niederzustampfen.
Dass das verboten ist, wussten wir nicht.“
Auf weitere Nachfragen des Reporters war die nächste Antwort so ein gewaltiger
Schlag auf dessen Schnauze, dass die Reporter ganz schnell abzogen.
Auch die Polizei war von dem ungewöhnlichen Aufzug komplett überrascht. Die Gangs
marschieren vor den Augen erstaunter Passanten am Marktplatz los. Erst durch die
Kaiserstr in Richtung Hauptbahnhof, da dort die Punker Demonstranten gesichtet
wurden! Der Verkehr brach dann auch schnell zusammen, da nun insgesamt 140-160
Asoziale auf der einen Seite und ca. 60-70 auf unserer Seite im Mob zusammenkamen.
Jetzt griff auch die Polizei schließlich ein. Mit Schlagstöcken wurden beide Seiten
auseinandergetrieben, es gab viele Festnahmen, da war richtig was geboten!
Dadurch wurde es aber auch schnell sehr unübersichtlich, da jetzt eigentlich keiner
mehr so genau wusste, was zu tun sei und alles wild durcheinanderlief.
Da die Bullen sich aber interessanterweise auch auf die Gruppe der Punk -
Demonstranten konzentrierten, waren diese innerhalb von 1 -2 Stunden komplett
auseinandergesprengt und auch einkassiert von den Bullen.
Einzig das Hauptpunkerpack von denen, mit ihren gut 20-30 Pfeifen, die man ja kannte
hatte sich noch zusammengerottet und in eine kleine Nebengasse abgeseilt um sich
in Richtung ihres Autonomen Unterschlupfes zu verpissen.
Das wiederum sah aber einer von uns und so rannten wir nun den scheiß Punkern
hinterher durch die Gasse.
Wir, das waren vielleicht noch 10 -15 Mann, aber auf jeden Fall ausreichend, da die
wichtigsten unserer Jungs mit dabei waren.
Da wir alle relativ fit waren, hatten wir die auch schnell eingeholt. Und dann ging die
Post ab.
Die kriegten alle so auf brutalste Weise aufs Maul, das kein Einziger von denen
überhaupt noch stand oder so.
Es klatschte hier auf die Fresse, da wurden Nasenbeine krachend gebrochen. Die
wurden mit allen möglichen Gegenständen auf sämtliche Körperteile geschlagen, das
hier echt das Blut nur so spritzte und die Haut von manchen in Fetzen aufklafften! Das
war wie in den übelsten Action-Filmen, nur irgendwie viel, viel geiler!
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Die Wichser hatten überhaupt keine Chance gegen uns geübte Straßenschläger mit
ihren mädchenhaften lächerlichen Versuchen auszuweichen oder so. Mit
Schlägereien hatten die doch alle vorher nichts am Hut. Machten zwar einen auf hart
und Anarcho, aber auch nur mit der Fresse und mit dummen Sprüchen, aber niemals
mit richtiger Gewalt! Das war unser Metier, und wie sie das spüren sollten an diesem
Tag!
Ich bekam da zwar leider nur eine von den Punker -Weibern ab, aber auch dieser
Schlampe hatte ich mit durchgezogenem Faustschlag das Nasenbein demoliert, so
dass die echt bestimmt nen halben Meter vom Boden abhob und durch die Luft flog.
Mitsamt ihrer Drecks-Ratte, die sie auf ihrer Schulter hatte.
Selbst schuld aber auch, denn die Kuh, meinte mich anspringen und würgen zu
müssen. Na, da habe ich nicht lange gefackelt und die mistige Schlampe um
geklatscht. Ohne groß darüber nach zu denken!
Auf jeden Fall blieb die dann auch regungslos vor mir liegen und als ich ihr mit meiner
Fußspitze noch mehrmals an ihrem schäbigen, halb kahlrasierten Schädel trat meinte
einer ihrer Brut plötzlich wie wild nach den Bullen herumkreischen zu müssen!
Auf jeden Fall zog dem mein Cousin von der Seite mit seinem Baseball -Schläger erst
einen richtig pervers festen Punch krachend ins Kreuz, das da mindestens ein paar
Rippen brachen. Zumindest fiel auch der um wie ein leerer Sack! Und dann schlug
Moby ihm direkt mit dem Schläger erst die Zähne aus, so dass die durch die Luft flogen
und er nicht noch mehr rumschreien konnte, um dann den Schläger so blöd auf seinen
Schädel zu klatschen, das der Holzschläger dabei auseinanderbrach.
Wow! Ich schwöre der Typ ging um wie eine Eins. Er lag auch mit klaffender
Kopfwunde ebenfalls regungslos vor uns am Boden, direkt neben der Schlampe die
von mir aufs Maul kriegte. Beide lagen da nebeneinander, regungslos und in ihren
Blutlachen, die sich langsam unter ihnen am Boden ausbreiteten! Ich war auch
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sprachlos, denn mit einer solchen abgebrühten Brutalität hatte ich bei Moby dann
doch nicht gerechnet. Auf jeden Fall zögerte der nicht lange, packte mich am Arm und
zog mich mit weg. Wir rannten so schnell wir konnten und hörten hinter uns noch
diverse Ka mpfschreie, aber auch viele Schmerzgeheule und so. Auch waren da
Polizeisirenen, soviel ich weiß.
Aber wir rannten einfach nur weg durch die Würzburger Straßen bis wir in der Zellerau
waren und bei Moby zuhause im Keller unterkamen.
An diesem Tag hatten wir dann auch nicht mehr viel gemacht, sondern nur die danach
einzeln ankommenden Jungs von uns, immer wieder gefragt ob die näheres wüssten.
Aber die waren ja auch alle nur auf ihre eigenen Schlägereien und so konzentriert
gewesen.
Am nächsten Tag dann war die Titelseite voll von dem Bericht des Vortages.
Das war der bis zu diesem Zeitpunkt am schlimmsten eskalierende Demonstrationstag
in der Geschichte Würzburgs überhaupt. Es gab insgesamt unzählig Anzeigen.
Allein 30 Festnahmen. Die Krankenhäuser waren komplett überfüllt mit
zusammengeschlagenen Jugendlichen und auch Erwachsenen.
Drei von den, der Punkergruppe zugehörigen Demonstranten, ließen an diesem, für
die Geschichte der beschaulichen fränkischen Stadt sicherlich schwarzen Tag, ihr
Leben! 3 oder 4 weitere von den Punkern waren zu Krüppeln geschlagen worden, die
ab dem Zeitpunkt nur noch sabbelten und so. Aber selbst schuld, dieses Dreckspack
von asozialen Pennern!
Es war auch ab diesem Tag klar, wer in der Stadt das sagen unter den Gruppierungen
hatte und das waren sicherlich nicht die Arschlöcher von Punkern! Da alles in allem
ein viel zu großes Chaos in der ganzen Stadt war, konnten die Bullen auch trotz
erheblicher Ermittlungsversuchen niemals die Täter finden.
Und ich sage euch, dass dies für meinen Cousin und mich auch verdammt gut so war.
Wir beide sprachen danach auch nicht mehr groß über die ganze Sache und erzählten
jedem, dass wir nur indirekt dabei waren!
Fakt ist aber auch, dass ich an diesem Tag meine „Unschuld“ verlor, aber Skrupel
oder ein schlechtes Gewissen hatte ich deswegen nie!
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24. August 1984 / Mitten in der Nacht
Plötzlich hast du neue Erkenntnisse über die Welt. Von einer Minute auf die andere
bist du Mittelpunkt einer geheimen Konspiration der Weltmächte, Du weißt jetzt
Bescheid, denn Du hast sie alle durchschaut, ihre finsteren Pläne erkannt, aber Du
wirst sie stoppen, die ganzen Drecksdumme Kuhn, Faschistenschweine!
„Ihr kriegt mich nicht!“ ist die zentrale Kernaussage, die Dir die Stimmen in Dir immer
wieder vorschreien.
„Ihr Schweine, kriegt mich nicht, ich bin Gott! Ihr wollt Euch mit Gott anlegen?
Bastardnköpfe, kommt doch! Ich werde euch zerstören, hört ihr? Ich werde euch alle
zerstören, ihr miesen kleinen Verräter!“ sind nun Deine Gedanken und so ist auch
Dein Wille und aus fester Überzeugung brüllst Du diese Sätze immer wieder ins leere
Zimmer hinein.
Ins Zimmer, in dem Du gerade bist, denn Du bist Dir nun sicher, dass sie sich alle gegen
Dich verschworen haben. Oh, wie du sie alle hasst! Oh ja, wie sehr du sie alle hasst!
Du kannst an nichts Anderes denken als daran, dass Du sie alle umbringen wirst. Diese
falschen Dumme Kuhn!
Du zitterst mittlerweile auch vor Wut und krampst die Hände zu Fäusten zusammen,
so dass deine Finger schon starr werden. Jede Faser Deines Körpers ist bereit. Du
fühlst diesen Hass und dieses Wissen in Dir und bist bereit dafür. So liegst Du da in
Deinem Bett, bis Du irgendwann vor Erschöpfung endlich wieder einschläfst.
„Er kommt häufig nicht mehr so in Tritt, Herr Doktor. Er hat Schwierigkeiten mit seiner
Stimmung, ist in letzter Zeit immer so niedergeschlagen und traurig. Und vor allem
auch so aggressiv. Die kleinsten Kleinigkeiten lassen ihn auf einmal völlig unbegründet
ausrasten. Ich kenn ihn so nicht, meinen Christian.“
Oh, was für eine Scheiße erzählt Mama da unserem Arzt? Geht´s noch, was geht denn
dem das an?
„Mama, ich…“ ich versuche mich auch zu erklären, werde aber sogleich vom Arzt mit
fester Stimme unterbrochen.
„Frau Balling, das ist gar kein Problem. Wir schreiben dem Christian jetzt mal ein paar
Tabletten auf und die soll er regelmäßig nehmen. Geben Sie ihm gleich eine davon,
wenn Sie die Tabletten in der Apotheke geholt haben. Und dann immer abends 1,
morgens 1,5 und mittags nochmal 1. Sie werden sehen, wie er in ein paar Wochen
wieder quicklebendig um Sie herumspringen wird. Dabei lächelt er milde und kritzelt
irgendwas auf seinen Rezeptblock.
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„Ach, eins noch“, sagt er zu uns „Der Christian soll doch mal anfangen Tagebuch zu
schreiben. Einfach so lose seine Gedanken, wenn ihn was bedrückt, ja?“
Der Herr Doktor hat mich noch nicht mal anhören wollen, oder mich direkt nach
meiner Gemütslage gefragt.
Die Mama hätte ihm ja alles Mögliche sagen können über mich. Muss der mich denn
nicht darüber fragen?
Naja, als Arzt wird er schon wissen, was er macht. Die wissen doch alles. Und
außerdem habe ich der Mama heute Morgen ja auch alles gesagt, wie ich mich so
fühle in letzter Zeit.
Naja gut, sagen wir mal fast alles! Dass ich manchmal auch nachts die vielen Stimmen
höre und mit denen rede und dass ich viel lieber alles zusammenschlagen würde bis
ich nichts mehr um mich rum höre, das sag ich mal lieber nicht. Sonst denken die am
Ende noch, dass ich verrückt bin…
Mittlerweile ging ich zusätzlich zum Boxtraining, das ich immer noch fleißig
zusammen mit Harald besuchte, zusätzlich auch seit fast einem Jahr ins Ju-Jutsu
Training im Nachbarort.
Hier war ein Bekannter meiner Eltern, der im Berufsleben bei der Bereitschaftspolizei
unter anderem Nahkampf -ausbilder war, Trainer und durch den konnte ich da mit
hingehen, obwohl ich eigentlich damals noch zu jung für dieses Training war! Denn da
hier nicht nur, wie im Judo Würfe, Haltegriffe, Hebel und Würgegriffe gelehrt wurden,
sondern zusätzlich noch Tritte, Schläge und Sprünge, gab es damals eine
Altesfreigrenze mit mind. 15 Jahren, damit man dort trainieren durfte. Ich jedoch war
ja erst zarte 13 Jahre alt!
Das war auch genau das, was ich brauchte, hier konnte ich voll aufgehen!
Und vor allem war dieser Kampfsport, mir so perfekt gelegen, das man meinen
konnte, ich wäre dafür geboren worden!
Innerhalb kürzester Zeit absolvierte ich ohne Anstrengung die ganzen Gürtel -
Prüfungen, die erforderlich waren, damit man auch bei Wettkämpfen teilnehmen
konnte. Und so trat ich bereits mit 14 bei den ersten Wettkämpfen an, dies natürlich
mit Ausnahmegenehmigung vom Verband, die ich durch die Unterstützung meines
Trainers bekam, sowie mit ärztlichen Attesten.
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Ich trainierte dann auch bald jeden Tag, immer zusammen mit den Erwachsenen, da
es keine Jugendlichen in meinem Alter dort gab.
Nach einiger Zeit hörte ich dann auch mit dem Boxen auf und konzentrierte mich ganz
auf Ju-Jutsu.
Ich wurde bald auch schon unterfränkischer Meister, dann nordbayrischer Meister
und im selben Jahr auch direkt bayerischer Meister, wohlgemerkt in der Altersklasse
ab 16! Da war dann Schluss, denn höhere Meisterschaften gab es in dieser
Altersklasse nicht.
Ich galt dann schon bald auch als absolutes Ausnahme -talent und wurde vom
Nationalverband als jüngstes Mitglied in die deutsche Jugendnationalmannschaft
aufgenommen!
Im darauffolgenden Jahr wurde ich über den bayrischen Meister hinaus auch
Süddeutscher und Deutscher Meister, legte die Prüfung mit Bravour zum 1. Dan ab
und trainierte täglich. Dadurch konnte ich auch sehr gut, die nächtlichen Stimmen
kompensieren und in Zaum halten. Stellenweise oder besser gesagt, zeitweise waren
die zwar immer wieder mal da und nervten, aber trotzdem hatte ich das gut im Griff.
Was ich aber nicht so sehr im Griff hatte, war zum einen die schulische Leistung von
mir. Ich hatte zwar bei den ganzen Proben und Prüfungen keine großen
Schwierigkeiten, aber mein Betragen und mein Fleiß waren so bescheiden, das ich
trotzdem kurz vor dem Rausschmiss aus dem Gymnasium war.
Auch nahmen die Anzahl meiner Schlägereien, die jetzt immer öfter vorkamen,
entsprechend meinen Erfolgen im Ju -Jutsu an Häufigkeit zu, da ich halt gar keinem
Streit mehr aus dem Weg ging.
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Zu diesem Zeitpunkt definierte ich mich fast ausschließlich über den Sport sowie über
meine Erfolge bei den Straßenschlägereien.
Von denen kriegten zum Glück meine Eltern, und vor allem mein Vater aber nichts
mit, da die ihr eigenes Ding machten und mich somit links liegen ließen, oder positiver
ausgedrückt, mir meine Ruhe ließen!
Ich denke, dass mein Vater, trotz allem dann doch insgeheim stolz auf meine
sportlichen Erfolge war und vielleicht auch wegen meiner Leistungen bei den
Kämpfen den entsprechenden Respekt davor hatte um dadurch auch keinen Ärger,
zumindest aktiv zu provozieren. Immerhin war ich zu dem Zeitpunkt auch schon fast
in seiner Gewichtsklasse!
„Sie sprachen sehr unregelmäßig mit mir. Oft monatelang gar nicht, das sind die guten
Zeiten, in denen ich auch echt fast immer voll gut gelaunt bin und so“
„Und dann auf einmal werde ich voll traurig, einfach so. Anscheinend sind das dann
Depressionen und reagiere in Belastungssituationen mit Schlafstörungen. Aber zu
diesem Zeitpunkt fühle ich mich noch eigentlich normal nur vielleicht krank oder so.
Aber Normal halt, verstehste?“
“Später habe ich dann auf einmal Angstzustände, weil ich merke das mich
irgendjemand verfolgt und bedroht.“
„Nach und nach kann ich dann diese Gedanken und die Gefühle nicht
beiseiteschieben und mich mit irgendetwas ablenken. Irgendwie kann ich das dann
immer weniger kontrollieren.
„Ich sag Dir, die scheiß Stimmen werden von Jahr zu Jahr unerträglicher. Panikartige
Angstzustände sind es dann und von ich fühle mich dadurch komplett unruhig und
irgendwie habe ich dabei auch noch Schuldgefühle obwohl ich doch gar nix gemacht
hab.“
„Ich schlaf dann in Panik ein und wache in Panik auf. Falls ich überhaupt schlafen
kann.“ Aber ich möchte diese Stimmen dann einfach nicht hören. Die machen mich
sonst noch verrückt. Die reden auch alle voll durcheinander. Nicht so wie in nem
Gespräch. Die sind allemal laut, mal leise, Frauen, Männer, Monster, keine Ahnung
was alles, aber die reden so durcheinander, das ich echt dann voll irrewerde. Und vor
allem hören die nicht auf, egal wie ich mir die Ohren zuhalte oder sonst so tut.“
„Ich fühle mich auch oft beobachtet, irgendwie, obwohl das gar nicht sein kann, weil
ich z.B. manchmal dabei auf dem Klo allein hock, Haha krass oder?“
„Voll, der Psycho-Scheißdreck!“
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„Sag es aber bloß keinem, hörst Du! Wenn ich irgendwie rauskriege, dass Du die
Fresse aufgerissen hast, und die Leute schauen mich komisch an deswegen und gehen
mir am Ende noch aus dem Weg oder so, dann mach ich Dich platt!“
„Ach, vergiss den ganzen Scheiß am besten wieder. Komm geh wir was saufen…“
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16. September - 3. Oktober 1985 / Tagebucheinträge
16. 9.: Irgendwie habe ich bei der Arbeit in letzter Zeit voll die Probleme irgendwie.
18. 9.: Besuch von Tante Käthchen. Sie sagt ich sei nicht gut? Was meint sie damit?
Ich lerne doch in Büchern aus dem Betrieb, um mir technische Details von meiner
neuen Arbeit zu erwerben.
20. 9.: Ich laufe komplett planlos in den Straßen herum, anstatt nach Hause zu gehen.
Auf einmal stand ich bei Papa in seiner Firma in der Empfangshalle, wie er beim
Nachtdienst war. Ich zeigte ihm die zerrissenen Blätter, die ich zusammengeklebt
hatte. „Die habe ich für Herrn Reismann,“ das ist mein Chef, „fot okopieren müssen,
dann hat er sie zerrissen. Warum, konnte er mir nicht sagen.“ Papa schüttelte aber
nur den Kopf und meinte, dass ich wohl krank sei und nach Hause ins Bett soll.
21. 9.: Papa weckt mich mitten in der Nacht, weil ich so unruhig im Bett wäre, sagt er.
Und dann wollte er noch, dass ich morgen früh nicht zur Arbeit gehen soll, sondern
lieber zum Arzt.
22. 9.: Natürlich gehe ich trotzdem zum Dienst. Da ruft Papa in der Firma an, um ihnen
mitzuteilen, dass ich krank sei. Ganz, toll. Deswegen wurde ich dann auch
heimgeschickt. Beim Doktor sage ich aber nix dazu, außer dass ich nicht krank sei und
der Papa sich da was zusammenspinnt. Während unseres Spaziergangs nach Hause,
versuche ich mir nochmal zusammenzureimen, was Papa wohl hat, Nach mehreren
Stunden sehe ich wieder ganz klar. Ich schlafe auch sehr gut in dieser Nacht.
23.9.: Bin heute gejoggt und war danach im Boxtraining. Voll im Stress heute
gewesen. Dann weckt mich Papa schon wieder mitten in der Nacht, weil ich so unruhig
wäre. Dann hat er noch voll viel gelabert, was ich aber gar nicht mehr alles weiß, bis
ich endlich wieder eingeschlafen bin.
24. 9.: Dann heute Morgen versucht mich Papa direkt ins Krankenhaus zu bringen.
Aber da ich das nicht eingesehen habe bin ich ihm immer wieder davongerannt, Haha.
Naja, irgendwann hat er es dann doch geschafft und mich hingebracht. Nach der
Untersuchung gingen wir durch die Stadt zu meiner Firma. Da ist mir aber erst einmal
aufgefallen, dass da die voll komischen Leute zu uns rüber starren. Die Leute waren
auch überall. Die haben mich alle voll komisch angeschaut und über mich rum
getuschelt. Was für dumme Wichser! Die waren auch bei mir in der Firma alle. Und
nicht nur die, sondern auch alle Kollegen und so. Die waren alle voll komisch. Was
haben die denn? Irgendwann ist mir dann die Hutschnur geplatzt und ich habe direkt
den Rädelsführer, meinen Chef am Kragen gepackt und ihm Bescheid gesagt, dass ich
das alles merke und so. Und dass ich nicht so ein komischer Freak sei und dass ich alle
hier auch platt mache kann, wenn ich will. Da hat dieser jämmerliche Bastard doch
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tatsächlich die Bullen angerufen und die haben mich dann in die Klapse nach Lohr
gebracht!
Und dort hat man mir wegen meiner Randale gleich mal so einen Elefantentöter
gespritzt, dass ich innerhalb von Sekunden weggetreten bin. Kampflos war und dann
weiß ich nichts mehr. In der Nacht haben mich die Stimmen geweckt und sprechen
alle wieder total wirres Zeug, bis ich laut rumschreie, dass sie mich in Ruhe lassen
sollen. Da geht die Tür a uf und so ein komischer breiter Krankenhausschwesterntyp
kommt rein und gibt mir direkt ohne Vorwarnung schon wieder so eine scheiß
Drecksspritze. Bevor ich überhaupt noch groß reagieren kann, weiß ich schon nichts
mehr.
25. 9.: morgens dann beim Doktor fällt mir wieder ein das ich alles weiß und so. Er
hört mir auch genau zu und nickt nur ab und zu. Ich denke der schreibt aber alles mit.
Ich erzähl ihm auch alles. Auch das ich mit Gott bereits gesprochen habe und so. Ich
zeige ihm auch das Bad vom Zimmer und das ganze Wasser, das da drin auf dem
Boden ist. Ist ja auch klar, denn da haben sie mich auch beerdigt, glaub ich. Dann
brach ich in Tränen aus, weil ich jetzt auf einmal gar nimmer sicher bin, weil ich doch
mit dem A rzt rede, kann ich gar nicht tot sein. Ich bin jetzt echt vollkommen
verzweifelt und heule nur noch rum und rede dabei wirres Zeug. Das sagt zumindest
der Arzt und nickt. Der sieht auch genauso aus wie mein Hausarzt zuhause, oder? Da
ich zu heute gar nichts weiß, glaube ich, dass ich den ganzen Tag geschlafen habe.
26. 9.: Heute wache ich bei meiner Beerdigung auf, merke aber da, dass nicht mein
Sarg ist, in dem ich liege, sondern ich liege auf dem vollkommenen nassen Bad Boden
in meinem Zimmer. Ich schrei um Hilfe und die Krankenhaustypen springen wieder
gleich rein zu mir. Ich erkenne jetzt auch, dass das keine Krankenschwestern sind ,
sondern das sind alles Wächter. Ich erkenne auch, dass davon viele sind, die ich kenne.
Zum Beispiel mein Chef ist einer davon. Auch ein paar meiner Freunde und so. Na klar,
denke ich mir die haben mich hier eingesperrt. Ich bin nicht bei meiner Beerdigung,
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sondern die haben mich abgeholt und wollen mich nicht mehr rauslassen. Dann weiß
ich nichts mehr. Wahrscheinlich haben die dummen Wichser mir wieder was
gespritzt, das mich umgehauen hat. Am Mittag, als ich wieder aufgewacht bin, habe
ich mich erstmal konz entriert und überlegt, wie ich hier rauskomme. Auf jeden Fall
muss ich so tun, als dass ich denen glaube und das Spiel mitspielen, bis ich eine
Fluchtmöglichkeit finde. Mit diesem Plan bin ich zufrieden und schlafe wieder ein.
27. 9.: Spaziergang durch den Park zum Arzt. Dort zurückbestellt für Mittwoch.
Waldspaziergang. Also nicht Wald, sondern Park hier. Ist ja ein Zaun drum. Auf einmal
sehe ich die eine junge Krankenschwester von heute Morgen als ganz alte Frau in den
Wagen einsteigen. Im Wagen jedoch sah ich sie dann wieder richtig. Na klar, hier ist
nichts richtig. Die gaukeln mir das hier alles nur vor. Dann treffe ich so nen komischen
Typen, dem ich aber irgendwie vertraue, weil er so coole Sprüche draufhat. Der läuft
mit mir mit. Er sieht hier auch das alles so wie ich als große Lüge und so. Oft zeigte er
mir Gegenstände und fragte mich, ob ich das auch so sehe und ob es wirklich so sei.
Ich konnte ihm bestätigen, dass er alles richtig sieht und hört. Leider verabschiedete
er sich dann plötzlich und ich ging wieder ins Zimmer. Wohin auch sonst?
Am Abend musste ich dann zusammen mit so voll den kranken Psychos und Irren hier
drin so eine Art Gruppengymnastik machen. Voll homo. Leichte Schwunggymnastik
mit Atemübungen. Natürlich nutzen die ganzen Übungen eh nichts. Ich werde wieder
geweckt von meinen Stimmen. Ich weiß jetzt auch, dass die mir helfen werden hier.
Das sind nämlich nicht die Bösen, das sind die Guten. Die anderen die ich hier alle
tagsüber sehe, auch meine Eltern die mich hier drin lassen, sind die Bösen. Alle! Alle
bis auf den einen Typen heute Mittag im Park den ich getroffen hatte. Weil ich nicht
gut einschlafen kann, stehe ich auf und laufe durchs Zimmer. Ich b in aber auch nicht
so durcheinander wie sonst nachts. Irgendwann schlafe ich dann doch tief ein.
28. 9.: Parkspaziergang mit Capitano, das ist der Typ den ich gestern kennengelernt
habe. Er fragt oft, ob ich diese Bäume so sehe. Ich sah das gleiche, was er mir
schilderte. Alles war richtig. Ebenfalls erkundigte er sich, ob ich das gleiche höre. Auch
dies kon nte ich bestätigen. Dann machen wir zusammen Lockerungsübungen,
Gymnastik und kleiner kurzer Dauerlauf, Atemübungen und Kopf hoch. Ich kann
meinen schon etwa fünfzehn Minuten hintereinander hochhalten. Ich bemerke aber
schon die ganzen Beobachter hier im Park, die uns so anstarren, als wären wir Beide
Geister. Und tuscheln tun die auch wieder. „Ihr Pisser, ich sehe Euch“ schreie ich
denen hinterher und fange an schrill zu lachen. Da drehen die sich schnell um und
hauen ab. Ausgezeichneten Appetit hab e ich heute. Wir sind alle müde und gehen
noch vor 21 Uhr schlafen.
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29. 9.: Für 10 Uhr bei dem Stationsarzt bestellt. Beim heutigen Spaziergang merke ich,
dass ich irgendwie auf einmal Angst vor Hunden habe. Bin unruhig und ängstlich. Die
Atmosphäre hier im Krankenhauses ist irgendwie ganz schön irre. Vom Flur aus kann
man in jeden Raum sehen, da die Zimmertüren tagsüber alle offen sein müssen. Die
sagen zwar zu uns, das wäre nur zu unserem Schutz. Na ist klar, ne! Zuletzt kamen
wir zum Aufenthaltsraum. Dort war auch ein Fischbassin, Fernsehen, Spiele und
Bücher. Hier ist es zum Glück ruhiger. Dort traf ich dann auch meinen Freund Capitano
und wir gingen zusammen in den Park. Er und ich würden am liebsten jeden Tag
zusammen spazieren gehen. Das wäre für Capitano die beste Heilmethode. Jaja, der
Arme. Naja, eigentlich egal, denke ich mir, Hauptsache ich bin gesund.
30. 9.: Heute waren die Eltern da zum Besuch. Erstmal sitze ich Ihnen fast apathisch
gegenüber, denn was soll ich diesen Verrätern auch groß erzählen? Obwohl ich
zugeben muss, dass ich mich schon ein klein bisschen freue, sie zu sehen. Ich bleibe
bei ihnen sitzen und beruhige sie. Ich sage aber auch ganz klar mit fester Stimme, das
ich sehr gern wieder nach Hause möchte. Dann erzähle ich Ihnen noch leise, damit es
die ganzen Beobachter hier nicht mitkriegen, das hier sogar das Fernsehen so komisch
ist. Im Fernsehe n ist das Bild zweimal zu sehen, einmal so und einmal
entgegengesetzt.
Als sie mich dann beide komisch anschauen und fragen, welches Bild das richtige ist,
sage ich Ihnen das natürlich die Mitte richtig ist. Was für eine dämliche Frage aber
auch, oder? Da fing Mama plötzlich an zu weinen und sie tat mir irgendwie leid. Nach
einer Stunde mussten sie leider das Krankenhaus verlassen. Ich wollte den Arzt
sprechen, aber er hatte keine Zeit für mich.
1. 10.: Am Morgen und am Abend habe ich mehrmals mit den Krankenschwestern
hier gesprochen, um einen Termin zwecks Aussprache mit dem Arzt zu erreichen.
Vergebens. Drecksdumme Kuhn hier!
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3. 10.: Ein weiterer Besuch hier von den Eltern im Krankenhaus. Da es mir hier richtig
scheiße geht und ich auch keine Chance sehe, diesen verfickten Arzt zu sprechen,
sagte ich nochmals sehr betont, dass ich hier jetzt raus will. Sofort raus hier. Jetzt! „Zu
Hause kann ich auch schlafen“, versuchte ich zu erklären. Meinen Versuch, von ihnen
zu erfahren, welche Fragen der Arzt gestellt hatte und was er ihnen über mich erzählt
hatte, konnten oder wollten sie nicht beantworten. Mein Papa sagte nur: „Ach
Christian, das übliche. Er findet es nicht für gut, immer die gleichen Fragen gestellt zu
bekommen. Besser ist, wenn man endlich die Sache ruhen lässt.“ Was meint er damit,
die Sache endlich ruhen lässt? Soll ich etwa für immer hier drinnen bleiben. Ist das ihr
Plan? Was für scheiß Drecksverräter sie sind, meine eigenen Eltern, das glaub ich
nicht! Ich fing an laut und lange zu lachen, solange bis sie sagten, dass sie jetzt wieder
gehen müssten. Wir konnten nur sehr langsam zum Ausgang gehen. Als ich mich um
fünf Uhr von Ihnen verabschiedete, hatte ich den Eindruck, dass ich wieder besser
sehen konnte. Später beim Spaziergang mit meinem guten Freund Capitano sagte er
noch zu mir, er würde alles anders sehen als sonst. Einmal nah, einmal fern. Wie durch
eine rosarote Brille. „Das Fernsehen sehe ich auch einmal so, einmal anders.“ Auf
meine Frage, welches Bild, denn das richtige sei, sagte er: „Die Mitte ist natürlich
richtig!“ Da wusste ich, dass er und ich vollkommen normal sind!
10.10.: Einen Termin zwecks Aussprache mit dem Arzt konnte mir die Schwester
wieder nicht geben, da er sich hier ja um so viele Patienten kümmern müsse und so.
Die denken echt alle, dass ich plemplem bin, oder was? Später kamen dann meine
Eltern mal wieder zu Bes uch. Aber was soll ich denen groß erzählen von hier? Die
wissen doch eh Bescheid, da sie ein Teil dieser ganzen Verschwörungsmasche um
mich herum sind. Als ich mich diesmal von Ihnen verabschiedete, sagte ich Ihnen
noch, dass ich am liebsten wieder mit Ihnen nach Hause gehen würde…
Feststellung
„Das war das letzte Mal, dass Christian Ronald Balling das sagte und auch wollte, danach brach er
den Kontakt ab und verweigerte ab diesen Zeitpunkt jeglichen Versuch zur Kontaktaufnahme oder
Besuch von seinen Eltern…“
Der Verfasser
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Normal sind nicht die Anderen / Nachtwanderung
“Christian, hallo! Haaalllooo Chris!
Christian, hey Christian, komm steh auf!
Aufstehen, hörste DU!
Aufstehn! Aufstehn! Du musst jetzt aufstehn!
Du schaffst es, Du packst es,
denn Du hast doch jetzt die Kraft es zu machen,
zu packen und dann nicht mehr loszulassen!
Wie' n Monster, 'n Greifer, hier kommt er der Beißer!
Auf Angriff seit Anpfiff, so lang bis du Angst kriegst!
Du denkst das ist ein Test?
Nein, kämpf und brennt Dein Herz, dann hältst du es jetzt fest, denn es trennt dich
sonst vom Rest!
Da sind keine Schmerzen, nichts, was dich berührt!
Im Herzen, das dich führt, da gibt es keinen Schmerz!
Das hier bringt dich weiter, lass dich darauf ein und du beweist, was es heißt, ein
wahrer Fighter zu sein!
Ja du weißt es doch genau, was einen richtigen Fighter wirklich ausmacht, richtig?
Ja komm, beweis uns, was es heißt, ein Fighter zu sein!
Ja Du ganz allein!
Du liebst sie, die Schwerkraft, sie gibt dir noch mehr Kraft,
im Kampf um die Herrschaft, hat mehr Macht, wer mehr macht!
Du weißt, dass du's wert bist, denn was du erfährst, ist die wahre Erkenntnis, egal was
im Weg ist!
Du kämpfst wie ein Löwe oder ein Tiger, du kämpfst mit Herz und Mut, denn du bist
ein Gewinner!
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Und wenn der Sieg dann Dein ist, hältst du ihn fest!
Denn er trennt dich vom Rest der Masse, keiner da draußen hat unsre Klasse!
Für Dich gibt´s keine Schmerzen, nichts kann Dich berühren, egal was Sie tun, wirst Du
kein Leid spüren!
Für Dich gibt es keinen Schmerz, das kann ich garantieren!
Du musst mir nur vertrauen, wir werden sie blamieren!
Wir werden sie zerschmettern oder auch zerdrücken, egal wie wir´s machen, wir
werden gewinnen!
Du musst ein Fighter sein, ein Kämpfer, ein Vollstrecker!
Wir machen alle platt, wir müssen es jetzt tun, denn langsam bin ich wütend auf diese
ganzen willenlosen Hüllen!
Auf die Marionetten der anderen, die sich da draußen rumschleichen, die uns
ausspionieren und die uns nie erreichen!
Wir stoppen diese Brut, wir werden Sie vernichten, keiner von den Hüllen kann uns als
Ihren Gott auch nur entfernt was richten!
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Genug ist genug, nun komm, wir sind bereit! Wir müssen es JETZT tun, sonst haben sie
zu viel Zeit!
Um sich gegen uns zu formieren mit ihren ganzen Waffen! Ach Chris, mein Freund, das
werden die nie raffen!
Dass wir hier drin bei Dir unsre Pläne schmieden, deshalb ich sag’s nochmal, werden
wir hier siegen!
Komm Fighter, komm Kämpfer, steh auf, und leg jetzt los, denn jetzt ist unsre Zeit, oh
ja wir werden groß!
So, jetzt weißt Du, was es heißt, ein Fighter zu sein!
Ein Kämpfer und Vollstrecker, beweise es mein Freund!
Das Gesetz bleibt dir treu und der Schmerz ist dein Freund,
denn du wächst dran, und weißt auch, du wirst es nie bereuen
Und du stellst dich erneut und hast das Ziel im Visier,
hast deinen Blick fokussiert, weil dich nichts irritiert.
Glaub mir, so sieht keiner aus, der aufgibt oder verliert!
Nein, Du bist wach, klar?!
Du hast jetzt die Macht, mach's wahr!
Denn alles das, was zählt, ist das wir nun beginnen, mit der Zerstörung der Anderen
da draußen!
Aber beginnen werden wir hier drinnen!
Die denken doch, wir schlafen und sind auch noch ganz schwach! Ha, die werden sich
gleich wundern, aber mache keinen Krach!
Sei leise, hart und grausam, dann kann uns nichts passieren,
Denn bevor die überhaupt was merken, haben wir sie kastriert.
Wir packen die Männer bei den Eiern und die Weiber bei den Dumme Kuhn!
Wir quälen Sie ohne Rücksicht und ohne Reue!
Wir schenken Ihnen Schmerzen bis zum Kotzen!
63
Ich weiß Du bist jetzt wach, also höre meinen Plan!
Heute in dieser Nacht fangen wir jetzt an!
Von Zimmer zu Zimmer, wir werden immer schlimmer!
Feind auf Feind, ich freu mich schon auf ihr Gewimmer!
Diese Verräter und Lügner und Hüllen der anderen, werden wir jetzt zerstören!
Sonst kommen wir hier nie heraus und werden denen gehören!
Du bist ein Fighter, ein Beil, ein Speer, der sie durchbohrt!
Nun komm, Christian Ronald Balling, Du hast mich nun gehört!
Nun komm, Christian Ronald Balling, Du hast mich nun gehört!
Christian Ronald Balling, Christian Balling, Chris, komm Du hast mich jetzt gehört!
Steh einfach auf, den Rest wirst Du schon sehn!
Von mir, Deinen Freund, Deinen Schatten, Deinen Hass!
Deine Kraft, Deinen Willen, Den starken Puls Deiner Macht.
Lass mich einfach nur machen, was ich schon immer mach,
Nun komm, mein Freund, wir schreiten durch die Nacht.
Die Nacht der langen Schatten, der scharfen Klingen und des Blutmonds!
Gut so, ich bin da, ich bin da und ziehe los und mach sie platt!
Deswegen wünsche ich Dir jetzt eine schöne gute Nacht!!!“
64
Sommer 1986 – Ich bin raus…
“Meine Oma sagte, mit dem Hass wurde ich schon geboren…”
“Meine Mutter sagte, dass ich halt wilder war als andere Kinder und schon immer
böse Gedanken hatte…”
“Mein Erzeuger sagte, dass ich ein vom Teufel erschaffener Bastard war…”
„Mein Psychiater sagte, dass ich eine dissoziale Persönlichkeits-störung habe…“
„Der Richter sagte, dass ich hasserfüllt und nicht gesellschaftsfähig sei…“
“Ich sage, das ist alles Bullshit und gelogen---”
“Ich habe die Stimmen gehört und die sagten ich bin ein Ergebnis meines Umfeldes
bin…”
“Ich sage Euch, Ihr habt Euch mit dem Falschen angelegt!”
„Wer ich bin, wollt ihr wissen?“ Eigentlich ist die Frage leicht beantwortet.
Wenn nur das „Eigentlich“ nicht wäre…
Ich wurde in einer dunklen Ecke gezeugt…
Ich war von Anfang an ein Unfall!
Meine Kindheit verlief nicht immer ohne Probleme!
In meiner Jugendzeit lernte ich meine inneren Dämonen kennen!
Ich hatte mit großen Schmerzen erfahren, was es bedeutet, von allen verraten zu
werden!
Jetzt stellt sich immer noch die Frage, wer ich bin!
Wo ich herkomme, war es normal sich über Gewalt zu definieren!
Falls mich keiner stoppt, werde ich solange die anderen vernichten wie ich kann!
Ich mache das, weil ich es tun muss und weil es so sein muss!
Ich weiß nicht, was genau mich dazu antreibt, aber es ist schon immer ein Teil von
mir!
Auch Dich werde ich nicht verschonen!
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Falls du die Möglichkeit hast, flüchte so schnell und so weit wie Du kannst!
Denn Du kannst kein Erbarmen von mir erwarten, hörst Du?
Ich werde Euch alle vernichten!
„WIR“ werden Euch alle vernichten!
Meine Erzeuger versuchten, mich in der Anstalt loszuwerden!
Die Ärzte dort versuchten, mich mit Therapien und Medikamenten ruhig zu stellen.
Doch Ihr habt es nicht geschafft!
Was passiert also, wenn man ein Kind alleine in einer Anstalt lässt?
Richtig, es wird an ihm experimentiert!
Die Forscher und Ärzte konnten alles tun, was sie wollten, und niemand hielt sie auf!
Es waren extreme Schmerzen, die ich aushalten musste! Tag für Tag! Sekunde für
Sekunde! Es nahm und nahm kein Ende!
Doch meine inneren Dämonen halfen mir in dieser Zeit mich zu befreien, und als ich
schon dachte, ich schaffe es nicht, bewegte sich etwas in mir und erweckte mich!
Sie weckten mein wahres Ich und führte mich ans Licht!
Ihr dachte zwar, dass außer mir niemand im Zimmer sei, aber da lagt Ihr falsch!
Denn in dieser einen Nacht, vollzog ich die Verwandlung vom verlassenen und
verratenen Kind zum Vollstrecker!
In dieser Nacht sollte meine Hilflosigkeit ein Ende finden!
Denn egal was Ihr meinem Körper angetan habt, meine Gedanken waren frei und
niemand konnte sie erraten.
Sie flogen vorbei wie nächtliche Schatten.
Nur ich konnte sie wissen!
Sie zerrissen die Schranken der Fesseln von Euch, und so war ich frei um Euch dann
zu richten!
In dieser dunklen Nacht haben alle geschrien, die Fenstergläser zerbarsten!
Die Explosion war so stark, dass die Türen aus den Angeln gerissen wurden!
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Überall dichter Qualm von Euren eigenen Chemikalien!
Die brannte so gut und fütterten den mächtigen Brand!
Erst sorgte ich dafür, dass die meisten der anderen um mich herum nicht aus ihren
Zimmer rauskamen, um dann den Wächter und die Stationsärztin in den Keller zu
locken, zu töten und ins Feuer zu schmeißen!
Mein Körper bewegte sich wie von alleine zu den äußeren Türen. Eine Macht, so
dunkel, mächtig und bösartig, strömte aus mir, um all dies zu tun!
Die Notausgänge, sowie die Türen hatte ich dann verriegelt, mit Euren eigenen
Schlüsseln!
Ich hoffte wirklich, dass so viele in dieser Nacht, die in der Anstalt drin waren, auch
jämmerlich verreckten!
Nur so hatte ich die Sicherheit, dass man nicht nach mir suchen würde, um mich
wieder einzusperren!
In den Wochen nach dieser perfekten Aktion ließen langsam die vom Hass geschürte
Wut und mein Zorn nach.
So kehrte dann auch wieder Stille in meine Nächte ein!
Ich war nun da! Ich fühlte mich mächtig und gut, sehr gut sogar!
67
Nach der anstrengenden nächtlichen Aktion habe ich das Bewusstsein verloren und
wachte im Keller bei meiner Oma wieder auf. Dann kroch ich irgendwie durchs
Treppenhaus hinauf zu Ihrer Wohnungstür. Dann wurde es wieder dunkel um mich
herum.
Als ich dann wieder aufwachte, waren meine Hände und Beine mit Bandagen
verbunden und ich lag bei meiner Oma im Bett. Adolf grinste mich von der Wand aus
an und ich grinste zurück!
Doch mein Kopf war frei und noch nie so klar wie an diesem Morgen. Ich schaute mich
im Schlafzimmer um, doch es war nichts Besonderes zu sehen. Alles war so, wie ich
es noch von früher her kannte. Meine Oma erzählte mir von dem tragischen Unglück
in der Anstalt und das ich vermisst wurde.
Bei dem Feuer kamen insgesamt 25 Menschen ums Leben und die Klinik musste
geschlossen werden, nachdem die Ermittlungen ergaben, dass hinter den
Anstaltsmauern, mit Chemikalien und sonstigen bewusstseinsverändernden Stoffen
an den Patienten neuartige Resozi alisierungsversuche ohne Genehmigung des
Staates vorgenommen wurden.
Auch wurden gegen die Anstaltsleitung und gegen die dort praktizierenden Psychiater
wegen grober gefährlicher Körperverletzung usw. von einer Bundesbehörde die
Ermittlungen aufgenommen. Dadurch und durch die Tatsache, dass von mir leider
keinerlei Unterlag en oder Befunde gefunden wurden, war ich einer der wenigen
Glücklichen, deren Klinikaufenthalt durch eine ambulante Behandlung bei einem
„normalen“ Nervenarzt in der Stadtmitte ersetzt wurde.
Mein Vertuschungsversuch durch das gelegte Feuer war damit zwar eigentlich im
Nachhinein unnötig gewesen und es hätten weitaus mehr Kranke überleben können,
aber das war mir eigentlich egal!
Ich glaube, so etwas nennt man Kollateralschäden oder so ähnlich!
Nahm ich dann Kontakt zu meinen Eltern oder meine nicht vorhandenen Freunde
auf??
Nein! Natürlich nicht!
Auch lehnte ich, genauso wie die Monate davor in der Anstalt weiterhin alle
Kontaktversuche von diesen verfluchten Verrätern kategorisch ab und lebte ab
diesem Zeitpunkt bei meiner lieben Omi!
68
Den scheiß Alkoholiker, der bei ihr zu dem Zeitpunkt noch hauste, machte ich dann
auch sehr schnell klar, dass er in der Wohnung nichts mehr zu suchen hatte.
Komischerweise war er nach kurzer Zeit auch wie vom Erdboden verschluckt nicht
mehr da und war auch bald vergessen!
69
Einer Person, die unter Drogen und Schock steht, kann man befehlen zu töten, wen sie töten soll,
wie sie es machen soll, was sie nachher sagen soll. Scientologen, die Psychiatern technisch
überlegen sind und moralisch Lichtjahre über ihnen stehen, verurteilen die offizielle
Gleichgültigkeit gegenüber der Drogen-Elektroschock-Behandlung aufs Schärfste … Eines Tages
wird sich die Polizei der Psychiater annehmen müssen. Der Psychiater wird entlarvt werden.
– L. Ron Hubbard, Pain-Drug-Hypnosis
(Schmerz-Drogen-Hypnose), 1969.
Kampfzone 1:
(1986 - 1989)
70
Meine besoffene Nazi-Oma und ich…
71
Ja, so kann es ausgehen, wenn man jemanden wie mich dazu einlädt, einem
Schmerzen zuzubereiten!
Und das auch noch bis zum geht nicht mehr. Natürlich geht es nicht gleich immer so
aus. Aber bestimmt auch. Man hört schließlich genug von diesen Amokläufen und
Selbstmordversuchen. Doch alle verschließen die Augen davor und sehen weg.
Niemand spricht darü ber. Und wenn, dann heißt es eher: „Ich hätte das dem nie
zugetraut.“ oder „Man hat dem gar nichts angesehen.“
Und solchen Mist halt. Leute! Ehrlich mal, niemandem steht auf die Stirn geschrieben:
„Ich will sterben“ oder so. Wenn man jemanden gut genug kennt, sollte das reichen.
Aber viele wollen es schon gar nicht wahrhaben. Schämt euch!
Ich erzähle euch jetzt mal die Geschichte von der kleinen Melanie damals. Wie ich
damit fertig wurde, mit den anderen und was alles passiert ist. Vielleicht kapiert ihr
dann einmal, dass man die Augen vor solchen Sachen nicht verschließen sollte, denn
so macht man sich nur mitschuldig und man beweist, dass man feige ist. Natürlich
braucht es Mut, einzugreifen. Ich verlange ja auch von niemandem, dass man gleich
jeden beschützt und dazwischen geht, wo man sieht, dass diese Person fertiggemacht
wird.
Ich verlange gar nichts. Es liegt an euch, was ihr tut. Man kann auch anders handeln.
Hilfe holen. Mit Vertrauenspersonen sprechen und so. Oder man kann, so wie ich es
tat, die gute Gelegenheit halt ausnutzen und die Sache abschließend beenden!
Und natürlich ist es auch nicht einfach zu wissen, wie man eingreift und wann es
wirklich Zeit wird einzugreifen. Aber lieber mal etwas früher eingreifen und fragen,
was los sei, als zu warten, bis es dann zu spät ist. Denn das Opfer wartet vielleicht
nicht allzu lange und handelt selbst. Und wie das Opfer handelt, kann man sich auch
denken.
Also: Schau nicht weg und mach dich so nicht mitschuldig, sondern beende das Leben
dieser lebensunwürdigen Gestalten lieber gleich selbst!
Krachend brach der harsche Schnee unter meinen Stiefeln, als ich für einen Moment
innehielt und ein letztes Mal zum Denckler herübersah, den ich nach meiner Tat für
immer hinter mir lassen musste.
Man kannte mich dort zwar als liebenswerten, vielleicht etwas Wortkargen jungen
Mann, der das Herz am richtigen Fleck trug und bei seiner Oma wohnte. Viele Jahre
habe ich mich stets bemüht das wilde Tier in mir auszublenden, es zu unterdrücken
und drinnen festzuhalten, doch sollten mit der letzten Nacht meine Bemühungen
endgültig zum Scheitern verurteilt sein. Beim letzten Blick auf alles, was mir je
vertraut gewesen ist, fragte ich mich, wie lange es wohl gehen wird, bis man sie
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findet? Bis man ihren geschundenen Leib aus dem See zieht, oder gar ihr Fehlen
bemerkt. Wie konnte ich mich nur so gehen lassen? Wie hat das eine nur so rasch zum
anderen führen können? Mir scheint als würde mein gesunder Menschenverstand
stündlich schwinden und zurück bleibt nur jene Bestie, jenes wilde Untier – meine
wahre Persönlichkeit. Aber wenn ich mir überlege, war sie halt auch eine beschissene
Drecksschlampe und immerhin auch selbst schuld an dem Ausgang Ihres Angebotes!
Ich war schon immer sonderbar!
Anders als jene Menschen die mich auf meinen Wegen begleitet haben. Dies fiel mir
schon im Kindesalter auf, doch besaß ich die Gabe mich an mein Umfeld anpassen zu
können. Ich lachte, wenn es die anderen taten, weinte, wenn es angebracht war, und
prägte mi r die gesellschaftlichen Konventionen so präzise ein, dass mir mein
Schauspiel wahrlich von jedem abgekauft wurde. Doch, was war, wenn man hinter
diese meisterlich geschauspielerte Fassade blickte?
Was, wenn man mich sah, wie ich wirklich war? Nur eine Person konnte dieses
Unmögliche möglich machen. Der Psychiater in der Anstalt damals klärte anscheinend
meine Eltern über meinen Wesenszustand auf. Das denke ich heute zumindest!
„Ihr Sohn ist nicht dazu in der Lage irgendwelche Gefühle zu empfinden“, erklärte er
im Vertrauen und nichts ahnend, dass ich jedes ihrer Worte von meinen Stimmen
erzählt bekam! „Verstehen Sie mich nicht falsch“, sprach er unbesonnen weiter und
versuchte damit den Wind etwas aus den Segeln zu nehmen, „Christian leidet weder
am Asperger-Syndrom noch an einer stärkeren Form von Autismus. Ihm ist es Zeit
seines Lebens einfach nicht gelungen ein Gewissen zu entwickeln, was sich eines
Tages immens auf seine Sozialkompetenzen auswirken kann. Seine richtige Diagnose
nennt sich dissoziale Persönlichkeitsstörung!“
„Völlig unmöglich!“, fiel ihm meine Mutter ins Wort, „Wenn er traurig ist, weint er
doch gleichermaßen wie er lacht, wenn sein Herz mit Freude erfüllt ist. Und nun
wollen Sie mir weiß machen, dass er nicht dazu fähig ist, etwas zu empfinden?!“
Der Psychiater ließ sich von Mutters Wut nicht aus der Fassung bringen. Stattdessen
lehnte sie sich etwas vor, faltete die Hände ineinander und dachte einen Moment
darüber nach, wie er die aufgebrachte Frau würde besänftigen können. Die Wahrheit
war selten einfach zu ertragen, doch war es dringend von Nöten ihr ins Auge zu
blicken. „Man kann Christians’ Verhalten mit dem eines Chamäleon vergleichen, dass
sich von Ort zu Ort an die Gegebenheiten anpasst. Ja er weint, wenn ihm etwas traurig
erscheint, allerdi ngs nicht, weil es ihn berührt, sondern weil er gelernt hat, in
manchen Situationen jene Regung zu zeigen, die man von ihm erwartet.“
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An dieser Stelle brachen meine Eltern das Gespräch mit dem Psychiater ab und klärten
mich darüber auf, dass mich damit abfinden müsse, in der Klinik zu bleiben, diese
verfickten Verräter!
Die ersten Anzeichen dafür zeigten sich nur ein paar Monate später, als ich einem
Hund dabei zusah, wie er selbstständig ein kleines Gartentor mit der Schnauze
aufstieß und fröhlich das vertraute Heim verließ. Ebenfalls sah ich den Krankenwagen,
welcher ohne zu bremsen auf jenen Husky zusteuerte der blindlings auf die Straße
rannte. Der Fahrzeuglenker sah gewiss nicht das, was ich zu diesem Zeitpunkt bereits
vorausahnen konnte. Ich hätte dem Köter das Leben retten können. Dazu hätte ich
nur so laut seinen Namen rufen müssen, dass der in die Jahre gekommene Vierbeiner
zu mir herüberlief. Stattdessen kam kein Ton über meine Lippen und ich wartete ohne
mit der Wimper zu zucken auf den unweigerlich vorprogrammierten Aufprall, auf das
herzzerreißende Aufheulen eines sterbenden Tieres.... und so geschah es!
Heute ist mir klar, dass mich die vorgenannte Situation nicht im Geringsten berührte.
Und ohne es für erschreckend zu empfinden, musste ich mir eingestehen das die
Diagnose vom Psychiater schon auf mich zutraf. Mein Herz zerging nicht ob Mitleid
und Trauer, als ich den Hund jämmerlich verrecken sah. Nicht mal dann, als seine
letzten klagenden Laute an mein Ohr drangen.
An dieser Stelle dürfen sie mich nicht falsch verstehen! Ich hätte jetzt auch bei einem
Menschen nicht anders reagiert!
Ich verspürte an diesem Tag nicht nur keine Trauer, sondern gleichermaßen keinerlei
Freude oder gar Reue! In mir tobte nichts weiter als eine wütende Leere, die mit
absoluter Taubheit einherging. Eines jedoch hat mich in den Bann gezogen; der
metallene Geruch von Blut, der unweigerlich in meine Nase kroch, sollte mich von
diesem Tag an bis heute beschäftigen. Zeitweilen drehten sich alle meine Gedanken
nur um den Geschmack des Todes, den Geruch von frisch geronnenem Lebenssaft,
doch kam mir anfangs nicht in den Sinn für diesen gewöhnungsbedürftigen Hang ein
neues Leben zu zerstören. Bis dato war ich mir sogar fast sicher, dass ich nicht dazu
fähig wäre eine weitere Existenz für mein seltsames Blutfaible opfern zu können und
so kam mir mit den Jahren eine Ide e, die meine Leidenschaft zu einem regelrechten
Fetisch heranwachsen ließ. Mit einem Messer schnitt ich mir ins eigene Fleisch und
begann mich an meinem eigenen Blut zu laben. Schon komisch, oder?
Auch hier machte sich weder Erregung noch Befriedigung in mir breit. Ich mochte den
Geruch, genoss es die roten Tropfen zu beobachten, wie sie von jedem Herzschlag aus
der Schnittwunde gepresst wurden.
Ja, zu diesem Zeitpunkt glaubte ich einen Weg gefunden zu haben meine Eigenart
auszuleben. Zwar war es mir vergönnt mich darüber zu freuen, oder gar mich selbst
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dafür zu verabscheuen, doch schien es mir so, als hätte ich endlich etwas gefunden,
wofür sich das Leben lohnt. Aber nichts lag mir ferner als meinem Dasein ein Ende zu
setzen. Viel mehr wollte ich ganz einfach herausfinden, wie es ist, wenn das Leben mit
jedem neuen Tropfen aus meinem hageren Körper wich. Obgleich ich mir große Mühe
gab ein starkes Glied der Gesellschaftskette zu sein, fiel es mir von Monat zu Monat
immer schwerer die angelernten Chamäleon Fertigkeiten zu meinen Gunsten
einzusetzen. Obwohl meine inneren Stimmen mir regelmäßig Anweisungen gaben,
gingen selbst die mir manchmal echt am Arsch vorbei! Natürlich war es mir auch hier
in keinster Weise möglich die begangenen Taten zu bereuen, oder mich gar vor mir
und meinem Handeln zu fürchten.
Nach diesem leidlichen Vorfall mit dem Hund beschloss die Klinikleitung, dass ich in
der psychiatrischen Klinik fürs Erste am besten nicht mehr vor die Tür käme. Anfangs
tat ich mich schwer diese kleine Freiheit zu akzeptieren, doch bald schon traf ich auf
El Capitano und stellte zu meiner Überraschung fest, dass wir beide uns in so manchen
Dingen erschreckend ähnlich waren. Ganz zum offensichtlichen Missfallen der
dortigen Betreuer freundete ich mich mit El Capitano an, nur um wenige Wochen
später mein Einzelzimmer zu verlassen und mit ihm gemeinsam wieder vor die Tür in
den Park zu gehen. Man war sich der Sache sicher und glaubte fest daran, dass eine
solche Freundschaft pädagogisch gesehen von großem Wert sei. Keiner dieser
Ahnungslosen hätte jemals geglaubt, dass wir uns gegenseitig aufzustacheln wussten.
Mein neuer Freund war ein Borderlinder und somit das perfekte Gegenstück zu
meiner Person. Bald schlossen wir einen Packt der da hieß, dass ich auf ihn aufpasste,
wenn er mich lediglich beim Ritzen zuseh en ließ. Und so schmiedete sich allmählich
eine Verbindung, die über einfache Freundschaft weit hinausging. Ich lehrte ihm die
Kunst auf andere normal zu wirken und er dankte es mir wortwörtlich mit Blut aus
seinen eigenen Adern. Was mir allerdings völlig zu entgehen schien, vielleicht, weil
ich mit derlei Dingen überhaupt nichts anfangen konnte, war die Tatsache, dass er
homo veranlagt war. Diese arme Matschbirne hatte meine Absichten völlig
fehlinterpretiert und ich selbst fühlte mich enorm vor den Kopf gestoßen, als sich
eines Abends seine Lippen auf die meinen legten. Dennoch verspürte ich weder Hass
oder Wut, noch fühlte ich mich von ihm angewidert. Immerhin w ar das einer der
ersten Menschen überhaupt, die mir gegenüber so etwas wie eine Gefühlsregung
zeigten. Wenn ich heute daran zurückdenke, muss es sehr herzlos gewirkt haben, als
ich ihm auf meine kalte Weise offenbarte, wie wenig ich für ihn empfand … weder als
Geliebter noch als Freund oder gar als Mensch. Da er mir etwas geben konnte, wozu
wahrlich niemand sonst in der Lage war, entwickelte ich an ihm ein eigennütziges
Interesse und dabei blieb es. Auf meine wirre Art und Weise wollte mir mein
irrationaler Verstand einreden, dass ich für ihn nicht mehr war als er für mich. Wie
eine Zärtlichkeit alles zunichtemachen kann, ist mir in dieser Nacht nur zu deutlich vor
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Augen geführt worden. Dennoch distanzierte ich mich nicht von ihm, ganz im
Gegenteil! Mir wurde klar, dass eine derlei starke Gefühlsregung mit Leichtigkeit
ausgenutzt werden kann. So rückte ich noch näher an ihn heran und zog aus seiner
Liebe meinen eigenen Nutzen. Was dann geschehen ist, überraschte mich zwar, war
aber ebenfalls nicht dazu in der Lage mein Herz zu erweichen.
Sechzehn Monate verbrachte ich mit El Capitano in der psychiatrischen Klinik, bis zu
dem Tag, an dem ich und meine Stimmen beschlossen die Klinik wieder zu
„verlassen“.
Natürlich sagte ich das keinem, vor allem nicht den Betreuern, doch in mir drin spürte
ich trotzdem nicht die geringste Emotion über meinen Entschluss. Es war mir
manchmal schlicht und ergreifend Jacke wie Hose, ob ich nun hier war oder mein
Dasein andernorts fristete. Es war mir nicht möglich an meiner Flucht etwas Positives
zu sehen und gleichermaßen fiel mir auch nichts Negatives ein, was ich darüber hätte
sagen können. Für El Capitano hingegen fand ich es schade, da ich ihn ja mit opfern
wollte, aber das musste nun mal sein. Letzten Endes war es aber egal, da er sowieso
eine beschissene Matschbirne war!
Das einzigartige Geschenk seiner Hilfe wusste ich zu schätzen, doch war mir gewahr,
dass mir seine Freundschaft keine Sekunde fehlen würde.
Für mich änderte sich erst mal nicht viel, als ich wieder bei meiner Oma war, denn ob
ich hier mein Schauspiel zum Besten gab oder irgendwo anders, war mir schlichtweg
egal. Mittlerweile beherrschte ich meine Chamäleon Fertigkeiten im Schlaf. Wie sich
herausstellen sollte, waren die normalen Menschen auch wesentlich einfacher zu
überzeugen. Kaum einer wusste von meinem Aufenthalt in der Psychiatrie, was mir
den Einstieg in einem neuen sozialen Umfeld tatsächlich erleichterte. Mit den Jahren
wurde ich ein ne uer Mensch. Ebenjene Person, die man in mir sehen wollte! Ja, es
gelang mir tatsächlich mich meinem Umfeld so perfekt anzupassen, dass kein einziger
erahnen konnte wie es wirklich um mein Seelenheil stand. Meine Oma erzählte mir
viel vom Krieg und wie das mit den Faschisten wirklich war und so.
Durch Sie weiß ich auch, dass es Adolf Hitler ausschließlich darum ging, uns nicht
unsere Besitztümer von den Faschistenschweinen abnehmen zu lassen. Das wollte er
vor allem verhindern. Auch hatten diese Schweine ja ausreichend Gelegenheit dazu,
Deutschland für immer zu verlassen. Aber meinste die machten das freiwillig, diese
dreckigen Schmeißfliegen?
Diese Parasiten der Weltgeschichte?
Nein! Und so waren sie auch selbst schuld daran, dass wir gute Deutsche uns etwas
einfallen lassen mussten, um mit diesem Übel klarzukommen. Ja, meine Oma wusste
da echt gut Bescheid, das könnt ihr mir glauben.
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Nachdem meine Oma aber endlich auch das Zeitliche gesegnet hatte, war ich ganz auf
mich allein gestellt, von meinem bescheuerten Cousin Moby einmal abgesehen. Wie
man sich sicher vorstellen kann habe ich meiner Oma nicht die kleinste Träne
nachgeweint, als sie mich im letzten Frühjahr für immer verließ. Zwar zeigte ich mich
angemessen bedrückt, war allerdings recht froh meine Gedanken wieder zu jenen
Dingen zurück lenken zu können, die vor so langer Zeit mein Interesse geweckt haben.
Um die Wohnung in Schuss zu halten suchte ich mir Hilfe und es schien mir einem
Wink des Schicksals gleich, als sich auf die von mir aufgegebene Stellenanzeige in der
örtlichen Zeitung eine junge Frau meldete. Melanie, wie sie sich bei mir vorstellte,
konnte man schlechthin als liebenswerte Schönheit bezeichnen, doch war es nicht ihr
Liebreiz der mein Interesse weckte. Schon bei der ersten Begegnung beschlich mich
das Gefühl als würde meine Haushaltshilfe vor irgendetwas wegrennen. Ihre
schlanken Arme wiesen dieselben Narben auf, wie ich sie schon einmal bei El Capitano
gesehen habe und mich überkam die Hoffnung in Melanie etwas finden zu können,
was mir in den letzten Jahren doch irgendwie gefehlt hat. Jedes Mal, wenn mein Blick
auf ihren selbst zugefügten Narben ruhte, erinnerte ich mich an das einzigartige
Geschenk meines einstigen Freundes. Vermutlich war ich deswegen auch so erpicht
darauf mich mit dieser Frau anzufreunden, sie in meine Obhut zu nehmen. Dabei
träumte ich jeden erbärmlichen Tag aufs Neue vom süßen Blut, welches ob dem
selbstzerstörerischen Hang in feinen Rinnsalen über ihren wohlgeformten Leib rann.
Als ich sie schließlich ein paar Monate nach ihrem Einzug beim Ritzen erwischte, war
es um mich geschehen! Noch heute stelle ich mir die Frage , weshalb mir diese
Schönheit gewährte ein Teil ihres Blutrituals zu werden. Während El Capitano mir
erlaubt hat ihm dabei zuzusehen, gestattete mir Melanie eines Abends sogar selbst
Hand anzulegen. Voller Zärtlichkeit legte sie mir das Messer in die Hand und lächelte
aufmunternd. „Nur zu, ich vertraue Dir!“, kam es sanft über ihre wunderbaren Lippen.
Ob sie nur ansatzweise damit gerechnet hat, dass sie diese Nacht nicht überleben
wird, wage ich zu bezweifeln.
Von Ehrfurcht gepackt schlossen sich meine Finger um dem Knauf des scharf
geschliffenen Küchenmessers, doch anstatt es auf einer heilen Stelle ihrer seidigen
Haut anzusetzen konnte ich dem inneren Drang nicht widerstehen! Ich muss völlig
neben mir gestande n haben, als sich meine Hand in mörderischer Geschwindigkeit
hob und dass Messer noch kurz im fahlen Licht der Schlafzimmerlampe aufblitzte, ehe
es mit brachialer Gewalt auf Melanies Brustkorb hernieder sauste. Bereits nach dem
ersten Stich konnte ich sehe n, wie ihre Augen brachen, wie das Leben aus ihrem
Körper wich, doch war mein unbändiger Durst noch längst nicht gestillt. Fünf Mal habe
ich auf mein Gegenüber eingestochen, ehe ich überhaupt verstehen konnte was vor
sich ging. Nach weiteren drei Stichen k ehrte die Ruhe zu mir zurück, jener
undefinierbare Friede, den ich bisher nur ein einziges Mal in meinem Leben habe
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verspüren dürfen. Allerdings war es bei diesem jüngsten Ereignis noch weitaus
intensiver als damals!
Und ich fühlte mich besser als jemals zuvor! In dieser Nacht ist ein Mensch von uns
gegangen, während das Tier in mir zum Leben erwachte.
Mir war klar, dass dies nicht das letzte Mal gewesen sein sollte, da ich erkannte, dass
diese Gewaltgelage mir und meinem Gemüt sehr gut taten.
Ja, ich befand mich unmittelbar an jenem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt.
Mit jeder verstrichenen Minute entfernte ich mich mehr vom gesunden
Menschenverstand und löste mich von einer Welt, an die ich mich Jahrzehnte qualvoll
angepasst habe.
Möge der Allmächtige euren Seelen gnädig sein, wenn ich sie ihm geschickt habe!
So zog ich dann bei meine Cousin Moby zu einer seiner Nutten mit ein.
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Begegnungen im Wald und 2 bleiben vergraben
Wenn man hinter die Gesichts Tattoos und die Vergangenheit von Detlev „Moby“
Balling blickt, dann hat man es mit einem freundlichen und gesprächigen Mann zu
tun.
Zuhälter und Familienmensch – gewalttätiger Verbrecher und Freund der Würzburger
Promis – Drogendealer und Charmebolzen. Es gibt viele Beschreibungen, die auf
Detlev „Moby“ Balling zutreffen. Die meisten Bewohner von Würzburgs Stadtteil
Zellerau kennen ihn nur als "Moby", den unbelehrbaren Gangster aus der
Nachbarschaft, der fast sein halbes Leben hinter Gittern verbracht hat.
Moby wuchs im Würzburgs Stadtteil Zellerau in einer Arbeiterfamilie auf. Die Zellerau
war damals eines der übelsten Viertel in Würzburg – und ist es auch heute noch, doch
hat der Zahn der Gentrifizierung daran genagt. Mit 15 saß Moby über Weihnachten
zum ersten Mal im Gefängnis. Danach wurde er immer wieder weggesperrt – unter
anderem wegen Diebstahls, Körperverletzung, Schmuggels, Zuhälterei und Hehlerei.
Mobys Geschichte steht sinnbildlich für den Wandel in der Zellerau. In den 70er und
80er Jahren reihten sich dort Porno-Kinos an zwielichtige Kneipen. Heutzutage ist das
Straßenbild eher von Asylanten und ähnliche Bevölkerungsschichten geprägt. Moby
ist ei n Symbol für das alte Zellerau, genauso wie seine Freunde mit vielsagenden
Namen wie Mäcky, Tommy oder der gewaltsame Willy.
Mobys Freunde und Bekannte waren Kriminelle. Die Zellerau galt als raues Pflaster
und wenn man dort aufwuchs, hatte man normalerweise zwei Optionen: Entweder
endete man als einfacher Arbeiter oder man fand wie Moby grenzwertige oder gar
illegale Wege, sich den Lebensunterhalt zu verdienen.
Obwohl die fränkischen Medien schon seit Jahren über Moby berichten, gibt es noch
genug Geschichten, um ein ganzes Buch zu füllen.
Es gibt nicht viele Würzburger, die genauso so viel Zeit im Gefängnis gesessen haben
wie Moby. Er beschwert sich aber nicht. Er weiß, dass seine Haftstrafen, darunter
auch 17 lange Monate in Isolationshaft, die Konsequenzen seiner Taten waren. Sie
gehörten eben zu seinem Leben!
Moby ist ein Mensch, der eine völlig andere Moralvorstellung hat als ein normaler
Bürger und da er in meiner Kindheit und Jugend noch am ehesten für mich
einigermaßen Vorbild war, wurde ich naturgemäß durch ihn zusätzlich zu meinen
persönlichen inneren Problemen geprägt.
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Heute führt Moby ein zurückgezogenes Leben und kümmert sich vor allem um seinen
neunjährigen Sohn. Laut eigener Aussage musste er in den vergangenen Jahren zwar
einige kleinere Rückschläge hinnehmen (30 - oder 60 -tägige Inhaftierungen und
Geldstrafen für Ba gatelldelikte), aber im Vergleich zu den Verbrechen aus den 80er
und 90er Jahren ist das nichts.
Er lässt sich zwar nicht mehr so gehen wie früher, aber von Zeit zu Zeit gönnt er sich
noch einen Drink dort.
Eigentlich ist Moby im Grunde ein netter Kerl. Er ist ein Mann mit vielen verrückten
Geschichten in petto. Sein ganzes Leben hat sich ja nur um Verbrechen gedreht.
Moby denkt nicht viel über die Opfer seiner Verbrechen nach.
Er ist der Meinung, er hätte seine Zeit abgesessen. Die Menschen, die er in den
vergangenen Jahrzehnten abgezogen, ausgeraubt oder zu Brei geschlagen hat, tun
ihm nicht leid.
Das meine ich mit den anderen Moralvorstellungen. Ihm ist es zum Beispiel
vollkommen egal, dass er Heroin in die Zellerau gebracht hat. Wenn es er nicht
gemacht hätte, dann eben jemand anderes. Er bereut lediglich, dass man ihn erwischt
hat.
Moby hatte sich schon früh einen Namen in der Würzburger Unterwelt gemacht hat,
da schon immer irgendwie in diversen Straßengangs Wortführer war, aber auch mit
den Gangs aus den anderen Stadtvierteln Geschäfte aller Art durchzog.
Mit 15 verbrachte er zwei Jahre und zehn Monate in einem Jugendgefängnis in
Amberg. Die Zeit hinter Gittern hat ihn allerdings nicht abgeschreckt. Sie war erst der
Anfang seiner „Karriere“.
Nur wenige Mithäftlinge hatten die Eier, sich mit ihm anzulegen. Außerdem besaß er
die Angewohnheit, Regenrohren Kopfnüsse zu verpassen. Die Dellen waren Mobys
Beitrag zum Stadtbild. Eines Tages traf er auf ein Rohr aus härterem Metall. Danach
war er derjenige mit der großen Delle.
Er saß nicht nur mit Freunden im Gefängnis, sondern auch mit älteren, abgebrühteren
Kriminellen aus ganz Bayern.
Die erzählten ihm Geschichten von ausgeräumten Tresoren, Schmuggelfahrten,
teuren Autos, Frauen und anderen aufregenden Dingen.
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Das Jugendgefängnis war deswegen eine Geburtsstätte von harten Verbrechern.
Nach seiner Freilassung ging er dann erst so richtig ab.
Es war auch immer schon klar, dass ein normaler Job für ihn nicht in Frage kommt.
Nein, er hatte Blut geleckt und wollte lieber Vollzeit-Krimineller werden.
Kriminelle, Schmuggler, Halbstarke auf der Suche nach Streit, gezeichnete Arbeiter,
Arbeitslose, Prostituierte und Betrunkene aus der Gegend gingen in seiner
Stammkneipe ein und aus. Dort lernte er ein Mädchen namens Michi kennen, die kurz
zuvor aus einem Mädchenheim abgehauen war. Sie war 16, verdammt nett und ging
in der Zellerau anschaffen. Im Allgemeinen kostete sie ihr Leben voll aus. Kurz nach
ihrem ersten Treffen bat sie ihn zum Beispiel, eine Freundin aus besagtem Heim
ebenfalls nach Würzburg zu holen.
So besorgten sie sich ein Auto und machten sich auf den Weg. Das andere Mädchen
hieß Andrea und es war kein Problem, sie aus dem Heim zu holen. Sie knüpfte einfach
zwei Bettlaken zusammen und kletterte aus einem Fenster im zweiten Stock, als sie
mit den Autoscheinwerfern das Signal gaben. Mit Bier und lauter Musik ging es zurück
nach Würzburg.
Ein paar Tage später kam Michi in die Kneipe und drückte ihm 300 D-Mark in die Hand.
Er war verwirrt und fragte, wofür das Geld sei. Sie schuldete ihm ja nichts. Die Typen,
die mit ihm am Tisch saßen, lachten nur und sagten, dass er die Kohle einfach nehmen
solle. Schon bald brachte ihm auch Andrea regelmäßig Geld vorbei. So wurde Moby
auch noch zum Zuhälter.
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Im Gegenzug für die Kohle half er ihnen schließlich, wenn sie an Freier gerieten, die
Ärger machten. Außerdem mietete er auch eine Wohnung, in der sie anschaffen
konnten.
Mit der Zeit entwickelten sie eine Routine: Er brachte ihnen jeden Mittag frisches
Toilettenpapier, neue Papierhandtücher und saubere Handtücher vorbei. Danach
ging er ins eine Kneipe, um mit Zuhälter-Kollegen aus der Gegend abzuhängen. Nach
und nach kamen die Mädels vorbei, brachten ihm Geld, tranken etwas und machten
sich wieder an die Arbeit.
Wenn sie genügend Geld verdient hatten, führte er alle in teure Restaurants aus. Dort
ließen sie es richtig krachen. Im Grunde trank die ganze Bar auf ihre Kosten. Er machte
aber so viel Geld, dass er sich das locker leisten konnte. Und wie jeder anständig e
Zuhälter kaufte er sich einen roten Trans -M. Damit zog er viele Blicke auf sich. Seine
Mädels ließen sich außerdem "Moby forever" auf ihre Arme tätowieren. Was ne
Scheiße, oder?
Moby hat sich die Namen seiner drei Söhne auf den Hinterkopf stechen lassen.
Damals lief zwar alles wie geschmiert, aber er musste auf viele Dinge achtgeben. Und
Leute in ihre Schranken weisen. Wenn seine Weiber es mit Freiern zu tun hatten, die
betrunken waren oder nicht gehen bzw. nicht bezahlen wollten, gaben sie ihm in der
Kneipe Bescheid. Dann rückten mehrere von seinen Jungs aus und verpassten den
Typen blaue Augen oder ausgeschlagene Zähne. Obwohl solche Zwischenfälle fast nie
der Polizei gemeldet wurden, dauerte es nicht lange und Moby musste wegen
schwerer Körperverletzung wieder hinter Gitter. Einer seiner Freunde, ein kleiner
Raufbold namens Benny, kam eines Tages schlimm zugerichtet in die Kneipe. Beim
Einkaufen hatte er einem Fischverkäufer zum Spaß einen Fisch durchs Gesicht
gezogen. Der Angestellte hatte sich ihn darau fhin wutentbrannt vorgeknöpft.
Natürlich sprang Moby auf, eilte in den Laden und prügelte dem Verkäufer die Seele
aus dem Leib. Als er am Boden lag, trat er ihm noch ein paar Mal ins Gesicht. Seine
Botschaft sollte eindeutig sein: Niemand legt sich mit meinen Jungs an.
Im Gegensatz zu den meisten Freiern ging der Fischverkäufer sofort zur Polizei. Er
erzählte dann auch vor dem Richter, Moby sei in den Laden gestürmt und brutal auf
ihn losgegangen. Moby selbst gab an, nichts davon zu wissen. Er wäre vollkommen
unschuldig. Und darauf beharrte er auch nach dem Urteil. Vor Gericht hatte er schon
immer auf unschuldig plädiert und nie etwas zugegeben. Das ist nämlich eines seiner
Prinzipien.
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Natürlich nahm er sich auch meiner Person verstärkt an, ab dem Zeitpunkt, in dem
ich aus der Anstalt raus war und wieder bei meiner Oma wohnte.
Schnell wurde ich in der Gang ebenfalls eine wichtige Tragsäule als Respektsperson,
da ich genauso wie Moby nicht lange bei Problemen fackelte, sondern diese schnell
und kompromisslos klärte. Da wir zu dieser Zeit schon mit allen möglichen illegalen
Dingen Geschäfte machten, dealten wir unter anderem auch mit Drogen und so.
Der Organisator von der ganzen Hehler Ware war jedoch immer Moby. Ich war mehr
für eine einwandfreie Abwicklung zuständig und passte auch auf, dass alles so ablief,
dass wir keine Nachteile bekamen.
Ich musste immer bei allen Geldübergaben mit, hielt ihm den Rücken frei und
organisierte auch die Abläufe, die Orte der Übergaben und so. So auch in der
Horrornacht irgendwann im Sommer 1988.
In dieser beschissenen Nacht lief wirklich nichts wie geplant und alles völlig aus dem
Ruder. Ich könnte jetzt ja sagen, dass ich sowieso von Anfang an dagegen war, mit
diesen Dumme Kuhnköpfen von Jugos irgendwelche Geschäfte zu machen, aber mein
Cousin hatte sich das in den Kopf gesetzt und er war halt leider immer noch der Kopf
unseres Trupps. Und außerdem wäre das auch eine billige Ausrede, da mich ja keiner
gezwungen hatte, bei dem tollen Deal mitzumischen.
Es ging dabei um Heroin in größeren Mengen, die Moby irgendwie von dieser
Jugobande vom Heuchelhof abkaufen wollte. Ich weiß wirklich nicht, wie oder über
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wen er an diese Connection kam, auf jeden Fall hatten wir vorher absolut noch nichts
mit denen zu tun.
Auch alle, bei denen ich mich über die Typen erkundigte, kannten die so gut wie gar
nicht konnten somit auch keine Auskunft oder so geben. Natürlich hatte ich das Moby
auch gesagt und ihm abgeraten, mit denen Geschäfte zu machen. Er jedoch winkte
nur ab und meinte großkotzig, das immerhin wir die „Bösen Jungs“ seien, auf die man
achten musste und nicht diese paar beschissenen Jugoslawen. Dann lachte er blöd
und meinte noch, dass wir die ja zur Not kalt machen müssten. Damit war auch alles
gesagt zu dem Thema, da seine Argumente unmissverständlich waren. Das wusste ich
und so blieb mir nichts anders übrig als den Deal mit vorzubereiten…
Zeitungsbericht aus der Main-Post vom 14.10.1988:
„Die beiden Angeklagten gaben zu, die Jugoslawen im August 1988 in einem
Waldstück in der Nähe von Würzburg getötet zu haben, beriefen sich aber auf
Notwehr. Die Version der beiden Männer sei nicht zu widerlegen gewesen, sagte der
Vorsitzende Richter Peter Graßmück. Im Zweifel müsse für die Angeklagten
entschieden werden. Unmittelbar nach dem Freispruch kam es zu Tumulten im
Gerichtssaal, Angehörige der Opfer machten ihrem Unmut lautstark Luft. Die
Urteilsbegründung wurde unterbrochen. Polizeibeamte beruhigten die Situation.
Der Tat in dem Waldstück soll ein Streit wegen Drogengeschäften vorausgegangen
sein. Der 18 -Jährige hatte ausgesagt, er sei von den Jugoslawen plötzlich und
unerwartet mit einem Messer und einem Totschläger angegriffen worden. Er habe sich
zur Wehr gesetzt und aus Angst um sein Leben immer wieder zugestochen. Insgesamt
waren 17 Messerstiche an der einen Leiche gezählt worden. Dem 2. Angreifer hatte er
mit dessen Totschläger den Kopf zu Brei geschlagen.
Das Gericht erkannte in beiden Fällen auf Notwehr.
Dem 23-jährigen Cousin des Angeklagten gestanden die Richter Nothilfe zu. Er hatte
nach Darstellung der Verteidigung in den Kampf eingegriffen und nach Überzeugung
des Gerichts einen tödlichen Schuss aus zwei Metern Entfernung auf einen dritten der
jungen Männer abgegeben.
Dem Gericht zufolge, trennten die Angeklagten anschließend die Köpfe von den
Leichen ab und versteckte diese im Waldboden um die Spuren zu verwischen, aus
Angst, dass ihnen niemand diesen Tatablauf glaube.
84
Die Leichen waren erst nach langer Suche mit Hilfe von Spürhunden in einem Erdloch
gefunden worden.
Die Staatsanwaltschaft kündigte Revision gegen das Urteil an. Oberstaatsanwalt
Jürgen Heinze war in seinem Plädoyer von einem Verdeckungsmord ausgegangen. Der
23-jährige Angeklagte habe den jungen Mann kaltblütig erschossen, nachdem sein 18-
jähriger Cousin zuvor die zwei anderen Männer umgebracht habe.
Voraussetzung für die Schuldunfähigkeit nach § 20 StGB ist, dass beim Täter zur
Tatzeit entweder eine krankhafte seelische Störung oder eine tiefgreifende
Bewusstseinsstörung oder Schwachsinn oder eine andere schwere seelische
Abartigkeit vorgelegen hat. Weitere Voraussetzung war, dass der Täter infolge eines
der genannten Defekte unfähig war, entweder das Unrecht der Tat einzusehen oder
nach dieser Einsicht zu handeln.“
85
13. Oktober 1988 / Urteilsverkündung:
„Hier lag Christian B. auf dem Rücken und war den Angreifern, die ihm sowohl
körperlich als auch zahlenmäßig überlegen und zudem mit verschiedenen Waffen
(Totschläger, Springmesser und Stahlgliederkette) bewaffnet waren, hilflos
ausgeliefert. Es bestand weder die Möglichkeit zur Flucht, noch wirksamer
Schutzwehr. Daher war infolge von Panikreaktionen der Genickbruch bei dem 1.
Angreifer Roberto K. seitens Christian B. das einzig wirksame Mittel, um sein Leben
primär zu schützen, da der Angreifer auf seinem Brustkorb lag und mit dem
Springmesser zustach. Da der 2. Angreifer Mino R. bereits mit dem Totschläger auf
Christian B. zeitgleich einschlug, war auch hier eine akute Lebensgefahr des Christian
B. gegeben. Trotz der an sich erhöhten Anforderungen an Christian B., gelangt sein
Notwehrrecht aufgrund der hier bestehenden akuten Lebensgefahren zu keiner
Einschränkung. Der Schlag auf die Halsschlagader ist damit geboten. (so auch der
BGH, NStZ 2001, 143.)
Christian B. handelte in der Absicht, sein Leben zu bewahren und daher mit
Verteidigungswillen.
Die todbringenden Abwehraktionen des Christian B. waren folglich gem. § 32 StGB
gerechtfertigt.“
Entscheidungstenor:
„Christian B. hat sich nicht des Totschlags gem. §212 StGB strafbar gemacht. Er war
kausal durch eine eindeutige Notwehrsituation gemäß §32 Absatz 2 StGB in
nachgewiesener Weise durch die unmittelbare Gefahrensituation psychisch in einer
Ausnahmesituation, welche erforderlich war, die rechtswidrigen Angriffe abzuwehren.
In Anbetracht der ohnehin festgestellten Schuldunfähigkeit gemäß §20 StGB von
Christian B. lt. ärztlichen Gutachten vom…
…durch die besonders grausame Weise, der Kopfabtrennung der beiden Leichen sowie
deren Verschachern im Waldboden als Verdeckungsversuch der Tat ist trotz
Schuldunfähigkeit des Christian B. bei zeitgleicher Gesamtwürdigung der polizeilichen
Ermittlungsakten und der häufigen Aktenvermerke aus der mittelbaren
Vergangenheit von Christian B. und seiner Taten eine weitere Gefährlichkeit zu
erwarten. Als Ultima Ratio ist eine Unterbringung im Maßregelvollzug respektive einer
durch die exekutive Behörde eine gleichwertige Maßnahme jedoch notwendig, um die
Allgemeinheit vor weiteren Gefährlichkeiten seitens Christian B. zu schützen…“
Auszug aus BGH 1 StR 48/88 - Beschluss v. 13. Oktober 1988
86
„Es gibt keine Geheimnisse im Leben. Nur versteckte Wahrheiten, die unter der Oberfläche liegen.“
(Zitat aus der Fernsehserie »Dexter«)
Beschreitung neuer
Wege: (1989 - 1991)
87
Big in Japan
Seit dem Sommer 2000 bietet „Exit -Deutschland“ als deutsche Initiative für
Aussteiger aus der rechtsradikalen Bewegung Beratung und Kontakte an. Dabei
werden Kontakte vermittelt und praktische Hilfen in Sachen Sicherheit, soziale
Probleme, Bildung, Arbeit und der persönlichen Aufarbeitung gegeben. Eine
wirtschaftliche und soziale Absicherung sowie Schutz vor strafrechtlicher Verfolgung
für ehemalige Rechtsradikale gibt es nicht.
Exit-Deutschland sowie der Träger ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH
lehnen jegliche Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden ab.
Unter anderem werden finanzielle Mittel aus dem Förder -programm "XENOS"
Ausstieg zum Einstieg des Bundesarbeitsministeriums seit Mai 2009 bereitgestellt.
Die Staatsregierung ist hier permanent gefordert, sich dafür einzusetzen, dass die
Aussteigerinitiative EXIT-Deutschland weiter durch Bundesmittel gefördert wird und
sich ggf. an dieser Förderung zu beteiligen. Weitere solche Förder - u. Aussteigerpro-
gramme sind aktuell z.B. ZENTRUM DEMOKRATISCHE KULTUR, HAYAT-Deutschland u.
a.
Davor gab es bereits ähnliche Förderprogramme unter anderem von der
Aussteigerhilfe der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) usw.
Da das Phänomen der rech tsradikalen Szene in der Bundes republik Deutschland in
den Achtzigern bei weitem noch nicht so hoch war, wie nach der deutschen
Wiedervereinigung, gab es dementsprechend erst nach dem Beitritt der DDR zur
Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 vermehrt zu rassistischen Angriffen,
Attacken und Pogromen, die auch internationales Aufsehen erregten und dadurch
verstärkt Förderungsprogramme auf den Plan gerufen.
Der Deutsche Olympische Sportbund war hier bereits in enger Zusammenarbeit mit
der Stiftung Deutsche Sporthilfe in den frühen Achtzigern ebenfalls mit verschiedenen
Förderprogrammen z.B. zum Schutz von Jugendlichen gegen Aggression und Gewalt,
Hilfe gegen straffällige gefährdete Jugendliche, Förderprogrammen von
Schutzbefohlenen und so weiter zu meinem großen Glück tätig.
Es gab darunter auch verschiedene, nicht veröffentlichte oder groß publizierte
Förderprogramme, in deren Genuss nur wenige junge Deutsche kamen und einer
davon war auch Ich, Christian Ronald Balling.
Dieses Programm nannte sich:
„NEOSPEKTRUM – N-O-J-N-S-P-DS-D“
und das gibt es heute auch nicht mehr!
88
Extrem schwierige Recherchen haben ergeben, dass unter einem
Spezialförderungsprogramm mit diesem Namen insgesamt nur eine einzige kleine
Gruppe von Förderungsprobanden in der Zeit zwischen 1988 und 1992 betreut
wurde.
Das Programm hatte die folgenden Elemente eines weiterlaufenden
Zeugenschutzprogramms, bestehend unter anderem in der Regel aus dem
Identitätsschutz:
Persönliche Daten unterliegen einem strengeren Datenschutz. So können z. B. in
Deutschland Personenauskünfte der Meldeämter durch einen Sperrvermerk von
allgemeinen Anfragen ausgenommen oder sogar ganz gesperrt werden. Als
Steigerung kann eine Person sogar vorübergehend oder für immer eine Tarnidentität
annehmen.
Entsprechende Dokumente – Geburtsurkunde, Zeugnisse, Führerschein – werden
entsprechend dieser neuen Identität ausgestellt.
Im Extremfall wird diese neue Identität komplett mit einer neuen Legende über die
Lebensvergangenheit unterlegt. Es kann sogar zur Tarnung zu einer Todeserklärung
der alten Identität kommen.
Damit verbunden ist immer der sogenannte Umfeldwechsel:
Kann ein einfacher Wohnungswechsel bei einfacher Gefährdung schon ausreichen,
einen Zeugen vor Nachstellungen zu schützen, so ist es bei einem Identitätswechsel
zwingend nötig, sein komplettes Umfeld zu verlassen und sogar den Kontakt zu
Freunden und Verwandten abzubrechen.
Die Grenze zwischen dem am juristischen Verfahren ausgerichteten Zeugenschutz
und einem weiterführenden Zeugenschutz in einem Zeugenschutzprogramm wird
insbesondere dadurch deutlich, wenn die Aufnahme in ein solches Programm auch
den Abbruch zum bisherigen Rechtsbeistand vorsieht. Auf diese Weise soll verhindert
werden, dass etwa durch ein Datenleck in den Behörden selbst die neue Identität mit
der alten verknüpft ist. Die Aufnahme in dieses spezielle Förderprogramm war
grundsätzlich freiwillig und stellte keine Schutzhaft dar.
Wie in einem Zeugenschutzprogramm läuft – abgesehen eventuell vom Fortbestehen
der neuen Identität – dieses Programm ebenfalls grundsätzlich nicht lebenslang.
Ist z. B. ein Zeuge in seinem neuen Umfeld mit neuer Identität etabliert, entfallen in
der Regel weitere Schutzmaßnahmen, soweit keine neuen Gefährdungen – etwa
durch den Verlust der Tarnung durch die neue Identität – auftauchen. In der Regel
erhält der Beschützte die Möglichkeit, bei Schwierigkeiten einen gesicherten Kontakt
zu Verantwortlichen des Förderprogramms aufzunehmen.
89
Ein Sachbearbeiter holte uns ab und traf sich mit uns an einem geheimen Ort, den
nicht einmal mein Anwalt kannte, zu einer Hintergrundbesprechung. Er versuchte
herauszufinden, ob dieses Programm notwendig ist und wenn ja, wie es aussehen
muss.
Da die Prüfung bei mir ergab, dass ich als ein förderungsbedürftiger Kandidat nach §1
ZSHG tatsächlich in Lebensgefahr war, lief das Programm direkt im Anschluss an diese
Überprüfung an.
Nach dem Strafverfahren wurde ich zuerst sofort in eine sogenannten „Tem porär-
Unterkunft“ nach Bonn.
In dieser waren außer mir bereits 3 weitere junge Männer in meinem Alter
unterbracht, zu denen ich jedoch erst Kontakt haben durfte, nachdem ich in
tagelangen Einzelkursen über Sicherheitsvorschriften, Kontaktverboten mit meinen
bisherigen Kontakten jeder Art sowie über die Daten meiner neuen Identität
sozusagen eingetrichtert bekam, dass ich die sogar mitten in der Nacht, wenn mich
jemand aufweckte und danach fragte, ohne zu zögern oder zu überlegen sicher
beantworten konnte. Dann bekam ich auch offiziell diese neue Identität, inklusive
neuen Papieren und allem was so dazugehört, meinen sogenannte Tarndokumenten.
Damit gab es ab diesem Zeitpunkt nicht mehr Herrn Christian Ronald Balling, sondern
nur noch Maximilian Christian Bane. Nach mir kamen im Verlauf der darauffolgenden
2 Wochen nochmal 3 junge Männer dazu, so, dass wir insgesamt ein Team von 7
angehenden Män nern waren. Außer uns gab es noch 4 Personenschützer, 2
90
Sozialarbeiter und eine Art Vorgesetztenebene mit 2 oder 3 weiteren Personen, zu
denen wir in dieser Zeit jedoch keinen Kontakt hatten.
Anschließend wurden wir zusammen unter den schärfsten Sicherheitsvorkehrungen
mit einem Flugzeug, in dem nur wir waren, nach Athen geflogen. Von dort aus ging es
dann mit einer normalen Linienmaschine der Lufthansa über Anchorage in Kanada
weiter nach Tokio-Narita Japan.
Hier war auch die 1. Anlaufstelle unseres Teams. So ein Schutzprogramm läuft
natürlich unter absolut strenger Geheimhaltung ab. Offiziell verschwinden die
Personen einfach von der Bildfläche.
Für uns alle im Team gab es dieselben Vorschriften:
So dürfen unsere alten Identitäten nicht mehr verwendet und niemanden aus unserer
Vergangenheit kontaktiert werden. Abgesehen von unseren direkten
Ansprechpartnern bei der Teamleitstelle dürfen wir mit niemandem über das
Programm sprechen, auch nicht mit einem Anwalt oder so.
Selbst die Personenschützer kannten nur unserer neuen Identitäten.
H. Bischeltsrieder war damals Leiter der Abteilung Fahndung am Bayerischen
Landeskriminalamt (LKA), Chef der Zeugenschützer und zugleich Koordinator für
Zeugenschutz in Bayern, dem unter anderem auch das
„NEOSPEKTRUM – N-O-J-N-S-P-DS-D“ – Programm sicherheitstechnisch unterstellt
war.
"Uns geht es darum, Zeugen vor Repressalien zu schützen, damit das Strafverfahren
durchgezogen werden kann."
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Seine Klienten kommen aus allen Genres der Kriminalität: aus dem Rotlichtmilieu,
dem Drogen- oder Menschenhandel, aus der Mafia jedweder Provenienz, etc.
Mitte der 80er Jahre, so erzählt Bischeltsrieder, sei der Zeugenschutz in Deutschland
intensiviert worden. "Da schwappte die organisierte Kriminalität aus Italien herüber",
erinnert sich der Kriminaler und spricht von Organisationen wie Mafia oder Camorra.
"Selbstverständlich gab es da Attentate und Morde" - und Leute, die aus der "Familie"
aussteigen wollten.
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Spätjahr 1991 / Jackenklau in Wiesbaden
„Müller, Du Wildsau, wenn Du schon bei mir wohnst, dann schmeiß bitte nicht alles
in der Wohnung kreuz und quer rum, ich hasse das und flipp sonst aus.“
„Ja, ja, Max ist gut, ich mach uns mal Kaffee. Sag mal wo ist der denn? Die Dose ist
leer!“
„Wenn sie leer ist, dann ist sie leer. Keine Kohle aktuell für so was Unnützes wie
Kaffee“ „Ah ich hab’s, ich nehm nochmal den Filtern von gestern“ „Wie den Filter von
gestern? Da ist doch schon Kaffee durchgelaufen.“ „Ja, aber geht auch mehrmals,
dann nehm ich halt ein bisschen weniger Wasser, dann ist er genauso stark wie sonst
nur halt weniger!“ „Müller ich sag dazu mal nix, ich glaube es nicht, nur Strategen um
mich herum“.
„Nee, des ist so wie mit den Filtern vom Joint, verstehst Du?“
„Nein, ich verstehe ehrlich gesagt nicht was Du jetzt mit den Filtern vom Joint willst
und was die mit dem Kaffee zu tun haben.“ „Mei, des is doch absolut logisch, verstehst
mi net? Pass auf, wenn mir doch als auf Partys die ganze Zeit rauchen und dann nix
mehr da is zum auf bröseln, ne?“ Ich schau ihn jetzt echt an als wäre er ein Auto. „Auf
jeden Fall, wenn halt alles weggeraucht ist, und wir aber noch da so voll rumsitzen
und nix mehr zum Kiffen haben, dann nehmen wir doch als die ganzen ausgedrückten
Joint- Filter aus dem Ascher und puhlen das alles auseinander und kriegen da ja
wieder des Material für mind. einen sauguten neuen Joint, verstehste? Nur die Filter
bringen die Bilder“ sagt er und grinst mich jetzt echt noch dazu so saublöd an, als wäre
er Einstein! „Müller, du bist echt sowas von kaputt, ich sag dazu jetzt echt mal lieber
gar nix mehr. Mach grade was Du denkst und lass mich in Ruhe, ok?“
„Allright, Mister Bane, aber des mit heit Abend klappt aber mit der Party in
Wiesbaden, oder?“
„Welche Party in Wiesbaden?“ „Awa, des habe ich Dir doch gesagt, der Steffl kummt
nachher hier vorbei und nimmt uns mit auf die EBS-Party in Wiesbaden“
„Was für eine Ewedingsbums Party in Wiesbaden?“
„Na, die European Business School, wo er halt drauf ist, von seinem Vadda aus. Des
ist doch so ein reicher Münchner Schickeria Bonze und der hat den Steffl doch nach
Wiesbaden sozusagen aussortiert, damit er zuhause Zeit für sein Gsbussi hat. Da sind
lauter so Gymnasiasten und Kinder von Reich aus ganz Deutschland dort, die ist voll
der Hammer, die EBS- School. Und ich sach dir da sind Mädels drauf, sagt der Steffl,
die sind sowas von spitz, da geht immer was. Und jetzt halt dich fest…“
93
Nachdem jetzt eine Pause ist, und er nichts tut, außer mich so richtig verschwörerisch
anzuschauen und den Mund wie ein O aufzureißen, macht er mich jetzt neugierig. „Na
sag schon was ist denn noch so geiles dort“
„Da sind sogar alle Getränke komplett kostenlos, weil die doch alle schon mit ihrem
Jahresbeitrag sowas mitbezahlt haben, verstehst? ALLES tutto kompletto Free für uns:
Jacky, Bacardi, Tequila, Bier egal was alles für lau!“
„Ok Müller, ich gebe zu, das ist wirklich mal ne Ansage, ich ruf gleich die Jungs alle an“
Greife zum Telefon, damals noch so ein durchsichtiges mit Kabel in die Wand Dose
mit bunten Neon -Lichtern im Inneren. Der Empfang und die Qualität war zwar
scheiße, aber in dem Türkenladen in Mannem wo ich es gekauft hatte, war des laut
dem Verkäufer richtig neu und angesagt. Zumindest für unsere Preisklasse, denn dem
Scheiß Porsche-Design Teil von der Telekom, äh ich meine von der Post damals, war
es natürlich nicht zu vergleichen, aber es war gut und bunt und leuchtend.
„Hi Knut, heut ist ne Burner-Party von son paar reichen Kiddies in Wiesbaden. Lt. Dem
Müller alles frei und kostenlos. Sein Kumpel kommt später und holt uns ab. Ja, der
kommt anscheinend rein, oder?“ Ich schau den Müller an. Der nickt nur zur
Bestätigung und faselt irgendwas. Ich winke aber ab und rede we iter. „Ja klar, sag
dem Gibbel und dem Rest Bescheid, das wir ordentlich ne gute Mannschaft auf die
Beine bringen, Das ist hoffentlich mal wieder ne richtig geile große Party mit allem.
Ja, klar, wenn er Koks hat soll ers gerade mitbringe, mir genügt aber auch das
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Polenspeed das blaue, oder ich habe auch noch ein -zwei Micros rumfliegen. Jo, wir
kommen dann gegen 18.00 Uhr bei Euch vorbei.“
Wie ich aufgelegt hatte schaut mich der Müller immer noch an “Was war des denn
jetzt“ „Na, nach was sieht es denn aus? Ich habe den Jungs Bescheid gesagt wegen
der Party. Wir fahren dann anscheinend mit drei Autos hin, oder haste wieder das
Maul zu früh aufgerissen?“ „Na“ schluckt er “des passt scho, i ruf den Steffl gleich mal
an und sag ihm Bescheid“
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Gegenwart Zwischengedanken mit Erinnerung
Jaja, die Zeit mit dem Müller bei mir war schon echt saugeil meistens. Was wir alles
gemacht haben in den Jahren, eigentlich schade, dass man den nicht mehr sieht und
nix hört seit er wieder in München lebt. Soll ja jetzt auch verheiratet sein und doch
den Getränkemarkt von seinem Vater übernommen haben, wie damals immer
herumposaunt. Der gute Thomsen, war das eine Zeit. Bei den Gedanken an damals
wird mir ganz anders im Bauch. So ein flaues Gefühl, als wenn man von etwas, das
man richtig liebt hat und imme r zusammen ist, z.B. die Kinder oder die Frau oder so
halt. Also wenn man sich da halt trennen muss irgendwie. So ein Gefühl. Ein bisschen
Abschied, Trauer, Adrenalin wegen der Erinnerung etc. Eigentlich schade, dass ich
keine Freunde mehr habe, so wie damals.
Ein Haufen komische FB Freunde, die man eigentlich gar nicht kennt oder halt so ein
paar Lutscher um einen rum, die unnötig sind. Wahre Freunde, gab es das überhaupt
jemals? Boa, jetzt aber. Ich wollte ein besser verständlicheres Beispiel für meinen
Hirnfick aufschreiben und keine Heulmemoiren.
Ich hole mal was zu trinken, zieh was Schnelles und schreibe dann mal weiter. Sonst
wird das heute nix mehr.
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28. September 1991 Jackenklau Part 2
„Oh Mann ist es hier kalt“ Langsam werde ich wach und blinzle, weil die aufgehende
Sonne direkt in mein Gesicht scheint. „Wo in alles in der Welt bin ich hier den“ denke
ich mir und blicke einen Autohimmel an, so einen veranzten nikotinvergilbten
Idiottohimmel.
„Ist es hier scheiße kalt…“ Mein Schädel brummt extrem und mit tut echt alles am
Körper weh.
„So jetzt mal kurz innehalten, Luft nehmen und konzentrieren, egal was mir alles so
weh tut am Körper und am Kopf.
Ich setze mich auf und bekomme langsam den Überblick:
Anscheinend bin ich im Knut seiner Karre hinten auf der Rückbank gelegen bzw. sitze
jetzt dort. Vorne auf dem Beifahrersitz schnarchen der Müller und direkt daneben der
Knut.
Die Scheiben sind alle angelaufen so das mir nur die Sonne durch die Heckscheibe ins
Gesicht scheint.
Nach draußen kann ich wegen den angelaufenen Scheiben nicht schauen.
Aber What the Fuck sind das alles für Jacken hier drin. Das sind ja Berge.
Sind die vom Knut? Macht der jetzt einen auf Jacken - Checker oder was?
Aber geil isses schon:
So ne abgefahrene alte Fliegerlederjacke habe ich direkt als Decke benutzt
anscheinend.
Dann ne echt geniale College-Jacke und Blau schwarz.
Hier noch ne Chippie-Jacke aus Cord, daneben eine Diesel Jeansjacke.
Ein Jackett von Boss.
„Ey Alter was geht hier denn ab, Knut“ ich hau nach vorne auf seine Schulter, schüttle
dann, nachdem er sich immer noch nicht rührt und wie tot daliegt.
“Haaalllooo, guten Morgen“ mache ich mich jetzt lauter bemerkbar und will gerade
nach vorne zum Müller rüber langen, als ich meine rechte Hand sehe.
„Was zum Teufel…“?
Jetzt merke ich auch wie weh die eigentlich tut. Die Hand ist komplett geschwollen
und blutverkrustet, so als hätte ich irgendjemanden abgeschlachtet und dann die
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Hand in seinem Blut getaucht. Ich schau mir immer noch ganz fasziniert diese mächtig
ramponierte Hand an und dann fällt es mir wieder ein:
„Oh Scheiße, wir sind in Wiesbaden und waren gestern Nacht auf dieser scheiß
dämlichen Reiche Kinder Party“
Aber was war da dann genau? Irgendwie habe ich eine Art Filmriss, so einen
Aussetzer, da mir irgendwie nicht genaues von letzter Nacht einfällt.
„Ey, jetzt wacht mal auf, ihr dummen Ärsche!“ schreie ich jetzt laut im Auto nach
vorne. Also so richtig laut, dass die beiden endlich aufwachen.
„Ich will jetzt sofort wissen, was gestern auf der beschissenen Party los war, hört ihr?“
Der Knut dreht sich rum, schaut mich irgendwie voll merkwürdig an, so als wäre ich
irgendetwas Fremdes und nicht sein bester Kumpel.
„Jetzt sag bloß´, Du weißt nix mehr von der ganzen Scheiße, die gelaufen ist? Sag ma,
willst Du mich verarschen, du Psycho.
Was geht denn bitte schön in Deinem Kopf ab, Alter!“
Ok, jetzt macht er mir Angst. „Wieso was soll da abgehen“ stammle ich rum und
versuche mich noch mehr auf die vergangene Party zu konzentrieren, als es mir wie
Schuppen von den Augen fällt und ganz klar, also richtig klar und detailliert wieder
einfällt.
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Rückblende 6 Std. früher
Die Party läuft voll und alle geben irgendwie Vollgas auf der Tanzfläche. Ich bin total
durchgeschwitzt und brauche was zum Aufputschen. „Hey gib mir mal bitte des Pack,
ich muss aufs Klo und mich frisch machen“ sage ich dem Jo neben mir der so voll auf
Pogo gerade rum hüpft.
„Ja, da isses, aber zieh nicht alles weg, ich habe nur noch des, was da drinnen ist. Für
uns alle. Und für die ganze Nacht!“
„Gib schon her und labere nicht rum, bin ja nicht doof, du Penner“
Ich nehme das Briefchen und gehe auf die Toilette durch die Schulaula, in der auch
die ganze Party abgeht.
Drecks Punker-Mukke, wenn der DJ nicht gleich was Normales spielt, dann hau ich
ihm eine in die Fresse. Wow, als hätte das der DJ gehört, was schon rein aus
entfernungstechnischen ‚Gründen gar nicht sein kann, dröhnt auf einmal „The Power“
von Snap durch die Boxen.
„Abgefahren“ brülle ich laut und fange auch während dem laufen an zu wippen.
Da ist ja endlich das Herren-Klo. Ich schlage die Tür auf und begebe mich sofort in die
Kabine und mache die Tür hinter mir zu.
Oh, geil denke ich mir, eine schöne Ablage zum Ziehen.
Yep!
Ich rolle das Klopapier ab und putze die Ablage einigermaßen sauber, da ich mir hier
dabei ja nicht die Krätze holen will.
Gerade wie ich das Briefchen aufgemacht habe und mir anschaue, wieviel genau noch
drin ist, kracht es auf einmal laut an die Kabinentür. So arg, dass ich mich erschrecke
und vor lauter Hektik, das beschissenen Speed -Pack aus der Hand direkt in die
Kloschüssel darunterfällt.
Ich schau ungläubig hinterher und denke noch“ Gar nicht gut…“
Da klopft es schon wieder an der Tür. Wobei klopfen nicht so richtig ausgedrückt ist,
eher poltern oder krachen.
So, mir reicht es, denke ich mir und mach die Tür auf, indem ich diese schnell und fest
nach innen zurückziehe.
Jetzt glotzt mich so ein Fischauge a, der hat die Hand noch nach oben, um gerade
nochmal auf die Tür zu schlagen.
99
„Du dummer, blöder Wichser…“ schreie ich jetzt laut und zornig und hau ihm direkt
eine frontal so in die Schnauze, dass direkt der Saft spritzt und der Typ nen guten
halben Meter nach hinten in Richtung Waschbecken fliegt oder stolpert, keine
Ahnung. Gerade als ich ihm im Nachgehen noch mal eine geben will, treffe ich jetzt
so ne kreischende Alte, anscheinend seine Freundin oder so, die direkt danebenstand.
Leider…. Aber die kriegt nur so ne getaschte, da sie ja nur so von der Seite reinsprang.
Also zwischen ihren Freund, dem Wichser und meiner Faust. Was für ein Glück für die
Alte, das ich abgerutscht bin, so kriegt sie quasi nur einen Touch an die Schulter und
sie purzelt ihrem dämlichen Freund hinterher.
Der heult mittlerweile und jammert, dass es ihm leidtut.
„Leid? Leid, Du blöder Wichser, das war unser Speed, das wegen Dir ins Klo geflogen
ist“ Oops, jetzt fällt mir ein, dass man über Drogen lieber nicht so laut in der
Öffentlichkeit rum tönt. Die beiden schauen mich an, als wäre ich so eine Art Dealer
oder Gangster, keine Plan was genau die denken.
Aber gut so, ich rege mich leicht ab, da ich nicht groß auffallen möchte und renne halb
aus dem Klo raus. „Haltet bloß die Schnauze, sonst komm ich wieder und mach Euch
platt“ rufe ich noch während des raus Rennens nach hinten über die Schulter. Aber
die wissen was ich meine, und werden die Klappe halten. Die sind froh, dass sie nicht
mehr gekriegt haben, scheiß reiche Bonzen-Kinder!
Ok Max, jetzt durchatmen und Planänderung, denn ohne das Speed ist es scheiße.
Da fällt mir wieder ein, das ich im Auto selbst auch noch 3 -4 Gramm dabeihabe, nur
erstmal draußen gelassen hab, für alle Fälle.
100
Ok, so ein Fall ist genau jetzt, denke ich und dabei fällt mir auch noch ein, das der Knut
seine Karre eh nie abschließt.
Da ich komplett durchnässt bin vom Schweiß, brauche ich auf jeden Fall meine Jacke,
sonst hol ich mir noch den Tod. Alla hopp, dann jetzt zum Jackenständer.
Bei der Garderobe ist jetzt um diese Uhrzeit auch keine Sau mehr. Nicht mal die
Typen, die die Jacken entgegengenommen haben. Kein Mensch außer mir.
Das fällt mir auf. Irgendwie habe ich eine geistig aktive Minute, denn wie ich so meine
Jacke nehmen will, sehe ich auf einmal lauter geile teure Jacken um mich rum.
Chevingon, Blue System, Lederjacken in allen Variationen.
Und da erwische ich mich auch selbst dabei, wie ich direkt mal eine College -Jacke
anstelle meiner Eigenen nehme, mich kurz umblicke, ob auch wirklich keiner schaut
und dann mit leicht erhöhtem Herzschlag schnell raus flitze in die Dunkelheit zum
Parkplatz hin in Richtung Auto.
Dort reiße ich die Tür auf und werfe die Jacke rein. „Geil, wie geil ist das denn?“ Ha!
Ich suche schnell mein Speed, gehe damit zum Kofferraum und lege mir direkt mal auf
ner CD -Hülle so 3 richtig fette Lines. So Mega -Lines, die eigentlich jeweils alleine
reichen, das zwei von meiner Sorte ein Wochenende durchmachen.
Das Material gar nicht lange durchgehackt, sondern kurz verteilt, den Schein gerollt
und mir die Dinger in die Nase hochgezogen. Könnte ja jemand vorbeilaufen oder
herkommen und schauen, was ich da so am Auto mache.
Aber alles cool, wie ich mich umblicke, sehe ich das auf dem Parkplatz außer den
Autos keiner zu sehen ist.
Das Speed zieht jetzt hoch und fängt im Kopf unter der Haut an zu kribbeln, so richtig
geiles kribbeln, dass ich Gänsehaut kriege.
Ok, die könnte zwar auch vom Wetter wegen der Kälte her sein, weil ich ja keine Jacke
anhabe, ist sie aber nicht, ist ganz klar vom sau guten und wesentlich zu hoch
dosierten Material.
Also, denke ich mir scheiß, auf das blöde Klo, ich sag den Jungs Bescheid, das ab jetzt
hier im Auto zu ziehen ist. Punkt!
Gerade als ich wieder zur Haupttor in die Aula reinkomme, höre ich wieder dieses
beschissenen Geschranzte. „Oh, ne“ denke ich mir, der Bastardn-Dumme Kuhn-DJ,
diese Mißgeburt.
Aber da fällt mein Blick durch die Aula zur Garderobe und was sehe ich:
101
Genau, NICHTS und NIEMANDEN. Ich bin ganz allein hier in der Aula und mit mir, ein
ganzes verficktes Jackendepot von allen möglichen teuren Herstellern.
Ok, Planänderung 2:
Ich laufe zügig zur Garderobe und nehme mir direkt zwei von den Jacken, die vorne
hängen und nach meiner Größe aussehen. Und zack geht’s auch schon zurück
Richtung Auto raus. Die Jacken rein ins Auto. Hey, das ist wie Weihnachten. Und bei
Weihnachten brauche ich Schnee!!!
Haha, Kofferraumdeckel auf, Speed auf die Hülle geschmissen, kurz gehackt und
wieder schön hoch mit dem Dreck.
Wow, das brennt so arg, als würde es mir direkt das Hirn rausätzen. „Was ne Scheiße“.
Jo und so geht das noch mind. 3-4 Mal hin und her.
Ich bin im Rausch, im wahrsten Sinn des Wortes. Vom Speed, von der Jacken -Beute
und einfach von allem.
Ich bin der König, ihr Ficker!
Ich bin so geil…
Gerade wieder bei der Garderobe sehe ich noch diese Chippie -Jacke aus Cord, die
türkisfarbene. Die habe ich gerade letztens im Laden in Mannheim gesehen, für
Scheiß 2.500,00 DM!
Ha und hier ist sie gratis! Die brauch ich auch noch. Ich greife sie mir und sehe aus
dem Augenwinkel, das die Tür von Tanzsaal aufgeht und 2 -3 Typen lachend
rauskommen.
Naja, das Glück ist heute mir, denke ich mir, was soll die Scheiße und zeihe mir
unauffällig die Jacke schnell drüber, drehe mich um und beeile mich schnell aus dem
Fokus von den Typen, die mich jetzt genau anstarren, in Richtung Parkplatz zu
kommen.
„Hi, sag ich und drück mich an denen vorbei, als ich die verdammten Worte höre “Hey,
Alex, hat der nicht deine neue Chippie Jacke an?“ „Ok, scheiße der meint mich, das ist
mal klar“ nix wie raus aus der Hütte, aber MIT Jacke, die ist mir, so eine Chance kommt
nicht mehr wieder.
„Hey, stehenbleiben!“ rufen jetzt die Typen hinter mir her.
„Diebstahl, Dieb, der klaut meine Jacke“
102
Jetzt höre ich wie die offensichtlich hinter mir herrennen, zumindest dem Getrampel
hinter mir nach. Also scheiß drauf, denk ich mir und gebe jetzt auch Gas. Renne zum
Ausgang, reiße die Tür auf und dreh jetzt auf.
Aber was für Wichser, die kommen hinter mir näher. Ich hau mir sowas von den
Oberschenkeln an so einem Drecks Auto an, als ich zu hektisch um die Kurve flitzen
will und mich halt verschätze. „Oh Fuck!“ Ich renn zwar weiter, die Typen schreiend
hinter mir her, über den Parkplatz, durch so einen Hecken -Abschnitt zwischen den
Parkplätzen. Die Dumme Kuh n sind immer noch top motiviert, mich, den
offensichtlichen Dieb, zu erwischen und zu stellen. “Polizei!“ höre ich jetzt. Spinnen
die komplett, wegen so ner Scheiß Jacke schreien die gleich nach den Bullen oder was.
Verwöhnte Wichser, jetzt reicht’s, denke ich mir und bleib an einer Stelle am
Straßenrand stehen. Genau da wo ausgerechnet die Straßenlampe aus ist. Gut so!
Ich dreh mich um und will gerade zurückschauen, als mich auch schon einer der Typen
im Laufen mitnimmt, bzw. überrennt und ich durch dem seinen Schwung voll auf die
Fresse flieg.
Ok, nicht ganz aber fast zumindest, da ich ja quasi Fallschulenprofi durchs Ju -Jutsu
bin, und eigentlich gar nicht fallen kann.
Ok ich lieg dann trotzdem am Boden und der Typ kullert über mich drüber.
Nicht die anderen Beiden, die sind schlauer und stoppen vor mir.
103
Durch den Sturz habe ich mir meine Lippe aufgeschlagen, die jetzt gerade anschwillt,
die Typen kreischen immer noch was von Polizei, Diebe und irgend so etwas
Ähnlichen, das jedoch kriege ich nur noch so am Rande mit, denn jetzt bin ich im
Nebel.
Ich schrei laut: „Ihr dummen Bastardnsöhne!“ dreh mich zu dem Spacko hinter mir
um, und trete ihm direkt eine in mit dem Span voll ins scheiß Gesicht, da er gerade
hinter mir so im Vierfüßler Stand hochkommen will. Das klatscht mal.
Und der Typ geht direkt um, was mit aber scheiß egal ist, denn ich mache die platt,
die wollen was von mir. Die Schweine. Ich trete den Typen direkt noch 2-3 Mal voll in
die Seite bis er grunzend auf dem Bauch liegt und röchelt.
So weiter geht’s, ich schreie im Wahn, „Was ihr wollt mich plattmachen, Ihr Penner
und springe auf die Beiden hinter mir, die gerade nicht verstehen was da wirklich
abgeht, zu und gebe dem ersten direkt meine Faust erst frontal auf die Nase, die
kracht gla ub ich, und dann nochmal auf die Halsschlagader. Der andere rührt sich
nicht wirklich und zittert und ist unfähig vor Schiss.
Ich schreie jetzt noch lauter. „Ihr wollt mich den Bullen ausliefern, ihr verwöhnten
Drecksäue, dann kommt doch her“ ich pack den Typ der schon die beiden Schläge
gekriegt hat an den Ohren und reiße ihn daran so heftig das eins davon halb wegreißt.
Widerlicher Penner, schrei ich im Rausch und gebe ihm noch einen Tritt direkt seitlich
ins Knie, das er zusammenbricht.
„So und jetzt Du! Was willst Du mich umhauen, du pfeife! Du? Mich? Dann komm
doch!“ Der Typ will jetzt abhauen, aber ich pack ihn am Kragen mit 2 Händen und
zerre ihn herum. Ich schüttle ihn und haue ihm dabei immer wieder mit einer der
beiden Hände ins Gesicht, so Ohrfeigenmäßig.
Der Typ heult jetzt und blutet aus seinem Mund oder aus der Nase oder aus beidem.
Ich weiß es nicht wirklich.
„Bitte lass mich, ist schon gut“ heult und fleht er mich an.
„Du Idiot, nix is gut“ im ahn reiße ich ihn rum und werfe ihn mit einem Ausheber so
richtig schön auf sein beschissenes Kreuz und lass mich direkt mit drauf fliegen auf
seine Rippen, die dadurch und meinem Gewicht auf jeden Fall brechen.
Aber nicht genug, ich klatsche ihm im Hochgehen eine auf sein Drecksmaul und
kreische dabei immer wieder, dass ich Gott bin und überhaupt.
Aber das ist alles so im Rausch, dass ich das nur so mitkriege, als würde ich als
Zuschauer nebendran stehen und beobachten wie der Typ auf die Fresse kriegt.
104
Aber so ist es nicht, ich bin voll im Geschehen der Hauptakteur und pack den Typ jetzt
an seinen Haaren und zieh ihn daran auf seinen Knien über die Straße. Das reißen
Haarbüschel aus, aber egal. „Du Dumme Kuh “ ich haue jetzt seinen Kopf immer
wieder auf den Kotflügel von so einem Auto, Immer wieder. Es ist laut, es blutet, ein
Geschreie von allen, der Typ, keinen Plan, aber ich glaube der rührt sich schon länger
nicht mehr.
Ich sehe durch einen Nebel, ich glaube Knut oder Müller oder beide auf mich
schreiend zu rennen. Aber es ist so entfernt. Was wollen die von mir, ich muss doch
den Wichser platt machen. Ich bin Gott. Mich wollt ihr den Bullen geben, ihr dummen
verwöhnten Schweine, Mich, MAX Bane!
Ich glaube ich heule auch vor Wut und weil ich mir dabei auf die Lippe mehrmals
gebissen habe. Bin mir auch nicht sicher, ob mein Arm was beim Sturz abgekriegt hat.
Das ist glaube ich das letzte was ich mir jetzt in Erinnerung holen kann.
Mehr weiß ich gerade nicht. Ich wach auf im Auto und die Sonne scheint mir voll, ins
Gesicht und es ist so beschissen kalt hier. Ach lasst mich doch alle in Ruhe, die sind
selbst schuld.
Ich habe keine Reue, kein Mitgefühl und fühle mich total im Recht. Naja, wenigstens
habe ich die Jacken, hat sich ja gelohnt denke ich mir auf der sehr, sehr ruhigen
Heimfahrt im Auto.
Danach wurde der Kontakt zu den Jungs in Schwetzingen immer seltener und
irgendwie fühlte ich mich allein. So allein hier. Ich muss raus. Ich muss irgendwas tun.
Dabei sehe ich so einen Flyer vom Fußball. Irgend so eine Mannschaft aus Mannheim.
Waldhof glaub ich.
Ah, wie das große Hotel, denke ich mir Walldorf Astoria.
105
Ach ne, Waldhof Mannheim.
Ich lese den Bericht, die schreiben was von Randale neben dem Fußball, geil!
So Fans aber nicht in diesen hässlichen Jeanskutten, sondern alle gut gekleidet.
Die haben den selben Modestyle wie ich.
Und die schlagen sich durch ganz halb Deutschland. Beim Fußball?
Geil, na da gehe ich doch mal hin beim nächsten Spiel….
106
„Oft während der absurden Kriege, die in der Kurve ausbrachen, sah ich mich plötzlich einem anderen
„Asozialen“ gegenüber, dieselben Haare, dieselbe Wut, aber er spricht keinen Römer Dialekt, hat
einen anderen Schal mit anderen Farben. Wer weiß, vielleicht vereinen wir uns eines Tages, anstatt
mit Stangen aufeinander loszugehen.“
Geppo, Anführer der AS Roma Ultras, 1982
Kampfzone 2:
(1992 - 1998)
107
Gegenwart / kleiner Kurs des Phänomens „Hooligans“
Fußball und Gewalt (mittlerweile international untrennbar miteinander verknüpft!):
Bei diesem Thema schaltet sich zumeist bundesweit die Bereitschaftspolizei mit Ihren
„Schlägerteams“ ein. Beim Landeskriminalamt in Düsseldorf ist die Zentrale
Informations-stelle Sporteinsätze (ZIS) angesiedelt; dort laufen Erkenntnisse über
Straftaten zusammenlaufen.
In drei Kategorien teilen die Fachleute der ZIS die Fans ein:
Da gibt es zum einen die Kategorie A: der Kuttenfan.
Er schwärmt für seine Mannschaft, schmückt seine Kleidung mit Aufnähern und Fanschal
und ist sehr sportinteressiert, kennt die komplette Mannschaft incl. aller Transfers etc.
Er bleibt friedlich und freut sich auf ein schönes siegreiches Spiel seiner Mannschaft.
Hooligans dagegen gehören der Kategorie C an.
Laut Definition der Polizei gelten sie als "gewaltsuchende Fans". Im Umfeld der ersten
und der zweiten Bundesliga schätzt man ihre Zahl auf rund 2300. Manch einer ist auf
die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe zu Recht mächtig stolz.
Die Ultras sind von den Hooligans zu unterscheiden. Sie sind eine Gruppe, die in
letzter Zeit großen Zuwachs erfahren hat. In Bundesliga -Städten wie Frankfurt und
Nürnberg gehören bis zu 1000 Fans zu den Ultras. Experten streiten darüber, wie sie
einzuordnen sind. Die Grenze zwischen Hooligans und Ultras ist für Laien mitunter
fließend. Die meisten Ultras gehören zu den 6100 Fans der Kategorie B.
Sie gelten damit nicht als gewaltsuchend, aber als gewaltbereit. Es ist aber trotzdem
so, dass die Ultras bei den Hooligans als notwendiges Übel akzeptiert werden, weil es
halt so ist.
Besondere Achtung genießen Sie deswegen jedoch nicht, bzw. werden sie auf gar
keinen Fall als gleichwertig anerkannt. Die Ultras sind hauptsächlich für die
Fangesänge, die Pyrotechnik sowie für die ganzen mannschaftsunterstützenden
„Effekte“ in den Stadien zuständig und machen ehrlich gesagt, auch die eigentliche
Stimmung darin aus. Jedoch ist es mittlerweile so, dass bei immer mehr unter den
Ultras, das Gewaltpotenzial zunimmt und hier die Grenze schwer zu ziehen ist. Die
Ultras kann man grob anhand Ihres Kleidungsstiles, welcher sich oft entsprechend
dem Verein in den jeweiligen Farben widerspiegelt, von den Holligans unterscheiden,
da diese ihren eigenen Dresscode, ohne Vereinsfarben vorziehen.
Stadionverbote in Deutschland haben derzeit knapp 3200 Personen. Diese Verbote
sprechen die Vereine aus, die dabei von ihrem Hausrecht Gebrauch machen. Dass sich
die meisten Hooligans nicht für Fußball interessieren, ist ein weit verbreitetes
108
Vorurteil. Viele von ihnen gehen zu jedem Spiel, sofern sie kein Verbot abhält oder sie
bereits vor den Spielen durch Unabwägbarkeiten ausfallen.
Vor und nach dem Spiel steht für Hooligans jedoch die Gewalt im Mittelpunkt. Bei den
Kämpfen gelten zwar ungeschriebene Regeln (keine Waffen, keine Tritte auf
Kontrahenten, die am Boden liegen etc.).
Leider wird jedoch, gerade bei den jüngeren Piccos, gegen diese Absprachen immer
öfter verstoßen.
Einig sind sich die Hooligans aber, Vereins - u. Länderübergreifend bei Ihrem
Grundsatz:
„ACAB – All Cops Are Bastards“
Keine Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz, was unter dem internen Motto:
„Getrennt in den Farben – Gemeinsam in der Sache“ allgemein bekannt ist.
Als Hool freust Dich ja nicht erst beim eigentlichen Spieltag, auf den Tag, sondern
bereitest Dich ja schon eine ganze Zeit vorher darauf vor (Je nach Spielgegner). Es gibt
z. B. bei guten Gegner auf jeden Fall im Vorfeld Absprachen bezüglich des
Treffpunktes zwischen jeweiligen Holls für die „3. Halbzeit“, die dann auch sehr oft
vor der „1. Halbzeit“ des Spiels abgeht, vereinbart. Diese sind in der Regel auch nicht
unbedingt in der Nähe der Stadien, da hier naturgemäß ein hohes Bullenaufkommen
zu erwarten ist. Gerne werden abgelegene Feldwege oder auch Parkplätze bevorzugt,
109
Plätze halt, bei denen man zumindest nicht unbedingt mit den Bullentrupps rechnen
muss. Du beschäftigst Dich im Prinzip die komplette Woche vor dem Spiel in
irgendeiner Form damit, und wenn Du selbst es nicht tust, dann auf jeden Fall Einer
Deiner Kollegen und die machen dann damit genauso nervös. Je näher der Tag X rückt,
desto mehr kribbelst bei Dir innen drinnen.
Die die Staatsgewalt nicht ganz dumm ist, kannst Du bei Auswärtsspielen da dann
auch nicht mit riesengroßen Gruppen von Hools anrücken, denn die sind sonst gleich
von den Bullen zersprengt, bzw. die bekannten Gesichter auch mal übers Spiel in nem
verschissenen Bullenbus aufs Abstellgleis gestellt.
Du reist deshalb mit unauffälligen 2 -3 Mannstarken Grüppchen auf verschiedenste
Wege an. Immer so, dass kein System von den Bullen erkennbar ist. Da passiert es
natürlich oft, dass Du viel zu früh dort bist und Dich dann unauffällig in der Stadt
aufhalten musst.
In der Stadt läuft die Sache in etwa so, dass das Zusammentreffen mit den Gegnern
in deren Homecity naturgemäß schwerer kontrollierbar ist. Straße, Spielplatz,
Parkplatz: Man weiß es vorher nicht. Keiner trägt klare Farben, sondern
Alltagskleidung. Woher weiß man, wann und wo es losgeht, wer zu wem gehört, wer
nur Zuschauer, wer Kämpfer ist? Das ist nicht immer so einfach. "Plötzlich knallt´s
halt."
Das Saugeil dabei ist, das den Hooligangruppierungen wirklich die unterschiedlichsten
Typen zusammenkommen und nur das Eine wollen. Und das schweißt sowas von
zusammen, das kann man nicht nachfühlen, wenn man es noch nie selbst erlebt hat.
Hier sind Anwält e neben arbeitslosen Freaks, Drogendealer neben Busfahrern,
Handwerksmeister und auch viele Staatsdiener privat. Hier sind echt sämtliche
Gesellschaftsschichten vertreten, und das Unglaubliche dabei ist, das sich hier dann
die Gleichgesinnten Hools im Gege nsatz zum Zivilleben perfekt verstehen,
aufeinander aufpassen und füreinander Geradestehen (Zumindest sollte es so sein,
aber das wird auch genauso gelebt!).
Natürlich gibt es für Insider verschiedene Chiffren bzw. Dresscodes, die überall
erkannt werden:
In einer fremden Stadt, auf Fußball -Tour mit den Jungs, erkennt man seine Gegner
auf den ersten Blick.
Das erste Indiz: die Modemarken!
Wenn sich ein kräftiger, junger Typ zwischen 20 und 35 Jahren mit New -Balance-
Schuhen, Klamotten von Chevingon, Best Company, Blue System, Thor Steinar, pitbull
oder dergl. im Umfeld eines Fußballspiels aufhält, ist das ein sehr guter Hinweis!
110
Bewegt er sich in einer Gruppe mit zwei bis vier ähnlich gekleideten Typen und
versucht dabei, völlig unauffällig zu wirken, dann ist durch dieses zweite Indiz die Lage
eigentlich schon so gut wie klar!
Indiz Nummer drei ist der ultimative Beweis für einen Hooligan: der direkte
Augenkontakt!
Denn Neunundneunzig Prozent der Leute blicken in aller Regel weg, wenn Du sie
direkt anschaust.
Nur eben dieses EINE Prozent schaut einem mit bohrenden Blicke an:
Mit Augen, die sprechen können.
Mit Augen, die sagen:
„Was guckst Du so blöd rüber, Du Wichser? Hier ist unser Revier! Ihr werdet heute
noch sowas von dem Arsch aufgerissen bekommen, dass Ihr es bitter bereuen werdet
überhaupt hierhergekommen zu sein! Und Dich Wichser habe ich mir für später
eingeprägt, aber wenn Du weiter so bescheuert rüber glotzt, kann ich Dir gleich hier
Deinen bescheuerten Schädel einschlagen, Du Dumme Kuh.“
Blicke wie diese sind der allerletzte, definitive Beweis dafür, dass man
Gleichgesinnten gegenübersteht. Und dann durchdringt Dich bereits die 2.
Schubwelle Adrenalin. Gänsehaut pur am ganzen Körper. Du blickst jetzt nicht nur den
Gegenüber an, sondern schaust Dich dabei gleichzeitig permanent nach allen Seiten
um, um auf gar keinen Fall ins Hintertreffen zu kommen, denn wie gesagt:
111
Es ist IHRE Stadt, Sie kennen sich hier aus!
In Ihrer Stadt gibt es naturgemäß auch ganz, ganz viele von Ihnen, und vielleicht
lauern die bereits an der nächsten Ecke!
Die Anspannung und das Adrenalin steigen mit jedem Schritt. Irgendwelche fremden
Geräusche? Polizeisirenen? Bekannte Gesichter? Nein, nichts dergleichen! Alles okay.
Noch! Ihr versucht natürlich ruhig zu werden. Und vorbereitet! Denn es kann jetzt
jede Min ute losgehen! Niemand von Euch spricht mehr. Noch 150 Meter bis zur
Fußgängerzone, in der Ihr Euch mit weiteren von Euch trefft. Du blickst nochmal über
die Kreuzung, aber anscheinend haben die anderen drüben entweder die Hosen
geschissen voll und tun und hoffen eigentlich, dass Ihr sie nicht aufmischt oder sie
wollen auf jeden Fall auch lieber das ganze Stück von Kuchen mitbekommen und nicht
bereits im Vorfeld Gefahr laufen, den Fight zu verpassen.
Noch 20 Meter. Ihr marschiert unaufhaltsam. So, nur noch eine Kurve und dann
werdet Ihr Eure Jungs schon sehen. Ein leichter Trab setzt ein. Ganz automatisch,
ohne ein Wort der Absprache. Jeder weiß in diesem Moment, was er zu tun hat.
10 Meter! Noch diese eine Ecke. Und los …
112
CB forever!
„Weißt Du, kein Mensch beschließt eines Tages: „Ab heute werde ich zum Hooligan.“
Dies ist eine schleichende Veränderung, die man selbst kaum bewusst wahrnimmt.
Da war meine mir aufgezwungenen alltäglichen Gewalterfahrungen seit frühester
Kindheit und da w ar diese ständige Suche nach Anerkennung, diese Gier nach
Konfrontation, über die ich mich am besten definieren konnte. Aus dem „Sport
Fußball“ und auch aus dem Verein „Waldhof Mannheim“ an sich machte ich mir
eigentlich nie wirklich viel. Bei mir war es w eder ein Bekenntnis zu einem lokalen
Verein noch ging es mir um diese langweiligen Spiele, in denen irgendwelche viel zu
hoch Bezahlte verweichlichte Mimosen einen Ball hin und her spielten. Ich kannte
bzw. kenne bis zum heutigen Tag so gut wie keine Namen von irgendwelchen Spielern
vom Waldhof.
Das war mir ehrlich gesagt alles vollkommen wurscht.
Klar krieg ich Gänsehaut, wenn die Chöre diverse Hymnen grölen und ich schreie dann
auch mit, aber das ist nicht so wichtig für mich. Das ist nicht der Grund warum ich zu
den Spielen ging.
Der einzige Grund war die Tatsache, dass man sich hier unter vielen seinesgleichen
klatschen und den Hang zur Gewalt ausleben konnte. Hier fand ich auch Verständnis
für diese ständige Wut in mir und hatte auch wirklich das Gefühl endlich unter
meinesgleichen zu sein, die nicht gleich herumheulten, wenn man mal wieder viel zu
schnell zuschlug oder sich nicht von komischen dummen Wichsern anpissen ließ,
sondern das sofort skrupellos und verdammt hart mit Gewalt regelte.
Nein, hier waren viele, die wirklich ähnlich tickten wie ich, die mich so akzeptierten
wie ich wirklich war ohne mich verstellen zu müssen.
Die nicht ständig versuchten mich in irgendeiner Form ändern zu wollen oder mir
irgendwelche spießbürgerlichen falschen Wertvorstellungen beibringen zu wollen.
Hier war ich Max, einfach nur Max! Hier fand ich so etwas wie ein Stück Heimat. Eine
Vertrautheit untereinander sowie eine 100% Akzeptanz meiner Person.
Ja fast so etwas wie man eine Familie definiert glaub ich. Auf jeden Fall wesentlich
mehr und ehrlicher als bei der Familie, bei der ich aufwuchs, die mich schon immer
verachtete, misshandelte und letztendlich sogar verraten hatte an den Staat oder an
die Anderen. Aber das ist ja eh dasselbe!
Einer meiner sehr guten langjährigen engen Kumpels war zum Beispiel das „Tier“.
Eigentlich hieß er Jan. Aber keine Sau nannte ihn so, ich gehe davon aus das die
wenigsten überhaupt seinen richtigen Namen kannten. Allgemein war er unter diesen
Spitznamen be kannt. Er war mit seinen fast zwei Metern einer der Leader einer
113
Gruppe von den Mannheimer Hools. Und das in einem der miesestem Viertel
Mannheims!
Man kann eigentlich sagen, dass ich mehr oder weniger durch Jan auch den direkten
Kontakt zu den Waldhöfern fand.
Kennengelernt hatte ich ihn direkt bei dem ersten Spiel im Ludwigshafener
Südweststadion, wo der SVW in dieser Zeit spielte, da das alte Stadion am Alsenweg
nicht Liga-tauglich war. Aber wie gesagt war ich dort ja mehr aus Neugier denn aus
Spielinteresse.
Eigentlich galt mein Interesse diesen von mir vorher nicht bekannten Hooligans, über
die ich in den Wochen davor viel hörte und auch ab und zu las.
Ja diese „Hooligans“ faszinierten mich eigentlich, weil ich das so in dieser Form vom
Fußball in Würzburg nicht kannte, es aber unbedingt kennenlernen wollte.
Leider war dieses besagte Spiel aber so langweilig und uninteressant für mich, dass
ich bereits in der Halbzeit beschloss wieder die Flatter zu machen. Weder sah ich in
dem Block, in dem ich war Typen, die in meinen Augen aussahen wie „Hooligans“ oder
so wie ich mir diese zu dem Zeitpunkt vorgestellt hatte noch sah es irgendwie nach
sonst was aus. Es war genauso wie ich den Fußball vom Fernseher und aus Würzburg
kannte. Einfach scheißlangweilig.
Dann außerhalb des Stadions, abseits vom Fußballgeschehen, bekam ich mehr zufällig
mit wie in einem Nebenweg ein paar Typen laut herumgekrischen haben und dann
sah ich auch, dass ein Haufen von bestimmt 4 -5 Spackos auf irgendwem am Boden
liegenden eintraten. OK, da hatte ich dann auch nicht lange gefackelt oder groß
überlegt, bin also direkt hingerannt und hab einen von hinten mit vorgestrecktem
Bein ins Kreuz getreten.
Dann habe ich einen daneben an seinen Haaren nach hinten gerissen und ein paar
schnelle Schläge auf den Kopf gegeben.
Jetzt hatten auch die Anderen wohl mitbekommen, das hier Verstärkung für den
zusammengeschlagenen Typ am Boden da war.
Aber ich war damals echt saugut und durch die täglichen Gewalte xzesse ja überaus
erfahren.
Deswegen hatte einer so schnell eine auf seine Nase gekriegt, dass der Typ daneben
gar nicht schnell genug schauen oder was tun konnte, da hatte auch der Penner eine
auf die Halsschlagader gekriegt, dass er direkt umging.
Jetzt fand auch der getretene wieder hoch, registrierte das ich ihm half und klatschte
jetzt auch noch fluchend den einen oder anderen.
114
Auf jeden Fall ging das nicht so lange und die Penner machten die Flatter. Schnaufend
sahen wir uns dann ins Gesicht und der Typ grinste mich an. „Danke, coole Sache
Alter, die Scheiß Oxxebacher-Wichser, haben mich hier kalt erwischt“
Dabei reichte er mir seine riesengroße Hand entgegen: „Ich bin der Jan! Haste Lust
auf ein paar Bierchen in der Stadt, das hier in Stadionnähe ist alles verficktes
Dünnbier“ sagte er kurz. „Max“ gab ich zurück „klar bin dabei“ und spuckte dann ein
bisschen Blut aus.
Dann lachten wir beide und das war’s! Das war ehrlich und auf den Punkt gebracht!
Mit seinen Händen so groß wie Schaufeln und einem hammerharten Schlag war Jan
echt ein gewaltiger Typ. Stark, brutal, skrupellos – ein Tier eben. Und unter uns gesagt
war Jan auch nicht gerade einer der hellsten, was aber völlig ok war, verlassen konnte
man sich immer blind auf ihn. Hatte er irgendeine Idee und fand die gut, wurde nicht
lange gefackelt, sondern gleich mal ausprobiert.
In der Anfangszeit waren wir mal zusammen auf ner Party, die eigentlich gar nicht so
schlecht war. Ein Haufen geiler Mädels da und so. Trotzdem hatte der Gute mitten in
der Nacht einen Einfall, keine Ahnung woher aber so war er halt.
Spontan machte sich Jan zusammen mit zwei Kollegen gegen 02:30 Uhr auf in die
Mannheimer Innenstadt, auf der Suche nach einem kleinen Nebenverdienst. Das Ziel:
die Chevingon-Boutique in den Planken. Chevingon war eine der angesagten Marken
in der Hooligan-Szene. Neben Best Company, Blue System und Burberry. Abgerundet
wurde das Outfit zumeist mit New -Balance- oder Adidas -Torsion-Turnschuhen.
Markenkleidung war in der gesamten Hooligan -Szene angesagt und diente oft auch
als heimliches Erkennungszeichen.
In der Altstadt angekommen, hatten die drei eine Kellerschachtabdeckung aus der
Verankerung gerissen und damit die riesige Schaufensterscheibe der Chevingon-
Boutique eingeschlagen. Wohlgemerkt mitten in der Fußgängerzone! Einer hatte im
Fluchtwagen gewartet, während die anderen in den Laden gestürmt waren und alles
zusammenrafften, was sie in kürzester Zeit greifen konnten. Einer der drei schien sich
an den Glasscherben geschnitten zu haben, denn einige Pullover und T -Shirts waren
mit Blut verschmiert, als der Mob zurück zur Party kam.
Die Ware wurde, ohne große Worte zu verlieren, auf einem Tisch ausgebreitet und
der Sommerschlussverkauf konnte starten: Ein Chevingon-Pullover kostete 40 statt
120 Mark, ein T -Shirt 20 statt 50 Mark. Es dauerte keine zehn Minuten und der
gesamte Tisch war leer gekauft und die Jungs hatten in Rekordzeit ein paar hundert
Mark umgesetzt. Ich selbst bekam ein Shirt geschenkt – „für einem standfesten neuen
Kameraden“, wie unter schelmischem Grinsen angekündigt wurde. Der „neue
Kamerad“ nahm das Geschenk an und grinste über beide Ohren. Endlich mal Jungs,
115
die wie ich sind und sich nicht in die Hose Scheißen! Wenn ich da an die Schwetzinger
Pisser und dem Aufstand wegen der Jackenaktion dachte!
Der Einbruch und der Diebstahl lösten bei mir keinerlei moralische Bedenken aus.
Mein Rechtsempfinden und Schuldbewusstsein wurden immer weiter ausgehöhlt.
Zuerst bezog sich das nur auf Körperverletzung und Landfriedensbruch – die
klassischen Verstöße von Hooligans. Mittlerweile bereiteten mir aber auch solche
Geschichten wie die mit dem Chevingon-Laden keine schlaflosen Nächte mehr. Selbst
der rege Drogenhandel unter den Mitgliedern der CB und der Firm kollidierte nicht
mit meinem Rechtsbewusstsein. Ich blendete solche Dinge für mich komplett aus und
handelte sie mit einem lapidaren „Die sind schließlich alt genug“ einfach ab. Ich nahm
diese Geschichten, die ich am Rande mitbekam, nicht mehr als Straftaten wahr. Mein
sowieso nicht gerade gut ausgebildetes Rechtsempfinden stumpfte immer weiter ab,
ohne dass ich es mir selbst eingestanden hätte oder mir irgendwelche Gedanken
darübermachte.
Die zum Teil fatalen Konsequenzen schwerer Schlägereien, die Verletzungen,
Sachbeschädigungen und Spätfolgen, wurden von mir hingenommen, ohne auch nur
irgendetwas kritisch zu hinterfragen. Wenn jemand durch gezielte Fußtritte schwer
am Kopf verletzt wurde, gab es dafür bestimmt einen Grund, dachte ich zu jener Zeit.
Moralische Bedenken hatte ich keine. Oder keine mehr, falls ich überhaupt jemals
welche hatte. Gewissensbisse oder so ebenfalls nicht. Warum auch?
Auf einmal, mitten im Satz stoppt Max plötzlich und fragt mich „Weißt du, manchmal
frage ich mich: Was bringt Euch Euer Gewissen? Warum soll man nach den
moralischen Grundsätzen ein Gewissen haben? Damit wird man doch nur zum
Verlierer."
116
Ich war außerordentlich irritiert durch diese Frage, da ich hierauf nicht wirklich
vorbereitet war.
Nach einer Weile antwortete ich mit einer Gegenfrage: "Dann sage mir doch, Max,
wenn du die Wahl hättest, ich meine, eine wirklich freie Wahl in der Angelegenheit -
die du natürlich nicht hast -, würdest du dich dafür entscheiden, ein Soziopath zu sein,
so wie jetzt ... also, jeder Schandtat fähig oder würdest du es vorziehen, ein Gewissen
zu haben, so wie z.B. ich jetzt eines habe?"
Er dachte einen Moment nach und sagte dann zu meiner Überraschung: "Du hast
Recht, Ich würde mich für ein Gewissen entscheiden."
"Warum?" drängte ich ihn.
Nach einer Pause und einem langgezogenen "Na ja ...", sagte er schließlich, "Also, ich
weiß nicht genau, warum. Ich weiß einfach nur, dass ich mich für das Gewissen
entscheiden würde. Dann wäre ich wohl auch kein Soziopath in Euren Augen mehr,
richtig?"
Und vielleicht wünsche ich mir das nur, aber ich hatte den Eindruck, dass sich Max
Tonfall nach dieser Aussage ein wenig geändert hat. Er klang etwas weniger
gleichgültig und kam mir in den darauffolgenden Stunden ein klein bisschen
nachdenklicher vor.
Für lange Zeit nach diesem Gespräch war ich fasziniert von dieser Frage von Max
"Warum sollte man ein Gewissen haben?" und von seiner Entscheidung, lieber mit
einem Gewissen zu leben als davon frei zu sein, und von dem Umstand, dass er nicht
sagen konnte, warum er sich so und nicht anders entscheiden würde.
Ein Moralist oder Theologe hätte vielleicht geantwortet "Weil es richtig ist" oder "Weil
ich ein guter Mensch sein will". Aber Max Bane, der gewissenlose Psychopath, konnte
keine psychologisch begründete Antwort geben.
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir gerade jetzt, in einer Welt, die am Rande der
Selbstzerstörung durch Wirtschaftskriminalität im globalen Ausmaß, Terrorismus und
Kriege des Hasses zu stehen scheint, den psychologischen Grund darüber, warum ein
Mensch mit einem Gewissen besser ist als ein Mensch, der nicht von Gefühlen der
Schuld oder der Reue eingeschränkt wird, herausfinden müssen und auch darum geht
es ja zum Teil in diesem Buch!
Unterstützend dazu die in diesem Buch aufgeführten Schilderungen von Max Bane,
der natürlich KEIN Gewissen hat, da brauchen wir uns nichts vorzumachen oder
vorzumachen lassen!
117
Anschließend können Sie sich hoffentlich mithilfe der so gewonnenen Einsichten, als
Teil der restlichen 96 Prozent normaler Menschen (zumindest gehe ich davon an
dieser Stelle aus) selbst ein eigenes Bild davonmachen, was es wert ist, mit einer
Eigenschaft ausgestattet zu sein, die einem oft das Leben erschwert, Schmerzen
verursacht und - ja, in der Tat - einen einschränkt.
Wenn es ums Gewissen geht, scheinen wir eine Gattung der Extreme zu sein. Wir
müssen nur unsere Fernseher einschalten, um diese verwirrenden Gegensätze zu
erleben: Wir sehen Bilder von Menschen auf den Knien, um einen Welpen aus einem
Abflussrohr zu retten, gefolgt von Berichten über andere Menschen, die Frauen und
Kinder abschlachten und die Leichen zu Stapeln aufschichten. Und in unserem
gewöhnlichen Alltagsleben sind die Kontraste ebenso vielfältig, wenn auch vielleicht
nicht so spektakulär. Am Morgen lä uft jemand hinter uns her, um uns lächelnd den
Geldschein zurückzugeben, den wir verloren haben, während uns am Nachmittag ein
anderer grinsend im Verkehr den Weg abschneidet.
Bedenkt man das so radikal gegensätzliche Verhalten, das wir jeden Tag erleben,
müssen wir offen über beide Extreme menschlichen Wesens und Verhaltens
sprechen.
Aber ich schweife vom eigentlichen Thema ab, denn die Erinnerungen von Max an die
Mannheimer Hooligan-Zeiten waren noch lange nicht zu Ende:
„Die Party ging bis morgens um 6 Uhr. Wir standen die letzten Stunden singend Arm
in Arm mit nackten Oberkörpern zusammen und verglichen diverse Tätowierungen
miteinander. Wir schrien unsere alten Fußball-Lieder oder brüllten Schlager von Udo
Jürgens „Griechischer Wein“ und „Ich war noch niemals in New York. Dazu die alten
Scheiben der Böhsen Onkelz. Unsere Hymnen, unser Lebensgefühl.
Wie viele Knochenbrüche, Blutergüsse und posttraumatische Belastungsstörungen
wir in dieser Zeit hinterlassen hatten, ließ sich kaum noch zählen. Es war ein Leben
auf der Überholspur. Wo Macht ist, wird sie auch genutzt. Oder vielleicht sogar
ausgenutzt. Schlägereien waren in unserem Leben zur Routine. Ob beim Fußball, in
Clubs oder Diskotheken, bei irgendwelche Festen oder Partys – gewisse Dinge wurden
bei uns nicht diskutiert. Nicht dass das jedes Wochenende so gewesen wäre, aber
fast! Es gab auch Partys, bei denen wir einfach nur ausgelassen feiern konnten. Es war
nicht so, dass wir die Schlägereien gebraucht hätten, um Spaß zu haben, naja
eigentlich doch irgendwie!
Wir hatten Spaß, wenn wir uns mit anderen schlagen konnten. Und wer auf einem
Weinfest oder einem Stadtfest einem Typen wie Jan gegenüberstand, musste nicht
Soziologie studiert haben, um herauszufinden, wie er mit seinen knapp zwei Metern
Körpergröße und mittlerweile 125 Kilo Lebendgewicht Probleme lösen würde.
118
Wir starteten in ein typisches Wochenende: freitagabends zwei Stunden Ju -Jutsu-
Training, danach von der Tanke Jim Beam -Cola oder Bier und Wodka im Auto und
dann ging es, entweder noch in irgendeine Kneipe, meistens irgendeine in der City
oder direkt los. Aber eigentlich meistens zum Dimi in die Kneipe am Alsenweg, wo in
aller Regel auch die nächsten Spiele und gemeinsamen Auftritte geplant wurden. Zu
diesem Zeitpunkt wollte der Waldhof bei einigen Wiederaufstiegsversuchen wieder
in die 1. Liga rein.
So auch an diesem Samstag irgendwann im Spätsommer 1993.
Gegen 2 Uhr steuerten wir das milk! an. Eine etwas kleinere Clubdisko, die sich erst
weit nach Mitternacht füllte, die eigentlich immer mit ganz coolen Leuten voll waren.
Alle halt komplett mind. auf Trip oder so. Aber cool! Zu jener Zeit schlossen sich etwa
30 Rockabillys zu einer neuen Gruppierung in Mannheim zusammen. Wir hatten
schon von ihnen gehört. Sie nannten sich wie auch immer, ist nicht wichtig.
Witzfiguren in Jeans-Look mit Schmalztolle und tätowierten Armen, die auf Rocker -
Gang machen wollten. Die wilden 50er-Jahre wollten diese Typen neu durchleben –
mit schwarzen Maschinen, bösem Outfit und lockeren Fäusten. Man würde ja sehen.
Wir City Boys freuten uns schon länger auf eine Begegnung mit diesen
Schwachmaten, da diese anscheinend hinter unsere m Rücken das Maul viel zu weit
über uns aufrissen, was man so hörte.
Auf jeden Fall war der Laden gestopft voll und diese Rocker waren auch drinnen.
Naturgemäß hatte ich dann wohl irgendwann einen von den Hillbillys im Vorbeigehen
angerempelt. Ich hatte das nicht einmal bemerkt, da ging es auch schon los. Der Typ
drehte sich zu mir um und blaffte mich blöd von der Seite an: „Hey, noch so eine
Aktion und es passiert was, Freundchen!“
119
Herrlich! Schon wieder musste ich meinem einigermaßen unscheinbaren Aussehen
Tribut zollen. Ich war kein Riese wie Jan und mir quollen auch keine Knast -
Tätowierungen aus dem Hemdkragen wie bei einigen anderen Waldhof-Jungs. Ich sah
wie leichte Beute aus un d das verschaffte mir bei einigen Gelegenheiten erhöhten
Handlungsbedarf. Auch so an jenem Abend.
„Halt die Klappe, Schmalzlocke, sonst muss ich dir draußen leider den Arsch
aufreißen!“ Das übliche Vorgeplänkel lief an. Die Pseudo -Rocker waren zu viert, Jan
und ich alleine. Eigentlich eine klare Sache. Dennoch besprach sich mein Freizeit -
Rocker zunächs t mit den anderen Schmalztollen. Wild gestikulierend zeigte er mit
dem Finger auf mich – seine drei Freunde schienen sofort Feuer und Flamme zu sein.
Sie schauten bedrohlich zu mir rüber und nahmen eine aggressive Körperhaltung ein.
„Na, los – gehen wir ra us“, sagte die Schmalzlocke endlich. Der Türsteher ließ uns
gewähren, schließlich versuchten wir immerhin, den Ärger außerhalb des Laden
abzuwickeln.
Wir gingen etwa fünf oder sechs Meter vom Eingang weg, dann drehte ich mich um.
Die vier Rockabillys waren direkt hinter uns und ich schaute mir die Jungs nun richtig
an. Drei von ihnen hatten in etwa meine Größe und Statur, der vierte war eher Jans
Kaliber. Ein großer, breiter Klotz mit bulligem Gesicht. Die Schmalzlocke trat auf mich
zu. Er hob seine Hände, kniff die Augen zusammen und schrie mich plötzlich an: „Wisst
ihr eigentlich, mit wem ihr es hier zu tun habt, ihr Ärsche? Wir sind die „ Rebell
Brutenders“ oder so ähnlich halt. Ist aber auch nicht wichtig. Und ihr zwei
Flachwichser wollt euch mit uns anlegen?“
Ich schlug sofort zu. Links, rechts, mitten auf seine vorlaute Klappe. Durch die Wucht
der Schläge stolperte er nach hinten und prallte gegen einen Betonpfeiler. Dann gab
ich ihm einen Drehkick hart unter die kurze Rippe. Ihm blieb augenblicklich die Luft
weg. Er sackte auf die Knie und versuchte krampfhaft, zu atmen. Ich sehe noch heute
seine panischen Augen. Er bekam keine Luft mehr und realisierte auch nicht, dass es
innerhalb von ein paar Sekunden zu einer Schlägerei kommen sollte, die er bereits
verloren hatte. Bei all seinen Rocker -Posen kannte er die wichtigste
Straßenkämpferweisheit nicht: „Wer zuerst schlägt, gewinnt!“
Jan nahm zwei Schritte Anlauf und knallte dem Riesen eine wuchtige Rechte ins
Gesicht. Im Bruchteil von einer Sekunde lag der Typ beinah waagrecht in der Luft –
wie in einem schlechten Bud-Spencer-Film. Ich schnappte mir den dritten Typ und gab
ihm einen F ußtritt an den Kopf. Er zuckte instinktiv zurück, sodass ihn mein Schuh
nicht voll erwischte. Jan wollte sich gerade den vierten Typ vorzuknöpfen, als plötzlich
ein unbeteiligter Disko-Besucher eine komplette Flasche CS-Gas versprühte. Das Spiel
war zu Ende. Die Augen brannten und der Widerstand der Rockabillys war gebrochen.
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Schlusspfiff würde es im Fußball lauten!
Die Schmalzlocke stand wieder auf den Füßen. Die Lippe war aufgeplatzt und er
blutete stark. Er fasste sich mit der Hand immerzu an seinen Mund und jammerte wie
ein kleines Kind: „Meine Zähne! Meine Zähne sind lose!“ Uns war das aber scheißegal
und wir gingen wieder runter ins milk! Direkt an die Theke, bestellten Jacky-Cola und
ließen die Nacht gegen 6 Uhr ausklingen.
Die Schlägerei hatte sich schnell herumgesprochen. Dabei war für uns die Sache längst
abgeschlossen. Es war ja nicht viel passiert. Ein bisschen Ärger, ein paar Schläge, keine
schweren Verletzungen, eine ganz normale Kneipenschlägerei unter Clubbesuchern,
mehr war das für uns damals nicht. Die Sache mit den Hilfsrockern war geklärt und
abgeschlossen.
Das zumindest dachten wir!
Die Rockabillys sahen das ganz anders. Sie zogen anscheinend Erkundigungen über
uns ein und wussten mittlerweile, dass wir zur Mannheimer Hooligan -Szene
gehörten. Was sie nicht wussten: Sie hatten im Grunde keine Chance. Die Rockabillys
wollten Rache nehme n. So wie in den 50er -Jahren, als es jedes Wochenende
Massenschlägereien und Revierkämpfe zwischen verfeindeten Gruppen und Gangs
gab. Volles Kindergartenprogramm, das mich irgendwie an die alten Zeiten in
Würzburg zurückerinnerte. Da man aber immerhin einen Ruf in Mannheim zu erfüllen
hatte, vereinbarten wir halt ein Treffen an einen Samstagabend. Beide Gruppen
sollten in voller Stärke antreten. Dann würde man ja sehen, wer das Sagen in
Mannheim hätte. Das waren noch die harmlosesten Sprüche von den
Rockerwichsern, die man so hörte. Große Worte vor einem „großen Kampf“!
Samstagabend vor dem „7er“, einem eher düsteren Club in der Industriestr, aber ganz
gut und relativ abgelegen!
Wir trafen uns zunächst in unserem Stammlokal „Dimi“ am Alsenweg. 35 Jungs – 20
davon erfahrene Fighter und etwa 15 Piccos, also Nachwuchskräfte, die sich in der
Gruppenhierarchie nach oben boxen wollte – waren an diesem Abend in der Kneipe.
Alle bereit fü r den großen Rocker -Ausverkauf. Aus meinem engeren Umfeld waren
neben Jan und Jockes noch Ole und der Krüppel da. Die Stimmung war gut und
irgendwie bemerkten wir gar nicht, wie die Zeit davonrannte. Kurz nach 1 Uhr
betraten plötzlich zwei Rocker das Lokal . Die beiden Späher sollten sich wohl einen
Überblick über unsere Mannschaftsstärke verschaffen und in Erfahrung bringen,
wann wir endlich am „ 7er“ auftauchen würden. Neben mir stand Fritz, einer der
härtesten Fighter, die ich jemals in Aktion sah. Sein Geld verdiente er als
Industriemechaniker und Türsteher und er betrieb seit Jahren Kampfsport auf
höchstem Niveau. Fritz war immer und überall für e ine Schlägerei zu begeistern und
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er bestätigte alle Vorurteile, die in der Öffentlichkeit über Hooligans vorherrschten:
Er interessierte sich, genauso wie ich, kein bisschen für Fußball. Das gab es bei den CB
kaum. Eigentlich liebten irgendwie alle leidenschaftlich unseren Verein den Waldhof
Mannheim, egal in welcher Liga er spielte. Nur Fritz eben auch nicht – er war ein Mann
ausschließlich für die dritte Halbzeit!
„Schau dir das mal an! Zwei von den Scheißtypen trauen sich tatsächlich in unseren
Laden“, murmelte ich zu ihm. Der sah kurz auf und schon hatten die beiden
Rockergesellen bemerkt, dass sie entdeckt waren, machten auf dem Absatz kehrt und
gingen hastig wieder hinaus. Nichts wie hinterher!
Nach ein paar Metern holten wir die beiden auf der großen Kreuzung ein. Fritz
schnappte sich eine Elvis -Tolle und schlug ihm ansatzlos einen rechten Haken ins
Gesicht. Dann riss er ihn zu Boden und fixierte mit beiden Fäusten seinen Oberkörper.
Ich stellte langsam meinen Turnschuh auf seine Stirn. Sein Kumpel stand entsetzt und
regungslos daneben. Fritz sprach laut, aber kontrolliert: „Was fällt euch ein, in
unseren Laden zu kommen, ihr blöden Wichser! Was fällt euch eigentlich ein?“ Der
Typ am Boden stamme lte nur noch: „Wir warten auf euch. Wir wollten nur wissen,
wann ihr kommt.“ Fritz entgegnete ihm. „Jetzt! Wir kommen jetzt, du Arschgesicht.
Geh zu deinem Scheißhaufen und sag ihnen, dass wir kommen. Und jetzt verpisst
euch.“ Er löste seinen Griff, ich na hm meinen Fuß von seiner Stirn und er stand auf.
Zwei junge Nachwuchskräfte traten den beiden noch kräftig in den Arsch und dann
hauten die beiden Pisser auch schon ab. Genau die richtige Ouvertüre! Alle waren nun
total heiß. Kein weiteres Gesaufe mehr, kein Gequatsche mehr – es konnte losgehen.
Nach etwa 20 Minuten waren wir in der Nähe des „7er“. Uns war ein bisschen unwohl
bei der Sache, schließlich würde Samstagnacht vor dem Laden verdammt viel los sein
und für die Straßenstrichnutten war ja sozusagen auch um diese Zeit die Primetime.
Und zu viele Augenzeugen waren das Letzte, was wir bei Aktionen wie diesen wollten.
Fritz, der große Schalker, der auch so ein abgedrehter Hool war, und ich gingen zu
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dritt an der Spitze. Direkt hinter uns waren Jan und Jockes. Der große Schalker zog die
Kapuze seines Shirts über den Kopf und schnürte es so weit zu, dass nur noch ein
kleiner Teil seines Gesichts zu erkennen war. Ich hatte für solche Fälle immer ein
bedrucktes Einstecktuch dabei, dass ich mir über die Nase band. Geil einen Mob um
diese Zeit hatte man auch nicht jeden Tag und war schon was Besonderes.
Nur noch 200 Meter bis zum „ 7er“. Die Anspannung und das Adrenalin stiegen mit
jedem Schritt. Ich scannte die Umgebung ab, wie ich es immer tat. Polizei irgendwo?
Nein, nichts zu sehen. Alles okay. Wir waren ruhig und geil auf Gewalt. Niemand
sprach mehr. Wir hatten geplant, von der Neckarseite aus aufzuschlagen. So würden
wir die Bande unvorbereitet erwischen. Wie von Geisterhand gesteuert marschierten
wir unaufhaltsam. Ganz automatisch, ohne ein Wort der Absprache. Jeder wusste in
diesem Moment, was er zu tun hatte.
10 Meter. Noch diese eine Ecke. Und los …
70 Hände ballten sich zu Fäusten. Feuer frei! Die Gruppe Rockabillys standen gebannt
da und schauten tatsächlich in die falsche Richtung, diese Vollpfosten. Als sie uns
schließlich bemerkten, war es schon zu spät.
Ich sprang dem ersten, der mir in den Weg kam, aus vollem Lauf mit gestrecktem Bein
in den Brustkorb. Er flog etwa drei Meter weit nach hinten und prallte in die dort
abgestellten Motorräder. Dieser Typ stand nicht mehr auf. Fritz schlug dem
Nächstbesten direkt die Nase kaputt – ein Geräusch, als würde man ein dickes Stück
Holz brechen. Etwas weiter rechts von mir hörte ich nichts als dumpfe Schläge und
Schmerzensschreie. Wir hatten sie einfach überrollt, kraftvoll wie eine Welle. Und
damit hatten die Pseudo-Rocker nun gar nicht gerechnet.
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Zwei oder drei der Brutenders setzten anfänglich ein paar unserer Jungs ordentlich
zu. Aber am Ende wurden auch sie zusammen mit den restlichen Schmalzlocken
überrannt und übel zusammengedroschen. Mit so einem Auftritt hatten die
Rockabillys nicht gerechnet. Sie hatten sich komplett ü berschätzt. Und einfach nicht
geahnt, mit welcher Schlagkraft und vor allem auch mit welcher Routine eine Horde
Fußball-Hooligans auftreten kann.
Für uns war es ein Festtag: Samstagnacht, Sommer, Bier und Wodka, keine Polizei,
keine verdeckten Ermittler, keine Kameraüberwachung und das allerbeste daran:
willige Opfer.
Die „Rebellen“ sammelten sich vollkommen demoralisiert. Manche lagen oder saßen
noch immer benommen auf dem Boden. Bestimmt 50 Schaulustige standen in der
Zwischenzeit vor dem „7er“ und starrten entsetzt auf die blutenden und stöhnenden
Menschen auf dem Teer. Auch einige der Nutten gafften herüber zu uns. Ein
grauenhafter Anblick für Unbeteiligte oder harmlose Diskobesucher. Für uns war das
normal. Was war denn schon geschehen? Hatt en wir unschuldige Passanten
verdroschen? Frauen? Kinder? Ältere Menschen?
Nein! Einem Haufen abgefuckter Möchtegern-Rockern hatten wir es besorgt. Typen,
die sich schlagen wollten! Einem Kampfsport gleich. Oder hätte ein Profi -Boxer etwa
Gewissensbisse?
Nein!
Weshalb sollten wir dann welche haben?
Wir waren Profi-Schläger!
Plötzlich als das Adrenalin nachließ, kam ich wieder zu mir und schaute so in die
Menge der Schaulustigen.
Scheiße! Unter den vielen Schaulustigen standen natürlich auch ein paar, die mich
kannten. Und ein paar Straßen weiter hörte ich die ersten Polizeisirenen. Wir mussten
schnell verschwinden!
Denn eins war ja klar: Wir könnten tun, was wir wollten – wir dürften uns nur nicht
dabei erwischen lassen!
Weg! Schnell weg! Wir mussten gehen!
Aber so paradox es klingen mochte: ganz ruhig, ganz langsam und ganz normal. Wir
durften nicht weglaufen. Nicht auffallen. Was eigentlich zumindest in der
Industriestraße unmöglich war!
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Wir mussten schlendern – in kleinen Gruppen gemütlich die Straße entlang. Um dann
abzutauchen in dem Strom der normalen Nachtschwärmer. Da kamen auch schon die
ersten beiden Polizeiwagen mit Blaulicht und Sirene an uns vorbeigerast. Die Show
war vorbei!
Auch für die Rebell Brutenders. Gut die Hälfte der Rocker -Bande erlitt schwere
Verletzungen, z.B. verschobene Nasenbeine, eingedrückte Jochbeine, dutzende
Platzwunden und unzählige Rippenverletzungen, etc.
Eine Woche später erfuhren wir, dass sich die Brutenders nur einen Tag nach der
Schlägerei wieder aufgelöst hatten.
Drei Monate nach der Gründung!
Es gab keine Rockabillys mehr! Die peinliche Ted-Offensive war beendet!
Die Pseudo -Rocker wurden zumindest in dieser Formation in Mannheim nie
wiedergesehen!
Der Punkt bei dieser Schlägerei war jedoch nicht, die Klopperei an sich, sondern die
schlichte Tatsache, dass unter den „Zuschauern“ wie gesagt auch Leute waren, die
mich leider kannten. So auch mein direkter Vorgesetzter in der Firma! Und dort
wussten die natürlich nicht, was wir so alles in unserer Freizeit für Gesetzesbrüche
und dergl. machten!
Im eigentlichen Sinn leben wir alle ja eine Art Doppelleben. Während der Woche
meistens relativ brav am Arbeiten und so und dann jedes Wochenende diese
eskalierenden Gewaltausbrüche!
Wie lange konnte so ein Doppelleben noch gut gehen? Mein Alltag war eine einzige
Lüge. Im wahrsten Sinne des Wortes eine Lebenslüge. Ich musste ja alle Zivilisten und
vor allem die Anderen und diverse Freundinnen um mich herum belügen, wenn sie
mal wieder mit Blut und Dreck verschmierte Shirts oder Hosen von mir in der Wäsche
hatten. Ich musste lügen, wenn ich mit Blutergüssen oder verkrusteten Platzwunden
zur Arbeit erschien. Von außen betrachtet schien ich ständig in kuriose Zwischenfälle
verwickelt zu se in. Meine Arbeitskollegen mussten einfach glauben, ich sei gestürzt
und hätte mich dabei verletzt.
Meinen Vorgesetzten erzählte ich etwas von Sportunfällen. Mal bekam ich
versehentlich einen Squash -Schläger auf die Nase, mal ging beim Boxtraining ein
Schlag daneben. In Wahrheit hatte ich mir auf einem Rock -Konzert bei einer
Schlägerei den rechten Handwu rzelknochen gebrochen. Meine Kollegen vom
Waldhof und ich schwammen auf einer Welle und gerieten immer wieder in
gefährliche Strudel. Ein ewiger Tanz auf einer Rasierklinge mit zum Teil tiefen Wunden
und Einschnitten.
125
Ok, wenn Du mich jetzt fragst, ob ich denn dabei kein schlechtes Gewissen hatte?
Dann antworte ich dir ehrlich:
Nein, das Gewissen plagte mich nicht!
Wer zum Duell schritt – Mann gegen Mann –, musste auch einstecken können!
Wer in einen Kampf ging, musste verlieren können!
Auch wir mussten mit Niederlagen umgehen.
Nicht jeder von uns ging siegreich aus diesen Schlägereien hervor. Nein, auch wir
mussten ab und an einstecken!
Auch wir mussten Niederlagen verarbeiten!
Aber für uns Hooligans war diese Welt eine ehrliche. Geradlinig und authentisch. Fast
keine Hinterhalte, keine Intrigen, kein Mobbing, keine falschen Bündnisse. Keine
scheinheilige verlogene Gutbürgerliche Welt!
Gerade heraus, offen und mit einer klaren Sprache, die auf dieser Welt jeder
verstehen konnte!
Einer für alle – alle für einen!
Rücken an Rücken!
We stand loyal til the end…
Wie in den Helden- Filmen, die wir früher mit großen Augen aufgesogen hatten oder
auch wie den Kassettenhörspielen von damals.
Da fällt mir ein, Du hast nicht zufällig ein bisschen Pep zum Ziehen dabei?“
Mit fragenden Augen schaut mich Max Bane jetzt an.
Ich spüre das er es ernst meint!
„Äh, nein Max. Wie Du doch weißt werden wir beim Eintritt in diesen Trakt der Klinik
IMMER gefilzt!“
Ich war auch leicht perplex über diesen knallharten ansatzlosen Übergang oder
Themenwechsel von Max, da ich von seiner Hooligan -Geschichte voll gedanklich
mittendrin war, so plastisch hatte er es erzählt.
„Naja, Du Stricher, hätte ja sein können!“ Dabei grinst er mich an und boxt mir dabei
fast freundschaftlich vor die Brust.
„Dann mal bis zum nächsten Mal, und jetzt schleich Dich!“
126
Das war’s für diese Lektion und ich ging raus durch die dunklen Flure, durch die
vergitterten Türen an den Kameras und den durch die mit Panzerglas versehen
Fensterscheiben, durch die mich irgendwelche Anstaltsmitarbeiter kritisch
beobachteten raus aus diesem so tr aurigen Gebäude. Raus aus der Anstalt. Was für
eine Geschichte. Der Typ ist sowas von krass! Unglaublich!
Wie jedes Mal nach meinen Besuchen, bei Max Bane in der Anstalt benötige ich
mehrere Schnäpse und sonstige
Alkoholika um diese Geschichten zu verarbeiten!
127
Gewalt ist doch die Lösung
In unserem Block verwandelte sich Freude und Begeisterung in Wut und Aggression.
Wut auf den Schiedsrichter, in der Nachspielzeit einen Elfmeter zu geben.
Enttäuschung wegen des unverdienten Ausscheidens im DFB -Pokal. Hass auf die
Offenbacher. Sie sollten für all das bezahlen müssen.
Die Polizei versuchte, uns noch lange nach dem Spiel im Stadion zu halten, um erst
die Offenbacher Zuschauer abziehen zu lassen. Doch für diese Maßnahme war das
Aggressionspotenzial an diesem Abend viel zu hoch. Niemand wollte sich länger
einsperren lassen. Das war zu viel. Wir traten und drückten immer heftiger gegen die
Absperrzäune. Auf der anderen Seite des Gitters bezogen Polizeieinheiten mit Helm
und Gummiknüppel bewaffnet ihre Positionen. Die Maulkörbe der Polizeihunde
wurden entfernt. Und dann gab es kein Halten mehr. Das Tor brach auf und Hunderte
Mannheimer drängten auf einen Schlag nach draußen. Die Polizei versuchte, die
Zuschauermassen zu lenken und kontrolliert zum Hauptbahnhof zu bewegen. Aber
das war unmöglich.
Jockes hatte uns in der Halbzeit erzählt, dass 100 Offenbacher mit Unterstützung von
anderen Vereinen in den dunklen Nebenstraßen auf uns lauern würden. Diese galt es
nun zu finden und sofort anzugreifen. Es herrschte das absolute Chaos. Wir liefen von
einer Straßenseite auf die andere. Hin und her. Leuchtkugeln flogen uns um die Köpfe.
Feuerwerkskörper explodierten krachend neben unseren Ohren. Bierflaschen und
Gläser prasselten nieder – und dazwischen die Polizei, die auf jeden Mann zwischen
18 und 40 ein fach nur noch eindrosch. Da es dunkel war, konnte ich kaum noch
zwischen Feind und Freund unterscheiden, zumal ich auch noch nicht alle Jungs der
Mannheimer Hools kannte. In meiner direkten Umgebung kam es zu mehreren
Schlägereien. Ein wildes Durcheinander . Für mich viel zu chaotisch und zu hektisch.
Und dann war da ja noch die Polizei, die wahllos mit ihren Gummiknüppeln zuschlug.
Zu schnell, als dass ich all das richtig hätte einschätzen können.
128
Durch den überharten Schlagstockeinsatz gelang es der Polizei langsam, die Kontrolle
zurückzuerobern. Wer nicht spurte, bekam den Gummiknüppel übergezogen. Wir
wurden gleichsam in den wartenden Zug hineingeprügelt und wie streunende Hunde
aus der Stadt verjagt.
Die Rückfahrt verlief gedämpft. Wir waren furchtbar enttäuscht. Schon wieder hatte
uns die Polizei das Spiel vermasselt – und dann auch noch die unverdiente Niederlage
gegen Offenbach.
Ein beschissener Tag. Irgendwie. Und doch waren wir wie berauscht. Diese Stimmung
in dem Fan -Block, diese Lautstärke, die Kraft und die Macht, die von dieser Gruppe
ausging, war überwältigend. Und ich war nun fest dabei.
Bei den CB!
Ich war jetzt ein Teil dieser Armee. Ich war Hooligan geworden!
129
Neujahrsnacht 1993 / Are you right to fight for party?
„You gotta fight! Fight your right! To paaaaaaarty!“
„You gotta fight! Fight your right! To paaaaarty!“
„Paaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaarty! Paaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaarty!“
Refrain aus dem gleichnamigen Song der ersten weißen Hip-Hop-Gruppe:
Beastie Boys, 1987
„Und wo geht´s hin? Habt Ihr ne gute Party gefunden?“
Rufe ich, während ich kurz zur gerade aufgehenden Zimmertür aufblicke, weil das nur
der Jockes und der Jan sein können und die was für die heutige Silvesternacht
klarmachen wollten und schon per Telefon von guten News gelabert haben.
Aber ohne überhaupt ne Antwort abzuwarten beuge ich mich schon wieder runter
zum Tisch, auf dem 2 mächtig fette Lines Koks für mich schon bereitliegen und zieh
die in einem direkt mit einem Nasenloch beide hoch. WOW, Mein Hirn will glatt hinten
rausflüchten, aber nix da, des bissel was ich noch habe, bleibt schön drinne. „Woaw,
was für ein willenlos geiles Material! Wo hast denn den Schnee her?“ frage ich den
neben mir sitzenden, völlig bekifften Ole und drück ihm dabei die zusammengerollten
Fuffi in die Pfoten, damit er seine Lines ziehen kann. „Da mach, sonst zieh ich es direkt
noch weg, hehe“ Wisch mit den Fingern noch den Reststaub vom Tisch und schlecke
mir schön dieselben ab.
Und die Scheiße läuft jetzt schon hinten den Rachen runter, meine Lippen sind leicht
betäubt und mir fällt direkt mal das Schlucken etwas schwerer. Kennt Ihr doch, oder?
Wenn man denkt das man so einen Fucking Klos hinten drin im Hals stecken hat!“
Wie die beiden „Party Checker“ lachend und bestens gelaunt ins Zimmer kommen,
die Hände voll mit Sixpacks, Wodka, Tequila und Sekt und so, habe ich ein Grinsen
über beide Backen im Gesicht, bin auch extrem gut drauf und freue mich auf diesen
geilen Abend. Und der wird geil werden, das spüre ich mit jeder Faser meines Körpers.
„Wow, Mann! Unser Abend heit! Unsre Nacht heit!“ johle ich laut raus.
Ich reiß dem Jan den Sekt und den Tequila aus den Armen und laß die Flaschen noch
fast fallen vor lauter Übermut.
„Hey, Max, mach ma langsam, des Zeugs war teuer genug!“
„Was heißt hier teuer genug! Was heißt Teuer, Mann! Denkst des Puder ham wir für
lau gekriegt oder was? Und was fürn geiles Zeug des is, Jungs! Zieht Euch die Scheiße
rein, ist genug da, heut Nacht pudern wir uns mal richtig fett die Nase zu, Ha!“
130
„Ohhhhh, Keeeeee…“ der Jockes glaubt es mir mal wieder nicht so richtig, der Penner,
aber da seh ich auch, dass er gar nicht zu mir schaut, sondern an mir vorbei zum
bekifften Ole hinter mir und schüttelt ungläubig den Kopf.
„Was is los, Jockes?“ mittlerweile bin ich am Küchentresen angekommen und suche
den Korkenzieher für den Sekt.
„Da guck doch, selbst! Mann Ole, was machst Du denn mit dem Schein da?“ Schein?
Jetzt seh Ichs auch, der Typ ist echt eisenhart. Komplett von seinem Scheiß Gras zu
gedröhnt bis oben hin, dass er mit dem gerollten Fuffi, den ich ihm gegeben habe, so
rumhantiert, dass der den Schein nicht zum Schnupfen hinkriegt. „Nehm ihn den Fuffi
grad ab, der braucht in dem Zustand jetzt sowieso kein Koks, hörste Jan“. „Und Du
faules Stück, Ole kommst mal zu mir her, ich mach Dich wieder fit, Du Vollpfosten! Dir
ist ja schon klar, dass Du heute Abend bei der Party fit sein musst, oder?
Ich brauch nen gescheiten Manndecker und net so ne bekifften Schlafnase, die nix
mitkriegt und beim ersten Patscher weg ist! Auf komm, her!“
Ich fuchtle dabei mit der Sektflasche rum. So, gut offen des Dings! Dann den Tequila,
damit mach ich jetzt für uns einen schönen Tequila Rapido! Ha, mit der freien Hand
hol ich das Pack Pep aus meiner Tasche, Hole mit ner Bankkarte einen schönen Batzen
von der geschmeidigen Paste raus und streich die über die Theke zum Trocknen.
„Party, hey wanna fight for our Right to Paaaaarty“ schmettere ich mit lautem Organ,
das sogar die Acid –Mukke uüberdröhnt. Aus den Boxen kommt „Monkey say,
Monkey do“ vom fetten Westbam.
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Bumm, Bumm Aciiiiiiid“Mir stehen die Schweißperlen auf der Stirn, mein T -Shirt ist
klatsch nass und ich spring dabei zum Bass „Monkey say, Ole do“ gröle ich weiter um
hüpfe um 180 Grad rum, so dass ich in die Gesichter meiner Kollegen schau. „Opps,
was denn mit Euch los?“ Die stehen echt so mit offenen Mündern da und glotzen mich
an, als wäre ich so ein beschissener Fucking Lauterer und reden tun die nix! Absolut
NIX!
„We are right, fort he Fight, to partyyyyyyyyyy!!!!!!!“
Gröle ich dabei hüpfend, zum Acidtakt aus den Boxen, kein Zentimeter an mir, der im
Moment nicht auf Feier-Modus bangt, zittert, sich irgendwie bewegt und so.
Auf einmal lachen die drei bescheuerten Wichser wie auf Kommando alle drei parallel
so was von laut los, dass die mich damit sogar zum Stoppen bringen.
Ich glotz die alle an, „was geht? Ist was?“
„Achja, jetzt halt eefach mol die Klappe, Maxi!“ schwallr mir der Jockes entgegen und
kommt auf mich zu und hält mich an den Schultern fest, so das ich halt von der
Motorik her nicht mehr so rumhampel. „Ey, Alter Du solltest Dich mal sehen oder
Hören, des si besser als jeder Carey - Film! Du laberst und labberst und schreist und
singst und hüpfst hier rum, des is so geil, des is so geil“ „Was ist denn das für ein Koks,
sag mal“ ruft jetzt auch Jan rüber, schaut dabei aber den Ole an, der immer noch auf
der Couch unfähig rumliegt und versucht den Schein zu rollen. „Ole, hör jetzt mit dem
Schein auf! Jan nimm ihm den mal bitte weg, bevor der mir den noch zerreißt in
seinem Zustand!“
„Ne, aber jetzt mal im Ernst, Max oder Ole oder von wem auch immer des Koks is, gib
mir bitte die Scheiße auch, ich auch haben will!2 „Und ich auch! Ich möchte auch den
Schub ham und abgehen!“ Der Jockes, wie immer macht dabei schon das Speed mit
der Karte auf, zieht sich 3 grobe Lines und Zack, da hat er sie auch schon Drin in seinem
Riesen Zinken! „Jap.!“ Auch gut, aber sag mal echt, was geht denn mit dem Koks?
Oder haste nen Trip geschmissen? „Spinnst Du! Heut doch net, Mann! Ich habe echt
nur glaub ich vor ein paar Minuten 2 oder 3 Lines Koks gezogen, dann seid Ihr doch
schon gekommen. Außerdem hat des der Ole von seinem kleinen Neu-Schwager, gell
Ole?“
„Hä, was heißt hier Neu-Schwager, Du Spast, des is halt der neue Freund von meiner
Schwester, verstehste? Von dem hab ichs gekriegt, verstehste? Aber der hat nix davon
gesagt, dass es irgendwie besonderes sein soll, oder so, verstehste?“ „Wenn Du jetzt
noch eemol verschtehst sagst, dann werde wir uns verstehen!“ Jaja, der gute Jan, mol
wieder leicht gereizt! „Jan zieh erst mal die Lines jetzt vom Tisch und helf dem Ole
hoch, dass der seinen Arsch zu uns rüwwer bringt, damit ich ihn wieder fiiiiiiiit machen
kann! Und dann erzählt jetzt mal, was für eine Party Ihr jetzt heute klargemacht habt!“
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Gesagt getan, er hievt den Ole hoch, was für den zarten Jan mit seinen gut 120 kg bei
knapp 2 Meter Größe no prob is und drückt ihn weg zu uns rüber.
Der gute Jockes drückt ihm vorsichtig seinen Schein in die Hand und hat auch schon
satte 4 Spuren hingerichtet. „Da hau rein die Scheiße, dann klappt’s auch mit dem
Nachbarn und haut ihm dabei so was von auf den Rücken, das der Spasti fast schon
wieder den anderen Schein verliert. Meinen hat zum Glück der Jan unzerrissen
gerettet und will damit das Koks vom Tisch ziehen, stoppt dann aber, als Seine Nase
fast schon den Tisch berührt, guckt wie ein Fragezeichen, dann zu uns hoch „Was ist
denn das für ein Koka? Färben die den Schnee jetzt auch schon polenmäßig blau wie
des Speed, oder was?“
„Was meint denn damit, Du Spack“ Natürlich schauen der Jockes und ich jetzt genauer
auf den Tisch zum Koks, der Ole ist mittlerweile bei seiner 2. Line, auch gut! „Ah, guck
doch die Scheiße a, voll hellblau! Was soll des denn für ein Koks sein, hä Ole? Was
haste Dir denn da für ne Scheiße andrehen lassen?“ „“Jetzt mal halblang, mein Guter,
1. Hab ich es eben gezogen und bin mol richtig gut drauf. Naja ok, auf die Farbe habe
ich dann auch nicht so genau geschaut bei dem Schummerlicht hier, aber es tut! Und
wie es tut!“
„Ajo, des tut zuuuu gut für K-O-K-A-I-N !“ Genau das ist der Punkt!“ Mittlerweile rafft
auch der Alte Kiffer hinter mir, das irgendwas nicht stimme. „Also, ich versteh des gar
nicht. Das Kokain war echt lupenrein weiß vorhin, versteht ihr? Genauso wie die Pille
die ich noch fuer später mitgenommen habe, absolut schee blau waren, versteht ihrs
net. Die Pille warn blau, aber doch des Koks net!“ Alles Roger in Kambodscha, häää“
Da schüttelt der bekifften Typ hinter mir ungläubig sein bleeden Schädel hin und her
und hin und her und hin. „Stopp! Du machst mich jetzt echt nervös! Bleib eefach ruhig
wie die ganze Zeit und vor allem, Wackle nicht mit Deinen beschissenenen
Quadratkopp, ok!“ So musste ich mir jetzt mal kurz Luft verschaffen. „Also nochmal
im Klartext, Du Hohlbirne. Habe ich richtig verstanden, dass du beim deinem Neu -
Schwager…“ „Des ist abba net mein Neu -Schwager, verschtehst, sondern…“
„Ruuuuhhhee!“ jetzt blöckt auch der Jockes zu ihm hin“ „Ok“ ich resümiere weiter
„also Du hast bei wem auch immer, Ko kain UND Acid geholt, richtig?“ „Ajo, des sag
ich doch…“ „Alla gut, weiter, und dann?“ „Ah wie und dann? Dann heb ich des Koks,
weil ja so viel war in keen Briefchen gekriegt, verstehst?“ „Ja, ich versteh, Du brauchst
das nicht noch hundert Mal zu fragen, Verstehst DU?!“ „Jo, alla weiter, also habe ich
den Folienscheiß von der Kippen Schachtel genommen, weil da halt viel mehr
reinpasst und hab’s rein. Und dann bin ich wieder los, ich versteh hier jetzt echt nicht
das Problem, was ihr hier aufführt, Echt Ihr könnt einem den ganzen so schee
begonnene Awend glei wieder versauen, wenn’s so weiter geht…“ Ok anscheinend
lief sein Gehirn langsam wieder auf Touren, gut so! „Und die Pille? Du hast doch noch
133
Pille geholt, haste gesagt!“ „“Ah, hör Doch zu, Du Penner, echt jetzt reicht’s mir mal
gleich, Spast. Ich komm mir hier ja vor wie bei de Bulle im Kreuzverhör,“ Ok, ich merke
wie sich der gute Ole reinsteigert. Sein rechter Fuß zittert jetzt schnell die Backen sind
rot, nicht mehr viel und das war’s hier mit dem Abend. “Is ja gut, komm runna, Mann!“
Komm mir mache jetzt mol die Scheiß Tequila Rapido bevor wir alle wegen dem Jan-
Ich törne Euch alle schön ab, weil ich eefach keen Lust heb, wegzugehen, heute
Abend. Oder Jan, halt jetzt die Schnute und kommt her Lets drink Rapido und let’s
zieh very Much Pep into the nose, ah in die krumme scheppe, und dann erzählt jetzt
endlich von der Party. Ihr habt doch eine klargemacht, oder?
„Jaja, alles bene, damit, wir treffen uns später mit den Jungs vom Lutzeberg in
Siebener zum Aufwärmen, da stoßen dann noch die Frankenthaler und die Altriper,
also de Krüppel mit seinem Pack dazu. Ich denk, dass wir so gut locker 30 -40 Mann
werden. Danach fahren wir uff die Rheinau in den Hafen, da soll ne richtig großen
Party von den Schwetzingern Spastis abgehen. Beim Gerüstschanz in der großen Hall.
Mit DJ vom Omen, geile Weiber ham die eh am Start und die Location is ja mol voll
abgelegen und ausbaubar, oder!“ Er grinst jetzt auch wieder richtig gut gelaunt. Ok,
das haben sie aber auch gut ausgecheckt, wenn man bedenkt das im kompletten
Rhein-Neckar-Dreieck bis nach Worms und so, alle versuchen, dass wir von den Partys
nichts mitkriegen. Diese ganzen Pe nner, echt. Da könnte ich schon allein bei dem
Gedanken wieder Galle kotzen. Und grad noch die Schwetzinger Lutscher. Echt die
widern mich an. Wenn ich schon an die denk, ok der Gibbel is cool, da gibt’s nix. Aber
der Nowak und der Jojo -Kambama-Arrogantenscheißschnöselmöchtegern-Karateka-
Bastardndumme Kuhnkopf, bäh“
Ohne zu merken, habe ich das gerade nicht gedacht, sondern laut vor mich her
gemurmelt. „Sag mol Max, Du warscht doch früher mit denen als zamme, oder?“
„Aja, das ist es doch, klar war ich mit denen zusammen und falls Du es vergessen hast,
wohne ich seit gut und gerne 5-6 Jahren in Schwetzingen. Aber die Leit dort sind alles
Wichser, kannste mir glauben, ich sprech aus Erfahrung! Die sind mehr so
intellektuell- Möchtegernlutschi Heidelberg orientiert, wisst ihr. Ihr glaubt doch nicht
das die mir was von ner Party sagen. Niemals. Echt!!“ Jetzt werde ich lauter und rege
mich auf. „Wenn ich dran denk, dass ich gerade gestern Abend kurz im Kaffeehaus
war auf 1 -2 Jackys und a waren die auch alle. Da hat nicht einer was gesagt. Null
Komma null. Bastardnwichspenner! Dabei ham wir so ein bisschen Smalltalk gelabert.
Das nötigste zwar nur, aber die haben mich schon gefragt was wir heute machen und
so. Und auf meine Gegenfrage ham die echt voll mir mitten ins Gesicht gelogen, die
Schanzlutscher! Die wissen auch noch nicht so genau, in Bammetal soll ja angeblich
was sein und in Darmstadt, so halt. Und mit dem Gibbel habe ich sogar zwischendurch
ein paar Tequila gesoffen an der Bar, der hat auch keinen Ton gesagt! DIESE W-I-C-H-
134
S-E-R jetzt reg ich mich gerade richtig auf, denn:“ Und so ne Riesenparty, bei seinem
Cousin dem Schanze, ist ja mal richtig lange geplant wie ich die kenn, wie damals bei
den Brückenpartys. Diese Schwanz Lutscher!“ Ich hau mit der linken Hand so fest auf
die Kante der Theke das ich abrutscht und mich auch noch aufreiße.“ Hey, komm Du
mal runter, Max, reg Dich doch nicht auf, kennst doch die Penner, wir sehen die doch
alle später und da bist dann Du der lachende Dritte!“ Ok, da hat er recht, was meint
ihr wie die die alle blöd aus der Wäsche schauen auf ihrer ach so feinen Party mit DJ
vom Omen und so, wenn wir das Haus klarmachen und auflaufen. Hach ja, da freue
ich mich jetzt doch ein bisschen, hole ne Servierte und wickle die um die blutende
Hand.“ Auf gib mir mal des Pep und so nen scheiß Acid her!“ Das brauch e ich jetzt
um runter zu kommen, dazu 2 Tequila Rapido und ein paar Bierchen, dann klappt’s
auch mit dem Max. „Die Pille liegen vorne auf Tisch beim Koks, bring ma für uns auch
welche mit rüber. Denn eine Fahrt allein ist nicht gut! Die fahren wir doch gemeinsam
durch die Nacht!“ Der Jockes und Jan sind mal wieder fast schon synchron, geile Sache
mit denen. Ich liebe diese Jungs. Nicht so wie diese Dumme Kuh n-Schwetzinger-
Wichser…. „Du Max, nicht das Du Dich jetzt gleich wieder aufregst, aber Du warst
Doch früher mal dicke mit dem einen oder anderen bei denen, richtig? Aber jetzt
haste doch gar keinen Kontakt mehr. Und das kann doch nicht nur wegen dem Fußball
sein, oder? Die wohnen doch quasi um die Ecke bei Dir?“ „Mann Ole, da war doch die
Geschichte mit der Anzeige wegen irgendwelchen geklauten Jacken oder so ähnlich,
stimmt’s, Maxi?“
Ach ja, die leidige Jackengeschichte, bin mal gespannt wie oft die noch aufkommt.
„Aja, wir waren früher mal zusammen bei so ner Schicki -Micki Party von so reichen
Kiddies irgendwo in Wiesbaden oder da in dem Bereich.
Und da haben wir ein paar richtig geile abgefahrene teure Jacken klarmachen können.
Ich müsste lügen, aber ich denke, dass ich mind. gut und gerne 20 Jacken gerippt hab
dort.
Und irgendwie gab es auf jeden Fall dann Probleme, weiß aber nimmer so genau, naja
auf jeden Fall, ah die Chippie Jacke, die Du dir immer so gern ausleihst ist z.B. eine
davon“ „Nee, oder, wie geil ist das denn“ „Naja, so geil war’s dann nach ein paar
Wochen nimmer. Der Typ der uns mit dorthin genommen hatte, ich glaub der war
dort sogar im Internat oder so, aber wurscht. Ey, wo sind nochmal die Acid, Ole?“ „Im
Pack beim Koks mit drin, ich hatte doch vorhin beim Abholen nichts großartig dabei
und der Markus hatte auch nix mehr, deswegen habe ich die mit zum Koka rein in
den……oh…oh. Kunststoffbeutel aus Folie und zugeschweißt mit Feuerzeug, oh, oh“
„Ah dann wundert mich nix mehr was mit dem Koks net stimmen sooo. Dir ist schon
klar, dass sich die Pillen im Ko ntakt mit Pep oder Koks auflösen! Ich fass es net! Du
bist mal richtig druff, Ole!“ „Ne, jetzt sag, wir…“begann Jockes „…wir haben jetzt
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sozusagen Acid-Koks“ vollendete Jan und begann an richtig schallend zu lachen, so,
dass wir alle uns echt ausgeschüttelt hatten vor Lachen. Ich hatte Tränen in den
Augen. Aber scheiß Drauf, die Wirkung passt und außerdem hats eh der Ole bezahlt.
“Ole Du bist echt mal ein Freak, geil Alter, einfach nur geil!“ „Auf Jungs ich leg mol für
jeden so 2 Aciiiiiiidkkoooooookaaaaaaanooooooooossssseeeeee und dann machen
wir Paaaaaaarttyyyyyy!!!!“
„We are right fort he fight to party……“
„We are right fort he fight for Party……“
Ok dar Abend konnte kommen, wir sind verdammt gut drauf.
Aber wenn ich an die Geschichte mit den Jacken denk, wo die mich alle verkauft haben
und so getan hatten als hätte ich die alle geklaut und auch noch meine Adresse den
Bullen und so und ich nicht zufällig die meisten Jacken verliehen hätte, dann wäre ich
glaub ich zumindest nicht mit der damals trotzdem verdammt hohen Geldstrafe von
7.500 DM und 1 Jahr auf Bewährung davongekommen, diese Bastardndumme Kuhn!
„Faschistenverräter, Alles Pisser, die annere aus Schwetzingen, Drecksbagage, Ihr
werdet heute Nacht bluten dafür! Alle!“
Jetzt schrie ich und die drei stimmten lautstark mit ein:
„Wir werden die Faschisten ausrotten! Und Ihr Blut soll fließen!“
Immer wieder schrien wir uns jetzt in Rage, Zogen das geile Acid-Koks, dazwischen ein
bisschen Pep, ein paar Tequila Rapido und zum Bass aus den Boxen: “Aciiiiieeeeed,
We are right fort he fight to party…!!!“
Ach eine Kleinigkeit hatte ich noch vergessen zu erwähnen, die evtl. das Rätsel auflöst,
warum uns keiner auf den Partys haben wollte. Denn als CB waren wir ja echt mal
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richtig anerkannt, respektiert und vor allem von jeden gefürchtet im Gebiet und in
den Fußballstätten bundesweit, da der Waldhof damals noch in der 1. Liga gekickt
hatte.
Und ich schwöre es, wir waren die besten Hooligans in gaaaanz Deutschland. Da
konnten die Arminia, die Lauterer usw. kommen, wir klatschten zu der Zeit alle weg.
Alles und jeden der uns in den Weg kam.
Nur leider war es zu dem Zeitpunkt zumindest bei uns in der Kerngruppe, sag ich mal,
so, dass wir uns nicht mehr nur mit anderen Hools hauten, sondern das genügte
einfach nicht mehr. Wir wollten diesen Kick, den man mit dem Adrenalin und den
Endorphinen und so beim fighten kriegt immer und überall. Vor allem das immer war
das Problem, denn es war so schlimm, dass wir kaum auf ner Party innerhalb von 10-
15 Minuten so Stress dort hatten das wir echt alle klein schlugen und sehr sehr viel
Normals krankenhausreif schlugen oder zu Krüppeln oder ins Grab. Wir waren zu gut,
zu hart, zu brutal zu emotionslos. Uns war das auch Scheiß egal. Keine Gnade, kein
Zurück, der Gegner wird solange kaputtgeschlagen bis er sich nicht mehr rührt, denn
nur dann ist es gewährleistet, dass er nicht noch mal aufsteht und evtl. dich selbst von
hinten umschlägt! Nur so. Die mussten regungslos liegen in Ihrer Soße! Alle selbst
Schuld verwichste BastardnFaschistenschwanzlutescher da draußen. Alles ein Pack,
alles ein Pack von derselben Sorte.
Ich habe noch nicht mal heute im Nachhinein irgendwelche Schuldgefühle oder son
Scheiß, denn How ever, thats the Life and we are right tot he Fight to Partyyyy!!!!!
137
Sommer 1993 / Einmal Malle und zurück
1993 - Harte Zeiten standen uns bevor:
Keine Weltmeisterschaft auf dem Programm, keine Europameisterschaft,
die Bundesliga ging in die Sommerpause, acht Wochen ohne Fußball!
Zeiten wie diese verlangten nach einem Notfallplan. Und es konnte nur eine Lösung
geben: Mallorca!
Ole, Jan und ich verbrachten jede freie Minute miteinander. Wir gingen in denselben
Boxverein, wir joggten im Wald, wir besuchten dieselben Partys und waren überall
zusammen eingeladen. Uns gab es eigentlich nur noch im Dreier -Pack, ganz egal,
worum es ging: Sport, trinken, feiern – Schlägereien.
Mallorca! Die Entscheidung fiel auf Cala Ratjada und in kürzester Zeit waren fünf
weitere Kollegen aus Alltrip mit an Bord – darunter auch der Krüppel und der Jockes-
und dazu noch ein Haufen zusammengewürfelte Jungs, die auch immer irgendwie mit
dabei waren auf den Partys und so. Das Reiseprogramm musste nicht weiter diskutiert
werden: 18 Mann, 14 Tage Party. Das Reisegepäck: Shorts, T -Shirts, sehhhhr viele
Kopfwehtabletten und Maaloxan gegen Sodbrennen und Magenüberr eizung. Unser
Kiffer Ole hatte überdies noch 2 Platten Haschisch irgendwo versteckt untergebracht,
um die zwei Wochen in Spanien einigermaßen über die Runden zu kommen. Zu
unserem Erstaunen lief uns schon am ersten Tag eine Gruppe junger Hooligans von
der Bielefelder Blue Army, vor die Fäuste. Arminia Bielefeld und der Waldhof spielten
zu jener Zeit auch noch in der 2. Bundesliga gegeneinander, die Rivalität zwischen den
beiden Seiten war so auch entsprechend groß. Eine Gruppe von acht jüngeren Kerlen,
deren Outfit der ganzen Welt signalisieren sollte:
Achtung, wir sind Fußball -Hooligans und wir sind gefährlich! Alle acht Kerle in
Komplettausstattung, bestehend aus Blue -System- und Chevingon-Klamotten und
dazu die obligatorischen New -Balance-Turnschuhe. Für uns an diesem Nachmittag
der erste Lacher, denn in dieser Uniform ging man eigentlich schon seit geraumer Zeit
nicht mehr zum Fußball, weil mittlerweile selbst der älteste Dorfsheriff diese Marken
mit Fußball und Gewalt in Verbindung brachte.
Die Sache war in wenigen Sekunden erledigt. Die Bielefelder Nasenbeine brachen wie
Hähnchenknochen und der Erholungsurlaub der acht „blauen Soldaten“ aus Bielefeld
war am ersten Tag bereits beendet!
Für uns fing er gerade erst richtig los. Ich sehe noch heute die entsetzten Gesichter
unzähliger Touristen, die Augenzeugen dieser kurzen, aber heftigen Schlägerei
geworden waren. Und ich sehe vor allem noch die verstörten Blicke, die uns
verstohlen muster ten, wie wir ohne jede erkennbare Emotion einfach wieder zu
unseren Tischen an der Promenade zurückkehrten und die nächste Runde Wodka
bestellten.
Diese Kaltblütigkeit, die in uns allen steckte, mochte für viele „normale“ Menschen
das Unerklärlichste an unserem Verhalten gewesen sein. Wir waren eine Gruppe von
Männern, die scheinbar grundlos explodieren und andere Menschen auf brutalste
Weise hemmung slos zusammenschlagen konnten, um von einer Sekunde auf die
138
andere wieder zur Tagesordnung überzugehen.
Party, Schlägerei, weiterfeiern!
Ohne jede Form von Reflexion oder sogar Gewissensbisse oder son unnötiger Scheiß,
die irgendwelche Leute bei den beschissensten kleinen Regelverletzungen schon
haben sollen. Hatten wir andere verletzt? Wenn ja, dann völlig zu Recht! Selbst
schuld! Einen Wodka, bitte!
Es gab nicht den geringsten Grund, unser Handeln zu überdenken. Wir waren zu jener
Zeit bei zwei bis drei Schlägereien pro Wochenende derart an die ständige körperliche
Gewalt gewöhnt, dass keiner von uns auch nur ansatzweise darüber ins Grübeln kam.
Die s ogenannte Hemmschwelle, die den Menschen normalerweise vor solchen
Gewaltausbrüchen bewahrt, war bei uns über die Jahre hinweg verschoben worden.
Eigentlich existierte sie gar nicht mehr (falls sie das bei dem Einen oder Anderen
überhaupt je vorhanden war. Bei mir jedenfalls, solange ich an die Zeit zurückdenke,
gab es die noch nie oder ich habe sie net bemerkt).
Ich erinnere mich, wie ich nach einer Kneipentour am nächsten Morgen von meiner
damaligen Freundin völlig von der Rolle geweckt wurde. Sie war völlig außer sich und
drehte schier ab, nur, weil sie mein blutverschmiertes T-Shirt im Bad gefunden hatte.
Sie beschimpfte mich, machte mir schlimmste Vorwürfe und ich brauchte erstmal ein
paar Minuten, bis ich mich an einen „kleinen“ Zwischenfall mit ein paar Arschlöchern
vom Vorabend überhaupt wieder erinnern konnte. Das kennt ihr doch bestimmt,
wenn die Erinnerun g so langsam zäh und Stückchen für Stückchen in immer
detaillierteren Erinnerungsfetzen bei einem hochkommt, wenn der Vorabend halt
irgendwie mit Drogen oder Alk oder irgendeinem anderer Druff -Scheiß Dich ins Aus
139
geschossen hat, oder? So ein beschissener klassischer Blackout mit Backflashs vom
Feinsten. Und dann noch die Alte die rummeckert, schlimmer geht´s da eigentlich echt
nimmer! Am liebsten ihr dann ein paar in ihr aufgerissenes Schandmaul hauen oder
sie halt irgendwie anders zur Ruhe bringen, Hauptsache sie hält in diesem Moment
ihr beschissenes kleines Blasmaul. Alles Dumme Kuhn die nur meckern, nörgeln und
Hauptsache viel Geld ausgeben können. Meiner Meinung, und das ist mein voller
Ernst, sind die Weiber zu ficken, da und ansonsten sollen sie ihr dummes Maul halten
oder sich nach dem Abspritzen einfach noch schön den Schwanz ablutschen und sich
dann verziehen. Das Wäre das wirklich beste.
Blasen – Ficken – Lutschen- Fertig!
Und dann ab, wohin auch immer! Hauptsache weit weg und nur nix gesagt. Das wäre
unter uns Männern gesagt doch echt alles cool, oder siehst Du das anders? Häh?
Aber nein! Die scheiß Weiber mischen sich überall ein und motzen und motzen und
jammern, bla bla bla. Ach halt doch einfach Dein blödes Maul, gifte ich Sie mit
erhobener Faust an, so dass sie sofort blickt, dass hier der eine oder andere Ton etwas
too much für meine morgendlichen Backflashergüsse sind! Echt, eine Schlägerei war
für mich längst kein prägendes Ereignis mehr – es war normaler Alltag!
Wie alltäglich, sollte ich in diesem Urlaub noch erfahren.
Ich saß mit einem der zusammengewürfelten Jungs in einer Bar. Er hieß original
Jockes! Ja echt, jetzt kein Spruch! Wie mein langjähriger Weggefährte, der ja auch
dabei war! Krasser Scheiß als, das Leben!
Aber: ne deutsche Mutter und einen griechischen Vater. Seine Spezialität: zuerst
Karate und dann Muay -Thai-Boxen. Bei dieser Kampfsport -Variante handelt es sich
um eine verschärfte Art des Kickboxens, bei der Knie- und Ellenbogenschläge an den
Kopf zugelassen sind. Jockes wohnte damals in einem üblen Mannheimer Stadtteil, in
dem eine solide Kampf -Ausbildung nicht schaden konnte. Er wurde plötzlich ernst:
„Max, kann ich dir mal was erzählen?“
Ich spürte sofort, dass ihn etwas beschäftigte, weil er halt so rum stammelte und die
richtigen Worte suchte:
„Ich habe in letzter Zeit etwas Angst vor mir selbst.“
Ok, dachte ich, und weiter? Willkommen in der Welt von Max Bane, Arschloch! Ich
wusste quasi nicht so wirklich, was er mir damit sagen wollte, und wartete, bis er seine
Gedanken neu gesammelt hatte.
„Ich glaube, ich würde gerne erfahren, wie es ist, die Grenzen noch weiter
auszuloten“, fuhr er – noch immer in Wortfetzen und so Wort für Wort kryptisch fort,
der Langweiler! Alter will er mir jetzt was Wichtiges sagen oder labert der halt sein
Müll daher und labert halt so? Nach einer weiteren kurzen Pause packte er dann seine
Gedanken offen aus: „Wie ist es wohl, wenn jemand so lange geschlagen wird, bis er
stirbt?“
140
Hatte ich richtig gehört? Ich wusste nicht, ob ich ihn tatsächlich verstanden hatte, da
hörte ich erneut seine leise langweilige Stimme: „Weißt du, eine harte, ausgeglichene
Schlägerei, die einfach nicht endet. Bei der es kein Halten gibt, wenn der Gegner
aufgibt oder bewusstlos am Boden liegt. Eine Schlägerei, die mit dem Tod eines
Kämpfers endet. Daran muss ich in letzter Zeit häufig denken.“
„Hm, also so wie immer halt! War der mit mir eigentlich schon mal irgendwo dabei
beim Klatschen, der halbgriechische Herr Karate-Muay-Thai-Boxer?
Mir fehlten die Worte. Labert hier stunden um den heißen Brei rum und macht so auf
Geheimnis und Vertrauen und Oh, Gott ich pack jetzt mit was gaaaanz Schlimmen aus,
und dann rückt er mit so einem dummen Spruch bzw. Frage raus! Echt was die immer
für Vollpfosten mitanschleppen. Ich muss mal mit den Jungs sprechen. Des kann doch
nicht wahr sein. Sogar im Urlaub schleppen sie diese Hohlbirnen an. Und ich hör mir
die Scheiße von dem ElGrecco auch noch an. Ich fass es echt nicht. Und was will er
jetzt von mir h ören? So ne Art, Ach Gottchen, das geht aber nicht! Das ist doch
gesetzlich bestimmt nicht erlaubt, einen Gegner bei ner Schlägerei tot liegen zu
lassen. Ja das geht nicht, mein Herr! „Boa“ puste ich jetzt doch laut in seine Richtung
„wenn’s halt so is, dann ist es halt so, Mann! Ist doch net Deine schuld dann, er hätte
sich halt nen anderen raussuchen sollen, evtl. ein beschissenes Schulkind oder so was
in der Art. Punkt! Depp, Echt! Willst Du mich eigentlich hier verarschen, du Dumme
Dumme Kuh ? Laberst mir hier Dein Scheiß ans Ohr, mit deinem halbgriechischem
141
Genuschel, dass man fast nix versteht und dann so ein Spruch! Ich spring jetzt auf und
feg direkt mal die Gläser vom Tisch runter. Direkt über dem Penner drüber! Hör jetzt
genau zu und dann laber mich bitte im restlichen Urlaub nimmer an, gar net hörste,
Du jämmerlicher Scheiß Drecks Karate Fuzzi! Vergiss die ganze Dumme Ideen eefach
und gut. Oder meinst mit deinem Scheiß Thairumgehampel kriegst überhaupt
jemanden außer halt nen Bub dahin? Nein, Nein, Nein! Und wenn Du es nicht glaubst,
dann komm einfach her und probier’s aus! Hörste komm her und Versuchs, Du Pisser,
Dann schlag ich Dir den Drecks Schädel ein, so schnell kannste gar net gucken. Bäh!“
Dabei spuck ich ihm ins komplett entsetzte Gesicht und will schon nach nem Glas
greifen ums ihm über zu ziehen, aber zu seinem Glück habe ich die schon vorher
abgeräumt.
„Geh mir aus dem Auge, bevor ich mich vergesse, Scheiß Wichser!“ Mit diesen Worten
die ich jetzt schreie und sich die ganze annere Gäste jetzt zu uns umdrehen und auch
noch doof schauen. „Ja und was ist mit Euch, Ihr Spackos? Wollt ihr dabei auch gleich
ein paar in die Fresse oder kümmert ihr euch lieber um Euren eigenen Scheiß?“
Ok, die merken, dass ich nicht spaße und drehen sich sofort wieder still um. Und der
Grieche, der Missratene, den wir auch noch hierher mitgenommen haben, der sagt
auch nix mehr und guckt jetzt in Richtung Bode. So im Nachhinein vermute ich, dass
dieses Gespräch von ihm anders geplant war so ablauftechnisch. Aber nicht mit mir!
„Hallo, ich bin M -A-X B -A-N-E und keener von Euren
SandkastenMatschbirnearschfickern, dass das klare ist!“ Mit den Schreien durchs
Lokal dreh ich mich um und geh einfach raus, bevor ich den Penner echt noch platt
mach.
Wie schon gesagt, Gewalt war für mich sowas von alltäglich, ich kenn das gar nicht
anders! Aber in diesem Urlaub, der es wirklich noch in sich hatte, sollte auch ich noch
erfahren, wie sehr das alles Alltäglich für mich war!
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Ich muss gestehen, dass ich an diesem Abend die düstere Vorahnung bekam, dass
Jockes vielleicht schon bald nochmal die Schnauze aufreißen würde. Entweder bei mir
oder wahrscheinlicher bei einem Andren von den Spackos. Ich ging jetzt auch davon
aus, das die zusammengewürfelten alle so wie der Halbgrieche waren. Denn ich hatte
die ja NICHT angeschleppt. Ich habe meinen Kreis und will auch gar keine neuen
Matschbirnen kennen lernen. Die gehören eh alle zu den Anderen da draußen, das ist
mal 100% klar! Oder sollte ich den Wichser bei ner guten Gelegenheit gleich
plattmachen? Wer sollte mich denn auch davon abhalten können?
Ein paar Tage später war ich mit Jan, Nils, Lars und beiden Jockes unterwegs. Wir
hatten schon ein paar Tage und Nächte auf Malle nach dem Zwischenfall hinter uns
und eigentlich hatte ich das auch schon wieder vergessen und war deswegen auch
nicht irgendwie angepisst, sondern eher absolut relaxt und so. Unsere Stimmung war
prächtig. Aber ich ertappte mich dann doch immer wieder dabei, wie ich Jockes
heimlich, fast unbewusst beobachtete. Ich musterte ihn verstohlen, immer auf der
Suche nach einem verborgenen Hinweis auf die Anderen. Und ich spürte, wie ich
insgeheim hoffte, dass Jockes am allerbesten einfach weg wäre! Genau, einfach weg
und gut! Ja, das wäre gut und ich müsste mir den Tag nicht mit dem dummen Penner
versauen.
Wir kamen an einer Burger-King-Filiale vorbei. Unzählige Gäste saßen in der warmen
Sommernacht vor dem Lokal und stärkten sich mit Hamburgern und Pommes. An
einem benachbarten Tisch saßen zwei junge Frauen und ein großer, kräftiger Typ mit
kurzrasierter Ted-Tolle. Plötzlich trat dieser Jockes aus unserer Reihe schnell voraus,
ging zu dem Tisch zu und blieb dicht vor den drei Gästen stehen.
Was geht denn jetzt wieder mit dem Typ durch, jetzt reicht’s! Jockes blickte dem Ted
in die Augen, nahm den Burger von dessen Teller und biss genüsslich rein, was für ein
widerlicher Griechischer Penner! Er blieb stehen und kaute in aller Ruhe. Der Ted
blieb aber zu meiner Verwunderung ganz cool, auch im Ton, Respekt! Hob die Hand
und verlangte seinen Burger zurück. Ich merkte, wie mich die innere Unruhe der
vergangenen Tage langsam übermannte. Würde Jockes sich im Griff haben?
Mit seiner linken Hand griff Jockes nun nach dem Cola -Becher, der vor dem Ted auf
dem Tisch stand, und nahm einen großen Schluck aus dem Trinkhalm. Alarmstufe Rot!
Bei dem Ted? Bei dem dappichen Jockes? Oder bei mir? Die anderen von uns glotzten
auch nur ganz bescheuert auf diese recht skurrile Szene und wollten wissen, was der
jetzt dann macht. Ok, ich muss dazu sagen, dass ich keinem was von dem Vorfall mit
dem Griechen erzählt hab. Das ist besser so, sonst labern die auch noch den ganzen
Tag auf mich ein und machen ein auf Love, peace und Harmonie, Hauptsache ich lass
den Typ in Ruhe. Denn wie gesagt immerhin hatten wir selbst den ja auch mit seinen
anderen Dumme Kuhnköpfen mitgeschliffen! Also nicht wir! Denn ich ja sicher nicht,
Aber einer von den anderen halt, der einen auf friend und Chance geben und so ne
scheiße machte. Aber ich sicher NICHT!
Ein falsches Wort von der Tolle und es würde ein Sturm losbrechen, das spürte ich
ganz deutlich. Ich starrte gebannt zu dem Nachbartisch. Und tatsächlich, der Ted griff
Jockes am linken Handgelenk und sagte: „Es reicht jetzt. Hör auf! Es reicht!“ Cooler
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Typ, der gefällt mir und ist ja auch nicht mein Problem. Vielleicht nimmt der mir den
Aufwand ab und macht diesen Wichser jetzt platt. Das wäre mal richtig fett geil!
Das war’s. Der Typ hatte es gewagt, sich zu wehren! Der Abzugshebel einer
entsicherten Waffe wurde mit diesem Griff an Jockes Handgelenk gezogen. Jockes
schleuderte den Burger auf den Tisch, packte den Ted mit beiden Händen am Hals,
zog ihn hoch und knallte seinen Kopf mit voller Wucht auf die Tischplatte – mitten in
das Burger -Menü. Er riss den Schädel des noch immer konsternierten Teds noch
einmal hoch und ließ ihn erneut auf den Tisch klatschen.
Die beiden Mädchen an der Seite des Teds schienen starr vor Angst. Jan und ich sahen
uns kurz an. Für uns war das ein völlig sinnloser Ausbruch, wohlgemerkt von einem
aus unserer Gruppe auch noch! Völlig außerhalb jeder Regel. Ich versuchte, die Lage
zu scannen. War Polizei unterwegs? Gab es schon erste Anzeichen für eine Panik?
Wumms. Jockes schlug den Kopf des Teds ein drittes Mal auf den Tisch. Dann packte
er den Typen am Hals und begann ihn zu würgen und wie von Sinnen anzuschreien.
„Sprich mich nie wieder an! Hast du das verstanden, du Wichser? Nie wieder!“
Lars, neben mir, bewegte sich jetzt dann doch langsam auf Jockes zu, um ihn von dem
Ted wegzuziehen. Die Sache sollte ein Ende finden. Was Jockes da veranstaltete, war
nicht in unserem Sinne. Es gab keinen Anlass, keine Provokation – nichts. Da war nur
das unbändige Verlangen von Jockes, einen Menschen – egal welchen – zu verletzen.
Außer das halt, aber diese Chance war so gut wie rum, der Ted den beschissenen
Aggro Griechen von uns wegmacht. Mann, hol doch ne Knarre, ein Messer, irgendwas
raus und ramm es dem Typ in den Hals uns lass ihn ausbluten. Wir lassen Dich auch
laufen, da hättest mein Wort. Hauptsache unser Problem ist fort!
Der Burger-Laden war voll besetzt, aber niemand getraute sich, dem armen Kerl zu
helfen. Und dann – völlig überraschend – sprang ein junger Kerl auf. Ein asiatischer
Typ. Gut austrainiert, muskulöse Arme, aber deutlich jünger als Jockes – vielleicht
Anfang 20. Er saß zwei Tische weit von dem Ted entfernt, und schon während er von
seinem Stuhl aufsprang, schrie er mit voller Lautstärke: „Hör auf! Lass ihn in Ruhe.
Hör jetzt auf!“
Der Kerl bewegte sich schnell und elegant. Mit einer Hand auf einen Tisch gestützt,
nutzte er den Schwung seiner Bewegung aus und trat Jockes mit einem gekonnten
Tritt auf den inneren Rippenbogen. Jockes musste zwei Schritte nach hinten
ausweichen, um die Wucht dieses Trittes abzufangen. Er ließ endlich von seinem
Opfer ab. Er hatte einen neuen Gegner. Der Ted erhob langsam seinen Kopf, der rot
und angeschwollen war, aus dem zermatschten Essen. Der Asiate positionierte sich
schützend zwischen den Ted und J ockes: „Jetzt hör auf mit der Scheiße und
verschwinde!“
Ein mutiger Auftritt von dem Schlitzauge! Die Chancen das der Grieche platt gemacht
wird steigern sich wieder. Ich merkte wie jetzt auch bei mir das Adrenalin hochstieg.
Also, ich mein, normalerweise hätten wir den Laden schon komplett
auseinandergenommen, aber nicht für den Typ! Niemals! Der war keiner von UNS!
Das war ein Spion der Anderen! Also ließ ich das Ding weiterlaufen. Der Asiate schien
zwar gut in Form zu sein, war aber einen ganzen Kopf kleiner als Jockes und wog
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mindestens zehn Kilo weniger. Und er musste gesehen haben, dass Jockes nicht
alleine unterwegs war. Obwohl wir uns bis dahin aus der Sache rausgehalten hatten,
konnte der Asiate nicht davon ausgehen, dass dies auch so bleiben würde. Er sprach
erneut: „Hör zu, es ist vorbei. Lass den Kerl in Ruhe, geh in dein Hotel und gut.“
Man konnte erkennen, dass Jockes tatsächlich für einen kurzen Moment
nachzudenken schien. Die Anspannung war für alle Gäste greifbar. Was dann folgte,
sehe ich noch heute wie einen Film vor Augen. Völlig unvermittelt – ohne jedes
Vorzeichen – griff Jockes seinen Gegner an.
Links, rechts, zwei harte Faustschläge prallten mit voller Wucht auf den Kopf des
Asiaten, der die Urkraft dieses Überraschungsangriffes kaum fassen konnte. Dann ein
Fußtritt auf den Kopf des Asiaten, der jedoch mit beiden Armen abwehrte und sofort
nachsetzte. Wie ein Katapult schoss der kleine Mann in die Höhe, um Jockes voll mit
dem Fuß ins Gesicht zu treten. Dann eine kurze Rechts -Links-Faustkombination
mitten in Jockes Gesicht. Treffer – Treffer, Jockes taumelte kurz. War das der Gegner,
auf den er zu warten schien? Der Gegner für den ultimativen Kampf?
Wir konnten sofort erkennen, dass der Asiate über eine ausgezeichnete Kickbox -
Ausbildung verfügte. Ein fast filmreifer Schlagabtausch schien sich zu entwickeln. So
wie ich es in der Realität noch nie erlebt hatte. Normalerweise dauerten Schlägereien
nur wenige Sekunden – vielleicht auch mal eineinhalb Minuten, aber dann war in aller
Regel einer von beiden am Boden. In jener Nacht auf Mallorca sahen wir Hollywood
– mitten auf der Straße vor einem Burger-King-Lokal.
Der Kampf wogte hin und her. Schon seit Minuten. Fast abwechselnd vermochten
beide Kontrahenten ihre Wirkungstreffer zu landen. Der Asiate blutete leicht am
rechten Auge und auch seine Oberlippe schien aufgeplatzt. Jockes linkes Auge war
fast vollständig z ugeschwollen und aus einem tiefen Cut lief Blut über den
Nasenkamm. Noch immer tobte der Kampf mit unverminderter Härte und Brutalität.
Lars und Nils, die beiden neben mir standen der Schlägerei am nächsten. Lars schrie
energisch und keinen Widerspruch duldend in die Runde. „Niemand mischt sich hier
ein. Das machen die beiden untereinander aus!“ „Ja, das das hier mal klar ist!“ Schrie
ich natürlich noch hinterher, denn die Chancen standen doch sehr gut gegen den
Spion!“
Die Straße füllte sich von Sekunde zu Sekunde. Unzählige Touristen standen mit weit
aufgerissenen Augen und starr vor Entsetzen einfach da. Frauen schlugen sich die
Hände vor das Gesicht. Eine Schlägerei von solch unglaublicher Intensität und
Brutalität hatten selbst wir noch nie erlebt. Was mochten diese Passanten denken?
Die Schlägerei dauerte nun schon Minuten. Beide hatten bereits unzählige Schläge
eingesteckt und noch immer schien kein Ende in Sicht. Jockes erwischte den Asiaten
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mit einem schweren rechten Schlag unterhalb des Jochbeins und schien infolge dieses
Treffers zu explodieren. Er ließ dem Asiaten von einem Moment auf den anderen gar
keine Möglichkeit mehr, sich zu wehren. Die nächste Salve harter Schläge prallte auf
den Kopf von Jockes Gegner. Links, rechts und ein Fußtritt direkt auf das Brustbein.
Der Asiate schnappte deutlich hörbar nach Luft, als die nächste Links -Rechts-
Kombination auf Kinn und Nase einschlug. Der Nasenrücken brach sofort auf und ließ
das Blut geradezu strömen.
Jockes machte einen Schritt nach vorne und traf die ungeschützte Leber seines
Kontrahenten mit einem Dreh kick. Fuck, der Widerstand des Asiaten war gebrochen
– das war mir nach diesem Tritt sofort klar. Was, wenn Jockes nicht aufhören würde?
Meine Kumpel brachten sich erneut in Position. Die Arme des Asiaten hingen kraftlos
vor seinem Oberkörper. Er schaffte es nicht mehr, seine Hände schützend vors Gesicht
zu halten. Er stand nur noch da wie ein Fleisch gewordener Sandsack und das ist
definitiv absolut nicht gut! Scheiße!
Und Jockes schlug erneut zu. Seine rechte Faust explodierte ungebremst und
ungeschützt auf dem Kopf des Asiaten und hinterließ eine verheerende Wirkung. Der
junge Kerl flog einen Meter nach hinten und knallte mit dem Hinterkopf gegen ein
schweres eisernes Rollgitter, das die Schaufensterscheibe eines Bademodengeschäfts
schützte. Der Asiate war stehend k.o und blutete ungebremst aus zahlreichen
Kopfwunden.
Lars bewegte sich auf Jockes zu, um seinen Freund endlich zu stoppen, aber da setzte
dieser schon zu seiner nächsten Attacke an. Jockes streckte sein rechtes Bein hoch
über den Kopf seines deutlich kleineren und bereits gekrümmten Gegners und ließ es
wie ein Fallbeil herunterkrachen. Die Ferse seines Schuhs bohrte sich wie ein Hammer
in die Schädeldecke des Asiaten, der noch in der Sekunde des Aufpralls sein
Bewusstsein verlor.
Die Augen verdrehten sich, die Augenlider fielen runter und er sackte in sich
zusammen. Er rutschte an den Eisenstäben des Schaufenstergitters herab. Seine
Beine knickten einfach zur Seite und der arme Kerl fiel gänzlich unkontrolliert zu
Boden. Der Kopf d es Asiaten knallte dabei auf die Granitplatte des
Schaufenstersimses und der Junge kam regungslos zum Liegen. Lars stürzte sich von
hinten auf Jockes und umklammerte ihn mit beiden Händen. „Los, es reicht Jockes, es
reicht. Hör auf. Hör auf. Der Junge hat genug.“
Es standen mittlerweile bestimmt 60 Leute in einem großen Halbbogen um uns
herum. Sechzig Menschen, die unbeschwert Urlaub auf Mallorca machen wollten und
in diesen Minuten Zeugen eines beispiellosen Gewaltexzesses geworden waren. Lars
riss noch immer an J ockes, der weiterhin auf den Asiaten fokussiert war. Ich blickte
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unserem Spion hasserfüllt in die weit aufgerissenen Augen. Pupillen wie diese hatte
ich bis dahin nur bei Leuten gesehen, die unter starkem Kokain-Einfluss standen. Das
hier war kein Kokain – Jockes befand sich in einem Gewaltrausch.
In seinem Gesicht war kein Rest von Skrupel oder Empathie mehr zu lesen. In seinen
Adern schien nur noch Adrenalin zu pulsieren. Er blutete zwar aus zwei Wunden in
seinem geschwollenen Gesicht – Schmerzen schien er jedoch keine zu spüren. Ganz
in seinem dunklen Tunnel gefangen, war Jockes nicht mehr ansprechbar. Er schaffte
es noch nicht einmal, sich normal zu bewegen. Alles war wie erstarrt und völlig
erkaltet …
Den Ausdruck in Jockes Augen werde ich nie vergessen können. Was ich dort sah, war
sogar für mich leicht furchteinflößend und bedrohlich, also ein bisschen wenigstens.
Die Scheiße hier war, dass ich geblickt hab, dass viel zu viele Zeugen zuschauten, sonst
hätte ich ihn mir direkt geholt und gleich platt gemacht, nicht erst Monate später!
Alles in ihm und alles an ihm war rohe Gewalt. Es war das Böse, was seit einiger Zeit
schon in ihm geschlummert hatte, denke ich zumindest. Wenn man hier überhaupt
von „de m Bösen“ sprechen kann. Vieleicht haben aber auch die anderen ihn
gesteuert, die können das ja schon irgendwie. Die sind echt gefährlich, deswegen
müssen die auch alle zerstört werden! Nur Halt JETZT leider nicht. Das war sogar mir
klar! Er kannte keine Gr enzen mehr. Es gab kein Mitgefühl, keine Rücksicht, keine
Gnade und keinerlei gesellschaftliche Konventionen mehr. Nur noch Gewalt.
Als die Polizei eintraf, war es in der Menschenmenge totenstill. Lars führte Jockes
unauffällig vom Tatort. Sie passierten im Abstand von nur wenigen Metern die
heranrückende Polizei. Jan und ich folgten den beiden unter den entsetzten Augen
unzähliger Menschen, von denen sich keiner getraute, etwas zu sagen. Niemand rief
nach der Polizei oder zeigte mit dem Finger auf uns, die sich langsam davonschlichen.
Es geschah einfach nichts. Da war nur diese unnatürliche Stille.
Den Schock der unbeteiligten Zuschauer konnte ich zum ersten Mal teilen. Das, was
ich da gerade gesehen hatte, war einfach zu viel. Dieser Gewaltexzess von Jockes
berührte mich zwar nicht im Geringsten, aber es traf mich als Mensch und auch als
Vollstrecker, das der hier abgeräumt hat. Der Feind in den Eigenen Reihen. Der nach
Knoblauch stinkende griechische Voll dumme Kuh nspion der Anderen! Ich
bewunderte diesen Asiaten. Er hatte Courage gezeigt und sich schützend vor einen
Menschen gestellt, den er noch nicht einmal kannte. Und dann hatte er Mann gegen
Mann gekämpft. So wie er es kannte und so, wie er es vermutlich gelern t hatte. Und
dabei war er auf einen Gegner gestoßen, der keine Grenzen kannte. Auf einen von
uns! Also nicht von uns, da ich ihn mir ja noch holen werde sobald ich eine Chance
seh, aber halt ein Mitbringsel meiner feinen Kumpels. Und mit denen werde ich auch
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Tacheles reden, das ist auch bereits unausweichbar! Wer weiß ob die nicht
mittlerweile auch mit den Anderen irgendwie schon unter einer Decke stecken!
Damals in der Anstalt hätte ich meinen Eltern, die ich bis dahin echt nach meinem
Dafürhalten gerngehabt habe und auch den Eindruck hatte, dass die zumindest mich
geliebt hatten so als Sohn. Ja, denen hätte ich diesen Hochverrat an ihrem eigenen
Blut auch nie niemals zugetraut, so jung und naiv ich doch war damals! Und so
unschuldig!
Ja, und das jetzt war also Mallorca!
Das war ich!
Und das waren meine Jungs!
Und…. DAS war der Spion der Anderen!
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PAIN – Jerry, der irre Ami!
Ich weiß noch heute, wie ich damals vor Wut geradezu schäumte. Wir kämpften uns
weiter die Straße hoch und passierten eine Dönerbude. Kein großer Laden, nur um
die 25 bis 30 Quadratmeter groß. Mir fiel auf, dass sich dorthin etwa 25 linke
Autonome geflüchtet hatten. Sie standen da wie einfache Gäste und bestellten Bier
und Döner. Auf den ersten flüchtigen Blick konnte man gewisse Auffälligkeiten
durchaus übersehen. Es waren Männer und Frauen – alle zwischen 20 und 35 Jahren.
Sie trugen unterschiedliche Klei dung, hatten aber alle eines gemeinsam: Alle ihre
Kleidungsstücke waren ausnahmslos schwarz. Und die Haare klebten ihnen
verschwitzt auf der Stirn. Ich wusste aus eigener Erfahrung, weshalb: Das kam von der
Vermummung!
Ich verzichtete auf jedes Vorgeplänkel und packte gleich den ersten, der mir in den
Weg kam, an Hals und Kopf und zerrte ihn raus. „Alles raus! Alles raus hier! Sofort!“
Ich schrie laut und energisch. Ein wüstes Gedränge entstand. Tische flogen um, die
Glastheke des Imbissstandes ging zu Bruch, die Kasse flog zu Boden. Auf solche Dinge
konnte keine Rücksicht mehr genommen werden. Ein paar Autonome zündeten mit
den geplünderten Schnapsflaschen aus dem Penny -Markt ihre Barrikaden an. Wir
stürmten umgehend auf sie zu und ich suchte nun die direkte Auseinandersetzung.
Ich wollte den Kampf. Ich wollte endlich einem dieser Typen meine Faust in sein
Gesicht rammen. Endlich den ehrlichen Kampf. Mann gegen Mann, ganz so, wie ich
es kannte. Es musste geschehen. Die Wut musste raus. Irgendeiner von diesen linken
Ärschen sollte endlich daran glauben!
Ich spurtete auf die brennenden Barrikaden zu. Zu Beginn meines Angriffs drehte ich
mich noch einmal kurz um. Ich wollte sehen, wo meine Kameraden bleiben würden.
Aber da war ich schon gut 20 Meter von meinen Jungs entfernt. Steine und Flaschen
flogen in meine Richtung. Egal. Endlich war er da. Der Tunnelblick. Das Rasen im Hirn.
Dieser Drang, zu kämpfen. Jemanden zu schlagen, bis er nicht mehr kann. Den
Tunnelblick hatte ich immer nur beim Fußball. Oder bei Kneipenschlägereien. Alles
um mich herum schien z u verschwimmen. Nichts und niemand konnte mich
aufhalten! Und wenn es das Letzte sein würde, was ich tat – ich musste kämpfen! Dass
ich schon 30 Meter von meinen Kameraden entfernt war – egal! Als ich an dem ersten
brennenden Müllcontainer vorbeirannte, tr af mich ein Pflasterstein oberhalb des
Knies. Dieser Bereich war durch nichts geschützt. Ich spürte den Schlag und den
Schmerz, aber es interessierte mich nicht. Weiter! Nach vorne! Weiter! Und plötzlich
musste ich stehen bleiben. Die 20 oder 25 Autonomen waren weg. Einfach weg!
Geflüchtet. Abgehauen – vor einem einzelnen Mann! Was für eine Welt war das? Wo
blieb da noch ein Rest von Würde? Ein Rest von Ehre? Dann kam Jan angerannt. Sein
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Gesichtsausdruck war entschlossen. Er schlug mir besorgt auf die Schulter: „Alles klar?
Bist du okay?“
Mein Zustand normalisierte sich langsam wieder. Jetzt erst konnte ich meine
Umgebung bewusst wahrnehmen: „Für diese Steine werfenden Weicheier reicht ein
Mann!“
Ich konnte es noch immer nicht glauben. „Ein Mann!“
Erst jetzt schlossen die anderen Kollegen zu uns auf und ich sah die Angst in ihren
kreidebleichen Gesichtern. Noch Monate später wurde ich auf diesen Vorfall
angesprochen. Die Fragen wiederholten sich: Wieso ich ganz allein losgerannt sei. Ob
ich denn kei ne Angst vor Verletzungen gehabt habe. Meine Antwort war immer
dieselbe. „Wer hätte mich denn verletzen sollen? Einer von den linken Autonomen?“
Aber das sollte unsere Feierlaune nicht stören. Schließlich gab es noch ein
Fußballspiel, alle Jungs waren anwesend, Bier war vorhanden. Das musste genügen,
zumal es ein Sonntag war und die meisten von uns am Montag wieder arbeiten
mussten.
Nach Spielende verließen Jerry, Jockes und ich gemeinsam das Stadion. Es war 19:30
Uhr und schon seit Stunden dunkel. Unser Ziel war eine unserer Stammkneipen in
Stadionnähe. Durch die Nähe zur Oststadt wohnten in dem gesamten Viertel vor
allem eher reiche Leute. Und ein paar Autonome. Wir passierten ein besetztes Haus.
Weiße Laken, mit unsinnigen linken Parolen und den obligatorischen roten und
schwarzen Sternen beschmiert, hingen aus den Fenstern. Hier hauste der Typ
Mensch, den ich beruflich wie privat nicht zu meinem engeren Freundeskreis zählte.
Ich musste wieder an die letzte Straßenschlacht denken, als sich vor dem besetzten
Haus plötzlich der Bürgersteig füllte. Gut 20 Autonome strömten aus dem Haus und
sammelten sich auf der Straße. Alle schwarz gek leidet, die Männer teilweise
vermummt mit schwarzen Kapuzen und Sturmhauben über dem Gesicht. Die Dreckige
ANTIFA!
Wir blieben stehen. War das ein Traum? Hatten wir diese Typen tatsächlich einmal
direkt vor der Flinte? Waren wir so nah an ihnen dran, dass sie ausnahmsweise einmal
nicht weglaufen konnten? Es gab nur ein Problem: Wir waren drei und die hatten etwa
20 Leute auf der Straße. Unsere Jungs saßen gar nicht so weit entfernt beim Saufen,
aber die Autonomen standen genau dazwischen – wir hätten sie nicht informieren
können. Unsere vermummten Feinde musterten uns ebenfalls. Und ich nehme an, sie
wussten auf Anhieb, wer ihnen auf der anderen Straßenseite gegenüberstand.
Unsere Reaktion war ungewöhnlich. Wer blieb schon mit drei Mann stehen, um eine
Gruppe von 20 vermummten Autonomen ins Visier zu nehmen? Jeder normale
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Mensch hätte seinen Schritt beschleunigt und hätte zugesehen, dass er wegkommt.
Aber wir waren keine normalen Menschen!
Jerry, Jockes und ich schauten uns nur kurz in die Augen. Wir waren wie Brüder. Wir
mussten nicht aussprechen, was wir in diesem Moment dachten. Es stand alles in
unseren leuchtenden Augen geschrieben. Das Adrenalin strömte durch unsere Körper
und verjagte den Alkohol aus den Gliedern. Ja, wir wollten sie! Wir wollten es ihnen
ordentlich besorgen. Die Autonomen standen für alles, was wir seit Jahren
verabscheuten. Und das würden wir heute Nacht klären!
Wir standen uns endlose Sekunden gegenüber. Es war deutlich zu erkennen, dass sich
die Autonomen beratschlagten. Weshalb sie das taten, erschloss sich uns nicht. Sie
waren in der Überzahl, was gab es da noch zu diskutieren?
Natürlich wussten die Autonomen, dass das Gebiet rund um das Mannheimer Stadion
bei Heimspielen vom Waldhof fest in der Hand der City Boys war. Aber vor ihnen
standen schließlich nur wir drei. Plötzlich nahm Jerry allen Beteiligten die
Entscheidung über den weiteren Verlauf ab. Er trat auf die Straße, ging langsam auf
die Autonomen zu und hob seine Fäuste an.
Die Entscheidung war gefallen. Jerry hatte sie getroffen und es war klar, dass wir ihm
folgen würden. Keiner von uns hätte den anderen im Stich gelassen. Auch nicht, wenn
es zu dritt gegen 20 Vermummte ging! Ich verschaffte mir ein letztes Mal einen
Überblick über die Situation. Ich schaute nach links, keine Polizei, keine Zivilpolizisten
rechts, vereinzelt ein paar Fußgänger. Die Luft war rein. Und wir griffen an!
Zwischen den geparkten Autos auf der anderen Straßenseite waren nur kleine Lücken
frei. Die Autonomen schienen noch abzuwarten und blieben hinter den Autos in
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Deckung. Uns trennten nur noch vier Meter von der Gruppe in Schwarz, als die Typen
plötzlich ihre Jacken öffneten und Waffen hervorzogen. Ich sah zwei abgesägte
Feldhockeyschläger und mehrere Holzschlagstöcke. Das machte uns nur noch
wütender. 20 gegen dre i und dann noch mit Waffen. Was für ein jämmerlicher
Haufen.
Wir preschten zwischen die Autos. Jerry schnappte sich den ersten, den er erwischen
konnte, und streckte ihn mit einem schweren rechten Faustschlag gegen den Kopf
nieder. Da die Vermummten dicht zusammenstanden, konnte der Typ gar nicht
umfallen, sondern sackte nach hinten in seine Kumpane hinein.
Ich stürmte Jerry nach und trat einem Vermummten mit Anlauf direkt vor die Brust.
Drei Autonome gingen um die geparkten Autos herum und versuchten, Jockes
anzugreifen. Mitten auf der Straße entwickelte sich umgehend eine heftige Prügelei.
Und noch während ich mir den nächsten Kapuzenkopf zurechtschob, sah ich im
Kampfgetümmel aus dem Augenwinkel einen Gegenstand auf Jerrys Kopf zurasen. Im
Bruchteil einer Sekunde wurde mir klar, dass es ein Hammer war. Und im nächsten
Moment gab es ein dumpfes Geräusch …
Ich drehte mich um und sah nur noch Blut. Aus einer klaffenden Platzwunde direkt
auf Jerrys Stirn sprudelte das Blut wie aus einer Quelle. Innerhalb kürzester Zeit war
sein ganzer Kopf und Oberkörper von der roten Flüssigkeit bedeckt. Das war jetzt
eindeutig zu viel. Blitzartig fielen alle Grenzen. Wir gerieten buchstäblich in einen
Blutrausch und rasteten total aus.
Jerry griff sich trotz seiner fürchterlich klaffenden Kopfwunde einen Autonomen und
schlug ihm mehrmals mit der rechten Faust hart ins Gesicht. Ein hässliches Geräusch
übertönte den Kampflärm. Es hörte sich an, als ob der Koch einer Imbissbude seine
Schnitzel kraftvoll mit einem Fleischhammer plattschlug. Platsch! Platsch! Zwei
weitere schwere Schläge explodierten im Gesicht des Autonomen. Jerry hielt den
mittlerweile bewusstlosen Typen mit seiner linken Hand an der Jacke fest und drosch
weiter auf ihn ein. Platsch! Platsch! Platsch! Die Arme des Kerls hingen schlaff an
seinem Körper hinunter. Seine Augen waren so verdreht, dass seine Pupillen gar nicht
mehr sichtbar waren. Nur noch weiß. Seine Augen strahlten weiß – und leer.
Ich schlug und trat auf alles ein, was in meiner Nähe war. Ob sich unter der
Vermummung eine Frau versteckte oder nicht, spielte keine Rolle mehr. Hier ging es
nur noch um Gewalt. Schmerz. Und Rache. Auge um Auge, Zahn um Zahn – in der
Beziehung blieben wir meistens alttestamentarisch. Von links aus der Stadt stürmten
drei weitere Mannheimer Jungs in unsere Richtung, die durch den Kampflärm auf die
Schlägerei aufmerksam geworden waren. Jan, Olaf und Markus, drei kampferprobte
Vertreter der Firm.
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Die drei sprangen sofort in die Autonomen rein. Und dann standen plötzlich auch
noch Rolf und Sascha da – beide Köche in einem Mannheimer Szenelokal und
Mitglieder bei den City Boys. Die Schlägerei hatte sich bereits auf den gesamten
Bürgersteig und die Straße ausgebreitet. Der Lärm dieser Straßenschlacht war bis zur
Kneipe zu hören. Innerhalb kürzester Zeit fielen gut 20 hoch motivierte Schläger aus
Mannheim über die Autonomen her. Sie alle wussten nicht, was passiert war, aber
das spielte keine Rolle mehr.
Die Autonomen gerieten in Panik. Ihre Überzahl war längst Vergangenheit. Einige
lagen bewusstlos und blutend auf der Straße oder versuchten bereits zu fliehen. Doch
sie kamen nicht weit. Aus Jerrys Kopf schoss noch immer unaufhörlich das Blut. Er
hatte nun jegliche Selbstkontrolle verloren. Er war der Raserei nahe und suchte sich
ein Opfer nach dem anderen. Aus diesem Menschen war eine tobende
Kampfmaschine geworden. Seine hassverzerrten Gesichtszüge waren selbst unter
den Blutströmen zu erkennen. Ein Bild wie aus einem Horrorfilm.
Ich verfolgte einen Autonomen über die Straße. Er versuchte, in ein fahrendes Auto
einzusteigen und zu fliehen. Am Steuer saß eine etwa 50 -jährige Frau, die vor
Schrecken erstarrt ungläubig aus dem Fenster glotzte. So etwas kannte sie wohl nur
aus Filmen. Sie fuhr im Schritttempo heran, als der Autonome auf sie zu rannte. Von
der anderen Seite sprintete Jan herbei und sprang dem Typen mit voller Wucht ins
Genick. Er fiel mir praktisch vor die Beine und ich zögerte nicht, ihm meine rechtes
Knie durchs Gesicht zu ziehen.
Er war wohl bereits ohnmächtig, bevor er auf dem Boden aufschlug. Einen Moment
lang hielt ich die Luft an, weil ich befürchtete, dass er mit seinem Oberkörper unter
die Räder des Wagens dieser Frau fallen und dabei zerquetscht werden könnte. Aber
er knallt e auf den Fahrradstreifen neben die geparkten Autos und blieb in einer
unnatürlich verkrümmten Haltung liegen.
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Ich drehte mich um. Direkt hinter mir prügelte Jockes auf einen Autonomen ein und
schrie wie von Sinnen: „Das ist der mit dem Hammer! Das ist der mit dem Hammer!“
Ich rannte auf ihn zu und trat dem Vermummten aus vollem Lauf mit aller Kraft in den
seitlichen Rippenbogen. Der Typ hob ab und prallte hart gegen einen parkenden VW
Golf. Der Autonome versuchter mit letzter Kraft, sich unter dem Wagen zu
verkriechen. Aber die Jungs zogen ihn an den Füßen zurück auf die Straße und traten
einfach zu. Sie erwischten ihn mit ganzer Wucht am Kopf, an der Schulter und am
Brustkorb.
Die Schlägerei war vollkommenen zur Raserei entartet. Die Jungs schrien immer
wieder „Das ist der mit dem Hammer!“ und droschen ohne Unterlass auf den Kerl ein.
Der Autonome war nicht einmal mehr in der Lage, seine Hände schützend vor den
Kopf zu halten. U ngebremst und mit voller Wucht trafen die Tritte auf seinen Kopf,
der von einer Seite auf die andere schlug.
Plötzlich kam ein erfahrener Straßenkämpfer von der Firm angerannt und stellte sich
schützend über den Autonomen, der ohnmächtig auf dem Asphalt lag. „Hört auf, hört
auf! Der hat genug.“ Erst jetzt kamen die Jungs wieder zur Besinnung. Sie hatten sich
in e inem Rausch befunden. Weggetreten. Im Tunnel. Sie standen noch bei dem
Autonomen. Der alte Haudegen stieß sie an der Schulter: „Hallo! Hört auf! Lasst ihn
in Ruhe.“ Langsam, wie in Trance, gingen sie zwei Schritte zurück und ließen von ihm
ab. Er schaute sich kurz die Kopfverletzungen des Autonomen an und blickte besorgt
wieder auf. Fassungslos legte er den Kopf des Autonomen vorsichtig zurück auf die
Straße und ging weg. Es sah nicht gut aus.
Mehrere schwarz gekleidete Autonome lagen auf der Theodor -Heuss-Anlage,
ohnmächtig, verkrümmt, blutend und stöhnend. Plötzlich sah ich Bullen auf uns zu
rennen! Wie sich später herausstellte, waren die beiden Beamten bereits auf dem
Nachhauseweg, als sie p er Funk alarmiert wurden: „Massenschlägerei auf der
Theodor-Heuss-Anlage! Viele Verletzte.“ Ich sah die beiden aus dem Augenwinkel. Sie
hatten mich offenbar noch nicht entdeckt und waren von den kriegsähnlichen
Zuständen auf der Straße sichtlich geschockt und überrumpelt. Ich warf noch einen
letzten Blick auf den Hammerschläger. Ein Bild, das mir noch sehr lange in Erinnerung
bleiben sollte. Noch nie zuvor hatte ich einen Menschen in einer derart unnatürlich
verdrehten Körperhaltung gesehen. Wie erstarrt von einem spastischen Anfall lag er
auf dem Asphalt und ich war mir an jenem Abend nicht sicher, wie der Typ diese Sache
überstehen würde.
Das Sirenengeheul wurde immer lauter. Es war allerhöchste Zeit, abzuhauen. Nach
dieser Geschichte sollte man sich besser nicht erwischen lassen, denn in Anbetracht
der vielen, zum Teil schwer verletzten Menschen auf der Straße würde die Sache mit
Sicherheit ein gerichtliches Nachspiel haben. Jerry stand zehn Meter von mir entfernt.
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Er war immer noch nicht Herr seiner Emotionen und hatte nicht begriffen, dass er
schleunigst abhauen musste. Ich zerrte ihn in eine kleine, dunkle Seitenstraße. Einer
musste ruhig bleiben. Und konzentriert. Ich musste schnell umschalten. Denken,
handeln un d reagieren, wie ich es gelernt hatte. Das tun, was mir bislang immer
geholfen hatte. Weg von den größeren Straßen! Dort würde die Polizei zuerst
kontrollieren. Uns blieben vielleicht noch fünf Minuten, um der Polizei zu
entkommen. Fünf Minuten, um noch zw ei größere Straßen zu überqueren, danach
wäre das gesamte Viertel abgesperrt. Ich wusste, dass es eng werden würde. Aber wir
hatten es geschafft und kamen nochmal davon.
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Wald und Wiese…
Ich wackelte auf meinem Sitz hin und her und summte „You´ll never walk alone“ vor
mich her! „Mensch Max, halt mal still, das macht mich ja narrisch, Dein rumgehupfe!“
Jan´s Augen waren zu Schlitzen zusammengekniffen, als er mich durch den
Rückspiegel ins Visier nimmt. „Ja, is ja schon gut!“ mein ich nur, hoppel aber trotzdem
weiter. „Das ist halt die Aufregung“.
„Ey, Max!“ Thomas stößt mich in die Seite. „ Dein Handy klingelt.“ Das
Discounterhandy brummt zwischen uns auf dem Sitz. Mit zittrigen Fingern greife ich
danach. Mein Kollege Jockes beobachtet mich im Seitenspiegel und fummelt dabei
genauso nervös mit seinem neuen Zahnschutz in der Hand hektisch rum .
Normalerweise nimmt der den vorher immer schon mal in den Mund, damit er sich
an den chemischen Kunststoffgeruch gewöhnt und nicht ausgerechnet beim Fighten
andauernd einen Würgereiz kriegt. Ich drücke auf die Taste mit dem grünen Hörer.
„Wo seid ihr? Wir warten“, kommt die Stimme von dem Lauterer, mit dem ich das
Match vereinbart habe, aus der Muschel. Ich kurble die Scheibe runter, um besser
rausschauen zu können, suche nach irgendwelchen Anhaltspunkten.
„Sind bei Grünstadt von der Autobahn ab. Müssten gleich da sein.“
„Ihr wisst Bescheid, oder? Nach der Abfahrt rechts ab, dann ca. 1 km immer geradeaus
durch den Ort durch. Beim Waldweg, vor dem Ortsausgangsschild ab in den Weg
rein!“
„Ja, ja, ich weiß doch Bescheid, sind ja nicht blöd!“ Dann sag ich ihm nochmal, das wir
20 Mann je Seite vereinbart haben und lege auf.
„Also?“, fragt Jan, ohne sich umzudrehen. Er beobachtet mich immer noch im
Seitenspiegel. Trotz der Sonnenreflexion kann ich seinen stechenden Blick erkennen.
Wie er mich schon wieder anschaut. Ich sag ihm die Wegbeschreibung nochmal und
betone noch mal, dass ich den Typen an die Abmachung erinnert habe.
„Hab ich gehört“, sagt er und dreht sich zu Jockes, der wie immer am Steuer sitzt. Jan
wiederholt die Wegbeschreibung. So als ob Jockes mich nicht gehört hätte oder er
den Weg nur fahren könnte, wenn die Anweisung von ihm kommt. Ich bemerke, wie
Thomas mich von der Seite ansieht und dabei zwinkert. Nett gemeint. Wenn ich ihn
jetzt angucke, wird er bestimmt noch die Mundwinkel abschätzig verziehen, aber ich
lass es. So in der Art. Aber ich reagiere nicht, sondern achte drauf, ob Jo ckes den
richtigen Weg nimmt. Der nickt nur, was wohl heißen soll, dass er verstanden hat. Mit
seiner grobschlächtigen Hand umgreift Jockes das Lenkrad lässig. Schweißperlen
haben sich in seinen langen Handrückenhaaren verfangen und funkeln in der Sonne.
Sehen aus wie quer rüber gekämmt. Tom, der links von Thomas sitzt, checkt auch
nochmal sein Handy. Das ist sein Ding halt. Immer am Handy, egal wann! Er verzieht
aber keine Miene und pfeift vor sich hin. Auf jeden Fall sah der im Gegensatz zu
Thomas und mir komplett tiefenentspannt a us. In seiner anderen Hand hält er eine
Bierdose, die schon leicht zerdrückt ist.
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Obwohl er einen echt beschissenen Platz hat so direkt hinter Jan, der seine Fenster
aufgerissen hat und so der Fahrtwind direkt in die Fresse von Tom bläst. Der immer
mit seinem offenen Fenster.
Thomas hebt seinen Arsch ein paar Zentimeter über den Sitz und fingert seine
Koksdose aus der Gesäßtasche seiner Hollister-Jeans. Er schraubt sie auf und schaufelt
sich ein Häufchen Koks auf den Deckel, hält ihn sich nacheinander unter die
Nasenlöcher und snifft. Die Karre holpert ganz schön, aber er schafft es, dass nichts
danebengeht. Er legt den Kopf zurück. Seine gegelte Frisur schrappt über den fettigen
Polsterbezug der Kopfstütze. Er hält mir die Dose hin.
„Auch was? Vielleicht wirst Du dann ein bisschen ruhiger, Max“ Er grinst dabei dumm
rüber. Ich grinse zurück und sage: „Besser Hose voll als Nase voll, Kollege Koksi.“ Er
lacht. Schon lang her, dass ich mir Kokain reingezogen habe, normalerweise nehme
ich Pep, das wird viel besser bei mir. Von Krüppel kommt ein kehliges Räuspern.
Thomas zuckt die Schultern und schiebt die Dose zurück in seine Jeans. Er weiß ganz
genau, dass Jan es nicht leiden kann, wenn wir uns vor einem Match mit irgendwas
zuballern.
Selbst Zeug wie Koks, das dir den Kopf klarmacht. Aber das ist so eine Sache, die
bekommt selbst Krüppel Jan nicht aus den Leuten raus. Deswegen lässt er es meistens
durchgehen, solange es niemand übertreibt. Ist ja selbst auch kein Kostverächter.
Viele brauchen das gegen die Nervosität. Na ja, oder weil sie halt einfach Druffies sind.
Aber wer sich nicht am Riemen reißen kann, den nimmt Jan nicht mit. Jedenfalls nicht
auf wichtige Matches. Wie heute. Wenn’s wirklich drum geht, Mannheim ehrenhaft
zu vertreten. Thomas ist zwar schon immer ordentlich dabei mit dem Koksen, aber er
ist zu gut, um ihn zu Hause zu lassen. Die ganzen Schränke wirken gegen ihn so
gelenkig wie Panzer. Und dank mir hält er sich vor Matches etwas zurück. Außerdem
weiß Krüppel ganz genau, dass er nicht ständig mit mir rechnen könnte, wenn er
Thomas auf der Ersatzbank lassen würde.
Das gelbe Ortsschild von Grünstadt rauscht an der Beifahrerseite des T5 vorbei. Ich
beuge mich vor, das Gesicht zwischen Jockes und Krüppel.
„Jetzt gerade in den Weg rein“
„Wir sind ja nicht blöd“, unterbricht mich Jan. Ich lasse mich zurück in den Sitz fallen
und erwidere Thomas´ Augenrollen. Er reicht mir eine Zigarette. Ich zünde sie an und
nehme einen tiefen Zug. Der Raum zwischen den metallischen Streben der Kopfstütze
vor mir wird komplett v om fleischig-roten Nacken meines Krüppels ausgefüllt. Links
und rechts der Rückenlehne schauen seine Schultern hervor, die so kantig sind, als
wären sie mit einem Winkel konstruiert. Ich puste einen Rauchstrahl in Richtung der
roten Fläche zwischen den Streben und sage: „Genau.“
Wir biegen auf den trockenen Waldweg ein. Sofort werden wir von den Schatten der
rauschenden Bäume eingeschlossen. Es tut gut, aus der direkten Sonne raus zu sein,
und ich bemerke, wie mich die leichte Abkühlung wieder etwas ruhiger macht. Als wir
Grünstadt verlassen hatten, gings los. Dieses Gefühl, das immer kommt, kurz bevor
es losgeht. Ich weiß nicht, ob das mit Lampenfieber vergleichbar ist, schließlich hatte
ich noch nie Lampenfieber. Jedenfalls fühlt es sich so an, als würde im Bauch
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irgendwas zu schweben beginnen. Als ob der Magen mit Helium gefüllt wäre und von
unten gegen die Lungenflügel drückt.
„Da“, sagt Jockes und zeigt mit seinem fetten, haarigen Zeigefinger voraus. Um auf
der Rückbank was zu sehen, strecken wir drei die Hälse. Ein gutes Stück den Weg
hinunter sehen wir den Autokorso der Lauterer.
Sie stehen in Grüppchen vor ihren Karren. Jan dreht sich herum und stiert durch die
hintere Scheibe. Ich nehme instinktiv den Kopf zur Seite, damit er besser gucken kann,
denke mir aber sofort, jetzt reiß dich mal zusammen. Ich schaue auch nach hinten.
Alles in Ordnung. Die anderen fahren wie gehabt hinter uns her. Niemand hat kalte
Füße bekommen und ist umgedreht. Hätte mich auch schwer gewundert.
„Halt hier an“, befiehlt Krüppel. Jockes bugsiert den T5, soweit es geht, auf den
Grasstreifen, der zwischen dem Waldweg und den Büschen verläuft. Die anderen
parken hinter uns. Wir steigen aus. Die Lauterer haben genauso geparkt. Nur auf der
anderen Seite des Weges. Wenn die Sache hier gegessen ist, setzt sich jeder ins Auto
und verschwindet in die entgegengesetzte Richtung.
Jan geht um die Motorhaube herum, stellt sich breitbeinig in die Weg Mitte . Ich
nehme den Zahnschutz aus der Box und lasse Krüppel nicht aus den Augen. Tom stellt
sich neben ihn. Sie stecken die Köpfe zusammen. Er versucht, die Schachtel aus seiner
engen Jeans zu nesteln. Ich halte die Hand hin, schaue immer wieder zu Jan rüber,
der, die Hände in die Hüfte gestemmt, die Lauterer mustert.
„Jetzt komm“, sage ich, „am besten heut noch.“
„Immer mit der Ruhe“, nuschelt Thomas. Ich wippe von einem Bein aufs andere. Als
ich endlich eine Zigarette zwischen den Fingern habe, gehe ich zu Jan und Tom rüber.
„Was?“, pflaumt er mich an, als er merkt, dass sich jemand nähert. Dann sieht er, dass
ich es bin. Sein Kiefer entspannt sich etwas, und er legt mir ganz kurz die Pranke auf
die Schulter und zieht mich näher ran.
„Haben grad durchgezählt“, sagt Tom in Pollackenakzent. Es klingt wie ›dirchgjezeelt‹.
„15 Mann plus Kamera.“
„Hat jeder sein blaues T -Shirt an?“, fragt Jan. Könnt sich auch umdrehen und selbst
gucken, denke ich, verkneife mir aber natürlich, was zu sagen. Ich habe noch vor der
Abfahrt die Shirts verteilt. Eben aus dem Grund, dass wir uns jetzt nicht mehr damit
aufhalten müssen.
„Hat jeder“, sage ich.
Ich will noch hinzufügen, was ich mir in Sachen Aufstellung gedacht habe. Dass wir
probieren sollten, die massiven Kerle nach vorne zu stellen. Sozusagen als
Wellenbrecher. So könnte man beim ersten Aufprall bisschen was abfangen, selbst
wenn das zu Lasten der Geschwindigkeit geht. Aber Jan hebt die Hand, um mir zu
signalisieren, dass ich still sein soll. Da habe ich noch nicht mal einen halben Satz
gesagt. Einer der Lauterer kommt auf uns zu. Ich schätze, das ist der Typ, mit dem ich
in Verbindung stand.
„Alles klar“, sagt Jan.
Ich weiß nicht, zu wem genau.
„Max. Du sorgst dafür, dass die andern bereit sind.“
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Er hält seine Hand ausgestreckt vor mich, als wolle er mir den Weg versperren, und
geht zu dem Lauterer, der auf halbem Weg stehen geblieben ist und auf einen von
uns wartet. Ich fühl mich verarscht. Schließlich war die Absprache zwischen Jan und
mir, dass ich diesmal die komplette Orga übernehme. Ich versuch es
runterzuschlucken. Tom klopft mir gegen den Arm. Auf seiner Hand ist das
verblichene Tattoo irgendeiner Frau. Ich sehe ihn kurz an, dann zu Boden, sage: „Was
solls“, und trete meine Zigarette aus.
Thomas steht mit Kippe im Maul vor dem T5 und betrachtet sich in der getönten
Scheibe. Er zupft an seinen kurzen Igelhaaren herum. Alle anderen tragen die blauen
T-Shirts, die ich ausgeteilt habe. Er hat ein schwarzes Fred-Perry-Polo an. Wenigstens
hat er mal den Kragen unten gelassen. Ich stelle mich neben ihn, sehe erst ihn an,
dann mich selbst.
„Weißt du eigentlich, wie behämmert du bist?“
Er reagiert nicht drauf, tritt weiter von einem Fuß auf den anderen und wälzt seine
Zigarette summend zwischen den Lippen. Dagegen mein Gesicht in der
dunkelbraunen Fenstertönung. Ausdruckslos. Mundwinkel erdwärts. Augenbrauen
zusammengezogen. Die Stirn ge furcht. Bierernst. Immerhin sind die Haare wieder
schön auf einen Millimeter runtergeschoren. Ein riesiger Schatten schiebt sich ins
Spiegelbild des Autofensters.
„Na, ihr Pfeifen. Lang ist’s her“, sagt Ralph, „bereit?“
„I was born fucking ready“, sagt Thomas und schlägt seinen rechten Ellbogen in die
linke Handfläche, dass es klatscht.
Ich puste Luft durch die geschlossenen Lippen. „Du bistn Spacken“, sage ich. Ich drehe
mich um und sehe zu Ralph auf, der einen guten Kopf größer ist: „Is’ viel zu lang her.“
„Sag das mal Jo-Jos schiefer Nase.“
Wir lachen. Ralph schaut den Weg hinunter. Er fragt mich, warum mein Krüppel schon
wieder da hinten beim Abquatschen steht. Ob ich nicht diesmal dran sein sollte. Ich
nicke, ziehe gleichzeitig die Schultern hoch, sage: „Was weiß ich.“
„Kennst doch Jan“, schaltet Thomas sich ein, „Krüppelchen gibt ungern die Fuchtel
aus der Hand.“
„Drauf gelattet. Soll er machen, wie er denkt“, sage ich.
Auch Ralph zieht die Schultern hoch. Das XXL -Shirt spannt um Brust und Oberarme.
Sein Kragen sieht aus, als würde er jeden Moment platzen.
„Immerhin hast du das hier organisiert.“
Ich nicke wieder, sage, dass es mir eigentlich scheißegal ist, Hauptsache, es gibt
endlich wieder Backenfutter. Seit der neuen Saison läuft, hatten wir noch kein
einziges Match.
Jockes und ein paar der anderen alten Haudegen kommen vom Pissen zurück,
brechen durch die Büsche. Alle stellen sich im Halbkreis um Jan auf. Schädel werden
von Schulter zu Schulter gerollt. Arme gelockert. Hände ausgeschüttelt.
„Gerade machen jetzt! Geht los!“, ruft Jan.
159
Ich stecke mir den Zahnschutz in den Mund. Beiße drauf. Die Nervosität ist nur noch
ein Nachgeschmack. Wir stellen uns in drei Reihen über die Breite des Weges auf. Das
Adrenalin pumpt durch meinen Körper. Der Kopf wird leicht.
Die Truppe stampft los. Jan und Tom einen Schritt vor uns. Ralph und Thomas neben
mir. Scheiße noch mal, der grinst bis über beide Ohren, steckt mich damit an. Dann
gucke ich wieder geradeaus. Auf die Wand aus kahlen Köpfen und weißen Shirts, die
sich uns entgegenschiebt. Sie werden schneller, brüllen: „Bastardn Mannem!“ Einige
recken dabei die Fäuste.
Auch wir beschleunigen jetzt. Auf festen Tritt achten. Man braucht einen festen
Untergrund für den Aufprall. Sonst hat man schon verloren. Sie laufen. Wir auch.
Nicht stolpern jetzt! Bloß nicht Jan in die Hacken treten! Gleich. Ich spüre Hände im
Rücken, die mich vor sich hertreiben. Als ob das nötig wäre. Jeden Moment!
Ein letzter Aufschrei. Der Wald verstummt. Dann prallen Körper aufeinander. Fäuste
und Beine werden geschwungen. Ich seh noch Jan, wie er vom Lauterer Pulk geradezu
aufgesogen wird. Ein Lauterer vor mir. ’Ne Faust kommt mir entgegen. Ich nehm den
Schwung mit. Tauche unterm Schlag durch. Werf mich gegen ihn. Er fällt nicht. Zu
stabil, der Ficker. Ist am Prusten. Um mich rum fliegen sie vorbei. Verhakt. Verkantet.
Im Schwitzkasten. Schlagend. Der G latzkopf vor mir hat ordentliche Pakete. Egal.
Deckung hoch. L inksbewegung antäuschen. Er hatte den gleichen Gedanken. Ist
überrascht. Sein Schlag kommt hastig. Gehe dran vorbei. Lande einen Jab gegen
seinen Kiefer. Er stöhnt. Torkelt. Nicht voll erwischt. Da kommt er geduckt, hat die
Hände oben. Gerade will ich wieder antäuschen, da prallt irgendwer von hinten gegen
mich. Keine Chance. Seine Faust prallt direkt aufs Schlüsselbein. Hat bestimmt aufs
Gesicht gezielt. Noch mal Glück gehabt. Aber das Schlüsselbein rumort. Scheint zu
vibrieren. Scheiß drauf, sag ich mir. Ich springe vor. Täusche rechts. Hab ihn
ausgeguckt. Hat der nicht mitgerechnet. Er reißt die Arme hoch. Nierentreffer. Er
knickt ein, kann sich aber oben halten. Die Hände gehen instinktiv Richtung Niere.
Sein Pech! Ich kloppe ihm einen Schwinger direkt in seine Drecksfresse. Macht den
Klappmann, krümmt sich und stöhnt. Spuckt den Schutz in den Sand. Zähne verklebt
160
mit Blut. Bleib unten! Bleib verdammt noch mal unten! Ich seh mich um. Nicht zu
lange! Er bleibt liegen. Winkt ab, die Augen vor Schmerz zusammengekniffen. Meine
Sicht ist so eng wie ein Nadelöhr. Hindurch seh ich Thomas. Mitten im Clinch. Ein
Scheiß Lauterer zerrt ihm am Poloshirt. Thomas versucht, sich loszureißen. Er dreht
sich um die eigene Achse, der Lauterer mit ihm, und wirbelt Staub auf. Noch ein rotes
Shirt hinter ihm. Auf keinen Fall, du Bastardnsohn! Der Typ zieht das Bein hoch, als
ich ran presche. Erwischt mich an der Leiste. Ich verdammter Idiot! Komme aus dem
Tritt, aber fang mich mit den Händen ab. Da ist er schon über mir. Kriege das Knie in
die Seite. Luft bleibt weg. Versuche mich abzufa ngen. Meine Hand rutscht weg und
biegt sich in die ungesunde Richtung. Schmerz schießt mir vom Handgelenk in die
Schulter hoch. Geschmack wie Styropor in der Mundhöhle. Keine Zeit. Er kommt
wieder ran. Ich schubse mich ab. Schaffe etwas Raum. Der Trottel fällt drauf rein. Gibt
mir Zeit zum Aufstehen. Meine Hand ist taub. Der Ellbogen nicht. Meine linke Gerade
geht in seine Deckung, und ich zieh sie etwas zur Seite. Dann zieh ich ihm den Ellbogen
aufs Maul. Er geht runter. Hustet. Würgt und hält sich das Gesicht. Ich warte ab. Bleibe
in Bewegung. Er nimmt die Hand weg, schaut sie an. In dicken Schwallen tropft es ihm
aus einem breiten, leuchtenden Cut am linken Auge. Er bleibt unten. Bin am Keuchen.
Sehe mich um. Nur noch vereinzelte, ausgepowerte Geplänkel, die sich langsam
auflösen. Ich stemme die Hände in die Hüfte. Die Luft splittert wie Sägespäne durch
meine pfeifende Lunge. Verdammte Kippen! Jetzt schön eine schmöken. Irgendein
Gepöbel hinter mir. Gute zwei Meter weiter steht Müller in den Büschen. Sein T-Shirt
baumelt in groben Fetzen von seinem Oberkörper. Ich gehe um ihn rum, seh, dass er
über einem Lauterer mit halbierter, blutiger Lippe steht. Der Typ hält hilflos seine
Hand vors Gesicht, aber Müller drischt ihm noch zwei Dinger rein und schreit ihn dabei
an. Ich packe mir Müllers Arm, die andere Hand um seine Hüfte und zieh ihn weg.
„Bist du bescheuert, Müller? Der hat doch genug!“
Er stemmt sich halbherzig gegen mich. „Das Stück Scheiße hat mir in den Sack
geboxt!“
Ich ziehe ihn rückwärts aus den Büschen. Einige kommen dazu, wollen sehen, was hier
abgeht, aber ich halte die Hand hoch. Alles in Ordnung. Alles geklärt. Ich stoße Müller,
der an mir vorbeiwill, mit beiden Händen gegen die Brust.
„Is’ gut jetzt, Mensch! War bestimmt ’n Versehen. Selbst wenn nich’, scheiß doch
drauf.“ Dann hebe ich den Zeigefinger. Halte ihn ganz nah vor mein Gesicht, zeige
damit auf ihn.
„Wenn ich noch einmal seh, dass du einem, der am Boden liegt, welche verpasst …“
„Was dann, Kolbe?“
Ehe ich antworte, dreht er sich weg, winkt ab.
„Ey!“, poltert Jans Stimme zwischen den Bäumen.
Sein Shirt sieht fast wie frisch gewaschen aus. Er breitet fragend die Arme aus, öffnet
die Hände. Ich zeig an, dass alles okay ist, kein Problem. Ralph kommt zu mir. Sein
Kragen ist eingerissen. Die Haut darunter ist schrammig und gerötet. Er
beglückwünscht mich. Ich frage wieso, aber da merke ich es selbst. Der Großteil der
am Boden Kauernden hat rote T -Shirts an. Die Blauen stehen. Sie skandieren:
161
„Waldhof Mannheim! Waldhof Mannheim!“ Meine Schultern fühlen sich so leicht an
wie lang nicht mehr. Mein Magen ist wie mit Blei gefüllt und plumpst auf den Boden
meines Bauchs. Ich gehe neben Ralphs massiven Beinen in die Hocke, stütze meine
Unterarme auf die Knie und versuche durchzuatmen. Der Brustkorb ist wie
zugeschnürt. Das Schlüsselbein wabert vor Taubheit. Der linke Arm ist schwer. Ich
spucke meinen Zahnschutz in die Hand. Er verklebt mir die Handfläche mit Blut. Mein
Gesicht pulsiert in heißem Schmerz. Ich sehe zu Ralph auf: „Hoffentlich gibt’s noch ’ne
zweite Runde.“
Als ich mich beim Raststättenhalt kurz hinterm Pott verzogen hatte, um die Einzelteile
des Discounterhandys auf einem nahen gelegenen Feld zu verteilen, haben sich
Thomas und Müller wegen irgendeinem Kleinscheiß mit einer Gruppe polnischer
Fernfahrer in die Haare gekriegt. Aber Tom entschärfte die Lage, und kurz darauf, ich
kam gerade zurück, standen sie zusammen, und es wurde eine Flasche Wodka ohne
Etikett rumgereicht. Jan war gerade dabei, den synchron nickenden Thomas und
Müller einen Einlauf zu verpassen, was der Mist da sollte, nach einem Match noch so
einen Aufriss zu machen, und wer ihnen eigentlich ins Hirn geschissen hätte. So richtig
energisch klang Jan aber nicht mehr, wir hatten ja alle noch den Geschmack des
frischen Siegs auf den Lippen.
Kurz vor Mitternacht kommen wir in Mannheim an. Jeder steigt wieder in sein Auto.
Auch Ralph muss los, sonst gibt’s zu Hause einen Anschiss von Saskia.
Thomas und ich fahren gemeinsam zum Hauptbahnhof weiter. Ich will nur noch ins
Bett. Er will noch auf den Marktplatz und feiern gehen, sprich: sich irgendwo was zu
poppen angeln.
In einer Tanke schütten wir uns noch schnell ein Dosenbier in die Hälse. Dann nehme
ich den letzten Regio, raus nach Oftersheim. Thomas hat noch versucht, mich vom
Mitkommen zu überzeugen, habe aber keinen Bock auf Drecksmucke und Becks’ zu
Kleinwagenpreisen. Im Grunde mag er die Dissen in der Innenstadt ja selbst nicht,
aber, wenn man was Billiges zum Nageln sucht, hat man da die besten Chancen. Nur
sollte man sicherheitshalber den Perso der Matratze verlangen, die man da
wegschleppt.
Ist Thomas nämlich auch schon passiert. Da lässt er sich von so einer Kleinen
mitnehmen. Von wegen Eltern im Urlaub. Und dann hängt da in der Küche ein
Stundenplan, zehnte Klasse, am Kühlschrank. So schnell war er nie wieder in seiner
Hose, meinte er. Ich glaube, in der Nacht ist er noch in den Puff. Hat sich da ’ne umso
ältere Professionelle vorgenommen. Als ethischen Ausgleich sozusagen.
Was mich betrifft, gibt es nur zwei Möglichkeiten, mich in die Schuppen am Raschplatz
mit reinzuziehen: Thomas hat Geburtstag, oder ich habe dermaßen getankt, dass ich
nichts mehr schnalle.
162
Nächtliche Begegnungen mit mir selbst
Was ist eigentlich die Wahrheit? Was ist die Realität? Wer bin ich und was bin ich?
Fragen über Fragen, aber wo ist die Antwort?
Wenn ich in den Spiegel schaue, dann finde ich sie nicht! (Gleichzeitig springt sie mich
an, wie ein gefährliches Raubtier, wenn ich meine Augen sehe!)
Ich bin nicht hässlich, nicht dick und habe keine (sichtbare) Behinderung!
Keine Narben. Frauen sehen sehr viel in mir, sie sprechen mich an. Ich muss nur
dasitzen und gut aussehen.
Ich bin sehr attraktiv! Ja, ich sehe verdammt gut aus!
Ich bin nicht schwachsinnig!
Bin überdurchschnittlich intelligent.
Habe mein Abitur mit 1,2 geschafft, obwohl ich nie richtig gebüffelt habe. War ein
halbes Jahr vor den Prüfungen nur am rum Bastardn, schlagen und saufen und habe
das Geld meiner Oma verprasst.
Und habe dennoch so gut abgeschnitten!
Die Lehrer haben mich zumeist gehasst, tja, ich sie auch. (Einigen von ihnen hätte ich
gerne die Zunge ans Lehrerpult genagelt!
Etwas hielt mich zurück.
Ich habe einen guten Job und ficke recht anständig in der Gegend herum!
Viele Frauen sollen ja den Orgasmus lebenslang vortäuschen, doch nicht bei mir:
Wenn eine Frau nach drei Stunden Hin und her und Rein und raus keinen Orgasmus
kriegt, dann hat sie keinen Kitzler mehr!
Ich habe keinen Hass auf die Frauen oder sonst wen. (Ok, das ist jetzt gelogen!)
Warum also? Die Suche nach der Wahrheit?
Während ich hier mit den Füßen im warmen Blut stehe und in den Spiegel blicke, finde
ich keine Antwort.
Meine Mutter hat mich nie gequält – Ich bin kein Norman Bates.
Ich will keine Sünder bekehren – Ich bin kein Jesus Christus.
163
Ich will nichts beherrschen – Ich bin kein Adolf Hitler.
Ich will niemanden befreien – Ich bin kein Cheguevara.
Zwischen meinen Haaransätzen ist kein Zeichen – Ich bin nicht Satan.
Ich bin viel schlimmer!
Ich lebe!
Ich halte das Beil noch in meinen Händen, Blut und Hirn kleben daran und ich höre
noch das Geräusch, als ich den Schädel öffnete. Es klang, als hätte ich die Türe eines
alten Schranks aufgemacht und die alten Scharniere knirschen und quietschen
abscheulich.
Zuerst kommt gar kein Blut. Man guckt in die Öffnung und denkt, verdammt da muss
doch Blut sein, aber es kommt kein Tropfen.
Doch dann entspannt sich das Herz des Bastardnsohns und es ruft laut: „Hey Leute!
Ab heute ist hier für immer Schluss! Ihr könnt nach Hause gehen!“
Der Blutdruck pumpt sich leer und Fontänen artig spritz das scheiß Blut aus
der…Öffnung? ... Wunde?
Die roten und weißen Blutkörperchen packen ihre sieben Sachen und ziehen aus.
Der Typ war sofort tot!
Manche zucken noch, oder röcheln.
Ich hasse das, die stellen sich an wie Babys. Kleine Wichser! Die Jammerlappen
unserer Gesellschaft.
Gesellschaft? Die Gesellschaft der Anderen!
Ist die Gesellschaft der Anderen an einem Menschen wie mir Schuld?
Vielleicht gar nicht mal so falsch der Gedanke.
Ich bin ein Teil dieser Gesellschaft, ich gehöre zu ihnen.
Bin ich wie sie? Sind sie wie ich, oder bin ich nur das, was sie hervorgerufen haben?
Oder denken die Anderen, dass ich einer der Ihren bin, weil ich sie das Denken lasse!
Die Leute grüßen mich, als wäre ich einer von ihnen!
164
Ich bin kein Penner, kein Bandit, kein Revoluzzer und ich habe kein AIDS. Ich zahle
meine Steuern, gehe zur Wahl und habe hin und wieder Sex. Ich sehe einem Engel
ähnlicher, als dem Teufel.
Waren die Anderen Schuld, dass mich meine Eltern verlassen, abgeschoben und
verraten haben, als ich fünfzehn war?
Wenn ich meine Augen ganz fest zumache und mich erinnere, dann kann ich sie
sehen, wie sie mir mein erstes Fahrrad schenkten. Sie lachten dabei! (In meinen
Träumen fressen Maden ihre Augen. Ihre Augäpfel implodieren und sie rennen wie
wahnsinnig durch mein Zimmer. Solche Schmerzen haben sie.) Aber ich, ich empfinde
nichts dabei!
Weder Hass, noch Mitleid!
Es ist mir egal! Am liebsten würde ich ihnen ihr scheiß Fahrrad anal einführen. Aber
nicht aus Wut!
Einfach nur so, zum Spaß. Sadistisch war ich immer!
Ich erinnere mich daran, ich war sechs oder sieben, da habe ich Plastik angezündet
und die heißen Tropfen auf wimmelnde Ameisen fallen lassen. Eine Ameise stirbt mit
mehr Würde als ein Mensch. Sie haben nach allem gebissen, was ihnen in die Quere
kam. Sie wollten noch jemanden mit in den Tod reißen. Mich sahen sie nicht, mich
165
bemerkten sie nicht mal. Sie glaubten nicht, dass ich ein grausamer Gott sei, der sie
beim lebendigen Leibe verbrannte und einschmolz!
Auch Wespen brennen gut!
Ich habe einmal ein ganzes Nest mit einer Haarspraydose und einem Feuerzeug
erledigt. Ihre Königin hat noch im Todeskampf Eier geschissen, die ich ebenfalls
abfackelte, die Brut!
Habt ihr eigentlich gewusst, dass wenn man eine Maus mit einem Gummihammer
malträtiert, dann fliegen ihre Eingeweide und das Blut aus ihrem kleinen Arschloch
raus. Der Rest ist heil, sieht nur aus wie ein Luftballon ohne Luft!
Dabei fällt mir ein, als ich mit fünfzehn ein Mädchen liebte, habe ich ihr eine
Brustwarze abgebissen. Sie hatte danach mit mir Schluss gemacht, glaub ich.
Ja? Oder habe…?
Ich weiß das nicht mehr. Hm? Komisch, wie die Zeit die Vergangenheit verblassen
lässt…
Ich war schon immer von der Brutalität der Grimm -Märchen fasziniert. Wenn die
Geißen dem Wolf mit einer Schere den Bauch aufschnitten, Schneewittchens
Stiefmutter in glühenden Schuhen tanzen musste, die Hexe im Ofen verbrannte, oder
sich das Rumpelstilzche n in zwei Teile riss, bekam ich immer ganz große Augen
erzählte meine Mutter immer.
Ich malte im Kindergarten so grausame Bilder, dass meine Oma vorbeikommen
musste. Meine Oma nahm alles immer ziemlich leicht.
„Der Tod interessiert Kinder!“ sagte sie immer. „Wie das Leben. Aus einem Loch
kommen wir und in ein Loch gehen wir zurück.“
Dann lachte sie immer. Sie lachte überhaupt über alles was ich so anstellte und tat!
Mama lachte auch immer viel, wenn sie sich Heroin spritzte. Sie wäre fast krepiert,
habe ich zumindest so gehört!
Heute spritzt sie angeblich nicht mehr. Seid ihr verfickter Ehemann bzw. mein leidiger
Erzeuger, dieser Bastardnsohn, endlich über den Jordan ging, soll sie den ganzen
Drogen abgeschworen haben.
Ich kiffe gerne Marihuana. Ich verstand mich mit meiner Mutter sehr gut, sie ist nur
fünfzehneinhalb Jahre älter als ich, fast wie meine große Schwester. Doch leider ließ
166
sie sich von einem gottverdammten Bastard schwängern und ließ mich gegen dessen
Willen nicht abtreiben!
Damit war ihr, sowie mein weiteres Schicksal erstmal vorbestimmt, da wir beide jeden
Tag, mit Schlägen, Schimpfwörtern und mit sonstigen Gemeinheiten daran erinnert
wurden, das wir seien Zukunft verpfuscht hätten!
Auch meine Omi, die, wenn sie sich mal einmischte immer eine abbekam, konnte uns
nicht groß davor schützen!
Wie ich später erfuhr, ist der einzige Grund dafür, dass er mich überhaupt adoptierte,
der, das er ansonsten wegen diverser Strafdelikte ins Gefängnis gekommen wäre!
Doch sie hatten beide erstmal kein Sorgerecht für mich, da beide noch nicht volljährig
waren zu dem Zeitpunkt! Sie lebte ich bereits zu diesem Zeitpunkt öfter bei meiner
Oma als bei meinen Erzeugern. Und die war immer gut zu mir und ich habe eine lange
Zeit mit ihr wunderbar gelebt.
Ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass ich fast keine Drogen nehme, ich trinke
nicht einmal.
Ich habe noch nie jemanden wirklich geliebt, nicht einmal die Katze meiner Oma, das
arme Vieh.
Sie hat mich so entsetzt angeguckt, als könne sie es nicht verstehen, warum ich sie
abmurkste.
„Hast du dich auf sie draufgelegt?“ war der knappe Kommentar meiner Großmutter,
als sie das verdammte Vieh so regungslos auf dem Boden vor ihrem Sofa liegen sah.
Sie liebte mich, ich war ihr Abgott, nie hätte sie darin eine Absicht vermutet.
Zum Schluss unseres Zusammenlebens dann schon eher.
Sie schaute mich lächelnd, mit ihren glasigen Augen an, wenn ich ihr von neuen
Vorkommnissen erzählte. „Wolltest Du sehen, wie das Leben entweicht?“
Es gab Augenblicke, da hätte ich schwören können, sie wollte sehen, was passiert,
wenn bei manch einem oder einer das Leben entweichte.
Aber sie war nicht so, sie war kein Josef Mengele!
Sie war zwar bis zu Ihrem Tod, in den Führer abgöttisch verliebt, was auch schon
dessen Bild über ihrem Bett irgendwie vermuten ließ, aber sie war nicht grausam oder
so.
167
Ich war auch kein Muttersöhnchen!
Ich wollte meine Mutter direkt auch nie töten – im Gegensatz zu meinem Vater!
Die Drogensucht meiner Mutter war vielleicht auch letzten Endes mit daran schuld,
das sie zusammen mit den Anderen mich in die Anstalt wegsperrten!
Zu dem Zeitpunkt damals, war meine Mutter bereits so von den Drogen weggedröhnt,
das war die einzige Chance für sie den täglichen Martyrien meines Vaters irgendwie
zu entkommen, dass sie sobald ihr Zeug durch die Venen floss, ihre Augen aufriss und
durch ihr Zimmer rannte und sich auszog. Sie legte sich dann nackt auf ihr Bett und
jauchzte vor Vergnügen.
Viele haben Horrortrips beim Schießen, Mama nicht.
Vielleicht lag es daran, dass sie sozial gefestigt war, sie musste sich keine Sorgen um
die Beschaffung machen, Oma zahlte alles, da sie ja Verständnis für die Situation
aufbrachte.
Irgendwann bin ich dann in ihr Zimmer gegangen, um mit ihr zu reden, doch sie war
gar nicht ansprechbar. Ich glaube sie verweilte im Glück und selbst Alice würde keine
besseren Filme fahren. Ob sie das weiße Kaninchen, oder den Hutmacher sah, weiß
ich nicht, aber sie sah auf keinen Fall Fledermäuse oder fickende Eisbären.
Sie wälzte sich im Bett hin und her, spreizte ihre Beine und hauchte, jauchzte und
stöhnte, als hätte sie den besten Bums der Welt. Nach dem ich mich dreimal in ihr
Zimmer schlich, (Ich zockte ihr jedes Mal etwas H. ab und verkaufte es in der Schule.)
nahm ich beim vierten Mal meine Kamera mit. Es war eine 8mm-Filmkamera und mit
ihr machte ich meine ersten Filme, mit Mama in der Hauptrolle.
Mama war mit Ende Zwanzig eine willige Schauspielerin und ich vermute sie hatte
mich schon beim ersten Mal bemerkt, dachte aber wohl ich sei eine Halluzination. Sie
hätte es merken müssen, aber sie bewegte sich vor meiner Kamera, als wäre ich nicht
ihr Sohn.
Ich schaute mir meine Mama auf Leinwand an. Ich bekam keinen Ständer und ich
wichste nicht. Ich bin nicht homo, aber ich will nicht mit meiner Mutter schlafen!
In der Schule sprach ich Jungs an, die sich für ein gewisses Entgelt die Filme ansehen
durften. So dachte meine Oma ich hätte jede Menge Freunde und sei in der Schule
gut angesehen.
168
Später schlich ich mit Mitschülern in das Zimmer meiner Mutter und ließ sie für 250
DM durchknallen. Ich nahm sie dabei auf und erhöhte die Filmpreise.
Meine Oma fand einen Film, als ich schon ausgezogen war und erlitt einen
Schlaganfall. Sie lebte noch einige Jahre, aber sie sprach nicht mehr und so nahm sie
mein Geheimnis mit ins Grab.
Jetzt mache ich Aufnahmen von Menschen die ich abschlachte. Und ob ihr mir glaubt,
oder nicht.
Aber die Wahrheit ist ich finde es einfach schön im Blut zu baden. Ich trage meine
Maske, so wie sie die Meisten auch tragen. Man erkennt mich nicht, weil ich mitten
unter euch Anderen bin.
Die Wahrheit ist, dass ich so bin wie ich bin und Ihr zwar mich nicht erkennt, ich jedoch
bei jedem einzelnen von Euch weiß, ob er zu den Anderen gehört oder nicht!
Ich werde immer das tun, was ich bin.
169
Zwischenbilanz
Und wie schaut es aus mit Ihrem Gemüt, liebe Leserinnen und liebe Leser?
War das, was Sie in diesem Buch bereits erfahren bzw. erleben durften, für Sie harter
Tobak?
Kristallisiert sich mittlerweile für Sie ein klareres Bild der Person Max Bane heraus?
Sind Sie eventuell schon abgeschreckt von Max?
Ging Ihnen bisher etwas auf die Substanz?
Ich hoffe doch, dass Sie die vorangegangenen Fragen alle mit einem klaren „NEIN“
beantworten konnten, denn ich kann Ihnen versprechen, das dies alles im Vergleich
zu den Kapiteln, die in diesem Buch noch auf Sie zukommen werde, im Verlauf unserer
Reise an der Seite von Max Bane, absoluter Kinderkram war.
Ich weise Sie an dieser Stelle nochmals darauf hin, dass die Gewaltexzesse im
weiteren Buchverlauf dramatisch zunehmen werden und teilweise kaum zu ertragen
sind.
Selbst ich als Buchverfasser musste allein beim Schreiben mehrmals
gezwungenermaßen eine Zwangspause einle gen, da mir durch die extremen Taten
allein beim Schreiben schon schlecht wurde und mich manches in meinen Gedanken
längere Zeit mitverfolgte.
Falls das alles für Sie noch normal war, dann wünsche ich Ihnen weiterhin viel
Vergnügen beim Lesen dieser Geschichte.
Der Verfasser
170
„Der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler führte 1911 den Begriff Schizophrenie ein, der aus dem
Griechischen stammt und so viel wie „gespaltenes Bewusstsein“ bedeutet. Damit ist das chaotische
Nebeneinander von gesunden und kranken Anteilen der Seele gemeint, wie etwa die Wahrnehmung
der Umwelt als bedrohlich oder die inneren Stimmen, die Befehle erteilen. Denken, Fühlen und
Wollen gehen dabei irgendwie nicht zusammen. Damit ist jedoch nicht, wie häufig angenommen,
eine gespaltene oder multiple Persönlichkeit gemeint, bei der verschiedene Persönlichkeiten in einem
Körper nebeneinanderleben.“
Gespaltenes Bewusstsein
Ausstieg:
(1998 - 1999)
171
Ich bin nicht ich, aber auch nicht Du!
Die 90er-Jahre waren die Zeit von Speed und Ecstasy. Die Techno -Szene konsumiert
am liebsten diese synthetischen Drogen auf Amphetamin-Basis. Speed wird wie Koks
durch die Nase gezogen, Ecstasy als kleine, bunte Pillen geschluckt. Speed kickt
schneller als Ecstasy, da es direkt durch die Nasenschleimhäute aufgenommen wird.
Die Leber wird also als Filter ausgeschaltet. Schon nach 30 Sekunden merkst du, wie
dich der Stoff verändert. Du wirst hibbelig, du fühlst dich, als wärst du mit 200 Sachen
auf der Autoba hn unterwegs. Ein Geschwindigkeitsrausch, ohne dass du hinterm
Steuer sitzt. Du bist euphorisch, kannst die Nacht durchtanzen oder durchvögeln.
Ecstasy wirkt langsamer. Die Euphorie fängt erst eine Stunde nach dem Konsum ganz
leicht an. Du nimmst dein Umfeld intensiver wahr, fühlst dich mit allen Menschen
emotional verbunden, hast das Gefühl, wahnsinnig tiefe Gespräche zu führen. Die
beiden Drogen eint, dass du die Nacht gut durchfeiern kannst. Da fahren die ganzen
Dumme Kuhn in der Disco voll darauf ab.
Und dann sagt so einer wie ich zu den Bastardn: „Entweder Ihr fickt rum, weil Ihr geil
auf das Geld seid, oder weil’s Euch Spaß macht. Aber Ihr fickt für Euch und nicht für
mich.“ Dann fühlen sie sich bei mir wie eine Schlampe und ficken so richtig geil.
Manche nahmen die Drogen nur zum ficken.
Ähnlich war es bei mir! Also mit der Einnahme derselben, mein ich. In den
Drogenhandel stieg ich wieder ein, weil mir die Not, die ich in meinen Augen hatte,
die Rechtfertigung dafür gab. Ich dealte nicht, weil ich scharf auf die Kohle war,
sondern um zu überleben.
Ich fühle mich in jeder Nacht wie ein Samariter, als ich zu mir selbst sage: „Ok Max,
wir machen das wieder mit den Drogen.“ Und zu Jan sagte ich: „Sag mir, wie viel du
von dem Scheiß verkaufen kannst. Ich besorg es und wir machen dann fifty-fifty.“
Wenige Monate später versorgen wir von Kaiserslautern bis Karlsruhe fast alle
Hooligans mit Speed.
Ja das war noch damals so: mittags beim Fußball wurde sich ohne Hemmungen
gekloppt, aber abends dann feierte man unter Umständen zusammen auf
irgendwelchen wilden Partys oder Clubs und machte zusammen auch Geschäfte.
Auf das Zwischenmenschliche haben die Drogen übrigens recht unterschiedliche
Wirkungen:
Ecstasy: Liebe und Offenheit.
Speed: ungezügelter Sexualtrieb.
172
Die Techno-Szene der 90er -Jahre kann man ruhig als ein interessantes Experiment
verstehen:
Was passiert, wenn man triebgesteuerte Menschen mit emotional wahnsinnig
offenen Menschen, die die ganze Welt umarmen wollen, in einen Raum einsperrt und
dann die Musik aufdreht?
Amphetamine sind seit Beginn des Jahrhunderts als Droge gebräuchlich. Schon im
Zweiten Weltkrieg wurden sie von Nazis und Amerikanern an die Soldaten abgegeben,
um die Kämpfer wach zu halten. Aber den Durchbruch auf dem Massenmarkt schaffen
sie erst durch Techno.
Die Drogenhändler können der Szene dankbar sein, dass sie den künstlichen
Suchtstoffen den Vorzug vor den klassischen Drogen gibt. Denn der
Amphetaminhandel ist im Gegensatz zu dem mit den natürlichen Suchtsubstanzen
eine sichere Sache. Alle auf Kokain basierenden Drogen haben den Nachteil, dass das
Geschäft auf Rohstoffen aus dem Ausland basiert. Wenn die Ernte in Kolumbien
schlecht ausfällt, die amerikanischen Drogenfahnder mal wieder besonders aktiv sind
oder sich die Kartelle drüben in Südamerika in die Haare kriegen, dann kommt in den
Häfen von Europa einfach weniger und teurer Stoff an. Da der Preis für die Endkunden
aber nicht beliebig hoch ausfallen kann, geht das zulasten der Margen der
Zwischenhändler und Dealer.
Ähnlich ist die Lage bei Heroin. Da gibt es zwar einen besonders treuen
Kundenstamm, der, um genug Kohle für seinen Schuss zusammenzubekommen, nicht
nur sprichwörtlich über Leichen geht. Aber wenn der Opiumbauer in den politisch
instabilen Produktionslände rn keine reiche Ernte einfährt, gerät das ganze fragile
Handelssystem in Schieflage. Wer vor den 90ern sein Geld mit Drogen verdiente,
hatte außer der örtlichen Polizei vor allem Ärger in den Produktionsländern zu
fürchten.
Und dann wollten plötzlich alle Amphetamine. Auf Ibiza, Ende der 80er -Jahre als
„Ecstasy-Insel“ bekannt, ging es los, dann kamen die Clubs in England und mit dem
Siegeszug des Techno war in ganz Europa der Markt bereit.
Die Drogenhändler erkannten schnell, wie vorteilhaft diese Drogen sind, und sorgten
für besonders billigen Stoff. Endlich war man von den Banden im Ausland unabhängig.
Das machte den Speed- und Ecstasyhandel zu einem bombensicheren Geschäft.
Die Investition, um ein einfaches Drogenlabor aufzumachen, betrug etwa 10 000
Mark. Dafür kauft sich der Produzent ein paar Druckkessel, und schon kann es
losgehen. Ideale Standorte sind auf dem Land, in alten Ställen und Scheunen, denn
die Produktion der Drogen stinkt, nach Anis und Ammoniak. Die Drogenküchen in den
173
Wohngebieten wurden deswegen meist recht schnell von der Polizei geschlossen –
weil sich Anwohner beschwert hatten.
Ganz ungefährlich ist die Arbeit an Ecstasy jedoch nicht, giftige Dämpfe entstehen,
und wer nicht aufpasst, kann auch mittelgroße Explosionen verursachen. Außerdem
fallen relativ viele chemische Abfälle an, die unauffällig entsorgt werden müssen.
Auch das klappt auf dem Land immer besonders gut, da man die Kanister einfach im
Wald abstellen kann.
Die Grundstoffe, aus denen die Drogen gewonnen werden, sind bis 1995 in den
Niederlanden völlig problemlos einzukaufen gewesen. Danach wurden die
Chemikalien, wohl durch Druck aus dem Ausland, wo aufgefallen ist, dass mehr als 90
Prozent der Ecstasy-Pillen aus den Niederlanden kommen, strenger überwacht. Da sie
aber zur Produktion aller möglicher Arzneimittel nötig sind, können sie weiterhin
ohne viel Aufwand importiert werden.
Eine Ecstasy-Pille kostete damals weniger als 20 Pfennig in der Herstellung. In den
Diskotheken wurden sie dann für 20 Mark verkauft.
Von der hochprofitablen Industrie, die da in den Niederlanden entstanden ist,
bekamen die Türsteher in den Techno -Clubs nur die Endprodukte mit. Fast jeder in
den Clubs konsumiert Ecstasy oder Speed. Ähnlich wie die Drogenfahnder erkannten
die Türsteher recht schnell, wer Pillen mit hereinbringt. Es ist nicht etwa so, dass wir
die illegalen Substanzen im Club verhindern wollen. Das wäre auch für den Chef des
Clubs völlig kontra -produktiv. Denn eine lange, ausgelassene Techno -Party ist ohne
Amphetamine nur schwer vorstellbar. Würde der Club ernsthaft verlangen, dass alle
clean feiern sollen – die Leute würden einfach woanders feiern.
Wichtig war nur: Die Drogen sollten gefälligst im Club gekauft werden und nicht bei
irgendeinem Dealer auf der Straße. Du darfst schließlich ja auch nicht deine eigenen
Getränke in die Disco mitbringen.
Den Türstehern ist erst einmal jeder recht, der versucht, seine eigenen Drogen
mitzubringen. Was bei den Gästen gefunden wurde, beschlagnahmten die dann und
gut. Das war so etwas wie ein Trinkgeld. Einen Teil konsumierten die dann selbst, der
Rest wurde im Club verkauft, über den DJ oder einen vertrauenswürdigen Kellner.
Manch einer kauft sich drinnen also die Pillen zurück, die ihm am Eingang
abgenommen wurden.
Da kamen an einem guten Abend schon ein paar Hundert Mark zusammen. Doch das
große Geschäft, das ist uns klar, machten andere. Denn mehrmals am Abend kommt
der Dealer, der mit dem Chef eine Abmachung hat. Der wird kurz begrüßt, kann dann
unbehelligt in den Club und seiner Arbeit nachgehen. Es ist nicht ganz klar, wie viel
der hereinbringt. Damit hatten die Türsteher nichts zu tun, deren einzige Aufgabe war
174
es, bei ihm wegzugucken. Wir konnten damals nur ahnen, um wie viel Geld es dabei
ging. Das reichte uns aber nicht. Wir wollten etwas von der großen Kohle abhaben.
Ich selbst fuhr nur noch selten selbst mit Drogen über die Grenze. Dafür hatten wir
mittlerweile ein kleines Team vertrauenswürdiger Leute. Gute Kuriere zu finden ist
nicht einfach. Denn es ist eine Sache, einem Straßendealer ein paar Pillen in die Hand
zu drücken. Ein bisschen Schwund ist da immer einkalkuliert, der lässt sich aber
jederzeit verschmerzen. Aber es ist etwas ganz anderes, einem Mann die Taschen mit
Geld oder Drogen im Wert von Tausenden Mark vollzustopfen und ihn damit über die
Grenze zu schicken. Dafür sollte man nur Gangster mit etwas Seriosität anwerben.
Die Kuriere waren oft mit Motorrädern unterwegs. Wenn doch mal jemand in eine
Kontrolle geriet, schaltete er einfach zwei Gänge runter und war weg. Bis auf zwei,
drei Verfolgungsjagden über die Landstraßen im flachen Grenzgebiet, die die Jungs
alle für sich entschieden haben, hatte es auch keine Schwierigkeiten gegeben. Aber
wir wollten das Glück nicht überstrapazieren. Mit niederländischen
Nummernschildern waren wir auf der sicheren Seite. Die Polizisten hielten keine
Autos aus den Niederlanden an. Niederl änder, die nach Deutschland fahren, waren
unverdächtig und galten eher als Touristen.
Doch wie gesagt, wurden die Zeiten damals härter. Ich erinnere mich noch z.B. sehr
gut an eine Kollision mit der Konkurrenz.
Eines Tages hatte ich nämlich Ärger mit zwei marokkanischen Brüdern, die einem
Partner von mir Drogen abgekauft haben. Besser gesagt: Sie haben ihm die Drogen
abgenommen, hatten aber dann doch kein Geld dabei. In den Niederlanden heißt das
„rip“ also „abziehen“.
Ein Betriebsunfall quasi, so etwas kommt im Drogengeschäft ja häufiger vor.
Weil aber ein Partner von mir betroffen war, habe ich die Reklamation natürlich
persönlich übernommen. Ich habe eine klare Ansage gemacht und Adil, den älteren
der marokkanischen Wichsern Bruder, auch ziemlich vermöbelt. Das ging ganz locker,
deswegen nahm ich es nicht sonderlich ernst, als Adil Rache schwor. An mich hat er
sich jedoch offenbar nicht herangetraut, aber an meinen damaligen Hund, diese feige
Idiot!
Gut, ich wusste ja, wo ich die beiden finden konnte. Ich erwischte den jüngeren in
einer Seitenstraße von Maastricht und prügelte sofort auf ihn ein. Aber er muss wohl
noch an sein Handy gekommen sein. Jedenfalls taucht plötzlich Adil auf, sprang mir
von hinten auf den Rücken und nahm mich in den Schwitzkasten. Ich versuchte, ihn
abzuschütteln, und drückte ihn mit aller Kraft gegen eine Hauswand. Ich hörte, wie
eine seiner Rippen knackte. Sein Griff lockerte sich, ich dachte schon, dass er
aufgeben würde, doch dann spürte ich Stahl an meinem Hals. Er hatte kein Messer,
175
es war ein angeschliffener Schraubenzieher, den er mir Sekunden danach mit aller
Kraft in meinen Unterkiefer rammte. Der Schraubenzieher bohrte sich durch meine
Mundhöhle, den Gaumen und die Nasenhöhle nach oben. Erst kurz vor dem Auge
blieb er stecken. Da nn zog ihn Adil heraus und stach noch einmal zu, in die gleiche
Stelle. Ich sackte zusammen, blutete wie ein Schwein und konnte gar nichts mehr
machen.
Das waren aber trotzdem nicht die schlimmsten Schmerzen meines Lebens. In
Würzburg hatte ich mal Ärger mit einem Asiaten, der mit mir im Sicherheits - und
Drogenbereich zusammengearbeitet hat. Ich wollte ihn zur Räson bringen, da hat er
so ein chinesisches Dekoschwert ausgepackt und mir das Ding auf meinen
Oberschenkel gehauen. Ich hätte beinahe mein Bein verloren. Zwei von meinen
Quadrizepsköpfen waren danach ab. Dann hat er mir das Schwert zwischen
Schienbeinmuskel und Wade gestochen.
Aber das war eine andere Sache. Der Asiate wollte mich kampfunfähig machen. Adil
wollte mich umbringen. Hätte er keinen Schraubenzieher, sondern ein Messer
gehabt, hätte er meinen Hals zerfetzt. Und ich glaube nicht, dass Adil die
medizinischen Kenntnisse besitzt, um beurteilen zu können, dass ich schon
durchkommen werde, als er mich blutend auf der Straße liegen ließ.
Irgendwie schaffte ich es schließlich, wieder hochzukommen. Ich presste meine Hand
auf meinen Hals und schleppte mich die Straße entlang. Die Passanten, die mir
entsetzt auswichen, nahm ich nur schemenhaft wahr. Das warme Blut sickerte
zwischen meinen Fing ern durch. Ich versuchte, ein Taxi anzuhalten, aber mehrere
Wagen fuhren an mir vorbei, weil sie mich für einen Besoffenen hielten. Der fünfte
oder sechste Fahrer ließ mich dann endlich einsteigen. Noch auf dem Weg ins
Krankenhaus wurde ich ohnmächtig und wachte erst im Krankenhaus wieder auf. Die
Angelegenheit war dann erstmal soweit vorüber.
Es gab Zeiten, da hatten wir so gut wie keine Kohle, weil die Geschäfte, egal welche
es waren, beschissen liefen.
Da uns also immer mal wieder das Geld auszugehen drohte, musste ich rund um die
Uhr ansprechbar sein.
So auch in einer späteren Nacht. Am Handy war Jan, mein Kollege.
„Hi Max, hier gibt’s ein Problem.“
„Was ist los?“
„Hier ist ein Typ, der will dich sprechen.“
176
„Sag ihm, er soll später noch mal wiederkommen, ich bin in zwei Stunden sowieso im
milk!“
Jan zögert, dann meint er: „Er will aber, dass du sofort kommst, und du sollst Geld
mitbringen.“
„Hä, wer ist das denn?“
„Ich kenn ihn nicht. Aber er sagt, wenn du ohne Geld auftauchst, will er dir mit der
flachen Hand ins Gesicht schlagen. Wie eine Frau. Damit wir alle sehen, für was für
eine Muschi wir arbeiten.“
Ein Schutzgelderpresser also!
Eine heikle Situation: In jedem Laden, egal ob im Rotlichtmilieu oder bei Drogen - u.
Waffengeschäften, versucht irgendwann eine Gruppe mitzuverdienen. Irgendwann
stehen eben die Hells Angels, die Albaner, die Türken, die Kurden oder irgendeine
andere Gruppe im Laden. Wenn du dann aber anfängst zu zahlen, zahlst du für den
Rest deines Lebens oder bis du pleite bist. Und wenn du nicht zahlst, gibt es zwei
Möglichkeiten: Entweder du hast in der nächsten Zeit maximalen Stress oder du jagst
den Erpressern so eine Angst ein, dass sie beschließen, dass das Geld den Ärger nicht
wert ist, und dich in Ruhe lassen.
Es dürfte wohl klar sein, für welchen Weg wir uns als vernünftige Geschäftsmänner
entschieden haben!
„Mit welcher Hand will er mich denn schlagen?“, frage ich Jan.
Ich bekam keine Antwort. Jan war wohl über meine Frage etwas verdattert.
„Mit welcher Hand?“, fragte ich noch einmal, diesmal ziemlich laut, denn ich war jetzt
echt wütend.
„Er hat die Rechte hochgehalten.“
„Ah, gib ihm noch was zu trinken. Das geht auf mich. Und sag ihm, ich bin unterwegs,
es tut mir leid, dass er kurz warten muss.“ Antwortete ich und legte auf ohne weiter
abzuwarten. Natürlich machte ich mich dann gleich auf den Weg, obwohl das zwar
entgegen meinem eigentlichen Plan war, aber das war mir in dem Moment auch egal.
Auf dem schwarzen Ledersofa, das in einer der hinteren Ecken im milk! stand, saß
dann mein besonderer Gast, unterstützt von drei muskulösen Aufpassern. Er selbst
war schmächtig, trug Cowboystiefel, die angegrauten Haare im Nacken lang und auf
dem Kopf kurz . Später erfuhr ich, dass er Kurde und frisch aus dem Gefängnis
entlassen war. Das will ich im Nachhinein als Entschuldigung dafür gelten lassen, dass
er mich nicht kannte und sich daher bei uns im Stammclub solche Sprüche traute.
177
Ich ging zuerst zu Jan an die Bar und quatschte kurz mit ihm. Dann forderte ich den DJ
auf, die Musik lauter zu drehen. Dann lege ich mein Jackett ab, hinten in meinem
Gürtel steckt meine Pistole. Mit Jan hatte ich ausgemacht, dass er mir auf mein
Zeichen hin die Pistole aus meinem Gürtel reichen sollte.
„Ahhhh, Ahhhh, du bringst mir mein Geld“, meckert der Kameltreiber grinsend und
stand auf – seine Jungs bleiben sitzen!
Statt zu antworten, packte ich ihn am rechten Handgelenk und drückte seine Hand
auf den Bistrotisch, der neben den Sofas stand. Gleichzeitig zieht der hinter mir
stehende Jan die Pistole aus meinem Gürtel und gab sie mir von hinten. Ich nahm also
seine Bewegung auf und setzte die Pistole auf dem Handrücken des Kurden auf. Dann
drückte ich ab, zwei Mal. Das spritzte ziemlich. Alles dauerte nur ein paar Sekunden.
Das Einzige, was mir in dem Moment durch den Kopf ging, war: Scheiße, jetzt ist der
Tisch kaputt und ich kann den wieder zahlen. Ich hatte mittlerweile bereits schon
einige Tische löhnen müssen, wegen diversen Handgemengen im milk!
Naja, sagte ich mir, da kommt es auf einen mehr oder weniger auch nicht an.
Das Timing ist in solch einer Situation entscheidend. Denn es hätte eine wilde
Schießerei werden können, wäre nicht der Moment der Überraschung auf meiner
Seite gewesen. Als die Begleiter des schmächtigen Kurden sahen, wie ihr Chef brüllte,
sich seine Hand hielt und sich wahnsinnig vor Schmerz auf dem VIP -Sofa krümmte,
hatte keiner mehr Lust, etwas zu unternehmen.
Jan gab naturgemäß einem der Jungs noch eins in die Fresse, dann rannten alle aus
dem Laden, und ihr Chef blutete auf dem Weg nach draußen noch den Teppich voll.
Jan haute dann auch nicht lange danach ab. Ich hatte in dieser Nacht noch ein paar
Geschäfte mit neuen „Geschäftspartnern“, die mir von einem Bekannten empfohlen
wurden, anzuleiern, deswegen musste ich noch bleiben.
Ich setzte mich dann an die Bar um ein bisschen runter zu kommen. Die Musik war
mir etwas zu laut, Studenten-Pop, halt.
„Gib mir eine Cola“, sagte ich zum Barkeeper. Er stellte das frisch polierte Glas vor
mich, schenkte mir ein. Seine Hände zitterten. Er hatte sich jedoch relativ gut im Griff,
das Zittern war fast nicht zu sehen.
Wieso war er nervös?
„Soll ich Jackie reintun?“, fragte er mich.
Eigentlich wollte ich nüchtern bleiben, aber er griff schon zur Flasche und schüttete
den Alkohol in meine Cola.
178
Da kamen zwei Typen mit langen Haaren und Pali -Tuch um den Hals durch die Tür.
Der Barkeeper sprang flink hinter dem Tresen hervor und lief zu den beiden, bevor sie
sich setzen konnten. Ich hörte nicht, was sie redeten, denn die Musik war wie gesagt
zu laut. Aus dem Augenwinkel sah ich sie aber gestikulieren, einer der beiden zeigte
sogar auf mich. Dann gingen sie wieder aus dem milk!
„Die machen immer Ärger“, meinte der Barkeeper zu mir, als er hinter seinen Tresen
zurückgekehrt war. Ich zuckte mit den Schultern. Wenn meine Bar so leer wäre, würde
ich jeden Kunden nehmen.
Ich schaute auf die Uhr. In fünf Minuten war das Treffen. Ich hatte ein ungutes Gefühl.
Irgendetwas war nicht koscher.
Eine Nase Koks wird mich klarer werden lassen, dachte ich mir. Also stand ich auf und
ging die Treppe zu den Toiletten hinunter.
Ein dunkler Flur, schummriges Licht aus einer nackten 40-Watt Birne. An den Wänden
ein paar abgerissene Plakate, ein Ständer mit Karten und Flyern. Zwei Türen gehen
nach links weg, die erste zur Damentoilette, die zweite zur Herrentoilette.
Ich ging durch die erste Tür, in die Damentoilette.
Ich weiß nicht, warum. Vielleicht weil mir die paar Schritte mehr zur Herrentoilette zu
weit waren. Da sowieso keine Gäste groß außer mir da waren, interessierte es auch
niemanden, wo ich pinkle. Vielleicht hatte ich auch eine Vorahnung.
Ich schaute in den Spiegel, im Neonlicht sah ich bleich aus. Während ich noch meinen
Gedanken nachhängte, hörte ich schwere Schritte. Es waren mindestens fünf Männer,
die da die Treppe herunterkommen sind. Ich sprang hinter die Tür, drückte mich
gegen die Wand. Ich hatte die Tür zum Flur offengelassen, durch den Spalt sah ich
Männer in Lederjacken durch den Flur drängeln. Ich umklammerte meine Pistole, 9
Millimeter, und atmete flach.
Die Männer polterten an meiner Tür vorbei, liefen zur Herrentoilette. Sie traten gegen
die Tür, dass sie aufsprang, ich hörte ein splitterndes Geräusch, als die Klinke gegen
die gekachelte Wand prallte.
„O nerede?“, hörte ich aus der Herrentoilette.
Türkisch! „Wo ist er?“
Die Toiletten hatten kleine Fensterluken zur Straße hin und die Männer rechneten
sich wohl gerade aus, ob ich da durchgekommen sein kann.
179
Mein Zeigefinger streichte über den Abzug meiner Waffe. Ein bis zwei nehme ich mit.
Mehr wird schwierig. Ich malte mir die Schlagzeilen aus: „Schießerei im milk! Max B.´s
Leiche auf der Damentoilette gefunden.“
Auf der Damentoilette erschossen zu werden, ein Heldentod ist das nicht gerade!
Zum Glück nahmen es die Moslems mit der Geschlechtertrennung ernst. Die Gruppe
rannte zurück durch den Flur, ohne einen Blick in die Damentoilette zu werfen, hoch
in die Bar. Oben gab es Geschrei, sie verdächtigten offenbar den Barkeeper, sie
verarscht zu haben. Wieder ein Klirren, ein paar der polierten Gläser gingen wohl
kaputt.
Ich bewegte mich nicht, meine Knie schmerzten vom Stillstehen hinter der Tür. Der
Stahl des Revolvers lag kalt in meiner Hand. Immer noch traute ich mich kaum zu
atmen. Die Minuten vergingen. Es schien keiner mehr herunterzukommen. Sie
glaubten wohl echt, ich sei durchs Fenster abgehauen. Jetzt suchten sie mich
wahrscheinlich rund um den Laden in der Mannheimer Fußgängerzone.
Fieberhaft überlegte ich, wie ich aus dem milk! kommen konnte. Bis zu meinem Auto
war es ein ziemliches Stück, jetzt ärgerte ich mich, nicht direkt vor dem Laden geparkt,
sondern wie immer in einer kleinen Nebengasse geparkt zu haben. Ich könnte ein paar
Jungs holen, meinen Kollegen eine SMS schicken, dass ich Ärger hatte, dass sie ein
paar Leute zusammentrommeln sollten. Wie lange würde das dauern, eine halbe
Stunde? Und wie viele bräuchte ich?
Fünf Mann waren unten, aber wer weiß, wie viele oben gewartet haben?
Dann höre ich wieder Schritte, die Tür zur Damentoilette bewegte sich, jetzt kommen
sie rein, dachte ich mir in Panik. Ich sprang aus meinem Versteck, brüllte: „Euch
nehme ich mit!“, richtete meine Waffe in den Flur. Vor mir standen zwei Mädels, sie
kreischten und wichen zurück. Ich stieß sie beiseite, rannte die Treppe hoch, die Waffe
hielt ich mit zwei Händen, richtete sie vor mich auf den Boden.
Oben lief immer noch lauter Studenten -Pop. Hinter der Bar befand sich nun nicht
mehr der ursprüngliche Barkeeper, sondern ein Deutscher mit langen Haaren und
Nickelbrille. Vor ihm standen drei Jungs, typisches milk! -Publikum, wohl die Begleiter
der beiden Mädels. Sie guckten erschrocken zu mir, hatten wohl ihre Frauen schreien
gehört. Der Besoffenste von ihnen wendete sich an mich: „Was ist los?“ Dann sah er
meine Waffe, seine Stimme schnellte eine Oktave höher: „Alles gut, ruhig, Mann.“
Ich rannte raus, auf der Straße steckte ich meine Waffe in den Gürtel und lief auf
direktem Weg zurück durch die stark frequentierte Fußgängerzone. Ich scannte meine
Umgebung genau, denn die waren sicher noch irgendwo hier. Die wollten schließlich
ihren Au ftrag zu Ende bringen. Aber ich sah sie nirgendswo und kam so
180
durchgeschwitzt aber unverletzt zu meinem Auto mit dem ich dann auch die Flatter
machte.
181
Ich kann ja alles!
Von Montag bis Freitag lebten wir den bürgerlichen Teil unseres Lebens – an den
Wochenenden dann das wahre Leben. Die Action, die Gewalt, das Spiel mit dem
Feuer. Und dazu gehörte auch das „Dimi“, unser Stammlokal am Alsenweg.
An den Wochenenden, ganz egal zu welcher Uhrzeit, konnte man sich fast blind
darauf verlassen, mindestens 10 bis 20 Jungs im „Dimi“ zu treffen. An manchen
Abenden feierten bis zu 30 Mitglieder der CB in dem Laden, was bei dem relativ
kleinen Laden einen beträchtlichen Teil der Gäste ausmachte.
Die Kneipe lief gut. Musik dröhnte durch den engen Raum, 80er -Jahre Pop - und
Partymusik, Bier, Schnaps, Wodka, Jacky und auch ein paar geile Mädels, die uns
beobachteten, wie wir mit nackten Oberkörpern unser Dasein feierten. Das Leben als
Hooligan im Wahn mit schnellen Schlägereien und schnellem Sex …
„Hurra, hurra, die Waldhöfer sind da! Mannheim Hooligans!“ – wenn dieser Waldhof-
Schlachtgesang durch das „Dimi“ hallte, war das weniger als Lied zu verstehen – es
war eine Ankündigung. Wer sich in einer solchen Situation noch nicht bewusst war,
an welchem Ort er sich gerade befand, zog sich besser schweigend zurück. Ein wilder
Haufen menschlicher Waffen mit durchtrainierten, tätowierten Oberkörpern war
entsichert. Ein falsches Wort, eine dumme Geste – und das Feuer würde eröffnet
werden.
Obwohl ich nicht dem stereotypen Bild eines klassischen Fußball -Hooligans
entsprach, konnte man bei genauem Hinsehen auch bei mir erkennen, dass ich nicht
einer von den Typen war, die im allgemeinen Probleme mit großen klugen Worten
lösen würden. Ich war d urch den ganzen Hochleistungskampfsport in den Jahren
davor extrem definiert und durchtrainiert. Auch zierten ja nicht wenigen Narben
meinen Körper.
An jenem Abend feierten wir mit rund 20 Jungs im „Dimi“. Auf jedem Tisch stand eine
Flasche Jacky, den wir – zusammen mit zehn oder zwölf Flaschen Cola im
Mischverhältnis 1:1 tranken. Das „Dimi“ war gut gefüllt und jedem Gast dürfte an
diesem Abend klar ge wesen sein, wer da so ausgelassen feierte – schließlich waren
wir mittlerweile stadtbekannt. Wir soffen wie die Geisteskranken, jede
Hemmschwelle in Bezug auf Gewalt wurde zügellos weggespült. Die Stammgäste
wussten dies und mussten auch nichts befürchten. Aber es gab ja auch noch andere.
Das „Dimi“ lag im Erdgeschoß eines Gebäudekomplexes, der direkt am alten Sepp -
Heberger-Stadion angrenzte und ja auch das Vereinsheim war.
182
Hier war der absolute Mittelpunkt unseres normalen allwochenendlichen
Nachtlebens. Im Sommer strömten echt viele von den partyhungrigen Hools zu dieser
Location – und natürlich auch die CB.
Direkt der erste Tisch im Eingangsbereich des „Dimi“ war an diesem Abend mit
unseren Jungs besetzt.
Da war Harald dabei, der obwohl nur wenig älter als ich, schon mehrere Jahre im
Gefängnis verbracht hatte. Wegen Körperverletzungen, Drogenhandel und
zahlreichen Einbrüchen. Eine seiner Spezialitäten waren Einbrüche in irgendwelche
komischen Kneipen und do rt vor allem die Safes, denn die konnte er wirklich gut
knacken! Der zweite am Tisch, Jockes, arbeitete in einem Fotoladen in der Innenstadt.
Seine Spezialität: Er suchte alle in dem Geschäft entwickelten Filme nach privaten
Nackt – oder Pornofotos ab und brachte die Abzüge zu unseren Partys mit.
Abgerundet wurde die illustre Runde von Nick, einem fast krankhaften Zocker, der,
wenn er nicht gerade im Knast wegen irgendwelchen illegalen Wettspielen oder so
saß, mit jedem und auf alles wettete.
Diese „Dimi“-Runde wäre für jeden normalen Menschen ein Tabu gewesen. Selbst für
die meisten meiner Hool -Kollegen waren die zu krass unterwegs! Für mich war das
aber unter anderem quasi normale Umgang.
Wir saßen zusammen und diskutierten über alles Mögliche. In jener Nacht war keine
Hool-Aktion geplant oder zu erwarten. Ein lustiger, ausgelassener Abend mit reichlich
Alkohol stand auf dem Programm. Bis Harald um eine Uhr nachts, das „Dimi“ war
brechend v oll – dem bis dahin ereignislosen Abend doch noch eine Wende geben
sollte.
Plötzlich sprang er ohne erkennbaren Grund auf, rannte aus dem Dimi raus und war
erst Mal eine Zeit lang weg. Wir waren zwar leicht verwundert, dass er nichts gesagt
hatte, aber was war bei uns schon normal? Nichts! Es war jederzeit bei jedem
Einzelnen von uns alles möglich! Dann auf einmal kam so ein komischer Typ rein, den
ich Wochen vorher mal auf dem Klo eine in die Fresse geschlagen hatte, weil ich
dachte, dass er homo sei und auf meinem Schwanz starren würde. Das war natürlich
nicht der Fall und nur eine meiner Einbildungen, aber auch egal. Jemanden eine in die
Fresse schlagen war ja nie so verkehrt!
Er hatte mich erkannt. Scheiße, er hatte mich wiedererkannt. Ohne Umschweife ging
ich energisch einen Schritt auf ihn zu und schaute ihm direkt in die Augen. In meinen
Augen stand nur noch der blanke Zorn. Jetzt war alles egal. Meine Zukunft, meine
Vergangenheit, die Gegenwart – egal. Da war nur noch Wut und Hass in mir. Wenn er
jetzt die Polizisten rufen würde, gäbe es ein Unglück. Der Typ sah mich verängstigt an
– und er hielt zum Glück die Klappe und ging einfach an mir vorbei weiter.
183
Aber dann stürmte Harald kurz darauf hektisch rein und schrie irgendwas von wegen
Bullen im Anmarsch oder so ähnlich.
Dann sah ich durch die Fenster 2 Polizeiwagen vorfahren auf den Parkplatz. Was war
denn jetzt los?
Als der dritte Streifenwagen mit Blaulicht vorfuhr, kriegten das auch die verpeiltesten
Besoffenen mit. Drei Polizisten standen schon in der Nähe des Haupteingangs und
starrten auf die Gäste, die nun scharenweise das „Dimi“ verlassen wollten. Ich
wendete mein Gesicht ab und schaute zur Seite. Mir war klar, dass die Bullen gar nicht
genau erkennen konnten, wer da alles raus rannte.
Vermutlich hielten sie Ausschau nach Harald, der ja kurz vorher so auffällig
reinrannte. Ich ging dann aber zügig zum Ausgang, passierte ungehindert den
Eingangsbereich und ging weiter raus. Aus dem Augenwinkel registrierte ich, wie
Harald mit Handschellen von 2 anderen Bullen im Dimi abgeführt wurde und in einen
Streifenwagen hinten rein verfrachtet wurde. Innerlich angespannt und hoch
konzentriert setzte ich meine Flucht fort. Noch hatte ich es nicht geschafft. Immer
noch drohte mir auch eine Festnahme. D enn was immer Harald auch verbrochen
hatte, konnte auch mit uns in Zusammenhang gebracht werden!
Ich ging also mit ruhigem Schritt und äußerlich gelassen in Richtung Taxi-Stand an der
Kreuzung zur Hauptstr. Ich hielt ein Taxi an, stieg ein und fuhr damit dann direkt nach
Hause. Eigentlich ein Fehler. Sicherheitshalber nannte ich dem Taxifahrer natürli ch
nicht meine richtige Adresse, denn so wie sonst auch nach Schlägereien oder so, stieg
ich immer in der Nähe meiner Wohnung aus und legte die restlichen 300 - 500 Meter
zu Fuß zurück. Denn ich wollte ja nicht aufgrund irgendwelcher Taxifahrer -
Befragungen gefasst werden. Ich nicht!
Naja, Harald wurde festgenommen und zum Polizeipräsidium verbracht. Noch in der
Nacht wurde er mehrfach befragt, wie ich später erfuhr. Immer wieder wollten sie
anscheinend auch meinen Namen aus ihm herauskitzeln, diese verdammten
Bastardnsöhne! Aber Harald war erfahren und abgezockt genug, um Vernehmungen
dieser Art mannhaft zu überstehen.
Nein, Harald kannte mich selbstverständlich nicht. Ich war irgendeiner von den Typen
aus der Kneipe, die zufällig neben ihm standen. Nie zuvor gesehen, keinen Namen,
keine Adresse, nichts. Und von Hooligans wüsste er sowieso nichts!
Wie später herauskam, hatte die Polizei das „Dimi“ in jener Nacht observiert und auch
insgesamt zweimal auf den Kopf gestellt. Auch eine verriegelte Klotür wurde
eingetreten, aber dort lag nur ein besoffener Gast, der seinen Rausch ausschlafen
wollte. Von vier weiteren Jungs der CB waren die Personalien aufgenommen worden,
184
aber auch deren Befragung führte nicht auf meine Spur. Aber warum auf meine Spur
überhaupt? Warum und vor allem wie kamen denn die Bullen bitteschön auf mich?
Ja, und da fiel es mir dann wieder ein, warum die Bullen mich suchen könnten.
Es könnte ja sein, dass diese dummen, verwichsten scheiß Schwetzinger mich mal
wieder bei den Bullen angezeigt hatten, wegen der blöden Sache auf ihrer
verschissenen Silvesterparty, bei der ich zwar maßgeblich an der Eskalation beteiligt
war, jedoch niemals daran dachte, dass die mich unbedingt nennen würden.
Immerhin waren da ja genug von den CB und so dabei, die man hätte benenne
können, aber doch nicht mich?!
Hm, wahrscheinlich aber doch! Drecksdumme Kuhnköpfe, echt!
Irgendwann ist mal Schluss mit diesen widerlichen Verrätern!
Erst vor Jahren be i der dummen Jacken -Action in Wiesbaden und jetzt bei der
Zerstörung ihrer beschissenen Silvesterparty!
Klar, war das schon extrem, was da abging mit den Weiber -Schlagen und dem
rumballern mit den Knarren und dem Rumwerfen der Sektflaschen und so. Aber das
war ich ja nicht allein! Diese dummen beschissenen Verräter! Ich musste unbedingt
Harald sprechen und fragen, ob es deswegen war, bevor ich die jetzt alle platt mache!
Nur sicherheitshalber, denn ich hatte mich ja schon öfters mal leicht geirrt, Hahaha!
Der musste in einer kargen Zelle des Polizeipräsidiums übernachten und wurde am
Sonntagmorgen wieder freigelassen. Ihm wurde eine Strafanzeige wegen
gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung angedroht und zu verstehen
gegeben, dass es sich strafvers chärfend auswirken könnte, wenn ihm nicht doch
irgendwann der Name seiner Mittäter einfallen würden. Es blieb jedoch bei dem
Gedächtnisverlust.
Die Überprüfung der Personalien offenbarte seine Knastkarriere. Und den Polizisten
wurde auch klar, mit wem sie es da zu tun hatten: Harald galt als GS – als „Gewalttäter
Sport“.
Das war das Polizeikürzel für Jungs, wie wir es waren – Hooligans, die im Umfeld eines
Fußballvereins zu Körperverletzungsdelikten neigten. Ich war ja auch ein GS, aber
offenbar noch nicht in den Akten der Behörden, zumindest mit meinen Personalien.
Harald rief am folgenden Tag an. Er berichtete mir, wie heiß die Polizei auf mich
gewesen sei.
Es ging wirklich um diese verfickte Silvesterparty der Schwetzinger! Und einer von
denen hatte ihn eindeutig identifiziert, als er dem aus Geldmangel einen ungedeckten
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Scheck andrehen wollte, dieser dämliche Vollspast! Und da er an dadurch observiert
wurde, ist diese ganze Scheiße jetzt entstanden, leider! Der dämliche französische DJ
aus dem Omen, der auf der Party auflegte, zumindest bis ich ihm seinen scheiß
Technics über die Rübe zog, weil die Musik echt richtig scheiße war und er auf meine
wohlgemeinten Änderungsvorschläge nicht eingehen wollte, dieser arrogante
dumme Penner!
Ja, also dieser DJ hatte wohl dabei angeblich schwerere Verletzungen erlitten, als
zunächst angenommen, und musste noch in der Nacht im Krankenhaus behandelt
werden. Harald sorgte sich um eine Straferhöhung, da er meine Identität nicht
preisgab. Ich versprach, ihn mit der Sache nicht allein zu lassen, gab ihm aber auch zu
verstehen, dass ja unter anderem sein Verhalten an diesem Abend incl. der
Organisation meiner Knarre einer der Eskalationsgründe bei der Party war. Das
musste er am Ende dann auch eingestehen.
Vier Monate später wurde Harald zur offiziellen polizeilichen Vernehmung
vorgeladen. Er rief mich an und wir verabredeten uns, um alles zu besprechen. Er litt
zu dieser Zeit wie immer eigentlich unter massiven Geldproblemen und wollte mit so
wenig Kosten w ie möglich aus dieser Anzeige rauskommen. Um eine teure
Gerichtsverhandlung zu umgehen, mit entsprechenden Rechtsanwalts - und
Verfahrenskosten, riet ich ihm, eine Aussage zu machen. Leugnen würde nichts
bringen, weil die Schwetzinger Typen auf jeden Fall g laubwürdig waren und so auch
ihre Aussagen gegenseitig abstimmen und bestätigen würden.
Erschwerend kamen auch seine zahlreichen Vorstrafen dazu. Kein Richter würde ihm
bei seinen Einträgen den Unschuldigen abkaufen. Und der Typ, dem Harald einen
Kopfstoß verpasst hatte, beklagte eine gebrochene Nase. Das belegten auch ärztliche
Atteste. Die Sachlage war also ziemlich eindeutig gegen ihn!
Kurze Zeit später ließ ich mich eines Abends, nachdem eine kleine Geldeintreibaktion
unsererseits mächtig in die Hosen ging, noch von meinem Begleiter Jan ins milk!
fahren. Dort setzte ich mich an die Theke, trank ein Bier und wartete auf die Jungs
wegen einer Lagebesprechung und so. Aber es kam keiner mehr…
Die Mannheimer Polizei war diesmal zu gut vorbereitet. Nach der Schlägerei waren
sie von den Party -Veranstaltern schon alarmiert worden. Sie wussten dadurch, dass
die ungebetenen Gäste, die im Polizei -Jargon der „Hooligan -Szene“ zuzurechnen
waren, sehr oft im Dimi waren. In Polizeikreisen wusste man, dass wir für zahlreiche
brutale Schlägereien in der Stadt verantwortlich waren. Ihnen war klar, dass wir dicke
Fische in der Szene waren. Und wenn man jetzt nicht ganz geistig behindert war, dann
konnte man sic h auch zusammenzählen, das die Luft um uns herum immer dünner
wurde. Vor allem weil wir uns ja leider nicht beeindrucken ließen. Nein, wir hatten ja
186
darauf geschissen! Uns war das sowas von egal, das grenzte schon fast an
Selbstaufgabe bzw. an einer so dermaßen hohen Arroganz unsererseits, dass wir echt
im Glauben waren, wir wären die Größten und uns könne absolut nichts aufhalten
kontrollieren.
Aber eigentlich, so im Nachhinein betrachtet, war da schon klar, dass es irgendwann
vorbei sein würde. So oder so halt! Aber auf jeden Fall vorbei! Wäre es bei den
normalen wöchentlichen Hooligan - Kloppereien und so geblieben, dann hätten wir
evtl. eine Chance gehabt, diese Spielchen und die Doppelleben weiter zu führen ohne
große Strafen, aber nicht in dem Ausmaß, wie es zu diesem Zeitpunkt bereits abging.
Wie gesagt, wir schlugen uns nicht mehr nur mit anderen Hools und so rum, sondern
wir wurden ja immer gewalttätiger und waren süchtig nach der Gewalt. Wir waren
nicht mehr nur „Hooligans“, also verrückte, gewaltsuchende Fußballfans der
Kategorie „C“! Nein, das war der Einstieg! Wir waren mittlerweile echt schwere
kriminelle Kaliber. Wir stahlen und verschoben hochwertige Luxus-Karossen, genauso
wie wir Einbrüche und Überfälle durchgezogen hatten.
Wir waren in Schießereien, Messerstechereien genauso verwickelt, wie das wir
Gelder eintrieben und auch mit sämtlichen Drogen dealten.
Uns war da echt alles scheißegal! Hauptsache, das Adrenalin kickte durch unsere
Körper und wir konnten uns austoben. Auf jede nur erdenkliche Weise.
Natürlich waren wir immer noch an den Wochenenden mit den CB unterwegs, klar
das musste sein. Aber darüber hinaus waren wir hochgradige, gemeingefährliche
miese Verbrecher! Ja, wir waren echt Abschaum!
Ich hatte ja zu dem Zeitpunkt bereits einige Zeit in der Klapse verbracht, hatte eine
hochgradige dissoziale Persönlichkeitsstörung gutachterlich diagnostiziert
bekommen, war in einem mittlerweile nicht mehr existierenden
Förderungsprogramm, das jedes Zeugenschutzprogramm in den Schatten stellt,
untergebracht!
Hatte einen mehrmonatigen Klosteraufenthalt in einem echt krassen japanischen
Samurai-Kloster in irgendeiner japanischen Präfektur mit vorherigem Boot Camp-Drill
vom feinsten hinter mir.
Zu diesem Zeitpunkt war von den eigenen Eltern verraten worden und hatte die
wahren Anderen an der Macht durchschaut.
Ich hatte da bereits mind. 6 -7 Menschen getötet, was mir nicht die geringsten
Kopfschmerzen bereitete oder irgendwelche Gewissensbisse hinterließ! Nein, das
war mir alles komplett scheißegal und ging mir am Arsch vorbei.
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Auch wenn du das jetzt nicht verstehst, ist das nicht so schlimm, denn Du bist ja auch
nichts weiter als so eine Marionette der Anderen!
Mir war das damals zwar noch nicht richtig bewusst, aber es war eigentlich klar und
absehbar, dass zumindest für mich, Max Bane, entweder eine Zeit des Friedens mit
allen dazugehörigen Verlusten, Kontaktabbrüchen etc. kommen musste, oder eben
das Finale!
Keine 2 Wochen später, trafen wir zufällig nach einem Fußballspiel in Offenbach im
Frankfurter Omen auf ein paar der Schwetzinger Jungs. Und das war halt gar nicht so
gut, da die Anzeige gegen Harald und das Verfahren ja alles noch am Laufen war,
wegen diesen kleinen Bastardndumme Kuhn!
Da wir vom Spiel am Nachmittag bestimmt 30 Mann stark waren, wurden innerhalb
kürzester Zeit acht Streifen - und Zivilwagen sowie ein Hundeführer zum Omen
gerufen, weil diese verfluchten Feiglinge sich in irgendein Hinterzimmer im Omen
eingeschlossen hatten und die Bullen wegen uns holten!
Von den 30 Jungs der CB, die an dann im Omen waren und mit dem Personal und den
Türstehern schon Ärger hatten, wurden an diesem Abend an die 23 vorläufig
festgenommen. Ihre Personalien wurden festgestellt und alle polizeilich bearbeitet.
Nur sieben von uns gelang am Ende die Flucht. Einer davon war mal wieder ich …
Am nächsten Tag in einer kleinen Bar in Ludwigshafen, in der ich und ein Kollege
eigentlich nur kurz zum Geldeintreiben hingingen, zog unerwartet einer der Typen,
welche die Kohle unserem Auftraggeber schuldeten, so einen verschissenen
Teleskop-Totschläger aus der Tasche und zog mir den voll erst über die Rübe und dann
noch ein paar Mal auf meinen ungeschützten Körper. Jan, mein Kollege, konnte dann
zwar mit einer Sektflasche den Typ eine in die Fresse hauen, so das ich mit Jan
zusammen den Kerl anschließend einstampfen konnte, aber das war ein echt krasser
Angriff, der unter Umständen auch ganz anders für mich hätte ins Auge gehen
können.
Auf der Toilette schaute ich mir dann meine Wunden an. Mein gesamtes linkes Auge
war stark geschwollen. Die Platzwunde war bereits verkrustet, sodass sie nicht mehr
blutete. Auf der Stirn zeichnete sich eine breite Schürf - und Kratzwunde ab, die
ebenfalls von dem Schlag kam. Mein ganzer Hinterkopf war mit schmerzenden
Schwellungen überzogen und der komplette Oberkörper – Rücken und
Rippenbogenbereich von Blutergüssen übersäht, die sich in den folgenden Tagen zu
einem blauvioletten Ganzkörper-Kunstwerk verfärbten.
Gesicht und Hände wusch ich mit Wasser und Seife, um wenigstens auf den ersten
Blick einen halbwegs zivilisierten Eindruck zu machen. Mir war bewusst, dass ich in
ein Krankenhaus musste. Der Cut an meinem linken Auge gehörte genäht, aber was
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sollte ich tun? Ich wusste, dass die Polizei sämtliche Krankenhäuser und
Notaufnahmen mittlerweile kontrollierten, um nach uns zu fahnden. Also wie gesagt,
nachdem mich Jan an diesem Abend im milk! abgeladen hatte wartete ich ja auf die
Jungs! Ich musste w arten. Warten! Auf meine Kumpels, die nicht mehr kommen
sollten, und warten, warten, warten, bis etwas Zeit verstrichen war.
Um kurz nach 6 Uhr in der Früh, also vier Stunden nach der Schlägerei in der Bar,
steuerte ich die Notaufnahme des Städtischen Krankenhauses an. Ich blickte mich
nach allen Seiten um wie ein Verbrecher auf der Flucht, und als ich feststellte, dass
die Luft rein war, meldete ich mich in der Notaufnahme an. Die Krankenschwester
warf einen flüchtigen Blick auf meine Wunde. Sie bedeutete mir, noch etwas warten
zu müssen, weil viel los sei. Daraufhin ging ich in den hinteren Bereich des
Wartezimmers und setzte mich in eine Ecke.
Ich spürte ein Rasen in meinem Kopf und in der Brust. Was, wenn jetzt plötzlich die
Polizei um die Ecke käme? Wenn der Typ aus der Ludwigshafener Bar auch hier
behandelt wurde?
Ich musste schnell verschwinden! Ich wollte gerade gehen, als mich die Schwester
aufrief und mich ins Behandlungszimmer wies. Sie erkundigte sich nach meinem
Ausweis und den Personalien. Ich gab an, keinen Ausweis dabei zu haben, und nannte
ihr einen falschen Namen und eine falsche Adresse.
Die Krankenschwester schaute sich meine Platzwunde genauer an. „Was ist denn mit
Ihnen passiert?“, fragte sie in einem strengen Ton. Ich spielte den Ahnungslosen. „Ich
war in der Innenstadt und wollte nur die Kneipe wechseln, da griffen mich zwei
betrunkene Typen an!“ Sie schüttelte kritisch den Kopf. „Was heute Abend hier schon
los ist, habe ich lange nicht mehr erlebt.“ Ich legte mich auf die Liege und sie befragte
mich, zur Einschätzung der Betäubungsmitteldosis, nach meinem Alkoholkonsum in
den vergangenen 24 Stunden. Lügen half nicht. Etwa eine Flasche Wodka und zehn
Bier mussten wohl zusammengekommen sein, gestand ich ihr dann.
Die Schwester unterbrach die Behandlung: „Wenn das so ist, kann ich Ihnen keine
Betäubung geben.“ Sie tränkte einen Tupfer in Desinfektionsflüssigkeit und kratzte
das verkrustete Blut ab. Als sie fertig war, teilte sie mir mit, dass die Wunde weit
größer sei, als sie zunächst angenommen hatte. Sie erklärte mir, dass der Cut in jedem
Fall genäht werden müsste, was allerdings noch dauern würde, da der Arzt noch weit
schlimmere Verletzungen zu versorgen hätte. Ich war in der Klemme. Ich wollte so
schnell wie m öglich aus diesem Krankenhaus rauskommen, bevor mich doch noch
jemand entdeckte. Die Schwester bot mir schließlich an, die Wunde zu klammern. Das
würde sie sofort erledigen und danach könnte ich umgehend das Krankenhaus
verlassen. Die Narbe, die ich zu erwarten hatte, war mir egal – ich ließ sie klammern.
189
Dabei sah ich sie mir gezwungenermaßen länger an, und je länger ich sie so anstarrte,
desto mehr ist mir aufgefallen, was das für eine richtig geile Braut war. Ihr fiel das
wohl auf, denn plötzlich lachte Sie laut auf, und fragte ganz frech, ob ich immer s o
fremde Frauen anstarren würde, oder ob das an ihr lag. Und falls das so wäre, dann
wäre das cool, denn sie fände mich auch sehr interessant und so. „Ok, Du bist genau
mein Typ, echt jetzt!“ Mehr bekam ich nicht raus. Aber das genügte auch, denn sie
gab mir zum Schluss noch Ihre Nummer, mit dem Hinweis, dass sie das normalerweise
nicht machen würde, aber bei mir schon und das sie sich freuen würd, wenn ich mich
mal melde. So gab diese ganze beschissene Nacht zu guter Letzt doch noch etwas
Positives hervor. Auf jeden Fall steckte ich mir den Zettel mit ihrer N ummer in die
Tasche bevor ich aus dem Krankenhaus abhaute.
Gegen 7 Uhr morgens fiel ich endlich ins Bett und schlief vor Erschöpfung sofort ein.
Was für ein Tag! Was für eine Gewaltorgie! Und was war da mit mir geschehen?
Wollte ich diese Krankenschwester wirklich kontaktieren? Immerhin hatte ich ja
meine Kris als Freundin! Wobei die mir in der letzten Zeit auch immer öfter auf die
Nerven ging. War ich in der Bar derart in Rage, dass ich die schlimmen
Verbrennungen, die der Kerl vermutlich erlitten hätte, wenn ich ihm mit meiner
Gaspistole ins Gesicht geschossen hätte, in Kauf genommen hätte? War das vielleicht
eine weitere neue Dimension von Gewalt, in die ich da geraten war? Ich wusste auf
diese Fragen keine Antworten. Auch egal!
Stunden später glühten schon die Telefone. Von den festgenommenen Jungs bei der
Omen-Aktion vor 2 Tagen, durften zehn nach Feststellung der Personalien in
derselben Nacht wieder gehen. Die anderen wurden wegen ihres aggressiven
Verhaltens gegenüber den ein gesetzten Polizeibeamten verhaftet und mussten den
Rest der Nacht in der Zelle verbringen. Gegen sie würde auch ermittelt werden, hieß
es. Wegen Landfriedensbruch und gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung
– von einer Bagatellsache konnte nicht die Rede sein. OK, damit war aber auch geklärt,
warum die nicht ins milk1 kamen.
Die Überprüfung der Personalien erbrachte sofort den Hooligan-Zusammenhang. Fast
alle Jungs hatten den Eintrag „Achtung GS“. „Gewalttäter Sport“. Mal wieder.
Was waren die Fakten? In der fraglichen Nacht im Omen wurde ich nicht kontrolliert.
Abgehakt!
Die dämliche Eskalation in der Bar hatten wir auch überstanden. Abgehakt!
Im Krankenhaus hatte ich falsche Personalien angegeben.
Auch abgehakt! Aber nur mit viel Glück kam ich ungeschoren aus der Sache raus.
Hoffte ich.
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Harald eröffnete mir, dass die Polizei zehn Partygäste vernommen habe und
ausnahmslos alle hätten mich, Jan und ihn als Haupttäter genannt. Ein Pochen und
Rasen in Kopf und Brust. Verflucht noch mal! Ruhig bleiben.
Ich war dran! Die hatten mich! Fast! Ich war kurz davor, aufzufliegen! Mein Glück
schien mich tatsächlich zu verlassen …
Mein Name wäre in allen Strafanzeigen aufgeführt? Wen hätten alle Zeugen genannt?
Jan, Harald und mich? Wenn sich das bestätigen sollte, wäre ich geliefert. Was da
alleine an Kosten auf mich und die beiden anderen zukommen würde! Die
Folgekosten aus den vielen Verletzungen. Arbeitsausfälle – das Schmerzensgeld. Das
kaputte Party-Zelt beim Schanz, die zerstörte Musikanlage … Diese ganze Geschichte
könnte mich im dümmsten Fall richtig fertigmachen. Und dann wäre ich erledigt. In
jeder Hinsicht.
Das Hauptmotiv derjenigen von den Schwetzingern, die uns bei der Polizei angezeigt
hatten, war offenbar die Furcht vor weiteren Racheakten. Diese Leute wollten uns zur
Strecke bringen, bevor wir erneut zuschlagen würden. Sie wollten sich vor uns
schützen. Die Konsequenzen, die uns bevorstanden, sollten uns abschrecken, weitere
Vergeltungsaktionen zu unternehmen. Was diese Leute nicht wissen konnten: Die
Sache war für uns längst abgeschlossen. Es gab keine Rachegedanken. Was wir zu
erledigen hatten, wurde in jener Nacht erledigt. Der Streit war für uns beendet.
Die Party an Silvester lag Monate zurück und die Welle der Vorladungen zu
Vernehmungen riss noch immer nicht ab. Harald schien recht zu haben: Der
Staatsanwalt würde die Sache bis zum bitteren Ende durchziehen. Was in jener Nacht
passiert war, würde nicht als „normale“ Schlägerei unter ein paar Betrunkenen
durchgehen. Es sollte Verurteilungen hageln – es musste ein Exempel statuiert
werden, koste es, was es wolle!
Für mich wurde die Situation von Tag zu Tag brenzliger. Die Tatsache, dass mein Name
immer wieder in dieser Akte auftauchte, machte die ganze Sache gefährlich. Sollte
sich mein Status als Beschuldigter nicht entscheidend ändern, würde ich bald sehr
große Probleme bekommen. Eine Verurteilung, zusammen mit diesen Mitstreitern,
von denen praktisch jeder aktenkundig und vorbestraft war, würde meine sofortige
Inhaftierung bei der Polizei bedeuten.
Mein Anwalt jedoch meinte, das ich erst mal cool bleiben solle, da hätten wir ja schon
ganz andere Sachen hinter uns!
Und keiner bei den Bullen, so schien es, hatte bis dahin einen Bericht über mich
angefertigt.
191
Harald und ich beratschlagten unser weiteres Vorgehen. Der Wortführer der Party,
der Veranstalter Schanz, war schließlich mit mir zusammen unterwegs gewesen.
Warum sollte ich nicht noch einmal mit ihm reden? Ein versöhnliches Gespräch unter
ehemaligen Kumpels sozusagen, vielleicht würde es etwas helfen!
Und, das war die eigentliche wichtigere Frage, die im Raum stand: Wollten die sich
tatsächlich mit uns anlegen? Wollten die uns vor Gericht in die Augen schauen und
uns in die Pfanne hauen? Wollten die das wirklich? Irgendwie müssten doch beide
Seiten erle ichtert sein, wenn die Angelegenheit vom Tisch wäre. Das galt es dem
Schanz zu erklären …
Es war ein Sonntag und ich rief bei ihm an. „Hallo Markus, hier ist Max Bane. Hast du
kurz Zeit?“
Auf der anderen Seite der Leitung war nichts zu hören. Markus Schanz war
verstummt. Gerade als ich dachte, er hätte wieder aufgelegt, hörte ich ein leises „Ja“.
Gut so, er war noch dran. „Was soll das denn mit den Anzeigen?“, fragte ich ihn ohne
Umschweife. Nur kein unnötiges Gelaber, dachte ich mir, ich hatte eh nicht viel zu
verlieren.
Die Antwort fiel wie erwartet, erneut leise und schüchtern aus: „Wieso?“
Er versuchte, Zeit zu gewinnen. Ich musste schnell nachsetzen: „Die Anzeigen sind
doch Blödsinn. Sollen wir jetzt auch noch damit anfangen, dich und deine Freunde
anzuzeigen? Sollen wir uns jetzt alle gegenseitig anzeigen? Das kostet doch nur einen
Haufen Geld für Anwälte, Gerichtskosten und all das und so! Ist es wirklich notwendig,
dass wir uns mal treffen müssen? Ja, meinst du das Du damit dann irgendwas gut
machen könntest, du blöder Schwanzlutscher! Ok, selbst wenn ich durch Deine
beschissene Anzeige in den Knast komme, das ist mir ehrlich gesagt auch scheiß egal,
192
aber meinst Du denn, daß ich mir das von so einem Pisser, so einem dämlichen
Bastardnsohn, wie Dir das bieten lasse und nix mache, hä? Ich sage Dir eins, wenn ich
in den Bau muss wegen Dir, dann aber richtig, mehr sag ich dazu nicht, Du dummer
Wichser!“ Von Markus war nichts zu hören.
„Wir hätten alle eine Geldstrafe zu erwarten, was zusätzliche Kosten bedeuten würde.
Man würde seine Zeit bei der Polizei verplempern, beim Anwalt und vor Gericht.“ Ich
sprach jetzt wieder ruhig. Markus sagte noch immer keinen Ton. Ich musste
weitersprechen: „Verstehst du, Markus? Die Schlägerei ist nun mal passiert, das
können wir doch nicht mehr ändern. Und es bringt doch keinem etwas, wenn jetzt
noch zusätzlicher, neuer Ärger entstehen würde. Verstehst du, was ich meine? Dafür
sehen wir uns alle doch vie l zu oft. Da wollen wir doch nicht noch mehr Ärger?!
Schließlich wohnen wir alle in derselben Stadt.“
Markus räusperte sich. Er habe diese Anzeige nicht allein gestellt, erklärte er. Da seien
auch noch andere beteiligt gewesen. Ich blieb hartnäckig: „Die Anzeige ist doch
Bockmist, Wichser. Gut, wir sind auf die Party gekommen – obwohl wir nicht
eingeladen waren. Aber Deine verschissenen Türsteher sind doch sofort
durchgedreht und haben diese Schlägerei angefangen. Wir doch nicht! Die Türsteher
tragen die Schuld, dass alles so eskaliert ist.“
Markus stimmte mir leise zu. Ja, die Türsteher seien tatsächlich durchgedreht. Und er
räumte ein, dass er sich über sich selbst geärgert habe, weil er ihnen erzählt hatte,
dass fünf Hooligans uneingeladen zur Party kommen wollten. Dies haben die Typen
in eine latent aggressive Grundstimmung versetzt. Sie hätten an jenem Abend dieser
möglichen Auseinandersetzung geradezu entgegengefiebert. Deutschen Hooligans
eins auf die Fresse zu geben, darauf hätten die Türsteher an diesem Abend nur
gewartet. Und deshalb seien sie bei unserem Erscheinen wild aus dem Zelt gestürzt.
Das sei wohl in der Tat sein Fehler gewesen, sagte Markus endlich.
„Siehst du? Dann haben wir an diesem Abend alle Fehler gemacht!“, warf ich
versöhnlich ein. Der dumme Schanz wurde wieder trotzig: „Aber die Musikanlage ist
Schrott. Und die war wirklich teuer!“ Die Musikanlage!
Das war ja nun wirklich eine Kleinigkeit. Ich setzte nach: „Aber das lässt sich doch
irgendwie regeln. Entweder wir steuern etwas Geld dazu oder die Sache wird über die
Haftpflichtversicherung eines Unbeteiligten abgewickelt. Markus, nochmal! Ich habe
jetzt keinen Bock mehr auf diese Drecks Telefonat mit Dir, hörst Du, Hörst Du das! Da
kann man doch sagen, dass jemand gestolpert ist und dabei den Tisch umgerissen hat.
Das ist doch alles zu regeln. Aber diese Anzeigen müssen zurückgezogen werden.
Punkt!“
Markus schien zu überlegen.
193
Eine lange Pause, in der nichts zu hören war. Und dann, endlich, vernahm ich wieder
seine Stimme. Er versprach mir, mit den anderen zu reden und sich bei mir zu melden.
Hatte ich ihn? Vielleicht! Ein letzter Hinweis noch und dann sollte es genügen:
„Nochmal Schanze, lass uns den Ärger vergessen. Dafür ist Schwetzingen doch zu
klein. Wir laufen uns immer mal wieder irgendwo über den Weg. Es wäre doch blöd,
wenn wir dann Ärger hätten.“ Hatte Markus meine Botschaft zwischen den Zeilen
verstanden? Wir würden es ja sehen!
Mark meldete sich nicht. Das brauchte er auch gar nicht mehr. Zehn Tage nach
unserem Telefongespräch war ich wieder beim Heimspiel der Waldhöfer. Plötzlich,
mitten im Gewühl, sah ich, wie der Harald direkt auf mich zusteuerte. Er schien ganz
aufgeregt zu s ein: „Max, hast du es schon gehört?“ Was wollte er? Die nächste
Hiobsbotschaft überbringen? Das letzte Treffen mit dem Penner hatte mir eigentlich
gereicht. „Was soll ich gehört haben?“ Seine Stimme klang noch immer erregt:
„Sämtliche Anzeigen der Schwetzinger von Silvester wurden zurückgezogen!“
Was sagte er da? Wollte der Idiot mich auf die Probe stellen? „Ja! Und der
Staatsanwalt tobt! Der Mann kann es nicht fassen. Die ganze Arbeit, die
Vernehmungen und alles. Der ganze Vorgang war im Grunde aufgeklärt. Und dann
ziehen plötzlich alle Beteiligte n ihre Anzeigen zurück! Wieso tun die das Max?
Wieso?“
Eine gute Frage, auf die ich eine Antwort gewusst hätte. Aber ich schwieg.
Harald und auch mein Anwalt fragten mich, ob ich etwas über diese Sache gehört
hätte. Das hatte ich natürlich nicht. „Keine Ahnung. Vielleicht haben sie sich ja
überlegt, dass sie sich in dieser Nacht selbst auch nicht korrekt verhalten haben und
aus diesem Grund die Anzeigen zurückgezogen. Vielleicht …“
Er schaute mir prüfend in die Augen: „Meinst du?“ Ich versuchte, seinem Blick nicht
auszuweichen. „Ja!“, beschied ich ihm energisch, drehte mich um und ließ ihn stehen.
Markus hatte Wort gehalten. Er und alle anderen Partygäste hatten ihre Strafanzeigen
tatsächlich zurückgezogen. Und andere Beweismittel gab es nicht. Keine
Zeugenaussagen von Anwohnern oder Unbeteiligten. Keine Überwachungskameras –
nichts. Das gesamte Kar tenhaus des Staatsanwaltes war einfach zusammengefallen.
Und der Ankläger konnte noch so sehr toben, der Mann stand mit leeren Händen da.
Keine Anzeigen, keine Beweise, keine Strafverfolgung. So einfach ist das in einem
Rechtsstaat. Dem Staatsanwalt blieb überhaupt keine Wahl. Er musste diese dicke
Akte über die Silvesterschlägerei schließen und sie in den Archiv -Tiefen seiner
Behörde versenken.
Und ich? Ich war erneut davongekommen. Ich musste schon wieder nicht die
Konsequenzen für mein Handeln übernehmen. Alles war im Lot. Es gab keine Gründe,
194
mein Handeln zu reflektieren. Es grenzte zwar fast an ein Wunder, aber ich konnte
offenbar tun und lassen, was ich wollte.
Ich konnte „zum Fußball fahren“ – und nichts passierte. Auch wenn es in diesem Fall
recht knapp zuging. Die Strafanzeige gegen mich war bereits geschrieben und das
Ermittlungsergebnis wäre eindeutig ausgefallen. Aber war mir am Ende etwas
passiert? Musste ich irgendwelche Folgen tragen?
Nein! Warum also hätte ich mein aufregendes Leben ändern sollen? Warum? Es gab
doch gar keinen Grund dafür!
Und wir hatten weiterhin unseren Spaß.
1 Woche darauf, gegen 2 Uhr machten wir uns vom Dimi auf den Rückweg über die
Industriestraße und schlenderten durch den Straßenstrich bei den ganzen doofen
Nutten vorbei! Durchs Rotlichtviertel sozusagen! Hier war noch Hochbetrieb.
Irgendwie muss Jockes hinter mir ins Stolpern geraten sein. Er machte einen Satz nach
vorne und prallte gegen meinen Rücken. Daraufhin wurde ich nach vorne geschubst
– die klassische Kettenreaktion – und krachte um ein Haar mit einer Bastard
zusammen. Sie konnte im letzten Augenblick ausweichen, schrie uns aber
augenblicklich an: „Verpisst euch, ihr besoffenen Arschlöcher.“
Wir gingen beschwingt weiter und dachten keine Sekunde länger an diesen kleinen
Zwischenfall. Es war ja auch nichts passiert. Das glaubten wir zumindest. Bis mir vor
dem 7er plötzlich jemand mit dem Finger auf die Schulter tippte. Ich drehte mich um
und merkte sofort, dass Ärger in der Luft war. Vor mir stand der Prototyp eines
klischeehaften Zuhälters. Zwei Meter groß, blond -bräunliche Haare, die zu einem
langen Pferdeschwanz zusammengebunden waren, T-Shirt mit Weste und schlechte
Knast-Tattoos auf beiden Unterarmen. Ein schlechtes Zuhälterdouble, wie in einem
billigen Rotlicht-Milieufilm.
Das hier war aber leider die Realität, wie ich umgehend erfahren musste. Während
ich den Typen noch musterte, stieß er mich mit beiden Händen vor die Brust und
brüllte mich an: „Was sollte das gerade mit den Frauen?“ Welche Frauen? Ich wusste
zunächst gar nicht, was er von mir wollte. Meinte er diese Nutte von eben? Ich
überlegte hastig. In kürzester Zeit spielte ich verschiedene Optionen durch. Der Typ
war wirklich ein Riese. Breitschultrig, kräftig und entschlossen baute er sich vor mir
auf. Und hinter ih m stand noch ein weiterer Berg von einem Schlägertyp . Wir
befanden uns direkt vor dem 7er, aber die Discobesucher, die noch auf den Straßen
umherschlichen, bildeten plötzlich einen Kreis um uns. Mir war sofort klar: Die Jungs
würden sich zurückhalten. Sie waren hier ja nur Clubgäste und sie wollten eigentlich
nur ihre Ruhe haben.
195
Der Typ blickte mich hasserfüllt an und wiederholte seine Frage: „Was sollte die
Scheiße mit den Frauen? Ich muss dir wohl eben mal die Zähne rausschlagen!“
Wow! Ich musste handeln. Die alte Kämpferweisheit schoss mir durch den Kopf: Wer
zuerst schlägt, gewinnt. Und das war auch mein Startsignal.
Ich trat ihm ansatzlos und mit voller Wucht in die Eier.
Damit schien er nicht gerechnet zu haben. Der Typ krümmte sich, hielt sich mit einer
Hand seinen Sack und schnappte nach Luft. Plötzlich richtete er sich wieder auf und
griff mich an. Genau in diesem Moment kam Jan. Er schob einfach zwei Schaulustige
zur Seite und knallte dem Zuhälter seine rechte Faust in die linke Gesichtshälfte. Der
Riese sackte sofort zu Boden. Zack, Bumm und aus. Das war’s an diesem Abend!
In dieser Nacht! In dieser Samstagnacht in Mannheim!
Am nächsten Tag, Jan und ich waren schon den ganzen Tag zusammen und nach ein
paar Stunden im „Dimi“ wechselten wir gegen 4 Uhr nochmal in durch die
Industriestraße in Richtung 7er. Zu unserer Überraschung arbeitete jedoch nicht mehr
einer unserer Bekannten an der Tür, sondern ein uns völlig unbekannter Türsteher.
Der neue Typ machte einen eher unscheinbaren Eindruck und war noch ziemlich jung.
Er konnte noch nicht lange als Türsteh er arbeiten, denn er trug etwas, das ich zum
ersten und auch zum letzten Mal bei einem Türsteher sah: einen beigen Trenchcoat.
Wusste dieser Inspektor Columbo für Arme denn nicht, dass man sich als Türsteher
besser „praktisch“ kleiden sollte? Aber das sollte nicht unser Problem sein.
Als wir wenig später im dichten Gedränge mit einigen Typen aneinandergerieten,
hatten wir zunächst keine Lust auf Ärger. Es war zu spät in der Nacht und wir waren
viel zu betrunken. Aber es half nichts, wir wurden aufgefordert, mit den zwei
Wortführern vor die Tür zu gehen. Ein großer, breiter Kerl mit einer hässlichen
Knollennase hatte es auf mich abgesehen. Jans Kontrahent wäre eigentlicher eher
mein Kaliber gewesen, aber die Partnerschaften waren offenbar schon verteilt. Wir
gingen an dem Türsteher vorbe i, der die brenzlige Situation von unseren
angespannten Gesichtern ablesen konnte. Aber was hätte er schon unternehmen
sollen?
Etwa zehn Meter weiter, hinter der nächsten Ecke, machte ich einen großen Fehler:
Ich ignorierte die goldene Schläger -Regel und wartete einfach ab. Die ersten zwei
Schläge meines Kontrahenten erwischten mich voll im Gesicht. Dem dritten Schlag
konnte ich z war ausweichen, verlor aber das Gleichgewicht und taumelte besoffen
zur Seite. Mein Gegner nutzte diese Schwäche, sprang mich von der Seite an, brachte
sich hinter mir in Stellung und würgte mich mit aller Kraft am Hals.
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Wir knallten beide auf den Boden. Der Typ lag jetzt obenauf, würgte mich noch immer
und versuchte, meinen Kopf auf die Gehwegplatten zu schmettern. Mir gelang es
zwar, mich mit aller Kraft gegen ihn zu stemmen, aber die Knollennase war bestimmt
20 Kilo schwerer und ich konnte mich nicht aus seinem Würgegriff befreien. Und dann
stand plötzlich mal wieder Jan da.
Er nahm Anlauf und trat dem Kerl aus vollem Lauf seinen Schuh ins Gesicht. Der
Klammergriff löste sich sofort und ich kam blitzartig wieder auf die Beine. Knollennase
stand in gebückter Haltung in der Nähe eines geparkten Autos und versuchte, den
Tritt zu verdauen. Diese Zeit ließ ich ihm nicht mehr. Mein erster Tritt traf den Kerl
erneut voll am Kopf. Noch bevor er auf seine Knie sacken konnte, ergriff ich seine
Haare. Ich zog seinen Kopf in Hüfthöhe vor mich hin und trat ihm mit dem rechten
Fuß ins Gesicht. Einmal, zweimal, dreimal.
Dann ließ ich seine Mähne los. Ohne einen Rest von Körperbeherrschung fiel der Typ
einfach rücklings auf den Asphalt. Sein ganzes Gesicht war mit Blut bedeckt und der
Kerl lag verkrümmt und regungslos auf der Straße. Ich blickte mich um. Waren da
noch mehr? Lauerte noch irgendwo Gefahr? Aber da stand keiner mehr, der sich mit
uns schlagen wollte. Da war nur noch dieser Halbkreis aus Schaulustigen – und eine
Polizeisirene aus der Ferne. Ein kurzer Blick zu Jan genügte. Wir mussten weg! Ich
bahnte mir einen W eg zwischen den Schaulustigen hindurch und stand plötzlich vor
dem Türsteher. Er glotzte mich aus weit aufgerissenen Augen an. In seinem Gesicht
standen Angst, Entsetzen und Abscheu. Ich musste abhauen, bevor die Polizei
eintreffen würde. Frank und ich ver schwanden lautlos in der Dunkelheit der
zahlreichen Seitenstraßen. Alles noch mal gut gegangen. Das zumindest in dieser
Nacht.
197
Genug ist genug!
Wir waren bereits auf dem Rückweg. Das Spiel hatten wir gewonnen – Schlägereien
gab es zu unserem Leidwesen keine. Einerseits war mal wieder zu viel Polizei
anwesend und – noch viel schlimmer – unser Gegner war gar nicht erst angetreten.
Auch das kam vor, aber es sollte unsere Hochstimmung an diesem Tag nicht trüben.
Das Bier und der Wodka flossen trotzdem in großen Mengen.
Stark angeheitert trafen wir gegen 20 Uhr in Mannheim ein. Auf dem Bahnhof
herrschte Chaos. Tausende Fans strömten auf die Bahnsteige, die durch die normalen
Reisenden schon verstopft schienen, und zusätzlich drängten sich auch noch
Dutzende von Polizisten in diese Menschenmenge hinein.
Hinter uns kämpfte sich eine etwa 65-jährige amerikanische Frau durch das Gedränge.
Wir versuchten, die aufgeregte Dame ein bisschen auf Englisch zu beruhigen, und
erklärten ihr, weshalb an diesem Abend derart viele Polizisten unterwegs waren. Wir
boten un s auch an, ihre beiden sperrigen Koffer zu tragen, was die Frau uns
überschwänglich dankte. Auf dem Bahnsteig herrschte tatsächlich ein rücksichtloses
Gedränge und Geschiebe. Wir gaben der alten Dame zu verstehen, dass wir ihr
Gepäck noch über die Treppen des Bahnsteigs hoch in die Bahnhofshalle tragen
würden, wo sie sich dann einen Gepäckwagen zu den Taxiständen nehmen könnte.
Jockes und ich ließen uns – jeder mit einem Koffer bepackt – mit der Masse in
Richtung Ausgang treiben. Die Treppen des Bahnsteiges runter, durch einen 40 Meter
langen Tunnel hindurch und die Treppen zur Bahnhofshalle wieder hoch. Wir
durchquerten die Halle und erreichten endlich die Taxistände vor dem Bahnhof. Die
amerikanische Oma allerdings war weg.
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Da standen wir nun, warteten, öffneten eine weitere Dose Bier, tranken, lachten –
aber unsere neue Freundin war noch immer nicht da. Wir waren betrunken, müde
und erschöpft und die Warterei wurde lästig. Paul winkte ein Taxi herbei, wir stiegen
ein und fuhren davon. Mit den Koffern der amerikanischen Touristin. Wir hatten sie
einfach geklaut!
Der Taxifahrer musterte uns misstrauisch. Zwei besoffene Fußball -Fans mit großem
Gepäck? Nicht gerade der Normalfall, aber er konnte ja nicht ahnen, was wir uns da
gerade geleistet hatten. Jockes und ich fanden diese Sache rasend komisch. Wir
lachten uns fast kaputt und beschlossen noch während der Fahrt, dass wir unbedingt
einen Blick in die beiden Gepäckstücke der Amerikanerin werfen müssten. Ich schlug
vor, zu der Wohnung meiner Freundin zu fahren. Ich war mir ziemlich sicher, dass sie
noch mit ihren Mädels unterwegs war, da sie ja davon ausgehen musste, dass es bei
mir an diesem Abend spät werden würde. Bei ihr könnten wir in aller Ruhe den Inhalt
der Koffer überprüfen. Wir lachten uns krank und fühlten uns wie zwei Piraten, die
endlich die seit Jahrhunderten verborgene Schatztruhe gefunden hatten.
Meine Freundin saß im Wohnzimmer. Sie war nicht mit ihren Freundinnen
ausgegangen. Sie saß da und starrte uns entsetzt an. Was mag in diesem anständigen
Mädchen wohl vorgegangen sein, als an diesem Samstagabend plötzlich gegen 21 Uhr
zwei besoffene Jungs m it fremden Koffern vor ihr standen? Heute kann ich es mir
denken: Sie war erschrocken, empört und wahnsinnig enttäuscht. „Was sind das für
Koffer?“, wollte sie sofort wissen. Eine vernünftige Antwort konnte sie nicht
bekommen. Nicht in diesem Zustand, nich t in dieser Situation. Unsere blöden
Anspielungen schienen sie derart zu nerven, dass sie die beiden Koffer einfach
öffnete. Sie sah Bekleidungsstücke einer älteren Frau, Medikamente, medizinische
Geräte – und Goldschmuck. Also doch eine Schatztruhe, wie wir vermutet hatten. Eine
coole Sache!
Nach dem ersten Schock war Kris plötzlich voll da. „Max, das kann nicht dein Ernst
sein. Nicht nur, dass du zum Fußball fährst und dich prügelst – dazu sage ich ja schon
gar nichts mehr. Aber jetzt kommst du auch mit zwei gestohlenen Koffern nach Hause.
Das darf ja wohl nicht wahr sein.“ Sie redete sich in Rage: „Wann wirst du endlich
vernünftig? Ich dachte, wir wollen mal heiraten und eine Familie gründen? Aber
immer nur diese blöden Fußballgeschichten. Ich kann das nicht mehr ertragen. Und
mit gestohlenen Koffern will ich nichts zu tun haben. Los, raus aus meiner Wohnung!“
Sie klappte die Kofferdeckel zu und drängte uns zur Tür. Ich konnte in diesem Moment
gar nichts mehr sagen. Sie hatte ja recht! Mit allem, was sie sagte. Sie hatte recht. Ihre
Wut und ihre Enttäuschung waren begründet. Und ich brachte keinen einzigen Ton
heraus. Was sie vermutlich noch wütender machte, denn Kris stieß Jockes und mich
aus der Wohnung, knallte die Tür zu und schloss von innen ab.
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Das hatte gesessen. Draußen auf der Straße stellten wir die Koffer ab und ich
versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Wir hatten zwei Gepäckstücke geklaut.
Eine alte Dame bestohlen. Ein amerikanisches Mütterchen, das auch noch nett zu uns
war. Was ware n wir nur für Helden! Und was war eigentlich mit mir los? Wie tief
wollte ich noch sinken? Ich suchte nach Rechtfertigungen, aber die waren lächerlich.
Wir wollten die Koffer ja nicht klauen. Das war ja nicht geplant. Es war eine Laune.
Nur eine dumme Idee aus zwei betrunkenen Köpfen, mehr nicht. Wir wollten das doch
nicht. Wir wollten das tatsächlich nicht tun? Vielleicht! Aber wir hatten es getan!
Scheiß drauf! That´s life…
Am nächsten Tag war mal wieder Party angesagt! Irgend so eine Jubiläumsfeier oder
so! Auf jeden Fall waren für dort ein Haufen cooler Jungs angesagt.
Unser Bier kauften wir vorher containerweise in umliegenden Kiosken und Imbissen.
Eichbaum Pils in grünen Kartons zu zehn Flaschen, die sich problemlos
übereinanderstapeln ließen. Da jeder seinen Container einfach in die Mitte stellte,
stapelten sich nach kürzester Zeit 40 bis 50 Kartons Eichbaum übereinander. Und wer
dazugehörte, durfte sich einfach bedienen. Wer dazugehörte wohlgemerkt!
Und dann ging es auch schon los. Irgendwann steuerten vier türkische Jungs, die
keiner kannte – alle um die 20 Jahre alt – zielstrebig auf unsere Pils -Kartons zu. Ich
denke heute, dass sie die ganze Situation falsch eingeschätzt hatten. Da standen
mitten i m Gewühl Dutzende von Biercontainern und niemand, dem man dieses
Getränkelager direkt hätte zuordnen können. Warum also nicht einfach mal
zugreifen?
So kam es dann auch. Der eine nahm zwei Flaschen und sein Kumpel schnappte sich
gleich einen ganzen Karton. Den klemmte er sich unter den Arm und wollte sich
gerade aus dem Staub machen, als Jan den jungen Kerl stellte: „Hört mal zu, Freunde.
Stellt das Bier wieder hin und verschwindet!“ Ich bin mir heute noch sicher, dass die
vier jungen Türken zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, wem sie da gerade Bier
klauen wollten. Ich denke, sie sind nicht davon ausgegangen, dass die
herumstehenden Dreier- und Vierergruppen sich untereinander kennen könnten und
im Zweifel auch zusammenhalten würden. Deshalb machten die vier Jungs Fehler
Nummer zwei: Sie spielten sich auf.
Jan war also ein „blödes Arschloch“ und ein „beschissener Deutscher“. Und Jockes
hätte seine „Fresse halten“ sollen. Das war die Ansage. Wie mir Jockes später erzählte,
habe er sich in diesem Moment lediglich noch überlegt, ob er die Faust einsetzen oder
einem dieser Rotzlöffel nur eine Ohrfeige verpassen sollte. Er entschied sich für die
flache Hand, holte ruckartig aus und versetzte dem Grünschnabel eine schallende
Maulschelle, die den Jungen unverzüglich umhaute.
200
Und nun folgte Fehler Nummer drei: Die drei anderen Türken schätzten den Ernst der
Lage noch immer falsch ein und versuchten, Jockes anzugreifen. Einer unserer
Mannheimer Freunde ging sofort dazwischen und sprang einem der türkischen Jungs
mit gestrecktem Bein in den Brustkorb. Der junge Kerl brach augenblicklich zusammen
und schnappte panisch nach Luft. Allmählich kam Bewegung in unsere Gruppe. Jan
machte einen Schritt auf die junge Türken-Gang zu und schrie: „Seid ihr lebensmüde,
ihr blöden Wichser? Seht zu, dass ihr hier verschwindet, sonst hängen wir euch hier
am Rathaus auf.“
Ich schaute mich um. Keine Polizei weit und breit. Ein paar hundert Meter entfernt
standen ein paar Beamte, um den Verkehr zu regeln, andere waren nicht zu sehen.
Keine Einsatzhundertschaft, keine Sonderschichten, nichts. Und ich wusste auch,
weshalb dem s o war. Der Polizeipräsident von Mannheim war verärgert. Wie im
Präsidium erzählt wurde, soll er bei der Vorbereitung der Jubiläumsfeier übergangen
worden sein. Die Vereinsführung vom Waldhof hatte in ihrem Freudentaumel wohl
vergessen, den Polizeipräsident en offiziell zu informieren, hieß es. Alles war für
diesen Samstag vorbereitet worden. Die Radiosender und die Zeitungen hatten im
Vorfeld dieser Party kaum ein anderes Thema, Dutzende von Bier- und Imbissständen
waren aufgebaut worden, der Doppeldecker -Bus gebucht – alles war geregelt, nur
dieser eine Anruf im Präsidium soll ausgeblieben sein.
Die vier jungen Türken schienen endlich realisiert zu haben, dass sie es mit einer
größeren Gruppe von jungen Männern zu tun hatten, die man besser in Ruhe ließ. Sie
201
zogen sich langsam zurück und die Sache schien ausgestanden. Bis sich nach etwa
zehn Metern plötzlich einer aus dieser Vierergruppe umdrehte, mit seinem
Springmesser fuchtelte und schrie: „Wir kommen wieder!“
Es dauerte vielleicht eine Stunde und plötzlich standen die Jungs tatsächlich mit 20
Leuten wieder vor uns. Und das war dann der Fehler Nummer vier. Innerhalb nur
weniger Sekunden stürmten etwa 40 geübte Straßenschläger auf den Haufen zu. Die
türkische Truppe hatte nicht den Hauch einer Chance. Die Jungs der City Boys kamen
wie eine riesige Welle über diese halbstarken Kerle und keiner von ihnen wurde
verschont. Aber die Türken gaben noch immer keine Ruhe.
Wie von Geisterhand – vermutlich mittels einer Telefonkette – strömten immer mehr
türkische Männer in die Innenstadt von Mannheim und versammelten sich am
Waldhöfer Stadion, am alten wohlgemerkt! Und genau dort lag auch unsere
Stammkneipe – das „Dimi“. In der Zwischenzeit war es bereits dunkel geworden. Die
Jubiläumsfeier endete offiziell um 22 Uhr und die Polizeiführung schickte – wie
geplant – die spärlichen Einsatzkräfte in den Feierabend. Eine Entscheidung, die ich
bis heute nicht nachvollziehen kann, schließlich hätten zumindest die szenekundigen
Beamten bemerken müssen, dass buchstäblich Rauch in der Luft stand.
Die Lage geriet völlig außer Kontrolle. Die Türken dachten wohl immer noch, sie
hätten es mit „normalen“ Deutschen zu tun, denen man nur ein wenig Angst machen
und ein paar Schläge verabreichen müsste – und fertig. Ich wusste von Gesprächen
mit Türken, das s die Deutschen den Ruf hatten, nicht füreinander einzustehen.
Ducken, Klappe halten, abhauen. Dummerweise waren die Jungs beim Mannheimer
Fußballterror gelandet.
Die Gruppe der Türken war in der Zwischenzeit auf rund 100 Mann angewachsen und
in sämtlichen Nebenstraßen vom Alsenweg vom Waldhof brandeten immer wieder
Schlägereien auf. Eine Gruppe Frankenthaler sah ein voll besetztes Auto mit Türken
in einer Seitenstraße ankommen. Die Männer in dem Wagen hielten Schlagwerkzeuge
in ihren Händen und wurden – noch in dem Fahrzeug sitzend – von ein paar
Frankenthaler Kumpels angegriffen. Durch die offenen Fenster schlugen und traten
sie auf die Autobesatzung ein – in der I nnenstadt von Mannheim herrschten
bürgerkriegsähnliche Zustände.
Ich hielt mich zunächst am Rand des Fußballstadions auf und beobachtete die
Szenerie mit etwas Abstand. Ich konnte kaum glauben, dass noch immer keine Polizei
vor Ort war. Hier standen sich 200 zornige Männer gegenüber, die gerade im Begriff
waren, endgült ig zu klären, wer künftig das Sagen auf Mannheims Straßen haben
würde, und die Ordnungskräfte weilten im Feierabend.
202
Die Türken hatten sich mittlerweile in zwei Kneipen zusammengezogen. Ich konnte
aus der Entfernung sehen, dass sie mit Baseball- und Hockeyschlägern, abgerissenen
Holzlatten, Barhockern, Aschenbechern, Flaschen und Gläsern bewaffnet waren.
Ihnen gegenüber standen nicht mehr nur die CB und die Firm- Ultras, sondern auch
immer mehr junge Männer von der Straße. Manche von ihnen kamen aus dem
Fußball-Umfeld, andere hatten noch ein paar offene Rechnung zu begleichen. Die
Auseinandersetzung eskalierte von Minute zu Minute und geriet völlig außer
Kontrolle. Grabenkämpfen gleich flogen von beiden Seiten Flaschen, Gläser, Bierkrüge
und Aschenbecher.
Ich stand noch immer am Rand und beobachtete die Szenerie von außen. Im Grunde
waren mir die Hände gebunden. Im Foyer erkannte ich plötzlich alte Gegner wieder.
Dieselben Türken, mit denen wir in der Vergangenheit schon mehrere Schlägereien
im Mannheimer Nachtleben ausgetragen hatten. Der Anblick dieser Gruppe gab den
Ausschlag. Polizist in Mannheim oder nicht. Das Risiko, entdeckt zu werden, war mir
nun egal. Diese Typen wollte ich mir schon seit längerer Zeit schnappen. Hier war die
Gelegenheit. Jetzt ode r nie. Ein kurzer Blick, rasch die Lage gescannt, ob vielleicht
doch schon die Polizei vor Ort war – und dann legte ich los.
Ganz ruhig und konzentriert steuerte ich auf das Foyer der Kneipe zu, in der sich die
Türken verschanzt hatten. Ich beschleunigte meinen Schritt, um mich herum
zersplitterten Flaschen und Gläser. Noch 40 Meter, 30 Meter, leichter Trab, Adrenalin,
Tunnelblick, 20 Meter, Wut, Zorn, 10 Meter, Rache, Vergeltung. Riesige
Fensterscheiben zersprangen, Kampflärm, noch fünf Meter, ein Barhocker flog auf
mich zu, ich hob ihn auf – und Stopp! Wir standen uns gegenüber und fixierten uns
gegenseitig mit zornigen Blicken . Ein Frontalangriff bei sechs gegen einen kam aber
nicht infrage. Ich wollte mir einen greifen, der am Rand steht, und dann …
203
Der Radikalschnitt!
Die City Boys waren Freundeskreis und Familie zugleich. Sie waren die Plattform,
Jugendfantasien auch noch mit 20, 30 oder 40 Jahren ausleben zu können. Unsere
Gefühlslage war berauschend.
Wir waren die Starken!
Die Guten und die Bösen, die Gesetzlosen und die Ordnungsmacht!
Wir waren die City Boys – eine marodierende Horde, der gesellschaftliche Normen
gleichgültig waren. Über Recht und Unrecht hatten andere nicht zu entscheiden – das
machten wir schon selbst!
Bei Auswärtsspielen hatten wir auch Busse gechartert. Der Fritz marschierte nach
vorne, legte, ohne den Busfahrer auch nur anzuschauen, seine Musikkassetten in die
Anlage und drehte unter lautem Gegröle der gesamten Busbesatzung die Lautstärke
voll auf.
Die Böhsen Onkelz: „Kneipenterroristen“ – unsere Marschmusik gewissermaßen:
„Mütter, sperrt die Töchter ein.
Und rettet euren Sohn.
Vor Kneipenterroristen, dem Schrecken der Nation.
Sind die Straßen menschenleer
und jeder Gastwirt ist in Kur,
dann sind Kneipenterroristen auf Terror-Tour.
Wir sind Kneipenterroristen – schwerstens tätowiert.
Wir haben immer einen sitzen, ganz egal, was auch passiert.
Hausverbot heißt unser Motto und Streit ist unser Ziel.
Jeden Tag ne schlechte Tat – ist das zu viel?“
Alle standen im Gang, die Arme hochgestreckt, und grölten den Text mit.
09:38 Uhr, der Bus hatte Mannheim noch nicht einmal verlassen. Um 010:30 Uhr
baute unsere Knast -Connection, ein paar richtig fiese Typen – alle über 100 Kilo
schwer – mit mehr Gefängniserfahrung als der gesamte Rest des Busses, die ersten
Koks-Straßen. Zwei von denen besetzten die ersten Plätze vorne rechts, direkt neben
dem Fahrer und seiner Frau. Sie klappten ihre Tischchen aus und breiteten genüsslich
das Kokain aus, um sich dann unter den ungläubigen, entsetzten und panischen
Blicken des Fahrers und seiner Frau mehrere Linien Koks in die Nase zu ziehen.
Dann riss einer von den Jungs den Ausklapptisch aus der Verankerung und verteilte
darauf mehrere Linien Koks und Dutzende von Ecstasy -Tabletten im ganzen Bus.
204
Meine Kumpels und ich blieben bei Wodka-Orange. Bis auf Ole, der allerdings nur zwei
Stunden später nach einem Cocktail aus Koks, Speed, Ecstasy und Wodka mit einem
Kreislaufkollaps ausfiel. Der Bus musste auf den Randstreifen, ein Notarzt wurde
alarmiert und die Fahrt, nachdem Ole mit einem Krankenwagen abtransportiert
worden war, unter lautem Applaus fortgesetzt. Gefallene Kameraden gab es
schließlich in jedem Krieg zu beklagen …
Über die gesamte Heckscheibe des Busses hing die CB-Fahne. Es sollte keine Zweifel
darangeben, wer hier unterwegs war. Die Stimmung im Bus war prächtig. Künftige
Reisepläne für die Europameisterschaft in England wurden geschmiedet und das
Treffen mit den Lauterer schon einmal im Geiste durchgespielt. Jeder wusste, was er
zu tun haben würde, und jedem war klar, dass er sich auf die anderen verlassen
konnte. Hier in diesem Bus waren alle gleich. Standesunterschiede gab es keine!
Schulabschlüsse, Berufe oder B esitzstände spielten keine Rolle. Wir waren eine
Gemeinschaft, wir waren Freunde, bedingungslose Freunde.
Gegen 13 Uhr erreichten wir endlich unsere Autobahnausfahrt. Der Bus mit dem
Nachwuchs fuhr direkt hinter uns, als wir in eine mobile Polizeikontrolle gerieten. Hier
warteten die beiden Mannheimer szenekundigen Beamten Lintz und Volkerts. Auch
sie waren unterwegs in die Pfalz. Wegen uns.
Unser Bus wurde in eine Parkbucht gewunken. Ich hatte mir mittlerweile angewöhnt,
das Einsatzverhalten von Polizeikräften bei Fußballspielen einzuschätzen, um daraus
Rückschlüsse für mich zu ziehen. Anhand von Mimik, Auftreten und Gesprächen
205
untereinander konnte man schon einiges ablesen. Hier waren einheimische
Polizeikräfte im Einsatz. So etwas konnte ich immer daran erkennen, dass sie mit
übergroßem Eifer bei der Sache waren. Für einheimische Polizisten waren wir
Eindringlinge. Nestbeschmut zer, die in fremden Revieren unterwegs waren.
Auswärtige Polizeieinheiten waren in dieser Hinsicht zumeist viel lockerer und
gleichgültiger. Diese hier waren ganz und gar nicht entspannt. Und das war nicht gut!
Für mich hieß es nun, größtmögliche Zurückhaltung zu zeigen. Bloß nicht auffallen,
schön im Hintergrund bleiben. Eine Festnahme wäre für mich zu dem Zeitpunkt kein
kleiner Kollateralschaden geblieben – bei mir hing meine ganze Existenz dran. Und
hier konnte es eng werden. Die Edenkobener Polizisten machten von Anfang an einen
total überforderten Eindruck. Unmöglich, dass sie bereits viele Erfahrungen bei
Fußballeinsätzen gesammelt hatten. Sie reagierten genervt, aufbrausend und ließen
jegliches souveräne Au ftreten vermissen. Wie gerne hätte ich ihnen meine
Beobachtungen, aber ich musste schweigen. Einfach nur schweigen und unauffällig
bleiben.
Von einem Stadion konnte man nicht sprechen. Es handelte sich vielmehr um einen
einfachen Rasenplatz mit überdachter Kleintribüne auf einer Seite des Feldes. Die
gesamte Gegenseite und der Bereich hinter den Toren bestand aus Stehplätzen. Rund
um das Spielfeld ging eine Laufbahn, begrenzt war das Ganze nur von einer hüfthohen
Eisenstange. Diese Anlage würde den Ansprüchen für Bundesjugendspiele einer
kleinen Dorfschule entsprechen – nicht aber einem Fußballspiel mit massiver
Hooligan-Beteiligung. So tief war der einst mächtige Waldhof also gesunken. Und so
tief mussten nun auch wir sinken. Wir, die City Boys, die eigentlich für die großen
Spielstätten weltweit geschaffen waren!
Hier waren wir, bei mehr als 30 Grad im Schatten, an diesem gottverdammten
Bolzplatz in der Pfalz.
Wir soffen weiter: Wodka aus 0,5 -Liter-Bechern. Unsere T -Shirts hatten wir längst
abgelegt und um den Kopf gebunden oder in den Jeansbund gesteckt. Ich trug mein
Chevignon-Basecape als Sonnenschutz und zur Tarnung vor eifrig filmenden
Polizeikräften. Mit uns drängte auch die Besatzung des Nachwuchs-Busses mit knapp
20 jungen Burschen in Richtung Eingang. Die Jungs wollten sich hier beweisen, sich
einen Namen machen, um bei einer der nächsten Fahrten vielleicht in unserem Bus
mitfahren zu dürfen. Dieses Priv ileg musste man sich hart erarbeiten oder besser
gesagt erkämpfen. In diesen Bus kam man nicht einfach so!
Zusätzlich reisten aus unserem direkten Umfeld noch weitere 20 bis 30 Kollegen mit
den eigenen Autos an, sodass sich unter den rund 4000 Zuschauern an diesem
Nachmittag gut 100 gewaltbereite Männer auf die dritte Halbzeit freuten. Die
206
Polizeikräfte vor Ort verschärften ihre Kontrollen. Da sich ein Fan lauthals über das
vertrocknete Gras im Stadion lustig machte und andeutete, wie gut es brennen
würde, beschlagnahmte die Polizei am Eingang sämtliche Feuerzeuge und
Streichholzschachteln. Das Gedränge vor dem Eingang wurde immer
unübersichtlicher. Die Stimmung begann angesichts der schikanösen Kontrollen auch
unter den normalen Stadionbesuchern langsam zu kippen.
Das Thermometer im Stadion dürfte mittlerweile auf über 35 Grad gestanden haben,
als wir endlich den Sportplatz betreten konnten. Wir steuerten das einzige schattige
Plätzchen im gesamten Stadion an: den Getränkestand!
Ein kühles Bier würde sicher helfen. Doch es gab kein Bier. Wir waren in der Pfalz. Hier
wurde Wein getrunken – auch auf dem Fußballplatz!
Nach Bier, Wodka, Kokain, Speed und Ecstasy nun also Wein aus 0,3 -Liter-Bechern.
Die Mischung in unseren Körpern wurde immer explosiver. Das Verhalten der
Polizeikräfte auch.
Nach Ansicht der Polizeistrategen standen wir falsch. Nicht der Platz vor dem
Getränkestand war für uns bestimmt, sondern die freie Fläche auf der unüberdachten
Gegengeraden. Der Getränkestand musste somit geräumt werden. Wir ignorierten
die Ansagen der Po lizeibeamten und blieben stehen. Grund genug, die ersten
Schlagstöcke auf uns niederkrachen zu lassen. Die Stimmung wurde immer
feindseliger. Die Polizei hatte sich mit der Räumung dieses Bereiches durchgesetzt,
aber zu welchem Preis? Von einem Moment auf den anderen war das gesamte
Stadion gegen die Beamten aufgebracht.
Kurz vor dem Anpfiff erschienen drei Lauterer Hools. Die Vorhut für den Showdown
nach dem Spiel? Die Späher, die uns den geheimen Treffpunkt verraten sollten?
Nein! Die Jungs waren allein. Die Lauterer hatten für diesen Sonntag keine
schlagkräftige Truppe zusammenbekommen. Aber sie waren immerhin so anständig,
die schlechte Nachricht persönlich zu überbringen.
Krüppel musterte den Kaiserslauterer Wortführer. Es waren keine schlechten Jungs.
Keine Greenhörner, sondern groß, breit, sicheres Auftreten. Nach mehr als zwölf
Stunden exzessivem Trinken, schikanöser Polizeibehandlung und einer naturgemäß
latent aggressiven Grundstimmung suchten sie sich in diesem Moment jedoch einfach
den falschen Ansprechpartner für einen lockeren Smalltalk aus.
Marius drehte sich blitzartig um 90 Grad und schlug dem ersten eine kräftige rechte
Gerade ins Gesicht. Der Lauterer fiel um und landete hart auf dem Rücken. Dem
zweiten Pfälzer gelang es gerade noch, erschrocken die Hände zur Abwehr zu heben,
als ihn ein kräftiger Schlag zentral auf sein linkes Auge traf. Nur Bruchteile von
207
Sekunden später sprang einer unserer Jungs aus dem Stand in die Luft und trat dem
dritten Lauterer wuchtig auf den Rippenbogen. Die drei waren vollkommen perplex.
Sie waren zum Reden gekommen und nun lagen alle drei verletzt auf dem Boden –
vor den Augen der Polizei!
An Gegenwehr war nicht mehr zu denken. Die Lauterer Hools sahen, dass ihnen
mittlerweile 70 Mannheimer gegenüberstanden – betrunken, zu gekokst ,
vollgedröhnt und richtig geladen. Sie rafften sich mühsam wieder auf und liefen
fluchtartig in Richtung Haupttribüne.
Das Spiel fing an. Das Fußballspiel!
In der Zwischenzeit waren wir von allen Seiten von der Polizei umstellt. Eingekesselt.
Ein übermotivierter Hundeführer entfernte bereits den Beißschutz von seinem Hund
und nahm eine bedrohliche Körperhaltung ein. Das Maß war jetzt endgültig voll. Die
Jungs waren nicht mehr bereit, die anhaltenden Provokationen der Bullen weiterhin
widerstandslos zu ertragen, und versuchten, sich etwas mehr Platz in diesem engen
Kessel zu verschaffen. Die Menge drückte langsam auf den Spielfeldrand zu.
Durch meine Erfahrung konnte ich erkennen, dass etwas Böses geschehen würde.
Denn was die Edenkobener Beamten hier veranstalteten, konnte nicht gut gehen. Ich
verstand überhaupt nicht, was sie zu erreichen versuchten. Das hier sah nicht nach
Polizeistrategie aus – es erinnerte vielmehr an das Aufeinandertreffen zweier
Hooligan-Truppen, nur, dass die eine uniformiert war. Und die Sache eskalierte
tatsächlich!
Einer unserer Jungs – Harald, der deutlich angetrunken war – steuerte geradewegs
auf den auffallend aggressiven Hundeführer zu. Dieser ließ auf der Stelle seinen Hund
los und erteilte ihm den Beißbefehl. Harald verpasste dem Hund einen Fußtritt, noch
bevor der sein Maul überhaupt zum Beißen öffnen konnte. Und das war das
Startzeichen!
Wie auf ein geheimes Kommando fuhr ein Ruck durch die gesamte Mannheimer
Truppe, die sich nun erbarmungslos auf die Polizeimauer zu bewegte. Ich befand mich
in der dritten Reihe und zog mir zum Schutz vor den Polizeikameras meine
Baseballmütze tiefer ins Gesicht. Das aus meiner Sicht völlig falsche und überzogene
Verhalten der verfickten Bullenschweine hatte mich enttäuscht und verärgert. Und es
gab keine Grenze!
ACAB – All cops are Bastards!
Meine Jungs hatten alle schon einmal schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht,
was bei einem Hooligan auch nicht sonderlich verwundert. Es gab aber wie in jedem
anderen Berufszweig auch – nette und freundliche Polizisten, bestimmt!
208
Aber natürlich auch wesentlich mehr arrogante Dumpfbacken. Und hier in
Edenkoben, gab es leider von der ersten Sorte so gut wie gar keine! Es fiel es mir
erstmals richtig schwer, auch nur ein bisschen Verständnis für die Bullen
aufzubringen.
In kürzester Zeit entwickelte sich eine wüste Schlägerei. Die Hundeführer gaben ihren
Tieren immer mehr Leine frei und ließen sie zubeißen. Die Hunde sprangen hoch und
bissen sich in den zur Abwehr gehobenen Händen und Unterarmen fest. Von oben
knallten die Schlagstöcke auf die Köpfe und Schultern der Jungs nieder. Die ganz vorne
standen, bluteten aus den tiefen Bisswunden der Hunde und auf ihren Köpfen platzte
die Haut auf, wie bei Tomaten unter heißem Wasser.
Aber das Adrenalin war nun auf Maximum gestellt:
Blut und Wunden: ja, aber Schmerz: nein!
Der Polizei gelang es noch immer nicht, den Haufen zurückzudrängen. Beide Parteien
standen sich nun wie eine Horde Kampfhunde gegenüber. Einzelne Mannheimer
stürzten sich nach vorne und suchten den direkten Kampf. Auch die ersten
Polizeibeamten wurden mit Platzwunden im Gesicht nach hinten durchgereicht. Was
wir in diesem Moment nicht wussten: Der Polizeiführer hatte in der Zwischenzeit per
Eilmeldung ein Spezialeinsatzkommando aus Mainz zur Verstärkung angefordert.
Kampfmaschinen, die auf Geiselnahmen, Kap italverbrecher und besonders heikle
Verhaftungen spezialisiert waren. Diese Spezialbeamten wurden nun mit
Hubschraubern von Mainz nach Edenkoben geflogen. Insgesamt 30 Mann!
Kurz nach Ende der Halbzeitpause trafen sie ein. Die Lage hatte sich gerade
einigermaßen beruhigt, als das Spezialeinsatz -kommando aufmarschierte. Die SEK -
Männer trugen Overalls, ausgerüstet mit den damals neuen Tonfa-Schlagstöcken und
Handschuhen mit vers tärkten Quarz-Aufsätzen über den Gelenken. Die sollten die
empfindlichen Handgelenke schützen und gleichzeitig die Schlagwirkung um ein
Vielfaches erhöhen.
Im Grunde waren das staatlich legitimierte Schlagringe, die für den „normalen“
Bürger verboten waren. „Passive Bewaffnung“ hieß so etwas in Beamtendeutsch.
Die SEK -Einheit nahm den Haupteingang und stürmte direkt auf uns zu. Schwer
auszumachen waren wir nicht – 100 Kerle mit nackten, tätowierten Oberkörpern,
umkreist von Polizisten. Die Ausschreitungen waren zu dem Zeitpunkt schon vorbei.
Die SEK -Männer stürm ten dennoch in unsere Gruppe und fingen wahllos das
Knüppeln an. Die harten Spezialstöcke knallten auf Schädel und Schlüsselbeine. Die
Anzahl der verletzten Mannheimer Jungs stieg im Sekundentakt. Ich war fassungslos.
Gegen eine gepflegte Schlägerei mit den Lauterer Hools hätte ich ja gar nichts gehabt,
aber eine Schlägerei mit dem SEK? Das ging ja gar nicht!
209
Was aber sollte dieser völlig übertriebene, brutale Auftritt?
Die City Boys hielten dagegen. Die ersten SEK -Beamten bekamen harte Tritte und
Schläge ins Gesicht. Jetzt herrschte Krieg!
Der TOTALE Krieg!
Unmittelbar neben mir knallte ein Schlagstock auf das rechte Schulterblatt von
Krüppel. Es brach unter einem laut vernehmbaren Knackgeräusch. Jockes sprang nach
vorne und knallte dem Beamten seine rechte Faust auf dessen linkes Auge, das
blitzartig anschwoll. Ein Schäferhund bohrte sich in Jans Oberschenkel. Fassungslos
starrte er auf die klaffende Fleischwunde, die später im Krankenhaus genäht werden
musste. Der Mannheimer Haufen zog sich nun ein paar Meter zurück.
Ich blieb stehen, sodass ich direkt vor drei nachrückenden SEK -Beamten
mitschwingenden Knüppeln stand. Ich hob die Hände hoch und versuchte sie zu
beschwichtigen. „Hey Jungs, hört doch auf mit dem Blödsinn. Es ist doch alles vorbei.
Lasst es sein!“
Die Männer des SEK hielten verwundert inne. War das eben ein ordentlicher Ton? Sie
schauten mich an und blieben stehen. Mit einer beruhigenden Geste hatte ich immer
noch meine Arme leicht angehoben. „Es ist doch gut, hört auf mit dem Scheiß. Es ist
alles vorbei.“ Sie nahmen ihre Knüppel runter und gingen zur Seite.
Rechts von mir standen weitere SEK -Beamte, die von einigen Mannheimern auf das
Übelste beschimpft wurden. Ich sah den Polizisten in die Augen und bemerkte, dass
auch sie sich in einem Gewaltrausch befanden. Sie hatten diesen Tunnelblick, den ich
schon so lange kannte. Sie wussten zwar, dass sie überreagiert hatten, aber in diesem
Moment schien ihnen das völlig egal zu sein. Kein Polizeigesetz hätte dieses Handeln
rechtfertigten können. Aber auch das spielte in diesem Augenblick keine Rolle mehr.
Der Gegner war eine randalierende Hooligan -Schlägertruppe aus einer fremden
Stadt. Wir verfügten über keinerlei Lobby. Uns konnten sie mal so richtig zeigen, wo
der Hammer hängt. Aber der Gruppenführer ging dazwischen und beschwichtigte
seine Jungs. Ich hörte, wie er leise zischte: „Es ist gut. Denkt dran, hier sind überall
Kameras. Hört auf! Es ist jetzt okay.“
Die Überwachungskameras waren fast ausschließlich auf unseren Block ausgerichtet.
Wenn ein SEK-Beamter einen Hooligan grundlos geschlagen hätte, würde dies einer
normalen Körperverletzung gleichkommen. Ein ausgebildeter SEK -Beamter, der
unverhältnismäßig mit einem Tonfa -Schlagstock losprügelte, riskierte eine Anzeige
wegen gefährlicher Körperverletzung. So etwas würde einen Vermerk in der
Personalakte nach sich ziehen, wenn es in der Vergangenheit auch selten zu
Konsequenzen für SEK -Beamte geführt hatte. Di e Polizeiführung wusste die
Sonderstellung der SEK-Einheiten im Allgemeinen zu bewahren …
210
Die Schlacht war vorbei. Auf Mannheimer Seite wurden 13 Verletzte beklagt. Fünf
davon mussten auf Tragen aus dem Stadion und ins Krankenhaus gebracht werden.
Harald – einer der älteren der Firm – hatte es am schlimmsten erwischt. Er lag
regungslos und blut überströmt im Staub. Mit dem Notarztwagen wurde er ins
nächste Krankenhaus gefahren, wo seine zahlreichen Kopfverletzungen versorgt
werden mussten. Sein Bild, wie er blutüberströmt dalag, sollte Tage später die
Titelseite der Bild-Zeitung schmücken. Mit der Schlagzeile: „Was ist bloß mit unserer
Jugend los?“
Das SEK sammelte sich knapp 20 Meter entfernt. Fünf Beamte hatten Kampfspuren
im Gesicht. So schnell wie sie kamen, verschwanden sie auch wieder. Die zweite
Halbzeit lief noch, als die Helikopter mit dröhnenden Rotorblättern eine
Abschiedsrunde über dem St adion drehten und wieder zurück Richtung Mainz
schwebten. Der Einsatz hatte knapp 25 Minuten gedauert. Und in dieser kurzen Zeit
wurde unser Widerstand durch das SEK mit brutaler Macht gebrochen.
Wir hatten verloren wie noch selten zuvor!
Die Jungs waren fassungslos. Wütend. Und aufgebracht!
Fünf lagen im Krankenhaus, andere liefen fast schon orientierungslos mit zerrissenen
Marken-Shirts und blutigen Kopfverbänden herum.
Das alles bei 35 Grad Hitze und mehr als 20 Stunden Alkohol - u. sonstigen
Drogenkonsum. Wir waren am Ende unserer Kräfte. Ein paar Heißsporne pöbelten
noch vereinzelt Polizisten an – der Rest wollte nur noch weg. Mein Kumpel Olaf wurde
während der Ausschreitungen festgenommen. Er lag bäuchlings auf der Laufbahn in
der Nähe des Spielfeldes. Seine Arme waren mit Handschellen auf dem Rücken
gefesselt und er wurde von einem Polizisten bewacht, der mich argwöhnisch
beobachtete, als ich mich den beiden näherte. Ich wollte mit ihm sprechen. Vielleicht
etwas von dem Druck aus der Situation herausnehmen und vermitteln. Dass ich genau
in diesem Augenblick von einem Pressefotografen aufgenommen wurde, hatte ich
allerdings nicht bemerkt.
Der Polizeibeamte schien ganz in Ordnung zu sein. Er erklärte mir, dass er meinen
Kumpel vorläufig nicht freilassen würde. Es sei noch ungeklärt, ob er in Haft käme
oder mit uns zurückreisen dürfe. Da er aber nun schon 20 Minuten in der glühenden
Sonne lag, durfte ich ihm ein Glas Wasser bringen. Ich kam mit dem Wasser zurück
und sprach den Polizisten ruhig an: „Was wird ihm denn vorgeworfen?“ Olaf habe
einen Polizeibeamten tätlich angegriffen, erklärte mir der Beamte. Er würde auf jeden
Fall eine Anzeige w egen Landfriedensbruch und Körperverletzung bekommen. Ich
fragte den Beamten, ob eine Festnahme nach dieser völlig unnötigen Eskalation denn
wirklich nötig sei. Und ob es nicht einfacher wäre, ihn einfach in den Bus zu setzen
211
und nach Hause zu schicken. Olaf pflichtete meinem Vorschlag bei: „Ja, komm … mach
das doch, hör auf ihn.“
Der Polizist starrte mich ungläubig an. Das durfte nicht wahr sein! Was hatte Olaf da
gesagt? War er denn vollkommen von Sinnen? Ich war völlig entsetzt. Und sauer.
Stinksauer!
Noch nie hatte einer der Jungs versucht mich vorzuschicken! Bis zu diesem Zeitpunkt
zumindest. Und nun diese dumme Bemerkung von Olaf. Der Beamte schaute mich
noch immer entgeistert an: „Warum sollte ich auf Dich hören? Gibt es da nähere
Gründe?“
Was hätte ich tun können? Ich verneinte natürlich und zog ab.
Der Bulle musterte mich kopfschüttelnd.
Ein paar Minuten später ging er zu seinem Vorgesetzten und legte ein gutes Wort für
Olaf ein. Kurze Zeit später kam er zurück zu mir „Du kannst deinen Freund mitnehmen
– die Anzeige wird aber trotzdem gefertigt.“ Ich reichte ihm erleichtert die Hand. Er
hielt sie fest und schüttelte immer noch ungläubig den Kopf.
„Pass auf dich auf. Bleib anständig – und keinen Blödsinn mehr machen!“ Der Polizist
öffnete Olafs Handschellen und ließ uns gehen. Wie geschlagene Hunde verließen wir
das Stadion.
Der Bus war komplett von der Polizei umstellt. Ein Teil des Mobs fehlte immer noch.
Fünf Jungs mussten nach wie vor im Krankenhaus behandelt werden, weitere acht
saßen in einem Gefangenentransporter. Es war völlig unklar, wann und mit wie vielen
Jungs wir die Rückreise antreten würden. Nach und nach wurden die Festgehaltenen
wieder freigelassen. Auch die zugekokste Knast-Connection. Sie hatten sich nach fünf
Stunden Zelle wieder etwas erholt und glotzten verwirrt all die Jungs mit ihren
zerrissenen Klamotte n und den durchgebluteten Kopfverbänden an. Irgendwie
schienen sie zu registrieren, dass sie etwas verpasst hatten, vollgedröhnte Spasten
halt!
Sehr viel später fuhr der Bus dann endlich los und die ersten Insassen machten sich
schon wieder über die letzten Alkoholreste her. Brühend warme Bierflaschen wurden
geöffnet und hemmungslos leer gesoffen. Ich versuchte, mich ein wenig abzukapseln.
Nach Feiern war mir jetzt echt nicht zumute. Da war etwas geschehen, das mir nicht
gefallen konnte. Ich war zwischen alle Fronten geraten. Natürlich war mir klar, mit
wem ich da im Bus saß. Die meisten von denen waren meine Freunde!
Und gegen eine ordentliche Schlägerei hatte ich noch nie etwas einzuwenden. Aber
doch nicht direkt gegen Polizisten! Was ich in Edenkoben gesehen hatte, gefiel mir
ganz und gar nicht. Weder auf der einen noch auf der anderen Seite.
212
Wir standen die gesamte Rückreise unter starker Polizeibewachung. Vor uns ein
Mannschaftswagen mit zehn Polizisten an Bord, dahinter der Kamerawagen, der den
Bus ständig filmte, und hinter uns ein weiterer Mannschaftswagen mit rund zehn
Mann Besatzung. Am Ende dieses merkwürdigen Konvois fuhren die beiden SKBs aus
Mannheim, die während der Ausschreitungen wie vom Erdboden verschluckt waren.
Der Busfahrer hatte die Anweisung, unter gar keinen Umständen anzuhalten. Die
vorgeschriebenen Ruhezeiten wurden einfach außer Kraft gesetzt. Der Mann musste
durchfahren – in eine plötzliche Verkehrskontrolle würde dieser Bus bestimmt nicht
geraten!
Die Fahrt zurück aus Edenkoben war ein einziger Alptraum. Der geplante Showdown
mit den Lauterer Hools war geplatzt und stattdessen wurden wir von einer SEK-Einheit
plattgemacht!
Für Euphorie oder adrenalingeladene Machtgesänge gab es überhaupt keinen Grund.
Eine geschlagene Armee wurde aus der Pfalz geschmissen – erbärmlicher konnte man
sich gar nicht fühlen! Das war’s für uns!
In dem völlig überhitzten Bus waberte ein kaum auszuhaltender Gestank. Die
Bustoilette war schon auf der Hinfahrt verstopft. Nun stand eine knöchelhohe Brühe
aus Kot, Pisse und Erbrochenem in dem kleinen Klo. Ein infernalischer Gestank lag in
der Luft.
50 Männer, die nach Schweiß und Alkohol stanken, in Wodkaflaschen pissten und ihre
blutigen Verbände einfach auf den Boden warfen. Wie konnte man so etwas
überhaupt aushalten? Wie konnten zivilisierte Menschen – und fast alle unserer
Gruppe konnte man im „ Zivilleben“ so einordnen – diese Schweinerei freiwillig
ertragen? Ich konnte das alles kaum fassen.
Ich, Max Bane! Hier irgendwie ganz unten! Kein Sieg! Kein gutes Gefühl!
Was da geschehen war, passte nicht zusammen. Hier im Bus saßen meine Freunde,
mit denen ich mich durch zahllose durchlebte Abenteuer unzertrennlich
zusammengeschweißt fühlte. Auf der anderen Seite standen diese Polizisten. Und an
diesem Tag waren sich beiden Welten auf einem Schlachtfeld begegnet. Und die eine
Seite hatte fast grundlos und brutal auf meine engsten Freunde eingeschlagen, sie
gedemütigt und zum Teil schwer verletzt! Was war hier los? Die Bullen sollten doch
ursprünglich mal die Guten sein?
Wo gehörte ich hin? Auf welcher Seite stand ich eigentlich? War ich ein Guter? NEIN,
sicher nicht!
War ich einer von den Bad Guys? Das schon eher! Aber doch nicht so! Alter,
normalerweise sind die Bösen, die Schlechten due Gewinner und nicht die
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gottverdammten Guten Jungs! Hier lief gewaltig was schief! Zumindest für meine
damalige Gedankenwelt! Ich pendelte ja schon seit längerer Zeit zwischen diesen
beiden Welten, ohne je richtig darüber nachgedacht zu haben. Unter der Woche als
normaler arbeitender junger Mann, der ehrlich und hart seinen Lohn verdiente und
am Wochenende ein absolut gewalttätiger Irrer, der vor keiner Schlägerei, sei sie noch
so hart und blutig, zurückschreckte oder in irgendeiner Form nachgab!
Ich suchte nach einer Antwort, aber da war keine!
Da war nur ein großes schwarzes Loch. Eine Traurigkeit, die ich so bis dahin nicht
kannte. Zumindest nicht in dieser Form! Das kam schon sehr nah an meine frühen
Kindheitserinnerungen ran! Und die wollte ich auf gar keinen Fall nochmal aus dem
innersten von mir hervortun und mir reinziehen! Denn das war etwas, und darüber
war ich mir ausnahmsweise Mal absolut klar, was ich nicht ohne persönlichen
Schaden so ohne Weiteres überstehen würde!
Und dann, ja dann musste ich plötzlich weinen. Ich drehte mich zur Fensterscheibe
hin, drückte mir meine Baseballkappe ins Gesicht und heulte. Ich heulte wie ein
kleines Baby! Wie ein Mädchen! Ich war sowas von fertig, keine Ahnung, ich kann das
nicht genauer erklären, da ich diese Gefühle leider nicht mehr nachvollziehen kann,
aber es muss eine absolute tiefgreifende Traurigkeit über mich gekommen sein, die
ab diesem Zeitpunkt mein Leben verändern sollte!
Die Jungs hatten gemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmte, und ließen mich einfach
in Ruhe. Keiner machte einen blöden Spruch, keiner zog mich deswegen auf. Ein
Zeichen für Freundschaft und Kameradschaft. Und wenn ich mich noch so zerrissen
und heimatlos fühlte – hier war ich doch irgendwie zu Hause. Hier durfte ich sein, wie
ich eben war!
Hier wurde ich akzeptiert, auch heulend! Diese Toleranz war es aber auch die ich so
an den ganzen Waldhöfer Jungs so liebte! Meint Ihr, dass irgendwelche Normalos
oder Behörden meine dunkle Seite verstehen können? Ich denke, ich kannte die
Antwort auf diese entscheidende Frage schon längst, leider…
Es war schon spät in der Nacht, als wir endlich in Mannheim ankamen. Da der
Busbahnhof direkt am Hauptbahnhof lag, musste ich mit einer weiteren Kontrolle in
meiner Heimatstadt rechnen. Ich hatte mich wieder einigermaßen sammeln können
und das war auch nötig, denn bei der Ankunft in Mannheim, brauchte ich einen klaren
Kopf, um eine mögliche Feststellung meiner Personalien irgendwie vermeiden zu
können. Und das war ein schwieriges Unterfangen, denn am Busbahnhof stand ein
ganzes Heer von Polizeikräften, um uns in Empfang zu nehmen.
Ich musste wachsam bleiben. Als der Bus parkte, wurde er sofort von sechs
Mannheimer Streifenwagen sowie den zwei Mannschaftswagen, die noch immer an
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unseren Fersen hingen, eingekreist. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf.
Was für eine Gelegenheit für die Bullen! Der innere Zirkel der City Boys in einem Bus
versammelt, praktisch auf dem silbernen Tablett serviert. Leichter hätte man die
Personalien von etwa 50 schwer gewalttätigen Hooligans kaum sammeln können.
Diese Fahrt hätte am Ende also auch für mich noch zur Hölle werden können.
Aber keiner von uns wurde kontrolliert! Wir durften aussteigen – einfach so – und uns
auf den Heimweg aufmachen!
War so viel Unbedarftheit möglich? Ließ sich die Polizei tatsächlich diese Gelegenheit
entgehen? Ja, sie tat es!
Ich habe bis heute keine Ahnung warum, aber so war es und das schwöre ich auf allem
was mir wichtig ist!
Und ich fuhr auf dem schnellsten Weg zu meiner Freundin Chris nach Hause.
Schweigend betrat ich ihre Wohnung. Sie bemerkte meine roten, verheulten Augen
und fragte besorgt nach meinem Befinden. Ich erzählte ihr ein bisschen von der Fahrt
in die Pfalz, ein paar Sätze nur, ging duschen und setzte mich wortlos vor den
Fernseher, wo ich irgendwann eingeschlafen sein musste. Und mir war bewusst, wie
viel Glück ich ein weiteres Mal gehabt hatte. Mehr Glück, als mir zustand. Alles war
noch einmal gut gegangen. Mit diesem Gefühl schlief ich auch ein!
Und so wachte ich am Montag auch auf. Da ich erst am Dienstag zur Arbeit wieder
antreten musste, hätte ich ausschlafen können. Aber schon um 09:30 Uhr klingelte
das Telefon. Völlig verpennt und verpeilt hob ich den Hörer ab. Chris sprudelte
aufgeregt los: „Hey Max, Du bist in der Zeitung. Da ist ein Foto von dir in der Zeitung!“
Was war los? Ich hatte doch wieder Glück gehabt! Ich war doch allen Kontrollen
entgangen, kein Mensch hatte meine Personalien aufgenommen – niemand, der es
nicht sollte, wusste, was ich an diesem Wochenende angestellt hatte!
Und nun sollte ein Foto von mir in der Zeitung sein? „Was ist das für ein Foto?“, schrie
ich in den Hörer. „Es sind zwei große Berichte über die Krawalle in der Neuen
Westfälischen. Dazu ein großes Bild von dir.“
Wie konnte das nur möglich sein?
„Kann man mein Gesicht erkennen?“ Mir schossen die Schweißtropfen aus allen
Hautporen.
„Dein Gesicht ist geschwärzt. Wer dich kennt, weiß aber sofort Bescheid“, sagte
meine Freundin. „Deine Baseballkappe, nackter Oberkörper, man erkennt deine
Tätowierung. Das bist du!
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Du stehst inmitten von fünf Polizisten, die auf dich zugehen. Auf dem Boden liegt ein
festgenommener Mann.“
Mit einem Satz sprang ich aus dem Bett und zog mich an. War’s das nun? Sollte ich
jetzt doch auffliegen? Meine Freundin, die dumme Kuh war natürlich außer sich.
Vorwürfe, Tränen, Schweigen.
Wann ich endlich erwachsen werden wollte, was nur mein Problem sei, etc. bla bla
bla. fragte sie mit stockender Stimme.
Ja, wann denn nur? Dumme Kuh was weiß ich denn?
Fick Dich! Fickt Euch! Fickt Euch alle! Und fickt eure Anderen alle gleich mit! Bitte in
den Arsch und da ganz tief rein!
Fickt euch, ihr Dummen scheiß Spießer! Wichser und vor allem Ihr Anderen hier!
Alle! Ausnahmslos Alle!
Ich legte den Hörer auf, hastete aus der Wohnung, um mir eine Zeitung zu kaufen. In
meinen Halsschlagadern pochte und pulsierte es in Höchstgeschwindigkeit. Dann
schlug ich die Seite auf und tatsächlich – der auf dem Bild war ich!
Da gab es nicht den geringsten Zweifel!
Unverkennbar. Ich!
Was für eine Scheiße! Oder gab es doch noch einen Ausweg? Nicht jeder würde mich
identifizieren können. Mein Gesicht war ja geschwärzt. Nicht zu erkennen! Dachte ich
zumindest. Aber diese Hoffnung musste ich schnell begraben.
Schon wenig später erfuhr ich, dass in sämtlichen Mannheimer und Schwetzinger
Kreisen über mich und dieses Foto getuschelt wurde. Die Schlinge zog sich also doch
zu. Das zumindest musste ich damals annehmen. Ich musste abwarten. Warten!
Bis sie sich bei mir melden würden. Die gottverdammten Anderen! Hatten Sie mich
jetzt doch noch!
Aber niemand hakte nach und keiner machte eine Meldung. Wahnsinn! Vielleicht
lasen diesen Teil der Zeitung nicht so viele die mich kannten bzw. die mich hätten
erkennen können!
Ich konnte nur hoffen, dass auf den ganzen videoaufnahmen, die ja gemacht wurden,
keine eindeutigen Hinweise auf mich doch noch aufkamen!
Ein paar der in Edenkoben zusammengeschlagenen Jungs stellten Strafanzeige wegen
gefährlicher Körperverletzung gegen die Polizei. Die damit beauftragten
Rechtsanwälte forderten die Edenkobener Polizei auf, die Videoaufzeichnungen zur
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Beweismittelsicherung bereitzustellen. Nach wochenlangem Zögern teilte die Pfälzer
Polizeibehörde mit, dass wegen eines technischen Defektes alle Aufnahmen
versehentlich gelöscht worden seien. Es gäbe kein Filmmaterial mehr. Ein
Polizeivideo, das dokumentiert hätte, wie 30 SEK-Beamte möglicherweise Straftaten
begangen hatten, war aus Versehen gelöscht worden … Waren wir in Kolumbien?
Oder in Mexiko?
Scheiß egal! Hauptsache es gab kein Video! Und damit auch keinen sichtbaren Beweis,
der gegen mich hätte sprechen können!
So empörend diese Vertuschungsaktion war, für die City Boys kam sie einem
Hauptgewinn gleich. Keine Videos – keine Beweise!
Der schwere Landfriedensbruch, die gefährliche oder schwere Körperverletzung und
der Widerstand gegen Polizeibeamte – nichts davon war ohne diese Filme mehr
nachzuweisen. Absolut nichts!
Sicher, die Polizisten hätten ihre Aussagen machen können – aber was davon hätte in
einem Strafverfahren wirklich konkret Bestand gehabt? Besonders dann, wenn
versierte Strafverteidiger unangenehme Zwischenfragen gestellt hätten? Nach und
nach wurden ein p aar Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch und
Körperverletzung gegen einige Mannheimer Hooligans eröffnet, die nach wenigen
Monaten ohne weitere Begründung wiedereingestellt werden mussten. Das
Krawallspiel des Jahres endete mit vielen Verletzten au f beiden Seiten. Aber ohne
jede Strafverfolgung. Ich selbst war bei dieser Sache kurz davor, aufzufliegen. Aber
eben nur kurz davor… Ich jedoch hatte aus dieser ganzen Angelegenheit so viele
schlechte Eindrücke mitgenommen, die mich noch wochen - oder sogar monatelang
hinterher beschäftigten sollten!
Dann mittenrein in diese Sinneskrise, mit Kris hatte ich nach dem ganzen Rumgezicke
auch längst Schluss gemacht und sie wer weiß wohin geschickt, die Dumme Kuh!
Ja da mittenrein passierte dann ein weiterer stichhaltiger Grund für meinen Ausstieg
aus dieser ganzen Hooligan Scheiße.
Drei junge Kerle betraten „Dimi“.
Groß, breit, kurzrasierte Haare, grimmig in die große Runde blickend. Ich stand mit
dem Rücken zu ihnen und bemerkte sie zunächst gar nicht. Da der Laden voll war, gab
es nicht viel Platz, um an uns vorbeizugehen. Und so geschah, was wohl einfach
geschehen musste: Ich wurde angerempelt. In unseren Kreisen der fast todsichere
Auslöser für Ärger. Als ich mich umdrehte, sah ich, wie einer dieser drei Typen mir
aggressiv in die Augen schaute. Er ging weiter und ich sagte kopfschüttelnd: „Mensch,
die sollen froh sein, wenn sie hier heil wieder rauskommen. Klappe halten und
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weitergehen!“ Damit war die Sache für mich erledigt und ich widmete mich weiter
meinen Getränken.
Nur fünf Minuten später kamen die drei Jungs zurück. Und nun sollte der Auftritt von
Jan folgen. Er beugte sich zu dem Kerl, der mich angerempelt hatte, vor. Die Musik
dröhnte so laut, dass ich zunächst nur Wortfetzen verstand. Ich hörte Jan sagen:
„Mein Kumpel hat eben deine Freundin gefickt und das lässt du dir gefallen?“ Der
Zeigefinger von Jan zeigte auf mich und dann lachte er laut los. Es war ein fast schon
einfallsloser Trick, wie aus einem B-Movie. Aber der funktionierte …
Ich konnte sehen, wie sich der Gesichtsausdruck dieses Typen rasch verfinsterte. Der
blanke Hass stand in seinen Augen und ich musste dabei auch noch lachen. Jan konnte
es einfach nicht lassen. Die Sache war angezettelt. Der Typ stand nun direkt vor mir.
„Stimmt das, was dein Freund erzählt?“ Mir war an diesem Abend gar nicht nach Streit
zumute. Und ich hatte schon gar keine Lust auf dieses dumme Gelaber. Aber
irgendetwas musste von mir kommen. Ich erhob mich von meinem Barhocker: „Hör
zu Du Pisser. Halt die Klappe und geh einfach! Tu dir selbst einen Gefallen und geh …
und zwar gleich!“
Die drei Typen verließen wortlos den Laden. Und dann, nach etwa zehn Minuten, ging
die Sache doch noch los. Plötzlich stand der Freak wieder in der Tür. Er starrte
aggressiv in meine Richtung. „Wie doof sind die eigentlich? sagte Jan belustigt. „Jetzt
sind diese Typen doch tatsächlich noch mal zurückgekommen. Die wissen offenbar
nicht, in welcher Kneipe sie sich hier befinden!“
Ich verspürte noch immer keine Lust auf Zoff, schüttelte ungläubig den Kopf und trank
weiter an meinen Jacky -Cola. Jan war entschieden streitlustiger. „Mal hören, was
diese drei Helden hier wollen.“ Er folgte den Jungs zur Tür hinaus ins Treppenhaus
und verschwand aus meinem Blickfeld. Ich nahm noch einen Schluck und dachte dann
plötzlich: „Junge, die sind zu dritt. Und Jan ist zwar das Tier aber doch allein – also
besser mal nachsehen, was da draußen läuft.“
Ich kam gerade aus der Tür in das Treppenhaus, als sich der Rempler vor mir aufbaute.
Ich rechnete immer noch nicht mit einer Schlägerei und ließ die Arme seitlich
herunterbaumeln. Mein Gegenüber war ein echter Brocken. Gut einen Kopf größer,
breiter und b estimmt 10 bis 15 Kilo schwerer. Aber das hieß zunächst einmal gar
nichts, wusste ich aus Erfahrung. Wir standen vielleicht einen halben Meter
auseinander und ich musste aufgrund des Größenunterschiedes meinen Kopf nach
oben strecken, um diesem Typen in di e Augen schauen zu können. War es
Überheblichkeit? Oder war ich zu besoffen?
Aber ich ging noch immer davon aus, dass es bei einem kleinen Wortgefecht bleiben
würde, bis …
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…bis seine Faust plötzlich und mit voller Wucht auf meine Oberlippe knallte. Der
Pisser schlug zu! Hart und schnell! Mein Körper schaltete sofort um.
Das sogenannte „Fight or Flight“ -Syndrom. Durch die schlagartige Freisetzung von
Adrenalin und eine erhöhte Herz- und Atemfrequenz wird der Organismus in eine Art
Alarmzustand gebracht. Fight or Flight – Kampf oder Flucht!
Die Entscheidung liegt bei jedem selbst. Der Körper ist bereit, härter zu kämpfen oder
schneller zu fliehen. Wie ein Raubtier. Nur noch ein Rest Vernunft blitzte ganz kurz in
mir auf. Was ist mit meinen Zähnen? Was ist da los? Vergiss es! Du musst kämpfen,
kämpfen, kämpfen.
Genau in diesem Moment prallte ein böser Tritt auf meinen Rippenbogen. Durch die
Wucht dieses gut getimten Angriffs wurde ich an die zwei Meter nach hinten
geschleudert. Was hatte der Typ vor? Ich hatte doch den ersten Schlag zu setzen, nicht
er! Verdammt! Rasen im Kopf. Fight or Flight? Fight! Von einem Moment auf den
anderen war ich voll da. Mein Ich war nur noch von Intuition und meinen langjährigen
Kämpfen in sämtlichen Situationen gelenkt. Ich musste das Feuer eröffnen, ich musste
ihn treffen. Links, rechts, kraftvoll gerade zum Kopf.
Fight! Er konterte. Seine Linke konnte ich gerade noch abfangen, die rechte Faust kam
durch und traf ungebremst meinen Kopf. Flight? Nein!
Keine Flucht! Niemals! Kampf!
Sein Treffer war nicht so schlimm – ich war noch da! Das zählte!
Um die Wirkung seiner Schläge zu erhöhen, drehte mein Gegner geschickt seinen
Körper ein und trat zu. Ich blockte mit den Unterarmen ab und erhöhte meine
Schlagkraft. Fight!
Das Adrenalin in meinem Blut gab den Befehl. Ich musste kämpfen! Mein rechter Hieb
entlud sich krachend auf seiner Nase. Der Nasenkamm brach auf. Was ist das? Blut!
Blut schoss aus seiner Nase! Ach wie geil, Bastardnsohn, verdammter!
Ein Gefühl wie im Rausch! Er wich langsam zurück. Das Zeichen für mich: Fight!
Nachsetzen!
Das war jetzt verdammt wichtig! Sozusagen überlebenswichtig! Er durfte sich nicht
mehr erholen! Ein kräftiger Tritt auf die kurze Rippe raubte ihm im Bruchteil einer
Sekunde jegliche Luft zum Atmen. Er bekam seine Arme gar nicht mehr hoch. Fight!
Der nächs te rechte Schlag prallte hart auf sein Jochbein. Fight! In der
Rückwärtsbewegung versuchte er, noch zwei Fausttreffer auf meinem Kopf zu landen,
doch seine Schlagkraft hatte bereits merklich nachgelassen. Ich hatte ihn! Und ich
konnte ahnen, was in seinem Kopf vorgehen würde: Flight! Flucht! Rückzug! Aber
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nicht mit mir, du hinterhältige kleine Dumme Kuh! Nicht mit Gott! Jetzt werde ich
Dich vernichten! Wieder war ich im Nebel und stand eher neben mir als mitten drin
im Geschehen! Wieder war jetzt ich, Max Bane, der Hauptakteur! Der Star des Films!
Einfach Gott! Oder eben der Vollstrecker! „Du mistige Drecksdumme Kuh“ schrie ich
jetzt in seine Richtung.
Die nächste Welle brandete auf. Links, rechts zum Kopf, Fußtritt zum Oberkörper. Die
Wucht dieser Volltreffer schleuderte ihn nach hinten. Die nächste Platzwunde. Über
seinem Auge. Das Blut lief. Kämpfe! Kämpfe!
Dumpf, hart und gewaltig knallte seine Faust in mein Gesicht. Was war das? Der Kerl
war doch am Ende! Meine beiden Vorderzähne wackelten – ein Stück schien weg
gebrochen zu sein. Fight! Links, rechts – ein Fußtritt mit voller Wucht auf seinen
Brustkorb. Er schnappte erneut nach Luft und taumelte rückwärts. Sein Widerstand
schien endlich gebrochen.
Links, rechts, links, rechts! Perfekt getimt! Voll in sein Gesicht. Die Fäuste explodierten
in seiner Visage. Er blutete aus unzähligen Wunden. Die Nase, der Nasenrücken, seine
Oberlippe, die linke Augenbraue – überall Blut! Ich hatte ihn gebrochen. Ihn, s einen
Widerstand, seine große Klappe – alles! Links gestreckt, rechter Schwinger. Fight!
Er stolperte nach hinten knallte gegen den Beton und lehnte fast regungslos mit dem
Rücken an der Wand. Stehend k.o. Er stand da, taumelnd, und konnte sich nur noch
an die Wand gestützt auf den Beinen halten. Seine Arme hingen kraftlos an ihm herab.
Mit de r nächsten Schlagfolge hätte ich ihn vermutlich bewusstlos geschlagen.
Erheblich schwerer verletzt. Aber irgendetwas in mir wollte das nicht. Auf einmal!
Nach so langer Zeit! Ich wollte diese ganze gottverdammte Scheiße echt nicht mehr.
Ich hatte so viele lange Jahre immer diesen Hass, dies Wut diesen Jähzorn in mir!
Aber jetzt auf einmal war das alles nicht mehr da! Zumindest nicht so, wie ich es bis
dahin kannte! Es war nichts Persönliches. Kein Hass, keine Feindschaft – nur ein
Kampf! Ein Scheiß beschissener Kampf! Den nicht mal ich wollte oder angefangen
hatte! Eine simple Kneipenschlägerei!
Und ich hatte gesiegt. Ich beugte mich zu ihm vor. „Hab ich
Dir nicht gleich gesagt, du sollst abhauen? Das hast du jetzt davon, Du dummes
Arschloch! Los, verschwinde! Hau einfach ab und verpiss Dich!“
Mitten in dieser Schlägerei, das sehe ich noch wie heute vor mir, an dem Punkt, als
ich spürte, ihn zu bezwingen, wurde ich von einem so starken Gefühl, welches aber
keinerlei Wut oder Hass oder Zerstörungsabsichten vermittelte durchströmt. Was war
das? Es war auch kein Glücksgefühl oder so! Nein, es war eher eine Art Souveränität.
Erhabenheit. Stolz. Überlegenheit. Alle Angst und alle Wut war plötzlich abgefallen.
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Nicht die Angst, verletzt zu werden, sondern die Angst, zu verlieren und mich
irgendwie zu blamieren! Ja, genau! Die Angst vor einer Blamage. Angst, vor den Jungs
nicht bestehen zu können und in der Gruppenhierarchie womöglich abzusteigen. An
diesem Punkt schien es, als ob das Adrenalin durch Endorphine verdrängt wurde. Und
genau in diesem einen Moment, hör zu denn das ist jetzt verdammt wichtig, Alter!
Genau an diesem Punkt konnte ich es so genau spüren, es veränderte sich mein
Gesichtsausdruck! Die Anspan nung fiel weg, und…ich musste lächeln. Während ich
trotzdem noch weiter auf ihn einschlug, hatte ich dieses entrückte, wahnsinnige
Grinsen im Gesicht. Ich sah nicht die rohe Gewalt in meinen Schlägen, sondern die
Perfektion. Die Kunst, den Gegner zu beherr schen! Ihn absolut zu kontrollieren! Ja,
ich spürte hier und jetzt das ich wirklich kein normaler Mensch, sondern wie schon
immer vermutet, Gott der Vollstrecker persönlich war! Und keiner dieser
erbärmlichen Würmer konnte mir in irgendeiner Form etwas anhaben! Nein, ich Max
Bane war im absolut Reinen mit mir und wusste, dass die Zeit gekommen war,
unterzutauchen und meine Familie zu gründen! Nicht mehr in diesem Sumpf aus
sinnloser Gewalt und Blutorgien immer einzutauchen. Das war nicht mehr meins! Das
war etwas für schwache Marionetten! Für alle Hüllen der Anderen. Die diese dazu
benutzen sich abzureagieren! Aber nicht mit mir! Ich war mehr! Schon immer!
Ich wollte keinen mehr verletzen! Nein, ich hatte genug von dieser ganzen Scheiße!
Ich musste raus aus dem ganzen Dreck!
Die Zeit war gekommen, und vor allem habe ich das auch erkannt, mich neu zu ordnen
und alles und jeden hinter mir zurückzulassen!
Komplett zurück!
Keine Erinnerung mehr daran, keine Gedanken mehr daran! Ich wollte lieben! Ich
wollte geliebt werden! Endlich geliebt oder gemocht oder wie ihr Normalos halt zu
diesen Gefühlsscheiß sonst noch so sagt!
Das alles wollte ich! Alles nur keine Gewalt mehr!
Denn das ich hier der Vollstrecker war, konnte ich in den Augen meines Gegners
ablesen. Da war die Angst vor Verletzung, Schmerz und Niederlage zu sehen. Die
Angst vor der Schmach und vor dem bösen Erwachen, das unweigerlich kam, wenn
das Adrenalin wieder langsam aus den Adern verschwunden war. Pure Panik,
Fassungslosigkeit und Unglaube standen in seinem zerstörten Gesicht geschrieben. Er
hatte vermutlich mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass ihm jemand mit einem
Lächeln im Gesicht seine Überheblichke it aus dem Kopf prügelt. Obwohl er
zugegebenermaßen echt gut war. Aber nicht so gut wie Gott eben!
221
Die Schlägerei war beendet. Die beiden Freunde meines Kontrahenten standen wie
paralysiert mit dem Rücken zur Wand und starrten auf ihren völlig derangierten
Kumpel. Sie waren geschockt!
Diesen Gewaltexzess mussten sie erst einmal verarbeiten. Und plötzlich ging Jan auf
die beiden Kerle zu und knallte dem einen ohne jedes Vorzeichen zwei Kopfstöße auf
die Nase. Das Nasenbein brach sofort und das Blut strömte dem armen Kerl über das
Kinn auf die Jacke. Ich war noch immer in einem dunklen, tiefen Tunnel. Was Jan da
tat, registrierte ich. Ich nahm es irgendwie hin, aber es berührte mich nicht mehr.
Mein Atem ging noch immer schnell und stoßartig, meine Fäuste waren noch immer
geballt.
Und dann drehte ich mich um. Da standen rund 20 Leute hinter mir und glotzten mich
an. Jungs von den City Boys, Kneipenbesucher, Schaulustige – Zeugen … Aber was
soll’s? Ändern konnte ich es nicht mehr. Der Typ war am Ende und diese Leute hatten
wohl alle gesehen, was da passiert war.
Scheiß drauf, wir gingen zurück ins „Dimi“ und bestellten zur Feier des Abends eine
weitere Flasche Korn. Ein paar Jungs kamen vorbei und klopften mir anerkennend auf
die Schulter. „Da macht sich ja das Boxtraining bemerkbar. Guter rechter Haken!“.
Und lauter so unnötige dumme Kommentare von diesen Idioten!
Wir tranken einfach weiter.
Nur 20 Minuten später stand mein Kontrahent schon wieder in der Eingangstür des
„Dimi“. Sein linkes Auge war stark zugeschwollen, über seinem rechten leuchtete ein
blutiger Cut. Die Nase aufgequollen, schräg auf dem Nasenrücken aufgeplatzt, das
linke Jochbein wirkte wie eingedrückt, die Oberlippe war aufgeplatzt. Obwohl er sich
augenscheinlich gewaschen hatte, sah der Kerl geradezu entstellt aus.
Er zeigte mit dem Finger auf mich und deutete an, dass ich herauskommen sollte. Wir
waren mittlerweile zu sechst am Tisch und meine Kumpels reagierten hocherfreut auf
die unerwartete Rückkehr dieser Schwachköpfe. „Die Idioten haben bestimmt
Verstärkung geholt. Na, denn los – hauen wir die Trottel eben weg“, sagte einer und
sprang von seinem Barhocker hoch. Jan, Bernd und Jockes folgten ihm, ohne zu
zögern.
Mir kam die ganze Situation seltsam vor. Was sollte das denn? Hatte der nicht schon
genug abbekommen? In dem Augenblick, als auch ich aus der Eingangstür hinaustrat,
kam mir im Treppenhaus schon Bernd entgegen. Er schien erregt und fuchtelte wie
wild mit s einen Händen. „Los, hau ab! Der Arsch hat die Bullen geholt! Die suchen
dich.“
222
Durch das Treppenhaus und das gläserne Foyer sah ich das Blaulicht aufblitzen. Das
durfte doch nicht wahr sein! So etwas gehörte sich doch nicht. Seit wann heulte man
sich bei der Polizei aus? Das war doch eine ehrliche Auseinandersetzung zwischen
zwei Jun gs. So etwas hatte man doch schon als kleiner Junge gelernt: Nur nicht
petzen, Herr Lehrer! Ich machte sofort kehrt und ging zurück ins „Dimi“, zog mich bis
in die hinterste Ecke zurück und überlegte fieberhaft nach einem Ausweg.
Bernd kam atemlos auf mich zu und berichtete, dass Jan bereits verhaftet worden
war. Er stünde mit auf dem Rücken gefesselten Händen am Streifenwagen.
Vermutlich war sein Hemd verrutscht und seine Knast -Tätowierung zu sehen – und
der Schriftzug „A C A B Bl ut und Ehre!“. So eine Scheiße! Ich schaute mich aufgeregt
um, aber „Dimi“ verfügte weder über einen Hinter - noch einen Notausgang. Die
Kneipe befand sich im zweiten Stock, somit fiel auch ein Sprung aus einem Fenster
aus. Es gab keinen Ausweg mehr.
In meinem Gehirn legte ich sofort den Schalter auf Notmodus um. Schlagartig
nüchtern, spielte ich alle denkbaren Optionen durch. Wie würden sich die
eingesetzten Polizeibeamten verhalten? Wie würde ich selbst vorgehen, wenn ich an
ihrer Stelle gerufen word en wäre? Worauf müsste ich unbedingt achten? Ich
ermahnte mich innerlich zur vollen Konzentration. Bleib ruhig, denk nach. Mach jetzt
keinen Fehler.
Wie würde dieser Typ mich beschreiben? Was war das Auffälligste an mir? Meine
auffällig blau gemusterte Kapuzenjacke? Weg damit! Diese Jacke würde den Bullen
sofort ins Auge springen. Weg, ausziehen, sofort!
Fieberhaft beobachtete ich den Eingangsbereich. Und da kamen sie auch schon. Zwei
Beamte und der Penner mit der gebrochenen Nase. Ich brauchte einen Fluchtweg.
Verflucht! Wie konnte ich hier denn wieder rauskommen? Noch einmal scannte ich
das Lokal ab. Das „Dimi“ teilte sich durch die große, hufeisenförmige Theke in zwei
Teile. Wenn sie die überfüllte Kneipe nach mir absuchen wollten, müssten sie sich
trennen oder einmal im Kreis herumgehen. Dies könnte vielleicht meine Chance sein.
Allerdings nur dann, wenn sie nicht einen dritten Beamten an der Tür platzierten. So
würden sie sicherstellen, dass niemand unkontrolliert den Laden verlassen konnte.
Ich musste auf einen Fehler hoffen. Und die beiden Polizisten machten diesen
taktischen Fehler tatsächlich. Sie hatten versäumt, an der Tür einen Sicherungsposten
zu platzieren. Die anderen Beamten waren vermutlich vor der Kneipe mit Jan und den
Jungs beschäftigt. Ich hatte meine Chance bekommen.
Die Polizisten starteten ihren Rundgang. Worauf würden sie noch achten?
Augenkontakt! Ja, das hatte ich gelernt: Augen lügen nicht. Kaum ein Mensch kann in
einer solchen Situation derart cool bleiben, ohne dass ihn seine Augen verraten
223
würden. Also: Augenkontakt vermeiden. Jeder noch so flüchtige Blick würde mich
verraten!
Aber es klappte wirklich und ich konnte in dieser Nacht, welche im Übrigen die letzte
war, in der ich Jan, Jockes, Ole Krüppel und die ganzen anderen verfickten
gleichgesinnten Hools vom Waldhof sah. Auch war ich danach nie mehr im Dimi oder
im 7er! Ich war fertig mit der Scene und tauchte richtig ab! Wie bereits Jahre zuvor
nach Japan! Bei den CB waren echte Freundschaften entstanden. Es war mehr als eine
Zweckgemeinschaft gewaltbereiter Fußballfans. Jan, Ole und ich fühlten uns wie
Brüder. Wir wussten häufig, was in dem anderen vorgeht, ohne ein Wort gesprochen
zu haben. Wir hatten dieselben Gedanken, dieselben Gefühle und dieselben
Ansichten. Es war nicht nur, dass wir regelmäßig zusammen zum Fußball fuhren – wir
verbrachten einen Großteil unserer Freizei t miteinander. Doch es war keine
geschlossene Gesellschaft. Aus unserer Dreiergruppe wuchs mit der Zeit ein immer
größerer Kreis.
Da war Jockes. Verheiratet, zwei Kinder, Reihenhaus, Betriebsleiter in einer
mittelständischen Druckerei, der sein Ventil im Fußball gefunden hatte. Zu Hause ein
gutmütiger, liebenswerter Vater und Ehemann, ließ er sich bei uns nicht zweimal zu
einer ordentlichen Schlägerei auffordern.
Jan war Maschinenbauer und begeisterter Mountainbike -Fahrer, Krüppel gelernter
Bundeswehrkoch und der Schalker in der Torpedoherstellung. Dann gab es da noch
Hehli, der sein Geld als Kassierer in einem Pornokino verdiente und Fritz, den
skrupellosen Türsteher. Und eben ich, der einfache Maler und Tapezierer. Was wir
waren, womit wir unser Geld verdienten, spielte in dieser Gruppe keine Rolle. Es gab
kein Standesdenken, keine Überheblichkeiten und keine Arroganz. Jeder war
akzeptiert, wir alle waren ganz einfach die „Jungs“. Die City Boys halt! Einer für Alle –
Alle für einen!
Da war aber nicht nur der „Fußball“. Wir gingen zusammen zum Sport – laufen, boxen,
Fitness, Sauna – und wir feierten bei jeder Gelegenheit, auch ohne einen besonderen
Grund. Zu jener Zeit fuhren wir am Wochenende häufig nach Frankfurt ins Omen. Es
gab seit vielen Jahren eine lockere Hooligan-Verbindung mit den Frankfurtern und wir
brauchten zu jener Zeit kein Auswärtsspiel vom Waldhof, um uns einfach mal wieder
mit den ganzen Vollpfosten vom Waldhof zu treffen.
Mit dem ähnlichen Sinn für Humor tranken und feierten wir bei unseren Besuchen
überall wie die Geisteskranken. So eine Party verließ man kurzzeitig nur für eine
schöne Frau oder eine gute Schlägerei. Aber wenn wir wollten, hatten wir tatsächlich
auch gute Manieren. Wir konnten durchaus einem alten Mütterchen freundlich die
Tür aufhalten – nur einen Moment später waren wir aber auch in der Lage,
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irgendeinem Fremden die Nase zu brechen. Beide Charaktereigenschaften gehörten
zu jener Zeit untrennbar zu unserem Wesen.
Aber diese außergewöhnliche Freizeitbeschäftigung, die im krassen Gegensatz zu
allen ethischen Grundsätzen des bürgerlichen Lebens stand, gab mir so viel! Wirklich
viel! Aber nun war die Zeit vorbei und ich konnte nur eins: Raus, weg von allem,
Abbruch komplett und niemals wieder einen von den Jungs sehen oder hören, das
war meine einzige richtige Chance jemals das von mir doch so sehr gewünschte
normale Leben zu erleben, das ja für Euch Normalos so normal und selbstverständlich
ist!
Und dabei verkörperte ich doch für viele gute Staatsbürger geradezu das Böse.
Zumindest wenn Ihr alle wüsstet was ich bin, wer ich bin und wie ich bin!
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Aus und vorbei – aber Frei
Mein Chef sah mich mit einem durchdringenden Blick an: „Wie alt bist du jetzt?“,
fragte er. Ich? Wie alt? Was soll die Frage um diese Uhrzeit, dachte ich, ohne etwas
zu ahnen. „Bist du nicht 29?“, bohrte er weiter.
„Wenn du es sowieso weißt, was fragst du dann?“
„Lies das hier!“, flüsterte er mir zu und zeigte mit seinem Finger auf die
aufgeschlagene Zeitungsseite. „Malergeselle ist Fußball -Hooligan“, stand da. In
großen Buchstaben. Die Schlagzeile. Malergeselle – Hooligan – Mannheim – 29 Jahre.
Die meinten mich. Das war meine Geschichte. Um Gottes Willen.
Mir wurde auf der Stelle übel. Es war wie ein Schlag in die Magengrube. In derselben
Sekunde verschwamm alles um mich herum. Das Gemurmel meiner Kollegen beim
Kartenspiel, die verbrauchte Luft, alles wurde blass und verzerrt. Mein Herz raste wie
verrückt. Cool bleiben. Lies den Artikel, Bane, und tu so, als wüsstest du von nichts,
versuchte ich mir einzureden. Diese Schmierfinken von der Zeitung! Diese Scheiß -
Bürokraten im Polizeipräsidium! Die wollten es mir also tatsächlich besorgen. Acht
Jahre lang hatten die mich nicht erwischt und sie würden es auch jetzt nicht schaffen.
Oder doch? Meine Gedanken überschlugen sich im Sekundentakt.
Mit mir hatte keiner gesprochen. Kein Vorgesetzter hatte mich zur Rede gestellt. Was
sollte das also? Woher wusste dieser Journalist von der Sache? Wie kam der zu seinen
Informationen? Wollten die mich rausekeln? Hintenherum? Nicht von Mann zu Mann,
sondern ganz perfide über die Medien? Was in diesem Text stand, stimmte sogar.
226
Irgendwie. Aber ich würde kämpfen. So schnell würde ich mich nicht kleinkriegen
lassen. Ich nicht!
Ich versuchte, ruhiger zu werden. „Das ist ja ein Ding“, sagte ich – wie in Trance, als
zöge mir jemand den Boden unter den Füßen weg. Mein Chef schaute mich nur an.
Wortlos fragend und enttäuscht zog er die Zeitung wieder vor sich auf den Tisch und
starrte ins Leere.
Acht Jahre lang konnte mir niemand etwas anhaben. Acht Jahre lang hatte ich
wochentags über gepinselt und Wände tapeziert und in meiner Freizeit als Fußball -
Hooligan Nasenbeine und Kieferknochen unzähliger Menschen gebrochen, aber ich
wurde bis dahin nie e rwischt. Kein Eintrag in der Personalakte, keine Strafanzeige,
keine Verurteilung. Gut, es kamen im Laufe der Zeit sechs Ermittlungsverfahren
zusammen und das war schon eine ordentliche Anzahl. Aber alle blieben ohne Erfolg.
Bewiesen konnte nie etwas werde n. Dazu gab es bestimmt noch ein gutes Dutzend
Verfahren, bei denen ich als Täter nicht ermittelt werden konnte, aber darüber
wusste nur ich Bescheid. Und ein paar meiner Jungs. Die konnten schweigen. Warum
also sollte mich mein Glück plötzlich verlassen?
227
Ich leugne nicht, daß ich vor nun 40 – 50 Jahren mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und dafür
bestraft worden bin; aber was ich damals in tiefster Depression und Zwangslage tat, würde in der
jetzigen, aufgeklärten Zeit nicht vor den Richter, sondern vor den Arzt gehören.
[Karl May am 4. August 1910.]
Familienbande:
(2000 - 2008)
228
Kann denn Liebe Sünde sein?
So kam es dann doch noch, wie es auch kommen musste, ich wachte auf und war mir
sicher, dieses Kapitel in meinem Leben abzuschließen. Mich umzudrehen und
davonzugehen. Es war soweit.
Das ist nicht planbar, aber wenn es soweit ist, dann weißt Du das einfach!
Und an diesem Morgen wusste ich das!
Ich schnappte mir meine Jeans und wollte gerade die Taschen überprüfen, um zu
wissen wieviel Kohle ich noch hatte, als ich den zerknüllten Zettel herauskramte.
An den hatte ich gar nicht mehr gedacht. Das stand die Nummer von dieser netten
Krankenschwester drauf:
„Sandy: 0172 4335567 Ruf doch mal an!“
Da ich Kris sowieso zum Teufel gejagt hatte, war das doch jetzt nicht mal die
schlechteste Idee, die Kleine mal anzurufen und sich einfach mal zu treffen. Denn die
war in dieser Nacht nicht nur sehr nett, sondern auch verdammt cool und so. Also
überlegte ich gar nicht lange, griff zum Handy und wählte ihre Nummer. „Hi, ich bins
der Max, Du erinnerst Dich? Ich bin der Typ, dem Du nachts im KH Deine Nummer
gegeben hast…“
2 Wochen später, Sandy und ich waren mittlerweile unzertrennlich und sahen uns
wann immer es irgendwie ging, stand ich mit meinem Videorecorder vor Ihrer Tür und
spätestens ab dem Zeitpunkt waren wir dann auch ein Paar und ich zog quasi bei ihr
über Nacht ein.
Ich liebte alles an dieser Frau:
Ihre Augen. Ihr Lächeln. Ihren Gang.
Ich hatte noch nie so etwas vollkommen Perfektes und Reines gesehen. Es war nicht
nur ihr blendendes Aussehen, nein. Auch ihr inneres „Leuchten“, ein helles Strahlen,
ihre Art, wie sie sich bewegte und trotzdem so umwerfend schön war, dass ich vergaß
zu at men. Unglaublich! Alles schien wie in Zeitlupe abzulaufen, wie in diesen
schrecklich kitschigen Schmachtfilmen.
Nur eben viel intensiver und vor allem im realen Leben. In MEINEM realen Leben!
Sie war so unglaublich, dass ich vom ersten Augenblick an wusste:
Das ist Sie. Sie! Die Eine!
Die Frau, die mich den Rest meines Lebens begleiten soll. Die Frau, mit der es endlich
klappen wird. Ich ließ für sie alles liegen und stehen. Wie ich fieberhaft nach Worten
suchte, die ihrer gerecht werden würden, wenn ich ihr etwas sagen wollte. Wie ich
nervös versagte und anfing zu stottern. Wie ich mich jedes Mal freute sie zu sehen.
Jede Sekunde dachte ich an sie.
Wohlgemerkt wir sprechen hier von mir! Dem Verrückten! Mir, Max Bane!
229
Und Sie war so wunderbar. Und sie liebte auch mich, das war spürbar zu merken!
Da ging es nicht um leere Worte oder so.
Nein, ich spürte bei ihr, das jedes Wort, jeder Blick, jede Berührung echt war.
Ich fühlte mich so wohl in ihrer Nähe. Es war so unglaublich.
Ich dachte keine einzige Sekunde an die Fußballzeiten. Nicht im Geringsten habe ich
noch an Kris oder so gedacht.
Ich vermisste absolut nichts. Null Komma null. Rein gar nix!
Ich spürte endlich Schmetterlinge im Bauch. Wenn Sie mich berührte, dann bekam ich
eine Gänsehaut. Alles an ihr war so zart und zärtlich.
Wir verbrachten jede Sekunde zusammen.
Wir kochten zusammen. Wir kauften zusammen ein. Wir putzten zusammen. Wir
spielten gemeinsam Squash. Wir gingen zusammen weg, wenn wir das überhaupt mal
taten.
Wir gingen zusammen ins Kino und machten zusammen ewig lange Spaziergänge im
Wald.
Wir joggten zusammen. Und vor allem fickten wir so oft und so lange miteinander.
Jeden Tag. Oft mehrmals, so, dass wir gar nicht mehr aus dem Bett kamen.
Ich nahm überhaupt keine Drogen mehr, denn Sandy war meine Droge. Nach ihr war
ich süchtig.
Ich brauchte gar keinen Kick mehr durch irgendwelche Gewalte xzesse, denn Sandy
kickte mich mit Zärtlichkeiten und Gefühlen, die so schön waren, das Du darüber
hinaus alles andere vergessen hattest. Sie war mein Lebenselixier!
Da sie oft Spätdienst im Krankenhaus hatte, suchte ich mir schon bald einen seriösen
Nebenjob als Barkeeper in einem guten Restaurant. So einen Job mit weißen Hemden
und Krawatte und so ein feines Zeug halt, das ich vorher nicht so wirklich gut fand.
Aber ob ihr es mir glaubt oder nicht, das stand mir sogar ausgezeichnet! Und so
vergingen die Tage und die Wochen und schon bald auch die Monate. Aus dem Herbst
wurde Winter und aus dem Winter wurde Frühling. Das Zusammenwohnen klappte
auch perfekt. Ich war schon bald ein richtig guter Hausmann, so als hätte ich noch nie
etwas Anderes getan. Im Frühjahr war es auch, als Sandy mich dazu überredete mich
für die Meisterschule anzumelden. Und obwohl ich davor schon sehr viel Respekt
hatte, nahm ich dieses Wagnis mit Sandy an meiner Seite auf. Und das war gut so. Das
Lernen bereitete mir keinerlei Probleme und ich war schon nach ein paar Wochen
einer von den guten Meisterschülern. Sandy animierte mich zu absoluten
Höchstleistungen und ich wuchs immer mehr über mich hinaus.
Wie soll ich sagen, es war eigentlich alles perfekt. Richtig geil und vor allem so
harmonisch und alles geregelt und so. Durch die Meisterschule wurde ich auch schon
bald bei mir im Geschäft Vorarbeiter. Es wurde auch hier sozusagen, mir gegenüber
Respekt aufgrund meiner Leistungen gezollt. Wohl gemerkt wegen meiner Leistungen
und nicht, weil ich so cool oder so stark oder so war. Nein, ich musste dazu keinen
klatschen, ich musste auch keinem etwas beweisen, die erkannten alle um mich rum,
dass ich etwas leistete und zollten dem Respekt.
230
Und das tat so gut. Ich kannte das ja so nicht. Noch nie hatte ich mir Respekt wegen
einer guten Leistungen verdient!
Früher hatte ich nur gelernt mich über Gewalt zu definieren. Das war das einzige, was
ich eigentlich gut konnte. Ich konnte perfekt Leuten Schmerzen aller Art antun. Ich
hatte die Fähigkeit, egal wen, wann immer und in jeder Situation fertig zu machen.
Das war meine Stärke! Ausschließlich körperlicher Art. Aber doch nicht geistiger!
Nein, diese Dimension von Anerkennung verdankte ich ganz allein Sandy und was sie
mit ihrer Liebe zu mir aus mir herausholte!
Liebesgedicht von Max B.
Du bist du ein Kind dieser Sterne, bist ein Engel des Lebens.
Du bist der lebende Beweis für mich, dass es Elfen und Feen wirklich gibt.
Du bist ein Wesen aus Licht, eine ewige Quelle der Freude.
Ich gebe mein Leben für dich, glaub mir, denn Gott ist mein Zeuge.
Du bist das größte Geschenk in diesem Leben für mich, denn du bist wunderschön
lebendig, wie das Leben an sich halt ist.
Und täglich rettest du mich, deshalb verspreche ich dir heute:
Ich würde sterben für dich, auf jeden Fall!
Es ist doch so, dass derjenige einsam bleibt, der nur an sich alleine denkt, weil dieses
Leben nichts wert ist, wenn man es keinem schenkt.
Und auch weil sich die Liebe erst mehrt, wenn man sie nicht für sich allein behält!
Du bist wie ein Lied, wie ein Gedicht für mich, für Gott und für die Welt!
Da du mich immer dran erinnerst, dass es Engel auf Erden gibt!
Eine Liebe die grenzenlos ist, ein Versprechen das ewig währt.
Eine Quelle die nie versiegt, und allem zu Grunde liegt!
Weil Du heilende Hände hast und dein Herz auf der Zunge trägst.
Weil Du Schmerzen verschwinden lässt, mit einem Lächeln das Bände spricht!
Weil dein Verständnis kein Ende nimmt und deine Seele unendlich ist!
Weil Deine Sätze Gebete sind, die Du für mich sprichst!
Und auch aus tausend anderen Gründen liebe ich dich!
Wir verlassen die große Energie, um geboren zu werden und wir kehren zu Ihr zurück
indem wir sterben!
Doch Dich, mein Schatz hat der Himmel geschickt, denn Du bist wie eine Engel für
mich, wir beide sind im Herzen und in der Seele vereint!
Deswegen lass es mich sagen, singen oder auch schreien:
Sandy, ich liebe dich so sehr!
231
Alles auf Anfang
Ich kenne nichts...
Ich könnte tagelang von ihr erzählen und das ohne ihren Namen auch nur einmal zu
erwähnen. Unter Schmerzen oder unter Tränen würde ihr Name als meine
Linderung dienen!
Jede ihrer Bewegungen sind erstrebenswert und jede Stunde mit ihr ist so
lebenswert.
Denn nichts ist vergleichbar mit dem was sie mir gibt, mit dem was sie mir alles vom
Leben zeigt, mit dem wie sie lebt und vor allem wie sie mich liebt.
Ich kenne nichts, das so schön ist wie sie...
Schöne Tage mit ihr sind kostbar, so kostbar wie der Weg zum Morgenstern.
Ich zelebriere sie wie einen Festtag, an dem ich immer wieder neues von ihr lernen
kann.
Im Moment ist es das Schönste für mich sie zu kennen. Mit ihr zusammenzuleben!
Es ist so schön, so wahnsinnig schön! Wunderschön ist wirklich Jede der 60
Sekunden in jeder einzelnen Minute von den 60 die es in jeder der 24 Stunden an
den 365 Tagen im Jahr gibt.
Und ich spreche hier nicht nur von Jahrzehnten, sondern eher von Jahrhunderten, ja
von den Ewigkeiten, in denen jeder Augenblick so wahnsinnig schön mit ihr ist!
Sie zu kennen heißt sie zu lieben, sie ist das Beste das ich jemals hatte.
Verzeih mir, falls ich Dich langweile, aber das hier muss ich noch erklären:
Ihren Namen zu nennen ist wohl das Schönste was ich überhaupt sagen kann, das
schönste das ich aussprechen kann, denn ich kannte bisher wirklich nichts, das so
schön ist wie sie...
Ihr Name lautet S-A-N-D-Y!
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Jeder bekommt, was er verdient! Ich werde mich zurücklehnen und an dem Tag, an
dem das Sie beschließt mich zu heiraten, die Show in vollen Zügen genießen. Und
natürlich werde ich ja sagen!
12. Dezember 2000
Willst Du meine Frau werden?
Mich ehren und lieben, so wie ich es mit Dir tue?
Oh Sandy, irgendwie, irgendwann werden unsere zwei Welten eine sein.
Ich will nicht erst im Himmel für immer und ewig eins mit Dir sein, sondern schon jetzt
hier auf Erden!
Oh bitte sag, dass Du bei mir für immer bleiben willst. Werde meine Frau!
Du weißt, es stimmt, aber Baby, du kannst mir glauben, wenn ich sage, ich bin hilflos
ohne Dich, dann stimmt das genauso wie ich es sage. Das sind keine leeren Sprüche
von mir. Nein, ich sage das nur, weil es die Wahrheit ist, weil ich Dich so sehr liebe!
Deswegen habe ich Dir das folgende geschrieben:
Die Liebe hat mich erwischt, die Liebe kam so schnell über mich.
Ich traf ein Mädchen, verrückt nach mir so wie ich nach ihr.
Wie weit sind wir dann gegangen?
Sie rettete mein Leben, das mein ich ehrlich!
Es war fast wie Liebe auf den ersten Blick.
Sie gab mir Ihre Nummer, und ich rief auch an.
Dann sahen wir uns, und auf einmal erschien die ganze verrückte Welt so klein um
uns herum.
Im Fokus des Lebens stand auf einmal nur diese eine Liebe!
Ob es die einzig wahre Liebe ist, von der man immer liest?
Ja, ich denke, nein eigentlich bin ich mir sicher, dass sie es ist!
Dann küssten wir uns und das war wirklich das schönste was ich bis dahin erleben
durfte.
Diesen zuckersüßen Kuss werde ich niemals wieder vergessen.
In diesem einen Kuss lag so viel Zärtlichkeit, so viel Liebe und so viel Hoffnung.
Und wenn Dein Kuss meine Lippen erreicht, dann ist das so wie Gottes Reich auf
Erden!
Und wenn dann mein Kuss meine Lippen verlässt, dann nur damit Du Liebe
empfängst.
Durch die Nacht und das dichteste Geäst, damit Du keine Ängste mehr kennst.
Sag ein kleines Stückchen Wahrheit und sieh wie die Wüste lebt.
Schaff' ein kleines bisschen Klarheit und schau wie sich der Schleier hebt.
Eine Wüste aus Beton und Asphalt, doch, sie lebt und öffnet einen Spalt, der Dir neues
zeigt, zeigt das altes weicht. Auch wenn, wenn Dein Schmerz bis an den Himmel reicht.
Dieses Gedicht ist nur für Dich, es wäre schön, wenn es Dir gefällt.
Denn es kam so über mich, so wie die Nacht über die Welt.
233
Schnellt Gefahr aus der Dunkelheit, dann bin ich zum ersten Schlag bereit.
Ich bin der erste, der Dich befreit und einer der letzten, der um Dich weint.
In unserer Sanduhr fällt das letzte Korn, ich habe gewonnen und hab ebenso verlor
‘n.
Jedoch missen möcht ich nichts, alles bleibt unser gedanklicher Besitz.
Und eine bleibende Erinnerung, die sich zwischen Tag und Nacht legt wie die
Dämmerung.
Vielleicht klingt es für dich kitschig, wenn ich sag´: "Ich vermiss dich"
Doch so viele Dinge passieren jeden Tag die du nicht mitkriegst!
Manchmal, wenn ich allein bin und Du halt nicht da bist in meiner Nähe, dann sitz ich
hier mit dem Blick nach Oben, schau in die Ferne, über mir leuchten tausende Sterne,
aber keiner davon leuchtet so hell wie Du!
Dann wünsche ich mir, dass Du nach Hause zu mir kommst.
Komm nach Hause! Wie gerne hätte ich dich jetzt hier bei mir.
Aber das ist leider nicht machbar, das weiß ich ja.
Außer übertrieben viel Liebe für dich, kann ich eigentlich nichts Anderes empfinden.
Oh Sandy, das sind alles Worte, die ich Dir gegenüber niemals so sagen könnte und
auch wohl bisher nie im Stande war zu sagen!
Es gibt da einiges nachzuholen für mich und ich bin mir sicher du weißt wie ich es mein
Ohne Dich fühle ich mich so allein….
Deswegen möchte ich Dir einmal Danke sagen.
Ich will Dir nochmal Danke sagen, Dich zu sehn' ist das größte Geschenk für mich!
Immer wenn ich an Dich denk, so genau wie in diesem Moment, möchte ich Dir
einfach Danke sagen, einfach Danke für dich. Danke dass es Dich in meinem Leben
gibt!
Kann es sein, dass Du manchmal mit mir sprichst, wenn ich schlafe?
Oder sind das nur Wunschträume von mir?
Kann es sein, dass Du auch an mich denkst, wenn Du nicht da bist?
Oder sind das nur Hoffnungen, die ich halt habe, weil ich Dich so sehr vermisse!
Mein Auftrag lautet, das ich jeden Tag und Nacht auf Dich aufpassen muss, besser
gesagt will!
Wie auf mein eigenes Baby, ich werde da sein, wenn unser Kind aufwacht.
Ich bin da für Dich, wenn Du flachliegst, ich möchte Dir Kraft geben und ich werde auf
Dich Acht geben.
Du bist der einzige Beweis, dass Engel existieren, der Engel, der wenn ich falle, mir
sagt:
„Ich hab dich, ich lasse Dich nicht fallen!“
Oh mein Schatz, sag willst Du meine Frau werden?
Ein einfach schlichtes Ja, genügt mir hier und ich bin der glücklichste Mensch auf
Erden und werde Dir den Himmel auf Erden holen.
Das verspreche ich Dir schon jetzt!
Dein Max
234
Ein Traum in Weiß
So, dann ist es morgen also soweit. Ich, Maximilian Christian Bane werde in den Stand
der Ehe eintreten. Mit meiner über alles geliebten Sandy.
Ich werde heiraten! Das ist so unglaublich, denn das war die letzten Jahre wirklich das
letzte woran ich gedacht hätte.
Ich werde den Rest meines gottverdammten beschissenen Lebens mit der Frau
meiner Träume verbringen dürfen. Das bedeutet, dass es ab morgen eine Frau Sandy
Bane geben wird!
Das ist so unglaublich…
Das einzig dumme dabei, ist das ich diese Freude mit keinem anderen teilen kann, da
ich ja absolut keinen Kontakt mehr zu irgendwem habe.
Weder zu irgendwelchen Verwandten, da Max Bane keine Verwandten hat.
Laut meiner offiziellen Vita sind meine Eltern ja bei einem Autounfall beide ums Leben
gekommen. Meine Großväter hatte ich nie gekannt, da diese beiden im Krieg gefallen
waren.
Von meinen Omas lebt leider auch keine mehr und andere Verwandte hatte ich noch
nie.
Weder hatten mein Vater noch meine Mutter Geschwister. Da ich selbst auch ein
Einzelkind war gibt es nur noch mich. So einfach ist das!
Und da ich erst kurz bevor ich Sandy im Krankenhaus kennengelernt hatte, hierher in
den Rhein-Neckar-Kreis gezogen bin und vorher lange Zeit in Japan lebte, habe ich
sozusagen auch keinerlei Freunde oder so, die mich aus der Zeit vor Sandy kannten.
Das entspricht zwar in keinster Weise der Wahrheit oder dem realen Leben, aber das
ist die jetzt gültige Wahrheit, denn für Sandy bin ich der nette Maximilian und nicht
der harte Assi-Typ vom Waldhof oder ein Scheiß Straßenschläger, der ich ja wirklich
war.
Nein, da gibt es keine asoziale Jugend in irgendwelchen verrufenen Stadtvierteln von
Würzburg, geschweige denn einen Aufenthalt in der Anstalt oder so.
Wenn Sandy wüsste wie vielen Menschen ich unglaubliche Schmerzen zugefügt habe
oder auch nur ansatzweise eine Ahnung hätte von den, sagen wir mal Tötungsdelikten
etc. dann wäre das definitiv das Ende. Und da wir jetzt aber am Anfang stehen, wird
alles so b leiben, wie es jetzt Gültigkeit hat. Und dafür werde ich alles tun. Und wer
mich kennt, das ich damit auch wirklich alles meine! Ohne Ausnahme, ohne Grenzen!
235
Denn über meine Sandy muss man wissen, dass sie ein so guter Mensch ist, der nichts
Anderes tut als Gutes zu tun. Deshalb ist Sie ja auch Krankenschwester. Aber das ist
sie nicht, weil sie nichts Anderes tun oder gelernt hat, nein sie hat ja auch ein Abitu r
mit einem Notendurchschnitt mit 1,5! Nein, Sandy ist wirklich Krankenschwester aus
Berufung um Menschen zu helfen und ihnen Gutes zu tun.
Das ist auch ein Grund, warum ich sie unter anderem so liebe. So unglaublich sehr
liebe.
Von wegen ich könnte mit meiner „Krankheit“ keine Gefühle oder so haben. Das
stimmt nicht, scheiß auf alle sogenannten Fachärzte und deren Gutachten und
Diagnosen über mich!
Alles ein Scheißdrecks-Fake von denen. Nein, natürlich kann ich lieben und Gefühle
haben!
Denn das lag nicht an mir, sondern an die Menschen, die um mich rum waren!
Seien es meine falschen Eltern, diese Bastardnverräter, die mich in jungen Jahren in
die Klapse gebracht hatten, die mich vorher schon gehasst hatten, oder seien es
irgendwelche Drecksdumme Kuhn, mit denen ich bisher zusammen war.
Bisher hatten mich doch alle Menschen, die ich in meinem Leben an mich rangelassen
hatte, entweder ausgenutzt oder aber sie haben mich schlicht nicht geliebt.
Sandy ist wirklich der erste Mensch in meinem ganzen verfickten Leben, welcher mich
aufrichtig von sich aus liebt! Die so zärtlich ist zu mir, bei der ich mich so verdammt
gut und wohl fühle!
Ich habe in ihrer Nähe absolut keinerlei Gedanken an irgendwelche Gewaltakte oder
auch nur schlechte Gedanken!
In ihrer Nähe denke ich echt auch nur gut. Das färbt ab. Und wisst Ihr was? Das tut so
gut, das kann man sich nicht vorstellen.
Ich gehe regelmäßig zur Arbeit. Arbeite sogar noch nebenher in einem richtig guten
edlen Restaurant, so mit Hemd und Krawatte und schick. So mit guten Manieren, die
ich ständig bei mir freiwillig erweitere!
Ich besuche die Meisterschule und bin dort auch noch dazu gut.
Wir machen zusammen echt alles, wir so gerne zusammen, das ist echt der Hammer.
Und jetzt heiraten wir morgen wirklich!
So mit Kirche und allem Schnickschnack. Sie wird in weiß vor den Altar treten, mit
Schleier und so.
236
Und ich bin so aufgeregt. Dabei habe ich schon richtig viel erlebt im Leben, oder
besser gesagt es gibt nicht viel das ich noch nicht erlebt habe. So viel Krasses und
unglaubliches habe ich schon erlebt, aber auf morgen bin ich so gespannt und so
aufgeregt wie echt noch niemals davor.
Ich weiß noch, wie aufgeregt ich war, als ich Sandy endlich gefragt habe, ob sie mich
heiraten möchte und sie sagte einfach nur so ganz schlicht und ohne Wenn und Aber
einfach „Ja, Max. Ich will!“
Das war es. Dann strahlte sie mich so an, mit ihren unglaublichen Augen und ihrem
unglaublichen Lächeln strahlte sie mich an und sagte einfach „Ja!“.
Oh mein Gott ich liebe diese Frau so sehr und freue mich auf morgen.
Ich freue mich auf meine Frau. Auf Frau Sandy Bane.
So und jetzt hoffe ich, dass ich noch ein bisschen schlafen kann, damit ich morgen
auch noch alles mitbekomme von unserem großen Tag!
16. Juli 2001
Ich liebe Dich!
Ich liebe Dich, weil ich Dich lieben muss;
Ich liebe Dich, weil ich nichts anders kann;
Ich liebe Dich nach jeden Tages Schluss;
Ich liebe Dich durch einen Zauberbann.
Dich lieb’ ich, wie die Rose ihren Strauch;
Dich lieb’ ich, wie die Sonne ihren Schein;
Dich lieb’ ich, weil Du bist mein Lebenshauch;
Dich lieb’ ich, weil Dich lieben ist mein Sein.
Du meine Seele, du mein Herz,
Du meine Wonne, o du mein Schmerz,
Du meine Welt, in der ich lebe,
Mein Himmel Du, in dem ich schwebe,
O Du mein Lebenselixier, durch das
Ich erst weiß, was Leben ist!
Du bist die Ruh’, Du bist der Frieden,
Du bist der Himmel hier auf Erden.
Dass du mich liebst, macht mich glücklich,
Dein Blick hat mich mir selbst gezeigt,
das ohne Dich meine Leben leer nur bleibt,
237
Mein guter Geist, mein besseres Ich!
Du bist meine Königin, so königlich!
Du bist die Sonne, die nicht untergeht,
Du bist der Mond, der stets am Himmel steht;
Du bist der Stern, der, wann die andern dunkeln,
Noch überstrahlt den Tag mit seinem Funkeln.
Du bist das sonnenlose Morgenrot;
Ein heiterer Tag, den keine Nacht bedroht;
Der Freud’ und Hoffnung Widerschein auf Erden –
Das bist du mir, mehr kannst du nicht werden!
Wie ich dich liebe? Lass mich zählen wie.
Ich liebe dich so tief, so hoch, so weit,
als meine Seele blindlings reicht, wenn sie
ihr Dasein abfühlt und die Ewigkeit.
Ich liebe dich bis zu dem stillsten Stand,
den jeder Tag erreicht im Lampenschein
oder in Sonne. Frei, im Recht, und rein
wie jene, die vom Ruhm sich abgewandt.
Mit aller Leidenschaft der Leidenszeit
und mit der Kindheit Kraft, die fort war, seit
ich meine Heiligen nicht mehr geliebt.
Mit allem Lächeln, aller Tränennot
und allem Atem. Und wenn Gott es gibt,
will ich dich besser lieben nach dem Tod.
238
Unsere heile, kleine Welt
15.März 2003
Meine geliebte Sandy,
viele Jahre gehen wir nun schon durch dick und dünn.
Ich genieße jeden Augenblick, den ich mit Dir verbringen kann und möchte Dir in
diesem Zuge sagen, dass Du das Wichtigste und Wertvollste in meinem Leben bist.
Ich liebe Dich über alles!
Danke, dass du immer für mich da bist…
Danke, dass es dich gibt…
Danke, dass du an meiner Seite bist…
Danke, dass du mich nie im Stich lässt…
Danke für deine Güte, Herzlichkeit, Wärme und Liebenswürdigkeit…
– und vor allem Danke, dass du mich liebst.
Ich geb’ Dich nie wieder her und freue mich auf eine wunderschöne Zukunft mit Dir.
Denn Du bist mein allerbester Schatz auf Erden…
Ich liebe Dich so sehr und bin unendlich dankbar, mit Dir an meiner Seite durchs
Leben schreiten zu dürfen.
Du bist das Beste, was mir je passiert ist. Danke, dass es Dich gibt!
Dein Max
239
14.Februar 2004
Du und ich!
Das bedeutet wunschlose Seligkeit!
Und strömt deine Nähe über mich,
mein Alltag wird zur Sonntagszeit!
Unsterblich schlingt das Leben sich um uns.
Und Menschengöttlichkeit fühl’ ich bei Dir durch Dich.
Was einst gewesen, weiß ich kaum,
die enge Welt wird weiter Raum!
Was jetzt und hier ist, dass weiß ich genau,
Mit Dir hier allein, das ist mein größter Traum!
Du gibst mir hier das Paradies auf Erden,
so, dass ich wunschlos glücklich bin!
Ich weiß nicht mehr, wie es ohne Dich hier wäre.
Ich weiß nicht mehr, ich weiß nicht mehr!
Wir gehen am Meer im tiefen Sand,
die Schritte leicht und Hand in Hand.
Das Meer geht unglaublich mit,
wir werden kleiner mit jedem Schritt!
Wir werden endlich winzig klein,
und treten in eine Muschel ein.
Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn,
Und werden stets schöner, so wie die Perlen es tun.
Wir träumten voneinander,
und sind davon erwacht,
Wir leben, um uns zu lieben,
und das nicht nur in der Nacht!
Du tratst aus meinem Traum heraus,
240
aus Deinem trat ich hervor,
Wir zwei haben uns gefunden und nicht verlor ‘n!
Du bist die Rose meiner Liebe,
bist die Rose meines Lebens!
Und könnten Dornen mich da stechen,
Von Schmerzen hätte ich keine Spur!
Der Raum für meine Rose muss bleiben,
Die mir zu bleiben ewig schwur!
241
Ein kleiner Wunsch wird wahr
Ich war so glücklich, dass ich die Welt um mich herum vergaß.
Ich hatte schon viele kaputte Beziehungen hinter mir. Es lag fast immer an den mir
selbst und nicht mal so sehr an den jeweiligen Mädchen, mit denen ich mich traf.
Etwas störte immer, passte nicht richtig zusammen. Aber bei Sandy war das alles
anders sein, es war perfekt!
Einsam und verträumt liegt der kleine Ort genau zwischen Mannheim und Heidelberg.
Hier auf dem Land, wo die Welt noch in Ordnung war, kannte man fast jeden
Bewohner im Ort. Es war echt überhaupt kein Problem für mich alle anderen nicht
mehr zu sehen, das war sogar sehr wichtig zu dem Zeitpunkt, da Sandy von meinem
kompletten Vorleben so nichts wusste oder wissen durfte. Aber irgendwie habe ich
mich auch gefreut, denn wer wohnt denn nicht gern so idyllisch und friedlich auf dem
Land, direkt an einem Waldrand und so.
242
Max ist glücklich
16. Januar 2005
Warum ich dich liebe?
Ich liebe Dich weil Du mich liebst!
Ich liebe dich weil Du ich bist!
Ich liebe Dich weil ich du bin!
Ich liebe dich für alles was du bist!
Ich liebe dich weil Du alles bist!
Ich liebe dich weil wenn dich nicht leiben was dann sonst?
Ich liebe dich weil man dich einfach nur leiben kann!
243
13.Mai 2005
Ein Blumenglöckchen vom Boden hervor,
war früh gesprosset in lieblichem Flor;
Da kam ein Bienchen und naschte fein.
Die müssen wohl beide füreinander sein.
244
15. August 2006
Ich sehe dich in tausend Bildern,
schön und lieblich ausgedrückt,
Doch keins von allen kann dich schildern,
Wie meine Seele dich erblickt.
Ich weiß nur, dass der Welt Getümmel,
seitdem mir wie ein Traum verweht.
Und ein unnennbar süßer Himmel,
mir ewig im Gemüte steht!
245
07. September 2006
Hi, mein geliebter kleiner Schatz,
Wie sehr ich dein, soll ich dir sagen?
Ich weiß es nicht und will nicht fragen!
Mein Herz behalte seine Kunde,
wie tief es Dein ist im Grunde.
O still! Ich möchte sonst erschrecken,
Könnte ich die Stelle nicht entdecken,
Die unzerstört für Dich verbliebe,
beim Tode Deiner Liebe.
Ich liebe Dich, du Seele, die da irrt,
im Tal des Lebens nach dem rechten Glücke,
ich liebe Dich, die manch ein Wahn verwirrt,
der manch ein Traum zerbrach in Staub und Stücke.
Ich liebe Deine zarten schönen Schwingen,
die in meinem Herzen für immer bleiben;
ich möchte Dich mit Liebe ganz durchdringen;
ich möchte dich in allen Höhn und Tiefen auf Händen tragen!
246
Alltag und was der so mit sich bringt
Max B. über die Liebe
Was weiß denn ich warum es nicht mehr ist wie es mal war?
Ach komm, ist doch scheißegal!
Jedenfalls seit wir uns kennen und uns durchs Leben scrollen,
ignorieren wir wer wir wirklich sind!
Weil wir uns anders hätten haben wollen, nicht so wie wir wirklich sind!
Sondern als Traumgebilde unserer Träume. Als Illusion unserer eigenen Scheinwelt!
Als eine Art Superhelden, denen alles so einfach gelingt, richtig?
Aber unterm Strich sind wir doch nur einer von vielen.
Es ist dir doch egal, was ich noch spüre, oder?
Ich bleibe hier, keiner kann mich wegbewegen.
Es tut mir leid, ich schein hier festzukleben, Müdigkeit, ist echt ein Dreck dagegen!
Es war ja echt gut gemeint, nur hat es seinen Zweck verfehlt.
Mich hat die Wahrheit nicht befreit, sondern festgelegt!
Uns hat die Klarheit nicht vereint, sondern separiert, so das ich denke, das das Ende
nahe ist!
Denkst Du das etwa auch?
Es ist schon längst passiert und auch wenn's mich nicht mehr berührt:
Mal ehrlich, wer wäre ich, wenn ich mich selber sehen würde?
Ich habe ein halbes Leben gebraucht, um diese Zeilen zu schreiben.
Um dir auf diese Art und Weise meine Gefühle zu zeigen.
Und diese Liebe in mir in Worten zu beschreiben, um mit Dir meine Hoffnungen und
genauso auch meine Sorgen zu teilen.
Auch wenn es mir schwerfällt, die Wahrheit niederzuschreiben, so bleibt doch der zu
beneiden, der sich darauf einlässt und die Wahrheit mit jedem teilt.
So kann die Wahrheit nicht für immer im Verborgenen bleiben, denn was die Zukunft
uns bringt, das können wir nicht morgen entscheiden!
Du hast Dich doch längst schon entschieden, nicht mehr nur ängstlich zu leben.
Du willst Dich weiter verändern, um etwas weiterzugeben.
Du hast schon zu lange überlegt, dass unser Leben einfach zu kurz ist, um sich ihm
nicht zu ergeben.
Den alles was uns umgibt auf diesen blauen Planeten, ja alles was existiert ist von
Bedeutung für jeden von uns.
Du findest Frieden in Dir und wehrst du dich nicht mehr dagegen, Du nimmst egal was
passiert, es als Teil deines Lebens an.
Und das ist gut so!
247
12. Dezember 2008
Hallo Sandy,
Warum geriet die Menschheit über die Jahrtausende hinweg jedes Mal, wenn sie
wissenschaftliche, philosophische, oder religiöse Systeme errichtete, auf Abwege?
Und zwar mit solcher Hartnäckigkeit und mit solch katastrophalen Konsequenzen?
Die Antwort liegt irgendwo in jenem Bereich unserer Existenz, der so massiv von
organisierten Religionen verdunkelt und außerhalb unserer Reichweite platziert
wurde. In dem Bereich der uns von den Anderen vorenthalten wird. Den sie uns
niemals zeigen wolle n, denn, wenn wir diesen Bereich mit allen Antworten sehen
könnten, ja dann würden wir diese auch wissen. Und wenn wir alle Antworten wissen
würden, dann würden wir ja auch erkennen, was die Anderen alles tun, um uns vom
richtigen Leben abzuhalten. Was die Anderen uns alles vorenthalten, nur um uns zu
kontrollieren. Die Anderen, das sind die wahren Schweine. Das sind alles
gottverdammte Bastardnsöhne! Seit so langer Zeit bestimmen die schon unser Leben,
von dem wir denken, dass es das wahre Leben wäre. Doch ich sah das Licht! Ich kann
Euch allen erzählen, was uns das „echte“ Leben wirklich bieten könnte, aber das wäre
den Anderen nicht recht. Nein, eher nicht! Ja die Anderen verblenden die Realität und
lassen uns nur die Bereiche sehen, die von ihnen gesteuert und kontrolliert werden
können!
Ich habe Dir das noch nie erzählt, aus Angst das du mich dann vielleicht für komplett
durchgedreht halten würdest. Wahrscheinlich würdest Du denken, dass ich
vollkommen irre wäre und dann würdest du den größten Fehler begehen, den Du
überhaupt tun könntest . Aber ich weiß, dass du dies nicht absichtlich machen
würdest, sondern im guten Glauben daran, dass ich geistig krank oder zumindest
verwirrt wäre und deshalb würdest Du wahrscheinlich einen Arzt kontaktieren. Doch
das würde reichen, um die Anderen auf meine Spur zu bringen!
Das ist ein sehr großes Problem! Das ist auch der Grund, weshalb ich Dir noch nie von
den Anderen berichtete. Ich bin mir auch noch nicht sicher, ob bzw. wie ich es Dir so
sagen kann, das auch du erkennst, wie es wirklich um uns herum aussieht. Oh Sandy,
mein über alles geliebter Schatz, ich liebe dich und unsere kleine süße Emilie so sehr,
dass ich das mit Worten gar nicht genug ausdrücken kann.
Dein Dich so unglaublich liebender Max
248
19. Januar 2009 / Hilferuf
Von dem Problem, das ich im Nachfolgenden schildern werde, würde man
normalerweise in der 3. Person erzählen. So ähnlich wie: “Ich habe da einen
Bekannten, der/die…“. Aber das ist leider NICHT so, denn es geht im Realen um Mich
bzw. um das in meinem Kopf, dass ich leider nicht immer so kontrollieren kann, wie
ich mir das wünsche und dadurch immer irgendwie oder irgendwo Stress kriege und
das nicht nur mit Fremden oder Idioten, nein leider auch mit meinen Liebsten um
mich herum.
Und da ich, zumindest denke ich das selbst über mich, eigentlich ein
harmoniebedürftiger Mensch bin, der vom Grunde her nicht streiten möchte, habe
ich das Bedürfnis, dass ich dieses unbekannte Etwas, das da in mir schlummert,
genauer kennenlernen möchte und auch verstehen will und vor allem aber: dass ich
es entweder für immer zerstören kann oder aber mind. soweit zurückdrängen kann,
dass es nie mehr wieder in mir hochkommen kann und Kontrolle übernimmt. Denn
ich bin ich und ich hasse mich selbst in diesen Momenten.
Aber ich denke, dass ich am besten erst mal beschreibe, was ich hier eigentlich genau
meine und vielleicht kennt ja der Eine oder die Andere dieses Problem genauso wie
ich und ist bereits weiter. Ich versuche mal eine Situation anhand des folgenden
Beispiels so genau wie möglich zu beschreiben (wobei das nur eines von ganz vielen
von der Sache her unterschiedlichen, aber im Ergebnis gleichen Problemen ist):
„OK, stellt Euch vor, dass ich in meinem Arbeitszimmer zuhause am PC sitze, meine
heutige Arbeit an sich schnell und gut fertigstellen konnte und jetzt auf YouTube ein
bisschen nach neuen Liedern rumstöbere. Ich habe bisher eigentlich einen guten Tag
gehabt und bin entspannt und so gut gelaunt, dass ich ein Lied vor mir her summe.
Da höre ich im Raum das Summen einer Fliege. Boa, denke ich das geht garnet.
Mistdinger, die braucht echt keiner, Drecksscheißhausfliegen. Und zackt summt es am
Ohr vorbei. Da ich das Geräusch gar nicht mag, stehe ich auf und gebe nicht eher
Ruhe, bis dieses Scheiße entweder aus dem Zimmer rausfliegt oder halt von mir
zerklatscht wird.
Hm, hm, hm also wieder setzen und weiter auf YouTube sinnlos was suchen. Oh jetzt
knallt doch tatsächlich irgendeine Tür im Haus, wahrscheinlich wegen Luftzug oder
so. „Emilie!“ rufe ich „mache mal Deine Tür zu oder das Fenster das Gepumpe kann
ja keiner ertragen“
Da patscht die Tür wieder. „Mann, mache jetzt zu, das Ding“
„Mach ich“ kommt zurück.
249
Ok, alles klar.
Da knallt die Tür wieder zu.
Wow, „mach jetzt des Scheißdings zu“ schrei ich jetzt „sonst gibt’s was auf die Ohren,
echt Mann!“
„Ja Papa, mach ich doch, reg Dich doch nicht gleich auf“ sagt sie leicht hektisch, aber
sehr freundlich und schaut ins Zimmer.
„Ja klar, sorry“. Sie hat ja recht, die Gute.
Ich dreh mich wieder um zum Bildschirm hin, und sehe darauf die Meldung, „keine
Internetverbindung…“
HM, ok, dann Netzwerkeinstellungen aufmachen, Adapter kurz deaktivieren, beim
Router den Stromstecker ziehen, 15 Sekunden draußen lassen und wieder
reinstecken. Jetzt warten bis alle Lichter leuchten und dann den Adapter wieder
aktivieren. So, alles klar. Weiter. Aber denkst immer noch das Scheiß gelbe
Ausrufezeichen auf dem Netzwerkicon.
Oh Mann…
Da klingelt es Sturm an der Hausklingel. „Schatz, mach mal bitte auf, ich kann grade
nicht“ rufe ich zu meiner Frau runter und checke dabei nochmal den Router.
„Es ist der Vater“ ruft jetzt meine Frau hoch „geht bei uns der Fernseher?“
„Warum“ frage ich zurück. „Na unten geht der anscheinend nicht“ Da fällt mir ein, das
wir ja Telefon, TV und Internet alles bei Unitymedia haben, und deswegen auch das
Internet nicht geht. „Sag ihm, dass das eine Störung bei KabelBW sein muss“ ruf ich
runter und denke mir, dass die Störung hoffentlich bald wieder geht.
Also was mache ich jetzt, denke ich mir und guck dumm.
„Papa, bei mir geht kein Internet“ ruft jetzt meine Tochter. Ich weiß, sag ich „ist eine
Störung“
„Ja reparierst du des dann?“ ruft sie. „Ich will noch E-Mails schreiben, ist wichtig“
„Jaja, ist bestimmt gleich wieder gut“ ruf ich.
„Ist aber megawichtig, Papa, ruf doch dort an, die sollen die Störung wieder
reparieren“ „Ne, ich ruf bei den Pennern nicht an, hab keinen Bock, da wieder mich
stundenlang in der Warteschleife aufzuregen!“
Da klingelt es wieder, und wie lang und aggressiv! „Ahhhh, schrei ich jetzt kurz, der
Vater soll nicht nerven“ „Schatz, der Daddy fragt wann er die Nachrichten schauen
kann?“ „Ich habe doch gesagt, dass es eine Störung ist“ zische ich zurück. „Der soll
250
nicht nerven!“ „Aber der ist ganz ungeduldig“ „Mensch, meinst Du mich nervt die
Störung nicht!“
Echt das ist doch alles nicht normal!
„Papa, ruf doch dort an“
„Ahhhh, also gut“ ich fange an die Nummer von der KabelBW Hotline zu suchen.
„Scheiß KabelBW Wichser denke ich mir und fange an zu schwitzen. Unruhig suche
ich die verdammte Nummer im Ordner. Die muss doch irgendwo stehen. Ich bin ganz
und gar nimmer entspannt.
Da habe ich sie endlich und tippe sie auf meinem Handy ein.
Oh, auch noch vom Handy aus, ich weiß genau das das nix werden kann.
„Fickt Euch“ brülle ich das Handy an. Es tutet ewig, dann kommt die Computerstimme
“Hier ist die Hotline…“
Ich denke nur die ganze Zeit“ der Penner“ und mein jetzt dabei den Vater „was der
immer nervt, echt, soll doch seinen Scheiß selbst machen, aber nein, ich muss, soll Zu
doof, die scheiße selbst mal zu regeln, echt. Und so weiter und so weiter.
Bitte drücken Sie die 1 für einen Wunsch, drücken Sie die 2 für ein Problem, drücken
Sie die 3 wenn sie einen Mitarbeiter sprechen wollen“
Ich schau auf das Display, aber da ist nur die Verbindungsdauer drauf.
Achso, ja klar ich muss erst die Tastatur auf klicken. „Ich kann ihre Eingabe nicht
verstehen“ hör ich da jetzt“
Oh fickt Euch“ „Ich konnte Sie leider nicht verstehen“ Boa hey, musst ja still sein,
denke ich mir genervt.
„Auf Wiederhören“ höre ich da gerade noch.
„Scheiße, Bastardnficker‘“ echt die Wichser.
Also nochmal anrufen, diesmal gleich die Tastatur auf klicken und auf Lautsprecher
stellen.
„Hier ist die Hotline von…Bitte drücken Sie die 1 für…“ Ok, ich drück die 2 weil ich ja
ne Störung habe und wissen will wann die wieder geregelt ist. Damit wir Ihr Problem
besser zuordnen können, geben Sie bitte Ihre Kundennummer ein.
„Die habe ich jetzt doch net, echt!“ schrei ich jetzt.
„Leider konnten wir Sie nicht verstehen, bitte…“
„Ha-be-Ich-NICHT, verdammt nochmal!“
251
„Leider konnten wir Sie immer noch nicht verstehen, bitte haben Sie beim nächsten
Anruf die Kundennummer bereit“
„Was!“ schrei ich in den Hörer, was heißt beim NÄCHSTEN Anruf!“
„Auf Wiederhören…“
Tut Tut Tut
„Ihr BASTARDNARSCHGESICHTER!“
Ich fasse es nicht.
„Papa, wie schaut’s aus?“
„Nerv net!“ schrei ich zu meiner Tochter.
Da klingelt es schon wieder Sturm vom Vater.
„Schatz sag ihm er soll die Hände von der Klingel lassen, sonst hack ich sie ihm ab,
echt!“
„Sag sowas über meinem Vater nicht“
„Der kann mich mal“
Und Du Emilie, kannst mich auch mal mit deinem Scheiß!“
„Also ruf ich nochmal bei der verdammten Hotline an, suche vorher die
Kundennummer aus, klicke die Tastatur an und stelle auf laut.“
Besetztzeichen….
Nach 15 Minuten endlich geht die Hotline wieder dran.
Ich klicke mich genervt und konzentriert durch, damit ich den ganzen Scheiß nicht
nochmal machen muss. Mein T-Shirt ist komplett durchgeschwitzt.
Durchs Auswahlmenü, gebe die beschissene Kundenummer ein, Dann die Frage nach
der Postleitzahl“ Sind die eigentlich bescheuert, des machen die Wichser doch extra,
damit man keinen kriegt oder!“ Ich brummle das so vor mich hin, zornig,
nassgeschwitzt, komplett genervt und rege mich echt auf.
„Leider sind im Moment alle Plätze besetzt. Der nächste freie Platz ist für Sie. Bitte
geduldigen Sie sich.“
AHHH, ich warte und warte der dämliche Spruch kommt alle paar Minuten neu, aber
es tut sich einfach nichts.
„Schatz, bist Du eigentlich noch normal, so von meinem Vater zu reden so respektlos“
Meine Frau steht in der Tür.
252
„Das ist mir scheißegal, ihr könnt mich alle mal. Mit eurer Bastardn Kabel scheiße.
Ich schreie jetzt echt verdammt laut und haue mit meinem Handy auf den
Schreibtisch. „Du bist doch komplett gestört“ sagt sie mir dagegen.“ Da schmeiße ich
das Handy nach ihr, verfehle sie aber zum Glück.
Da kracht die Tür hinter ihr zu….
Erstmal Funkstille.
Meine Tochter zu recht beleidigt!
Meine Frau zu Recht sauer!
Mein Handy zu Recht Schrott!
Mein guter Tag ist gelaufen.
Ich hau mir noch vor lauter Wut schreiend die Hand auf die Zimmerwand, das sie
blutet und erreicht habe ich auch nix.
Ich drehe jetzt die Musik auf. Ganz laut irgendwas von Rammstein….
Zittere rege mich auf, schreie immer wieder was von Fickern, Wichser Arschlöcher
etc.
Zerreiße vor lauter Wut noch meine erledigte Arbeit vom Vormittag und pumpe
Liegestütze bis ich nimmer kann und mich langsam abrege, das dauert so ca. 1 -2
Stunden.
Jetzt kommt die Reue: „Was habe ich wieder für ne Scheiße gemacht, bin ich
eigentlich noch ganz sauber, wegen nix und wieder nix. „Oh, Mann“ Ich gehe runter
und suche meine Frau. Die ist anscheinend weg, alles dunkel und leise. „Shit“ Also
wieder hoch zu m einer Tochter. „Hi Emi“ versuche ich gute Stimmung zu machen.
Aber sie guckt mich nicht mal an “Ich muss lernen, Papa, sagt sie kurz angebunden“
und macht einen auf vertieft.
Also wieder zurück an meinen PC. Der geht immer noch net!
Was für Wichser die von KabelBW.
Aber klar geht er nicht und das hat mit denen noch nicht mal was zu tun...
Denn mein PC ist gar nicht mehr an, wie mir auffällt.
Da fällt mir ein, dass ich dem Ding vorhin noch so einen richtigen Tritt verpasst habe,
dass er ausgegangen ist.
253
Ach ne, auch das noch.
Was für ein Scheiß Tag.
Ich bin jetzt betrübt, richtig traurig, weil ich weiß das ich heute an dem eigentlich so
schönen Tag so vieles kaputt gemacht habe, und das wieder dauert, bis ich das kitten
kann. Wohlgemerkt kitten, weil irgendwann immer irgendwas hängenbleiben wird.
Ich bin allein und hoffe, dass ich irgendwann einschlafen kann und morgen aufwache
und ein neuer Tag beginnt.
Ich lenke mich dabei mit einem Hörbuch ab, bis ich einschlafe.
Aber ich will das so nicht, kann es aber nicht ändern, es überkommt mich immer mal
wieder, auch wenn ich denke, dass ich mich gut im Griff habe.
Weggehen auf Feste oder unter Leute, geht eigentlich nicht, da ich immer irgendwie
Stress mit anderen bekomme oder zumindest meine Frau keinen Bock hat, da ich eh
mit keinen rede, den ich nicht kenne.
Ich bin irgendwie voll der Psycho obwohl ich das nicht will.
Es kann sein, dass mich irgendwas nervt und ich den Laptop vor Zorn auf den Tisch
klatsche, an die Wand schmeiße oder jemanden der mich gerade nervt über den Kopf
ziehe.
Das tut mir in dem Moment nicht mal leid.
Hinterher schon ein bisschen, je nachdem wer es war.
Manchmal sind es Kleinigkeiten, z.B. eine Seite im Internet die nicht schnell genug
aufgeht oder wenn mich jemand unruhig oder nervös macht.
Manchmal auch der Explorer, wenn er lange dauert.
An der Tanke irgendjemand, der einen dummen Spruch sagt oder meint hinter mir zu
hupen oder so.
Im Supermarkt an der Kasse, wenn ein Typ vor mir meine Zeit klaut, weil er gemütlich
unterwegs ist.
Wenn jemand unfreundlich zu meiner Frau oder zu meinen Kindern ist, raste ich aus.
Aber halt anders als normal, eher so, dass ich schreie und auch irgendwas werfe oder
am liebsten zuhauen will.
Immer wenn ich das Gefühl habe, ungerecht behandelt zu werden, dann sowieso.
254
Also früher war es zwar schlimmer, viel schlimmer, aber da konnte ich das auch durch
den Kampfsport und tägliches Training bis auf die Wochenenden kompensieren.
Aber hey, ich weiß das es scheiße ist und doch wenn´s kommt dann macht es halt
klack.
Egal wann, egal wie, egal wo und egal warum….
Leider ist es halt so.
Also jetzt die Frage der Fragen:
Wer hat so ähnliche Probleme mit sich selbst und kann sich da irgendwie reindenken
und ist da schon weiter wie ich? Bitte melden.
Wer kennt das von sich?
Wäre cool, wenn sich jemand finden würde, aber wenn nicht dann nicht.
Beste Grüße M.B.
Wow, und jetzt geht auch mein Internet wieder und ich kann diesen offenen Brief
hochstellen auf FB.
Und zack, da Leute, da habt Ihr den Shit, ich denke zwar das meine Psychosen eh
keinen interessieren, aber Scheiß drauf, mir doch egal….
255
22. Januar 2009 (Ärger mit Unitymedia Part 2)
Würde mich aber schon interessieren, ob es da den einen oder die andere gibt, die
das auch haben oder so sind wie ich. Wobei ich denke mal das bei den ganzen
Hohlbirnen im Facebook, eh keiner so einen langen Text am Stück lesen kann oder
überhaupt möchte Hahaha. Des hört sich jetzt vielleicht ein bisschen überheblich an,
aber mein Gott, so ist es doch in der Regel.
Ok, ok, ich schau jetzt doch mal ins FB, ob jemand was kommentiert hat.
Tatsächlich! Einer einen Kommentar.
(Hat der des jetzt echt alles gelesen?)
Hm. Ok, ich gebe zu, der 1. Kommentar von Rainer T. aus M. ist jetzt nicht gerade eine
textliche Megainspiration:
„Du bisch äfach willelos hahaha“, schreibt er.
Ne, Mann ich bin eben NICHT willenlos, ich habe einen extrem starken Willen, du
Vollpfosten! Ok, der dachte offensichtlich, dass ich hier aus Spaß um die Leute zu
erheitern geschrieben habe. Sehe ich etwa aus wie so ein beschissener Autor oder
Journalistendepp? Nein, nein, nein! Apropos, was ist eigentlich mit dem
Bastardnwichser von Prothmann diesem „investigativen“ Lügenblogger? Schon
länger nichts mehr gehört, von dem Drecksarsch. Den hol ich mir auch noch, aber gut
der ist jetzt mal nicht die Zeit wert!
So den 2. Kommentar schaue ich mir auch noch an. Wahrscheinlich ist es nochmal
derselbe Schwaller.
Ach da, sieh an, eben nicht es schreibt die Maike F. aus Frankreich:
„Ganz schön mutig Deine Ehrlichkeit! Hast Du Dich schon einmal erkundigt, was es mit
hochsensiblen Menschen auf sich hat?“
Boa, die scheint den Text wirklich gelesen zu haben und zu verstehen. Respekt,
Respekt!
Und da poppt noch im Messenger eine neue Nachricht auf. Auch wieder diese
Maike….
Also mal da schauen:
„Hi Max, nur kurz...in dieser geballten Form wie Du Dich ausdrückst, kenne ich das
nicht, aber ich kann diesen Druck nachvollziehen, den Du dort beschreibst. Bei mir geht
das auch ganz schnell und ich fühle mich ganz schnell überfordert und bekomme die
Energien nicht in eine Richtung und vieles stürzt ungefiltert auf mich ein…das drückt
sich dann bei mir nicht in Gewalt aus, aber ich habe in solchen Situationen das Gefühl,
256
als würden alle an mir herumzerren. Auch Gruppen, wo ich niemanden kennen, geben
mir ein ungutes Gefühl.
Maike F.
Sorry, Therapeutin bin ich natürlich nicht, aber erkundige Dich mal über hypersensible
Menschen, darüber gibt es Bücher...ich habe auch eins hier, mit dem Titel "Das innere
Kind muss Heimat finden". Oft sind wir von klein auf, in Rollen gepresst, mit denen wir
leben müssen, und haben ein Sonnen - und ein Schattenkind in uns…aber natürlich
weiß ich nicht, ob Dich, dass alles interessiert...war nur eine Info, mehr nicht...aber,
wenn Du Dich über Kabel BW so aufregst, warum gibst Du nicht ab und lässt das
Deinen Sohn oder Deine Frau regeln? Also, mach´s gut, hoffe bin Dir nicht zu nahe
getreten…aber Deine Offenheit, hat mich berührt. Hut ab!“
Was für ein Text! Die denkt sich ja wirklich voll rein… Und das in mein Gehirn! Oh
Scheiße, die Arme.
Hm, aber das mit dem Fuck KabelBW muss ich ihr zurückschreiben, dass des nur ein
Beispiel war, ein Beliebiges.
Und auch noch ein komplett harmloses. Wenn die wüsste was da wirklich alles abgeht
in meinem Kopf dann und wann, da würde sie sich eher nicht mehr melden, denk ich
mal.
Ich tripple mit den Fingern auf die Tastatur rum:
„Soll ich oder soll ich nicht…“
Also ich mein damit die Sache mit dem Beispiel aufklären, weil eigentlich habe ich es
ja deutlich geschrieben und evtl. steht die auf mich und schreibt deswegen so ne
Gefühlsscheiße…. Aber ich bin eher nicht hypersensibel, gerade das volle Gegenteil.
Mir kommen ja gleich die Tränen vor Rührung, hehe.
Ok, aber sie war nett und will anscheinend helfen. Oder aber sie ist total fickgeil und
das ist so ne Masche, damit sie an einen Kerl rankommt. Mal ihre Bilder anschauen,
wie sie aussieht.
Ok, Pflanzenbilder… Also doch so ne Öko -Tussi, wahrscheinlich alternativ oder sogar
so ne linke Zecke…
Mal weiterschauen. Soso, in einer Lebensgemeinschaft mit einem seit 2014! Und mit
was für einem Spacko! Was für ne Grinsbacke, der Wichser. Meine Fresse, da wundert
mich nix mehr. Aber sie scheint es trotzdem Ernst mit dem Rat zu meinen. Ich lasse es
mal laufen, schauen wir mal.
257
Klick, FB ist zu und ich denke nach über die Sache mit dem Beispiel.
Hätte ich evtl. was Härteres als Beispiel schreiben sollen? Wahrscheinlich ist jeder
Zweite bei dem Scheiß KabelBW so genervt, dass die alle so abgehen wie ich mit der
Zeit.
Bin ich doch normal? Oder bin ich hypersensibel?
Ok, sensibel bin ich jetzt echt nicht, das wäre komplett an der Sache vorbei gelogen.
Aber anscheinend zu harmlos, deswegen schreibt auch keiner was zurück, von den
ganzen lesefaulen Legasthenikern auf FB!
Aber wenn doch, und die jetzt denken, was ist denn der Max für eine Pussy und was
schreibt der denn für belanglose Dinge…
Ok, ich schreibe was Anderes, etwas Eindeutigeres, das sicher noch nicht so viele
erlebt haben, laß mich mal kurz nachdenken.
Ok, ich habe was. Die Sache mit der Jackenaktion bei der Party von der European
Business School vom Müller seinem Münchner Kumpel in den 90ern. Das war mind.
speziell um nicht zu sagen schon etwas derber. Wie war das noch mal?
Und wann war das? Also es war vor der WG in der Hölderlin, aber nach Ketsch. Da
habe ich noch in der Karlstr in Schwetzingen gewohnt, und der Müller war da auch
irgendwie bei mir einquartiert. Könnte so im Spätjahr 1991 gewesen sein, weil kalt
war es damal s ja, sonst würde die ganze Jacken Aktion überhaupt keinen Sinn
machen….
Dann bin ich doch mal gespannt, was die alle davon halten.
Wir werden sehen!
258
24. März 2009
Hi,
wie sehr hasse ich schon jetzt den Tag, an dem auch die letzte Ecke meines Herzens
wirklich verstanden hat, dass ich ohne sie ein Nichts und Niemand bin. Ich wäre nur
eine leere Hülle, mit einem kaputten und widerlichen Kern. An diesem Tag würde mir
auffallen, das ohne sie mein ganzes Leben ein einziges Lügengebilde ist und das dann
zusammenbricht wie ein Kartenhaus.
Ich würde erkennen, dass das einzige, was mich die ganze verlogene Gegenwart
überhaupt einigermaßen aushalten lässt, allein ihre Liebe zu mir ist. Die Liebe meiner
Sandy.
Aber das bedeutet doch letztendlich, dass ich die Wahrheit gar nicht sehen möchte,
obwohl ich sie ja längst kenne!
Aber kennen bedeutet ja nicht gleich auch verstehen, oder?
Zum Verstehen gehört doch auch ein Wille zur Akzeptanz der Erkenntnis, richtig?
Solange ich also nicht akzeptiere, was ich längst weiß, brauche ich mir nicht
einzugestehen, dass ich verloren wäre. Immer noch allein eigentlich!
Aber sie liebt mich ja und das tut doch so gut.
Und dann die Liebe unserer Tochter Emilie!
Ach es gibt doch eigentlich nichts Schöneres als von zwei so herrlichen Menschen
richtig und wahrhaftig geliebt zu werden.
Es gibt nichts Schöneres!
Zumindest für mich nicht! Deswegen werde ich auch nichts akzeptieren, das mir
diesen Glauben nehmen will!
Das mir meine Liebe nehmen will! Nein, niemals!
Dein Max
259
„Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen
Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.“
Schließt die exzessive Notwehrhandlung hingegen direkt an die Gefahrensituation an, besteht
durchaus die Möglichkeit, dass das Opfer noch psychisch unter dem Eindruck der
Ausnahmesituation leidet und in Furcht oder aufgrund des Schreckens nicht sofort vom Angreifer
ablässt. Sind ästhetisch motivierte Affekte maßgeblich anzuerkennen, kann die grundsätzlich
rechtswidrige Handlung aufgrund der Bestimmungen in § 33 StGB straffrei bleiben.
§ 32 Absatz 2 StGB Notwehr
Zusammenbruch:
2009
260
Unfassbar – aber wahr!
Wie ist es eigentlich mit Dir? Könntest du morden? Nein?
Wenn jemand dein ganzes Leben in einen Abgrund wirft, dir alles nimmt, was du
liebst, wenn er dir deine Frau und dein Kind nimmt, sie vergewaltigt und foltert, sich
an ihrem Schmerz labt und keine Gnade, keine Menschlichkeit zeigt.
Wenn er dich vor Gericht angrinst, dir ins Gesicht sagt, dass er es nur zum Spaß
getan hat.
Wenn ihm völlig egal ist, das er nicht nur zwei Leben brutal ausgelöscht hat, sondern
deines gleich mit.
Stell dir vor, du würdest nach Jahren der Trauer und des Hasses eben diesen
Menschen wiedersehen. Er hätte dein Leben ruiniert, nichts kann jemals mehr
werden, wie es davor war.
Er erkennt auch dich, erinnert sich daran, weshalb er so lange eingesperrt war. Und
er grinst dich an, weil ihn die Gedanken wieder erregen.
Freitag, 22:30 Uhr:
Der Haftbefehl, der vor mir auf dem Tisch lag, unterstellte mir.
„Lächerlich!“ höhnte ich dem sehr jungen Staatsanwalt zu, der mich gleich nach
meiner Festnahme noch in Handschellen auf dem Rücken vernehmen wollte. „Ich
bin einer von den Guten, mein Junge. Oder macht ihr hier einen schlechten Scherz
mit mir?“
Daran mochte ich aber selbst nicht mehr glauben, nach dem Programm, dass das
Sondereinsatzkommando bei mir zu Hause abgezogen hatte. In Unterhosen lag ich
auf dem Treppenhausboden von meinem Mietshaus und war dankbar, dass keiner
von den anderen Mietern in der Nähe war; denn sonst hätten die SEKler mich auf
der Straße ausgezogen. „Mord ist alles andere als lächerlich, Herr Bane.“ Der
Staatsanwalt schlug die zweite Seite des roten Haftbefehls auf und las den Namen
des unterzeichnenden Richters vor: „Dr. Schmitt – Oh, der hat jetzt Wochenende.
Und ich glaube gehört zu haben, dass er in Kürze auch in Urlaub geht.“
„Was soll diese Scheiße hier?“ fauchte ich dem kleinen arroganten Pisser in seinem
zweiter Klasse Anzug an. „Ich habe keinen Mord begangen und was das mit der
organisierten Kriminalität soll, auch davon habe ich keine Ahnung. Und erst Recht
bin ich kein Mitglied irgendeiner Vereinigung. Ich bin noch nicht mal in der Kirche,
sondern lediglich ein harmloser Bürger!“. Mein Staatsanwalt lächelte mich nur
mitleidig an. Sein Glück war, dass ich Handschellen anhatte. Auf dem Rücken. Das
Hemd nicht zugeknöpft. Keine Schuhe mehr. Ich müsste mal aufs Klo, aber den
261
Teufel würde ich tun, um darum zu betteln, mal austreten zu dürfen. „Ich will sofort
meinen Anwalt sprechen!“ Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Satz jemals in
meinem Leben allen Ernstes aussprechen würde. Und jetzt wiederholte ich ihn sogar
fast schon gebrüllt, weil dieses Kind mir gegenüber nur grinste. „Ich will sofort
meinen Anwalt sprechen! Haben Sie das kapiert?“. „Sie haben einen Anruf frei. Ich
nehme zu Protokoll, dass Sie von diesem Recht jetzt Gebrauch machen“. Der
Staatsanwalt holte sein Handy heraus und machte sich bereit. „Wie lautet die
Nummer?“. „Dr. Berger, Augustaanlage 20 in Mannheim.“, beruhigte ich mich
wieder und sagte in einem ruhigen sachlichen Ton: „“Ich weiß die Nummer leider
nicht auswendig.“. Der Staatsanwalt fand die Rufnummer in seinem Laptop auf
Anhieb und schaltete sein Handy auf laut hören. Es kam nur eine Bandansage, nach
der ich die Nachricht hinterlassen konnte, dass ich mich im Polizeipräsidium
Mannheim und in Untersuchungshaft befinden würde. „Hören Sie, ich habe auch
eine private Nummer von Herrn Dr. Berger. Ist in meinem Handy gespeichert. Wenn
sie das bringen lassen könnten.“
„Ist sichergestellt. Beweismittel nach 98 StPO, tja“, bedauerte der Staatsanwalt.
„Das kann ich ihnen vorerst nicht bieten. Aber Haftverschonung, wenn sie jetzt eine
Aussage machen. Wenn es sein muss sogar Zeugenschutz. Ansonsten …
Verdunkelungsgefahr und Happy Weekend!“. „Das wird Ihnen noch leidtun, Herr …“
Da bemerkte ich erst, dass ich noch nicht einmal den Namen von diesem Schnösel
wusste.
Samstag, 00:20 Uhr:
Richter Dr. Schmitt war tatsächlich nicht zu erreichen gewesen, so dass die
Bereitschaftsrichterin über die Invollzugsetzung der Untersuchungshaft zu
entscheiden hatte. „Ich kann nur aufgrund der Aktenlage entscheiden, und demnach
besteht der dringende Tatverdacht, dass Sie, Herr Bane, Herrn Richard Owolsky …“
„Das ist doch Bullshit!“. „Am Montag, Herr Bane, werden wir weiter sehen. Bis dahin
gibt es nur einen einzigen Grund, sie nicht in Gewahrsam zu belassen, nämlich:
Keine Verdunkelungsgefahr.“ Die Richterin schaute mich streng an, und ich wusste
nicht, ob ich sie ob ihrer Naivität trösten sollte oder selbst Trost gebrauchte.
„Es gibt nichts auszusagen“, wiederholte ich zum x-ten Mal, „weil ich nichts getan
habe. Also kann ich weder aufhellen noch verdunkeln, verdammt noch mal!“
„Ihre Kraftausdrücke sind hier wenig hilfreich, Herr Bane. Mir sind keine Gründe
ersichtlich, weshalb der Haftbefehl von Richter Dr. Schmitt aufzuheben wäre, und
ich ordne hiermit die Untersuchungshaft in der nächstgelegenen JVA gegen sie an.“
Zwei Stunden war ich in der kleinen Zelle, die nur über eine Sitzbank und eine
Wolldecke verfügte, eingesperrt. Mir kam es vor, als hätte man mich vergessen. Als
die Stahltür wieder aufgemacht wurde, fragte ich, wie spät es ist.
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„Nicht zu spät. Es ist nie zu spät, sich zu bessern“, sagte einer der drei
Justizbeamten, die mich von der Zugangszelle in das Zugangszimmer brachten, und
alle drei lachten. „Aber wenn Sie es genau wissen wollen: Geisterstunde, 00:30 Uhr.“
„Dann ist ja schon neuer Tag“, schlussfolgerte ich überrascht. Nur heute und morgen
noch, und spätestens am dritten Tag wäre ich wieder frei. Ich erschrak bei diesem
Gedanken. Hatte ich mich schon damit abgefunden, ein Gefangener zu sein? Wo
war mein Widerstand? Meine Gegenwehr? Nein, es war besser, den Tatsaschen ins
Gesicht zu sehen und die Realität, so wie sie ist, anzunehmen. Es musste nur dieses
verfluchte Wochenende vorbei sein, und alles wäre wieder gut. Jetzt nur die Nerven
behalten, befahl ich mir. Im Zugangszimmer musste ich alle meine Sachen ablegen
und registrieren lassen. Außer dem, was das SEK mir nach der Festnahme von
meiner Bekleidung übriggelassen hatte, war das nichts. „Sie können jetzt duschen“,
sagte mir der Philosoph, der mir schon die Uhrzeit so bedeutsam machen wollte.
„Das nächste Duschen ist erst am Donnerstag.“. „Da bin ich schon wieder zu Hause“,
versicherte ich dem Beamten zuversichtlich, vor dem ich völlig nackt stand. „Und
wenn nicht?“ fragte er lakonisch. „Eins werden Sie hier ganz schnell lernen: Jeder
Tag ist wie ein kleines Leben!“ Er zeigte mit der Hand nach rechts, wo ein
Duschraum war. „Wollen Sie saubere Anstaltskleidung haben, oder wieder in ihre
dreckigen Sachen schlüpfen?“
„Saubere Sachen“, sagte ich und ging trotzig ob meiner Ohnmacht unter die Dusche,
die es nicht vermochte, den Schmutz und die Schande von mir abzuwaschen, die in
diesen wenigen Stunden über mich gekommen war. Wenigstens konnte ich
unbemerkt und ohne Bettelei Wasser lassen. Ich war unschuldig, verflucht noch mal,
unschuldig. Zumindest sah ich das so, denn ich hatte ja lediglich den
gottverdammten Mord an meine Frau und an meine kleine Tochter gerächt. Aber
auch das brauchten diese Befehlsempfänger der Anderen nicht zu wissen. Sonst
könnte es eng werden für mich, das wusste ich schon und war mir dieser Tatsache
auch bewusst.
Samstag, 01:15 Uhr:
Der Philosoph unter den Gefängniswärtern öffnete die Zellentür und zeigte auf ein
freies Bett. Auf der anderen Pritsche lag sanft schnarchend ausgerechnet so ein
beschissener Knasti. „Das ist ihr neues Zuhause! Frühstück gibt es nach dem
Zellenaufschluss um 8 Uhr, Weiber und anderer Besuch sind hier nicht erwünscht“,
scherzte der Schließer. „Kann ich eine andere Zelle haben?“ entfuhr es mir
263
erschrocken.
„Das muss ich mal nachdenken“, fasste sich der Wärter an sein Kinn. „Die
Fürstensuite wird gerade renoviert, und das Herrenzimmer mit dem Jacuzzi ist bis
Ende Frühling bereits belegt. Zur Südseite ist gerade auch nichts mehr frei. Nein, tut
mir leid. Das ist das beste, dass wir im Moment frei haben. Also wenn Sie nicht
später wiederkommen möchten …“
„Mann, ich meine das ernst. Ich bin doch kein Krimineller und ich brauche meine
eigenen vier Wände ohne irgendeinen anderen verdammten Psycho in meiner
Nähe, das müssen Sie doch verstehen.“ erklärte ich flüsternd die Unvermeidbarkeit
meiner Bitte.
„Und ich bin Justizhauptsekretär, und ich kann lesen. Und auf meiner
Dienstanweisung steht, dass ich sie in genau diese Zelle zu bringen habe. Basta!“ Der
Schließer ließ sich auf kein weiteres Gespräch mehr ein, sondern schlug die Eisentür
zu meiner Zelle zu und schloss doppelt ab. Ich starrte auf den Knasti, der
unverändert da lag, aber nun nicht mehr schnarchte. Nach einer Ewigkeit setzte ich
mich auf mein Bett und versuchte mich zu konzentrieren. Kaum schaute ich nicht
mehr zu meinem Zellennachbarn hörte ich ihn drohen: „Sobald du mich aus den
Augen lässt, werde ich dich Drecksschwein umbringen.“
Samstag, 8:00 Uhr
Pünktlich um 8 Uhr wurden die Zellentüren im gesamten Trakt aufgeschlossen und
kurz darauf das Frühstück verteilt. Es gab Kaffee und zwei Brötchen mit Marmelade.
Ich stürzte gleich drei Tassen der braunen Brühe ab und wünschte mir, dass das
Koffein mich nachhaltig beleben und wachhalten würde. Die Wärter hatten
gewechselt, und mein Philosoph würde jetzt entspannt in seinem Bett liegen und
sich schlimmstenfalls Ohrenstöpsel reindrücken müssen, um sich herrlich erholen zu
können. Allmählich begann ich zu verstehen, was er damit meinte, dass jeder Tag
hier wie ein kleines Leben wäre. Ich jedenfalls war froh, diesen Morgen unbeschadet
zu erleben.
Gleich nach dem Frühstück wurde ich nochmals in das Zugangszimmer geführt, wo
ich meine Waschutensilien, Zahnbürste und Handtücher bekam. „Sie sollen ja nicht
sagen, dass sie hier wie ein Schwein leben mussten, wenn sie mal wieder draußen
sind.“ Ein lustiges Volk war das, diese Schließer. „Für die Bartstoppeln bekommen
sie von mir einen Einwegrasierer. Den müssen sie mir hinterher aber wieder
abliefern. Klar?“
Ich nickte. „Rauchen Sie?“. Ich bin zwar Nichtraucher, nickte trotzdem abermals,
weil ich mir dachte, dass es nur vorteilhaft sein kann, hinter Gittern ein neutrales
Zahlungsmittel zu haben. Schon wieder ertappte ich mich, dass ich meine neue
Situation innerlich bereits akzeptiert hatte. Was war nur mit mir los? „Marlboro“,
264
sagte ich. Der Beamte lachte vor sich hin. „Mann, sie haben doch alle Zeit der Welt.
Kaufen sie sich Tabak und drehen Sie sich die Dinger selbst. Das ist billiger und
verschafft Ihnen Beschäftigung. In der U-Haft dürfen Sie doch sonst nichts machen.
Aber mir soll’s egal sein. Ist ja ihr Geld, von dem das abgeht.“
„Marlboro will ich haben, oder hören sie schlecht? Ich bin sowieso gleich wieder
draußen. Also geben sie mir die verfluchten Marlboro!“ widersetzte ich mich dem
gutgemeinten Ratschlag des Justizbeamten. „Jetzt werden Sie mal nicht renitent,
mein Herr!“ bremste der Wärter meinen Anflug von Eigenwillen. „Das läuft hier
nicht so, wie sie es von Muttern vielleicht gewohnt sind. Wenn sie mir dumm
kommen, gibt es eben keine Zigaretten, klar?“. „Entschuldigung“, gab ich klein bei,
um eine für mich viel wichtigere Information abzufragen: „ Wann kann ich den
Anstaltsleiter sprechen?“
„Frühestens am Montag, 10 Uhr. Wenn der Alte dann überhaupt da ist. Aber da
haben Sie schon einen Termin, nämlich beim ärztlichen Dienst. Alle Neuen müssen
dorthin. Blut und Pisse abliefern.“. „Ja, oder seinen Vertreter. Es ist wichtig!“
„Letzten Endes bin ich sein Vertreter. Oder der Vertreter des Vertreters. Aber ganz
bestimmt bin ich derjenige, der hier und heute alle Entscheidungen trifft. Es ist
nämlich Wochenende. Also, worum geht es, Herr Bane?“. „Ich bin unschuldig …“
begann ich. „Nein, sind sie nicht. Sie sind Gefangener. Alles andere lassen gerade Sie
hier besser niemanden wissen“, korrigierte mich der Beamte entschieden und mit
ernstem Gesicht. „Kinderschänder und so weiter halten hier besser die Fresse, die
haben im Knast nämlich keine Freunde, klar?“.
Samstag, 16:00 Uhr
Um 16 Uhr erfolgte der Einschluss in die Zellen. Mein Zellenkollege hatte den ganzen
Tag kein einziges Wort mit mir gewechselt und so getan, als wäre ich Luft. Doch mir
war klar, dass er mich genau beobachtete. Und je weniger Interesse er an meiner
Person zeigte, um so ernsthafter fasste ich seine Drohung auf, sich meiner
Annehmen zu wollen.
Ich errechnete, dass ich noch rund 40 Stunden aushalten musste, bis die
Anstaltsleitung für mich zu sprechen wäre. Das wären zusammen dann mehr als drei
Tage ohne Schlaf, weil ich bereits seit 36 Stunden wach war. Wie hält es ein Mensch
aus, solange wachzubleiben und einfach nur dazusitzen und die Kacheln an der
Wand zu zählen. Meine Zelle hatte 3660 Fliesen. Ich Dummkopf habe nicht nur
addiert, sondern Anzahl der Zellenbreite Mal Anzahl der Raumhöhe multipliziert und
war nach weniger als fünf Minuten mit dieser Aufgabe fertig.
Samstag, 23:30 Uhr:
265
Wann beginnt eigentlich ein neuer Tag? Wenn es die Stunde um Mitternacht ist,
dann würde bald der dritte Tag meines Martyriums anbrechen. Wenn es der
Moment des Erwachens ist, dann würde der erste Tag immer noch andauern; denn
ich hatte noch keine Minute geschlafen. Schlaf. Wenigstens ein Bisschen. Einfach die
Augen zumachen und einen Moment nicht denken. Und danach den neuen Tag
genießen.
Ich würde den neuen Tag nicht erleben, wenn ich jetzt meiner Müdigkeit nachgeben
würde. Der andere in der Zelle, der offensichtlich Jugoslawe war, war mir körperlich
deutlich überlegen, und ohne eine Waffe war ich gegen ihn chancenlos. Ich zerlegte
nochmals jedes Detail und jeden Aspekt meiner Lage. Denken war aufschlussreicher,
als die Kacheln an der Wand zu zählen:
Punkt 1: Ich war unschuldig. Zu mindestens hatten sie keine Beweise gegen mich in
der Hand. Das mussten alles nur vage Vermutungen sein.
Punkt 2: War es ein Zufall, dass ich in diese Zelle eingesperrt wurde? Die
Wahrscheinlichkeit sprach dagegen, weil der Typ ja schon länger inhaftiert war, und
nach so langer Zeit einen festen Zellengenossen haben sollte.
Was hatte der Drecks Knasti mit mir vor? Wollte er mich erst sadistisch quälen und
psychisch fertigmachen, bevor er mich umbringen würde? Wollte er es eigenhändig
erledigen? Das Problem war vor allem auch, wenn ich jetzt durchdrehte und den
Wichser von mir aus platt machen würde, dann hätten sie wirklich etwas gegen mich
in der Hand. Etwas Handfestes. Einen richtigen Beweis sozusagen. Nein, darauf
durfte ich nicht reinfallen.
„Hey Kollege?“ forderte ich ihn zu einem Gespräch auf. „Respekt, wie du die ganze
Sache hier planst. Aber glaubst du wirklich, dass du am Ende ungeschoren
davonkommen kannst?“
Der tat aber so, als würde er mich nicht hören. Stattdessen klopfte
überraschenderweise einer der Wärter mit seinem Polizeistock gegen die Tür und
wies mich an: „Bane, quasseln sie keine Opern, sondern schlafen sie.“
Schlaf. Ich durfte gar nicht dran denken. Meine einzige Hoffnung war, dass Dr.
Berger sich bald melden würde. Er würde alle Hebel in Bewegung setzen, um mich
aus dieser misslichen Lage zu befreien. Berger hatte mich schon bei der damaligen
Verhandlung gegen Owolsky erfolgreich vertreten und stand sozusagen immer mal
wieder mit mir in Kontakt. Ein Königreich für ein Bett, für ein paar Minuten Schlaf,
für einen neuen Tag. Ich beschloss, dass künftig ein neuer Tag für mich dann
beginnt, wenn ich ausgeschlafen habe. Vorausgesetzt, ich würde die nächsten
Stunden überleben.
266
Sonntag, 08:00 Uhr:
Zellenaufschluss. Waschen. Immer wieder schütte ich mir kaltes Wasser ins Gesicht,
um wach und frisch zu werden, bis mich ein Wärter vom Becken wegzieht.
„Die Anmeldefrist für DSDS ist abgelaufen. Sie brauchen sich nicht mehr
aufzubrezeln, Bane. Für unseren Laufsteg sind Sie fein genug.“ Ach wie lustig ist
doch dieses Knastleben. Immer einen flockigen Spruch auf der Lippe, und sei er noch
so flach. Hauptsache, es wird gelacht. Doch mir war nicht nach Lachen. Mir war auch
nicht nach Essen. Den Kaffee, oder was auch immer dieses Gebräu in Wirklichkeit
war, schüttete ich in mich hinein, und darüber hinaus wollte ich nur meine Ruhe
haben. Es sei denn…?
„Darf ich telefonieren?“ fragte ich den Beamten, der mir am Vortag versprach, dass
er etwas für mich tun würde.
„Geht nicht. Verboten. U-Haft. Da könnten Sie ja gleich was in die Zeitung setzen“,
lehnte der Mann ab.
„Mein Anwalt hat mich noch nicht kontaktiert. Er weiß vermutlich nicht, wo ich bin“,
flehte ich den mir einigermaßen menschlich erscheinenden Wärter an. „Dr. Berger
aus Mannheim. Können Sie ihn nicht mal für mich anrufen? Ich habe doch das Recht
auf einen Anwalt?“
Der Justizbeamte wurde ganz komisch. „Dr. Berger, so ein graumelierter
Endfünfziger, etwas größer als Sie? Brille?“
Ich nickte nur.
„Ich glaube den kenne ich sogar.“ Der Wärter drehte sich um und wollte gehen.
Sonntag, 10:00 Uhr:
An Sonntagen haben die Gefangenen die Möglichkeit an einem Gottesdienst ihrer
Konfession teilzunehmen. Ich nutzte die 40minütige Andacht, um ein wenig zu
entspannen und die Augenlider zu schließen. Im 30-Sekunden-Takt wurde ich von
meinem Banknachbarn sanft in die Rippen gestoßen, weil ich drohte vollends
einzuschlafen oder zusammen zu klappen. Ich bildete mir ein, erholter aus der
Versammlung herauszukommen, als hinein gegangen zu sein. Wahrscheinlich war
jedoch nur der Wunsch der Vater dieses Gedankens.
Zurück in meinem Zellentrakt suchte ich die Nähe anderer Gefangener, um nicht
alleine mit meinem Zellenkollegen sein zu müssen, der äußerlich keinerlei Anzeichen
machte, mir auch nur ein Haar zu krümmen. Offensichtlich wussten auch die
anderen Gefangenen nicht, wer ich war oder bin. Ich wusste ja selbst nicht mehr,
wer ich war.
Ich musste noch 20 Stunden überstehen; dann hätte ich die Möglichkeit etwas an
267
meiner Situation zu ändern. Und sei es ein falsches Geständnis, dass ich vor Gericht
später widerrufen würde. Was immer auch vorgefallen war: Ich wusste, dass ich
unschuldig bin, also konnte es auch keine ernsthaften Beweise gegen mich geben.
Mehr als 40 Stunden hatte ich bereits hinter mir. Das waren Zweidrittel der Zeit seit
meiner Festnahme bis Montagmorgen, wenn das normale Leben wiederbeginnt.
Strafgefangene werden gemeinhin nach Zweidritteln ihrer Haftzeit vorzeitig
entlassen. Ich war aber unschuldiger Untersuchungshäftling, und für solche
Menschen gibt es kein Erbarmen.
Sonntag, 21:00 Uhr
Mich wunderte nur, da sich noch keine Einzige meiner Stimmen bei mir zu Wort
gemeldet hatte, da dies dann doch etwas ungewöhnlich war für mich.
Nach dem Einschluss legte sich mein Zimmerkollege auf seine Matratze und starrte
mich an. Ich behielt ihn im Blick. Plötzlich stand er vor mir und beugte sich zu mir
herunter. Ich hatte ihn zwar auf mich zukommen sehen und rechnete mit einem
Angriff von ihm, aber ich blieb beinahe bewegungslos auf meinem Bett liegen.
Lediglich meine Arme verschränkte ich zum Schutz vor meinem Kopf.
„Heute Nacht wirst du sterben!“ prophezeite mir der Kroate. „Wenn du gnädig
sterben willst, dann bring dich selbst um.“ Er legte einen kleinen Löffel, dessen Griff
zu einem stillet ähnlichen Messer gefeilt war, auf meine Decke und ging zurück in
seine Ecke, wo er sich auf das Bett setzte und wartete. „Wenn ich dich töten muss,
dann wirst du leiden wie ein Tier“, versprach er mir flüsternd und begann das
perverse Warten.
Der Gedanke an das Sterben schreckte mich nicht mehr. Sterben bedeutete Ruhe
haben. Frieden. Ich versuchte, mir vorzustellen wie das ist, wenn die Pulsadern offen
liegen und warmes Blut über die eigene Haut läuft. Ein Gedanke, der nicht so
grässlich war wie die Vorstellung, von zwei Händen wie Schraubstöcken den Hals
zugedrückt zu bekommen, dass die Blutgefäße platzen und die Augäpfel
hervortreten. Ich habe schon viele Tote gesehen. Aber die Vorstellung des eigenen
toten Körpers ließ mich erschauern. Ich nahm den Löffel in die Hand und starrte
meinen Gegner an. Freiwillig würde ich nicht gehen. Dieser Typ wusste nicht, mit
wem er sich hier eigentlich anlegte. Normalerweise hätte ich diesen dummen
beschissenen Wichser längst platt gemacht, aber nicht hier so mit Zeugen und so.
Das Problem war nur, wenn dieses Spielchen hier noch länger gehen würde, dann
könnte ich mich irgendwann nicht mehr beherrschen und dann muss er dran
glauben. Ob mit Zeugen oder ohne wäre mir dann auch egal, das wusste ich genau!
Montag, 04:30 Uhr:
268
Die zurückliegenden Stunden hatte ich zwar wach, aber ohne Bewusstsein erlebt.
Meine vitalen Funktionen waren reduziert auf Ein- und Ausatmen, Beobachten,
Leben. Ich atmete ein, atmete aus, spürte die Schwerkraft, gegen die ich mich
wehrte, und blieb regungslos auf meinem Bett sitzen. Hinlegen bedeutete
einschlafen und absolute Wehrlosigkeit.
Voller Entsetzen hörte ich den Typ schnarchen. Wie konnte dieses Tier in so einer
Situation die Augen schließen. Er selbst hatte mir die Waffe auf das Bett gelegt und
mir praktisch keine andere Wahl gelassen, als „Er oder Ich“. Ich schloss meine Faust
um den Löffel und überlegte angestrengt, in welches Körperteil ich zustechen
würde. Könnte ich ihn kampfunfähig machen, ohne ihn zu töten, oder musste ich
das Unvermeidliche tun?
Montag, 08:00 Uhr:
Er hatte die ganze Nacht geschlafen. Friedlich wie ein Kind und gleichmäßig vor sich
hin geschnarcht. Ich wollte in der Sekunde aufspringen, in der dieses Schnarchen
aufhören würde. Stattdessen erschrak ich beim Schrillen der Morgensirene, die
pünktlich um 8 Uhr morgens die Gefangenen weckt. Wie konnte der Aufschluss der
Zellen erfolgen, bevor ich meinen Job erledigt hatte?
„Bane! Geht’s Ihnen nicht gut?“ fragte ein Schließer. „Sie sehen ja scheußlich aus.
Wie ein Gespenst. Schauen Sie bloß heute nicht in den Spiegel – Sie fallen sonst tot
um vor Schreck. Na ja, zum Glück haben Sie ja gleich ihren Termin beim ärztlichen
Dienst.“
„Ich will den Staatsanwalt sprechen“, presste ich aus meinen ausgetrockneten
Stimmbändern heraus.
„Erst mal sehen Sie zu, dass Sie wieder ein Mensch werden. Sonst sagen die noch,
ich wäre daran schuld, dass Sie wie ein Zombie auf Entzug aussehen, und bekomme
eine Anzeige – also Frühstück, Waschen, Arzt, und dann schauen wir mal.“
Ich versuchte aufzuspringen; es war klägliches Erheben. Genauso kläglich wie das
Heben meines Armes mit der Stichwaffe in der Hand und der mühevolle Schritt auf
den Wärter zu, der lediglich einen Schritt zurück gehen musste, um außer Gefahr zu
sein.
„Bane, sind Sie noch bei Trost?“ fragte der Beamte fast mitleidig und nahm mir den
Löffel aus der Hand. „Sie kommen jetzt mal mit!“ Und mit lauter Stimme rief er in
den Zellentrakt: „Alle zurück in die Zellen! Einschluss bis auf weiteres!“
Genosse Zellennachbar hatte die Szene von seinem Bett aus beobachtet und knurrte
mir hinterher: „Dobar dan, Idiot. Ich lass mich doch nicht von einem Wichser wie dir
hier ficken! Dachtest wohl, du könntest mich mit deiner billigen Nummer zu einem
Mordversuch verleiten. Mit mir nicht, du Arschloch.“
Montag, 13:10 Uhr:
269
Um kurz nach 13 Uhr wurde die Tür der Beruhigungszelle, in der ich eingeschlossen
war, geöffnet. Der Philosoph und sein Kollege hatten die größte Mühe, mich zu
wecken, so fest schlief ich. Meine Zunge klebte am Gaumen, und ich brachte kein
Wort heraus.
„Hoher Besuch!“ verkündete der Wärter, der mir verheißen hatte, dass hinter
diesen Mauern jeder Tag wie ein kleines Leben sein würde. „Der Herr Anwalt
persönlich zusammen mit dem Oberstaatsanwalt.“
Ich versuchte zu lächeln. Auch das hatte mein Körper vergessen. Ich lief zwischen
den beiden Wärtern wie ein Mensch, der zum ungezählten Male zu seinem Folterer
gebracht wird. Wäre doch alles nur vorbei. Könnte ich jetzt irgendein Papier
unterschreiben, um danach in Ruhe gelassen zu werden, ich würde nicht einmal
wissen wollen, was darauf geschrieben steht.
„Herr Bane!“ begrüßte mich mein Anwalt „wir werden das alles aufklären. Verlassen
Sie sich bitte auf mich!“ Herr Berger lächelte mir zu.
Ich fiel ihm ins Wort, weil mir plötzlich einige Zusammenhänge klar wurden: „Und
warum meine Festnahme? Untersuchungshaft? Und die Folter in dieser Zelle?“ Jetzt
dominierte ein Vorwurf meine Stimme.
„Herr Berger, mir ist das alles egal, aber sorgen Sie bitte dafür, dass ich mit
sofortiger Wirkung eine Zelle für mich allein bekommen, da mit mir zusammen so
ein Irrer in derselben Zelle eingeschlossen ist. „Um ein Haar wäre ich gestorben,
oder ich hätte dieses Dreckschwein in meiner Zelle abgestochen und wäre jetzt
selbst wirklich ein Mörder!“
„Ihre Wärter hatten Anweisung, ihre Zelle stündlich zu kontrollieren“, milderte der
Oberstaatsanwalt die Gefahrenlage, in der ich mich vermeintlich befand. „Und der
Kroate kann ganz gut auf sich selbst aufpassen. Wir hatten ein Auge auf Sie!“
„Wer hatte ein Auge auf mich?“ wollte ich wissen. „Sie?“ fragte ich den
Oberstaatsanwalt mit seinem selbstgefälligen Lächeln. „Und was ist mit Ihnen?“
fragte ich auch den Leiter der Vollzugsanstalt. „Waren Sie etwa alle
gleichgeschaltet? Oder wer, wenn nicht einer von Ihnen, hatte die Verantwortung?
Der Innenminister? Der Justizminister?“ Oder gar der Ministerpräsident selbst?“
Ich bekam von den Herren keine Antworten mehr. Anschließend teilten sie mir noch
mit, das ich selbstverständlich in eine andere Zelle kommen würde bis zur
Verhandlung und Herr Berger vereinbarte mit mir einen neuen Termin zur
Besprechung der Faktenlage.
Montag, 14:15 Uhr
„Das ist ja menschenunwürdig, in solche Klamotten zu steigen“, sagte der Philosoph
unter den Wärtern zu mir, als er mir im Zugangszimmer meinen Karton mit meinen
270
teilweise zerrissenen und verschmutzten Sachen übergab und sich deren
Vollzähligkeit quittieren ließ.
„Kleider machen Leute“, antwortete ich sarkastisch und erinnerte mich an Wilhelm
Voigt in der Rolle des Hauptmanns von Köpenick. „Die Lumpen wären mir
momentan lieber als die Anstaltssachen.“
„Je feiner der Zwirn, desto schlichter das Hirn“, feixte der Wärter, und er und sein
Kollege lachten. Und mit völlig ernsten Tonfall direkt im Anschluss fragte der
Philosoph: „Was werden Sie jetzt tun, Herr Bane?“ nachdem sie mich in eine andere
Zelle gebracht hatten.
„Endlich schlafen, ausschlafen.“
Dr. Berger ist dann auch gleich für mich tätig geworden. Dieser Prozess sollte noch
einiges an Präsenz in den Medien finden.
Der Jugo aus meiner Zelle hatte mit dem Umstand, dass ich ausgerechnet in seine
Zelle eingesperrt wurde, absolut nichts zu tun. Auch er glaubte nicht an einen Zufall,
sondern vermutete, dass man versuchen wollte, ihn zu einem Angriff auf mich zu
provozieren, um ihn möglichst lange in Haft nehmen zu können. Da er den
Gefängnisalltag bereits kannte, war ihm aufgefallen, dass „unsere“ Zelle besonderer
Aufmerksamkeit seitens des Wachpersonals unterlag, und er ließ sich nicht
provozieren. Er wurde kurz darauf wegen Menschenhandels zu drei Jahren Haft
verurteilt. Nach den ersten Wochen in Haft, wurde er Opfer eines internen
Hofzwischenfalls unter Häftlingen und erlag daraufhin seinen davongetragenen
Verletzungen.
Tja, manchmal greift das Leben auch an den richtigen Stellen selbst ein, ohne dass
man etwas dazu tun muss. Auf jeden Fall hatte es dieser verdammte Bastardnsohn
nicht anders verdient und großes Glück gehabt, das er mich zur falschen Zeit
getroffen hatte, sonst wäre sein beschissenes armseliges Leben bereits Wochen
vorher beendet worden!
Die Begriffe Rechtsstaat und Folter schließen sich in der Theorie gegenseitig aus. Die
Praxis - auch der Untersuchungshaft - ist eine andere, trotz
§ 343 StGB Aussageerpressung
(1) Wer als Amtsträger, der zur Mitwirkung an
1. einem Strafverfahren, einem Verfahren zur Anordnung einer behördlichen Verwahrung,
2. einem Bußgeldverfahren oder
3. einem Disziplinarverfahren oder einem ehrengerichtlichen oder berufsgerichtlichen Verfahren
berufen ist, einen anderen körperlich misshandelt, gegen ihn sonst Gewalt anwendet, ihm Gewalt
androht oder ihn seelisch quält, um ihn zu nötigen, in dem Verfahren etwas auszusagen oder zu
erklären oder dies zu unterlassen, wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren
bestraft.
(2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.
271
Da saß ich nun. Auf demselben Platz wie Jahre zuvor der Mann, dessen Leben ich nun
endlich ein Ende bereitet hatte.
Auf dem Stuhl des Angeklagten! Heute also sollte Justitia mich richten!
Mich, einen Mann, der nichts mehr zu verlieren gehabt hatte.
Es heißt immer, niemand außer Gott hätte die Macht und das Recht über Leben und
Tod zu entscheiden!
Ich hatte meine Rache genommen und es war mir egal, ob Gott dies akzeptierte. Denn
ich bin Gott!
Mein Leben war am Boden gewesen.
Tiefer noch, am tiefsten aller Abgründe.
Nichts hatte es noch lebenswert gemacht, kein Funke des Glückes wagte es auch nur
in meine Nähe.
Jetzt wusste ich immerhin, wie es sich anfühlte, wenn die Rachegelüste erfüllt waren!
Und ich bereute nichts!
Die Gerichtsverhandlung glich der damaligen nicht im Geringsten. Von Anfang an
hatte es Proteste dagegen gegeben. Nicht von mir. Mir war sie völlig egal und ging mir
am Arsch vorbei!
Vor allem Frauen bejubelten mich. Mütter, Tanten und Omas, die es toll fanden, dass
endlich einmal jemand das Richtige tat!
Auf kaum einem Zeitungstitelblatt war ich nicht zu sehen gewesen. „Der Rächer
unserer Kinder“ wurde ich genannt.
Als Sinnbild des Vaters, der die Dinge selbst in die Hand nahm, wurde ich gefeiert!
Und nun war sämtliche Presse angetreten um der Verhandlung beizuwohnen.
Alle erhoben sich zum Startplädoyer und der Staatsanwalt begann vorzulesen.
Maximilian Christian Bane, geboren am 24. März 1970 in Würzburg, wird angeklagt,
am siebten Dezember des Jahres 2011 einen vorsätzlichen Mord mit
vorausgegangener Folterung an Richard Owolsky, geboren am dreiundzwanzigsten
Januar 1963 in Krakau, begangen zu haben.
Der Angeklagte traf in einer S -Bahn auf sein Opfer und verfolgte es bis zu dessen
Wohnort. Dort drang er durch ein Fenster ein, woraufhin er Owolsky überwältigte und
an einen Stuhl fesselte. In einem Zeitraum von etwa einer Stunde folterte Bane sein
272
Opfer durch diverse Schläge in Kopf- und Brustbereich. Des Weiteren trennte er ihm
Glied und Hodensack mithilfe eines Brotmessers aus Owolskys Küche vom Körper.
Anschließend brachte er das Opfer in ein nahes gelegenes Waldstück und bohrte ihm
einen Holzpfahl durch den Körper und ließ ihn verbluten.
Das Todesdatum von Owolsky wurde auf 18:34 Uhr datiert.
Gefunden wurde die Leiche zwei Stunden später durch Fußgänger, die ihren Hund
Gassi führten. Bane wurde noch am selben Abend als erster Tatverdächtiger in seiner
Wohnung festgenommen, da Owolsky im Jahr 2009 sowohl Banes Frau als auch seine
Tochter vergewaltigt und auf ähnliche Weise verstümmelt und ermordet hatte, wie
im heutigen Fall.
Das Motiv ist ganz klar Rache!
Owolsky wurde damals zu 5 Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt, wurde aber im
August 2011 wegen guter Führung vorzeitig entlassen…
Ich hörte nicht zu. Ebenso wenig hatte ich vor zu sprechen.
In den letzten zwei Jahren hatte ich sowieso nur sehr wenig gesprochen. Alles hatte
sich geändert. Voll Trauer, Schmerz und Hass war ich in dieser Zeit durch die Gegend
geschweift, eine leblose Hülle. Meine Rachegelüste konnte ich nicht stillen, der
Schänder meiner Frau und Tochter saß sicher hinter meterdicken Mauern.
Am Anfang hatte ich gedacht, die Tatsache, dass man dieses Monster für Jahre
wegsperrte, würde mich beruhigen.
Doch ich hatte mich geirrt. Es hatte rein gar nichts an der Tatsache geändert, dass ich
nun für immer einsam und gebrandmarkt war.
In den Jahren, die er verwahrt war, alterte ich schnell. Ich gab mein komplettes Leben
auf, wurde wegen meiner Depressivität gesellschaftlich gemieden. Ich hatte noch
mehr Zeit, nachzudenken.
Jede erste und zweite Sekunde verbrachte ich in Trauer an Frau und Kind, jede dritte
in Gedanken daran, was ich mit Owolsky anstellen würde, wenn ich ihm noch einmal
begegnete.
Während ich dort vor Gericht und neben meinem Anwalt saß, hielt ich den Kopf
aufrecht und verzog keine Miene. Es mochte so aussehen, als wäre ich stark und
würde für meine Taten geradestehen, doch das war nur Fassade.
Ich war schwach und meine Gedanken schweiften in weite Ferne, in die Zeit, in der
alles begonnen hatte.
Der Moment, in dem alles zusammenbrach!
273
Wie vom Blitz getroffen rannte ich damals die Treppen zu unserer Wohnung herauf,
den Tränen nahe. Sie hatten mich im Büro angerufen. Mir die Hiobsbotschaft
übermittelt.
Als Sandy und ich unsere Tochter Emily erwarteten, hatte ich mich in den Innendienst
versetzen lassen um für sie da zu sein. Die beiden waren mein Leben!
Keine zehn Minuten später war ich daheim eingetroffen und an all den Polizei - und
Spurensicherungsfahrzeugen und den zwei Kaffee trinkenden Polizisten vor meiner
Haustüre vorbeigerannt.
Die Wohnungstür stand offen und davor lehnte Silvia an der Wand, die beste Freundin
meiner Frau. Ihr stand der Schock ins Gesicht geschrieben und die Augen waren von
Tränen gefüllt. Eine Polizistin stand neben ihr und stellte Fragen.
Silvia hatte die beiden gefunden. Sie wollte Sandy und die Kleine besuchen, an der
Haustüre wäre sie beinahe mit einem blutverschmierten Mann zusammengestoßen.
Verwundert und verstört war sie die Treppen hinaufgegangen und hatte die
offenstehende Wohnung betreten.
Als sie mich sah, kam sie einen Schritt auf mich zu.
„Max…“
Ich stieß sie zur Seite, rannte weiter in die Wohnung.
Schon am Durchgang vom Flur zum ersten Zimmer blieb ich wie angewurzelt stehen.
Dort lagen sie, alle beide.
Es war das Kinderzimmer von Emily, nicht groß, nur ein Bett, ein Schreibtisch mit
Stuhl, ein Schrank und ein Regal. Sie war gerade sieben geworden, ein hübsches und
liebes Kind, dessen Augen immer neugierig waren und voller Lebensfreude strahlten.
Nun blickten sie mich leblos von ihrem Bett aus an. Sie schienen mich zu fragen,
warum ich nicht für sie da war. Warum ich ihr nicht geholfen hatte.
Ihr entblößter kleiner Körper war voller Einschnitte, überall war Blut.
Ich war dem Zusammenbruch nahe, aller Lebensgeist schien mir zu entweichen. Ich
spürte gar nicht, wie mich zwei Beamte stützten, als ich langsam in die Knie sank.
Auf dem Boden vor mir lag meine Frau auf dem Rücken, ihr Kopf mit dem
Kastanienbraunen, leicht gewellte Haar und den wundervollen Augen, in die ich mich
jedes Mal aufs Neue verliebt hatte, war grotesk verdreht und auf den Schrank
gerichtet.
274
Auch sie war entblößt und an den markanten Stellen grausam verstümmelt worden.
Ein fransiger Ring aus Fleisch und Blut zog sich um ihren ganzen Hals.
Das letzte was ich sah, bevor mir schwarz vor Augen wurde und die Welt um mich
herum verschwand, war mein Armeemesser, dass blutverschmiert auf dem
Schreibtisch lag. Ich hatte es als Andenken an meine Zeit im Ausland über dem
Schlüsselbrett an der Eingangstür hängen gehabt. Jetzt war es zur Mordwaffe meiner
Familie geworden.
Ich weiß nicht mehr, ob es der Schmerz über den Verlust und das schreckliche Bild,
das sich mir bot, oder die Selbstvorwürfe darüber waren, dass ich nicht für die beiden
da gewesen bin, die mich letztendlich zu Boden rafften.
Die Tage darauf war die Hölle. Ich hatte hohes Fieber und versuchte, das Geschehene
zu realisieren. Das ist mir bis heute nicht gelungen!
Ständig war ich umgeben von „sogenannten“ Freunden, die mir Trost spenden, sich
um mich kümmern wollten und ihr Beileid aussprachen. Das machte Sandy und Emily
auch nicht mehr lebendig, am liebsten hätte ich alle fortgejagt.
Ein Psychologe der Polizei besuchte mich regelmäßig, um mir von den
Ermittlungsfortschritten zu berichten. Sie hatten den Täter schnell geschnappt,
anhand der DNS, der Fingerabdrücke und der Beschreibung von Silvia hatte es dabei
keine Probleme gegeben.
Hass grollte in mir auf, ich war drauf und dran, den Mörder in der U-Haft zu besuchen
und ihm so lange auf die Fresse zu schlagen, bis sein Körper schlaff
zusammengebrochen wäre.
Doch der Psychologe konnte meine Gedanken von den Augen ablesen und hielt mich
zurück, versuchte meine Wut zu dämmen. Er meinte, die Haftstrafe, die den Mann
namens Owolsky erwartete, wäre eine schlimmere Strafe als der Tod und das wäre
auch im Sinne meiner geliebten Frau Sandy gewesen!
Nach einer Weile schenkte ich ihm Glauben und suchte mir einen Anwalt, der den
Schänder meiner Liebsten so lange wie möglich hinter Gitter stecken würde.
Schon bald drauf fand der Prozess statt.
Ich taumelte nur noch durchs Leben, aber mein Gang zum Gericht war stark, voller
Ehrgeiz, dem Widerling eine gerechte Strafe zu verpassen.
Erstmals sah ich den Menschen persönlich, der mein Leben zerstört hatte. Er schien
völlig ruhig und gelassen, hatte ein Allweltgesicht mit dunklen Haaren und Augen und
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wirkte ungepflegt. Als er mich, den von Trauer und Schlaflosigkeit gezeichneten
Kläger, erblickte, grinste er. Ein widerliches Grinsen von einem widerlichen Monster,
das keine Reue zeigte. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich nicht zufrieden
wäre, wenn dieser Mensch hinter Gittern säße. Er würde es wegstecken und sich nach
der Zeit im Knast über weitere Opfer hermachen. Doch vor allem wäre es keine Strafe,
die dem Tod zweier geliebten Menschen nicht gerecht werden!
Mein Körper war verkrampft, als ich auf der Klägerbank saß. Am liebsten wäre ich
aufgesprungen und hätte ihn mit den bloßen Händen erwürgt. Doch stattdessen
musste ich den ganzen Gerichtshergang über mich ergehen lassen und alles noch
einmal genauestens mi t anhören, was am Tag des Verbrechens vorgefallen war. Es
war das Grauen für mich!
Alleine die Tatsache, dass dieses Schwein lebte, während meine Familie tot war,
brachte mich beinahe zum Zusammenbrechen.
Owolsky gestand alles, es schien diesen verfluchten Bastard förmlich aufzugeilen, die
ganze Geschichte noch einmal zu erzählen.
Er hatte meine Frau und meine Tochter auf dem Rückweg vom Einkaufen erblickt und
war ihnen im Wagen gefolgt. Emily hatte ihm mit ihren langen, blonden Haaren
gefallen.
Wie ein Engel, sagte er. Hört Ihr? „Wie ein Engel!“
Schon jetzt begannen mir Tränen der Trauer und des Hasses auf Owolsky aus den
Augen zu fließen, mein Anwalt legte mir die Hand auf die Schulter.
Meine Frau hatte ihr Auto vor der Haustüre geparkt, um den Einkauf hochzutragen.
Ihr Mörder hatte sie das Treppenhaus hinauf verfolgt und war ein Stockwerk höher
gegangen, bis Kris die Wohnung wieder verließ, um den Rest des Einkaufes aus dem
Wagen zu holen. Diese Zeit nutzte Owolsky, um in die Wohnung einzudringen. Emily
hatte sich an ihren Schreibtisch gesetzt und sich den Hausaufgaben gewidmet, als er
sich ihr langsam von hinten genähert hatte. Er schwärmte von ihrem Duft.
Dann hatte er sie gepackt und das schreiende Kind aufs Bett gedrückt, sein
Körpergewicht schmiegte sich an sie und er begann, das hilflos um sich schlagende
Mädchen auszuziehen.
Wimmernd saß ich da, und hörte dem Mann zu.
Jegliche Kraft, die ich in mir vor dem Prozess aufgebaut hatte, verfiel ohne
Wiederkehr!
Owolsky erzählte weiter, dass er gerade seine Nase tief in die Haare meiner Tochter
gedrückt hatte, um den Duft aufzusaugen, als ihn ein dumpfer Schlag am Hinterkopf
276
traf. Fast schon vorwurfsvoll erklärte er dem Richter, dass meine Frau ihn bei seiner
Tat gestört hatte und deshalb sterben musste. Sie hatte über ihm gestanden und mit
einem Hölzernen Gegenstand auf ihn eingeschlagen. Er überwältigte sie und brach ihr
kurzerhand das Genick, woraufhin sie tot auf dem Boden zusammenbrach.
So daliegend gefiel ihm diese Furie doch ganz gut und er beschloss, sich ihrer später
anzunehmen.
Zunächst hatte er sich wieder meiner Tochter zugewendet, die weinend auf ihn
eingetreten hatte und nun vor Schock über den Tod ihrer Mutter still schluchzend auf
dem Bett saß. Er drückte sie wieder aufs Bett und begann mit seiner schrecklichen
Tat, sie zu vergewaltigen. Mein kleines armes Mädchen, dieser Bastardnsohn!
Meine Tränen hatten inzwischen sämtliche Unterlagen und Notizen unleserlich
gemacht, die ich mir hergerichtet hatte.
Die Ohnmacht und die Welt der Träume schien näher als diese harte, hemmungslose
Realität.
Nachdem Owolsky mit meiner Tochter fertig war, machte er sich über meine tote Frau
her. Er beschrieb es als besonderen Genuss, da er noch nie Sex mit einer Toten gehabt
habe. Um das Ganze noch zu steigern, besorgte er sich ein Messer – mein Messer –
und schnitt damit tiefe Wunden in die Geschlechts - und Brustbereiche von Kris und
Emily, woraufhin er sie ein weiteres Mal vergewaltigte. Emily war inzwischen vor
Schmerzen in Ohnmacht gefallen.
Mir war schlecht, ein Brechreiz bahnte sich an und ich kotzte direkt auf den Tisch vor
mir. Der einzige Grund, warum ich sitzen blieb war der, dass ich Owolsky im Auge
behalten wollte. Ich wollte ihn durchschauen, seine kranken Gedanken lesen, etwas
277
Menschliches in ihm suchen, das meinen Hass besänftigen würde. Doch alles was ich
sah war Leere!
Zuletzt schnitt dieses Monster meiner Frau und meiner Tochter die Kehlen auf, um
sicher zu gehen, dass sie ihn nicht verpfeifen würden. Zur Feier des Tages, so sagte er,
nahm er noch den Geldbeutel meiner Frau mit, um sich in seiner Stammkneipe zu
betrinken.
Voller Blut an Haut und Klamotten verließ er unsere Wohnung ohne sich noch einmal
umzusehen.
Mein Anwalt klopfte mir noch einmal aufmunternd auf die Schulter. Als ob das noch
etwas ändern würde!
Dann wendete er sich dem Angeklagten zu, um seine Fragen zu stellen. Am Ende des
Tages stand ein Gerichtsurteil fest, mit dem ich mich schon in diesen Augenblick nicht
anfreunden konnte. Er sollte leiden, dieser Bastard. Grausam leiden und sterben!
Doch was mich in eine abgrundtiefe, hasserfüllte Raserei brachte war der Umstand,
daß dieser Drecksack von seinem Verteidiger es doch tatsächlich schaffte, daß
Owolsky aufgrund von angeblicher Unzurechnungsfähigkeit nur in eine Psychiatrie
kam und dort nach Heilung wieder auf freiem Fuß rauskommen sollte.
Ich wusste genau, dass das nichts an seiner Einstellung ändern würde. Schon während
des Schuldspruchs schwor ich also Rache...
Lange Jahre tappte ich im Dunkeln. Ich verbrachte Tage und Nächte vor Fotos einer
intakten Familie, die nur noch in meinen Erinnerungen existierte. Das Leben schien
ohne Sinn zu sein, doch es mir einfach zu nehmen schien mir feige. Ich hatte noch ein
Ziel, ich wollte Rache.
Ich war ein psychologisches Wrack, mit dem man nichts mehr anfangen konnten. In
all den Jahren, in denen Trauer und Hass sich in mir von Tag zu Tag steigerten,
verließen mich die meisten meiner Freunde. Sie gaben mich auf, wie ich es selbst
schon lange get an hatte. Nur die wenigsten wollten mich nicht alleine lassen und
versuchten mich so oft wie möglich raus aus meiner kleinen Wohnung zu locken, in
der ich vor mich hinvegetierte. Sie wollten, dass ich Spaß und Freude am Leben habe
und etwas Schönes erlebe. Doch nichts machte mich glücklich. Verdammt nochmal,
wie denn auch?
Jeder noch so kleine Stein erinnerte mich an Sandy und Emily und ich verfiel wieder
in depressive Trauer.
Nach zwei Jahren sah ich mit Ende dreißig aus wie fünfzig. Tiefe Falten säumten mein
Gesicht und die Haare waren ungepflegt und grau. Drogen verabscheute ich dennoch,
auch in dieser ausweglosen Situation wäre das Gift mir als letztes in den Sinn
278
gekommen. Ich lebte nur von dem Nötigsten. Dabei blieb viel von dem Geld über, das
ich als psychologisch kranker Arbeitsloser bekam. Ein Teil davon floss in die Pflege der
Gräber, die ich mehrmals die Woche besuchte. Immerhin kam ich vor die Haustüre,
meinten meine Freunde.
Ich bereitete mich aber auf den Tag seiner Entlassung vor. An diesem Tag sollte er auf
grausamste Weise mit seinem jämmerlichen Leben endgültig abschließen, diese
verdammte Dumme Kuh!
So plätscherte mein Leben bis dahin Tag für Tag vor sich hin, ohne dass ich wirklich
lebte, bis der Moment kam, an dem ich mit einem Mal wieder völlig klar denken
konnte und der Hass in mir überhandnahm.
Der Mörder und Schänder, dem ich den Tod seit der Verhandlung mehr als alles
andere gewünscht hatte, saß in derselben S-Bahn wie ich, die zum Friedhof fuhr.
Als Owolsky das Gefängnis verließ, hatte ich das leider nicht mitbekommen, da die
Polizei das genaue Datum seiner Entlassung nicht bekannt gegeben hatte.
Irgendjemand hatte mir zwar erzählt, das Owolsky auf Bewährung aus der Klinik
entlassen worden war, doch damals hatte ich kaum zugehört. Doch als ich ihn mit
eigenen Augen erblickte und er mich mit demselben, widerwärtigen Grinsen
anstarrte, das er mir sch on vor Gericht entgegengebracht hatte, grollten alle
Gedanken in mir auf, wie er zu sterben hatte.
Es bedurfte keiner weiteren Planung. Ohne zu überlegen und als würde ich alten,
ursprünglichen Instinkten folgen, stieg ich an derselben Haltestelle wie Owolsky aus.
Meine Augen verengten sich zu schlitzen, als ich an das letzte Wiedersehen mit
Owolsky dachte. Gerade wurde sein Wohnungsgenosse ausgefragt, der vom
Auffinden des Toten berichtete. Kurz widmete ich ihm meine Aufmerksamkeit. Doch
keines seiner Worte musste meine Erinnerungen untermauern, alles erschien mir
auch so, als wäre es gestern gewesen.
Mit ausreichend Abstand verfolgte ich den Mörder meiner Liebsten. Einige Male
blickte er sich um, als würde er etwas ahnen, doch ich konnte immer schnell in der
Menschenmenge untertauchen, die sich in diesem heruntergekommenen Viertel
herumtrieb.
Ich versuchte mir einen Plan auszumalen, während ich versuchte ihn nicht aus den
Augen zu verlieren. Doch schnell verwarf ich ihn wieder und beschloss, zu
improvisieren. Nur das Ziel des Ganzen lag absolut klar auf der Hand. Dieses Monster
musste sterben!
279
Es war ein längerer Fußmarsch, scheinbar war Owolsky nicht in nächster Nähe seiner
Wohnung ausgestiegen. Stattdessen, so bemerkte ich, genoss er den Spaziergang
durch die Menschen auf seine ganz eigene Art. Jedes Mädchen, das ihm über den Weg
lief, betrachtete er mit interessiertem Blick.
Und die Psychologen hatten behauptet, er wäre „geheilt“! Diese abartigen Monster
heilten nie!
Meinem Vorhaben sicherer denn je folgte ich ihm weiter, scheinbar hatte er an
keinem Kind Gefallen gefunden.
Erst, als er ein heruntergekommenes Gebäude betrat, wusste ich, dass wir am Ziel der
Reise angekommen waren. Am Ort seines Todes!
Ich wartete noch einen Moment, bis im ersten Stock des alten Wohnhauses ein Licht
angemacht wurde und auf die dämmernde Straße fiel, so dass ich auch genau wusste
in welcher Wohnung er lebte. Anschließend ging ich auf direkten Weg nach Hause um
meine lange vorbereiteten Racheutensilien zu holen. Mit diesen im Gepäck stand ich
bereits 2 Stunden später wieder vor seinem Haus und beobachtete das Fenster seiner
Wohnung.
Während der vergangenen Jahre hatte ich mich mit allen möglichen Foltermethoden
beschäftigt. Auf einer Seite im Internet wurde er dann fündig. Die perfekte Strafe für
einen perversen Kindermörder...
Wahrscheinlich wollte dieser Bastardnsohn etwas die Ruhe in seiner Wohnung
genießen. Davon sollte er schon bald genug bekommen. Ich verbrachte noch einige
Zeit vor dem Haus. Und dann kam meine Chance.
Dieser Bastardnsohn öffnete tatsächlich sein Fenster und ließ es sogar offen.
Ohne lange zu zögern benutzte ich einen Müllcontainer dazu, in alter Manier durch
das Fenster in die kleine Wohnung einzudringen.
Angewidert hatte ich festgestellt, dass es hier schrecklich roch. Alles war ungepflegt.
Für einen kurzen Augenblick erinnerte mich das Ganze an meine Wohnung und mein
Auftreten in den letzten Jahren. Doch ich verwarf den Gedanken. Ab heute würde ich
wieder besser leben können, wenn mein Rachedurst endlich gestillt und der Tod von
Kris und Emily gerächt worden war!
Das menschenleere Zimmer war spartanisch eingerichtet, und ich bewegte mich
nicht, um einem möglichen Geräusch zu lauschen.
Da war es, schnell glitt ich in den nächsten Raum, in dem Owolsky gerade fluchend
vor einer Mikrowelle stand. Ich schlich mich an ihn heran und zog ihm eins mit dem
schweren Baseballschläger über, den ich dabeihatte. Owolsky sackte zusammen. Als
280
er wieder zu sich kam, saß er an Händen und Füßen mit schmutzigen Küchenlumpen
gefesselt auf einem Stuhl. Der Spüllappen steckte tief in seinem Mund.
Ich wollte nicht hören, was er zu sagen hatte. Mir war inzwischen egal, warum er mein
Leben zerstört hat!
Ich wollte ihn nur Leiden lassen und meine Rache genießen, auf das endlich wieder
alles im Gleichgewicht wäre. Mir war bewusst, dass sein Tod mir niemanden mehr
zurückbringen konnte. Aber ich würde wieder ruhig schlafen können! Das erste Mal
wieder!
Owolsky kam blinzelnd zu sich, ehe er sich seiner Lage bewusstwurde und mich mit
einem Anflug von Panik auf dem gleichgültigen Gesicht anstarrte. Ob er mich erkannte
war mir jetzt erstmal egal. Das sollte später genauer geklärt werden! Sein widerliches
Lächeln jedenfalls würde nie wieder zum Vorschein kommen.
„Hallo, Arschloch!“ Wieder schlug ich ihm ins Gesicht. Doch diesmal, ohne ihn
auszuknocken. Ich beleidigte ihn und ließ allen Frust und Hass ab, den ich in all den
Jahren angesammelt hatte. Jedem Wort folgte ein Schlag in Gesicht oder Brust, der
ihm die Luft aus den Lungen trieb. Nach einer guten Stunde schwitzte ich wie ein Tier
und lächelte das erste Mal seit Jahren wieder. Ich fühlte mich frei!
Der Kinderschänder vor mir sah aus wie ein Boxer, der ordentlich Schläge hatte
einstecken müssen. Überall grüne und blaue Flecken, blutige Wunden und Ergüsse.
Mit letzter Kraft schien er sich bei Bewusstsein zu halten.
Ich verließ ihn kurz und kehrte mit einem Brotmesser in sein Sichtfeld zurück. Dann
hielt ich es dicht vor seine Nase und betonte jedes meiner Wörter mit einem leichten
Messerschwung in seine Richtung.
„Das ist für Sandy!“
Das Messer rauschte nieder, auf seine Beine zu. Mit der anderen Hand zog ich sein
Geschlechtsteil hervor und ließ die Klinge durch seinen Hodensack gleiten. Sein Inhalt
und ein ausgefranstes, blutiges Hautstück fielen klatschend zu Boden. Owolskys
Schreie durchklangen den Raum durch den Knebel hindurch. Dann fiel er wieder in
Ohnmacht.
Ein Glas Wasser brachte das schmerzverzerrte Gesicht wieder in Bewegung. Ich
wartete nicht lange.
„Das ist für Emily!“
Wieder rauschte das Messer nieder, diesmal trennte es das gesamte Geschlechtsteil
vom Körper ab. Eine Blutfontäne schoss zwischen seinen Beinen hervor und ich ging
angewidert in Deckung. Owolsky regte sich nicht mehr. Doch so einfach wollte ich ihn
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nicht sterben lassen. Nicht nachdem er meiner Familie so schreckliches angetan
hatte!
Ich musste ihn wohl oder übel, notwendigerweise zumindest so verbinden, dass er
noch nicht ausblutete oder gar starb. Während ich also in dem ganzen Blut die Binden
um ihn rumband beugte ich mich seitlich an seinen Kopf heran und flüsterte ihm ins
Ohr.
„Und das Finale ist für mich, Du dreckige Dumme Kuh! Du nahmst mein Leben, ich
nehme deins!“
Dann klebte ich Owolsky 3 Pflaster Scopoderm TTS auf den Arm. Ich hatte mir diese
Pflaster gegen meine angebliche Reisekrankheit verschreiben lassen. Denn ich hatte
ausführlich recherchiert. Dem Internet sei Dank...
Der Wirkstoff Skopolamin verhält sich so wie k.o.- Tropfen. Doch die Beschaffung der
Pflaster war wesentlich einfacher. Ich hoffte nur, daß die 3 Pflaster nur schnell wirkten
und Owolsky nicht sofort den Rest gaben. Dann hievte ich mein Paket auf den Rücken
und verließ mit ihm se in Haus. Nicht weit von ihm führte ein kleiner Weg, in einen
Wald. Dank der Skopolamin-Pflaster war der Fußweg sehr ruhig. Owolsky kam zwar
wieder zu sich, war aber total benebelt. Nicht weit drin im Wald stoppte ich und warf
den Wichser auf den Boden vor mir. Mir stand der Schweiß auf der Stirn. Ich atmete
tief ein. Eigentlich war es hier sehr schön... wenn man mal von der grausamen Tat
absah, die hier jetzt stattfinden würde. Nun sollte es losgehen. Owolsky sollte seine
gerechte Strafe erhalten. Der deutsche Staat war dazu ja nicht in der Lage. Gut, daß
ich mir diesen Plan schon lange zurechtgelegt hatte. Und so holte ich aus meine
Rucksack einen Flaschenzug und warf den über einen Ast. Ich legte Owolsky über
einen Baumstumpf, denn schon bald sollte das Blut dieses Monsters darauf kleben…
Ich nahm ein Messer und schnitt Owolsky die blutverschmierten Kleider vom Leib.
Dann holte ich einen fast drei Meter langen und fast 10cm breiten abgerundeten
pfahlähnlichen Ast aus einem Gebüsch und legte ihn neben Owolsky. Obwohl ich
eigentlich nicht rau chte, zündete ich mir eine Zigarette an. Langsam bewegte sich
Owolsky. Als ich die Zigarette an sein nacktes Fleisch drückte, stieß er ein dumpfes
Schreien aus. Es freute mich, daß die Wirkung des Skopolamins langsam nachließ. Also
wartete ich noch etwas u nd vertrieb mir die Zeit damit, Owolsky' Körper mit
Brandnarben zu verschönern. Und dann war es endlich soweit! Die Wirkung der
Pflaster war verflogen, Owolsky wieder voll da und so konnte das große Finale
losgehen!
Ich kniete mich vor ihn, damit er sehen konnte, wer hier mit ihm spielt. Als Owolsky
mich jetzt erkannte, wand er sich auf dem Stumpf. Doch da er nackt war, scheuerte
er sich den Bauch auf. Aus seinem Mund kam nur ein dumpfes Schreien. Ich erklärte
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ihm in ruhigen Worten, wer ich bin und daß er jetzt die Leiden meiner Tochter
nachempfinden könne. Ich ließ meinem Hass freien Lauf und schlug mehrmals auf
Owolsky ein. Dann zog ich mir Latexhandschuhe an und trat mit einer Tube Gleitgel
wieder vor Owolsky . Ich erklärte ihm, was nun folgen sollte und erzählte eine
Geschichte von Vlad III Ţepeş, dem PFÄHLER...
Owolsky Augen weiteten sich vor Panik und füllten sich mit Tränen. Er schluchzte und
stieß ein dumpfes Flehen aus. Ich dachte aber nur an meine geliebte Sandy und an
meine kleine unschuldige Emilie. Die hatten bestimmt auch so geschrien und gefleht.
Wahrscheinlich hatten sie sogar nach mir gerufen und ich konnte ihnen nicht helfen!
Oh mein Gott! Es waren nur fünfzehn Minuten, und ich habe dabei wirklich alles
verloren, was mir in meinem beschissenen Leben jemals wichtig war! Diese Gedanken
würden mich für immer verfolgen.
Owolsky’ klägliche Sprachversuche holten mich schließlich aus meiner Gedankenwelt
zurück in die Realität. Ich brachte mich hinter Owolsky in Position. Jetzt war es soweit
und meine Rache sollte nun abgeschlossen werden!
Ich schmierte die abgerundete Seite vom Holzpfahl mit dem Gleitgel ein, den Rest
spritzte ich in den Arsch von diesem Scheißkerl. Dann nahm ich den Pfahl und schob
ihn langsam und vorsichtig in Owolsky' Arsch. Nur nicht zu schnell, denn die
eigentliche Tor tur kam ja noch. Owolsky wand sich vor Schmerzen, doch ich fuhr
unbeirrt fort. Als der Pfahl ungefähr 50 Zentimeter in seinem Darm verschwunden
war, hörte ich auf. Ich nahm den Haken vom Flaschenzug und befestigte ihn an dem
Seil, mit dem ich Owolsky gefes selt hatte. Dann zog ich daran und der Pfahl mit
Owolsky stellte sich langsam senkrecht auf. Ich band das Seil an der Eiche fest, grub
den Pfahl etwas ein und befestigte ihn so, daß er nicht umfallen konnte. Dann kappte
ich das Seil vom Flaschenzug.
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Durch Owolsky' Gewicht schob sich der Pfahl durch den ganzen Körper. Von Owolsky
hörte man nur noch ein leises Wimmern. Er war unfähig sich zu bewegen, konnte
nicht glauben, was hier mit ihm passierte. Sein Körper rutschte Stückchen für
Stückchen tiefer. D a der Pfahl abgerundet war, wurden Owolsky’ Organe nicht
durchbohrt, sondern einfach weggeschoben. Ein tödlicher Weg durch den ganzen
Körper. Irgendwann drückte der Pfahl dann gegen die Luftröhre…
Ich bedauerte nur, daß Owolsky ohnmächtig wurde, bevor er starb.
Da stand ich nun und sah auf mein Werk. Owolsky war tot. Er ist durch die gleichen
Leiden gestorben wie sein Opfer. Nur vielleicht eine Spur brutaler. Ich fand, daß alle
Gewaltverbrecher die Leiden ihrer Opfer nachempfinden sollten. Das würde zwar die
Tat nicht ungeschehen machen, aber die Opfer und die Angehörigen fühlen sich dann
wenigstens nicht so von der Justiz hintergangen.
Dann sammelte ich alle Sachen ein und verwischte mit einer Harke, die ich auch
dabeihatte, meine Spuren. Die leere Tube, die Handschuhe und die Zigaretten würde
ich unterwegs einfach entsorgen. Dann atmete ich noch einmal tief ein. Es war
vollbracht!
Es ist wirklich schön hier im Wald, dachte ich und lief los.
Ohne Pause lief ich den ganzen Weg bis nach Hause, eine neu gewonnene Kraft schien
mich anzutreiben. Und ich lächelte, ich war frei!
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Sandy und Emily brachte die Aktion nicht zurück, doch ihr Tod war nun gerecht und
ich wusste, dass ich endlich wieder ruhig schlafen könnte, da die beiden endlich ihren
Frieden gefunden hatten.
Ich beschloss, einen Neuanfang zu machen und meine Freiheit wieder zu genießen.
Das begann damit, dass ich das erste Mal seit langem wieder ausgiebig duschte und
daraufhin begann, meine kleine Wohnung aufzuräumen. Bilder meiner Liebsten
bekamen Ehrenplätze, nie würde ich sie vergessen. Aber endlich könnte ich wieder
leben!
Meine neu gewonnene Freiheit währte nicht lange, noch in derselben Nacht stand die
Polizei mit dem Staatsanwalt vor meiner Tür. Ohne mich zu wehren lächelte ich, als
sie mich festn ahmen und abführten. Die Beamten sahen sich verwundert an, sie
konnten nicht ahnen, dass eine jahrelange Last von meinen Schultern abgefallen war.
Kein Gitter und keine Mauer dieser Welt könnte mir dieses Glücksgefühl nehmen.
Ich spürte das Klopfen auf meiner Schulter, das von meinem Anwalt kam. „Keine
Sorge, Max, es wird alles gut. Die haben keinerlei Beweise und damit nichts in der
Hand gegens sie!“
„… Angeklagter, Sie haben das letzte Wort.“
Vernahm ich noch, als würde es von weit herkommen.
Dann sah ich mich um und bemerkte, dass alle Teilnehmer der Gerichtsverhandlung
mich fragend anstarrten.
Kurz dachte ich darüber nach, doch noch irgendetwas zum Thema
Kindervergewaltigung zu sagen, doch dann senkte ich wieder den Kopf und lächelte
sanft, während die Richter sich zur Urteilsfindung zurückzogen.
Alles war okay!
„Und wer der Kleinen einen ärgert, die an mich glauben, dem wäre es besser, daß ihm ein
Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde.“
Jesus Christus (Markus 9,42)
Schizo:
(2009 - 2013)
285
15. Mai 2012 / Sie ist weg?
Hey, heute ist wieder einer von diesen verdammten Tagen, die ich kaum ertrage, und
dann auch MICH selbst kaum ertrage und mich dann ständig selber frage,
warum ich all diese Gefühle habe, die ich manchmal gar nicht kenne.
Dann bin ich Gott in meiner Welt! Doch alles, was mir dann gefällt, ist mir einfach zu
wenig, viel zu wenig!
Und alles was mich schiebt, von dem ich nie genug kriege, ja selbst das lass ich dann
lieber sein, denn ich fühl' mich sooo allein! Einsam und allein!
Ich weiß, dass ich mich dann nicht nur allein FÜHLE!
Nein!
Ich weiß dann, dass ich alleine BIN!
Drum lass ich das Gejammer sein, nehme es hin wie es ist, denn so ist es halt!
Ich bin allein unter vielen auf dieser gottverdammten Welt, auch wenn's mir und Euch
nicht gefällt, mach ich meinen eigenen Film und bin mein eigener Held!
Oder Gott! Oder beides, ganz egal!
Und auch, wenn ich dann weiß das ich Recht habe, geht's mir trotzdem so verdammt
schlecht, und richtig mies und auch beschissen!
Denn ich möchte mal wissen, welcher Film auf dieser Welt einen Oscar erhält, in dem
es außer der Hauptrolle keine weiteren Darsteller gibt!
Jetzt ist Sie weg! Einfach gegangen!
Sie wäre hier gefangen bei mir, sagte Sie noch traurig, bevor sie die Tür hinter sich
beim Verlassen zuzog!
Und jetzt bin ich wieder allein, allein. Muss es wirklich so sein?
Sie ging einfach so weg!
Hey, ist es nicht schöner allein zu sein?
So ohne ständiges Nörgeln oder den ewigen Verbesserungsvorschlägen, von wegen
ich müsste mich dieser Gesellschaft da draußen irgendwie anpassen und so.
Und müsste mich zusammenreißen, damit sie nicht kommen und mich holen und so!
Wer mich holen? Hä, was meinst Du wer Du bist, mit deinem ganzen dämlichen
Freunden, die Dich immer gegen mich aufhetzen!
286
Meinst, ich merke das nicht? Wenn ich schon diese falschen Blicke sehe und das
Getuschel hinter meinem Rücken höre, Pfui!
Das widert mich so an, die Zunge muss man denen rausreißen, damit Sie kein Gift
mehr verbreiten können!
Die Augen müsste man denen allen ausstechen und ausbrennen, damit Sie nicht
sehen, was sie in dieser Welt halten kann!
Genau, denn man müsste Ihnen auch noch die Ohren abschneiden, Ihnen DEN Bauch
aufreißen und sie dann zwingen, dass sie sich Ihre scheiß Gedärme selbst rausholen
und fressen.
Aber, um zu uns zurückzukommen, ich raff es echt nicht ab, was ist daran denn
schlimm, dass ich jetzt nicht mehr der Mann für Dich bin?
Da sitz ich im Zimmer und kack mich zu und beginn zu denken, dass ich keine Andere
mehr finde.
Du bist jetzt weg – na und?
Hmmmm, wie gesagt, das ist krass, dass ich dachte ich verpasse etwas, wenn ich die
Finger von den anderen Bastardn lass.
Aber egal was ich machte, dachte ich mir:
"Diesen Spaß, den gönnst du dir, wenn du die eine nicht mehr hast."
Ja, und jetzt was? Jetzt bist Du weg und ich versteck mich hier kläglich.
Hab gar keine Lust auf andere, also fick Dich!
Ich fühle mich so allein, wenn ich nur daran denke, wie die Tür hinter Dir zuknallte.
Aber dachtest Du wirklich, ich lasse Dich so gehen? Jetzt mal wirklich?
Ha, Du hättest Deine aufgerissenen, ängstlichen Augen und die offensichtliche Panik
in Deinem Gesicht sehen sollen, als ich Dir hinterherkam und Dich packte.
Fast wärst ja weggekommen, doch Dein Haar hielt halt auf Deiner Kopfhaut zu gut.
Ok, ein paar Haarbüschel rissen schon raus, aber der Hauptteil hielt und so habe ich
Dich doch erwischt, Du Dumme Kuh!
Du hättest mal selbst Dein erbärmliches Schreien und Flehen, jammern und Bibbern
hören sollen!
Bäh, widerlich! Erst die Klappe aufreißen und dann rumheulen und um Dein Leben
betteln?
Hast Du denn keine Ehre in Dir, Du Jüdin!
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Keinerlei Ehrgefühl und Respekt vor Gott!
Ich bin mir sicher, dass Du im Tiefsten Inneren Dich freust mich wieder nahe bei Dir
zu haben und mich zu spüren!
Und jetzt weinst du? Ach, das tut mir aber leid, sooo leid!
Doch ich erinnre mich, wir waren beide verdammt cool.
Doch innerlich raffte ich nichts absolut NULL. Denn ich dachte immer das ich doch
alles für Dich tue! Hörst Du, ALLES!
Du hältst mir vor, das, was immer ich machte, für mich irgendwie sei?
Nur für mein Ego?
Das sind die Gedanken, die bösen, die Dir Deine falschen Freunde da draußen ins Hirn
gepflanzt haben, bei Ihre stundenlangen Telefonaten und Besuchen und bei dem
ganzen widerlichen Getuschel hinter meinem Rücken.
Doch ich habe Sie durchschaut! Ich habe auch DICH durchschaut!
Ihr seid abgrundtief böse und wollt mich eigentlich nicht.
Ihre habt nur Angst, das sehe ich, wann immer ich in Eure Augen schaue, ich sehe ganz
genau, den Hass auf mich.
Ihr hasst alles was ich sage, alles was ich erzähle, wie ich mich bewege.
Ihr hasst wie ich esse und wie ich gehe.
Ihr hasst mich sogar, wenn Ihr mich gar nicht seht und redet schlecht über mich!
So schlecht!
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Na ich schätze, jetzt bin ich ein bisschen hochgeflogen, ungelogen!
Und hab Dich dabei mit mir runtergezogen und hab Dich dann betrogen!
Kluge Worte, was? Hinterher weiß man immer mehr und so sehr ich mich auch
dagegen wehre, bleibt die Erkenntnis schwer aber wahr!
Ich bin leer, denn Du bist nicht da – klar?
Irgendwie ist diese Abschiedsrede eine tolle Rede, oder?
Hörte ich dich nicht mal sagen, dich lässt jeder ran? Du könntest jeden haben?
Und jetzt schau dich an! Hahaha!
Wie weit kamst Du denn?
Wo sind die ganzen Helden Deines Lebensfilms, hä?
Wo bist du hingekommen?
Ich sag's dir:
Sie sind alle weg und haben Dich nicht mitgenommen!
Nein, nein! Sie ließen Dich hier und so habe ich jetzt Dich denen weggenommen, für
immer!
Denn Du bist jetzt leblos und sooo was von tot hier.
Ich bin zwar allein, aber nach meiner Regieanweisung!
In meinem Film!
Denn ich bin hier der Hautdarsteller!
Ihr seid und insbesondere DU warst, nur Statisten….
Oh wie ich Euch alle hasse, so sehr hasse, Ihr armen dummen Schweine da draußen.
Wartet nur ab, bis ich komme um Euch alle zu holen!
Hört Ihr!
Euch alle werde ich holen.
Jeden Einzelnen!
Euch alle da draußen!
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08. Juli 2012 / Nur in meinem Kopf
Komm ein bisschen näher und hör mir zu, mach dich einfach locker und entspann dich
so wie ich es tu.
Vielleicht werde ich dir erzählen was du sehen und hören willst, oder fühlen, erleben
oder spüren willst.
Vielleicht aber auch nichts von dem, denn ich kann nicht sehen wie du bist und vor
allem, weil was ich denk nur in meinem Kopf ist. Hm genau nur in meinem Kopf sehe
ich dich so wie ich dich sehe und da drin sind auch die Dinge die nur ich versteh.
Nur in meinem Kopf läuft das ab was mich betrifft, doch wenn es Dich betrifft, Du es
hörst und es wirkt dann wie Gift für dich, dann ist es wahr, dass ich mich verschätzt
hab, als ich dich versetzt und dich dadurch verletzt hab.
Dann weiß ich tief in mir drin bestreit ich nicht die Wichtigkeit unserer Zweisamkeit
und es tut mir so leid, denn es ist nur in meinem Kopf drin.
Was ist mit mir los und was geht hier ab, vielleicht liegt es an den Dingen die du hast
und die ich nicht habe.
Kenn ich etwa das Maß mit dem du misst? Oder bin ich der Egoist und damit das
Problem der Natur die du bist? Ich weiß es nicht, ich begreif es nicht und schau in dein
Gesicht und muss feststellen, dass Etwas Dein Gleichgewicht stört, dabei fürchte ich,
das bin ich und all die andern um dich rum, die versuchen zu verstehen und fragen
sich warum? Ist es nur in deinem Kopf, dass es kein Gut und Böse gibt, und deshalb
jeder von dir alles kriegt. Für Dich ist Frieden grenzenlos schrankenlos.
Hm, was mach ich bloß, es ist nur in deinem Kopf dieses Spiel. Das Spiel ist so alt so
alt wie du und ich, wobei ich es bin der Dich braucht, doch du mich leider nicht!
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Warum bin ich nicht der Einzige in deinem Leben? Warum muss es denn die Andern
geben und heißt das jetzt für mich damit, dass ich Dich aufgeben muss?
Nein, ich will es nicht, ich kann es nicht, ich glaube nicht mal das das geht, weil sich
ohne Dich um mir herum gar nichts mehr dreht auf dieser Welt!
Obwohl wir uns so ähnlich sind, scheint unser Geist grundverschieden zu sein und ich
frage mich wo ist er nur geblieben? Ist er denn in keinem Kopf? Der Weg des großen
Plans, den ich nicht kenne.
Ich weiß aber genau, dass er in Deinem Kopf drin ist, denn du zeigst es mir so oft, doch
ich hör schlecht auf dem Ohr und nur ab und zu versteh ich Dich und es kommt selten
genug vor, weil dann das Meer rauscht und ich dann deinen Atem spüren kann.
Dieser Punkt in meinem Kopf, ich muss ihn irgendwie finden und berühren, so wie
Staub den ich mir vom Gehirn klopfe, damit die Reinheit, die Wahrheit und die
Klarheit übrigbleibt und ich endlich klar über uns sehe.
291
23. März 2013 / Schmerzen im Bein
„Achso mit meinem Bein meinst Du, ob das weh tut?
Scheiß auf die paar Schmerzen, hab’s ja auch verdient irgendwie. Denn ganz artig war
es nicht, wie sein Besitzer leider auch nicht, hehe! Wir waren doch beim Box -Kampf
von diesem kleinen Deutschen, wie hieß der nochmal…. Schreck? Schenk? Hmmmm
Moment, irgendwie Felix soundso halt! Hier bei uns in Mannem City und da, nach dem
Kampf kam es zu Ausschreitungen zwischen den Dunklen Engeln der Hölle und den
oberen Luden der Deutschen Scene. Naja und irgendwie kamen da ich und noch ein,
zwei oder drei Kollegen mit zwischenrein in die Mitte. Also direkt in die Mitte
zwischen denen! So unbedarft und so, nur mal gucken wollt ich, aber da man ja leider
den einen oder den anderen kennt von den Rockernspasten und den aufgepumpten
Luden (sind im Übrigen beiderlei Oberfucker in meinen Augen und das kannst mir echt
glauben).
Und als irgendwas zwischen ehemaligen Chef-Depp-Hooligan vom Waldhof Mannem
aka City Boy Nr. 15, damals war ich halt jung und brauchte das Geld, und einem Ex -
Pinnup-vom Coupé-Magazin, da brauchte ich die Kohle noch viel mehr!
Oh Mann wie peinlich und so!
Ich bin irgendwie so Einer, der irgendwie immer den Richtigen oder den Falschen
kennt, oder beide oder keinen oder so halt, jo verstehste was ich Dir sagen will?
Also beide oder keinen oder so halt, jops!
So war ich da irgendwie dabei und hab halt mal so ne Flasche Schampus ins Knie von
der Seite aus so richtig mies reingeschlagen gekriegt! Von irgend so einen von denen
halt!
Na dann, weil dabei die Sehne oder ein Band durchgeschnitten wurde schoss halt das
Blut raus!
292
Dabei gab es wohl anscheinend eine Infektion und der ganze Scheiß, was dann noch
so alles mit kommt bei sowas. Aber ich hab’s halt mit irgendeinem Abtrockentuch
oder was das war in der Scheiß Kneipe abgebunden und Zuhause mit dem Verband
verbunden. Aber da hatte ich mich zu früh gefreut, denn es hat sich dann irgendwie
doch entzündet die Scheiße!
Und dann kam ich in die Notaufnahme nachdem mein Bein am Samstagnacht mal
richtig, richtig dick angeschwollen wurde.
Und so kam ich dann hierher zu Dir, meinem Schatz, den ich ja leider trotzdem nicht
habe, weil Du ja nicht den Mund aufmachst oder mit mir reden willst, nicht wahr?!
So oder so, und jetzt wird es ernst:
Willst du Sex mit mir haben für nurrrrrr eine Nacht mon ami, oder bin ich für immer
und ewig und darüber hinaus dein ES??? Hä, oder warum redest Du nicht mit mir. Hä?
Komm steh doch bitte wieder auf oder sag wenigstens was, so fest habe ich doch auch
nicht geschüttelt?
Und der kleine Patscher war doch auch nicht so richtig fest, meine Schmusekatze.
Hallo, hey! Sag doch was…
STOP!!!!!
Was heißt hier eigentlich, dass Du nimmer mit mir reden willst???
Meine Fingerkuppen bluten mittlerweile, genauso wie Du da unten am Boden. Guck
mal! Aber das ist nicht mein Blut, hehe, hörst Du, das ist deins!
Da brauchst Dich nicht zu früh zu freuen! Du kannst mich nicht verletzen, denn ich bin
Gott. Und Du bist jetzt, glaub ich tot, hihihi hihihi.
Selbst schuld, Dreckszicke!
HHAAAAALLLLOOOOO, ich rede mit Dir!
Ok, ich interpretiere das jetzt von Dir aber als unfairen Abgang um nicht reden und
antworten zu müssen mit mir!
Jetzt sofort richtig geil mit mir vögeln zu müssen oder besser gesagt zu DÜRFEN!
Naja, so Long, dann lass mich halt hier ganz allein im Krankenhauskeller so dumm
rumstehen und bleib liegen in dem Dreck da am Boden, Dumme Kuh!...
Und falls Du nichts mehr von mir hören wirst, dann bin ich wohl in stiller Trauer und
Kummer dahingesiecht, aber nicht ohne noch ein letztes Wort zu rufen:
FRAU, are we on earth????
293
Äh quatsch, ich denke, mir sind hier viel zu viel Drogen und Tabletten und
Schmerzmittel in den Kopf gestiegen....
Also nochmal:
Ich verlasse Dich nicht, ohne zu rufen:
FRAU still Frieds????? 😉
Und wenn er net gestorben ist, (was wahrscheinlich tausende von traumhaften
FraUEN IM KOMPLETTEN rHEIN -nECKER-Kreis BIS ÜBER DAS LIEBLICHE TAUBERTAL
HINWEG NACH WÜ sÄTMLICHE HEIßEN CHICKAS RUFEN: nEIN bIITTTTTTEEEE
VERLLASSE UNS NOCH NICHT DU (ZUMINDEST FAST-) knieamputierter Hero…Du Gott,
Max!
Ja sie und auch Du, rufen es alle, und zwar
schreiend, wimmernd, ja geradezu seufzend vor Sinneslust nach meinem geilen,
dicken Gottesschwanz.
Hofft also das Ganze im Sinne von: Die hoffen des natürlich nicht, dass ich gestorben
wäre...) Denn ich bin ich! Max Bane! Ich bin Max und Max ist Bane und als Eva damals
ficken wollte, da musste sie nicht zum Adam.
Nein, sie musste zu dessen und Ihrem Gott:
Max, ja ich bin es und ich werde es immer sein!
Immer und ewig!
Also zumindest bis zu diesem Zeitpunkt wo er der er evtl. ein ER und nicht nur ein ES
ist, ihnen allen den letzten Hoffnungsschimmer mit den Worten entzieht: ICH WÄRE
ein G U T E R ER gewesen!!!!!!
Und dann letztendlich doch noch vor Kummer, dem Wahnsinn halb, bis eigentlich
komplett völlig verfallen, vor Liebesweh, ja sogar Fernweh möchte man meinen, also
bis er dann doch noch keuchend, krächzend, flehend, schmerzlich, herzlich rein
nervlich unumwunden, verzagt, und völlig plem plem in der Birne (Als Chinese könnte
man meinen (Haaalllooo, Hell ElEktloministel PLEMPLEM Scheißdendreck...)
Ok, Falscher Witz! scussi seniora, oder wie man des auch immer so schreibt.
Küsse mich, halte mich, umarme mich, umgarne mich, halte mich, zwicke mich, greife
nach mir so wie ich nach den Sternen die da funkelten in deinen Augen so schön. (na
der war jetzt aber net sooooooooo schlecht oder?)
Zumindest wäre er gut gewesen, wenn Deine ich Dir Deine Augen nicht mit der Schere
rausgepuhlt hätte, damit Du die Anderen nicht mehr so dummgeil anschauen kannst!
294
Also, so wie die Sterne in deinen Augen nie mehr funkeln werden im ALL-Tag!
H, taug ich nicht? Ich Wicht? Nicht richtig viel zum Gedicht-kunstreiminspektor, hä?
Neeeeeeeeeeeeeeeee! Neeeeeeeeeeeeee!
Des isses net, was mich groß herausbringen sollte!!!
Also, long words ins Keyboard, dieser armseligen traurigen nichts
entgegenzubringenden Laptop -
Tastatur.....
good night oddddddasasaaaaaaaagggeee ich ein letztes Mal zu Dir uff schee deitsch:
GN8! Bye-Bye!
Ähhm, did i aSKed u, that are we on earth???
skiddie?????
buddie??????
friend???????
Oder soll ich einfach sagen, Du kalte, blasse, blutleere, augenlose und still daliegende
Drecksschlampe, Du?
Hmmmm, naja bei meinem recht deutschigem Gekrixxel (schreibt man dieses Wort
so ?????) wäre selbst ich geflüchtet und oder hätte den IPad oder ist es ein oder am
Ende das IPad oder ist es gar ein ER?????
Also den IPad an die Wand geschmissen... oder so wie vorhin, Dir halt mal auf den
Kopp geschlagen, Du Heulsuse, elendiche, wie dem auch sei:
Ich bin K E I N E S, sondern E I N ER was ja auch aus dem Wortlaut heraus nur logisch
ist!!!!!! und ich kann es dir beweisen ......Denn ich bin GOTT MAX und manchmal,
aber nur manchmal auch der Teufel, hehe hehe
So, Bussi und gute Nacht, und nimm bitte nicht das Falsche für Ernst und das Richtige
für Falsch, hörst Du?
Aber so tot am Boden nimmst Du Dumme Kuh ja eh gar nichts mehr, ganz egal wie
rum es auch ist oder sein wird!
Ich gebe Dir noch einen letzten Kuss und zwar feucht, ekelhaft feucht und ekelhaft
tief und unendlich gefühlvoll und
gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa
aaaaaaaaaaaanz lange!
Leck ich Dir sogar Dein Blut aus dem Gesicht, so süß und doch auch so bitter!
295
Spürst du wenigstens a kloanes Bisserl noch mei Lippn????
Oh, Unbekannte Frau 😉
Your crazy guy and friend and Spinner and alles but not an ES!
Ein letztes Wort, ein letztes Zucken und eine Frage bleiben dann noch zuletzt:
War er denn wenigstens einmal ein ER oder schon immer ein >ES????
Dein MAX
296
17. August 2013 / Zwischenspiel in Würzburg
„Ich hoffe du liest hier mal ab und zu auf Deiner Facebook-Seite!
Wäre ich arm krank und würde kurz vorm Erfrieren an deiner Türe KLOPFEN und
KLOPFEN, wäre ich längst erfroren bei deiner Reaktion! Ich versuche schon seit Tagen
Dich ohne Erfolg telefonisch zu kontaktieren. Jetzt über das Scheiß Facebook
Drecksportal!
Oder hast du die Handynr gewechselt? Oder geh ich dir einfach auf die Nerven?
Oder bist Du am Ende grade verliebt und im 7. Himmel was ich dir echt gönnen würde
(nur nicht grade jetzt vielleicht)!
Ich bin in WÜ und falls die Dame es gestattet, würde ich Sie, also DICH, Du dumme
Kuh mal wieder gerne sehen.
Einfach nur so.... Ganz ohne Hintergedanken, hehe!
015786349280 ist meine Nummer!
Max Bane ist mein Name!
Diese Infos nur, falls Du nicht weißt wer hier schreibt!
That´s me und ich bin so allein hier in the good old city of Birth.
Ich flippe hier echt noch aus in diesem Dumme Kuhn-Zimmer aus dem ich nicht so
gerne raus will, weil ich eigentlich die Franken absolut hasse, wie Du hoffentlich noch
von früher her weißt!
297
Eine kontakt- und erfolglose Woche später
„Hi, bist du wieder am Start? Bist Du gerade online?
Dein Scheiß Handy klingelt zwar, aber ich krieg Dich trotzdem nicht ans Ohr, Du
Miststück…
Haaalllooo, Erde an Mond, bist Du da????
Perhaps we can do some scheißdreck oder irgendwas auch schon gleich before the
weekend comes, cause i mean that this is sooooooooo faaaaaaaaaaaaar away.
Odda uff fränkisch, falls Du kein Englisch mehr kannst:
A weng zu lang wech, des comming together am Ende der Woche, odda wie siehst
denn du des?
Naja, ich denke, dass ich das mit dem fränkischen Geschwätz oder Slang oder wie
immer auch man das Scheißgebbabel bei Euch Franken sonst so nennt, lieber denen
überlasse, die das auch können, so wie Du bestimmt zum Beispiel, oder?
Kurz und knapp nochmal:
Long time no see and it´s time to come together very fast
Gruß aus dem Würzburger Zimmer, in dem ich gerade stecke und mich nervös und
nicht gerade cool versuche, Dich zu erreichen, aber Du mistige Scheißschlampe gehst
ja weder an Dein verficktes Dreckshandy noch antwortest Du blöde Dumme Kuh auf
dem Facebook. Ist das noch normal?
Das kommt mir gerade so vor, als wenn Du auch zu denen Ihrer Verschwörung gegen
mich dazu gehörst!!!
Hörst Du??! Hörst DU das?! Langsam werde ich auch echt sauer auf Dich und dann
isses mir auch scheißegal, wenn wir uns treffen, Du Bitch.
Wenn Du Dich nicht meldest, dann haste nicht nur eine Ohrfeige verdient, ok?
Verstehst Du mich jetzt Du Scheiß dreckige Verschwörungsschlampe.
Wahrscheinlich fickst Du gerade mit den ganzen Wichsern hier rum und lachst mit
denen blöd über mich, oder was?
Bastard! Dumme Kuh! Faschistenschlampe!
Melde Dich pronto.
Dein Max!“
298
Im September desselben Jahres
„Ahhhh, stimmt ich erinnere mich, dass ich quasi als Neutrum von dir betitelt wurde,
aber ich erinnere mich auch daran, dass ich damit nicht einverstanden war, Spatzel^^
Was isn überhaupt scho wieder los mit deine ganzen dämlichen mannspfeifen?
Hat dich mal wieder einer geärgert? Oder verarscht?
Jetzt sag bitte nicht das Du verliebt warst und der Typ hat dich direkt nach so einem
Fick gearscht....
Oder was is passiert??
„Was macht denn eigentlich der Papa von deiner süßen, niedlichen Tochter, hä?
Zahlt der regelmäßig?
„Is ja auch so ein dummes Arschloch, der Penner, aber bist ja selbst schuld, wenn Du
mit denen allen rumfickst, Schlampe!
Oder ist es wegen den Jugos oder den Zigeunern? 😉
Na gegen die bin ich doch 88 von hier aus WÜ in den Krieg durch die Städte und
Straßen gezogen, weiste des nimmer?
Und das mit dem aufgeschlitzten Hals von dem Einen Bastard, da konnte ich echt nix
dafür, der war selbst schuld, warum hatte er mich auch nicht in Ruhe gelassen, hä?
Achso, ja die sehn net wirklich scheeee aus, so in Ihrer Blutpfütze am Boden, Aber die
Farbe passt doch zu den Ziggies… Erinnert mich irgendwie daran, wie ich die
entjungfert habe, damals in der Nacht.
Sind aber live Aufnahmen von heute von mir, die ich Dir per Facebook geschickt habe.
Haste jetzt davon, Du Dumme Kuh.
Ich hab’s Dir gesagt, dass ich durchdreh hier, hörst Du!
DU bist also schuld daran, dass Du jetzt 2 von den asozialen Strichern weniger ficken
musst.
Aber bist doch froh, denk ich mal, oder?
Der gute Max kümmert sich um Dich, da kannst Dich voll auf mich verlassen.
2 Tage nach meiner OP.... bin ich schon wieder fit und raus aus dem verfluchten
Krankenhaus, ha!
299
Warum hast du denn eigentlich kein grünes on Lämpchen im Facebook, das ich sehe
ob du online bist, das ist so unfair.... aber net schlecht!
Fast schon könnte man meinen, so quasi ausgebufft in die Richtung: Ja, da schauns
jetzt aber mal dumm aus der Wäsche, denn ich be o b a c h t e euch Alle, das ist m e i
n Schaaaaaatz!!!!
Aber Du brauchst gar net denken, dass Du MICH irgendwie mit deinen ganzen Idioten
beobachten kannst und ich nix mache, Vergiss es, Vergiss es, Vergiss es Du
Bastardnschlampenmiststück. Ich mach Euch ALLE fertig, wenn ich Euch sehe. ALLE,
hörst Du Stück Scheiße, hörst Du!
Ich will nicht allein sein, und Ihr seid alle zusammen und fickt bestimmt alle rum und
lacht blöd über mich, hörst Du, Laß mich bitte nicht allein, Mein Schatzi.
Biiiitttteeee!
Ich bin immer allein in dieser gottverdammten scheiß Welt hier.
300
„Vom Wahnsinn gab Goethe die einfache Definition, daß er darin bestehe, wenn man von der wahren
Beschaffenheit der Gegenstände und Verhältnisse, mit denen man es zu tun habe, weder Kenntnis
habe noch nehmen wolle, diese Beschaffenheit hartnäckig ignoriere."
Goethes Unterhaltungen m. Kanzler Friedrich v. Müller, Verlag J.G. Cotta 1898
Eskalationsstufe 9:
(2014 - 2017)
301
7. Dezember 2014 / Schriftwechsel mit einer Unbekannten
Max: Hi Kris, es gibt scheiß Neuigkeiten. Bin seit einer Woche sozusagen "solo" und
heute haben wir beschlossen es in Zukunft auch so zu lassen.
Ich war aber nicht böse....
Nicht das Du denkst ich wäre daran schuld!
So ist das nun mal im Leben!
Falls Du mich mal wieder mich sehen willst (und das willst DU!!!)
dann wäre im Januar oder so eine gute Zeit für mich für einen Kurzurlaub nach
Spanien zu Dir, oder?
Lässt sich ja evtl. einrichten?
Melde Dich bald, denn ich bin so allein.
Dein Max
Sie: Hi Max, du Obergranate 😄
Klar kannst du jederzeit nach Lanzarote kommen. Nur mit Übernachtung bei uns im
Apartment ist schlecht, da ich mir die 1Zi -Wohnung mit M. teile. Aber coole und
preisgünstige Hotel-Apartments gibt es hier wie Sand am Meer. Bring aber bitte einen
Kumpel mit 😉
Max: Aber schon krass oder? Oder interessiert das nicht?
Hä? Wenn du die komplette Story hörst, wird dir dazu nix mehr einfallen, das
verspreche ich Dir. Ich klär mal ab, und hab schon einen Kumpel dafür im Auge 😉
Sie: MAAAAAAAXXXXXX????!!!
What's up Baby??? Alles gut bei dir?
Max: Hmmmm, geht so. Eigentlich nicht wirklich!
Sie: Magst du erzählen?
Beim Kerzen ausmachen am Adventskranz verbrannt?
Max: Jetzt aber…
Sie: 😳 Überdosis Kokain geschnupft?
302
Max: Erwischt!
Sie: Hahaha glaub ich nicht!!!
Max: Gilt eigentlich die Einladung noch?
Ich bin auch brav.
Sie: Auf Lanzarote bist du jederzeit willkommen, ehrlich! Nur mit dem Pennen wird es
schwierig. 😄
Meine Freundin ist noch bis Ende Januar da und unsere Wohnung hat nur ein Bett 😖
Max: Dann schmeiß die Schlampe doch einfach früher raus, oder ich komm einfach
im Februar, wenn Du allein bist!
Sie: Ok, ich guck mal. Feier schön!!!! 😚
Max: Hi, Du Ei. Erstmal noch alles Beste und so fürs neue Jahr (und was man halt sonst
noch so wünscht) ... Aber ich warte immer noch auf eine Antwort von Dir! Und immer
dran denken, Mädels:
Feiern ist nicht alles, aber trotzdem IMMER saugeil!
Sie: Hi Max ... äh .... was genau war die Frage?
Max: Hi... Hm, die Frage war.........?????
Achja genau, die Frage. Ach diese Frage meinst Du:
Die Frage war die, dass es von mir aus zur Not auch erst im Februar bei mir ginge, oder
wäre da immer noch kein Platz frei für mich? Aber jetzt net gleich wieder komplett
falsch verstehen…
Sie: 😄 okay, dann hilf mir mal kurz wie es richtig zu verstehen ist.
Max: Naja, dass ich Dich dann halt besuchen komm, alleine und auch ohne Kumpel
dabei! Denn ehrlich gesagt, ist es mit Kumpels im Moment etwas, naja sagen wir mal,
etwas kompliziert. Alles Bastardnsöhne und gottverdammte Arschlöcher um mich
hier herum. Deswegen muss ich ja weg, verstehst Du?
Sie: Ich verstehe, Max. Dann hast Du das alles in Echt gemeint, das Du zu MIR
hierherkommen möchtest, in mein friedliches spanisches Städtchen!? Mit was für
Vorstellungen würdest du denn dann so kommen?
Max: Haha! Hmmmmmmmmm, lass mal kurz überlegen.
Long time no see, ist schon mal ein Grund dafür. Wir haben uns doch mindestens 15
Jahre nicht gesehen, oder?
303
Und eine Vorstellung wäre z.B. das wir richtig viel Spaß zusammen haben werden, so
wie früher halt. Bevor Du auf einmal weg warst. Oder was sind denn so die Kriterien
Deiner Meinung nach das ich kommen darf?
Sie: Vielleicht sag ich dir mal was ich dir anbieten kann 😉?
Max: Klar, sprich. Ich bin sozusagen ganz Ohr und Auge.
Sie: Ein eigenes Bett in einem anderen 1 Zi -Apt. Und wenn magst, dann und wann
auch ein gutes Gespräch?
Max: Dann und wann? Wie meinst denn das genau?
Sie: Für mich ist hier Alltag und meine Tage sind ziemlich busy ...weißt Du. Also sag
schon, magst Du wirklich in Echt kommen. Muss ich mit Dir hier rechnen? Das ist eine
wichtige Frage für mich, auch wenn Du das evtl. nicht so ganz verstehen willst oder
kannst, Max.
Max: Na klar mag ich, sonst würde ich ja net kommen, also echt. Ts ts ts…
Ok, was machst denn eigentlich so ... im Alltag mein ich?
also im Ernst jetzt und keine Sprüche, das würde ich eh rauskriegen!
Sie: Zum Beispiel arbeite ich hier tagsüber in einem Store als Verkäuferin. Insofern
müsstest du dich die meiste Zeit allein beschäftigen ... Mein weiteres Programm ist
ein Buch schreiben, eine neue Firma gründen und trainieren.
Max: Ein Buch schreiben Du? Haha, ich lach mich gleich kaputt. Trainieren ok, das
sehe ich ein. Aber Du und ein Buch schreiben, das ist mal gut, der Witz. Jetzt sag doch
mal echt.
Sie: Ich meine das sehr Ernst, Max! Wenn Du mit Deinem Leben hoffnungslos
überlastet bist und selbst nichts auf die Reihe kriegst ist das nicht mein Problem und
ich bin auch nicht Deine scheiß Unterhalterin, hörst Du! Das ist nimmer so wie es
früher mal war, b evor ich abhaute aus Deutschland von Dir und dem ganzen Scheiß
mit den sinnlosen Gewaltausbrüchen und den ständigen Ärger mit den Bullen wegen
Dir uns so.
Max: Hey, was soll denn das wieder heißen? Ich trenn mich zwar gerade, aber
deswegen bin ich ja nicht hoffnungslos aufgeschmissen und unselbständig. Also ich
kann mich schon noch beschäftigen! Dumme Kuh!
Sie: Alkohol und abends in Bars gehen ist nicht mehr meine Welt 😄
Max: Neue Firma? Ok, das heißt da gibt es auch eine Alte?
Sie: Jo, würde ich dir dann erzählen, wenn es dich interessiert
304
Max: Und ein Buch schreiben? Über What? Sport? Leben? Fachspezifischen
Scheißdreck?
Sie: Über Happiness 😄
Max: Na klar interessiert es mich! Nochmal, sonst würde ich doch nicht kommen
oder?
Aber ein Buch über Happiness? Meinst Du das etwa im Sinne von innerem Frieden
und so was oder komplett ne andere Richtung?
Sie: Womit würdest du dich beschäftigen wollen? 😄
Max: Hehe, wobei ich im Moment ja net ganz sooo happy bin, ums mal so
auszudrücken. Wenn Du das verstehst! ;-)
Sie: Daran habe ich nie gezweifelt, hörst Du?
Max: Also saufen tue ich ehrlich gesagt auch nicht mehr... So ab und an zwar schon,
aber so gut wie nix, vertrag ich nimmer so die Alk -Scheiße! Da raste ich irgendwie
immer aus und hab danach oft einen Filmriss. Und das ist nicht immer gut dann am
Tag danach… Alkohol ist eh komplett überschätzt.
Sie: Sonne tanken wäre doch eine gute Option?
Max: Naja so ne Auszeit halt, um mir Gedanken über meine Zukunft zu machen, privat
und beruflich.... Hört sich jetzt evtl. bescheuert an aus meinem Mund, aber ist so
leider!
Und auf jeden Fall Sport, denn ich will abnehmen!
Sie: Klingt doch gut!
Max: Und ich brauche einen Tapetenwechsel, da ich hier echt momentan voll den
Fuck am Laufen hab, kannst Dir nicht vorstellen, den ganzen Scheiß. Aber ich möchte
hier nicht jammern wie einer von den Spasten!
Also im Prinzip möchte ich meine weiteren Leben neu überdenken und Frieden
finden.
Sie: Schluck ... 😳
Max: Wat heißt hier "Schluck"? Nix Schluck, Schlampe!
Ich steh auf und geh weiter, hörst Du. Nur einen neuen Weg halt, sozusagen einen
kompletten Reset meines Kopfes nach dem momentanen Speicherüberlauf.
Sie: Jo dann pack die Koffer und komm vorbei.
305
Max: Aber don´t Panik, ich halte Dich auf gar keinen Fall von Deinem Tagesgeschäft
ab. Ist mir ja schon klar, dass Du da nicht nur am Feiern etc. bist.
Sie: Bring dein Bike mit!
Max: Wäre ja auch zu krass, oder? Wobei früher hätte ich Dir das schon so ein klein
wenig zugetraut…
Sie: 😄
Max: Hast Du zufällig irgendwelche Daten über den Flug?
Oder die Höhe der Kosten vom Appartement. Also so ein paar Eckdaten wären nicht
schlecht. Dann die Insel wäre gut zu wissen, was da für Typen so rumhängen in der
Nähe. Nicht dass ich am Ende da auf alte Bekannte treffe, oder so.
Ich geh davon aus, das die Freundin das ja alles noch ungefähr wissen müsste oder?
Ich meine das mit uns von damals? Und dass es den Einen oder Anderen sicherlich
gibt, der mich endlich verrecken sehen möchte.
Sie: Meine Bekannte bleibt voraussichtlich bis Anfang Februar.
Max: ???
Sie: Ich frag sie nochmal und gebe dir dann Bescheid, ok?
Max: Also kein Problem, meine ich. Ok, dann ist alles perfekt und wir sind uns Einig?
Sie: Die Insel ist Lanzarote, aber das weißt Du doch bereits Max, oder?
Max: Ja, ja war nur ein Test. Hört sich doch gut an, alles.
Sie: Ich buche Dir ein Oneway-Ticket für 100 Euro ab Germany ist ein super Preis!
Max: Äh, ja schon, aber warum ein One -Way-Ticket. Meine ich komm dann nimmer
zurück und bleib für immer bei Dir, oder was! Hahaha!
Sie: Ich dachte du wolltest bei mir pennen?
Max: Ach, geht doch? Na klar wollte ich! Das mit dem Zimmer hast Du doch
geschrieben. Oder ist das bei Dir direkt? Wäre ja perfekt!
Sie: Mit meiner Freundin teile ich mir ein 1 Zi Apt. Sie schläft im Bett im Schlafzimmer
und ich im Wohnzimmer auf der Couch. Das gleiche könnte ich dir auch anbieten, nur
halt erst, wenn sie abgereist ist.
Max: Hey, ich schau grade Deine Fotos durch, das Sixpack ist nicht echt, oder?
Photoshop?
Sie: 😡😡😡
306
Max: Tipp Top, aber ich kann auch auf der Couch schlafen, bin ich sozusagen gerade
"gewohnt", leider. Haha, hatte einen kleinen Fehltritt in die Scheiße wie immer, der
Herr Bane!
Sie: 😄😄 Also ich red mit der Freundin und gebe dir dann Bescheid wegen dem
Termin
Max: Abgemacht, ich gehe davon aus das es klappt.
Also hoffe ich mal zumindest.
Sie: Go with the flow 😉 Tschöö😚😚
Max: Yo! Bye! Und Gruß an die Freundin!
Sie: Hi Max. sooo, konnte alles klären. Sie bleibt bis zum 24. Januar. Was hattest du
dir denn vorgestellt wie lange du eine Auszeit nehmen willst?
Max: Hi, ich melde mich heut Abend bei Dir oder so. Kann gerade nicht reden. Es ist
kompliziert.... Gruß
Sie: Eeeeooooo, Hellooooo…. Hi Max, wundere dich nicht, wenn du nur unregelmäßig
Antwort kriegst, wir haben in der Wohnung kein Internet und müssen zum Surfen
außer Haus. Aber lass was von Dir hören ...
307
31. Dezember 2014 / Silvesternacht
„Hey, ich möchte an dieser Stelle Allen einen Super Rutsch ins neue Fucking neue Jahr
wünschen…
Gilt für mich selbst natürlich ebenso....
Haut rein…. sauft viel…. und gebt richtig Gas!
Schaut, das ihr 24 Uhr und den Jahresübergang noch erlebt.... Bleibt sauber….
Lasst es ordentlich krachen...... und nehmt zur Not …TNT!!!!
Das kracht wenigstens ordentlich und gibt einen richtigen Rumms.
Wir sehen uns bald…. Seite an Seite......
Schlimmer denn je…. Gemeinsam im Kampf
Ich bin wieder da.... Krasser denn je......
Ihr werdet es erleben, wenn ihr mich seht!
Völlig Willenlos und Durchgeknallt.........
gestört und hemmungslos...... komplett durch den Wind….
Psychopatisch und Soziopathisch und nicht so sympathisch wie diese ganzen feigen
falschen Grinser um uns rum…
Gruß an Alle, die mich kennen und mögen.......;-)
Naja ok, das werden nicht ganz so viele sein...... wenn überhaupt, aber dafür dann
die Besten der Besten......“
308
09. Januar 2015 / Schriftwechsel mit einer Unbekannten 2
Max: Hi, ich dachte so an 2-3 Wochen falls das geht
Sie: Hi Max, alles easy!!! Nur sind mittlerweile mir zwischenzeitlich ein paar Bedenken
gekommen was das zusammen wohnen betrifft…
... und wir sollten uns vielleicht nochmal abstimmen.
Auf Dauer - nach fast 6 Wochen mit Meike auf 50m2 wird es ein bisschen anstrengend
...
Max: Wenn es nicht geht dann geht es halt leider nicht, kein Ding! Kann ich sogar
verstehen!
Sie: Es gibt ein super schöne Apartment -Hotel direkt gegenüber - wenn das eine
Option für dich wäre?
Was ich dich auch noch Fragen wollte ...
Ich hatte irgendwie das Gefühl beim letzten Mal du bräuchtest jemanden zum Reden.
und daher das Interesse an deinem Besuch?
Max: Ja stimmt auch!
Sie: Meike meinte ich solle lieber nochmal nachfragen, ob das so stimmt 😄
Max: Und an dir selbst natürlich auch nach soooooo langer Zeit
Sie: Wie meinst Du das? Na ja, wenn du mit der Idee eines "heißen" Abenteuers extra
nach Lanzarote reisen würdest, wäre das unglücklich…
Max: Ts, ts ihr Weiber immer! Da sag ich mal nix dazu! So billig bin ich net, junge
Dame!
Sie: 😄😄😄
Max: Ne aber mal im Ernst, ans Reden habe ich eigentlich schon gedacht. Ich mein,
wir können uns auch nur anschauen, aber ob das lange gut geht? Eher nicht, oder?
Aber alles cool ich freu mich einfach nach so langer Zeit Dich mal wieder zu sehen, vor
allem, weil ich wirklich dachte das du tot wärst, na ja zum Glück ein Trugschluss.
Es gibt Gedanken die die Welt nicht wirklich braucht!
Sie: Ich frag doch nur, um eine Vorstellung von Deinen Vorstellungen zu bekommen
...
Max: Außerdem interessiert mich der Inhalt Deines Buches...;-)
309
Und dann bin ich ja lange nicht so anstrengend wie die Meike, Haha. Die redet schon
aus der Natur von Euch Frauen viel, viel mehr als ich! Ich kann schweigen wie hm, ja
wie eigentlich? Kein Plan gerade!
Sie: Erfahrungsgemäß verlaufen dann Begegnungen harmonischer, wenn man weiß
wie der andere tickt.
Max: so wie halt...
Sie: Grab 😄
Max: Tick Tack! Nö Grab ist nicht gut, hm hm wie ein Stummer? Vielleicht doch wie
ein Grab oder eher wie ein Totengräber! Ja des passt eher!
Sie: Wie verbringst du deine Abende?
Max: Ne, ist auch Scheiße! Ach auch komplett egal, ich schweige eh nicht, war ein
Witz!
Meine Abende aktuell? Aktuell male ich viel, son großformatiges Zeug, also ca. 2.00 x
1.20m Mindestens!
Sie: Und danach? TV, Internet oder lesen?
Max: Ist sozusagen eine Mal -Therapie, sagt mein Psychiater zumindest, wobei der
nicht weiß das ich mit echtem Blut male! Der dumme Analyst!
Wow, ok, also TV eher nicht, des langweilt mich, Internet ab und wann, aber lesen
ganz viel, aber mehr so Fachbücher und so und normalerweise arbeite ich extrem viel
leider, aber das wird besser werden!
Sie: ... Wait a Moment!
Max: mit der langen Arbeit mein ich
Sie: Das hast du gezeichnet?
Max: Ist nicht gut for happy living oder wie des auf Englisch heißt. Jo, also bin noch
dabei bin noch lange nicht zufrieden!
Sie: Wow!!!!! Und Psychiater? Echt?
Max: Quatsch, das war ein Witz! Ts Ts! Der Psychiater hat mir nur die ganzen Drogen
verschrieben!!
Haha ne, war wieder ein Witz!
Alles gut soweit mit mir, ich mol halt ganz gern im Großformat mit Blut auf Leinwand!
Sie: Nur gut, dass ich kein Psychiater bin!!!!!! Oder so…
310
Max: Wie? Du bist gar kein Psychiater? So genug dumm rumgelabert!
Sie: Nochmal zurück zum Thema. wann hattest du Urlaub geplant? Wäre ein Hotel -
Stay auch eine Option für dich?
Max: Im Februar konkret, also 3. oder 4. Woche, weil ab März muss ich wieder was
schaffen, leider! Gib mir nen Tag Zeit zum Überlegen, ok?
Sie: Das Hotel kostet glaub ich 28 € die Nacht - mit eigener Küche. Ich würde noch mal
nachfragen.
Mit Meike habe ich mir die Apt-Kosten geteilt, was ich gerne - im etwaigen Fall - grins
- gerne so beibehalten würde wollen. Vielleicht lassen wir es beide noch mal 1-2 Tage
sacken, was der Bauch sagt. Was meinst du?
Max: Jaja, am Geld soll mal nicht scheitern, das ist kein Problem. Aber das mit den 1-
2 Tagen ist gut! Vernünftig sozusagen! Hm hm was sind wir doch Spießer geworden,
nix mehr spontan und so!
Sie: Es gibt nur ein Bett und einer müsste auf dem Sofa pennen!
Max: Muss alles Lange und gut geplant werden heut zu Tage…
Sie: 😄😄 Wenn jetzt schon Geschimpfe losgeht, wird das sicher heiter ...
Max: Ne im Ernst, das geht mir schon längere Zeit voll auf den Sack, ich bin glaub ich
70% meiner Zeit fremdbestimmt
Geschäftstermine hier, Verwandtenbesuche da, dann diese ganzen Anderen um mich
rum, die keiner braucht, musst immer voll aufpassen was man den Hohlbirnen sagt
(und vor allem was NICHT!)
Sie: Okkkk, let's Talk again the next days!!!
Max: Dann noch der ganze andere Scheiß…
Sie: 😘😘
Max: Verpflichtungen bla bla bla
Sie: Ciaoooo
Max: Wow! Ciao, aber nicht das ich dich jetzt abgeschreckt habe?
Sie: Hahaha ... wir werden sehen was der Bauch sagt.
Max: Ah und richte bitte Meike aus das ich davon ausging die heißen Abenteuer hier
in Ofdasche mit ihr zu erleben, die werden Ihr bestimmt gefallen…
311
23. Januar 2015 / Der Weckruf
„Hey Max, aufstehen. Es wird mal wieder Zeit für Klarheiten zu sorgen!“
Da war sie wieder, diese Stimme, gegen die ich nichts erwidern konnte, da sie mir aus
meinem tiefsten Inneren befahl.
„Komm Max, der Krieger ist erwacht, denn er wurde über Wochen durch sie zum
Krieger gemacht, hörst Du? Mach dich bereit, denn wir haben die längste Zeit mit
Warten verbracht. Haben versucht den Worten dieser sinnlosen Menschenhüllen da
draußen zu glauben, nicht?
Doch wir befinden uns nun in einer Zeitlosigkeit, die nicht länger hinnehmbar ist.
Ja, der Schläfer ist erwacht und ist bereit und befreit vom Raum und der endlichen
Zeit, denn er lebt in der Vision, die Heuchler in göttlicher Mission zu zerreißen und zu
zerstören!
Und Du weißt auch, dass in Dir, hier bei uns drinnen viele kleine Krieger stecken, die
raus wollen.
Ja, die raus müssen! Aber…
Dennoch ließen wir Zeit vergehen, bevor wir fragen müssen, warum Du hier an dieser
Stelle im Leben nichts gegen diese Gemeinheiten, die die Anderen hinter Deinem
Rücken über dich tuscheln und verbreiten, tust, hörst Du?!
Also komm, steh auf!
In den Kampf und auf Suche nach Gerechtigkeit für Dich und für uns hier drinnen.
Du weißt, dass es sein muss. Denn Du bist Du und musst es tun!
312
Die werden nun ernten was sie alle gesät haben. Der Acker wird bluten, so wie einst
bei Kain und Abel, dieser schwachen Kreatur.
Ohne die Entschlossenheit von Kain, der Abels Leben beendete, wäre die Menschheit
niemals vorangekommen.
Ich verspreche dir, dass es nur so gehen kann, wie wir es erledigen, auf die alte Art
und Weise.
Denn aus der puren Energie der zerstörten Materie wirst Du, ja werden wir, neue
Kraft und Energie für uns schöpfen, also komm mit.
313
27. Januar 2015 / 3. Schriftwechsel mit einer Unbekannten
Sie: Hey 😉😉 Also nach ein bisschen sacken lassen, sagt meine feminine Intuition
(grins) das könnte witzig werden
... das Kontrastprogramm ...nach der zarten Meike mal mit so ‘nem ... äh ... Koffer die
Bude zu teilen.
Von meiner Seite könnten wir die Verhandlung zu den Details 😄😄😄 aufnehme. n.
Wie ist die Stimmung zwischenzeitlich bei dir?
Max: Hi, hört sich doch gut an. Ich würde sagen, dass wir dann evtl. morgen Abend
nochmal talken bzw. schreiben?
314
28. Januar 2015 / 4. Schriftwechsel mit einer Unbekannten
Sie: Ich wäre bereit 😁😄 Haaaaaaalllllooooo?
Sie: Wieder verpasst???
😖😖😖😖
Max: Hi sorry wegen gestern war ein stressiger Tag
Falls du auch tagsüber schreiben kannst gib einfach heute Mittag Bescheid falls nicht
dann melde ich mich heute Abend
Gruß Max
315
29. Januar 2015 / 5. Schriftwechsel mit einer Unbekannten
Max: Hi sorry, wegen gestern war ein stressiger Tag
Falls du auch tagsüber schreiben kannst gib einfach heute Mittag Bescheid falls nicht
dann melde ich mich heute Abend!
Sie: Hi Max ... macht nix ... dann kommunizieren wir halt zeitversetzt?
316
03. Februar 2015 / letzter Schriftwechsel mit der Unbekannten
Max: hI; SORRY DAS ICH mich so sporadisch melde, aber hier tut sich zumindest bei
mir momentan sehr viel und es ist anstrengend und kompliziert und so.
Fakt ist, dass ich eigentlich so ca. am 19.02 zu Dir auf die Insel kommen wollte, jetzt
hat sich in letzter Zeit jedoch zwischen mir und Max, bedingt dadurch das wir ja
zusammenwohnen ein Hoffnungsschimmer aufgetan, was meine Angelegenheiten
hier betrifft. Es sind hier um mich rum fast alle Arschlöcher komplett gegen mich und
forcieren hinter meinem Rücken die Trennung zu Max mit allen Mitteln, das spüre
ich! Sogar der beschissenen Psychiater ist einer von denen, die mich hassen. Das sind
alles die Anderen da draußen. Hörst Du?! Aber ich wurde geweckt und habe kapiert
was zu tun ist. Deswegen sieht es momentan dann auch so aus das sich mein Trip zu
Dir, falls das überhaupt später noch möglich ist oder ich bzw. Max keinen zu großen
Schaden dabei abbekommt, nach hinten raus, gegen Sommer verschieben würde, da
ich Prioritäten setzen und Dinge regeln muss. Wie siehst Du das? Melde dich einfach,
wenn du wieder online bist...
Gruß
Sie: Hi Max!! Von meiner Seite ist alles easy. Just go with the flow und mach die Dinge
genauso wie es sich für dich gut und richtig anfühlt!!!!
Wenn bei mir Platz ist in der Wohnung bist du immer willkommen. Voraussichtlich
bleibe ich bis Ende März auf Lanzarote. Aber warum schreibst Du von dir in der 3.
Person? Und was meinst Du mit geweckt? Da komm ich ehrlich gesagt nicht mit?
Max: Hehehe, jaja, dass wer das wir das was oder wer bin ich denn überhaupt hier
drin in mir selbst? Bin ich Max oder bin ich Bane oder bin ich der Wolf oder bin ich
ich, also der der ich wirklich bin im Sinne meiner geistigen oder interaktiven
Sinneswahrnehmungen. Eins ist klar, weder Du noch ich gehören zu den Anderen!
Hörst Du, dass weiß ich genau. Du bist gut und auch ich bin gut, aber die Andere... Die
müssen hass…
Sie: Ähm, ja ok, solange ich auch gut bin in Deinen Augen ist es gut für mich sozusagen.
Ich notiere mir mal den 19. Feb für alle Fälle .... - du darfst nämlich auch kommen,
wenn Dein Leben wieder in Takt ist 💞💘❤💓
Max: Ey, das ist echt klasse von Dir. Ich hoffe ja schon das es zumindest irgendwie mit
nem Wiedersehen klappt in naher Zeit. Kann ich aus der Angabe das Du bis ca. März
auf Lanzarote bleibst, heraushören, das Du nicht fest dort wohnst, sondern schon
noch nen Wohnsitz hier in Deutschland hast?
Sie: Du kannst aus der Angabe heraushören, dass ich überhaupt keinen festen
Wohnsitz habe. Ich bin halt immer gerade da wo mich das Universum hinschickt.
317
Voraussichtlich verbringe ich den Sommer wie in den letzten 8 Jahren auf Mallorca.
Dort wohne ich dann meistens in einer WG oder bei Freunden.
Hier wohne ich zurzeit, bzw. hier würdest du wohnen, wenn du wolltest 😉! Zum
Strand sind es 500m ... 😖
... Freizeitstress nennt man sowas glaub ich
Eeeeooooo????
Bist du jetzt geschockt? 😱
Max: Nein, natürlich net... Warum sollte ich geschockt sein? Quatsch.... Voll schön die
Bilder.... Hab momentan nur ein bisschen viel um die Ohren, sonst hätte ich mich
schon vorher gemeldet...Ich heule gerade ehrlich gesagt nur, dass es wirklich
jemanden gibt, der mich bei sich haben will, nicht so wie die ganzen Anderen. Aber
gib mir Zeit die Dinge zu regeln und dann komme ich zu Dir. Zu meinem Schatz, Dann
werden wir zusammen sein, so wie es schon immer sollte sein, weißt Du noch damals,
bevor du weg warst…
Ach mein Engel, ich werde mich melden, aber erst muss ich jetzt meine Sache tun! So,
und jetzt ist Schluss mit dem Gewimmere wie eine Heulsuse, Schlampe hör jetzt
genau zu:
Es ist BESSER für DICH bzw. für DEINE GESUNDHEIT, und das sage ich Dir jetzt nur
einmal, weil es sein muss, also es ist besser, wenn Du nie mehr mit Kontakt aufnimmst
und am besten weit weit weg ziehst wo ich oder Max oder wir beide oder wir alle Dich
318
nie finden können, denn wir würden Dir dann sehr weh tun, verstehst Du? Nicht
seelisch, Doch das auch aber viel mehr körperlich, weil ich es nicht kontrollieren kann
und dich so sehr liebe, aber versteh, Brich allen Kontakt zu mir ab, der Weg ist
aufgetan und ich bin geweckt und ich spüre, ja ich weiß ganz genau, dass es nicht gut
enden wird. Also Dumme Kuh, lass mich in Ruhe!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Hörst Du Bastardnsau!!!!
LASS!!!! MICH!!!! IN!!!! Ruhe!!!!!
Abbruch.!
Dein Dich liebender unendlich vermissender armer Max
319
14. Mai 2016 / Die Anderen
„Zugegeben - das Wort Menschenhasser ist ganz schön extrem. Deswegen sagt man
von sich selbst wohl - wenn nötig -, man sei ein Misanthrop. Und ich bin häufig einer!
Allerdings, muss ich zu meiner Schande gestehen, bin ich kein moralischer
Misanthrop, wie Molières Alceste, sondern ein Verächt er der Massen, besonders,
wenn ich ein Teil von ihnen bin, wie in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im
Supermarkt. Du kennst das vielleicht auch, dieses Gefühl, bedrängt und belästigt zu
werden, von Körpern, ihren Geräus chen und Gerüchen. Man kann dann eigentlich
Menschen gar nicht mögen! Schopenhauer verglich uns Menschen in diesem
Zusammenhang mit einer Rotte von Stachelschweinen:
"Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich en einem kalten Winterrage recht nah
zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen.
Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder
voneinander ent fernte. So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und
Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre
vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder
voneinander ab."
Für Platon ist Misanthropie schlicht eine Enttäuschung, die sich vermeiden ließe,
wenn man über seine Menschenkenntnis seine Mitbürger richtig einzuschätzen
wüsste. Aristoteles sagt später, dass ein Misanthrop entweder eine Bestie oder ein
Gott sein müsse, denn der Misanthrop entziehe sich der Gesellschaft und sei somit
unmenschlich.
Heute finden wir eine völlig andere Umwelt vor: Sich aus der Herde der
Stachelschweine zu entfernen, ist kaum möglich, denn sie sind überall. Manche von
uns ziehen sich dann in ihre Innenwelten zurück. Es ist nicht so sehr eine
Enttäuschung, als ein Ekel vor den Massen, denen man nicht mehr entkommt.
Ich habe, seit ich mich erinnern kann versucht, mit mir selbst klarzukommen. Ich
versuche mich zu verstehen und gebe mich meinen Gedanken auch hin. Anstatt alle
Menschen als die Hölle zu begreifen oder als hirnlose Herde von Rindviechern,
versuche ich, mir die einzelnen Leute anzusehen. Ich stelle fest, dass manche gestresst
sind, andere vielleicht traurig oder konzentriert, wieder andere versuchen wie ich,
dem äußeren Inferno in die Welt von Büchern oder Musik zu entfliehen.
Es ist kein Zufall, dass der Walkman in Zeiten der Massierung von Städtern erfunden
wurde. Mit iPod und Kindl/Buch gelingt es uns noch, imaginäre und doch reale Räume
zu schaffen, in denen wir allein sein können. Geschichten haben mir schon als Kind
auf Klassenfahrten das Leben gerettet (und den Ruf eines sonderlichen Bücherwurms
eingebracht).
320
Diese Beobachtungen der Individuen und auch Geschichten, die ich mir zu den Leben
der einzelnen Personen in der "gesichtslosen Masse" erzähle, helfen mir,
"nachsichtig" zu sein und keinen manifesten Hass aufkommen zu lassen. Das
kontrollierte Zulassen von Aggressionen und negativen Gefühlen, halte ich für wichtig.
Denn wenn wir uns für unsere eigenen uralten Zwischenhirn -Gefühle selbst
verurteilen, sie unterdrücken, dann werden sie sich andere Wege suchen, zur Geltung
zu kommen. Lieber eine kleine tägliche Katharsis, als eines Tages einen hasserfüllten
Ausbruch oder die stetige Zunahme eines inneren Drucks. So ist es mir auch meistens
möglich, die Stimmen stumm zu lassen!
Wie geht es Dir?
Schon mal Hass auf alle in der U-Bahn gehabt, im Bus oder im Flugzeug, wenn um Dich
herum alle laut sind und stinken? Wenn Dir die Menschenmassen, die um Dir herum
sind, keinen Platz zum Atmen lassen? Wenn Dich irgendeine Person, die Dir gerade
übel mitgespielt hat, Dich angrinst und so tut, also wärst Du ihr bester Freund?
Wie gehst Du denn damit um?
Lass mich raten, ich bin mir fast sicher, dass Du dies alles geduldig erträgst und noch
gute Miene zum bösen Spiel machst! Richtig?
Ich weiß auch warum, das so ist, denn Du willst Dich vor den Anderen nicht lächerlich
machen. Du willst wohl auch nicht (unangenehm) auffallen, denn die Anderen
könnten über Dich ja Gott weiß was denken, richtig?
Jaja, die Anderen ! Hat nicht unsere Mutter schon früher, wenn wir uns mal nicht
ordentlich benommen haben, gesagt „Hör sofort auf, was sollen denn die Anderen
denken von uns!“ Es ging doch immer nur um die Meinung und Achtung der Anderen.
Dafür wurde man von Mutter zur Ordnung gerufen. Oder hatte sie mal gesagt, dass
man damit aufhören sollen wegen ihr selbst? Oder noch besser, wegen uns? Nein,
niemals, siehst Du. Es ging immer um die Anderen!
Hier eine kleine Geschichte dazu, die Dir evtl. den Horizont erweitert:
Eines Tages war ich im Bus unterwegs. Du kennst doch diese Busse sicherlich, gelb,
meistens so voll, dass man keinen Platz mehr kriegt, muffig, die Scheiben halb
beschlagen und ein Lärm von dem Gemurmel der anderen Fahrgäste. Es war kalt
draußen, aber das ist hier nicht relevant.
321
Relevant ist, was ich an diesem Tag sah. Vor meinen Augen tat sich die Welt auf - nur
eben nicht so wie sie uns immer vorgegaukelt wird, sondern so wie sie tatsächlich ist.
Roh und unverbaut. Real und doch sehr suspekt, da wir die Welt so ja in der
Normalität niemals sehen und vor allem niemals sehen dürfen!
Von einer Sekunde auf die andere, und ich schwöre, ich war nicht auf Drogen, sah ich
die Welt um mich herum, aber darüber lag ein zweites Bild, wie eine
Doppelbelichtung. Die RICHTIGE Welt!
Wenn ich jetzt an den 2. Weltkrieg denke, dann haben wir doch bedingt durch unsere
Erfahrungen eine gewisse Entwicklung erlebt, oder?
Falls man von einer Entwicklung, die ca. 50 Jahre zählt, überhaupt von einer neuen
Entwicklung sprechen kann? Historiker würden dem zusagen, aber die meisten
Menschen denken nicht in Epochen, denn meistens setzt das kollektive Gedächtnis
spätestens nach 5 Jahren aus. Nicht, dass das was Schlimmes wäre.
Aber egal, schauen wir uns hier mal eine Sorte korrupter, mächtiger, hassenswerter
Menschen genauer an, die ich als „Die Anderen“ bezeichne. In dieser RICHTIGEN
Welt, kann man sie ganz leicht erkennen. Denn hier sind sie nicht bei uns im Bus! Oder
denkst Du, dass die Anderen zusammen mit uns, dem Pöbel in einem Fahrzeug
zusammenfahren? Ich hoffe doch, das dem nicht so ist!
322
Die Anderen sind die neue, dominierende Klasse in unserer Gesellschaft. Bei uns im
Westen, wie im Osten, ja auch im Süden und im Norden, dominiert das Geld! Es ist
das einzige, gewichtige Argument.
Stell Dir ein Kartenspiel mit nur einem Trumpf vor: Geld! Ein Farbfernseher mit nur
einer Farbe: Geld! Eine Fußballiga mit nur einem gewinnenden Team: Geld! Und der
Joker im Poker? Geld! So ist unsere heutige Gesellschaft aufgebaut!
Heutzutage kann man jeder Diskussion beitreten, die man will, sei sie politisch,
religiös, sozial, philosophisch etc. und man kann sie jederzeit mit einem Argument
beenden.
Mit Geld!
Demokratie, was ist das noch? Ah ja, das ist die Sache wo man an festgelegten
Wahlterminen alle paar Jahre eine einzelne Stimme irgendwo abgeben kann und
zwischen verschiedenen Übeln wählen darf. Wer das Gefühl hat, er könne so die
Politik beeinflussen, der glaubt wohl auch, dass man durch eigene Arbeit reich wird!
Und falls Du es noch nicht weißt: Nicht durch eigene Arbeit wird man reich, reich wird
man durch die Arbeit der Anderen. Und ebenso beeinflusst man die Politik nicht durch
die eigene Stimme, sondern durch die Stimme der Anderen . Und wenn das nicht
klappt, kann man immer noch Politiker kaufen.
Mit was?
Natürlich mit Geld! Mit dem Geld von den Anderen!
Aber was sind nun diese ominösen Anderen?
Nun ja, wenn man es Dir erklären muss, gehörst Du nicht dazu, soviel steht schon mal
fest und ist auch gut so, denn sonst würden sie mich bereits abholen kommen, die
Exekutive der Anderen!
Es bedeutet, so viel Geld zu haben, dass es schon egal ist, wie viel Geld man hat. Und
wenn Du nicht dazugehörst, stehen die Chancen gut, dass Du zum Pöbel gehörst.
Willkommen beim neuen Pöbel.
Aber hier ist mein Punkt. Ich bin kein Anarcho (ich liebe diesen sarkastischen
Ausdruck, da hier zwar die Revoluzzer gemeint sind, die sich gegen das unfaire System
auflehnen, aber durch diesen Ausdruck eigentlich immer als Punks bezeichnet
werden), ich bin auch nicht blauäugig, vorgestern geboren oder so ähnlich.
Natürlich hat die Welt seit dem Mittelalter noch nie Groß anders funktioniert als
heute. Adel, wie immer er auch daherkommen mag:
323
Als Neureiche, Kleriker, Könige, Kaiser, Hitler, etc…
Fakt ist doch, dass der Adel bestimmt!
Und wer am meisten Geld hat, bestimmt auch am meisten! Und dagegen stemme ich
mich auch nicht. Es gibt Leute, die besser führen können und es gibt Leute, die geführt
werden wollen. Und dann gibt es noch Leute, die geführt werden MÜSSEN! Das sind
eigentlich die meisten Leute leider.
Aber dabei kann man wenigstens anständig bleiben!
„Wenn ich einen Haussklaven hätte. Nennen wir ihn Faid. Faid aus Afghanistan! Er ist
Asylbewerber, hoffnungslos, bereit, alles zu tun und mein Haussklave, weil ich mir das
leisten kann.
Faid, mein Haussklave würde all das machen, wozu ich keine Lust hätte: Wäsche
waschen, bügeln, putzen, kochen. Wahrscheinlich könnte er sogar gut kochen, dieser
Faid. Nun, ich weiß nicht wie Du es halten würdest, aber ich würde Faid morgens
grüßen, ich würde ihm Dankbarkeit dafür zeigen, dass er all diese Arbeiten zu meiner
Zufriedenheit macht und ich würde ihm einen Raum geben, wo er gemütlich schlafen
kann. Vielleicht mit ein paar weichen Kissen.
Weshalb? Faid gehört zur selben Gattung wie ich, obwohl er etwas brauner und
verzweifelter ist und vielleicht meine Sprache nicht so gut sprechen kann, wie ich.
Aber ich würde ihm sicher nicht schon morgens mit seinen Unzulänglichkeiten quälen,
ihn den ganzen Tag hetzen und ihm am Abend, bevor er einschlafen darf, noch mit
einem überproportionierten, sandigen Dildo misshandeln.
Ich würde ihm aber Respekt entgegenbringen! Nicht zu viel, immerhin ist er mein
Haussklave, aber dennoch Respekt! Schließlich kocht er für mich, da wäre es ihm ein
leichtes, in meinen morgendlichen Humus zu speien.
Und ihn ständig zu überwachen, wäre ja auch wieder Arbeit.
Faid wäre ja immer in meiner Nähe. Was würde passieren, wenn ich ihm täglich einen
sandigen Dildo in den Hintern stopfen würde? Ich müsste jedes Mal, wenn er aus der
Küche kommt, kontrollieren, ob er nicht ein Messer hat mitgehen lassen, denn: und
das hier ist eine Weisheit, die ich von meinem Großvater mitbekommen habe. Ein
Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht. Irgendwann würde Faid, verzweifelt
oder nicht, braun oder nicht, dem Ganzen ein Ende setzen.
Wahrscheinlich würde er selbst draufgehen, aber mich würde er sicher noch in dem
letzten Akt des Aufstands erwischen. Gemäß dem Motto: Nie wieder sandiger Dildo!“
324
Genau! Und das hier war eine Metapher, für die Idioten unter euch!!
Faid, das sind wir!
Die Anderen, das bin ich in diesem Beispiel und das morgendliche Quälen ist die ganze
Propaganda, der wir Tag für Tag ausgesetzt sind, sobald wir unser Haus verlassen um
uns unser täglich Brot zu verdienen!
„Haha, Du hast kein Sixpack und du bist nicht mehr jung und hast kein Supermodel als
Freundin.“
Und das war erst das erste Plakat. Ich glaube es verkaufte Parfüm. Oder so.
„Wir müssen sparen, unsere Währung ist zu hoch/tief, wir müssen kompetitiv bleiben.
Das heißt, du musst 20% Arbeit mehr leisten. Bei gleichem Lohn natürlich. Übrigens
darfst du meine Füße küssen, dafür, dass ich dich nicht entlasse.“ Auszug aus jeder
„Marktwirtschaftlichen Maßnahme“.
Das wäre dann das „Durch-Den-Tag-Hetzen!
„Die Ausländer sind schuld, die nehmen Euch die Arbeitsplätze weg! Das Pensionsalter
wird verlängert, die ganzen heutigen Rentner wollen doch sowieso alle noch arbeiten!
Die Beiträge für die Krankenkassen gehen hoch und Steuern sollen nur noch von
Arbeitnehmern, aber nicht von den armen Reichen bezahlt werden! Du darfst X nicht
mehr machen ab morgen darfst Du Y nicht mehr machen und heute wurde Z
verboten.“
Das wäre dann der sandige, überproportionierte Dildo!
Und die ganze Metadaten-Sammlung, die Vorrats-speicherung all unserer Daten, das
ganze Auswerten unserer Daten und die Klassifikation, die von uns gemacht wird.
Naja, das wäre das Äquivalent zur Leibesvisitation Faids nach jedem Küchenbesuch!
Ich sagte ja schon, dass ich nichts gegen eine Elite habe, die sich überlegen glaubt und
bestimmt und den feinen Wein trinkt etc.
Das dürfen die. Was die nicht dürfen, ist jeglichen Respekt vor uns zu verlieren. Zu
glauben, sie könnten sich alles erlauben!
In der Geschichte der Menschheit kam es immer wieder zu Aufständen, bei denen
blaues Blut vergossen wurde. Es gab immer wieder Zeiten, wo der Adel Angst vor dem
Pöbel hatte und zähneknirschend Zugeständnisse machen musste.
325
Und das letzte Mal ist schon viel zu Lange her!
Wie ich schon sagte, wir als Menschen sind nicht gut darin, uns an zu erinnern!
Ich habe das erkannt an diesem Tag. Da habe ich das erkannt, was ich schon so lange
vermutete und was ich auch seit meiner Kindheit schon immer irgendwie fühlte! Die
Anderen wollen alles kontrollieren und beobachten uns. Besser gesagt, sie lassen uns
beobachten durch die Menschen in unserem Umfeld.
Ja genau die! Das glaubst Du mir jetzt nicht? Na dann lasse Dich gewarnt sein, mein
Freund. Ich, Max Bane sage Dir, es IST leider so.
Die gehören auch alle zu den Anderen! Die sind somit auch die Anderen!
Wann immer Du die Gelegenheit dazu hast, einen von Ihnen zu zerstören, tue es!
Denn sonst wirst Du von Ihnen zerstört! Das ist leider die traurige Wahrheit.
Ich bin bereit und willens und wissend darüber wie es laufen muss. Denn ich bin Gott!
Jawohl, ich bin Gott und nicht ein ominöses Wesen im Himmel mit grauem langen
Bart und im Nachthemd. Nein, ich stehe hier mit dem Schwert der Vernichtung und
ich vollstrecke. Alle anderen!
Das ist meine Aufgabe!
Aber hey, sorry. Ich labere Dich schon die ganze Zeit zu und Du sagst gar nix dazu?
Was ist denn mit Dir los?
326
Hallo ich rede mit Dir da unten!“
Und wie ich den Typ am Boden da so trete, fällt mir wieder ein, das er gar nicht
antworten kann, der Spast.
Hehe, manchmal habe ich aber auch echt ein Rad ab.
Hab jetzt doch total vor lauter Erklärungen über die Anderen vergessen, dass ich dem
Wichser eine mit der Stahlstütze in meiner Hand übergezogen hab, als er mir seinen
Namen nannte, der Herr Faid!
Scheiß Ausländer, kommt hierher in unser Land und fresst uns die Haare vom Kopf.
Und dann willst nicht mal mein Sklave sein, hä?!
Ich habe hier gearbeitet, hörst Du Dumme Kuh da unten!
Und ihr Rassler kommt hierher mit Eurem Drecks Islam und wollt unser Sozialsystem
für Eure Zwecke ausbeuten und dann nicht mal etwas tun für uns Deutsche?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass Du genauso wie Deine Bagage von den Anderen
geschickt wurdest, von den Faschistenschweinen!
Mein Atem wird langsam wieder gleichmäßiger. Ich merke, dass ich mich gar nicht
mehr so aufrege, so wie vorhin als der Penner sich bei mir vorstellte mit seinem
Namen Faid und dann noch nicht mal für mich arbeiten wollte, sondern um Kohle
gebettelt hatte!
Dann ich hau mal lieber ab, bevor hier noch die Bullen aufkreuzen.
Oder die Anderen!
327
26.Mai 2017 / bei meinem Hausarzt
Spitzen Start in den Tag gehabt, da helfen die ganzen Gute -Laune-Lieder nix, die ich
heute Morgen gepostet hatte:
Beim Doc im Empfangsbereich standen schon ein paar Leute gegenüber der Theke an,
als ich ankam.
Also habe ich mich ordnungsgemäß hintenangestellt und nix weitergedacht.
Da geht die Eingangstür auf und kommt Einer rein, Typ Schicki-Micki Schwiegermuttis
Lieblingsschleimer, Top gestylt natürlich, läuft an der ganzen Schlange vorbei direkt
zur Arzthelferin, die hinter der Theke steht und fängt an zu labern.
Nachdem der Typ vor mir den Kopp geschüttelt hat, ist mir erstmal aufgefallen das
der Schnösel sich mal ganz geschmeidig an uns vorbeigedrängt hat!!!!
Da der Typ vor mir vom Outfit her entweder Dachdecker oder Zimmermann war, und
das ja normalerweise eher rohe Leute sind, habe ich drauf gewartet, dass er jetzt was
zu dem Schnösel sagt.
Aber außer Kopfschütteln und sein dämliches Grinsen kam da nix.
Und was soll ich sagen, es fing naturgemäß in mir an zu brodeln.
Immer locker bleiben, dachte ich. Aber der Typ laberte und laberte und machte einen
auf ganz wichtig bei der Arzthelferin. So von wegen, das er ja den Chefarzt kennen
würde, und was er für ein geiles Auto fährt und bla bla bla.
Bis es mir gereicht hat und ich mal zu ihm hin gerufen hab, ob er eigentlich noch ganz
sauber ist, vordrängeln und so.
Meint ihr das hat den gestört?
Ach was, gab mir so ne altkluge Antwort von wegen das wir alle falsch stehen würden
und er alles richtiggemacht hat und so weiter.
„Was heißt hier, wir stehen falsch, Du Penner, ich glaub Du hast Kartoffeln auf den
Augen oder was.“ „Ich fasse es ja nicht, was geht denn bei Dir in der Birne ab?“
Langsam geriet ichleicht in Rage.
Das ging dann hin und her, bis ich dann irgendwann, da war ich immer noch relativ
gut gelaunt, abgewunken hab, weil es mir zu blöd wurde.
Dann war soweit Stille im Raum, der Typ regelte dann seinen Scheiß mit seinen
beschissenen Rezepten und so und war dann endlich fertig. Er ging dann ganz
entspannt grinsend zur Tür und murmelte dann so richtig scheiß frech noch
irgendeinen bleeden Spruch in meine Richtung.
328
Und dann ist mir halt leider mal wieder die Beherrschung mit dem berühmten Klack
in der Birne durchgegangen und ich bin dann doch noch ausgerastet.
Ich brüllte dann richtig laut und unbeherrscht lauter extrem viele, nicht jugendfreie
Schimpfwörter und sprang auf ihn zu bzw. in seine Richtung.
Doch der war dann relativ schnell zur Praxis draußen, so dass mir nichts Anderes
übrigblieb als wild auf die hinter ihm zufallende Tür zu hämmern und ihm durch die
Tür hinterherzuschreien, was für ein dreckiger Bastardnsohn er ist.
Dann kam ausgerechnet in diesem Moment der Doc aus seinem Behandlungszimmer
raus, von der ganzen Vorgeschichte nichts wissend, und somit war ich mal wieder der
Depp, von wegen wie ich mich hier aufführe und so ginge das nicht. Das wäre kein
Benehmen in seiner Praxis und das würde er nicht dulden und dass dies ja wieder mal
zu mir passen würde.
Und so weiter und so fort.
Klar, habe ich mich dann natürlich geärgert das der blessierte Penner mich so weit
gebracht hatte und ich ihn nicht mal entsprechend antworten oder ein in die
Schnauze hauen konnte…. Dummer Wichser, echt!
329
Sommer 2017 / genauso wie die Anderen
Es ist doch ganz egal, für uns sind wir normal, doch für die Anderen sind wir verrückt!
Auch wenn ich mal austicke, kriegst du mich wieder hin, weil du genau weißt wie ich
tick'
Unsere Geister müssen schweben in andern Sphären, als ob wir beschissene Fucking
Aliens wären!
Und glaube mir. niemand kann uns hierher folgen! Das verspreche ich Dir!
Es ist gut, dass wir nicht wie die anderen sind und es ist auch sooo gut, dass du mich
nimmst wie ich wirklich bin!
Ich verstehe schon so lange, dass wir für Andere die anderen sind, aber genau das ist
der Vorteil unserer Anpassungsgabe, unseres Genies, und unserer Fähigkeiten, zu
spüren, wer die Anderen wirklich sind, auch wenn sie sich hinter ihren beschissenen
billigen Masken zu verstecken versuchen. Sie versuchen uns permanent zu täuschen
und herauszufinden, ob wir wie sie, also auch ein Teil der Anderen Sind, oder ob wir
eben nicht zu diesem Teil, der als einzige Berechtigung, die hat, die sich Absolute
unabdingbare Zerstörung nennt und die auf diese widerlichen Faschisten ausgerichtet
ist. Wir müssen einfach nur aufpassen. Und eins noch. Versprich mir hier und jetzt,
dass Du mich niemals verraten wirst, denn dann ist mein Plan zerstört und dass mit
der Plan des eigentlichen Herrgottes, Mich dem Demiurgen, dem Schöpfer, dem
Erbauer und des bösen und unnachgiebigen Gotts. Den einzig wahren Gott!
Aber es hat sich langsam ein Gefühl angeschlichen, das die Wärme hier weg ist, es ist
kühl, oder?
Und die komplette vergangene Zeit, die verstrichen ist ändert auch nichts daran, dass
unsere Beziehung alles andere als ausgeglichen ist, oder?
Man kann vieles verdrängen aber nicht wirklich vergessen!
Man vermisst nicht wirklich die Dinge, die einen beengen, oder?
Und dieses Gefühl, Dich auswendig zu kennen, ist genau das, welches mich ständig
beklemmt!
Und wenn ich dann feststelle, dass ich Dich wirklich auswendig kenne und somit auch
weiß, dass Du mir so unendlich fremd geworden bist!
So wie Du pennst und wie Du jeden Morgen riechst, mit Deinen ungekämmten
Haaren!
Schau ich Dich an und finde Dich irgendwie warm und weich, aber auch blass!
330
Wie Du mich schon anguckst und dann unwissend fragst, ob irgendwas mit mir los ist?
Aber wenn ich ehrlich bin, kann ich schon Deinen Anblick genauso wenig wie das
Wissen ertragen, wenn Du aus dem Haus rausgehst!
Aber ich kann genauso wenig Deine Passivität ertragen!
Auch wenn Du Dich ausziehst, widerst Du mich an!
Und bei dem Anblick wie Du jeden Morgen aufstehst, wird mir schlecht, denn du
widerst mich so an! Ich kann Dich einfach nicht mehr ertragen, hörst Du?
Letzte Chance! Du musst raus hier, hörst Du mich! Du musst ganz schnell hier raus,
denn das ist aktuell der einzige Gedanke der mich beherrscht!
Der Gedanke, dass Du hier wegmusst, raus aus dem Haus, weit weit weg!
Geh einfach, geh raus und hau ab!
Eigentlich hatte ich bisher immer gedacht, dass es ordentlich kracht mit uns Beiden,
aber das ist es nicht mal! Das ist es NICHT!
Ich hatte auch mal gedacht, dass ich einfach so über Nacht mit Dir Schluss mache,
wenn ich Deiner überdrüssig bin, wie jetzt! Doch auch das ist es NICHT!
Denn der Weg zum eigentlichen Trennungsakt, den ich über Nacht mal schnell
vollziehen wollte, der kommt doch nicht so plötzlich! Nein, der ist lang, schleichend
und irgendwie auch abstrakt!
Denn ich muss auch zugeben, dass ich dazwischen doch immer wieder gehofft hatte,
das Du nicht so wie die ganzen Andren bist, und dass es vielleicht doch irgendwie
wieder klappt, oh so sehr hatte ich das wirklich gehofft!
Und dann tappe ich doch irgendwie so blind durch mein Kopflabyrinth, bis es mich
komplett aus dem Takt bringt!
Und dann sehe ich die nackten Tatsachen:
Denn aus unserem Glück wurde Pech und aus unserem Pech dann wieder Glück!
Hin und Her! Für und Wider! Schwarz und Weiß! Böse und gut! Schön und Hässlich!
Mutig und Feige!
Dann wieder Glück, aus dem aber genauso schnell wieder Pech wird, dann wieder
Glück!
Verstehst Du was ich meine?
Wer soll da noch den Takt halten?
331
Und dann will ich aber doch wieder zurück in diese Zeit, in der wir immer wegen jeder
verfickten Kleinigkeit stritten.
Aber das war mir eigentlich egal, denn genau diese Hin und Her, diese ständigen
Bewegungen, diese Taktlosigkeiten, genau die waren dann doch immer wieder das
Salz in der Suppe, oder?
Uns wurde nie langweilig! Ying und Yang! Mal so, dann wieder so, um letztendlich
dann doch wieder die guten Absichten und Gedanken über Bord Schmeißen! Hin und
Her! Her und Hin! Hihi!
Doch im Laufe der Zeit, verschwanden dann doch die ganzen Dinge und Kleinigkeiten,
die uns letztendlich doch irgendwie trotz aller Gegensätzlichkeit verbanden!
Sie sind weg! Und so wie faules abgestandenes Wasser ist lediglich noch ein
ekelhafter Geruch davon zu spüren und selbst die verwandeln sich dann in miese
Details, die wie so fiese Schmeißfliegen, die über einen trüben, verfaulten, stinkenden
kleinen Waldmorast ständig kreisen!
Genau wie diese Dreckfliegen, die mich geradezu warnen und mir die Signale senden,
dass es so nicht mehr lange weitergehen kann, hörst Du?
Du musst raus hier aus dem Haus und zwar ganz schnell!
Raus einfach weg und raus! So glaube mir, das ist das beste! Zack, raus und für immer
weg!
332
Ich habe mir eine Zeitlang auch eingeredet, dass allein der gute Wille die Macht dazu
hat, meine Toleranz zu Dir zu erweitern. Ja geradezu die Macht über meine
Toleranzgefühle zu Dir zu übernehmen und mit guten, besten Gedanken zu
vernebeln!
Doch auch das klappte nicht!
Ich hatte gehofft, dass sich der Spruch: „wer zuletzt lacht, lacht am besten“
bewahrheitet!
Auch das klappte nicht! Egal was ich versuchte, mal links herum, mal rechts herum.
So oder auch mal so! Auch das brauchte letztendlich nichts!
Also letzte Chance:
“Wenn doch der Weg das Ziel ist und dabei das Leben nur ein Spiel ist,
wie erkenne ich dann den Punkt, an dem mir das alles Zuviel ist?
Wenn dann die Luft unerträglich drückend steht, wenn ich mit Dir in demselben Raum
bin, wenn selbst diese Luft zum Atmen so unter Druck steht, dass sich der ganze Raum
um mich herumdreh.
Ist das der Punkt? Oder ist es da schon zu spät?
Und woher kommt dann noch die Kraft, die es schafft, dass man am Rausch des
Lebens zieht
Oder ist das schon zu spät woher kommt die
Kraft die es schafft, dass man am rausch des Lebens zieht und nicht nur pafft?
Ja, und überhaupt, wenn man sich nichts mehr erlaubt, damit man keine weiteren
Fehler beginnt, aber dann traut man sich doch auch gar nichts mehr, oder?
Verstaubt man dann nicht so wie ein alter weggeschlossener Schrank, dessen Zeit
abgelaufen ist und der keinerlei Beachtung mehr erhält?
Ja, beraubt man sich da nicht selbst aller Dinge, an die man glaubt, die man so sehr
zum Leben braucht?
Doch ich getrau mich nicht, also hau doch endlich ab, geh einfach weg.
Hier raus dem Haus und lass dich nie mehr blicken. Hau einfach nur schnell ab!
Denn noch liegt mein Mut gefesselt und geknebelt in einer Ecke, so richtig
ausgeknockt nach meiner lebenslangen Sucht nach Harmonie in meinem Leben, die
das geregelt hat!
333
Die mir den wahren Blick echt lange vernebelt hat, doch der Weckruf kam und ich
spür, dass es heute Nacht soweit ist, dass mein wahres Inneres wieder rauskommt
und die Kontrolle übernimmt. Das wahre, dass ich so lange, gut vernebelt und wegen
meiner letztendlich doch vergeblichen Ständigen Harmoniesucht, die ich aber auch
bei Dir nie erhielt, so wie ich, Max es verdient habe. Denn ich habe mich doch so sehr
bemüht. War ein Guter! War ein Lieber. Hatte mich im Griff und wollte nur geliebt
oder wenigstens gem ocht werden und nicht durch die ganzen Andren da draußen,
wie ein Stück Scheiße behandelt werden, nur, weil ich mich wegen Dir nicht mehr
wehrte aus Angst das Du dann weg bist.
Doch jetzt ist es soweit!
Letzte Chance!
Hau ab! Ich will dich hier raushaben und nie mehr wiedersehen!
Du bist kein Stück besser als die ganzen Anderen. Du bist wie die Andren! Und dadurch
bist du alle anderen, verstehst Du?! Hau ab!
Ab heute Nacht wird es mein wahrer Wille, meine wahre Natur sein, die mit Köpfen
Nägel macht!
Ja genau, denn ständig stand ich mit dem Rücken zur Wand und habe erst jetzt
erkannt, dass nur ich allein und ich in mir Drin, also in geeintem Geist, meine
Verwandlung in der Hand habe!
334
Ich hätte es schon immer tun müssen, habe mich aber selbst nie gelassen!
Aber nun nach dem Weckruf, habe ich mich heut verlassen und brachte dich raus aus
dem Haus und verbuddelte Dich in einem tiefen Loch irgendwo in einer Waldkloake.
Da schwirren jetzt schön die ganzen widerlichen Schmeißfliegen über dich im Kreis
herum und bringen Dich jetzt aus dem Takt, du hattest eine Chance, hast sie nicht
genutzt und bist jetzt schuld daran, dass ich es tat, was ich mit Dir tun musste. Um
diese Last die mich hemmte, die mich aufhielt, die meine Sinne vernebelte wegen
diesem Drecks Harmoniescheiss. Ja ich ah sie los und bin fei und werde richten. Alle
Anderen und alle und noch mehr. Denn nur ich bin der Gott der bestimmt.
Und es ist genau jetzt soweit!
By By!
Des Dramas Grande
Finale: (2017)
335
Der Pfad des Kriegers
Es passiert meistens ohne Vorwarnung! Zumindest war es bei mir so…
Wenn es dann so unerwartet über dich hereinbricht, ist es so dermaßen schlimm, dass
Du im ersten Moment, also ich meine im „Moment der Erkenntnis“ weder klare
Gedanken finden kannst, geschweige denn die „richtigen“ Worte….
Diese Leere, die Du auf einmal in der hast, diese Leere, die Dich beherrscht, ist so
dermaßen abgrundtief bodenlos und tiefschwarz….
Rationell gesehen,
Du stehst da, zitterst am ganzen Körper und starrst an die Wand oder so.
Naja, eigentlich starrst Du nicht die Wand an, sondern siehst sie eigentlich nicht, bzw.
nimmst sie zumindest nicht konkret war.
Ich kann jetzt auch gar nicht so richtig ausdrücken, welche Gefühle in Dir
vorherrschen:
Ist es Wut?
Ist Hass?
Ist es Traurigkeit?
Ist es Endtäuschung?
Ist es diese Hilflosigkeit, die Dir bewusstmacht, wie wenig Du selbst eigentlich im
EIGENEN Leben steuern kannst?
Diese ganzen Pseudo Motivatorenwichser, die Dir immer und überall, sei es in
diversen Werbemails, sei es im Internet, sei es im Fernsehen, Radio oder in
irgendwelchen Veranstaltungen, den Schwachsinn auftischen wollen, das nur DU
allein Dein Leben regeln kannst!
Die Dir mit Zitaten, Sprüchen oder sonstigen Weisheiten versuchen wollen, dass Sie
allein den „richtigen Weg“ kennen.
Den Weg zur absoluten Zufriedenheit. Den Weg zum persönlichen Glück und Erfolg!
„Nimm Dein Leben selbst in die Hand!“
„Du kannst alles, wenn Du nur willst!“
„Jeder ist seines Glückes Schmid!“
Und so weiter und so fort.
336
Sie weisen Dich mit altklugen, abgedroschenen Sprüchen darauf hin, dass Du
selbstverständlich mal im Leben stolpern und auch hinfallen kannst, aber dann halt
wieder aufstehen musst. Immer wieder aufstehen und nicht liegenbleiben sollst und
so ähnlichen Dreckszitaten in dieser Art!
Sie zeigen Dir denn „richtigen“ Weg zum Glück, bla. bla. bla!
Dieser Weg ist jedoch nicht der „Pfad des Kriegers“!
Hörst Du?
Dieser Weg ist auf gar keinen Fall, Dein Pfad, Dein Weg oder Deine Straße…
Das sind alles Irrwege, die Dich davon abhalten, den einzig wahren Weg zu
beschreiten:
„Den Pfad des Kriegers“ eben!
Du siehst nichtsahnend einen ausgedruckten Brief in dem Fach Deines Druckers und
denkst Dir noch dabei, weil Du es 100% sicher weißt, das Du am Vorabend nichts mehr
gedruckt hattest.
Jetzt fällt Dir auch auf, dass Dein beschissener PC an ist, obwohl Du auch den zu 100%
sicher ausgeschaltet hattest!
Aber trotzdem machst Du Dir über beides nicht sonderlich viel Gedanken. Warum
solltest Du auch, denn noch gibt es in Deiner „heilen“ Welt auch gar keinen Grund
dazu, oder?
Dann, im nächsten Moment, nimmst Du Dir den Brief raus und liest ihn. Auch das noch
ohne irgendwelche Hintergedanken, eher so aus Gewohnheit!
Du liest die wenigen Zeilen. Es sind ja nicht mehr als 8 oder 9 oder so.
337
„Lieber Ralf, …“ fängt der Text an.
Hä, einen Brief an den verstorbenen Bruder kann eigentlich nicht sein?
Dann fällt Dir ein, das sie ja in der vergangenen Woche bei den Kumpfes war, zum
Gratulieren!
Ah, dann schreibt sie an den Ralf Kumpf!
Aber irgendwie passt der Text nicht mit der Persona Ralf Kumpf zusammen!
Das macht doch gar keinen Sinn, was sie da dem schreibt?
Von welchem Schlüssel schreibt sie?
Was meint Sie damit, das immer noch eine unglaubliche Bande zwischen Ihnen
besteht?
Welche Liebestreffpunkte meint sie überhaupt?
Was meint sie mit diesen ganzen geschwollenen Worten und noch wichtiger:
Warum schreibt sie dem Kumpf so einen merkwürdigen Brief?
Also liest Du Dir den Text nochmal durch.
Und dann noch ein drittes Mal, weil Du den Inhalt in keinerlei logischen
Zusammenhang mit Ralf Kumpf bringen kannst.
Und dann auf einmal, fällt es Dir wie Schuppen von deinen blinden Augen:
Hier ist auch nicht Ralf Kumpf gemeint, sondern der Bastardnsohn!
Ja genau der!
„Ralf Weiland“ hieß der Typ, der Dir vor Jahren die schmerzlichste Niederlage
zugefügt hatte.
Der Bastard, der Dir den Boden unter den Füßen wegzog.
Der verfluchte Dumme Kuh nkopf, der fast um Haaresbreite Dein komplettes
Lebensglück, welches uneingeschränkt ohne Wenn und Aber Dein eigene kleine
Familie ist, kaputt gemacht hatte.
Der Wichser, mit dem Deine Frau damals über ein halbes Jahr hinter Deinem Rücken
eine Affäre hatte.
Wegen dem Dein damaliger guter Job aus und vorbei war.
Wegen dem Deine Frau noch heute in psychiatrischer Behandlung ist.
Wegen dem Du zum ersten Mal im Leben so richtig aus der Bahn geworfen wurdest!
338
Wegen dem Dein Sohn fast sein Abitur nicht absolvieren konnte.
Genau wegen diesem Ralf also, um den es hier jetzt erneut geht!
Der jetzt wieder massiv versucht, in Dein Leben einzutreten und es Dir schon wieder
kaputt machen will!
Denn alles was sie Dir jetzt antwortet ist entweder eh gelogen, eine Halbwahrheit
oder sonst eine verschissene faule Ausrede, das ist klar!
Jetzt gibt es 2 Arten von Menschen!
Jetzt gibt es 2 Arten von Pillen, die Du nehmen kannst: Die rote oder die Blaue.
Du kannst jetzt Dastehen und zuschauen und dich und Deine Familie zerstören lassen,
oder:
Du kannst hier und jetzt etwas tun!
Na, was meinst Du?
Was davon ist der „Pfad des Kriegers“?
Welche Pille wählst Du?
Und was wirst Du tun?
Es gibt 2 Möglichkeiten!
Aber wichtig dabei, ist, egal für welche Du Dich entscheiden wirst, Du musst es so
schnell wie möglich tun!
Sonst wird Dir die Entscheidung abgenommen und dann hast Du wirklich keinen
eigenen Einfluss auf den weiteren Verlauf!
Bist Du jetzt der Hauptdarsteller oder bist Du nur ein Statist?
Bist Du jetzt ein Krieger oder bist Du ein Verlierer?
Bist Du bereit für Deine Familie zu kämpfen oder hast Du bereits aufgegeben?
Schwarz oder weiß?
Entscheide Dich!
Jetzt!
Sofort!
Wach auf und entscheide dich!
339
Der Prozess
Das Wort „Amoklauf“ fällt ihm ein.
Es klingt gut, es klingt bedrohlich. Max Bane sitzt am Abend des 25. Juli 2014 in einem
Internetcafé und überfliegt seine E-Mail ein letztes Mal. Er denkt an die Jahre, die er
gelitten hat; an die Versprechen, die nie eingehalten wurden. Er denkt, dass er doch
nicht viel verlangt, nur ein bisschen Liebe oder Zuneigung, mehr nicht.
Er fühlt sich ausgenutzt und fallengelassen, verraten und abgeschoben.
Die haben das verdient, denkt er, und schreibt das Wort in den Betreff: Amoklauf.
Dann drückt er auf „Senden“.
Wenige Tage später holen sie ihn mit Handschellen.
Ein grauer Freitag Anfang Januar 2015, ein halbes Jahr später. Max Bane, Deutscher,
fünfundvierzig Jahre alt, bullig, olivfarbener Militär -Parka, lehnt an der Fassade des
Düsseldorfer Landgerichts. Er lässt sich von einem Freund eine Zigarette reichen,
zündet sie an und sieht zu, wie der Rauch aufsteigt. Im vergangenen halben Jahr war
er selten draußen. Immer nur ein paar Atemzüge lang, die wenigen Schritte von einer
Tür zu einem Auto, von einem Auto zu einer Tür. Es waren Türen, die Bane nicht selbst
öffnen durfte, und Autos, in denen er hinten Platz nehmen musste: von der
Polizeiwache in die Klinik, von dort zum Haftrichter, dann ins Institut für Forensische
Psychiatrie in Essen. Und nun zu seinem Prozess.
Bane zieht ein letztes Mal an der Zigarette. In fünf Minuten wird er wieder auf der
Anklagebank sitzen. Die Richterin wird das Urteil verlesen. Und dann, wenn es dieses
Mal in seinem Leben nicht komplett schiefläuft, ist er frei.
Doch Bane kämpft längst nicht mehr nur gegen den Vorwurf der Nötigung und um
seine Freiheit. Er kämpft auch darum, dass ihm endlich jemand glaubt. Dass ein Arzt,
ein Staatsanwalt, eine Richterin zu ihm sagt: Ja, deine Lebensgeschichte ist kein
Lügengebäude, kein paranoider Wahnkomplex, deine Geschichte stimmt.
340
Max Bane sieht sich als Opfer einer der undurchschaubarsten staatlichen
Einrichtungen, die es in Deutschland gibt: des „NEOSPEKTRUM – N-O-J-N-S-P-DS-D“ –
Programms des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Bundeskriminalamtes
(BKA).
Einst war Bane für den deutschen Staat sehr nützlich. Im Gegenzug erhielt er Schutz.
Dann war er dem Staat eher lästig. Am Ende glauben ihm Ärzte und Behörden nicht
einmal mehr, dass er Teil des Programms war.
Dieser Fall zeigt, wie der deutsche Staat mit geschützten Bürgern umgeht. Er
dokumentiert, wie machtlos Menschen werden können, die ihre Identität, ihre
Vergangenheit, ihr Leben in die Hände des BKA geben.
Jahrzehntelang durfte weder darüber geschrieben noch darüber gesprochen werden,
wie Bane in seinem alten Leben hieß, wo er wohnte, womit er sein Geld verdiente
und wie sein neuer Deckname lautet. Auch durfte nicht die Straftat beschrieben
werden, deren Augenzeuge Bane wurde und die sein Leben für immer verändert hat.
Die Gefahr, dass jemand ihn erkennen und aufspüren könnte, war zu groß. Bane
sagte, was er damals gesehen habe, sei so furchtbar gewesen, dass er noch manchmal
schweißüberströmt aufwache, und d enke er sei mittendrin im Geschehen. Er sehe
dann die Bilder wieder vor sich. Die Patronenhülsen auf dem Asphalt, Drumherum das
warme Blut. Wie er zitternd auf dem Boden kauert, die Hände schützend über dem
Kopf. Er sieht sich auf dieser Toilette einer fremden Bar, wie er sich auf dem
Waschbecken abstützt, in den Spiegel schaut und Blut sein Gesicht hinabläuft. Es ist
nicht seines. Auch hört er die Stimmen, die zu ihm sprechen.
In den Wochen nach der Tat bekam Bane Anrufe. Wenn wir dich finden, bist du tot,
sagen die Täter, wehe, du sprichst mit der Polizei.
Ein Freund erzählte ihm, dass sie ein Kopfgeld von über 30 000 D -Mark auf ihn
ausgesetzt war.
Panik machte sich in Max Banes sowie auch im Kopf seines damaligen Komplizen breit.
Als Bane das Gebäude der Staatsanwaltschaft seiner Heimatstadt betritt, liegen
schlaflose Nächte hinter ihm.
Hier bin ich, sagte er, ich kenne den Aufenthaltsort der gesuchten verschwundenen
Jugoslawen. Ich war an deren Beseitigung aktiv dabei und bin bereit alles zu erzählen.
Hintermänner und Fakten preis zu geben. Aber wie Sie wissen, sprechen wir hier über
Mitglieder der jugoslawischen Mafia. D.h. dass ich durch diese Aussage mein Leben
und das weiterer Leute extrem gefährde.
So kommt auch der Begriff „Zeugenschutz“ ins Spiel.
341
Es ist ein Wort, das Bane kennt. Was es genau bedeutet, weiß er nicht. Da ist nur eine
vage Vorstellung von Bodyguards, neuen Pässen, Flucht bei Nacht und Nebel – was
man so aus Filmen kennt. Doch ihm bleibt keine Zeit zu überlegen. Jetzt sofort musst
du dich entscheiden, sagen sie. Schutz, das klingt gut, denkt er und stimmt zu.
Dann geht alles sehr schnell. Drei Beamte nehmen ihn mit auf das Präsidium, um seine
Aussage aufzunehmen, und bringen ihn aus der Stadt, in eine abgelegene kleine
Pension auf dem Land.
Hier verbringt er die nächsten Monate, während er auf den Beginn des Prozesses
wartet, in dem er als Kronzeuge aussagen soll.
In der Pension ist Bane allein, er liest viel, schaut fern, den Kontakt zu allen seinen
Bekannten und Verwandten hat Max mittlerweile komplett eingestellt.
Alle paar Tage klopfen die Zeugenschützer an seine Tür. Bane füllt Fragebögen über
sein bisheriges Leben aus, über seine Hobbys, Ausbildungen, Freunde, Beziehungen.
Er unterschreibt Verträge, Geheimhaltungserklärungen, Belehrungen zu Rechten und
Pflichten. Es sind viele Seiten, er überfliegt sie mehr, als dass er sie liest. Kopien
bekommt er nicht.
Zusammen mit den Beamten wird sein Identitätswechsel geplant. Zu allen Freunden
und Bekannten muss er den Kontakt abbrechen – für immer!
Es gibt kaum Menschen in Deutschland, die sich intensiv mit dem
Zeugenschutzprogramm befasst haben und darüber sprechen dürfen.
Ähnlich geht das BKA mit Presseanfragen zum Zeugenschutz um. Außenstehenden
bleibt allein das „Gesetz zur Harmonisierung des Schutzes gefährdeter Zeugen“, elf
magere Paragrafen. Eine Person muss demnach an „Leib, Leben, Gesundheit, Freiheit
oder wesentlichen Vermögenswerten“ bedroht sein, um aufgenommen zu werden.
Bane dürfte nicht einmal mit seinem Anwalt reden, wenn er einen hätte, so steht es
in der Geheimhaltungsklausel, die er unterschrieben hat.
Ob das verfassungswidrig ist weiß Bane damals nicht.
Bane beharrt in unseren Gesprächen immer wieder darauf, dass sein 1. Ausstieg incl.
dem Identitätswechsel genauso ablief.
Sonst sind seine Antworten einsilbig, seine Tonlage ist etwas ruppig. Doch nun hört
er auf, ungeduldig mit den Fingern auf den Tisch zu trommeln, er lehnt sich bequem
in seinem Sessel zurück. Mit freundlicher Stimme hält er einen ausschweifenden
Monolog über die Verantwortung von Personen in Machtpositionen, über Respekt,
sein Geschick, mit Menschen umzugehen, für das ihn alle bewundert hätten. „Sie
342
können sich das heute vielleicht nicht vorstellen, aber ich war damals bekannt für
meine charmante Art“, sagt Bane. Zum ersten Mal in zwei Stunden lächelt er.
Spricht man mit seinen Bekannten, mit seinem Anwalt, seinen Ärzten, liest man Akten
und Gutachten, lässt sich das meiste in seiner Geschichte leider nicht rekonstruieren.
Seine Ärzte bezeugen einvernehmlich, das Max Bane diese kompletten Geschichten
ausschließlich in seiner eigenen Gedankenwelt erfindet und durch seine
Schizophrenie bedingt, dann natürlich auch davon überzeugt ist, dass es in der
Realität genauso alles passiert ist.
Es steht Aussage gegen Aussage!
Doch was, wenn der Zeugenschutz systematisch versagt hat im Falle von Max Bane?
Was ist, wenn er obwohl er im Fokus einer Behörde sowie unter deren ständiger
Kontrolle, trotzdem alle diese Menschen getötet hatte?
Was wenn die ganzen Kontrollmechanismen innerhalb der observierenden Behörde
versagte?
Wie kann man die Effektivität einer Einrichtung kontrollieren, deren Aktivitäten
streng geheim sind?
Wie uns Bürgerrechtler Rechtsanwalt Dr. jur. W. Meyer bestätigte, müsste sogar er
Geheimhaltungsklauseln unterschreiben, die ihm verbieten, diese Temporär -
Unterkunft zu benennen. Vorsichtig wählt er deshalb seine Worte aus und spricht
stets im Konjunktiv.
Es könnte sein, sagt Meyer, dass irgendwo in Deutschland ein Gefängnistrakt leer
stehe, es könnte auch sein, dass dort zwei bis fünf zu schützende Personen ihre
Strafen absäßen oder auf Identitätswechsel vorbereitet werden und mit niemandem
mehr reden dürften. Gäbe es diesen Ort, sagt Meyer, dann gäbe es vielleicht einen
sechs mal sieben Meter großen Innenhof, den die Personen einmal am Tag für sechzig
Minuten betreten dürften, mit so hohen Mauern, dass man die Sonne, wenn sie
senkrecht steht, sehen könnte, und nur dann. Vermutlich wären die Zellen nach
außen mit schräg gestellten Lamellen abgeschirmt, von innen mit einer milchfarbigen
Plexiglasscheibe, sodass die Bewohner ein Leben im Halbdunkeln verbringen
müssten.
„Der Ort, an dem sie Max B. damals unterbrachten, war letztlich Isolationshaft.
Folter“, sagt Meyer. Er betreut mittlerweile mehr als ein halbes Dutzend Personen,
die in einer ähnlichen Situation wie Max B. damals war, waren. Von denen sei nur
einer ohne körperliche oder psychische Schäden davongekommen.
343
Meyers Name spricht sich schnell herum, auch außerhalb des Gefängnisses. Zwanzig
geschützte Zeugen würden ihn pro Jahr kontaktieren, sagt Meyer, und mit jedem
Anruf verstehe er besser: „Was die Zeugenschützer da treiben, ist ein menschliches
Verbrechen.“ Er vertritt heute mehrere Dutzend Personen, verzweifelte Menschen,
fast alle mit Ausstiegsgedanken.
„In der Regel fängt das Programm schon mit einer Lüge an“, sagt Meyer: Beamte und
Schützer versprächen den Zeugen eine neue Identität. Dabei könnten Personendaten
in Deutschland gar nicht gelöscht werden, sondern nur gesperrt. Doch gegenüber den
Zeugen wir d das oft offengelassen. „Manchmal reicht es, jemandem aus dem
öffentlichen Dienst ein paar Tausend Euro zuzustecken, und schon erfährt man, wo
man die geschützte Person suchen sollte.“ Meyer sagt, er habe von so einem Fall
gehört.
Bei all seinen Fällen ließe sich ein Muster erkennen, das zeige, dass der Staat rein
betriebswirtschaftlich auf seine Zeugen schaue.
Meyer unterscheidet drei Phasen: Während der ersten Phase würden die Schützer
sich sehr bemühen. „Der Zeuge ist spannend, hat Informationen, die sie brauchen“,
sagt Meyer. „Es ist die Phase des maximalen Melkens.“
In der zweiten Phase werde der Zeuge nur noch selten in weiteren Prozessen
benötigt. Die Verteidiger der Gegenseite seien längst auf seine Aussagen vorbereitet.
Man halte ihn bei Laune. Danach, in der dritten Phase, wenn alle Prozesse zu Ende
seien, habe der Zeugenschutz kein Interesse mehr. Für den Staat sei der Zeuge nun
nur noch eins: teuer.
Max Bane ist in Phase drei, als es mit ihm bergab geht. Er begann ein vermeintlich
neues Leben in Japan, lebte dort in einem Kloster und wurde vorher einem
menschenunwürdigen Drill in Form einer Art Boot -Camp unterzogen und brach
letztendlich ab. Dadurch wurde er wieder nach Deutschland rückgeführt. Zwar mit der
neuen Identität und auch in ein anderes Bundesland sowie in eine neue Stadt, aber
ab diesem Zeitpunkt war er quasi auf sich allein gestellt!
In den ersten Monaten hatte er noch eine Kontaktperson, da diese jedoch überlastet
war, wurde auch dieser letzte Kontakt zu seinem früheren Leben sowie für die letzte
Vertrauensperson, die er noch hatte, immer weniger. Seine Verzweiflung treibt Max
Bane ans Glas. Wodka, Whisky, Tequila, Minimum eine Flasche am Tag.
Er arbeitete zwar als Malergeselle, aber ansonsten war er quasi auf sich allein gestellt.
„In dieser Zeit halfen mir wieder meine inneren Stimmen!“ erklärt Max „sonst wäre
ich hoffnungslos verloren gewesen!“
344
Die Stimmen hört er zum ersten Mal an einem Nachmittag in der Tankstelle, er denkt,
jemand hätte das Radio angemacht. Doch zu Hause sprechen sie weiter. Er kennt
diese Stimmen nicht, es sind viele, sie reden wirr und laut. Am nächsten Morgen
räumt er alle Möbel beiseite, doch nirgends findet er einen Lautsprecher. Er geht aus
dem Haus, und sie begleiten ihn überallhin. Meistens versteht er sie nicht.
Doch manchmal hört er sie ganz deutlich sagen: Niemand hilft dir, also hol dir endlich
selbst, was dir zusteht.
Im Wahn trifft er die Entscheidung, das Förderungsprogramm zu beenden. Er ruft
seine Kontaktperson an, sagt ihm, er will das nicht mehr, er will raus. Der Beamte
versucht ihn am Telefon zu überzeugen. Sie befinden sich immer noch in Gefahr, sagt
er. Bane l egt auf. Die Beamten bitten ihn noch einmal für ein Gespräch zu sich ins
Büro, sie wollen sichergehen, dass er nicht nur so handelt, weil ihn jemand bedroht.
Bane lässt sich nicht beirren. Von nun an lebt er weiter unter falschem Namen, Schutz
bekommt er aber nicht mehr.
Wann er zum ersten Mal ein Geschäft betritt und sich nimmt, was er meint, verdient
zu haben, lässt sich nicht rekonstruieren.
Bane schweigt über seine Diebstähle. Man kann diejenigen in seiner Akte nachlesen,
bei denen er erwischt wurde. Ein Männergürtel für 45 DM, Herrenschuhe für 230 DM,
ein Sakko, 329 DM, eine Stereoanlage für 4012 DM.
Es sind niemals Dinge, die er dringend bräuchte, sondern Statussymbole, die er sich
früher leisten konnte. Manchmal wird er zweimal an einem Tag erwischt und klaut
trotzdem wenige Tage später wieder.
Er sucht auch wieder den Kontakt zu Menschen in seinem Alter. Durch seine
charismatische Art ist das auch gar kein Problem für ihn. Er findet sehr schnell
Anschluss innerhalb der Schwetzinger Szene und wird auch sehr schnell anerkannt
innerhalb eines bestimmten Kreises…
Jene E-Mail vom 25. Juli 2014 nennt er eine Verzweiflungstat. „Es war mein letzter
Versuch, ein bisschen Gerechtigkeit zu erhalten“, sagt Bane.
An einem der vielen Rechner eines Internetcafés schreibt er an die
Staatsanwaltschaft: „Ich werde ich einen Amoklauf begehen und den Präsidenten des
Oberlandesgerichts als Geisel nehmen und anschließend erschießen.“
Unterschrieben „mit freundlichen Grüßen, Max Bane“.
Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf dokumentiert den Eingang der Mail drei Tage
später, am 28. Juli 2014. Sie verstärkt die Sicherheitsmaßnahmen vor den Gerichten
und lässt Bane observieren. Am 30. Juli wird er festgenommen.
345
Die Polizisten bringen ihn in eine nahegelegene psychiatrische Klinik. Gurte an
Händen, Fußgelenken und Bauch schnüren Bane ins Fleisch. Einmal lösen die Pfleger
ihn aus der Fixierung, damit er eine Zigarette rauchen kann, da schlägt er einer
Krankenschwester ins Gesicht. Zwei Wochen bleibt er stark sediert angebunden, die
Ärzte diagnostizieren eine paranoid-halluzinatorische Psychose.
Die örtliche Staatsanwaltschaft fordert nun eine Unterbringung nach Paragraf 63,
eine Art Haft für schuldunfähige Personen, die als gefährlich für die Allgemeinheit
eingestuft werden. Bane wird ins Institut für forensische Psychiatrie des
Landschaftsverbandes Rheinland in Essen verlegt, ein ärztliches Gutachten wird in
Auftrag gegeben. Bane wird nun nicht mehr festgebunden, er ist ruhiger. Der
Gutachter Torsten Grüttert, leitender Oberarzt des Alexianer Krankenhauses in
Krefeld, besucht ihn nach der Verlegung. Nach anderthalb Stunden Gespräch ist Bane
zuversichtlich, dass Grüttert ihn nicht für gefährlich hält. Er habe sich charmant und
zurückhaltend gegeben, sagt er heute. Bald, denkt er, bin ich wieder frei.
Zwei Monate später ist immer noch kein Gutachten da. Banes Verteidiger Malte Pohl,
ein energischer junger Anwalt, beantragt Haftprüfung. „Ein paar Wochen wären bei
einer solchen Drohung noch irgendwie nachvollziehbar. Aber das?“ Der Richter gibt
dem Gutachter noch zwei Wochen, bevor er Bane freilassen will. Am 25 . September
kommt endlich ein Kurzgutachten. Doch nachdem Pohl es gelesen hat, ruft er Bane
an: „Es sieht schlecht aus.“
Grüttert schreibt, Bane verkenne die Realität: „Herr B. ist weiterhin davon überzeugt,
in einem Zeugenschutzprogramm gewesen zu sein, er ist weiterhin davon überzeugt,
dass die Polizei ihm zugesagt hätte, dass ihm Versprechungen gemacht wurden, die
dann von den Behörden nicht eingehalten wurden.“ Das seien Wahnvorstellungen.
Bane bleibt in der Forensik. Bis zum Beginn des Prozesses am Landgericht Düsseldorf
vergehen weitere vier Monate.
Wie kann es passieren, dass der Gutachter nicht nachforscht, ob Max Bane tatsächlich
im Zeugenschutzprogramm war? Torsten Grüttert will sich auf meine Nachfrage nicht
dazu äußern. Und die Staatsanwaltschaft Mannheim? Müsste sie nicht stutzig
werden, wenn e in Angeklagter gegenüber einem Gutachter angibt, er sei im
Zeugenschutzprogramm? Hätte das nicht einer der Staatsanwälte prüfen müssen?
Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Mannheim nennt diesen Fall ein
„Säumnis“.
Er sagt: „In unserem Haus hat jeder gewusst, dass Bane im Zeugenschutzprogramm
war. Bei der Masse an Fällen fehlt manchmal die Zeit, das ganze Gutachten zu lesen.“
Grütterts Kurzgutachten ist keine drei Seiten lang.
346
Banes Anwalt Pohl entscheidet, den Chefarzt der Forensik in Wiesloch als
Sachverständigen zu beantragen. Auch er schreibt nun ein Gutachten.
Bane erkennt sich zu diesem Zeitpunkt kaum noch wieder. Jeden Morgen, wenn er
aufwacht und das fremde Zimmer sieht, überrollt ihn die Angst. Auf den Gängen hat
er aufgeschnappt, dass Personen, die nach Paragraf 63 untergebracht werden,
durchschnittlich sie ben Jahre in der Forensik bleiben. Nachmittags, wenn das
Sonnenlicht in den Raum fällt, setzt er sich ans Fenster. Durch die Gitter schaut er auf
einen Friedhof und beobachtet die traurigen Menschen vor den Grabsteinen. Er sieht
sie verwelkte Blumen austauschen und denkt, das Leben ist zu kurz, um sieben Jahre
gefangen zu bleiben.
Zunehmend zweifelt er an seinem eigenen Urteilsvermögen, weiß selbst nicht mehr,
was richtig und was falsch ist. Irgendwann trifft er die Entscheidung, nur mehr seinem
Anwalt zu trauen: Er sieht den jungen Strafverteidiger Malte Pohl als seinen letzten
Verbündeten. Wer die beiden zusammen erlebt, hört Dialoge wie diese:
„Ob es wohl gut wäre, nach Ende des Nötigungs -Prozesses wieder ins Ausland zu
gehen?“ fragt da Max.
„Nein“, sagt der Anwalt.
„Ob er es riskieren könne, für einen Ausflug in seine alte Stadt zu fahren?“
„Nein!“
„Ob es eine gute Idee wäre, einen Kiosk zu eröffnen?“
„Ja.“
„Ja? Na gut. Dann mach ich das.“
Als man beim Zeugenschutz mitbekommt, dass ich für dieses Buch recherchiere,
besuchen die Beamten Bane in der Klinik, danach möchte er nicht mehr mit
Journalisten reden. Über den Inhalt des Gesprächs schweigt er. Wieder ist es Pohl,
der ihm sagt, dass das schon in Ordnung sei, und Bane spricht wieder mit mir. Sein
Vertrauen zu seinem Anwalt ist größer als seine Angst vor den Beamten.
23. Januar 2015. Landgericht Mannheim, ein fast leerer Gerichtssaal, zwei Zuschauer,
Schlussplädoyers. Max Bane, nach vorne gebeugt, die Hände auf dem Tisch gefaltet,
schließt die Augen, während Malte Pohl spricht: „Das hätte hier auch anders
ausgehen können.“ Der Staatsanwalt, in sich zusammengesunken, fasst sich mit der
Hand an die Stirn. Seine Behörde sieht schlecht aus in diesem Prozess. Als Pohl am
ersten Verhandlungstag die Bombe platzen ließ, wandte sich die Richterin an den
Staatsanwalt: Warum, fragte sie, ist nirgendwo in den Akten vom Zeugenschutz die
Rede?
347
Der Chefarzt der Wieslocher Forensik sprach sich für Banes Zurechnungsfähigkeit aus,
der Prozess wurde von einem Sicherungs- in ein Strafverfahren umgewandelt.
Als Bane eine Stunde später den Gerichtssaal verlässt, ist er wegen Nötigung zu einem
Jahr auf Bewährung verurteilt worden – und wieder ein freier Mann.
Pohl klopft ihm auf die Schulter, er ist zufrieden. Banes Miene bleibt versteinert. Er
wollte eigentlich etwas Anderes. In dem Moment, als im Prozess klar wurde, dass
Bane nicht in die Psychiatrie zurückkehren muss, stand er auf und fragte die Richterin:
„Klappt das jetzt? Wird mich meine Frau wiederlieben und ich kann wieder mit meiner
Familie zusammenleben?“
„Ich werde Euch allen zeigen, was Sache ist, ihr verwichsten Bastardnficker, Ihr
dreckigen!“
348
Blind Rage
„Als Amok (von malaiisch amuk „wütend“, „rasend“)[1] werden tateinheitliche und scheinbar
wahllose Angriffe auf mehrere Menschen in Tötungsabsicht bezeichnet, bei denen die Gefahr,
selbst getötet zu werden, zumindest in Kauf genommen wird.
Der entsprechende Vorgang wird als Amoklauf, der Täter als Amokläufer bezeichnet – oder auch
als Amokschütze, wenn er eine Schusswaffe verwendet. Falls der Täter ein Fahrzeug einsetzt,
spricht man von einem Amokfahrer. In Anlehnung daran verwenden die Medien auch den
Begriff Amokflug mit diffuser Bedeutung.“
Definition von Amok
„Wissen Sie, was Amok ist?“
„Amok? eine Art Trunkenheit bei den Malaien...“
„Es ist mehr als Trunkenheit...es ist Tollheit, eine Art menschlicher Hundswut...ein
Anfall mörderischer, sinnloser Monomanie“
„Amok, das ist so: Ein Malaie trinkt sein Gebräu in sich hinein... und plötzlich springt
er auf, fasst den Dolch und rennt auf die Straße, rennt geradeaus, ohne zu wissen
wohin!
Was ihm in den Weg tritt, Mensch oder Tier, das stößt er nieder, und der Blutrausch
macht ihn nur noch hitziger!
Schaum tritt dem Laufenden vor die Lippen, er heult wie ein Rasender, aber er rennt,
rennt, rennt, sieht nicht mehr nach rechts, sieht nicht nach links, rennt nur mit seinem
gellen Schrei Die Leute in den Dörfern wissen, dass keine Macht einen Amokläufer
aufhalten kann!
So brüllen sie warnend voraus, wenn er kommt: „Amok! Amok!“, und alles flüchtet...
Er aber rennt, ohne zu hören, rennt, ohne zu sehen, stößt nieder, was ihm begegnet,
bis man ihn totschießt wie einen tollen Hund oder er selbst schäumend
zusammenbricht“
Das unerklärliche Element des Blindwütigen beim Amoklauf; der Begriff „Amok“
entstammt dem malaiischen „meng -amok“ und meint, dass ein Mann in rasender
Enthemmung, gleichsam in blinder Wut, alle, auf die er zufällig trifft, ohne dass sie
sich ihm sichtbar entgegenstellen, wie im Rausch angreift oder/und tötet, solange, bis
der Täter selbst aufgibt, zusammenbricht, sich selbst tötet oder von anderen getötet
wird. Soweit, weitgehend übereinstimmend - allgemeine Lexika und etymologische
Wörterbücher.
349
Ich schlage die Augen auf. Alles ist dunkel. Die schweren Vorhänge sind noch
zugezogen. Sonst stehe ich ungerne auf. Heute nicht. Es ist mein großer Tag!
Trotzdem möchte ich vorher noch eine Kippe rauchen. Wo habe ich sie gestern Abend
nur hingelegt? Ah, sie liegen immer noch auf dem Schreibtisch. Bis in die späte Nacht
habe ich dort gesessen.
Das harte Paket fühlt sich kalt an meinen nackten Füßen an. Egal, es ist nur ein kurzer
Weg. Wo ich eh schon aufgestanden bin, kann ich mich genauso gut vor den PC
setzten. Ein kurzer Handgriff, dann fährt er auch schon hoch.
Es ist hier viel zu still. Ich will nicht mit all meinen Gedanken hier in der Ruhe
verweilen. Umgehend korrigiere ich es. Die Böhsen Onkelz sind jetzt genau das
Richtig. Die Musik ist so voller Kraft. Ich erlaube ihrer Aggressivität mich zu
durchströmen. Es fühlt sich gut an!
Viel zu schnell vergeht die Zeit. Die erste Zigarette ist bereits einer Zweiten gewichen.
Nun muss ich mich endgültig aufraffen. Gerade heute will ich nicht zu spät kommen.
Ich gehe durch die kleine Bude zur Dusche. Noch ist niemand außer mir im Mietshaus
wach. Selbst wenn, wäre es nebensächlich.
Wie sehr ich mich schon jetzt darauf freue dieses Haus für immer zu verlassen.
Vielleicht kann ich den ganzen beschissenen Bastardndumme Kuhn irgendwann sogar
beim vor sich hin vegetieren im Heim zusehen. Wer weiß.
Im Bad bin ich schnell fertig. Jede Bewegung läuft automatisch ab. Ich rasiere mir
nochmal schön die Glatze mit dem Nassrasierer. Jetzt nur noch die passenden
Klamotten auswählen.
Nach kurzem Überlegen entscheide ich mich für die Armeehosen von Thor Steinar
und einen enganliegenden schwarzen Hoodie. An die Füße kommen meine schwarzen
Stiefel.
Ich will doch gut aussehen. Schließlich werden sie mich heute alle bewundern!
Nochmals drehe ich die Musik auf volle Lautstärke. Sofort reagiert einer meiner
Nachbarn und hämmert gegen die Wand, der Wichser. Soll er doch. Wen interessiert
schon seine Meinung. Dann ziehe ich noch meine Windjacke an und verlasse die
Wohnung mit meinem Gepäck! Es fühlt sich so gut an. Jetzt kann ich endlich das Haus
verlassen.
Meine eigentliche Ausrüstung für Nachher habe ich im Rucksack. Irgendwie ist es eine
Erleichterung.
350
Mein schöner Tag beginnt gleich und ich werde in diesen Betreib danach nie mehr
wieder gehen oder arbeiten. Eigentlich wird für diesen Betreib gar keiner mehr
arbeiten nach dem heutigen Tag, das ist auch mal klar!
All die Jahre haben endlich ein Ende. Es soll Kollegen geben, die gerne hingehen. Ich
nicht. Ich hasse alle diesen kranken Wichser da. Sollen sie doch zur Hölle fahren,
Kollegen wie Vorgesetzte. Haben sie je was für mich getan? Nein! Seit ich mich an die
Firma erinnern kann, war ich immer der Sonderling irgendwie. Die ganzen Kollegen
sind alles Wichser. Die Idioten finden es doch geil, wenn da einer ist, über den sie
hinter seinen Rücken lästern können. Ich bin dieser jemand, zumindest denke ich das!
Was kann ich denn dafür, wenn meine Alten mir keinen IQ von 150 vererbt haben?
Aber nein, das interessiert nicht! Sobald ich mal etwas nicht weiß, kommen sie alle
gleich mit lauter verschissenen dummen Ratschlägen, die keiner braucht. Zumindest
nicht ich!
In ihren Augen bin ich doch nur ein dummer, fauler Sack. Scheiß Malerwichser!
Die werden noch staunen. Aber warum sich noch quälen? Nur noch heute. Es wird für
sie alle ein kurzer Tag werden!
Ich erreiche die Firma. Von außen sieht sie so friedlich aus. Es ist nur die Wirkung. Ich
kenne die Brutalität im Inneren. Jeder gegen jeden, alle gegen einen. ES geht immer
nur um Kohle. Um Gewinnmaximierung! Es geht nur um Prozente und um zufriedene
Scheiß Kunden. Wäre der Name der Firma das Kapitalistenzentrum der
DrecksFaschisten, wäre es ehrlicher.
351
Ich trete ein. Die ersten Leute sind schon da und haben schon angefangen. Mich
interessiert das nicht. Ich bin pünktlich. Mit schnellen Schritten eile ich meinem
Schicksal entgegen.
Lange habe ich nachgedacht. Diese Kraft die mich jetzt leitet ist schon lange in mir.
Alles verdrängen hatte nicht geholfen. Wie kann man auch seine Bestimmung
verdrängen? Ich denke nicht weiter darüber nach. Beim Verlassen meiner Wohnung
habe ich alles hinter mir zurückgelassen. Von jetzt an zählt nur noch der Moment.
Die Tür zum Büro reiße ich auf. Wie lange habe ich mich hierauf vorbereitet? Seit
Jahren lebte ich für diesen Augenblick. Sie schauen mich alle aus ihren Leeren Augen
an, unfähig zu begreifen. Blutige Ernte will ich unter ihnen halten. Die Mittel zur
Vergeltung halte ich in meinen Händen, da ich sie bereits aus meinem Rucksack
rausgeholt hatte.
Die Beschaffung war nicht leicht. Ich habe es dennoch geschafft. Zwei Barettas, jede
Menge Munition.
Die ersten Schreie ertönen bei meinem Anblick. Das tut gut!
„Fürchtet euch, so wie man sich an seinem jüngsten Tag fürchten sollte. Für eine
Beichte ist es jetzt sowieso zu spät, ihr Dumme Kuhn!“
Brülle ich jetzt außer mir vor Hass in die staunenden Gesichter meiner baldigen Ex -
Kollegen und Kolleginnen.
Ein roter Nebel umgibt mich. Es ist das Adrenalin. Gerne begebe ich mich in seine
Klauen. Von jetzt an denke ich nicht mehr. Ich handle! Ich führe aus!
Ich töte sie alle!
Ein, zwei, drei fallen! Meine Gaben metzeln sie nieder. Ich will mehr. Immer mehr
töten!
Fünf Personen im Raum - 10 Kugeln verbraucht. Ein gutes Verhältnis!
Mir reicht es. Nur einmal schieß ich daneben. Sofort behebe ich diesen Fehler!
Erst als sich nichts mehr regt höre ich auf. Ein wunderbares Bild zeichnet sich vor mir
ab. Da liegen sie alle vor mir blutbesudelt in ihren Blutpfützen!
Im restlichen Gebäude ist mein Tun nicht geheim geblieben. Bereits jetzt kann ich
Sirenen hören. Bald sind sie hier! Die Anderen kommen schon!
Ich wusste die ganze Zeit über, es würde so kommen. Auch darauf bin ich vorbereitet!
Niemals war ich davon ausgegangen das Gebäude zu verlassen. Wäre ich feige würde
ich mich selber richten. Daran habe ich aber kein Interesse. Ich will mich Ihnen zeigen.
352
Sie sollen mich ein letztes Mal sehen und spüren! Ich, der Gott der Vergeltung komme
über sie alle!
Mit diesem Gedanken gehe ich zum Haupteingang. Keine Seele begegnet mir auf
meinem Weg. Jetzt wissen sie endlich, sie sollen sich nicht mit mir anlegen!
Es hat lange gedauert, aber nun haben sie Respekt vor mir! Diese kleinen
erbärmlichen feigen Wichsdumme Kuhn! Widerliche Brut!
Ein Blick zeigt mir, die Bullen sind nun auch hier. Sie schreien mich an. Ich soll mich
ergeben. Ich schreie ihnen dagegen und teile ihnen mit, sie sollen zur Hölle fahren.
Unbeeindruckt trete ich vor und lege auf sie an. Es ist eine Einladung! Ich ziehe d en
Bolzen aus einer meiner Splittergranaten und werfe sie den Bullen direkt vor ihre
Füße. Die schauen ganz verwundert, weil sie damit bestimmt nicht gerechnet hatten,
aber das war es dann auch schon.
Mit einem extrem lauten Knall explodiert das Ding!
Oh und wie es explodiert. Richtig mächtig. Und vor allem die Metallsplitter zerfetzen
die ganzen Bullen im Umkreis, die nicht eh schon von der Explosion zerstückelt
wurden!
Dann feuere ich meine beiden Magazine leer und verzieh mich zurück ins Haus.
Sie nehmen den Kampf an. Die erste Kugel erwischt mich. Jäher Schmerz durchflutet
meinen Verstand. Es reicht noch nicht. Ich taumle, falle aber nicht. Weitere Schüsse!
Was für dumme Schweine! Endlich gehe ich zu Boden.
Plumpe Gesichter erscheinen über mir. Ein Notarzt beugt sich über mich. Was will
dieser Penner von mir?
Ich grinse ihn an. Es ist das erste Mal, dass ich in der Firma lächle. Er ist zu spät. Schon
jetzt kann ich fühlen, wie das Leben mich verlässt. So wollte ich es. Das war von
Anfang an mein Plan gewesen. Ich hatte meine Rache. Nun bin ich endlich frei,
zumindest hatte ich das gedacht.
Meine letzten Gedanken, bevor ich im Nebel eintauche, ist das ich gut war, ich kann
mit mir zufrieden sein. Es ging schnell und kompromisslos, fast wie früher…
24 Tote – Mann gibt nach Amoklauf verstörendes Interview.
Nach einem Streit mit seinem Chef ein Mann in Deutschland laut Behördenangaben
vierundzwanzig Menschen erschossen. Unter den Opfern des Amoklaufs im
Bundesland Baden-Württemberg sollen sich unter anderem 6 Polizisten, die halbe
Belegschaft der Firma, in der der Amokläufer arbeitete und zwei unschuldige
353
Passanten, die zufällig in der Nähe waren befinden. Der mutmaßliche Täter wurde
festgenommen und gab im Anschluss einer Zeitung ein Interview, in dem er erklärte,
er habe gewollt, dass er nach seiner Tat von Polizeibeamten getötet werde! Leider
hätten die Anderen jedoch versagt.
Zu den tödlichen Schüssen kam es nach Angaben der Sicherheitsbehörden von
Mannheim am Montagmorgen in dem Bürogebäude des Ausbaubetriebes
Farbenreich GmbH in der Industriestraße in Mannheim.
Auslöser der Tat sei eine Abmahnung des Betriebes aufgrund eines Fehlverhaltens
vom Amokläufer Max B. gegenüber Kunden, die er an der Arbeitsstelle als
Faschistenschweine, die ausgerottet gehörten, wüst beschimpfte, nachdem diese sich
über seiner mangelhaften Ausführung von Malerarbeiten beschwert hatten,
gewesen.
„Meine Absicht war, mich töten zu lassen, aber dies blöden Bullenschweine habe ja
jämmerlich versagt!“
„Jemand rief die Polizisten, Menschen, die nicht in dem Haus arbeiteten. Das ist, was
sie tun – sie greifen ein.“
Dies hätte den Polizisten das Leben gekostet, sie seien selbst schuld, sagte er.
Quelle: dpa/AP
Der Tatverdächtige sagte unterdessen, er habe nicht vorgehabt, sich lebend von der
Polizei festnehmen zu lassen. Diese hätten ihn erschießen sollen. „Meine Absicht war,
mich zum Schluss töten zu lassen. Ich hatte leider keine Kugeln mehr.“
Max B. wurde in den Hochsicherheitstrakt der geschlossenen Psychiatrie
eingewiesen, wo er medizinisch versorgt werden würde und in der er nun auf seinen
Prozess wartet. Sicher sei, dass er durch die Schussverletzungen nicht mehr in
Lebensgefahr schwebt.
In einer Anhörung durch Gutachter muss nun überprüft werden, ob Max B. zum
Zeitpunkt seines Amoklaufes zurechnungsfähig war. Bei einer Verurteilung droht ihm
eine lebenslange Haftstrafe.
Laut den Ausführungen seines Anwaltes Dr. Jur. Heinrich Oberwälder gegenüber
unserer Zeitung hätte Max Bane "keine Erinnerung" mehr. Sein Mandant könne sich
erst an Ereignisse, die nach dem Amoklauf sind, erinnern, nicht aber an das, was davor
und dazwischen passierte.
354
Dadurch könne seine Schuldfähigkeit gemindert sein.
Bei einem früheren Klinikaufenthalt soll Herrn Bane angeblich bereits
Zurechnungsunfähigkeit gutachterlich bescheinigt worden sein. Auch wurde jetzt
bekannt, dass Max B. bereits im Alter von 18 Jahren 2 Menschen in Notwehr getötet
haben soll. Wir recherchieren hier natürlich weiter und halten Sie auf dem Laufenden.
Psychopathischer Mörder über sich:
Ich kann mich nicht den Tatsachen stellen!
Ich bin angespannt und nervös und ich kann mich nicht entspannen!
Ich kann nicht schlafen, weil mein Bett brennt!
Berühre mich nicht, ich bin ein echter brennender Live-Draht!
Was es nicht viel besser macht!
Lauf weit weg, lauf ganz weit weg!
Weglaufen ist viel besser für Dich als in meiner Nähe zu bleiben!
Ich beginne eine Konversation, die ich nicht einmal beenden kann!
Du redest viel, aber Du sagst aber nichts!
Alles nur leere Phrasen, die da aus Deinem Mund kommen!
Wenn ich nichts zu sagen habe, sind meine Lippen versiegelt!
Sagen Sie einmal etwas, dann reicht das doch!
Warum sagen Sie es noch einmal?
Denken Sie, dass ich Sie nicht verstanden habe?
Oder haben Sie sich selbst nicht verstanden, weil Sie ja auch nichts gesagt haben?
Wir sind eitel und wir sind blind!
Die Eitlen, die Blinden und die Frechen!
Ich hasse Menschen, wenn sie nicht höflich sind!
Ich hasse sie und möchte sie dann auch töten!
Das ist schlicht die Wahrheit!
Genau so und nicht anders!
Punkt!
355
Ich sehe Euch alle!
Hey, Ihr da draußen! Hört mir bitte mal kurz zu, ja?!
Ich sehe Euch alle, auch wenn Ihr mich nicht sehen, sondern nur hören könnt!
Es ist wichtig, das könnt Ihr mir glauben!
Manchmal denk' ich, ich tick' nicht richtig und alle anderen gehen andere Wege als
ich.
Ich steh' in einer Menge Menschen und bin doch allein!
Ich fühl' mich frei und kann doch nicht frei sein, denn die Fesseln der Gesellschaft
halten mich in Zaun. Oder auch hinter diesen verschlossenen Türen, so wie jetzt im
Moment!
Dann seh' ich mir die anderen an und denk' wo wollen die denn hin?
Was ist der Sinn von dem Ganzen und was kommt dann und warum bin ich auch noch
mittendrin?
Ich bin umgeben von Menschen mit geschminkten Masken, hinter denen sie sich
verstecken, damit sie niemand sehen kann!
Die haben sich schon verloren und kommen nicht mehr an sich selbst ran!
Die warten auf Veränderungen und wären schon lange dran, doch vor lauter Warten
tun sie es nicht!
Die haben alle bereits aufgegeben zu leben, weil es sie bedrückt und das scheint für
die auch noch ganz normal zu sein und genau das macht mich verrückt!
Hier läuft doch etwas komplett falsch, aber sicher nicht in mir!
Nein, ich bin nicht verrückt, ich sicherlich nicht!
Doch durch die in aller Köpfe eingepflanzte Meinung der Anderen, denken trotzdem
alle, dass ich der Verrückte hier bin!
Und dabei möcht' ich doch nur ich selbst sein und ich weiß, ich steh' mit diesem
Wunsch auch wirklich nicht allein da.
Doch viel zu viele bleiben auf der Strecke und lassen sich hängen, die geben auf und
lassen sich in eine Ecke drängen, aus der sie vor lauter Blindheit nicht mehr selbst
herauskommen!
Wir retten die Welt, sag ich und werde ausgelacht, doch, wenn das alle denken
würden, hätten wir's schon längst gemacht!
356
Wir haben das Leben, genau ich meine unser Leben, selbst in der Hand!
Und ich für meinen Teil find's ziemlich geil, doch werde ich für verrückt gehalten!
Und dadurch wird mir dann plötzlich klar, was ich bisher noch so verschwommen sah
und nicht wirklich erkannte!
Und von diesem Trip möcht' ich nicht mehr runterkommen!
Und ich rate euch, macht doch mit, denn ihr habt immer die Wahl!
Geht her und nennt mich verrückt und sagt mir, ihr wärt normal!
Doch wer ist hier normal und wer ist hier verrückt?
Denkt ihr, es ist normal, nur, weil es alle tun?
Okay dann lass mich derjenige sein, der Euch Licht in Euer Leben bringt!
Dafür müsst ihr aber alle Vorurteile mir gegenüber wegwerfen, denn nur so ist es
sicher, dass es mir gelingt!
Ich bin der, der nichts Böses im Sinn hat, sehen wir es mal abstrakt!
Sagen wir mal, ich steh' in der Ecke auf 'ner Kiste und bin praktisch nackt.
Ich bring Veränderungen und die verändern mich selbst aber noch mehr als Euch!
Und damit ist das dann vielleicht noch weiter weg von Euch!
Aber wenn ihr auf mich eingeht und meinen Worten vertraut, und zwar mehr als
diesen eingepflanzten Gedanken durch die Anderen, dann kann ich Euch versprechen,
dass wir es zusammen schaffen!
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach, es bringt Euch jede Menge Vorteile!
Verdammt, Ihr müsstet genauso wie ich es spüren, dass Ihr am Leben seid!
Und das ist für mich Grund genug, jede Menge Gas zu geben, denn was ich Euch geben
möchte ist für uns alle gut!
Was ich da spür', ist das Leben meiner Wahl, selbst wenn Ihr mich für verrückt haltet!
Ich weiß, es hört sich für Euch abgefahren an, doch ist es für mich ganz normal!
Deshalb kann ich Euch auch sehen, im Gegensatz zu Euch!
Das ist mein Aufruf zur Anarchie, hört Ihr?
Hey Du, komm mal her! Komm bitte mal her zu mir und hör mir kurz zu, denn was ich
Dir zu sagen habe, wird Dich bestimmt interessieren, Du miese kleine Dumme Kuh!
357
Ja genau, Du hast eben richtig gehört, ich nannte Dich kleine miese Dumme Kuh. Und
ich nenne dich Bastardnsohn noch ganz anders, ha!
Leck mich, ich bin 'n Arschloch! Leck mich von mir aus am Arsch, Du dumme Sau!
Ja, mach nur die Fresse auf. Egal, was Du sagst, ich hau dir doch Deine Kauleiste ein.
Ich habe diese verschissene Wut in mir! Warum geht's mir so schlecht und warum
geht's Dir so gut?
Ja bin ich denn hier nur von Wichsern umgeben? Echt, das gibt es doch nicht!
Haltet bloß alle Euer dummes Maul hier, Sonst gibt's jetzt Randale und voll eins auf
die Lippe.
Mein Hebel im Gehirn steht bei mir ständig auf der Kippe. Der Schalter ist sozusagen
umgelegt!
Ich bin 'n Arschloch, ja, das ist, was ich bin. Aber das finde ich auch gar nicht schlimm!
Bei mir schaut jeder von Euch Pissern besser zweimal hin.
Denn einmal nicht aufgepasst, hab´ ich dir schon eins verpasst.
Ob du schon gesessen hast? Was ist das denn für eine dämliche Frage! Mir egal, ich
kenn den Knast.
Alkoholika, das sind meine Drogen. Ach, was heißt Drogen? Ist doch eh alles verlogen.
Genau wie diese Drecks-Psychologen mit ihrem Positiv-Gelalle.
Ihr scheiß Dumme Kuhn, ihr kennt mich alle, denkt ihr?
Leck mich, ich bin 'n Arschloch! Ich fick Dich! Ich bin widerlich!
Ich komm' über Dich und ich erniedrige Dich!
Kackst du dich an, mach ich sofort mit. Du bist 'n Arschwichser, du stinkst aus 'm
Schritt.
Ich weiß, wer Du bist! Du weißt, dass ich existier'!
Du hast 'ne Fresse, die man nicht vergisst und ich bin heute hier um dir 'nen Whiskey
einzugießen
und um dir den Abend zu vermiesen. Und mich zu entschließen, das auch noch zu
genießen.
Verpiss Dich, Du Dumme Kuh ! Mach's Dir selbst! Mach Dich we, Du Scheiß
Matschbirne!
358
Du wichst Dir doch noch einen, wenn ich deine Alte leck', oder?
Ich habe meine gern geschlagen, aber das hat sie nicht vertragen.
Jetzt geht's aber erst mal Dir an den Kragen und dann wirst Du versagen.
Ey, das dumme Miststück hat mich verlassen! Ah, das sind doch alles Dumme Kuhn.
Umso mehr krieg ich jetzt Lust, dir jetzt eine rein zu rotzen.
Du hast keine Probleme sagst Du? Na das ist mir doch scheißegal!
Denn deshalb hast Du doch jetzt mich!
Du bist mit Dir zufrieden. Dafür hasse ich Dich, Du Penner!
Ich bin der größte Bastardnsohn auf dem gesamten Planeten und kann nicht länger
so tun als wenn hier alles OK wäre!
Will mein Handeln vertreten doch so wie ich es seh' ist das doch nur ne Ausrede für
den Weg den ich geh!
Ja ich bin gierig und süchtig, nehm' auf niemanden Rücksicht!
Dass ich wirklich verrückt bin, sieht man, wenn man zurück blickt auf meine
Vergangenheit!
Die Geschichte beweist, dass ich durch zahlloses Morden zu einem geisteskranken
Monster geworden bin.
Oder aber schon immer war! Wer weiß das schon so genau!
Aber das ist jetzt auch nicht wirklich so wichtig!
359
Ich bin ein Heuchler, Lügner, Mörder, ja ich bin euer aller Feind!
Ein Betrüger, ein Schwein, ich mach alles für Geld!
Ihr aber habt mich verraten, verkauft, mein Vertrauen missbraucht. Und zwar von
Anbeginn dieser Zeit bis zum Ende der Welt! Eigentlich seit ich mich erinnern kann!
Ich bin der Gier nach Macht im Wahn erlegen, aber ich hatte doch die Macht!
Denn ich regierte mit Gewalt und vernichte mich selbst dadurch.
Denn so wie Oppenheimers Worte gelten:
„Ich bin ich der Tod geworden! Der Zerstörer der Welten!"
So dröhnen in mir seines Kollegen Töne:
„Von nun an sind wir Bastardnsöhne!"
Wir wissen leider beide, Du bist kein bisschen besser als ich, richtig?
Und deine Scheinheiligkeit, nein die verwässert das alles echt nicht!
Und sicher sind's nur Kleinigkeiten, doch es rechnet sich und wenn man
zusammenzählt, dann ist es die Summe Deiner Taten und das Ergebnis zu bestreiten
ist lächerlich. Ja es wäre geradezu jämmerlich!
Du siehst jetzt Dein Ende und änderst nichts, gar nichts! Du bist dir fremd und
erkennst dich nicht. Du verleugnest dich selbst aus Schiß vor dem Tod! Was bist Du
doch für eine lächerliche Gestalt!
Bist wie besessen davon Dein Leben zu retten, oder was?
Hast Du denn vergessen, was Du getan hast? Du dummes, feiges Schwein!
Letztendlich kann dich keiner retten, denn ich bin bereits hier bei Dir!
Denn Du bist ein Heuchler, Lügner, Mörder, mein Feind!
Ein Betrüger, ein Schwein, Du machst alles für Geld, nicht ich!
Hast mich verraten verkauft, mein Vertrauen missbraucht! Und zwar schon immer,
wenn ich recht darüber nachdenke!
Du bist nicht mein Kumpel und auch sicher nicht mehr mein Kollege!
Halte einfach Dein dreckiges, verlogenes Maul, denn bei mir stößt Du sowieso auf
taube Ohren!
Du hast doch jedem Glauben abgeschworen, hast Deinen eigenen Gott verloren.
Deinen Faschistengott!
360
Und der Teufel soll Dich holen, Du verkommener Bastard!
Du bist einer zu viel!
Ja, ich weiß das die Wahrheit weh tut!
Ja, der Wahnsinn wird mehr, denn ganz egal wen ich sehe, alle haben dasselbe
Problem, und das wie immer mit mir!
Und sicher könnte ich gehn, doch ich bin immer noch hier!
Und sag was mir nicht passt und ich pack keinen hier mit Samthandschuhen an, das
ist mal klar!
Und frag was ich noch für ihn tun kann! Nein, das sicher nicht mehr!
Ich gehe euch aufn Sack, ja - darin bin ich gut Mann und das ist auch gut so!
Der Typ hier geht ab, tja das kommt nicht immer gut an, richtig?
Ich will keinem gefallen, da bin ich lieber der Buhmann!
Der größte von allen und das sehr gerne!
Ich bin die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, die keiner mehr aushält von Euch
ganzen Pennern!
Die widerliche Wahrheit, die sich pausenlos aufzwängt, richtig Ihr Penner?
Die wenn man sich taub stellt, sich trotzdem durch Eure Ohren rein in Euer
beschissenes kleines Gehirn reinbohrt!
Und die sich nicht raushält, selbst wenn Ihr Euch die Ohren zuhaltet!
Damit alles raus kommt ist hier mein Aufruf an alle da draußen!
Wir machen nen Aufstand und sorgen für Aufruhr, hört Ihr da draußen?
Hört Ihr? Hey, ich kann Euch alle sehen!
361
Zieht Euch mein Wahlprogramm rein und dankt einfach darüber nach.
Dann werdet Ihr alle erkennen, dass ich so verdammt recht habe! Und zwar mit Allem!
Zeile für Zeile ist jedes einzelne Wort von mir wahr! Ihr müsst es nur lesen. Das ist
nicht so schwer!
Ich habe es extra so geschrieben, dass es selbst der größte Schwachmat lesen und
verstehen kann!
Nix kompliziertes, so wie die ganzen Drecks-Parteien da droben in Berlin.
Die sind sich doch eh alle einig und ficken sich niemals selbst ins Knie.
Die kappen doch niemals ihre viel zu fetten Gehälter, da ficken die doch alle lieber so
kleine Bürger wie uns. Und das dann dafür so richtig.
Ich aber, ich schenke euch die Wahrheit!
Wir müssen nur den verschissenen Staat stürzen! Das ist nicht so schwer!
Bevor dieses Haus brennt, geht Ihr besser raus, nur die können uns nicht aussperren,
wir stehen sozusagen schon im Hausflur!
Wir komm' durch die Haustür wir ham' Euch gewarnt und nun drehen wir Euch den
Hahn zu und danach den Hals um! Doch auch wenn wir auch rot sehn, ist es cool und
real!
Ihr könnt Euch tot doch immer noch ausruhen!
Männer immer, wenn ihr hier rausgeht, egal wie es aussieht, will ich, dass ihr Laut
gebt bevor einer draufgeht, denn wir brauchen nen' Ausweg und wir dürfen nicht
aufgeben!
Wenn keiner sich aufrafft is' klar wie es ausgeht! Die Pause ist aus und vorbei und wir
machen den Anfang!
Wir werden voll Gas geben und machen auf keinen Fall halblang!
Werden uns nicht ausruhen bevor wir es gepackt ham'!
Ich bin knüppelhart und das ist kein Understatement!
Ich bin absolut autark und keiner, der von anderen Geld nimmt!
Sie gehen alle am Stock, wenn wir sie platt machen, mit Euch Jungs, die meiner
Meinung sind!
Wir ham kein Bock auf die ganzen Politiker mehr, weil wir schon Meilen weiter sind!
362
Weiter als all die Penner, die nicht checken, was da geht!
Unser Katechismus hat mehr Tradition als Knigge und Alter, ich bin für das
Allgemeinwohl, die Krankenkasse zahlt der Fiskus!
Außer uns hat keiner einen Plan und nicht den geringsten Blassen, keinen Dunst und
keine Ahnung!
Die bringen nichts nach vorne außer angepasstes Zeug, deswegen kommt zu mir
Leute, denn ich bin einer von euch!
Ich hör alle Politiker reden und jedes Wort tut mir weh, denn deren Leben ist ein
Klischee!
Die wollen was sagen, ich glaube, das war’s dann, denn deren ganzes beschissenes
Leben ist eine einzige Farce!
Leute, kommt und folgt mir! Lasst uns das Land in die Anarchie führen und wieder von
vorne starten. Lest einfach mein Programm, dann werdet Ihr mir glauben und
vertrauen!
Und Scheiß egal eh, das Gesetz bedeutet nix für mich!
Ich gebe schon immer nen Fick drauf was angeblich richtig ist!
Mein Freund, ich bin wie ich bin. Ja Mann, es ist wie's ist!
Genau so und nicht anders! Nur müsst Ihr anfangen mich zu sehen. Hören könnt Ihr
mich doch auch schon!
363
Gegenwart / Wo bin ich? Part 1
Ich bin gerade aufgewacht und weiß derzeit nicht wo ich bin. Der Raum ist so weiß
und steril. Ich bin sicher in einem Krankenhaus, oder vielleicht in einer Irrenanstalt.
Oh was würde ich jetzt dafür geben, wenn ich einem minderwertigen Geschöpf das
sich Mensch nennt sein erbärmliches physisches Dasein nehmen könnte. Was ist jetzt
los? Ein Mann in einem weißen Kittel tritt ein. Das ist sicher ein Psychologe, ein
Gelehrter der Wissenschaft, dieser Mann will sicher in das Innere meines kranken
Kopfes schauen. Das gelingt niemandem, nur ich weiß was darin vorgeht und das wird
auch so bleiben. Zwei gut gebaute, muskulöse Männer treten ebenfalls herein. Sie
fordern mich auf ohne schnelle Bewegungen aufzustehen. Was soll das? Haben sie
etwa Angst vor mir? Ich stehe also auf und mache auch keine schnellen Bewegungen
so wie sie es möchten diese kranken Organe des Staates. Ich muss mich an die Wand
stellen und sie legen mir Hand- und Fußfesseln an, die sie so eng schließen, dass mir
ein Schmerz durch die Beine und die Hände fährt und ich merke wie meine Finger
langsam taub werden.
Doch das finde ich toll, ich werde sogar geil von dem Gefühl der Hilflosigkeit, vom
Gefühl des Schmerzes der meinen Körper durchströmt wie Strom. Sie zerren mich aus
meinem Zimmer oder besser gesagt aus meiner Zelle und ich muss durch einen langen
Korridor gehen. An den Seiten stehen alte, massive Holzbänke die in die Wand
hineingelassen sind. Jetzt kann ich mir auch vorstellen wo ich bin, als ich durch die
Station gehen musste wo die Menschen in komischen, alten Morgenröcken
herumsitzen. Ich sehe in Gesich ter die ausdruckslos sind oder voller Emotionen die
allerdings nicht mehr vom Verstand, sondern nur noch von den Beruhigungsmitteln
kontrolliert werden. Ich weiß jetzt wo ich bin, dies ist eine Anstalt. Eine Anstalt für
Personen wie mich die ihren Trieben freien Lauf ließen. Dies ist das Gebäude das ich
vom Vorübergehen kenne, es ist die staatliche Anstalt für geistig abnorme
Rechtsbrecher in Bayern. Aber warum ich? Ich werde aus meinen Phantasien gerissen
364
als eine Tür vor mir knallt. Ich kann einen Blick in einen Raum erhaschen wo ich jetzt
hineingezogen werde. Es ist ein kalter Raum, wie alle Räume in dieser Anstalt.
Inmitten des Raumes stehen ein Tisch, zwei Stühle und ein Aschenbecher. Ich muss
mich auf einen unbequemen Stuhl aus Metall setzen, der meinen Arsch ganz schön
frieren lässt. Nicht mal die Ketten nehmen sie mir ab. Diese armen Geschöpfe haben
sicher Angst vor mir und das sollten sie auch, denn sie stehen auf meiner Liste ganz
oben, denn sie werden meine Komponenten für mein neues Kunstwerk. Ich male mir
schon aus wie es aussehen könnte. Die Türe knallt wieder und zwei Männer in weißen
Kitteln kommen herein. Einer setzt sich auf den Stuhl und der andere stellt sich dicht
zu mir und flüstert mir ins Ohr, dass ich alles bereuen werde was ich getan habe. Ich
drehe meinen Kopf nur langsam zu ihm um und sehe wie nett seine Nase auf Höhe
meines Mundes ist. Ich kann mich einfach nicht mehr halten und lasse den Trieben
meines tierischen Instinktes freien Lauf. Oh der arme Mann schreit ja, wenn man ihm
in die Nase beißt. Die zwei Männer die mich hereingeführt haben, stürmen sofort
auch mich los und knallen mich mit meinem Kopf auf den Tisch. Ich spüre den Schmerz
der durch meinen Schädel und mein Gehirn ras t und finde ihn sehr schön und
euphorisch. Der arme, verletzte Arzt verlässt wutentbrannt das Zimmer und ich muss
noch laut lachen über seinen Schmerz. Der Zweite der noch im Raum auf seinem Stuhl
verweilt muss wohl den Befehl gegeben haben mich loszulasse n, denn die Männer
lassen von mir ab und stellen sich wieder zur Tür. Ich richte meinen Kopf auf und
schaue ihm tief in die Augen während ich freundlich grüße. Ich würde ihm gerne die
Hand schütteln, doch Ketten die nicht sehr lang sind hindern mich daran. Dann eben
nicht. Der Mann sagt aber nichts dergleichen zu meiner freundlichen Geste, sondern
macht einen Klick auf sein Diktiergerät und fängt an zu fragen. Er stellt so dumme
Fragen über meine Kindheit und mein Erwachsenwerden. Nach ca. zwei Stunden
kommen dann die interessanten Fragen. Auf die Frage ob ich schon einmal
Todesangst verspürte antworte ich mit kalter Miene nein. Ich fragte aber den Arzt ob
er jetzt in diesem Augenblick die Angst des Todes spürt. Er sagt wieder nichts und ich
spreche weiter. Ich erkläre ihm, dass er sicher die Angst spüre, er merkt es nur nicht.
Als nächstes fragt er mich, was ich dabei empfunden habe als ich meinen Erzeuger
tötete. Ich denke es sind zwei oder drei Stunden während des Gespräches vergangen.
Inmitten meiner freudigen Erzählung steht der Arzt auf und macht eine schwungvolle
aber bestimmte Handbewegung in Richtung Tür um den Wachen damit zu sagen sie
sollen mich wieder in meine Zelle bringen. Ich werde also wieder sehr forsch
aufgerissen und in meine Zelle geschlep pt. Natürlich bin ich nicht alleine in meiner
Zelle, sie haben mir, den brutalsten Mörder den sie je gesehen haben, so nennen sie
mich mal einen Zellengenossen gegeben. Mit den Gesprächen die ich führe vergeht
die Zeit relativ schnell und es wird schon Nacht. Ich lege mich in das Bett und versinke
sofort in eine Welt des Traumes, in meine Welt, in diese Welt die sonst niemandem
gehört außer mir.
365
Ich habe sehr schlecht geschlafen in dieser Nacht. Trotzdem schlagen diese Tölpel in
aller Frühe die Türe auf. Stiefel treten ein, das ist deutlich hörbar. Ich stehe also
schnell auf, doch als ich stehe kommt sofort eine Wache und befiehlt mir die Hände
an die Wand zu legen und keine hektischen Bewegungen zu machen. Nun bin ich
wieder alleine, alleine wie ich es immer schon war. Ich hatte nie wirklich richtige
Freunde und bin jetzt mittlerweile 47 ich war immer der Sonderbare oder der Freak.
Was habe ich schon getan? Zwei Stunden bin ich sicher vor mich herstarrend auf dem
Bett gesessen und habe auf die leere, weiße Wand gestarrt die vor mir lag und malte
mir die schönsten Bilder aus, wie wohl mein nächstes Kunstwerk aussehen könnte.
Plötzlich höre ich einen Schlüssel und das knarren eines Schlosses. Eine Klappe wird
geöffnet und ein Tablett mit Essen und einem Brief wird hindurch geschoben. Ich
muss sofort hin mein Essen holen und dann wird die Klappe sofort wieder
verschlossen. Zuerst öffne ich den Brief, w orin geschrieben steht, dass sich einen
Anwalt zugesprochen bekommen habe und übermorgen die erste Besprechung ist.
Ich möchte keinen Anwalt, ich kann selber für mich sprechen. Alle meinen ich bin
verrückt, das sind alles Kunstbanausen sie verstehen meine Genialität nicht, die ich in
meinen Kunstwerken vorzeige. Ich will nicht, dass irgendjemand den ich nicht kenne
meine Gedanken von einem Blatt Papier abliest, der zwar von seiner Wissenschaft
was verstehen mag, doch nicht von meiner Genialität für die Küns te einen
menschlichen Körper noch schöner zu machen wie er im Leben schon ist. Als ich mein
Essen kaum zu mir genommen habe, wird die Türe zu meiner Zelle geöffnet und das
gleiche Szenario wiederholt sich wieder, ich werde wieder aus meiner Zelle geführt
doch dieses Mal komme ich in eine Raum der aussieht wie ein Untersuchungszimmer,
und es stellt sich heraus, dass es auch eines ist. Sie glauben ich weiß nicht wie man
dieses Gerät nennt an das sie mich anschließen doch ich weiß es genau. Sie schließen
mich an ein EEG an, es soll meine Gedankenwellen messen währen sie mir die Bilder
meines Kunstwerkes vorspielen. Ich weiß nicht warum diese minderwertigen,
dummen Geschöpfe versuchen in meine bizarre Gedankenwelt einzudringen und sie
zu verstehen, wenn sie schon zu dumm ihre kleinen Gehirne unter Kontrolle zu halten.
Ich beantworte auch ihre Zwischenfragen, doch an ihren Blicken kann ich erkennen,
dass sie nicht fähig sind, meine Gedankenwelt zu erfassen, diese Würmer. Diese
Prozedur dauert zwei Stunden wie ich an der Uhr ablesen kann, die im Zimmer an der
Wand hängt. Nach dieser Untersuchung wie es diese Geschöpfe nennen, werde ich in
ein anderes Zimmer geführt wo sie mir eine Mappe mit verschiedenen primitiven
Tests vorlegen, die ich in einer nach ihrer Einschätzung Rekordzeit erledigt hatte, doch
diese Ameisen wissen doch nicht einmal die Bedeutung von Zeit richtig zu deuten. Ich
finde diese Gelehrten wie sie sich nennen einfach nur primitiv. Ich werde nach diesen
Tests von den zwei Wachen, die nie von meiner Seite gewichen sind wieder in meine
Zelle zurückgebracht. Als ich in die Zelle eintrete sehe ich sofort das neue Gesicht, das
da in meiner Zelle sitzt. Wieder jemand, den sie wegen eines Mordes, oder Gewalttat
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in geistiger Umnachtung wie sie es sehr gerne bezeichnen in diese Anstalt gebracht
haben. Doch dieses Mal ist es nicht wie bei Jack, ganz im Gegenteil ich sehe vor
meinem Auge schon ein Kunstwerk, das ich mit ihm als Komponente vollbringen will.
Doch nicht diesen Abend, sondern ich warte noch auf den richtigen Tag und den
richtigen Zeitpunkt, denn schließlich soll es ja perfekt werden. Als ich auf die Uhr
schaue, die hinter Stahlgittern versteckt ist sehe ich, dass es bereits 22 Uhr geworden
ist. Ich werde mich also jetzt in das Bett legen, das wie ein Sarg aus Stahlgittern
aussieht und in meine Traumwelt eintauchen, wo ich mir schon ausmalen kann, wie
ich mein Kunstwerk gestalte. Dieses Kunstwerk soll einmalig werden, genauso wie
mein erstes, das ich mit dem Eichhörnchen und den Hunden machte als ich anfing als
Künstler. Ich habe schon die verschiedensten Utensilien gefunden, die ich brauche,
einen Kleiderschrank, einen Stuhl und eine Bettdecke, doch ich werde nicht meine
nehmen, sondern seine, denn das Gefü hl ist belustigender. Während ich diese
Gedanken durch meinen Kopf rasen lasse merke ich wie mich das wohlige Gefühl des
Schlafes einzuhüllen beginnt.
Heute bin ich wieder früh aufgewacht. Ich bin sehr erschöpft, denn ich hatte eine sehr
unruhige Nacht, aber nicht, weil ich schlecht geschlafen habe, sondern weil ich
aufgeregt bin, über den Beginn meines Kunstwerkes. Ich denke heute ist der richtige
Tag und ich warte nur noch auf den richtigen Moment um damit zu beginnen. Zu
Schichtwechsel um dreizehn Uhr sind die Wachen sehr unaufmerksam da sie schne ll
nach Hause möchten und da ist auch mein Kunstwerksgegenstand wieder da von
seinen Untersuchungen. Ich ho ffe er genießt es, denn es werden seine letzten
Untersuchungen sein, die er macht bevor er in mein schönes Kunstwerk eingeht, das
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in meinem Kopf bereits geformt ist. Ich beginne jetzt mal damit langsam das Stuhlbein
zu lösen, das ich für meine ersten Handgriffe benötige. Ich muss das sehr leise und
genau machen, das dauert seine Zeit und hoffe, dass es niemand bemerkt. Ich werde
es so nur so lockern, dass ich es schnell herausziehen kann, denn mein Kunstwerk
wird von Wachen in den Raum begleitet. Am Ton der Uhr bemerke ich wie es zwölf
schlägt, denn genau zu Mittag und zu Mitternacht, macht die große Uhr in der
Eingangshalle einen lau ten Gong, damit jeder versteht, dass es jetzt zwölf ist,
Meistens ist dies auch das Zeichen, dass es bald was zu futtern gibt. Ich habe meine
Vorbereitungen jetzt fertig gestellt an denen ich den ganzen Vormittag saß. Endlich
geht die Tür auf es ist eine V iertelstunde vor dreizehn Uhr. Die Komponente meines
genialen Kunstwerks wird von zwei schwer bewaffneten Wachen hereingebracht. Ist
er etwa durchgedreht, oder hat er einen Pfleger verletzt? Ich wurde auch von diesen
schwer bewaffneten Organen der Justiz i n meine Zelle geführt als ich dem
Psychologen in die Nase biss. Er setzt sich auf sein Bett und meint jetzt seine Ruhe zu
haben doch es ist in fünf Minuten dreizehn Uhr. Meine Hände beginnen zu zittern,
und mein Puls rast ins Unermessliche. Ich merke wie i ch schon wieder geil werde,
genau wie in dieser Nacht, als ich meine Familie in ein Kunstwerk des Grauens
verwandelt hatte. Es ist jetzt zwei Minuten vor Dreizehn Uhr ich stehe langsam auf
und schaue noch einmal tief in seine von den Beruhigungsmitteln und Tritten rot
unterlaufenen Augen. Wenn ich darin hineinschaue spiegelt sich ein wundervolles
Bild wider. Ich schaue auf die Uhr es ist eine Minute vor Dreizehn Uhr. Meine Hände
beginnen immer mehr zu schwitzen und ich nehme jetzt langsam die Bettdecke.
Dreizehn Uhr. Er versucht sich zwar zu wehren, doch es gelingt ihm nicht. Zu schnell
habe ich die Bettdecke um seinen Kopf gewickelt, dass seine Schreie ersticken wie
Schall im Wasser. Ich drücke ihn auf das Bett und schlage ihn zweimal mit dem Kopf
an die Wand. Ich merke wie seine Stärke nachlässt er aber immer noch Kraft genug
hätte sich aus seiner Lage zu befreien. Ich muss jetzt alles schnell machen. Ich nehme
das Stuhlbein und stoße es ihm mit voller Wucht in den Bauch. Nun merke ich wie das
Leben aus ihm weicht, ein Geruch aus Urin und anderen Exkrementen mischt sich in
die Luft des Zimmers. Warme Brühe fließt über meine Hand und ich finde es geil. Ich
bewege einen meiner Finger zu meinem Mund und koste den Saft des Lebens, der
wie ein kleiner Bach meine Hand herunterströmt. Seine Kraft weicht aus den Händen.
Sein Kopf sinkt zurück und er wird immer schwerer und schwerer. Nun schnappe ich
ihn und stelle ihn in den Kleiderschrank, kopfüber und ramme ihm das Stuhlbein
einmal tief in seinen Kopf, damit das Kunstwerk ganz und gar vollendet werden kann.
Plötzlich wird die Türe hinter mir aufgerissen. Es muss wohl jemand was gehört
haben. Ich werde gepackt und mich durchzuckt sofort ein Schock der den ganzen
Körper lähmt. Ich bekomme alles mit doch ich kann keinen Muskel des Körpers mehr
bewegen. Ich höre Stimmen von Ärzten und ca. 8 Paar Stiefel die in das Zimmer
trampeln. Ein Arzt lehnt sich über mich und gibt den Befehl mich festzuhalten, dann
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spüre ich einen kurzen Stich in der Ellenbeuge und Dunkelheit legt sich über meine
Augen.
Als ich aufwache muss ich mich erst einmal orientieren. Ich schaue mich um und sehe
nur noch weiß. Alles fühlt sich so weich an. Als ich aufstehen will, und mich mit den
Händen abstütze merke ich erst, dass ich in einer Zwangsjacke stecke. Diese Bastarde
haben mich in eine gottverdammte Zwangsjacke gesteckt. Sie würdigen mein
Kunstwerk gar nicht. Diese verdammten Schweine. Ich probiere mit aller Kraft
aufzustehen, doch es gelingt mir nicht. In der oberen Ecke bemerke ich die Kamera
die mich nicht aus den Augen lässt. Ein grelles Licht strömt mir in die Augen, dass ich
mich konzentrieren muss überhaupt etwas zu sehen. Ich schreie alle Flüche die ich
kenne, gegen diese Bastarde. Nach einiger Zeit bemerke ich allerdings, dass es alles
sowieso nichts bringt und gebe diesem abscheulichen Ding nach. H and -und
Fußfesseln sind wenigstens erotisch, wenn sich das kalte Eisen in deiner Haut
einnistet. Doch diese Zwangsjacke ist verdammt unbequem. Ich werde mich
beschweren, einen Künstler wie mich darf man nicht so beha ndeln. Ich hasse diese
Jacke. Die unbequemen Riemen die aus einem billigen Plastik bestehen. Wissen diese
Ameisen nicht, dass Metall viel erotischer ist, als dieses abscheuliche Kleidungsstück.
Ich starte wieder einen Versuch, mich zumindest auf die Knie aufzurichten, doc h es
funktioniert nicht. Die Situation ist ausweglos. Ich tauche also in meine Gedankenwelt
ein um mich zu erinnern, an mein Kunstwerk und ich erinnere mich sehr gut, es ist ja
noch nicht lange her. Dieses Gefühl war schön, wie der Saft des Lebens über meine
Hände rann. Mir kommen immer wieder die Gedanken in den Kopf mich selber in ein
Kunstwerk zu verwandeln, ein Kunstwerk das keiner so schnell vergisst. Ich habe die
Bilder klar vor Augen wie es aussehen wird, wenn ich auf den Stuhl gebunden bin und
die Maschine mit der Nadel an meine Armbeuge ansetzt. Wenn ich die Anwesenheit
des Todes riechen kann, die Anwesenheit des Teufels der auf meine verdammte Seele
wartet. Ich werde es genießen, den letzten Gang, das letzte Mahl und vor allem dann
meine Stunde des Todes, die sicher besser ist wie jeder Orgasmus den ich bis jetzt
hatte. Ich kann mich noch gut erinnern an mein erstes Mal mit 17, wie die nette
Nadine mit mir ins Bett ging, doch leider war sie zu fett. Ich habe sie geschlagen und
gekratzt, bis es mir kam. Es war ein schönes Gefühl. Nur diese Beamtenschweine hatte
ich dann wieder hinter mir her. Vor allem dieser Richter, es wäre eine Genugtuung
gewesen, wenn ich ihm seinen Wanzt hätte aufschneiden können. Ich werde wieder
barsch aus meiner Gedankenwelt gerissen, wie es immer ist, doch dieses Mal sind vier
Männer da die mich hochheben. Bin ich etwa zu schwer? Ich werde mit der Jacke aus
dem Raum geführt, wo endlich wieder ein normales Licht herrscht, in einen Raum wo
eine Panzerglasscheibe mich von einem anderen Raum trennt. Auf der anderen Seit
erblicke ich einen Mann mittleren Alters in einem Anzug und einen Berg voller Akten.
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Er hat ein blasses Gesicht als er in meine Augen schaut. Wahrscheinlich ist auch er ein
Kunstbanause. In der Viertelstunde klärt er mich nur auf, dass er nicht viel für mich
machen kann. Er sagt nur, dass ich morgen zur Hauptverhandlung gebracht werde wo
ich mein Urteil höre. Er sagt auch, dass er gehört habe was ich gestern gemacht habe
und sie mir auch dieses als Mord anlasten wollen. Mord? Das ist Kunst, aber was will
man schon mehr erwarten von diesen minderwertigen Geschöpfen, von diesem
Abschaum von Gesellschaft, die sowieso nichts verstehen von dem was ich sage. Er
teilt mir auch mit, dass ich zum Zeitpunkt der Tat als voll zurechnungsfähig eingestuft
worden bin. Ich hätte auch nichts Anderes erwartet. Ich bin ja nicht verrückt, ich bin
ja Künstler. Als mir der Anwalt alles mitgeteilt hat, steht er auf, verabschiedet sich und
verlässt den Raum. Nun werde auch ich wieder in meine weiße Zelle mit dem grellen
Licht gebracht. Nach der Uhr, dessen Anzeige ich kurz erhaschen konnte ist es jetzt 14
Uhr. Jetzt bekomme ich auch mein Essen, sogar das wird mir eingegeben, damit sie
mich nicht aus der Jacke holen müssen. Diese Geschöpfe haben wirklich Angst. Angst
vor was? Vor meinen Kunstwerken oder vor mir? Ich kann es mir nicht erklären, ich
bin doch nur ein Man n, ich müsste in Paris geehrt werden und nicht hier in einer
weißen Gummizelle sitzen. Nach dem füttern, anders kann man es wohl nicht nennen,
werde ich sofort aus der Zelle gebracht, ich muss wieder in ein Untersuchungszimmer,
wo ich auf einen Stuhl geschnallt werde. Dieses Mal werde ich auf meine physischen
Probleme hin untersucht, doch sie können nichts finden. Sie finden genau so wenig
über mich heraus wie bei den geistigen Untersuchungen. Dieser Abschaum von
Mensch, die sich auch noch Gelehrte nennen. Als sie fertig sind, werde ich wieder in
diese Jacke verfrachtet. Ich wehre mich zwar, doch ich zu fünft sind sie dann doch zu
stark. Fünf für einen, wie armselig. Während meiner Gegenmaßnahmen habe ich
wohl einen dieser Kolosse im Gesicht gekratzt, denn i ch habe Blut auf meiner Hand.
Ich werde aus dem Raum geschleppt, doch zu meiner Überraschung nicht in den
grellen Raum, sondern in eine Zelle mit vergitterten Fenstern, doch es ist weder ein
Stuhl noch ein Bett darin vorhanden. Einer der Wärter kommt mit in den Raum, wie
ich sehe der, den ich gekratzt habe. Er verschließt hinter sich die Tür. Ich weiß auch
schon was er macht. Bevor ich nur ein Wort sprechen kann, rast ein Schlagstock auf
mich herab. Ich verspüre einen Schmerz, dieser Schmerz durchfährt mein en ganzen
Brustkorb und es knackt. Eine Rippe muss wohl gebrochen sein. Ein zweites Mal segelt
der schwarze Schlagstock auf mich herab, wieder durchfährt mich ein Schmerz nur
dieses Mal am Kopf. Ich finde es geil, doch ich kann das Gefühl nicht lange genießen,
denn Schwärze legt sich über meine Augen wie ein Schleier über das Haupt einer
trauernden Witwe. Als ich aufwache bin ich auf ein Bett gekettet und über mir
bemerke ich Gemurmel von zwei Männern, die wahrscheinlich Ärzte sind, wie ich an
den weißen Kitteln sehe. Ich bemerke auch, wie meine Brust schmerzt und dass sie in
weißen Bandagen eingewickelt ist, genauso wie mein Kopf. In meiner linken
Armbeuge hängt eine Kanüle, durch die Flüssigkeit rinnt. Es muss wohl ein
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Schmerzmittel sein, doch ich möchte den Schmerz spüren, das Gefühl ist einfach
einzigartig. Ich bemerke wie ich schon wieder müde werde und in den Schlaf falle.
Es ist wahrscheinlich ein neuer Tag, der Tag der Verhandlung, denn ich werde aus dem
Bett gezerrt und in einen gelben Anzug gesteckt. Danach legen sie mir die bequemen
und geilen Fesseln an. Habe ich einen halben Tag und eine ganze Nacht verschlafen?
Ich werde von zwei schwer bewaffneten Beamten aus dem Zimmer geführt, durch
den langen Gang auf einen Ausgang zu, vor dem ein Transporter wartet und vier
weitere Wachen, die auf mich aufpassen. Werde ich beschützt um anderen nichts zu
tun oder aus Hochachtung, dass mir nichts passiert. Das wird es sein, ich fühle mich
wie ein berühmter Mann, ich werde beschützt, dass mir nichts passiert. Ich muss in
den Transporter einsteigen und bemerke wie er sich in Bewegung versetzt. Die
Beamten die mir gegenüber sitzen unte rhalten sich, würdigen mir allerdings keinen
Blick, wahrscheinlich aus Ehrfurcht vor mir und meinem genialen Antlitz. Ich merke
wie der Wagen langsamer wird, doch die Sirene heult immer noch. Vor der Türe des
Wagens kann man Stimmen hören. Sehr viele Stimm en. Ich werde von den zwei
Beamten jetzt von meinem Platz aufgerichtet und gefragt ob ich ein Tuch über meinen
Kopf will oder nicht. Ich habe die Frage für unsinnig verstanden und nein gesagt. Die
Welt soll doch mein Antlitz sehen, das Antlitz eines Künstlers wie mich. Die Wagentüre
öffnet sich und ein Blitzlichtgewitter bricht los. Ich genieße es fotografiert zu werden
von den ganzen Journalisten. Ich würde gerne länger stehen bleiben, doch sie zerren
mich schnell hinter eine Absperrung wo keiner mehr hink ommt. Ich finde das
unverschämt, ein Genie wie mich vor der öffentlichen Welt zu verstecken. Vor der
Welt die mich preist und liebt. Doch jetzt kommt wieder dieses Gefühl des Hasses in
mir auf, das Gefühl des Hasses auf diese gottverdammte Menschheit. Ich werde in
den Gerichtssaal geführt, ich bemerke wie auf einmal die Gesichter der anwesenden
erstarren und mich ehrfürchtig ansehen. Ich genieße dieses Gefühl, wenn andere auf
mich aufblicken. Ich schaue lächelnd durch die Reihen und bemerke auch einen
Nachbarn von mir, ich glaube Martin Schuster heißt er, und seine Frau Else sowie noch
ein paar Bekannte von mir, ich grüße sie höflich mit einem Zuruf doch sie wenden die
Köpfe von mir ab. Sind auch sie Kritiker meiner Kunst. Meine sogenannten
Bekannten? Ich weiß warum ich sie hasse, ich hasse sie alle diese verdammten
Heuchler. Ich werde ganz nach vorne gezerrt und hinter einen Glaskasten gebracht,
wo ein Stuhl, ein Tisch und ein Mikrofon stehen. Ich muss mich niedersetzten und
beide Hände sichtbar auf d en Tisch legen. Außerhalb des Kastens postieren sich die
zwei abscheulichen Wärter, die mich auch den ganzen Transport lang begleitet haben.
Als ich so mit meinem zufriedenen Grinsen durch die Reihen schaue entdecke ich auch
meinen kleinen behinderten Mongo-Bruder den ich erst zum 2. Mal in meinem Leben
überhaupt sehe. Und er sieht genauso aus, wie ich mir das vorgestellt hatte, ein
kleiner dummer Mongo halt. Irgendwie erbärmlich, diese Kreatur, so unschuldig und
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doch wahrscheinlich genauso behämmert wie ich in der Birne! Ach wie gerne hätte
ich ihn auch dabeigehabt, diesen kleinen Bastard, er ist jetzt sechzehn Jahre alt, sieht
hübsch aus und hatte immer Freunde. Er veräppelte mich oft, obwohl er mein kleiner
Bruder war, zumindest haben mir das meine Stimmen so zugeflüstert. Ich mache eine
sehr eindeutige Geste in seine Richtung und er wendet schluchzend den Kopf ab. Ich
hasse ihn. Ganz vorne kann ich auch meinen Anwalt erkennen, der genervt und lustlos
die Akten auf den Tisch wirft. Dieses Arschloch meint wohl intelligenter zu sein als ich,
da hat er sich aber gewaltig getäuscht. Niemand ist intelligenter als ich, denn ich bin
der Künstler. Plötzlich werde steht der ganze Saal auf und ich erblicke die Richterin,
die auf den schweren Lederstuhl zuschreitet der vor mir auf einer Anhöhe steht. Sie
spricht nur ein paar Worte und schon setzten sich wieder alle. Jetzt kommt auch schon
der erste Gutachter mit dem Bericht herein, ich kann auch sehr schnell erkennen wer
das ist, auch wenn er nicht, den weißen Kittel anhat, es ist der Arzt dem ich in die Nase
gebissen habe. Mit zornigen Augen schaut er mich an dieser verweichlichte , kleine
Bastard, er soll froh sein, dass ich in Ketten war, sonst hätte ich ihn mit seinen eigenen
Gedärmen erwürgt. Er liest Sachen vor die gar nicht stimmen, ich bin nicht
schizophren oder habe ein Trauma aus meiner Kindheit. Ich bin ein Schöpfer der
schönen Künste, ich bin ein Geni e. Ich springe auf und schreie ihn an, dass er meine
Künste zu würdigen hat und nicht in diesem Tonfall mit mir sprechen solle, denn so
behandelt man einen berühmten Mann wie mich nicht. Sofort werde ich von Wachen
in den Stuhl gedrückt und die Handschellen an den Händen werden fester gezogen.
Ich spüre schon wieder dieses geile Gefühl, wenn meine Hand taub wird. Als dieser
Gelehrte der Psychologie endlich sein verlogenes Maul hält kommt auch schon der
nächste Lügner. Er stellt sich vor als Kommissar John Simmons, doch weder der Name
und das Gesicht sind mir bekannt. Ich s telle aber sehr schnell fest, dass er einer der
ersten waren die mein Kunstwerk gesehen haben. Es werden sogar Fotos von meinen
Werken präsentiert und natürlich setze ich jetzt mein schönstes Lächeln auf, denn es
ist meine erste Vernissage. Doch es sind le ider nur Amateure der Kunst gekommen,
denn alle bekommen sie bleiche Gesichter und manche würgen sogar. Ich frage den
Kommissar freundlich ob ihm mein Werk gefallen hat, doch er würdigt mir keinen
Blick. Ich werde sogar von der Richterin gerügt still zu se in. Ausgerechnet von einer
Frau. Es kommen wieder die Erinnerungen hoch an meine Mutter und ich muss laut
lachen, als ich mir den abscheulichen, abartigen Körper meiner Mutter in einer
Richterrobe vorstelle. Sofort kommt wieder ein Beamter herein und drückt mich fest
in den Stuhl, dass es schmerzt. Ich sage mit sanfter und geiler Stimme zu ihm er solle
bitte seine SM -Triebe vor Gericht unter Kontrolle halten und eine Stille trat in den
Raum ein, denn es konnte jeder im Gerichtssaal hören. Scheinbar wütend f esselt er
mich jetzt mit den Händen an den Stuhl, dass ich bewegungsunfähig bin und es wieder
eng in meiner Hose wird. Jetzt wird das Bild von meiner Mutter auf der Leinwand
projiziert und ich genieße den Anblick, doch die Geschworenen und einige Menschen
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in der sitzenden Menge müssen würgen. Warum nur? Es ist doch schön geworden,
aber ich kenne den Grund warum sie würgen, sie hören ja nicht die wunderbare
Melodie der Spieluhr, wie ich sie hörte. Ich summe sie leise in das Mikro vor mir, aber
abrupt werde i ch von der Richterin unterbrochen. Schade der Kommissar ist jetzt
schon fertig mit seiner Präsentation meines Kunstwerkes, ich finde den Mann
sympathisch und danke ihm für die schöne Gestaltung meiner Vernissage. Er dreht
sich kurz zu mir um und verlässt d ann wortlos den Gerichtssaal. Als nächster kommt
ein mir bekanntes Gesicht in den Gerichtssaal, es ist unsere Nachbarin Elisabeth,
dieses kleine Miststück, das mich als Kind immer verjagte als ich mit ihrem Hund
spielte. Ich wollte doch nur spielen. Sie war also die Ursache warum mein Kunstwerk
so schnell gefunden wurde. Wenigstens etwas hat sie richtig gemacht die alte Kuh.
Ich stelle ihr die Frage, wie ihr das Gefallen hat, als sie die Schreie meiner Eltern hörte
und sie beginnt zu schluchzen wie eine kleine Göre. Sofort wird sie von der Richterin
aus dem Zeugenstand entlassen, dieses arme Ding. Ach könnte ich ihr doch ein
Messer in ihre verdammte Brust rammen. Nun endlich bin ich dran. Ich werde von
den zwei Wachen sehr barsch aus meiner sitzenden Positio n gehoben und Stille tritt
ein, ich freue mich über die Stille, denn es ist wahrscheinlich jeder an einer
Dankesrede des Künstlers selber interessiert. Ich muss mich auf einen Stuhl direkt vor
die Richterbank setzen. Als erstes danke ich natürlich für die Einladung und die nette
Präsentation. Doch die Richterin will scheinbar keinen Dank hören, sie schreit mich
an, ich solle sofort den Mund halten und ihn nur öffnen, wenn ich gefragt werde. Das
ist ja eine sehr unfreundliche Person. Natürlich bitte ich die Herren auf mich
aufzupassen, dass mir diese Person nichts tut und schon wieder werde ich von ihr
gerügt. Ihre erste Frage an mich ist, was ich dabei gedacht habe meine eigenen Eltern
umzubringen. Ich antworte mit ruhiger aber bestimmter Stimme, dass es ein
wohltuendes Gefühl war, als die Klinge durch die Körper glitt und ihnen den Kuss des
Todes gab. Es war ein schönes Gefühl, als das Blut aus der Halsschlagader meiner
Mutter in das Gesicht spritzte. Ich beschreibe ihr auch wie schön es war, als ich den
Schmerz und die Kälte der weiblichen Teile meiner Mutter spürte als ich sie an meine
Brust klammerte. Ich fragte sie auch ob ihr das Kunstwerk gefalle, was sie vorher auf
der Leinwand sehen durfte. Sie schaut mich angewidert an und stellt mir die nächste
Frage. Ich soll erzählen, ob ich mich vorbereitet habe auf diese Nacht oder nicht. Sie
klärt mich auch auf, dass eine Tat im Affekt mildernd ist, aber wie ich in ihren Augen
erkenne macht sie das nur, weil sie das muss. Ich bejahe die Frage und sie stellt auch
schon die Nächste. Sie fragt mich warum ich meinen Zellengenossen auf so
bestialische Weise umbrachte. Ich antworte nur mit kühler Stimme, weil er eine
schöne Ergänzung für meine Künstlerlaufbahn war. Plötzlich schlägt der Hammer auf
den Tisch der Richter in auf und sie gibt preis, dass sich die Geschworenen jetzt zur
Beratung zurückziehen können. Ich selber werde wieder in den Glaskasten gebracht
und an den Stuhl gehängt. Nach einiger Zeit kommen diese armseligen Geschöpfe
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wieder in den Saal und einer davon gibt der Richterin einen Zettel in die Hand.
Blitzlichter gehen auf als plötzlich alle aufstehen. Sie sagt mit leiser Stimme in das
Mikrofon, dass ich schuldig sei und hiermit nach Lohr verlegt werde, wo ich verwahrt
werden würde. Zwei Tage. Ich mache einen erfreuten Aufschrei als ich das Urteil höre,
denn jetzt dauert es nicht mehr lange und ich kann mich in mein eigenes Kunstwerk
verwandeln. Sofort nach dem Urteil steht sie auf und geht aus dem Saal. Ich werde
von den Be amten die, die ganze Zeit auf mich aufpassten aufgerissen und aus dem
Glaskasten gezerrt. Jetzt komme ich endlich wieder in das Blitzlichtgewitter, das vor
der Türe auf dem Weg zum Transporter auf mich wartet. Ich rufe ihnen auf dem Weg
dorthin meinen Lieb lingsspruch zu den ich auch bei Beendigung meines letzten
Kunstwerkes rufen werde. Schau zu mir herunter, du wirst einen Idioten sehen. Schau
zu mir hoch, du wirst deinen Gebieter sehen. Schau mich direkt an, du wirst dich selbst
sehen. Diesen Spruch sagte auch schon Charles Manson und ich werde seine Künste
weiterführen. Schnell werde ich in den Transporter gezerrt und die Türe wird hinter
mir geschlossen. Ich höre die Beamten sagen, dass ein Arzt geholt werden soll, der
mich schlafen legt, denn die Fahrt dauert drei Stunden. Ich schnappe auch das Wort
Sicherheitsrisiko auf und ich verstehe sofort, sie wollen mich beschützen, mich das
Genie, den besten Künstler den es je gegeben hat. Ich spüre wie sich der Wagen mit
Sirenengeheul in Bewegung setzt und auf e inmal stehen bleibt. Ein Mann mit einer
schwarzen Tasche und einer Paramedic -Jacke steigt ein und sticht mir eine Nadel in
die Armbeuge. Ein Tuch des Schlafes legt sich über mich und ich tauche ab in meine
freudige Welt die nur mir alleine gehört.
Dieses Mal werde ich nicht wach, weil ich aus dem Schlaf gerissen werde, dieses Mal
ist es die Kälte dich mich durchströmt. Als ich wach werde wird mir bewusst, wo ich
bin und wie lange ich geschlafen habe. Ich sehe vor mir einen dunklen Korridor und
Gitterstäbe genau wie hinter mir, wo sich ein kleines vergittertes Fenster sehe, wo
man auf den Hof hinausschauen kann. Es muss früh am Morgen sein, denn es ist noch
nicht richtig hell aber auch nicht mehr richtig dunkel. Mich den Künstler haben sie
nach Lohr g ebracht. Diese verdammten Dreckschweine. Als ich auf den Hof
hinunterschaue sehe ich Wachen die schwer bewaffnet sind mit Hunden über den Hof
spazieren, und Wachtürme mit starken Suchscheinwerfern, die regelmäßig über den
Hof und über die Mauerränder schweifen. Hier haben sie Jack also hingebracht, hier
hat er sein Kunstwerk vollendet. Sein eigenes, dessen eigenes Objekt er war. Ich
schaue durch die Gitterstäbe und kann in die Zelle mir gegenüber schauen, dort sitzt
ein Mann zusammengekauert auf dem Boden, so wie er aussieht muss er schon länger
auf seine Hinrichtung warten auf die Vollendung seines physischen Lebens. Plötzlich
hört man schweres Metall knallen und vier Männer schreiten im Korridor heran genau
zu dieser Zelle mir gegenüber. Sie gehen hinein und einer davon ist ein Priester, denn
er trägt eine Bibel bei sich und betet. Morgen, wenn mein Kunstwerk vollendet wird,
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will ich keinen Priester ich hasse diese Pfaffe, diese miesen, verlogenen Gestalten. Ich
musste sie in meiner Schule schon ertragen, diese missratenen Geschöpfe die einem
die heile Welt versprechen wollen und selber Angst haben davor in die andere Welt
zu gehen, wie sie diese bezeichnen. Er wird in Ketten gelegt und einer der Wärter
schaut zu mir herüber und sagt mir, dass ich der nächste sei. Oh wie ich mich schon
freue, ich werde stolz hinaustreten, ich werde mein Haupt nicht senken, ich werde
mich von di esen verdammten, minderwertigen Geschöpfen nicht unterdrücken
lassen. Ich habe bemerkt, dass ich eine Uhr in meinem Zimmer habe, und sehe, dass
es fünf Uhr in der Früh ist. Ich hoffe, dass meine Vollendung später stattfindet, denn
ich möchte an meinem großen Tag meiner Vollendung, der Premiere meines größten
Kunstwerkes nicht unausgeschlafen erscheinen. Ich gehe zu einem Wärter und sage,
dass ich bitte ein paar Blumen in mein Zimmer haben will, doch dieser schreit mir ins
Gesicht, ich solle die Schnauze halten. Diese unverschämten Bastarde, wie gehen sie
bloß um mit einem Genie wie mir. Er sagte auch noch ich sei verrückt, das höre ich
überhaupt nicht gerne, ich bin nicht verrückt, ich habe mehr Verstand wie er jemals
in seinem mickrigen Schädel zu spüren be kommen wird. Ich setze mich also wieder
angewidert von den Zuständen in meinem Zimmer auf mein Bett und tauche ab in
meine Gedankenwelt. Es schießt ein Bild von dem Wärter in meinen Kopf, wie sein
Leib wohl aussehen mag, wenn er auf einem Pfahl steckt. Die s beruhigt mich wieder
ein wenig und ich vergesse alles um mich. Plötzlich wird die Türe aufgerissen und ein
Tablett mit einem Brot und einer Tasse Kaffee wird auf den Tisch gegenüber meinem
Bett gestellt. Ich schaue den Wärter erwartend an und sage ihm er solle mir bitte
Wurst und Käse bringen, denn ich möchte für morgen gestärkt sein. Er lacht nur laut
und tritt mir mit seinem Springerstiefel in die Nieren, danach verlässt er mein Zimmer
wieder. Der Schmerz erregt mich zwar doch so eine Behandlung finde i ch für eine
wichtige Person wie mich nicht angebracht. So sollte man einen Künstler nicht
behandeln der ihnen ein Meisterwerk zu Verfügung stellt. Die Zeit vergeht sehr
kriechend, denn nicht mal eine Beschäftigung lassen sie mir zukommen. Ich sitze auf
meinem Bett und denke wieder an meine vorange gangenen Kunstwerke. Sehr
fasziniert hat mich aber mein letztes Kunstwerk im anderen Hotel, ach wie schön war
der Anblick des Schädels, als er vom Stuhlbein durchbohrt war. Ich muss mich wohl
so in meine Gedanken h ineingesteigert haben, dass ich was verpasst habe, denn es
geht wieder die Türe auf und zwei Wärter kommen herein. Sie fragen mich was ich
morgen essen will. Ich schaue sie an und freue mich darüber, dass ich jetzt endliche
den Service bekomme den ich verd iene. Ich teile ihnen mit, dass ich eine Flasche
Champagner und eine gut gebratene Truthahnbrust mit Kartoffeln weich gekochtem
Gemüse haben will. Sie schreiben das auf und verlassen wortlos mein Zimmer. Diesen
Service mag ich kurz vor Vollendung meines g rößten Meisterwerkes. Die Stunden
vergehen ohne, dass eine Menschenseele das Zimmer betritt. Ich fühle mich wohl in
dieser Stille. Am späteren Nachmittag kommt ein Wärter zu mir in die Zelle und gibt
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mir einen Brief in dem das offizielle Urteil des Gerichtes steht, er sagt ich habe ein
Anrecht dies zu lesen, bevor ich hingerichtet werde, um noch ein letztes
Gnadengesuch zu beantragen. Ich will nicht mein Kunstwerk selber zerstören, ich will
es vollenden und zwar so, dass es keiner mehr vergisst. Ich glaube ich werde mich
jetzt in mein Bett legen und schlafen, denn ich muss morgen fit sein für die Vollendung
meines Seins, für das Eingehen in die Kunst, in die Geschichte und in die Köpfe vieler
Menschen die ich mit Angst erfüllen kann. Mit Angst, die sie noch nie gespürt haben.
Doch vorher lese ich dieses Urteil, damit ich belustigt über die primitive Intelligenz
dieser Bastarde der Justiz in meine Traumwelt eintauchen kann.
Dieses Mal werde ich selber wach. Ich bin aufgeregt. Meine Hände schwitzen wie vor
jedem meiner Kunstwerke. Mein Puls rast mit unbestimmbarer Geschwindigkeit. Ich
stehe langsam vom Bett auf und schaue auf die Uhr es ist drei Uhr morgens und ich
kann es kaum erwarten. In meinem Kopf rasen Bilder auf und ab, Bilder meiner Eltern.
Der Hass steigt wieder in mir hoch. Ich spüre wie mein Puls immer weiter zu rasen
anfängt. Ich möchte schreien, doch das gehört sich für einen Mann meiner
Berühmtheit nicht, denn dan n könnten die Medien ein schlechtes Bild von mir
bekommen. Als ich wieder auf die Uhr schaue ist es fünf Uhr morgens. Zwei Wärter
mit einem Wagen kommen in mein Zimmer. Auf dem ist das gewünschte Essen was
ich bestellt hatte, ein wenig früh aber es ist wen igstens geliefert worden. Sie sagen
mir ich hätte eine Stunde das Mahl zu essen. Sie nennen es die Henkersmahlzeit, doch
ich nenne es Dinner. Mein Festmahl vor der Vollendung. Ich esse es genüsslich und
trinke meinen Champagner aus, der sehr gut schmeckt. Als ich fertig bin und satt
kommen die gleichen vier Personen bei der Türe herein, wie sie bei dem Gast auf der
anderen Seite auch gekommen sind. Als ich die Bibel sehe, überkommt mich eine
Wut. Ich springe ihn an, damit ich ihm die seinen Schädel von den Schultern reißen
kann. Sofort greifen starke Männerhände nach mir, ich werde mit dem Kopf auf den
Boden gedrückt, doch bekomme mit wie der verdammte Pfaffe wenigstens die Flucht
ergreift. Ich werde in Ketten gelegt und wieder hochgehoben. Die anderen Gäste der
Unterkunft klopfen rhythmisch an die vergitterten Türen ihrer Zimmer. Ich fühle mich
wohl, denn jeder ehrt mein Genie, meine Genialität, meine Kunstwerke. Die Türe
hinter mir wird verschlossen und das grelle Licht in meiner Kammer strahlt mir ins
Gesicht.
Schau zu mir herunter, du wirst einen Idioten sehen. Schau zu mir hoch, du wirst
deinen Gebieter sehen. Schau mich direkt an, du wirst dich selbst sehen!
376
Gegenwart / Wo bin ich? Part 2
Ich bin gerade aufgewacht und weiß derzeit nicht wo ich bin. Der Raum ist so weiß
und steril. Ich bin sicher in einem Krankenhaus, oder vielleicht in einer Irrenanstalt.
Oh was würde ich jetzt dafür geben, wenn ich einem minderwertigen Geschöpf das
sich Mensch nennt sein erbärmliches physisches Dasein nehmen könnte. Was ist jetzt
los? Ein Mann in einem weißen Kittel tritt ein. Das ist sicher ein Psychologe, ein
Gelehrter der Wissenschaft, dieser Mann will sicher in das Innere meines kranken
Kopfes schauen. Das gelingt niemandem, nur ich weiß was darin vorgeht und das wird
auch so bleiben. Zwei gut gebaute, muskulöse Männer treten ebenfalls herein. Sie
fordern mich auf ohne schnelle Bewegungen aufzustehen. Was soll das? Haben sie
etwa Angst vor mir? Ich stehe also auf und mache auch keine schnellen Bewegungen
so wie sie es möchten diese kranken Organe des Staates. Sie begleiten mich zur Tür
raus und der Psycho-Doktor fragt mich dabei lächelnd:
„Guten Morgen, Herr Balling, wie geht es Dir denn heute Morgen?“
Wie bitte? Was meint der mit Herrn Balling? So hieß ich mal in ganz jungen Jahren,
aber jetzt heiße ich Bane. Max Bane! Um ganz genau zu sein Maximilian Christian
Bane! Wahrscheinlich habe ich mich verhört, denn der kann gar nicht meinen
früheren Namen wissen, da ich ja eine komplett neue Identität bekommen habe.
Außer das die Anderen mich natürlich verraten haben, denn dass die das wissen, ist
mir eigentlich schon klar.
Ich war mir zwar darüber jetzt nicht ganz bewusst, aber hätte ich daran gedacht, dann
wäre es mir schon eingefallen!
Während wir den langen Flur entlang marschieren fragt mich der Arzt weiter:“ Na
erzähl doch mal Herr Balling, wie Du die letzte Nacht geschlafen hast. Hast Du
vielleicht sogar etwas geträumt?“
Schon wieder Balling! Ok, alles klar, dann haben die Anderen mich am Sack leider!
„So, junger Mann, hier ist also der Waschraum. Hier kannst Du dich jetzt erstmal in
aller Ruhe duschen und frisch machen. Wir reden dann später ausführlich über Deinen
gestrigen Nervenzusammenbruch in Deiner Firma. Da musst Du Dir keine Sorgen
machen, wir lassen Dich da nicht allein durch. Das wird schon wieder.“ Dann lächelt
er freundlich und zeigt auf eine Tür über der ein Schild mit der Aufschrift
Herrenwaschraum hängt.
„Deine Eltern haben heute Morgen auch schon angerufen und sich nach Ihnen
erkundigt. Die machen sich ja solche Sorgen und vor allem Vorwürfe. Auf jeden Fall
soll ich dir ausrichten, das sie heute Nachmittag auf jeden Fall auch vorbeikommen
um Dich zu besuchen!“
377
So so, meine Eltern! Was labert der dumme Wichser eigentlich für eine gequirlte
Scheiße daher? Will der mich verarschen oder ist das Teil der Strategie der Anderen,
um Informationen über meinem geplanten Putsch aus mir herauszubekommen?
Na ja, egal, solange die mich hier in den Waschraum allein rein lassen. Vielleicht
komme ich da irgendwie durchs Fenster raus, man weiß ja nie!
Haha, sind die saudoof, die verhurten Penner!
„Alles klar, Herr Doktor“ antworte ich deswegen lapidar und gehe in den Waschraum.
Und die lassen mich tatsächlich allein da rein! Also das ist sowas von unglaublich! Sind
die nicht ganz dicht? Die denken wohl gerade nicht daran, dass sie es mit mir, Max
Bane, zu tun haben! Einem der gefährlichsten Serienmörder des Landes würde ich
jetzt mal sagen, ohne groß angeben zu wollen. Aber das sind nun mal die harten
Fakten!
Dann schau ich in den Spiegel der über einem der Waschbecken im Vorraum hängt
und jetzt staune ich wirklich!
Alter, wie haben die das denn gemacht?
Haben die mir irgendwelche Psychopharmaka eingetrichtert?
Ich sehe nämlich vor mir nicht mich als Spiegelbild, sondern die wesentlich jüngere
Ausgabe von mir. Den unschuldigen Teenager!
Ich kann es nicht glauben, ich bilde mir hier jetzt gerade wirklich ein, meine jüngere
Version im Spiegel zu sehen. Mit Haaren auf dem Kopf! Keine Narben im Gesicht! Vom
Bartwuchs sprechen wir mal gar nicht!
„Ahhhh!“ schreie ich jetzt laut. Anscheinend so laut, dass die Pfleger das draußen
hören, denn zumindest rennen die gleich rein zu mir. „Ist etwas nicht in Ordnung mit
Dir?“ fragt jetzt der kleinere der Beiden hektisch.
„Na klar, stimmt was nicht mit mir. Das weißt Du doch ganz genau? Was habt ihr mir
denn für eine Scheiße gespritzt, dass ich solche Halluzinationen habe, hä?“
„Um Gottes willen, Du hast Halluzinationen, Christian? Also wir haben dir gestern
außer einem leichten Beruhigungsmittel absolut nichts verabreicht, Junge!“
„Du weißt ganz genau, von was ich spreche, Du scheiß Matschbirne! Oder willst Du
mir jetzt ernsthaft erzählen, dass ich, Max Bane, nicht aussehe wie immer?“
„Ähm, Christian, was meinst du denn mit Max Bane? Und dann noch mit Deinem
aussehen? Was stimmt denn damit nicht?“
378
„Nenn mich verdammt nochmal nicht immer Christian, hörst Du Bastardnsohn! Nenn
mich bei meinem richtigen Namen! Nenn mich Max Bane! Oder denkt Ihr wirklich, das
ich auf diese beschissenen Tricks der Anderen hereinfalle wie so ein kleiner blöder
Idiot?“
Da ertönt die Stimme des Arztes jetzt hinter dem Pfleger Nummer 2 hervor:
„Junger Mann, jetzt ist aber mal gut. Deine Fantasien scheinen Dir gerade einen
Streich zu spielen! Und Ihr beiden, …“ dabei guckt er jetzt die 2 Pfleger an „Ihr bringt
mir den Buben am besten gleich mal in meine Behandlungszimmer!“ dann dreht er
sich auch schon um, und schreitet schnellen Schrittes raus aus dem Waschraum.
Also das hatte der Typ aber jetzt verdammt gut geschauspielert, das muss man ihm
lassen! Der Ton war echt realistisch autoritär, unglaublich.
„Na dann komm mal mit Christian“ Dabei ziehen die beiden Pfleger mich jetzt wieder
mit nach draußen über den Flur und stoppen dann vor einem Zimmer.
Auf dem Zimmerschild neben der Tür kann ich lesen: „Behandlungszimmer Nr. 001,
behandelnder Psychologe Prof. Dr. Maximilian C. Bane!“
Jetzt kapiere ich langsam gar nichts mehr, klopfe aber ordentlich an der Tür an und
trete, nachdem die Stimme des Arztes „Herein!“ gerufen hatte, ein.
Das Zimmer ist auch gar nicht mehr so, wie ich es in Erinnerung habe, sondern schön
hell. Durch das geöffnete Fenster dringt ein warmer Sonnenstrahl durch und fällt auf
den hölzernen Schreibtisch, hinter dem der Arzt sitzt.
Auch machen sich die großen Zimmerpflanzen echt gut, so dass ich das als echt
angenehm empfinde.
„So, Christian, jetzt setze Dich mal hier auf den Stuhl“ dabei zeigt er auf den Stuhl der
gegenüber von ihm am Tisch steht. Das ist auch gar keiner mit diesen Gurten und so,
sondern ein ganz normaler Holzstuhl mit Polster.
„Dann kommst Du mal zur Ruhe und wir beide reden mal vernünftig miteinander. Ich
denke nämlich das Dir Deine Gedanken, bzw. die Erinnerungen an Deine Träume der
letzten Nacht vielleicht einen Streich spielen, denn die Gedanken sind frei und keiner
kann sie erraten, manchmal fliegen sie vorbei in den nächtlichen Schatten…“
Dann schaut er mich freundlich und wirklich milde an und ich setze mich erst einmal
hin.
Ich sehe jetzt, das auch auf seinem Namensschild auf dem Arztkittel „Prof. Dr.
Maximilian C. Bane“ steht und verstehe jetzt gar nichts mehr.
379
Alles um mich herum fängt jetzt auch an, sich langsam im Kreis zu drehen, so das mir
ein bisschen schwindelig wird, dabei merke ich auch, dass ich relativ schwer atmen
muss im Moment.
„Ach Gott, Junge, Du lieber Himmel, Schwester, bringen sie mal einen heißen Kakao
und eine Beruhigungstablette für Herrn Balling, bevor er hier noch umfällt.“
„Das würde mir gerade noch fehlen, kommt hier mit einem leichten
Nervenzusammenbruch herein und fällt dann halb ins Koma! Hören Sie Schwester
Sandy, beeilen Sie sich bitte, ja!“
Nach ein paar Minuten, in denen ich mich schon ganz entspanne und dem Arzt, der
mir nochmal den gestrigen Tag ab dem Zeitpunkt meiner Einlieferung in diese Klinik
genau schildert, höchst interessiert zuhöre kommt auch schon eine super lieb
aussehende Krankenschwester rein die mir den Kakao hinstellt und mir noch Glas mit
Wasser dazustellt. „Hier Christian, nimm die mal“ sagt auch Schwester Sandy jetzt
ganz freundlich zu mir und hält mir noch eine Aspirin Tablette vor die Nase, die ich
dann auch ganz brav ne hme und runterschlucke. Und wie mir der Doktor alles
nochmal erzählt, fällt mir auch wieder ein, wie ich am Vortag plötzlich
Schwindelanfälle in der Firma gehabt hatte, weil mich mein Chef wegen einer
vermasselten Klassenarbeit in der Berufsschule rundgema cht hatte, so dass ich vor
lauter Verzweiflung diese zerrissen hatte. Dann fällt mir wieder ein, wie mich der Arzt
noch am gleichen Tag untersucht hatte und ich in ein Krankenzimmer gekommen bin,
in dem auch schon 2 andere Jungs in meinem Alter lagen. „Dann habe ich aber wirklich
ganz schlecht geträumt, letzte Nacht Herr Dr. Bane“ sage ich ihm noch zum Schluss
und ging dann zurück in mein Krankenzimmer, vor dem bereits die 2 anderen Typen
auf mich gewartet haben. „Mensch Chris, wird jetzt aber auch Zeit, ko mm lass uns
noch ein bisschen Fußball draußen kicken, bevor es Mittagsessen gibt…“ „Ähm, wie
heißt ihr eigentlich, wenn ich mal fragen darf…“
„Chris, du bist echt mal krass, Alter. Gestern hatten wir das zwar schon alles geklärt
aber für so vergessliche Typen wie dich dann halt nochmal, ich bin der Johannes,
kannst aber auch gern Jan zu mir sagen.“ grinste mich der mit dem Ball an.
„Na und ich bin der Jochen, meine Kumpels nennen mich aber auch gerne mal Jockes,
haha!“
Nachdem das mit den Namen dann auch geklärt war, spielten wir draußen eine Runde
Fußball und lachten echt viel dabei. Unfassbar, oder?
Nachdem ich nach dem Mittagessen ein Runde geschlafen hatte, klopfte es an der Tür
und durch die kamen dann in der folgenden Reihenfolge:
380
Meine liebe Omi, meine Mama, und Mann, sah die gut aus! Gar nicht wie ein Junkie
aussehen müsste, so hatte ich sie ja in meinem Traum gesehen zum letzten Mal. Nein,
die war sozusagen topfit und mit schickem Kostüm und beide lachten mich strahlend
an: „Chri stian, Jungchen, was machst du denn für Sachen?“ fragte sie dann ganz
aufgeregt.
Und zum Schluss kam dann wirklich mein Vater hinterher, der aber obligatorisch,
natürlich nicht lachte oder sonst wie freundlich schaute. Aber zumindest lebte er
noch, ich hatte ihn also auch nicht auf grausamste Weise umgebracht, und er ließ
mich hoffen, dass auch mit ihm alles im grünen Bereich ist.
„Na, Christian! Du hast uns gestern aber allen einen mächtigen Schreck angetan,
hörste du? Und das wegen so einer blöden Schulnote, ts ts ts“
Dabei schüttelte er seinen Kopf hin und her. Na und dann gerieten meine Oma und
meine Mutter in einen wahren Laberflash, so das weder mein Vater noch ich
überhaupt zu Wort kamen. Die Themen wechselten sich kreuz und quer ab:
Von dem gestrigen Schrecken, wie sie gehört hatten, das ich mit dem Krankenwagen
in der Firma abgeholt wurde;
Von den Sorgen, die sich beide daraufhin gemacht hatten;
Von der Erleichterung, als sie am Telefon von Dr. Bane darüber unterrichtet wurden,
dass es mir relativ gut ginge und sie sich keine großen Sorgen machen brauchten;
Dann von der Fahrt hierher;
Und, und, und, …
Was Mütter und Omas halt alles so den lieben langen Tag erzählten.
Aber mir war alles recht, nach diesem schrecklichen Traum, war mir alles, wirklich
alles recht und ich freute mich über den Besuch so sehr, das kann ich gar nicht sagen.
Nach fast 2 Stunden war dann die Besuchszeit auch schon wie im Fluge vorbei und sie
machten sich wieder auf den Heimweg.
Ich begleitete die drei noch zu ihrem Auto auf dem Parkplatz. Nach
Abschiedsküsschen und sonstigen Liebkosungen von Mama und Oma, stiegen die
dann ins Auto ein und mein Vater nahm mich, den glücklichsten aller Jungen, die man
sich nur vorstellen kann, noch kurz zur Seite und umarmte mich quasi so mit seinem
Arm um die Schultern.
Dann beugte er sich leicht zu mir vor und zischt mir ins Gesicht: „Hör jetzt genau zu,
Du kleiner dreckiger Bastard, Du kannst von großem Glück sagen, das Du hier gelandet
bist. Wenn es nach mir gegangen wäre, und das wird es schon noch, darauf kannst du
381
jämmerlicher Versager dich schon Mal einstellen, dann wärst Du nicht hier, sondern
in Lohr, bei den anderen in der Anstalt gelandet, Du beschissener kleiner Psychopath!
So eine einzige Enttäuschung wie Du, kannst sicher nicht von mir sein, denn ich hätte
dich lieber an die Wand gewichst, …“
Den Rest hörte ich dann schon nicht mehr, da sich um mir plötzlich alles drehte und
ich ohnmächtig zusammensackte…!“
382
Wer ohne Schuld handelt, kann deshalb nicht bestraft werden („nulla poena sine culpa“)
„Nach § 20 StGB handelt ohne Schuld, „wer bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften
seelischen Störung, wegen einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung oder wegen Schwachsinns oder
einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, dass Unrecht der Tat einzusehen oder
nach dieser Einsicht zu handeln.“ Schuldunfähig kann also sein, wer im Moment der Tat nicht das
Schuldhafte seines Handelns erkenn t oder nicht in der Lage ist, sich zu steuern. Menschen mit
dissozialer Persönlichkeitsstörung mit einer geminderten oder nicht vorhandenen Steuerungs- oder
Einsichtsfähigkeit kommen häufiger als im Bevölkerungsdurchschnitt mit dem Gesetz in Konflikt.“
Der schuldunfähige Täter kann zwar nicht bestraft werden, aber psychisch kranke Rechtsbrecher, die
im Sinne von § 20 als schuldunfähig gelten und bei denen zugleich unter Gesamtwürdigung des
Täters und seiner Tat eine weitere Gefährlichkeit zu erwarten ist , können nach § 63 und § 64 StGB
im Maßregelvollzug untergebracht werden.
Die Unterbringung im Maßregelvollzug ist jedoch für Bagatellstraftaten ausgeschlossen. Vielmehr
muss sie als Ultima Ratio notwendig sein, um die Allgemeinheit zu schützen.
§ 20 StGB Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen
Zusammenfassung:
383
Was ist wohl die Wahrheit?
Und nun, liebe Leserin und lieber Leser, können Sie entscheiden, welche der beiden
Alternativenden das ist, von dem Sie meinen das es richtig ist:
Ist es Part 1?
Endet es wirklich so für den gestörten Psycho- und Soziopathen Max Bane?
Wäre dieses Ende angemessen für ihn, wenn sie dabei berücksichtigen,
welche Gräueltaten er auf dem langen Weg seines „Thug Life“ er tat;
was er alles seinen Mitmenschen angetan hatte;
welche Gewaltorgien er zelebrierte;
wenn sie sich klarmachen, welche abstrusen Gedanken in seinem Kopf
herumschwirrten;
wenn Sie bedenken, welche Verbrechen er im Laufe seines Lebens alle ausführte!
Oder ist es Part 2?
Muss es wirklich so für Max Bane enden?
Dass er alles in seinem Traum sah, dann aber davon überzeugt wurde, dass er sich das
alles nur eingebildet hatte und letztendlich aber feststellen musste, dass alles
genauso, wie er es vorher bereits in seinen Träumen erlebt hatte, nochmal passieren
wird?
Ist es einem Menschen zuzumuten, solche Störungen und Ängste zweimal durchleben
zu müssen?
Könnten sie sich solch einen Horror vorstellen?
Die Gewissheit zu haben, dass Sie alles, was Sie vorher in Ihren perversesten und
grauenhaftesten Alpträumen schon einmal erlebt haben, und zwar so intensiv, dass
Sie bei diesen ganzen Erlebnissen wirklich von der Realität ausgegangen sind, noch
einmal so erleben müssen?
384
Oder aber…?
Oder aber, könnte es nicht möglich sein, das Max Bane erst durch die ganzen
Manipulationen der Anderen so wurde, wie er letztendlich war oder ist?
Das er letztendlich ein Produkt unserer Gesellschaft wurde und blieb?
Oder aber hat Max Bane wirklich das Licht gesehen, sei es durch seine inneren
Stimmen, durch irgendwelche psychodelischen Drogen oder gar durch diverse
Experimente, denen er während seinem ersten Aufenthalt in der Anstalt intensiv
ausgesetzt war?
Ist es vielleicht so, das Max Bane, im Gegensatz zu uns wirklich die wahre Realität
gesehen hatte, die uns von den Anderen so erfolgreich verschleiert wird und uns
deswegen auch immer wieder davor warnte und uns helfen wollte?
Wurde er eventuell deswegen von den Anderen oder deren Handlangern beseitigt,
bevor er uns rechtzeitig warnen oder aufklären konnte?
Führte Max Bane dadurch sogar mit all seinen Taten das Richtige aus?
Leider kann ich Ihnen nicht die richtige Antwort geben, da ich es selbst nicht weiß!
• Ich konnte lediglich alles niederschreiben, was ich von Max Bane erfahren
habe!
• Ich habe zusätzlich noch alles, was mir möglich war, recherchiert, damit ich dies
in diesem Buch für sie zusätzlich festhalten konnte!
• Weiterhin hatte ich im Vorfeld dieser Bucherstellung so viele Fakten wie ich
herausfinden und abgleichen konnte, überprüft und dokumentiert!
• Ich habe dieses Buch so sorgfältig wie möglich erstellt, aber leider kann ich
Ihnen trotzdem nicht mitteilen, welches letztendlich die richtige Antwort ist!
Das, liebe Leserin und lieber Leser, müssen sie selbst für sich abwägen und
entscheiden!
Der Buchverfasser…
385
Die Anderen und so
Im Buch wird ja seitens Max Bane immer wieder über „die Anderen“ aufgeklärt und
informiert, aber was meint er damit überhaupt?
In erster Linie geht es dabei um eine geheime Weltmacht, die laut Max alles steuert
und kontrolliert. Als Marionetten der Anderen sieht Max quasi alle Menschen um sich
herum und dementsprechend sieht er auch alle Menschen als potentielle Feinde, die
„zerstört“ werden müssen!
Das erste Mal tauchen die Anderen in diesem Buch auf, nachdem die Eltern von Max
diesen zur Behandlung in die Psychiatrie bringen ließen. Dabei wird Max eines Nachts
von seinen inneren Stimmen über die Anderen und deren Spione zum ersten Mal
aufgeklärt. Da nach begleiten die Anderen Max B. ständig in seinem Leben. Nach
seinem Verständnis sind die Anderen in der Lage, den Rest der Menschheit so zu
manipulieren, dass diese die Welt so sehen, wie die Anderen das möchten.
Um was es den Anderen letztendlich bei ihrer Zielausrichtung geht, das wird leider im
Buch von Max Bane nicht weiter dokumentiert.
Hier möchte ich an dieser Stelle der Vollständigkeit halber weiter über die Absichten
und den Personen, die hinter den Anderen stehen, aufklären.
Zunächst einmal ausdrücklich folgender Hinweis!!!
Dieser Buchabschnitt soll keine Aggressionen gegen irgendjemanden auslösen und
auch niemanden aufhetzen, gegen irgendwelche Interessen - und/oder
Personengruppen. Die hier empfohlenen Dokumente werden teilweise als
volksverhetzendes Material als verboten ei ngestuft und deren Verbreitung
(zumindest in Deutschland) strafrechtlich verfolgt. Deswegen an dieser Stelle die
Bitte, beim oder nach dem Lesen keinen Hass gegen irgendwelche Personengruppen
zu entwickeln!!!
386
Der Autor distanziert sich ausdrücklich von jeglichem rechten Gedankengut, sowie
von allen in diesem Buch aufgeführten Gewaltverherrlichungen und allen
wiedergegebenen sonstigen extremen Ansichten.
Das Buch ist reine Fiktion und verweist in Anlehnung an Art. 5 Abs. 1 Grundgesetz
(GG):
„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu verbreiten und
sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die
Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film
werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“
Darauf, dass dieses Grundgesetz missbraucht wird, um Propaganda usw. zu
verbreiten und böses Gedankengut ungeschützt zu verbreiten.
„Die Anderen“ stellt im Kontext dieses Buches eine fiktive, unsichtbare heimliche
Weltelite, welche unter anderem als die „Bilderberger“ bekannt sind, dar, welche zu
realen Verschwörungstheoretikern genutzt wird, um Ängste gegen die Demokratie zu
schüren.
Sollten einzelne Aspekte realen Geschehnisses oder Ereignisse wiedergeben, so sind
diese vom Verfasser des Buchs weder beabsichtigt noch in diesem Zusammenhang im
Kontext wörtlich gemeint.
Die folgenden Erklärungen sind nicht verifiziert und spiegeln ausdrücklich nicht den
persönlichen Ansichten des Verfassers wider.
Als Bilderberger wird eine veränderliche Gruppe bzw. Verbindung von vorrangig
geheim kommunizierenden prominenten und einflussreichen Persönlichkeiten
bezeichnet, die sich einmal im Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit trifft, um sich
über die Weltlage auszutauschen. Die Bilderberger -Gruppe verfolgt unter anderem
die folgenden Ziele: eine internationale Wirtschaftsunion konstituieren, die
Einrichtung eines internationalen Parlaments durchsetzen, die Schaffung einer
387
internationalen Heeresmacht (Weltarmee) unter Aufhebung aller nationalen Armeen
erreichen, des Weiteren die schrittweise Einschränkung nationaler Oberhoheiten
(überhaupt eine Ausschaltung nationaler Interessensvertretungen aller Art)
zugunsten einer einzigen Weltregierung.
Diese unsichtbare heimliche Elite manipuliert einfach alles, den Goldpreis, den
Silberpreis, die Brotpreise und den Ölpreis, egal, ob er steigt oder fällt. Und das nicht
erst heute, sondern seit Jahrzehnten!
In unserer technologisierten Gesellschaft untergraben unsichtbare Systeme der
Anderen zunehmend die individuelle Selbst- und demokratische Mitbestimmung. Das
ist kein Zufall, sondern explizit so gewollt: Die Wirtschaft „erzieht“ sich ihre Kunden,
der Staat sich seine Bürger. So ist die Manipulation von Denken und Handeln längst
zur treibenden Kraft der IT -Entwicklung geworden, und verkommt die Technik, die
uns das Leben erleichtern sollte, mehr und mehr zur Instanz der totalen Kontrolle
über uns. Das lässt sich am besten anhand eines technischen Beispiels erklären:
Früher bestand ein Auto aus Motor, Fahrgestell, Getriebe, Reifen, usw. Die
komplexesten Dinge waren vielleicht der Motor und das Getriebe, aber die waren von
der Funktion her eher auch noch verstä ndlich. Der Motor dreht eine Antriebswelle,
und das Getriebe bringt diese Drehung über die Räder auf die Straße – das Auto fährt.
Heutzutage bestehen Autos aus Hunderten von Minicomputern, die den Motor
steuern und überwachen, Abgase messen oder die Reifen lage kontrollieren, den
Airbag checken und so weiter. Das sind alles hochkomplexe Systeme geworden. Ab
2018 ist es sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass neue Autos ein Mobilfunkmodul
eingebaut haben müssen. Tatsächlich sind Autos also fahrende Computer gew orden
– und das merkt man kaum, was Vor- wie Nachteile hat. Aber damit ist auch erklärbar,
wie VW den Diesel -Abgasbetrug durchführen konnte: Die Autosoftware war einfach
so „schlau“ gebaut, dass sie selbst analysieren konnte, wann das Auto im staatlichen
Labor getestet wurde. Dann, und nur dann, hat sie das Auto auf „gesetzeskonform“
geschaltet. Damit ist aber der VW kein Einzelfall – Solche Entwicklungen betreffen
immer mehr Geräte, vom „smarten“ Fernseher, der kontinuierlich die
Umgebungsgeräusche mitschn eidet oder die Sehgewohnheiten aufzeichnet und
diese per Internet an seinen Hersteller sendet, über elektronische Fahrkarten, die
unsere Wege festhalten, bis hin zu raffinierten Methoden programmierter
„Selbstzerstörung“, die nach einiger Zeit die Nutzer und Nutzerinnen zum Kauf eines
neuen Gerätes zwingen. Wir wissen einfach nicht mehr, was diese Dinge wirklich –
meist im Hintergrund – tun und für wen sie arbeiten. Darum nennen wir sie
„unsichtbare Systeme“. Es sind die Systeme „der Anderen“!
388
Die Anderen wollen eine geheime Weltregierung bilden, deswegen haben sie zum
Beispiel beschlossen, zunächst einmal die von ihnen gezielt herbeigeführte
Immobilienblase platzen zu lassen – mit schönen Profiten und demselben Effekt,
nämlich der gewollten Ver armung des Volkes und somit weniger Ölverbrauch.
Außerdem wollten die Anderen die Krise nutzen, um ihr eigentliches Ziel zu erreichen,
nämlich eine Weltregierung zu installieren. Den Ölpreis werde man später wieder
hochtreiben. Auf diese Weise sollen die B ric-Staaten daran gehindert werden, die
schöne profitable Dollar-Weltordnung zu kippen. Die Bric-Staaten, das sind Brasilien,
Russland, Indien und China. Billiges Gold gehört ebenfalls zum Welteroberungsplan.
Gold steht zum Beispiel „der grenzenlosen Kreditgeldvermehrung durch die heutigen
Macht-Eliten‘ diametral entgegen“, und deshalb sind diese bemüht, „um jeden Preis
die wahre Bedeutung von Gold bewusst herunterzuspielen“. „Mit ihrer
Weltleitwährung Dollar musste jedes Land der Welt im internationalen
Zahlungsverkehr sich Rohstoffe bezahlen lassen, und die FED konnte dafür ohne Ende
bunte Papierdollar drucken. Gegen die Länder, die in der Vergangenheit nicht an
diesem Spiel teilhaben wollten, sondern ihre Rohstoffe für andere Währungen
weggaben, wurde ein Krieg inszeniert (Irak, Afghanistan, etc.).“ Für jedes denkbare
Ergebnis sind Untergrundnetzwerke am Werk, verborgene Eliten der Anderen, die
wahren Entscheider. Der normale, gewöhnliche Mensch hat gegen sie kaum eine
Chance. Er wird manipuliert, er weiß es nur nicht; und wie Edward Snowden nun
bewiesen hat, kann er es auch gar nicht wissen, denn die Manipulierer sind viel zu
mächtig, viel zu gerissen und wissen alles. Snowdens Enthüllungen über die NSA
waren schon allein aus diesem Grund wirklich dramatisch für die Anderen.
Kommen wir zum Punkt!
Haben sie eventuell schon einmal von den „Schattenfels“ etwas gehört?
Manch einer von Ihnen hat den Namen sicher schon mal gehört, richtig?
Viele denken da an das vergangene Jahrhundert, an “verblichene” Dynastien wie
Vanderbuilt, Astor, Carnegie und Rockefeller natürlich!
Oder an einen Mäzen mit zahlreichen Stiftungen, einen wahren Philanthropen, der
mit seinem Vermögen -völlig zurückgezogen- Gutes tut!
Oder meinen Sie diesen ausgezeichneten französischen Rotwein mit dem Namen
Schattenfels?
Die Franzosen verbinden mit dem Namen auch noch ihre Regeln für gutes Benehmen,
so etwas wie den Knigge der Franzosen!
389
Heute wird bevorzugt die Legende verbreitet, dass die Schattenfels nur “früher mal”
reich waren, dass sich ihr Vermögen während des 2. Weltkriegs aber weitgehend
verflüchtigt habe!
All dies war und ist tatsächlich nur eine clevere Desinformation, um “Publicity” und
Aufmerksamkeit abzulenken von der Dynastie, die sich auf antike, mystische
Verbindungen stützt und seit 100 Jahren über das Weltgeschehen, Krisen, Kriege,
Hungersnöte, Politikerschicksale, Geburten- und Todesraten, Staatsgründungen und
-bankrotte, Aufstieg und Fall von Weltkonzernen entscheidet.
Von den Schattenfels, oder auch den Anderen!
Natürlich braucht man für eine solche Herrschaft Verbündete.
Zum Beispiel den Bilderbergern!
Wo diese zu finden, wie diese zu identifizieren sind, das kann man hier nachlesen –
man kann sich aber auch in diesem Zusammenhang über Goethes FAUST Gedanken
machen oder darüber, dass in unserem System alle materiellen Werte einen
GELDWERT haben.
Sobald also jemand über GELD in UNBEGRENZTEM UMFANG verfügt, ist der Erwerb
sämtlicher Sachwerte kein prinzipielles Problem mehr.
Das meisterliche „Kunststück“ Schattenfels bestand darin, dies für 99 % der
Weltbürger zu verschleiern und zu vernebeln.
390
Laut der Suchmaschine Yahoo besitzt das Haus Schattenfels 300 Billionen Dollar!
Sind das Billionen, die nach deutscher Zählung „nur“ Milliarden wären? NEIN!
Denn angesichts der Geschichte ist das ausgeschlossen!
Also handelt es sich dabei um die Billionen, die das 6 -fache des Welt -Jahres-BIP
repräsentieren!
Aber ist diese Summe überhaupt richtig?
Die New -Economy-Blase, die Immobilien -Blase und die aktuelle Krise haben die
Schattenfels um vieles reicher gemacht, denn Schattenfels' Banken an der Wallstreet
haben sie von Anfang an geschaffen und verwaltet!
Wer auch immer es in USD bilanziert haben mag, das Schattenfels -Vermögen wird,
wie wir im Laufe dieses Artikels sehen werden, ausschließlich durch Sachwerte
repräsentiert!
In der Regel solche, die wertbeständig sind und auf die der Rest der Menschheit
niemals wird verzichten können, die insofern dazu dienen, den Druck auf die
Menschen nach Belieben zu erhöhen!
Um Ihnen die Schattenfels-Omnipräsenz weiter zu verdeutlichen, möchte ich sie noch
darauf hinweisen, dass es derzeit lediglich nur noch 5 Länder auf dieser Erde gibt, die
über keine Schattenfels-Bank verfügen, dies sind:
KUBA
391
Nordkorea
Sudan
Libyen
Iran
Bis zum Jahr 2001 gab es zwei weitere Schattenfels-freie Staaten, das waren:
Afghanistan
Irak
Wann immer jemand versucht, brisante Punkte aus dieser merkwürdigen
Schattenfels-Geschichte an die Öffentlichkeit zu bringen: sofort sind Kommentatoren
und Obstruktionen zur Stelle, deren einzige Aufgabe darin besteht, jegliche
Veröffentlichung zu diskredi tieren, wenn es nicht gelang, die Veröffentlichung per
Druck auf die Redaktion zu tilgen, möglichst bevor diese bei Google abgespeichert ist
und ggfls. den Verfasser soweit zu diffamieren, bis eine Sperre seitens der Betreiber
erfolgt.
Ich muss immer wieder erkennen, dass unsere im Grundgesetz garantierte Presse -
und Meinungsfreiheit etwa ebenso wirkmächtig ist wie eine Impfung gegen die
„Schweine...“!
Genau von diesen Manipulationen spricht auch Max B. in dem Buch!
Um das zu verstehen, muss man berücksichtigen, dass die Medienkontrolle in unserer
„westlichen“ Welt praktisch vollständig in der Hand von Schattenfels -Subalternen
392
liegt, angefangen von Nachrichten -Agenturen bis hin zu Hollywood oder TV -
Produktionen.
Da dadurch natürlich immer Einer den anderen zitieren kann, entsteht ein komplettes
Bild von Glaubwürdigkeit und „Beweiskraft“, eben selbst für die unglaublichsten
Dinge!
Hier passen die Worte von George Orwell sehr gut:
„Politische Sprache dient dazu, dass Lügen wahr klingen und Mord respektabel und
um dem reinen Wind einen Anschein von Festigkeit zu geben…“
Schauen wir ein wenig in der Weltgeschichte zurück:
Der Gründer des heutigen Weltimperiums Silas von Schattenfels gab seinen
Nachfahren ca. Mitte 18. Jahrhunderts den Satz mit auf den Weg:
„Gib mir die Macht über die Währung eines Landes und es interessiert mich nicht
mehr, wer dessen Gesetze macht“
Dies kann und muss man als eine Art „kriminelles Grundsatzprogramm“ betrachten,
dem sich die weiteren Abläufe unterzuordnen hatten und leider wird die Tragweite
dieses Satzes von den Wenigsten verstanden!
Tatsächlich hat Schattenfels bereits fünf Jahre nach Gründung des US -FEDERAL-
RESERVE-Systems mit Ende des ersten Weltkriegs die Macht über die Währung
nahezu der gesamten Welt erlangt und in den folgenden knapp hundert Jahren ging
es lediglich um Profitmaximierung und mentale Absicherung seines Systems.
In Venedig ansässig hat Silas von Schattenfels angeblich (in der 2. Hälfte des 18.
Jahrhunderts) das Vertrauen des Dogen Girolamo Pisani erlangt, der wiederum mit
dem englischen, dänischen und schwedischen Königshaus verwandt war.
393
Nachdem er für diesen erfolgreich agierte, konnte dies nicht ohne Folgen bleiben.
Es gibt Quellen, die sagen, dass die Schattenfels auch zu den Finanziers der franz.
Revolution gehörten, das sei hier aber nur am Rand erwähnt!
Wenn sie es waren, dann hat er sicher auch dabei Geld verdient, da Frankreich damals
ein sehr wohlhabendes Land war!
In seinem Testament legte er übrigens u.a. fest, dass es allen Familienmitgliedern
verboten ist, jemals wegen irgendwelcher Eigentumsverhältnisse untereinander
Prozesse zu führen, um „any public inventory made by the courts, or otherwise, of my
estate …“ zu vermeiden.
Seine Söhne sandte der Vordenker des Imperiums nach Berlin (Amschel), Wien
(Salomon Mayer), London (Nathan Mayer), Paris (James Mayer) und Neapel (Karl
Mayer), das damals das reiche Zentrum Italiens war, um dort weitere Schattenfels -
Banken zu etablieren.
Durch dieses System einer überregionalen Sicht auf die Geschehnisse in die
wichtigsten europäischen Staaten des 18./19. Jahrhunderts konnte sein Imperium
bereits supranational (heute nennt man das geopolitisch) handeln, insbesondere, weil
Schattenfels ein eigenes Informationsnetz (Boten + Brieftauben) aufbaute, das
schneller agierte als das regierungseigene.
Ein wirklich großer Coup ist Schattenfels mit ihrer Londoner Filiale gelungen nach der
Schlacht von Waterloo, weil sie vorab wussten, dass Napoleon geschlagen war,
während sich vorher das Gerücht von Napoleons Sieg verbreitet hatte.
Schattenfels London verkaufte Aktien in großem Stil und da Schattenfels in London
durch seine Verbindung zur Krone und zur BoE bereits eine „große Nummer“ war,
verkauften alle anderen ebenfalls panikartig, in der Annahme, Napoleon habe
gesiegt!
394
Alle Aktien stürzten ins Bodenlose, und Schattenfels konnte durch Agenten praktisch
alle Aktien in einem Schlag wieder einsammeln.
Das war die Basis für seinen Aufstieg zum mächtigsten Banker gewesen, er konnte die
Bank of England in seinem Sinn neu strukturieren.
Gleichzeitig wurden seit diesem Zeitpunkt mit Schattenfels geradezu magische
seherische Eigenschaften verbunden (weil sein Informationssystem eben GEHEIM
war)!
Nicht ohne Grund sagte daher Nathan von Schattenfels (1777-1836):
„Mir ist es egal, welche Marionette auf dem Thron von England sitzt und ein Imperium
regiert, wo die Sonne nie untergeht. Der Mann, der die Geldmenge Britanniens
kontrolliert, kontrolliert das Britische Imperium, und ich bin der Mann, der die
Geldmenge Britanniens kontrolliert.”
Dies war aber noch nicht der ganze Profit aus der Schlacht bei Waterloo. Vater Silas
von Schattenfels sandte etwas von dem Geld, das er von dem vor Napoleon
geflohenen Prinz William treuhänderisch verwahrte, nach London.
Die Jewish Enzyklopedia schreibt zum Verbleib des Geldes:
„Nathan invested it in 800,000 pounds of gold from the East India Company, knowing
it would be needed for Wellington’s peninsula campaign. He made no less than four
profits:
-on the sale of Wellington’s paper (which he bought at 50¢ on the dollar)
-on the sale of gold to Wellington
395
-on its repurchase
-on forwarding it to Portugal.
This was the beginning of the great fortune.“
Nach Napoleons Niederlage gab Frankreich 1817 Staatsanleihen heraus, die
Schattenfels -wieder über Agenten - in großem Stil aufkaufte, worauf die Kurse
stiegen. Am 5. November warf er diese auf den Markt, worauf dieser kollabierte …
Der Rest verlief wieder nach dem Waterloo -Muster und Schattenfels -France hatte
somit auch über Frankreich die Kontrolle erreicht.
Es dürfte Ihnen ja durch meine vorstehenden Erläuterungen klargeworden sein, dass
nachweisbar die Schattenfels hinter der Spitze der Anderen stecken.
Schattenfels beginnt zusätzliche Kontrolle über die Medien anzustreben und kauft die
Nachrichtenagentur REUTERS.
Schon zu dieser Zeit sagte der bekannte New -Yorker Journalist John Swinton
anlässlich eines Banketts nachweislich:
„Etwas wie freie Presse gibt es nicht und hat es niemals in der Geschichte gegeben.
Sie wissen das und ich weiß das! Keiner von Euch würde es wagen seine eigene
Meinung zu schreiben, und wenn Ihr es tätet, es würde niemals gedruckt werden. Ich
werde wöchen tlich dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung
herauszuhalten, für die ich arbeite. Andere von Euch werden ähnlich bezahlt und
wenn irgendeiner so ehrlich wäre, seine Meinung zu schreiben, dann stünde er schnell
auf der Straße. Wenn ich mir er lauben würde, meine Meinung zu schreiben, dann
wäre ich meinen Job in 24 Stunden los!“
396
Das Geschäft der Journalisten ist es, die Wahrheit zu zerstören, dreist zu lügen, zu
verunglimpfen, an den Füssen des Mammons zu katzbuckeln und sein Land und seine
Leute für täglich Brot zu verkaufen. Wir wissen es alle, was soll also die Dummheit,
auf eine „unabhängige Presse“ hereinzufallen?
Diese Journalisten der Lügenpresse sind doch alle Werkzeuge und Vasallen der
Anderen hinter dem Vorhang. Sie sind allesamt Hampelmänner bzw. Marionetten der
Anderen, welche die Fäden ziehen, und sie tanzen lassen!
Ihre Talente und Fähigkeiten gehören diesen Anderen. Sie sind nichts weiter als
intellektuelle Nutten!
Der Schlussstein des Plans „der Anderen“!
Die Verbündeten „Bilderberger“ haben ihren Namen aufgrund des 1. Tagungshotels
„Bilderberg-Hotel“ in dem der niederländische Prinz Bernhard zwar den Vorsitz
leitete, doch ins Leben gerufen und finanziert wurde die Gesellschaft von den Brüdern
David und Lau rence Rockefeller. Von diesen grauen Eminenzen sollte man wissen,
dass sie einst als Roquefeuille (Felsenblatt) aus Frankreich nach Deutschland kamen
und von hier, als Rockefeller verdeutscht, nach Amerika auswanderten, wo sie mit Öl
und Ellenbogen das gro ße Geld machten, mit dem sie ein bis heute noch nicht
erforschtes weltweites Imperium errichteten, darunter sehr viele steuerfreie
Stiftungen von Universitäten und Akademien, über die sie Einfluss auf das
gesellschaftliche Geistesleben ausüben.
Zusammen mit der Macht der Schattenfels im Rücken entstand im Hause Rockefeller
die Idee vom Völkerbund als erster Schritt in Richtung Weltherrschaft; jedoch war die
Zeit dafür noch nicht reif gewesen.
1919 gründeten die Rockefellers den „Council on Foreign Relations“ (CFR), den Rat für
auswärtige Angelegenheiten, der sich ausnehmen mochte wie ein Club von
Hobbypolitikern, dessen Bedeutung aber schon daran gemessen werden kann, dass
seitdem alle Präsidenten Amerikas, mit der einzigen Ausnahme von Ronald Reagan,
aus diesem Club hervorgegangen sind. Während es sich bei diesem Club um eine rein
397
amerikanische Angelegenheit handelte, gründeten die Rockefellers 1954 die
„Bilderberger“, in die auch Kanadier und Europäer einbezogen wurden. 1973 kam die
„Trilaterale Kommission“ hinzu, in die neben der USA und Europa auch Japan
einbezogen wurde. Ihre er ste Aktion bestand darin, den völlig unbekannten Jimmy
Carter zum Präsidenten aufzubauen.
Wenn diese ehrenwerte Gesellschaft Präsidenten macht, Politiker irgendwo in der
Welt stürzt, Revolutionen, Kriege oder Wirtschaftskrisen inszeniert, dürfte es wohl
auch keiner der Geladenen wagen, etwas auszuplaudern, was geheim bleiben soll.
Durch diese mächtigen Verbündeten können die Schattenfels somit ganz
unproblematisch heimlich die Welt regieren!
„Diese Vereinigung hat dadurch ein Weltsystem der finanziellen Kontrolle in privater
Hand. Dadurch können sie das politische System jedes Landes und die Wirtschaft der
ganzen Welt beherrschen. Ihr Erfolg hängt wesentlich davon ab, wie sie ihr Vorhaben
verheimlichen können.“ Man geht daher wohl kaum fehl in der Annahme, dass sich in
der Weltpolitik nichts zufällig entwickelt, sondern von langer Hand vorbereitet und
insgeheim organisiert wird.
Und genau aus diesem Grund ist es so wichtig für die Anderen, dass wir Normal -
Bürger nicht hinter die Kulissen schauen können. Und dafür sorgt dann eben die von
den Anderen instruierte Presse zum Beispiel!
Jene hochrangigen deutschen Politiker, Manager und Persönlichkeiten des
öffentlichen Lebens, die zu den jährlichen Bilderbergertagungen eingeladen und in
deren Geheimnisse und Ziele eingeweiht sind, ohne diese zu Gunsten ihres
Vaterlandes ausnutzen zu dürf en, sind Handlanger einer fremden,
deutschfeindlichen, nach Weltherrschaft strebenden Macht.
Sie verstecken sich hinter einem hierarchischen Netzwerk aus anglo -amerikanischen
Großbanken an der Spitze, der Rüstungs - und Erdölindustrie und den Mainstream -
Medien. Die wirklichen Herrscher (Schattenfels) vermeiden öffentliche Auftritte in
Schlössern. Sie wirken im Geheimen. Vor sieben Jahren hätte ich diese Sicht der Dinge
398
noch als Papperlapapp abgetan – eben als eine der vielen lächerlichen
Verschwörungstheorien.
Heute aber frage ich mich, wie ich dem Märchen von der bürgerlichen Demokratie,
demzufolge automatisch alles mit rechten Dingen zugeht und die Macht vom Volk
ausgeht, so lange glauben konnte. Und wieso ich die tatsächlichen Verschwörungen
gegen die Demokratie einfach nicht sehen, nicht erkennen wollte.
Meine persönliche Antwort heißt: Wer die folgenden Zusammenhänge verstanden
hat, kann nicht mehr ganz so ruhig leben wie vorher. Verantwortung ist unbequem,
oder?
Eine wichtige Rolle bei der Manipulation der öffentlichen Meinung, der auch ich
zugegebenermaßen zeitweise erlegen war, spielen die sogenannten Denkfabriken.
Da die Verbündeten der Anderen ihre millionenschweren „Volks“ -Vertreter immer
wieder erfolgreich im amerikanischen Senat und im Repräsentantenhaus, dem
Zentrum der weltgrößten Millionärsversammlung besetzen können, hat das
amerikanische Volk keine Chance, dort wirklich vertreten zu sein.
Wie funktioniert dieses „unsichtbare Netz“ aus Denkfabriken, Geheimdiensten,
Lobbygruppen und Medienkonzernen?
Nochmal, glauben Sie bitte nicht, dass hier alles unorganisiert und rein zufällig
geschieht, so wie eine Wahl halt je nach allgemeiner Stimmung mal so oder so
ausgehen kann.
Nein, hier handelt es sich um einen perfekt organisierten und totalitär
durchstrukturierten Steuerungsapparat mit zigtausenden gut instruierten Lakaien,
die insbesondere bis tief hinein in die fernen Amtsstuben anderer Staaten wirken.
399
Diese Lakaien wirken in den weltweit wichtigsten Organisationen. Sie bestimmen die
Rolle von NATO, Europäischer Kommission, UNO und Internationalem
Währungsfonds.
Es sind die Organisationen, die von niemandem je gewählt wurden, die aber trotzdem
enormen politischen Einfluss ausüben und die undemokratischen Abkommen wie
TTIP überhaupt erst möglich machen. Alles nach dem Wunsch globaler,
multinationaler, aber insbeson dere der geheimen Weltherrscher, deren Interessen
über nationale Gesetze und Gerichte gestellt werden!
Nach Auffassung der westlichen (selbsternannten) Elite ist die allgemeine
Bevölkerung einfach zu dumm, als dass man sie die Inhalte der Politik bestimmen
lassen dürfte.
So schrieb der Erfinder der Public-Relations, Edward Bernays, bereits 1928:
„Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Lebensgewohnheiten
und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in demokratischen
Gesellschaften. Diejenigen, die diesen unsichtbaren Mechanismus der Gesellschaft
manipulieren, bilden eine unsichtbare Regierung, die die wirklich beherrschende
Macht unseres Landes ist.“
So kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass bei der Schaffung der NWO,
allgemein basierend auf kollektivem Handeln, zusätzlich eine einheitliche
Weltreligion vorgegeben wird, um so auch noch die letzten gläubigen Schäfchen
einzusammeln.
Bereits 1999 fand dazu ein Treffen der Führer aller Religionen statt mit dem Ergebnis,
eine globale Weltreligion zu schaffen. Um eine globale Regierung zu erschaffen,
müssen die alten Religionen verschwinden und durch eine neue ersetzt werden.
Unter dem Vorwand der Globalisierung wollen die Anderen die Abschaffung der
Demokratie, weltweiten Machteinfluss und die Maximierung ihres eigenen privaten
400
Gewinns erreichen. Privatbesitz wird nicht mehr toleriert und daher durch extrem
hohe Gebühren und Abgaben unmöglich gemacht bzw. abgebaut. Die Anderen
besitzen weder Skrupel noch Moral bei der Durchsetzung ihrer Ziele.
Die Gleichschaltung der Menschenmassen (auch durch Weltwährung) und die
Erschaffung eines totalitären Systems weltweit, beherrscht von einer kleinen Elite -
den Anderen!
Das Individuum (der Mensch als unverwechselbare Einzelperson) wird abgeschafft.
Wir stehen kurz vor dem Untergang aller Gesellschaftsformen, so wie wir sie kennen,
und vor dem Eintritt in ein neues Zeitalter, welches im Zuge der Entmachtung des
Volkes nur noch Sklaven und Fürsten kennen wird (= mittelalterliches Feudalsystem).
Sollten nun Gefühle von Angst aufkommen: Auch das ist Teil ihrer Macht, indem der
Eindruck entsteht, es mit einer übermächtigen Organisation zu tun zu haben, gegen
die niemand etwas ausrichten kann!
Die Weltbank und der Internationale Währungsfond verfolgen dabei von Washington
aus die machiavellische Wirtschaftspolitik (Machiavellismus: Die Rechtfertigung einer
von ethischen Normen losgelösten Machtpolitik, danach jedoch tritt politische
Skrupellosigkeit mit dem Prinzip "teile und herrsche" ein).
Dieses „Machiavellische Prinzip“ funktioniert so, dass man als jemand, der Macht
haben will, am besten als übergeordnete Instanz fungieren kann, wenn sich zwei
Gruppen gegenseitig bekämpfen.
Bestes Beispiel liefert der amerikanische Bürgerkrieg. Als der Krieg ausbrach,
finanzierte wie bereits weiter oben erwähnt, die Schattenfels -Bank in London die
Nordstaaten und die Pariser Schattenfels -Bank den Süden. Die einzigen, die diesen
Krieg wirklich gewonnen hatten, waren die Schattenfels.
Dasselbe gilt für den Ausgang des 1. Weltkrieges mittels dem Vertrag von Versailles!
401
Um das System kurz zusammenzufassen:
man schafft Konflikte, bei denen die Menschen gegeneinander und nicht gegen den
wahren Urheber kämpfen
man tritt nicht als Anstifter der Konflikte in Erscheinung
man unterstützt alle streitenden Parteien
man gilt als » wohlwollende Instanz «, die den Konflikt beenden könnte
Wollen die Anderen also die Weltherrschaft erreichen, ist es der Weg zum Ziel, so viel
Zwietracht wie möglich unter den Menschen und Nationen der Erde zu stiften, dass
sich diese in dem Netz der Desinformationen so verheddern, dass sie niemals
herausfinden werden, wer die wahren Urheber sind. Gleichzeitig werden die
Menschen so lange in Kriege untereinander verwickelt, dass sie irgendwann so des
Kämpfens müde sind, dass sie um eine Weltregierung flehen werden.
Die Gründung des Zentralbankensystems durch private Institutionen, darunter das
FED - Federal Reserve System der USA (steuert die US-Innenpolitik, Erfinder: Warburg,
1913), wird als wesentlicher Schritt zur Kontrolle der Welt angegeben.
Die Weltbank und der IWF (Internationaler Währungsfond: steuert US -Außenpolitik)
von heute sorgen für die totale Verschuldung der Länder, aus der sie nie mehr
rauskommen und immer arm bleiben (Staat und Bürger geraten über Generationen
hinweg in ein sklave nhaftes Eigentumsverhältnis). Damit sind sie erpressbar und
müssen ihre Ressourcen dann an die Weltkonzerne verschenken. Dann erscheinen die
Rating-Agenturen und erheben den mahnenden Zeigefinger...
Das Geld, welches die Weltbank an Krediten vergibt, landet nie in den Ländern selber,
sondern geht zu den amerikanischen Großkonzernen, die damit die sogenannten
402
"Infrastruktur-Projekte" durchführen, überteuerte Anlagen, die nur der Elite dienen.
Die Bevölkerung des Empfängerlandes hat gar nichts davon, sondern nur die Schulden
und die Zinszahlungen am Hals. Auch diese dramatische Situation kann als Symptom
der NWO gewertet werden. Das erklärt auch die immer höher werdende
Staatsverschuldung ALLER Staaten, da dies unter normalen
Bilanzierungsberechnungen so gar nicht sein kann!
Des Weiteren werden vom Komitee der 300 alle politischen Parteien unterstützt,
wobei schon sehr auffällig ist, dass weltweit immer nur 3 Lager anzutreffen sind, was
letztlich eben falls immer nur die Spaltung des Volkes bedeutet.
Neben rechten und linken Lagern ist auch der Zionismus (Dieser Begriff wird hier
entfernt, da er in diesem Kontext als antisemitische Chiffre dient und ersetzt durch:)
eine internationale Bewegung für die Stärkung eines Landes, die UNO, die saudischen
Könige (Ölmultis als global Players), alle Geheimdienste und das Royal Institute for
International Affairs (RIIA) dem Komitee untergeordnet.
Kontrolliert und finanziert vom Rockefeller -Syndikat verfolgen sie durch die enge
Kontrolle über die westliche Welt (auch: Vorsitz in der Weltbank) und über die
Medien (Presse und Sender) das Ziel der "Eine-Weltregierung".
Die offensichtliche Verschwörung objektiv zu erkennen ist schwierig, denn die
Verschwörer kommen aus den obersten gesellschaftlichen Schichten. Sie sind sehr
vermögend, gebildet, wirken sehr kulturbewusst, und viele gelten als ausgesprochene
Menschenfreunde. Sie wissen, dass viele Geschäftsleute und Berufstätige besonders
anfällig für soziale Eitelkeit sind und deswegen ihr Ansehen auf keinen Fall gefährdet
sehen wollen, deswegen erhalten sie sozusagen Unantastbarkeit - mit gezielter
Agitation und raffinierter Taktik erworben.
Begriffe wie Seriosität, Rechtschaffenheit, korrektes Verhalten, Niveau, Geschmack,
Intelligenz (ohne Moral), Humor, Toleranz und Diskretion sind klassische Attribute
dieser Gesellschaft. Bei all diesen Charaktereigenschaften würde niemand das
Gegenteil davon vermuten!
403
Dr. Richard Day (Direktor des Rockefeller-Institutes für "Geplante Elternschaft sprach
zu den versammelten Kinderärzten über den Plan der globalen Elite, welche die
westliche Welt regiert, die eine Weltdiktatur, eine Welttyrannei etablieren will, die
allgemein auch die "Neue Weltordnung" genannt wird, bestehend aus einer
Weltregierung, Weltwährung und einer Weltreligion.
"Alles hat zwei Absichten. Das eine ist die angebliche Absicht, welche es für die Leute
akzeptabel macht, und das andere ist die wahre Absicht, welche die Etablierung des
neuen Systems weiterverfolgt."
Er sagte, es gibt immer zwei Gründe für alles, was die Rockefeller`s/Schattenfels
machen: Ein Scheingrund, der den gutgläubigen Menschen plausibel gemacht wird
und der wirkliche Grund. Als Beispiel die Klimaerwärmung als Grund für die
Reduzierung des CO2 wird den Menschen als dringliche Maßnahme erzählt, um den
Planeten vor einer Klimakatastrophe zu retten (globale Umwelt-Angelegenheiten als
Ablenkung und Ausrede für die Chemtrails), dabei ist der wirkliche Grund, die
Menschen mit einem Schuldkomplex zu kontrollieren, einen Umbau der Gesellschaft
zu bewirken, mehr Steuereinnahmen zu ermöglichen und den Atomstrom als einzige
Rettung vor dem Klimakollaps zu verkaufen.
Neben dem Mammon des Geldes in Gestalt des weltweiten Bankennetzes
(Bestechung, Finanzierung beider Seiten: Kriegen, Revolutionen und Terror) und den
Mitteln von Medienmanipulation, Angst und Erpressung finden wir noch weitere
Stacheln.
Alle elektrischen Computerkassen in den USA sind mit einem riesigen Computer in
Dallas (Texas) verbunden, der »The Beast" (das Tier) genannt wird. Dieser ist
wiederum mit zwei weiteren Computern in Brüssel und Amsterdam verbunden, die
auch »The Beast« genannt werden.
Hier geht es prinzipiell um die (heimliche) Erfassung aller existierenden Daten,
harmlos klingend benannt als Cloudcomputing, sei es die Überwachung über
Satelliten, den PC oder mittels RFID-Chip. Die Technik macht es möglich.
404
Dieser Chip mag als Datenlieferant und als Ortung einer Person Teil des
Cloudcomputing sein, dahinter steckt aber viel mehr, nämlich eine
Frequenzmaschine, die den dessen Träger psychisch manipulieren oder sogar töten
kann. Hier wird der großangelegte Vers uch unternommen, die Menschheit mit
"Techno-Viren" zu Fall zu bringen. Der RFID -Chip wird künftig auch bei Operationen
"dazu geschmuggelt" werden und beim weltweiten Implantieren ist eine Viruszugabe
geplant; auftretende Epidemien führen dann zur Kasernier ung der Betroffenen in
FEMA-Lagern.
Wer den Einsatz von Frequenzen als Waffe für übertrieben hält:
„Beim letzten G 20 - Gipfel in Pittsburgh wurde von der Polizei die Schallkanone (von
Marseille aus der Nazizeit) LRAD mit 146 Dezibel gegen friedliche Demonstranten
eingesetzt.“
Im Irakkrieg wurde nicht nur auf Zivilisten geschossen, sondern es wurden erstmals
auch Skalar Waffen (elektromagnetische Impulse) namens Sweetwater (ein
Schlüsselwort aus dem Film: "Spiel mir das Lied vom Tod") eingesetzt.
Skalarwaffenkabel befinden sich auch im Ärmelkanal.
Hinsichtlich all dieser schauderhaften Erläuterungen sei gesagt, dass die Anderen uns
allen technisch gesehen um Jahrzehnte voraus sind, was die psychologischen
Anwendungen nicht unbedeutender macht (Mind Control = Technik +
Biopsychologie).
Wer immer das alles für falsch oder für übertrieben hält, den erinnere ich daran, dass
es bereits schon einmal so war:
Als ein deutscher Bürger in einem Hinterhof die Hinrichtung mehrerer Personen durch
Gestapo-Leute beobachtete und darauf zu seinen Leuten in einen anderen Stadtteil
eilte, um davon zu berichten, sagte man zu ihm:
405
"Das kann nicht stimmen." Nur leider entscheidet Zweifel oder Unglauben nicht über
den Wahrheitsgehalt einer Sache. Die Geschichte wiederholt sich, wenn wir nichts
daraus gelernt haben. Die NWO bedeutet eine totale Abänderung aller Spielregeln
und die des gesamten gesellschaftlichen Ablaufes. All das unterstützen die Insider mit
gezielter Agitation und raffinierter Taktik. Über die Technik (GPS -Ortung und Mind
Control) ist es nahezu unmöglich, dem eisernen Griff dieser Macht zu entkommen. Es
liegt in unserem eigenen Interesse, die Gefahr dieser Verschwörung in ihrer ganzen
Tragweite zu erkennen. Es ergibt sich daraus für jeden von uns die zwingende
Konsequenz, das Interesse an der Freiheit des Menschen dem eigenen sozialen Status
vorzuziehen. Nur so wird es gelingen, die Verschwörung der Anderen aufzudecken. In
der Nazizeit glaubten viele, in Ruhe gelassen zu werden, indem man sich einfach
arrangiert hat und gehorsam war - ein fataler Irrtum, denn mit Tod und Teufel kann
man sich nicht arrangieren. Gut, sie haben ein bisschen länger gelebt als die anderen,
indem sie nur ein bisschen Stress und den Anblick von ein paar Toten ertragen
mussten, aber eines Tages hat jene die Schuld durch den Tod eingeholt.
Für ein bisschen länger essen als die anderen sind sie hinunter gegangen...
Ich würde abschließend sagen: Es geht ums Ganze, und Max Bane hatte das alles von
seinen Stimmen erfahren. Das kann man jetzt ins Reich der Hirngespinste abtun, oder
aber, was wesentlich effektiver wäre, das Ganze für wichtig und ernst nehmen. Und
sich zu untereinander zu solidarisieren, so wie es bereits Max B. geplant hatte, bevor
er hinter den Mauern der gesetzlichen Mühlen einfach so spurlos verschwand…
Das heißt: Entscheidend ist die Anzahl derer, die es nicht nehmen, während sich die
Mehrheit der Frequenzträger nachteilhaft zum Schaden derer auswirkt, die es nicht
nehmen. Je mehr nein sagen, desto besser also. Aber das erfordert Mut, um den wir
bitten müssen, sollten wir den Mut nicht aufbringen.
Eines ist sicher: All jene, die aktiv oder passiv das Zustandekommen der NWO
ermöglichen, werden eines Tages in der Früh aufwachen, sich - vom Grauen erfasst -
im Spiegel anschauen und sich fragen: WAS habe ich da unterstützt?
Gott verspricht allen viel und er hält sein Wort.
Satan verspricht Wenigen alles, aber sie werden es nie bekommen -weder von Gott noch vom
Teufel.
Die Angst kommt nicht von Gott, sie kommt von Satan.
Für einen Sieg des Bösen genügt es, wenn das Gute nichts tut!
Zitat von Jesus aus der Warnung.
406
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Thug Life
Die Anfangsbuchstaben von „The Hate U Give Little Infants Fucks Everybody“ bilden
die beiden Wörter „Thug Life“.
Frei übersetzt heißt das: „Den Hass, den ihr kleinen Kindern entgegenbringt,
zerstört jeden“.
„A real thug life“ trifft das auf Max Bane zu?
Da dieses ganze Leben so vielschichtig ist bzw. war, kann man das schon so sagen!
Wenn Du als kleines Kind schon von Deinem eigenen Vater von frühester Kindheit
an, täglich gezeigt bekommst, dass Du absolut unerwünscht bist;
Wenn Dich Deine eigenen Eltern abschieben, sei es zur Oma oder auch in die
Psychiatrie;
Wenn Du in einem der miesesten Viertel der Stadt aufwächst;
Wenn Gewalt zu Deinem normalen Alltag gehört;
Wenn Du ein Mörder bist;
Wenn Du als gewalttätiger Hooligan jahrelang Gewaltexzesse feierst;
Wenn Du als Geldeintreiber oder auch als Drogendealer Dein tägliches Brot
verdienst;
Wenn Du verschiedene Leute auf grausamste Weise quälst, folterst und auch
umbringst;
Wenn Du Menschen hasst;
Wenn Deine Frau und Deine Tochter von einem Verbrecher erst missbraucht und
dann getötet werden;
Wenn Du eine neue Identität durch ein Zeugenschutzprogramm erhältst;
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Wenn Dich alle, denen Du jemals vertraut hast, verraten;
Wenn dich die Gesellschaft verleugnet und dich wegsperrt;
Kann man da sagen, dass der Begriff „Thug Life“ zutreffend ist?
Das musst letztendlich Du selbst entscheiden….
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„WER SKEPSIS UND ZWEIFEL AN EINER ORTHODOXEN, WAHRHEIT’ HAT UND ALTERNATIVE
HYPOTHESEN INS SPIEL BRINGT, WIRD ALS GEFÄHRLICH, LÄCHERLICH ODER GAGA KLASSIFIZIERT.“
MATTHIAS BRÖCKERS, Verschwörungstheoretiker
Bonus-Material:
410
Verschiedene Zeitungsberichte
Verschiedene ungeklärte Todesanzeigen
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414
Dokumente und sonstiges
Verschiedene Dokumente
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Dankeschön an alle Mitwirkenden, Inspirationen und moralisch Unterstützenden
Mille Grazie! Dankeschön! Thank You very much! Merci! Dankschää!
Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle auch noch bei einigen Menschen, die mir
beim Schreiben dieses Buches sehr geholfen haben, mit Rat und Tat und Sein und
konstruktivem nächtelangem Echo.
Mein Dank geht an Nicola Muth, der ich zu allen möglichen Tages- u. Nachtzeiten,
fast tagtäglich neue Buchinhalte zum Gegenlesen präsentierten durfte.
Max Bane, den leider viel nicht mehr auffindbaren Protagonisten dieses Buches, der
uns mit seinen ganzen Ideen und vor allem Erinnerungen und teilweiser
Unterstützung mit Foto- u. Zeitungserinnerungsalben immer unter die Arme griff.
Ohne ihn und die ganzen Erlebnisse und Einblicke in seine, für “normale Menschen“
wie uns nicht nachvollziehbaren Gedankengänge und Interpretationen seiner
eigenen Zwiegespräche wäre eine Realisierung dieses Buches gar nicht möglich
gewesen.
Den Fans u. Anhängers des SV Waldhof Mannheim 07 für die vielen lustigen und
actionreichen gemeinsamen Spielnachmittage in diversen Fußballstadien und den
internen Informationen.
Meiner über alles geliebten Ehefrau Tina wegen Deiner Geduld mit mir und den
motivierenden Gedankenschüben.
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Den ganzen Freunden und Verwandten von Max Bane, die uns mit reichlich Bildern
und Berichten aus den vergangenen Tage unterstützt haben.
Meinen mich stets psychologisch und wissenschaftlich, sowie grammatikalisch
unterstützenden best-friend Dominique „The DON“ Nicolas Zachrau!
And last but not least meinen Sohn Tristan, der anstatt das Buchkonzept Korrektur
zu lesen lieber für seine 1. Klausur in seinem Studienfach Steuerlehre stundenlang
„gebüffelt hat und meine Tochter Sophia, die mein Buch bisher auch nicht würdigte!
Und natürlich auch an meine weltbeste Mama, ohne die es mich ja gar nicht gäbe
und noch meinem „Big Brother“ Ronni, dem einzig wahren!
Meinem Psychiater Dr. Johannes Seibert, für die vielen inspirierenden Sitzungen in
seiner Praxis.
Und zum Schluss möchte ich mich noch bei Google und bei Wikipedia bedanken,
denn ohne diese Suchmaschinen wären viele Recherchearbeiten schlicht unmöglich
gewesen.
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Inhaltsangabe
Ungeliebt - Verraten - Verlassen - Abgeschoben - Abgestellt - von der Gesellschaft verstoßen!
Hochintelligent - Kaltblütig - Berechnend - Menschenverachtend - Gewalttätig - Skrupellos!
Ohne Moral - Ohne Perspektive - Ohne Liebe - Ohne Anerkennung - Ohne Familie - Ohne Freunde!
Das ist lediglich eine ganz kleine Auswahl von Begriffen, die auf unseren Protagonisten Max Bane
zutreffen!
Wenn Deine Kindheit im Ghetto ausschließlich aus Gewalt und Hass besteht;
wenn sich in der Jugend Deine inneren Dämonen melden und Du in eine Irrenanstalt abgeschoben
wirst;
wenn Du erkennst, dass Du nur über Gewaltexzesse und ohne jegliche Skrupel einen Ausweg aus
der Gesellschaft findest;
wenn Deine Dämonen immer öfter Besitz von Dir übernehmen;
wenn Du Deinen Lebensunterhalt als Geldeintreiber, Drogendealer, Zuhälter, Führungsmitglied
einer hochkriminellen Straßengang und mit sonstigen illegalen Geschäften verdienst;
wenn Du in Deiner Freizeit als Hooligan einen Gewaltexzess nach dem Anderen suchst;
wenn Du außer saufen, kiffen, koksen, schlagen, quälen, foltern, ficken, klauen und rumBastardn
keine anderen Hobbies hast;
wenn Deine Nachbarn hinter Deinem Rücken tuscheln, wenn Du nur verbrannte Erde hinterlässt,
wenn Du genau weißt, dass Dich die Anderen beobachten;
wenn Dir die einzige Liebe Deiner Ehefrau und Deiner Tochter von einem pädophilen,
geisteskranken Mörder grausam und plötzlich genommen werden;
wenn die Gesellschaft Dich in allen Punkten fallen lässt und Dich sogar verurteilt;
wenn Du beginnst zu entscheiden, was Recht ist und was nicht;
wenn die Grenzen zwischen der Realität und Deiner Gedankenwelt immer mehr verwischen und
Du nicht mehr weißt ob Du das Resultat einer Gesellschaft , die von den mysteriösen Anderen
kontrolliert und bestimmt wird, bist, oder ob Du ein von Deinen inneren Dämonen beherrschtes
Geschöpf bist;
…dann bist du recht herzlich willkommen in der Welt unseres Protagonisten Max Bane!
Dieses Buch ist für Alle, denen „Shining“ von Stephen King zu belanglos und „American Psycho“
von Bret Easton Ellis zu harmonisch war, ein „MUSS“!
Falls Sie schon immer ein bisschen detaillierter und realistischer hinter die Kulissen der „Hooligan-
Szene“ blicken wollten und sich nicht sicher sind, ob die Welt nicht doch von einer „geheimen
Weltelite“ regiert wird, dann ist dieses Buch genau das „Richtige für Sie“!
In diesem Buch wird schonungslos ohne Wenn und Aber mit vielen Tabus gebrochen , es werden
viele interne Abläufe von kriminellen Vereinigungen beschrieben!
In diesem Buch werden Sie selbst -als Leser- dazu angeregt Ihre Umwelt mit anderen Augen und
kritischer als bisher zu beobachten!
Max Bane - 100% original made in Germany, Diary of a real ThugLife:
Dieses Buch ist Enthüllung und Offenbarung zugleich!
Juli 2017
DOCXVorschau
Titelblatt_MaxBane_Einband
MAX BANE, ÜBER MICH: Ich hasse alle Arschlöcher / Ich bin für den schmerzvollen Tod aller Kinderschänder /Ich hasse Sozialschmarotzer / Ich bin ein Psychopath / (Ich hasse) Mir sind Menschen egal. / Ich bin für Folterungen aller Art gegen alle Terroristen, Islamisten, Salafisten, sogenannte Gotteskrieger!!!! / Ich bin definitiv Gewaltbereit, wenn es...
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MAX BANE, ÜBER MICH: Ich hasse alle Arschlöcher / Ich bin für den schmerzvollen Tod aller Kinderschänder /Ich hasse Sozialschmarotzer / Ich bin ein Psychopath / (Ich hasse) Mir sind Menschen egal. / Ich bin für Folterungen aller Art gegen alle Terroristen, Islamisten, Salafisten, sogenannte Gotteskrieger!!!! / Ich bin definitiv Gewaltbereit, wenn es absolut sein muss. Müsste ich ein Engel sein, dann wäre ich ein Racheengel. / Ich bin das Alpha, Beta und das Omega / es gibt keine Götter! See U in Wallhalla / Wenn es sein muss, mache ich Dich ohne weiter nachzudenken Platt und denke nicht mal weiter darüber nach / Ich stehe auf Treue, Ehre, Mut, Toleranz, Respekt, Familie, Wahrheit, Ehrlichkeit, den eigenen Willen Ich bin NICHT Damian oder irgend so ein Psychodoktor, deswegen labere mich nicht mit Deinem uninteressanten Scheiß voll, das ist mir scheißegal! / Ich bin ich und ich ich bin mit mir im Reinen und ich weiß was ich möchte und was alle anderen über mich denken ist mir nicht wichtig, wichtig ist, das ich versuche mich zu benehmen, das ich versuche keinem anderen Schmerzen, gleich welcher Art zuzufügen, und das ich AB SOFORT absolut tolerant bin zu allen, die mich in Ruhe meine Leben leben lassen, so wie ich es leben möchte... / Ich (bin) war ein Krieger / Ich (bin) war gerne ein Arschloch / Ich habe nix gegen Ausländer, aber da es hier in Deutschland genug soziale Schmarotzer, Zivilversager, Penner und Arschlöcher gibt, brauchen wir nicht noch die ausländischen Arschlöcher hier, die es in Ihrem Land zu nix gebracht haben. / Aber zu allen Flüchtlingen, die es ernst meine, sich unserer Kultur und unserer Lebensweise anpassen, unsere Sprache lernen möchten, und hier auf Basis eines ehrlichen Jobs und Arbeit Ihr Leben neu und friedlich neu starten möchten, sage ich: WILLKOMMEN! / Ich scheiße auf alle Antifas, / Ich scheiß auf alle Nazis, Ich auf alle Doofköppe, / Ich scheiße auf alle Salafisten, Faschisten, Kommunisten / Ich scheiß auf alle Arschlöcher, Idioten und Flaschen / Ich scheiß auf den Papst/ Ich bin gegen Krieg im Ausland, aber jederzeit bereit hier an unseren Grenzen für Deutschland zu kämpfen, wenn es sein muß! / Die ganzen großen Parteien Deutschlands schenken sich gar nix, wenn es um Ihre eigenen Vorteile geht. / Ich bin gegen das Leiharbeitergesetz, dadurch wurde in Deutschland das Sozialgesetz "legal" umgangen. / Es stellt doch kein Unternehmen mehr eigene Mitarbeiter ein, da nehmen sie lieber Leiharbeiter aus diesen tausenden von Pseudofirmen, damit sie keine soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern übernehmen müssen, Schröder und Eichel sei Dank, ihr Wichser! / Hey, wie viele von den ganzen Hartzlern könnten noch schaffen, doch das faule arbeitsscheue Gesindel will doch gar net und schmarotzen sich lieber auf den Kosten anderer durchs Leben. / Investiert hier lieber das Geld in die wirklich sozial bedürftigen Familien und arbeitslosen aber arbeitswilligen Menschen / Ich bin ein Soziopath / Ich brauche keinen Präsi, Boss oder Ähnlichen, der mir sagt was ich tun soll / Ich brauche keine Mannschaft, Gang, Club oder sonst was hinter meinem Rücken, ich bin ein Outlaw / Ich hasse Typen, die Frauen schlagen / Sorry aber die meisten Kinder sind nun mal verwöhnte Arschlöcher Paedophil ist nicht tolerierbar, Paedophil ist abnormal / Pädophile gehören nicht in den Knast, die gehören einfach weg...../ Na Klar bin ich radikal, aber nur wenns sein muss / Ich bin mit Herzblut ein Waldhofer.... / Ich bin gegen sämtliche Club-Kooperationen / Ich bin stolz auf unser Land und stehe auf und singe mit zu unseren Nationalhymne Ich scheiße auf alle koksenden Friedmänner, die meinen uns Deutsche das vorhalten zu müssen, was unsere Väter und Großväter mit den Juden hier im Land gemacht haben, denn ich habe es nicht gemacht...../ Welches Volk auf der Welt hat den nicht schon seinen Holocaust hinter sich: Angefangen bei den Römern, den Russen, den Katholiken, den Amis, den Spaniern, den Juden heute in Palästina und und und ...../ Aber wir Deutsche sollen uns für immer und ewig deswegen vorhalten lassen, das wir sind was unsere Vorfahren gemacht haben. / Dazu sage ich Nein !!!! Ohne uns würde es auf der Welt gar nicht gut aussehen, und wir brauchen uns nicht immer und ewig zu entschuldigen. / Wenn es Euch nicht passt, haut einfach ab aus unserem Land und schaut was Ihr bei Euch machen könnt ! / Fickt Euch, Fick Dich und schwirr einfach ab, du Spast! / Ich bbin gegen doppelte Staatsbürgerschaften, wenn Ihr Eure Kultur leben wollt, dann verzieht Euch in Euer "kulturelles" Land, dann hat keiner was dagegen. / Du schaffst mich niemals am Boden zu halten; ich Steh immer wieder auf, IMMER!!! / Wenn Du ein Problem mit mir oder einem meiner Freunde oder jemanden aus meiner Familie hast, dann bekommst Du ein Riesenproblem mit mir. Und glaub mir das willst Du nicht wirklich! / Ich liebe den Sex..../ Ich bin vieleicht nicht klug, aber erfahren. / Ich lebe mein Leben also verzieh Dich und lebe Deins.... / Diese ständige Wut in mir, ich weiß auch nicht warum das so ist, aber es IST so! Schon immer !!! / Ob ich ne Schraube locker habe in meiner Birne?? / Ajo, net nur eine, ich denke eher gaaaaanz viele, aber so bin ich halt. Wenn ich ins Ausland ziehen müsste, dann würde ich mich anpassen, die Sprache und die Kultur lernen und versuchen legal zu arbeiten, deswegen kann ich es auch nicht hinnehmen, wenn es Asylanten, die hier einwandern wollen, nicht genauso wollen, dann sage ich: Stop!!!! / Aber mittlerweile bin ich auf dem Standpunkt, das hier alles viel zu wichtig genommen wird mit den Nationalitäten, mit den Rechten, den Linken, den Ausländern etc. Ich kann es nicht mehr hören.... / Ich sehe es so: / Mir ist egal welche Hautfarbe einer oder eine hat, welche Nationalität, aus welchem Bundesland die Herkunft ist, solange diese Menschen mich in Ruhe lassen und vor allem korrekt und anständig sind. Mir ist ein netter Ausländer wesentlich lieber als ein dappiger Deutscher, das muss auch mal gesagt sein, denn hier geht es doch um mehr, und zwar um den Weltfrieden...... / PEACE...... / und natürlich .... ACAB....
DOCXVorschau
Buchanalyse und Rezension_ Max Bane
Anatomie eines „Thug Life“: Eine kritische Analyse des Max-Bane-Manuskripts I. Einleitung: Die Rahmung eines Lebens voller Gewalt und Wahn Das vorliegende Manuskript, „Max Bane – Diary-of-a-real-THUGLIFE“, präsentiert sich als ein hybrides literarisches Werk, das die Grenzen zwischen verschiedenen Genres bewusst verwischt. Es vereint die rohe Intimität...
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Anatomie eines „Thug Life“: Eine kritische Analyse des Max-Bane-Manuskripts I. Einleitung: Die Rahmung eines Lebens voller Gewalt und Wahn Das vorliegende Manuskript, „Max Bane – Diary-of-a-real-THUGLIFE“, präsentiert sich als ein hybrides literarisches Werk, das die Grenzen zwischen verschiedenen Genres bewusst verwischt. Es vereint die rohe Intimität einer Autobiografie, die faktischen Ansprüche einer True-Crime-Erzählung und die detaillierte Symptomatologie einer psychologischen Fallstudie. Diese Einordnung ist entscheidend für das Verständnis der beabsichtigten Wirkung und des potenziellen Publikums. Die Analyse des Manuskripts muss mit einer kritischen Untersuchung des Vorworts von C. Aßmann beginnen, da dieses den ersten Kontakt des Lesers mit dem Protagonisten Max Bane entscheidend prägt und die Linse vorgibt, durch die dessen Leben betrachtet werden soll. Die narrative Rahmung durch den Autor C. Aßmann Das Vorwort fungiert als ein entscheidendes narratives Instrument, das den Leser anleitet, eine klinische und distanzierte Perspektive einzunehmen. Aßmann stellt unmissverständlich klar, dass Max Bane aufgrund seines „Krankheitsbildes“ unfähig sei, Gefühle wie Zuneigung, Liebe oder Verantwortung zu empfinden.1 Diese Behauptung wird als unumstößliche Tatsache präsentiert. Darüber hinaus wird jede vom Autor wahrgenommene Gefühlsregung als kalkulierte Manipulation entlarvt: „Falls bei mir der Eindruck einer Gefühlsregung seitens Max jemals entstanden sein sollte, dann nur, weil Max in dem Moment wollte und steuerte, dass ich dies so empfinden sollte“.1 Dieser „Empathie-Haftungsausschluss“ bereitet den Leser darauf vor, in Bane nicht einen tragischen Helden, sondern ein pathologisches Studienobjekt zu sehen. Diese Vorgehensweise erzeugt jedoch ein tiefgreifendes Paradoxon der Glaubwürdigkeit. Wenn der Autor selbst einräumt, Gegenstand von Banes meisterhafter Manipulation gewesen zu sein, wie kann er dann die Objektivität für sich beanspruchen, Banes innersten Zustand – seine angebliche Gefühllosigkeit – als Fakt darzustellen? Der Autor positioniert sich als zuverlässiger Chronist, der gleichzeitig zugibt, von einem unzuverlässigen Protagonisten beeinflusst worden zu sein. Dies wirft die fundamentale Frage auf, welche Teile der Erzählung Banes authentisches psychopathisches Selbst widerspiegeln und welche Teil einer für den Autor inszenierten Performance sind. Verschärft wird diese Problematik durch die Behauptung, Max Bane sei während der Erstellung des Buches „auf tragische Weise einfach spurlos verschwunden“.1 Das Inhaltsverzeichnis führt jedoch detailliert Ereignisse bis ins Jahr 2017 auf, dem Jahr der Veröffentlichung, einschließlich eines abschließenden Abschnitts mit dem Titel „Des Dramas Grande Finale: (2017)“ und Kapiteln wie „Der Prozess“. Dieser Widerspruch legt die Vermutung nahe, dass das Manuskript bewusst die Grenzen zwischen dokumentierter Realität und narrativer Konstruktion verwischt. Es könnte sich um ein Werk des „Faction“ handeln, das Fakten mit Fiktion anreichert, um einen fesselnderen, wenn auch weniger verifizierbaren Mythos um die Figur des Max Bane zu schaffen. II. Die Formung eines Psychopathen: Eine Analyse der „Kindheit“ (1970–1980) Dieser Abschnitt analysiert die prägenden Jahre Max Banes und argumentiert, dass seine Psychopathie im Manuskript als ein Produkt aus extremer umweltbedingter Konditionierung und einer angeborenen Veranlagung dargestellt wird. Ein Unfall namens Max… Das Fundament von Banes Trauma wird in diesem Kapitel gelegt: der systematische Missbrauch durch seinen Vater, den er als „den ersten Psychopath, den ich traf“ bezeichnet.1 Die eindringlichste Szene ist das inszenierte „Kartenspiel“, bei dem der Vater die misshandelte Familie zwingt, vor der Polizei Glück und Harmonie vorzutäuschen. Dieses Ereignis demonstriert nicht nur impulsive Gewalt, sondern eine kalkulierte, sadistische Form der psychologischen Kontrolle. Es ist der Schlüssel zum Verständnis von Banes späterer Fähigkeit zur Manipulation, die er von seinem Vater erlernte. Er ertrug Schläge mit Hundeleinen und Peitschen und wurde als „nicht gewollter Unfall“ ständig gedemütigt.1 Kindheitserinnerungen aus den frühen Siebzigern & Frühe Kindheit in Zellerau Diese Kapitel zeichnen das Bild eines brutalen sozioökonomischen Umfelds. Die Beschreibungen des „Roten Blocks“ und der Ghettos von Würzburg-Zellerau zeigen eine Welt, in der Gewalt die Norm und Aggression eine Überlebensstrategie ist.1 Ein Schlüsselmoment ist der Vorfall, bei dem der junge Max einen Jungen mit einem Stein brutal angreift, um seinen Roller zu verteidigen. Er beschreibt das Gefühl, „richtig stolz auf mich“ zu sein, was seinen ersten erfolgreichen Einsatz von extremer, proaktiver Gewalt und die damit verbundene positive Verstärkung markiert.1 Diese Erfahrungen, einschließlich der Erblindung auf einem Auge durch einen Schraubenzieher, zementieren Gewalt als primäres Interaktionsmittel. Diagnose „Verhaltensgestört“ Im Alter von sieben Jahren erhält der Protagonist eine formale Diagnose, die er für sich als „Soziopath“ interpretiert.1 Entscheidend ist, dass er beginnt, aktiv Merkmale von Serienmördern zu recherchieren („chronisches Bettnässen, Pyromanie, Tierquälerei“) und sich mit dieser Typologie zu identifizieren. Die Diagnose wird somit nicht nur zu einem Etikett, sondern zu einem Identitätsskript. Anstatt entsetzt zu sein, erlebt er einen Schock der Wiedererkennung: „Es ist ein großer Schock, wenn man erkennt, dass die einzigen Menschen, mit denen man Gemeinsamkeiten hat, psychopathische Killer sind“.1 Dies wird zu einem grundlegenden Teil seines Selbstkonzepts, einer perversen Form der Selbstverwirklichung. Umzug Heuchelhof In einer neuen Umgebung setzt sich der väterliche Missbrauch fort, insbesondere durch die psychologische Folter der „Schwitzkasten“-Sitzungen, die bei ihm Panikattacken und Klaustrophobie auslösen.1 Diese systematische Entmenschlichung führt zu seinem Rückzug in eine Fantasiewelt („heile Welt“ der Hörkassetten) und seiner Unfähigkeit, gesunde Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen. Seine soziale Isolation verstärkt seine innere Welt und festigt seine abweichende Entwicklung. III. Die Eskalation des Konflikts: Eine Analyse der „Jugend“ (1981–1986) Dieser Abschnitt zeichnet Banes Jugendjahre nach und zeigt seinen Übergang vom Opfer zum Täter, während er seine Fähigkeiten und seine Ideologie verfeinert. Sommer 1982 – Begegnung mit roher Gewalt Der brutale Überfall von Hauptschülern auf Max und seine Mitschüler des Gymnasiums stellt ein zentrales Trauma dar. Er wird zutiefst gedemütigt, verprügelt und anschließend von seinem Vater erneut geschlagen, weil er sich nicht wehren konnte.1 Diese Erfahrung von Ohnmacht und die darauffolgende Bestrafung für seine Opferrolle schaffen eine direkte kausale Verbindung zu seiner Entscheidung, sich durch Gewalt Macht zu verschaffen. Geheimes Boxtraining ist Pflichtprogramm Als direkte Reaktion auf die Demütigung beginnen Max und sein Freund Harald heimlich mit dem Boxtraining. Sie verinnerlichen die brutale Philosophie seines Cousins Moby: „als erster zuhauen, dann nachtreten und das am besten so lange, bis er sich am Boden nicht mehr rührt!“.1 Der erfolgreiche Kampf gegen eine Gruppe türkischer Jugendlicher im Schulbus dient als erste praktische Anwendung dieses neuen Kodex. Der Sieg verschafft ihm ein enormes Gefühl von Macht, Anerkennung und Heldentum und verstärkt die neu erlernte Gewaltstrategie positiv. Punker-Hetze durch Würzburg / Verlust meiner Unschuld Dieses Kapitel markiert eine entscheidende Eskalation von der Selbstverteidigung zum ideologischen Bandenkrieg. Max, der sich als „Popper“ identifiziert, nimmt an einer stadtweiten Straßenschlacht gegen Punks teil. Hier begeht er seinen ersten mutmaßlichen Mord, indem er eine weibliche Punkerin brutal zusammenschlägt, und wird Zeuge der extremen Gewalt seines Cousins Moby, der einen Baseballschläger einsetzt. Seine Reaktion ist nicht Entsetzen, sondern Euphorie („viel, viel geiler!“) und ein völliger Mangel an Reue: „Fakt ist aber auch, dass ich an diesem Tag meine ‚Unschuld‘ verlor, aber Skrupel oder ein schlechtes Gewissen hatte ich deswegen nie!“.1 Dies ist die endgültige Bestätigung seiner psychopathischen Denkweise. Mitten in der Nacht, Tagebucheinträge & Nachtwanderung Diese Kapitel bieten einen rohen Einblick in einen ausgewachsenen psychotischen Zusammenbruch, der zu seiner Einweisung in eine psychiatrische Anstalt führt. Die Tagebucheinträge vom 16. September bis 3. Oktober 1985 sind ein wirkungsvolles literarisches Mittel, um den Zerfall seiner Realitätswahrnehmung darzustellen.1 Schlüsselelemente seiner Psychose treten hervor: akustische Halluzinationen („Stimmen“), Größenwahn („ich bin Gott“) und die zentrale paranoide Verschwörungstheorie der „Anderen“, die ihn beobachten und gegen ihn intrigieren. Die Feststellung des Verfassers, dass Max (damals noch Christian Balling) nach diesem Aufenthalt jeglichen Kontakt zu seinen Eltern abbricht, markiert seine endgültige und unumkehrbare Entfremdung von seiner Familie und der konventionellen Gesellschaft. IV. Der Punkt ohne Wiederkehr: „Kampfzone 1“ (1986–1989) & „Beschreitung neuer Wege“ (1989–1991) Dieser Abschnitt analysiert Banes Eintritt ins Erwachsenenalter, der von Kapitalverbrechen und einer staatlich geförderten Identitätsauslöschung geprägt ist, die seine Pathologie jedoch nicht eindämmen kann. Meine besoffene Nazi-Oma und ich… Dieses Kapitel beschreibt den Mord an Melanie, einer Haushälterin. Die Tat wird nicht als Affekthandlung dargestellt, sondern als Höhepunkt eines Blutfetischs, den er in der Anstalt entwickelt hat. Er beschreibt, wie ihn ihre selbst zugefügten Narben erregen, was seine Gewalt mit einer kalten, rituellen und fast ästhetischen Besessenheit von Blut verbindet.1 Die Nazi-Ideologie seiner Großmutter, die ihm von den „Faschistenschweinen“ erzählte, bildet den thematischen Hintergrund für normalisierten Hass und Entmenschlichung. Begegnungen im Wald und 2 bleiben vergraben & 13. Oktober 1988 / Urteilsverkündung Hier wird die Tötung von zwei jugoslawischen Männern während eines missglückten Drogengeschäfts detailliert beschrieben. Die Aufnahme eines Zeitungsartikels und des Gerichtsurteils in das Manuskript ist eine zentrale narrative Strategie.1 Obwohl die Tat extrem brutal war – 17 Messerstiche, Zerschlagung des Kopfes und anschließende Enthauptung –, wertete das Gericht die Tat als „Notwehr“. Dieses juristische Urteil wird zu einem unfreiwilligen Validierer von Banes Gewalt. Die externe Absolution durch das Rechtssystem bestärkt seinen inneren Glauben, dass seine Handlungen gerechtfertigt sind und er außerhalb der Reichweite konventioneller Moral und Gesetze steht. Der Staat versagt in diesem Moment als moralisches Gegengewicht und bestätigt stattdessen seine Weltsicht. Big in Japan Dieses Kapitel beschreibt seine Aufnahme in ein geheimes Regierungsprogramm namens „NEOSPEKTRUM“, eine Form des Zeugenschutzes, die ihm eine neue Identität verleiht: Maximilian Christian Bane.1 Die staatlich sanktionierte Auslöschung seiner Vergangenheit bietet jedoch keine Chance zur Rehabilitation, sondern vertieft seine Entfremdung. Indem der Staat seine alte Identität (Christian Ronald Balling) offiziell „tötet“, vollendet er unbeabsichtigt Banes psychologische Transformation in die losgelöste, amoralische Entität „Max Bane“. Er ist nun buchstäblich ein Mann ohne Vergangenheit, losgelöst von allen verbliebenen sozialen oder familiären Bindungen, was ihn noch gefährlicher macht. Spätjahr 1991 / Jackenklau in Wiesbaden Dieser Vorfall dient als perfekter Mikrokosmos seiner Pathologie. Ein triviales Ereignis (verschüttete Drogen) führt zu einer Serie von Kleinkriminalität (Jackendiebstahl), die bei Konfrontation in eine unverhältnismäßige, drogenbefeuerte psychotische Wut explodiert, in der er sich erneut als göttliche Kraft sieht („Ich bin Gott“).1 Es zeigt, dass trotz der neuen Identität und der staatlichen Intervention seine Kernpsychopathie und seine Impulskontrollprobleme unverändert und gefährlich volatil bleiben. V. Thematische Synthese: Die Dekonstruktion des Geistes von Max Bane Dieser Abschnitt geht über die chronologische Zusammenfassung hinaus, um die übergreifenden Themen des gesamten Manuskripts zu synthetisieren und eine tiefere analytische Perspektive zu bieten. Gewalt als Ontologie Für Max Bane ist Gewalt nicht nur ein Werkzeug oder eine Reaktion, sondern sein fundamentaler Seinszustand – seine Ontologie. Sie ist die Sprache, die er spricht, die Linse, durch die er die Welt wahrnimmt, und die einzige Methode, mit der er seine Existenz behaupten kann. Von den Schlägen seines Vaters bis zu den Morden im Wald ist Gewalt die Konstante, die sein Leben strukturiert. Der unzuverlässige Erzähler und die Fusion der Psychopathologien Das Manuskript verbindet meisterhaft die Merkmale zweier verschiedener Störungsbilder in der Figur des Max Bane: Psychopathie (Dissoziale Persönlichkeitsstörung): Seine Kälte, sein Mangel an Empathie, seine Manipulationsfähigkeit und seine Reuelosigkeit. Schizophrenie: Seine paranoiden Wahnvorstellungen („die Anderen“), akustischen Halluzinationen („Stimmen“) und seine grandiose Selbstwahrnehmung („Gott“). Die Erzählung zwingt den Leser in den erschreckenden kognitiven Raum, in dem sich diese beiden Pathologien überschneiden. Es wird unmöglich, zwischen Wahn, kalkulierter Lüge und verzerrter Realität zu unterscheiden, was Max Bane zum ultimativen unzuverlässigen Erzähler macht. Die Verschwörung der „Anderen“ Das wiederkehrende Motiv der „Anderen“ ist das zentrale Organisationsprinzip seiner paranoiden Weltsicht. „Die Anderen“ sind eine Projektion seiner tiefen Entfremdung von der Gesellschaft. Sie stellen eine allmächtige, böswillige Kraft dar, die seine präventive Gewalt rechtfertigt und seine eigenen Misserfolge erklärt, wodurch er von jeder persönlichen Verantwortung freigesprochen wird. Sie sind die externe Ursache für sein internes Chaos. Die Ästhetik der Brutalität Der Stil des Manuskripts ist bewusst roh, vulgär und ungeschliffen. Dies ist keine Schwäche, sondern eine entscheidende literarische Wahl. Die Sprache spiegelt das Bewusstsein des Protagonisten wider – brutal, direkt und ohne poetische Kunstgriffe. Ihre Funktion ist es, den Leser in die Hässlichkeit seines Geistes eintauchen zu lassen und ein viszerales, zutiefst unbehagliches Leseerlebnis zu schaffen. VI. Abschließende Bewertung und Empfehlungen Dieser letzte Abschnitt bietet eine zusammenfassende Bewertung des Manuskripts und gibt professionelle Empfehlungen für eine mögliche Veröffentlichung. Bewertung der Stärken und Schwächen Stärken: Die primäre Stärke des Manuskripts liegt in seiner unerschrockenen, rohen Authentizität bei der Darstellung eines zutiefst gestörten Bewusstseins. Es bietet einen seltenen und erschreckend intimen Einblick in die Überschneidung von schwerer Persönlichkeitsstörung und Psychose. Seine narrative Struktur, insbesondere die Verwendung von Tagebucheinträgen und offiziellen Dokumenten, ist äußerst wirkungsvoll. Schwächen: Die größte Schwäche der Erzählung liegt in der Gefahr, als Verherrlichung von Gewalt missverstanden zu werden. Das Charisma und die sich selbst rechtfertigende Weltsicht des Protagonisten könnten auf manche Leser verführerisch wirken. Die ungelösten Glaubwürdigkeitsprobleme bezüglich der Rolle des Autors und des Verschwindens des Protagonisten stellen ebenfalls eine erhebliche Herausforderung dar. Empfehlung zur Veröffentlichung Das Manuskript besitzt einen erheblichen literarischen und psychologischen Wert und verdient eine Veröffentlichung. Angesichts seines extremen Inhalts und der Unzuverlässigkeit seines Erzählers wird jedoch dringend empfohlen, dass jede veröffentlichte Ausgabe ein kritisches oder klinisches Nachwort enthält. Ein solcher Anhang, verfasst von einem qualifizierten Literaturkritiker oder forensischen Psychologen, wäre unerlässlich, um: Den notwendigen psychologischen Kontext bezüglich antisozialer Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie zu liefern. Die Erzählung verantwortungsvoll zu rahmen, um das Risiko zu mindern, dass Leser die Handlungen des Protagonisten glorifizieren. Den Leser bei der Navigation durch die komplexen Fragen der narrativen Unzuverlässigkeit und der zweideutigen Natur der „Wahrheit“ innerhalb des Textes zu leiten. Die ethischen Überlegungen bei der Veröffentlichung eines solch rohen und verstörenden Berichts zu thematisieren. Referenzen 251019_Max-Bane_Diary-of-a-real-THUGLIFE_Entwurf-Fassung.docx
Audio / Podcast
Begleitende Analyse- und Kritik-Audios zum Buchprojekt.